Vermischtes: „Unteilbar“-Demo, Frauenvolksbegehren, Gender-Pay-Gap, Blödsinn, Abtreibung

1. Großdemo „Unteilbar“ in Berlin

In Berlin haben eine viertel Million Menschen für… also bzw. gegen.. also… – ja was eigentlich genau? – demonstriert. Natürlich geht es vielen Demonstranten einfach darum, gegen die Fremdenfeindlichkeit zu protestieren, die in den letzten Jahren durch AfD und Pegida wieder in der Öffentlichkeit angekommen ist. Das ist ein aufrechtes legitimes Ziel, doch das gemäßigte Fußvolk steht in Berlin neben linken Aktivisten und Ideologen, die politische liberale, humanistische Werte für sich vereinnahmen, denen sie heute keineswegs mehr gerecht werden können. Die Mainstreammedien unterstützen die Linken dabei, indem sie deren politisches Vokabular unkritisch übernehmen. Ein paar Beispiele aus diversen FAZ und ZEIT-Artikeln, die erklären, wofür die Demo angeblich steht:

für die Offene Gesellschaft

Der linke politisch korrekte „Antirassismus“ ist heute gegen die Offene Gesellschaft – ein wichtiger liberaler Begriff, der vom Philosophen Karl Popper geprägt wurde und heute offensichtlich nicht mehr verstanden wird.

gegen Hass

  1. Hass kann auch berechtigt sein, weshalb es unsinnig ist, ganz allgemein „gegen Hass“ oder „für Liebe“ zu demonstrieren. Das ist inhaltsleerer Kindergarten.
  2. Die heutige Linke ist alles, nur nicht frei von Hass.

gegen die Spaltung der Gesellschaft und gegen Rassismus

Wer die Welt in die bösen „Rassisten“ und die guten „Antirassisten“ einteilt und der anderen politischen Seite nur mit Ignoranz und Vorverurteilung begegnet und wer darüber hinaus z.B. Weiße gegen „People of Colour“ (oder Frauen gegen Männer) ausspielt, der ist es, der die Gesellschaft spaltet.

für bunt statt braun

  1. Ihr seid nicht „bunt“, ihr seid rot. Meinungspluralismus (bunt) ist etwas wofür die heutige Linke so gar nicht steht – schon gar nicht in der Flüchtlingsfrage.
  2. Eure Gegner sind längst nicht alle Nazis (braun). Das ist wieder die alte Vorverurteilung. Wann versteht die Neue Linke endlich, dass sie ihre Gegner nicht einfach mit den Braunhemden der SA gleichsetzen kann!

gegen rechts

Das alte Feindbild, das der Tabuisierung aller Meinungen, die gegen links sind, dienen soll – sich also grundsätzlich auch gegen Feminismuskritiker richtet. Hierzu ein Auszug aus einem vorangegangenen Artikel von mir:

Der identitätspolitische Kampf „gegen rechts“ – Der undemokratische Kult um ein Tabuwort

Natürlich kann man gerne gegen eine beliebige rechte Position sein, aber dann nenne man diese doch bitte beim Namen und erkläre warum man sie ablehnt; anstatt dass man einfach in einem Akt kollektiver Selbstvergewisserung klar stellt, dass man irgendwie gegen rechts ist. Dieses Bekenntnis ist keine Argumentation sondern reine identitäre Abgrenzung im Sinne eines Lagerdenkens.

 

Das Problem ist nun – ich möchte es nochmal wiederholen – nicht, dass sich Bürger gegen Islamhass und Fremdenfeindlichkeit einsetzen, sondern das Problem ist, dass sie sich dabei von linker Ideologie vereinnahmen lassen und sich mit Politikern und Aktivisten gemein machen, deren Verhältnis zur freiheitlichen Demokratie höchst zweifelhaft ist. Damit machen sie ihren Protest unglaubwürdig und tragen zur Abschottung der Lager bei. Und das zweite Problem ist, dass die unkritische Berichterstattung dies unterstützt. Für die Geschlechterfrage ist dies von Belang, weil die Front gegen rechts selbstverständlich auch gegen Feminismuskritiker instrumentalisiert werden wird, auch wenn dies von den meisten Teilnehmern solcher Demos nicht intendiert sein dürfte.

 

2. „Frauenvolksbegehren“ in Österreich

Die FAZ interviewt Lena Jäger, Projektleiterin des „Frauenvolksbegehrens“ in Österreich. Diese glänzt in ihren Antworten mit Widersprüchen und unsinnigen Erklärungen, die äußerst bescheidene Kenntnisse von Politik, Gesellschaft und dem eigenen Tun offenbaren. Wer sich den Quark durchlesen möchte, kann das hier tun. Viel wichtiger ist jedoch, in die Forderungen des Volksbegehrens einzusteigen, die in dem Interview viel zu kurz kommen. Der Forderungskatalog ist lang; ich versuche es mal runterzubrechen:

  • 50%-Zwangsquoten für die gesamte Gesellschaft, einschließlich des politischen Betriebs (Einschränkung der Demokratie)
  • umfassende Zensur- und Umerziehungsmaßnahmen (Werbung, Bildungseinrichtungen) gegen alles was nicht genderkorrekt ist
  • staatliche Förderung feministischer Medienberichterstattung (institutionalisierte politische Beeinflussung der Medien)
  • „Volle Lohntranzparenz“ und tiefe Eingriffe in marktwirtschaftliche Lohnentwicklung
  • Verpflichtung von privaten Unternehmen zu Gleichstellungsmaßnahmen
  • 30h-Woche für alle (damit soll die geschlechtliche Aufgabenverteilung irgendwie abgeschafft werden)
  • mehr Unterhaltskram für Alleinerziehende (davon hab ich Gott sei Dank keine Ahnung)
  • Rechtsanspruch auf kostenlose öffentliche Vollzeit-Kinderbetreuung bis 14 Jahre (!)
  • komplett steuerfinanzierte Verhütungsmittel und Abtreibungen (in allen Krankenanstalten)
  • mehr Frauenhäuser
  • geschlechtergetrennte Unterbringung von Flüchtlingen (auch Ehepartner scheinen mitgemeint zu sein)

 

Knapp eine halbe Million Österreicher hat sich für diesen antidemokratischen und freiheitsfeindlichen, prüden und männerverachtenden Scheiß begeistern können und hat das Volksbegehren unterschrieben. Viele haben wahrscheinlich nur „Frauen“ gelesen und ihren Stempel drunter gesetzt.

 

3. Pay Gap in MINT-Branche

Die FAZ berichtet über den GPG in MINT-Berufen fast ohne femi-Moralisierung. Die gemessenen Werte sind relativ hoch. Die Überschrift „Was Frauen verdienen und Männer bekommen“ ist wohl als Unterstellung zu verstehen, dass Männer das bekommen würden, was eigentlich Frauen erarbeitet haben. Weiter heißt es dann im Artikel, Frauen verdienten „zu wenig“. Diese Wertung, die eine Ungerechtigkeit suggeriert, ist eigentlich hinfällig, wo am Ende des Artikels doch zugegeben wird, dass

allerdings der unbereinigte Wert wenig aus[sage], da die Analysten unterschiedliche Stellenprofile miteinander verglichen. Um eine exakte Aussage bezüglich der Entgeltlücke treffen zu können, müsse der Wert nach vielen Parametern bereinigt werden. In ihrer Auswertung seien lediglich der Beruf, die Personalverantwortung sowie das Studienfach berücksichtigt worden.

 

4. ZEIT: Frauenbewegung von Problemen entfremdet, zerstritten und unverständlich – aber trotzdem voll wichtig

Bei Zeit Online gibt es die feministische Rubrik „10 nach 8“, deren Artikel auf der Blödsinn-Skala von 1 bis 10 meistens im Mittelfeld liegen. So auch der neue „10 nach 8“-Artikel von Caroline Rosales, die sich als „ganz gewöhnliche Frau“ vorstellt. Wie das ganz gewöhnliche Frauen so machen, besucht sie feministische Lesezirkel und versucht, sich so weit wie möglich feministisch korrekt zu verhalten. Doch die intellektuellen Diskurse sind ihr zu hoch und die unterschiedlichen Ansichten darüber, wie sich die moderne Frau zu verhalten hat, setzen ihr zu. Anscheinend schafft sie es nicht, nach ihren eigenen Überzeugungen zu denken und zu handeln und macht sich lieber von anderen abhängig. Folgerichtig beklagt sie daher die akademische Abgehobenheit und die Grabenkämpfe innerhalb der Bewegung. Nun versucht sie aber diese Meinungsverschiedenheiten und ihren theoretischen Unterbau zu ignorieren und Einigkeit zu beschwören, damit den „ganz gewöhnlichen Frauen“ endlich geholfen werden kann. Was diese vereinten feministischen Kräfte inhaltlich leisten sollen, weiß die Autorin aber auch nicht so genau. Das einzige handfeste, was ihr hier einfällt ist die Abschaffung von §219a (Verbot der Werbung für Abtreibung). Ansonsten noch irgendwas gegen „Mutterbild“ und Kleinfamilie und dann soll noch irgendeine neue Partei gegründet werden. Na, da werden sich die gewöhnlichen Frauen aber freuen. ;D

In Wirklichkeit geht es mal wieder nur um das gar furchtbarste Übel für die Sache der Frau: Dass die bösen Rechten in der Frauenfrage mitreden und den Feminismus kapern. Also heißt es mal wieder: gegen rechts – egal warum.

Denn während wir Frauen uns selbst kannibalisieren, haben ausgerechnet populistische rechte Parteien das Thema Feminismus für sich entdeckt. Die AfD in Deutschland, der Rassemblement National (RN) in Frankreich, die Trumps (insbesondere Ivanka) schmücken sich mit dem Wort, instrumentalisieren es […]

Merkt die Autorin nicht, dass sie damit die beklagten Grabenkämpfe einfach nur nach rechts verlagert und geht es ihr wirklich nur um die Belange der „ganz gewöhnlichen Frauen“ oder doch nicht vielmehr um die eigene linke Diskurshoheit, von der andere Frauen überhaupt nichts haben?

 

5. ZEIT: Abtreibungsfrage

Feministen tun zur Zeit so, als würden die Rechte der Frauen mit Füßen getreten werden, weil es in Deutschland ein Werbeverbot für Abtreibung gibt. Die Zeit berichtet jedoch ausgewogen und unaufgeregt (Daumen hoch!).

§219a hat den Zweck zu verhindern, dass Abtreibung als etwas normales unbedenkliches gehandhabt wird. Man muss nicht so weit gehen, Abtreibung als „Mord“ zu bezeichnen, aber es handelt sich nun mal um etwas, was in diese Richtung geht, unter Umständen eine Straftat darstellt und daher nicht öffentlich normalisiert werden sollte. Daher finde ich den Gedanken von §219a grundsätzlich richtig. Ein Verbot, über Schwangerschaftsabbruch nur zu informieren, halte ich jedoch für falsch. Hier gibt es auch verfassungsrechtliche Bedenken. Die ZEIT berichtet von einem problematischen Gerichtsurteil diesbezüglich. Ein zweiter Artikel zu dem Thema lässt die AfD-Politikerin Beatrix von Storch zu Wort kommen, die §219a verteidigt:

„Was rechtswidrig ist, darf nicht beworben werden“, sagte sie der Neuen Osnabrücker Zeitung. „Abtreibung ist kein Menschenrecht.“ Sie wünsche sich stattdessen eine „Willkommenskultur für Kinder“.

 

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Autor: Jonas

Student der Geistes- und Sozialwissenschaften mit Fokus Nahost

14 Kommentare zu „Vermischtes: „Unteilbar“-Demo, Frauenvolksbegehren, Gender-Pay-Gap, Blödsinn, Abtreibung“

    1. Wirklich völlig enthemmt, aber das überrascht mich bei feministischen Aktivisten nicht. Aber was mich dann doch schon ein bisschen überrascht ist die völlige Naivität mit der die österreichische Öffentichkeit diesem Wahnsinn gegenüber steht. Ich hab noch ein bisschen recherchiert und ein paar Artikel dazu gelesen. So ein Volksbegehren scheint in Österreich eine große Sache zu sein. Es gibt viel Berichterstattung, Politiker äußern sich im Vorfeld und das Ding kommt jetzt vors Parlament. Das Frauenvolksbegehren wird schon seit 2016 (!) vorbereitet und seit dem beworben und diskutiert. Und während dieser zwei Jahre dringt nicht in die breite Öffentlichkeit hindurch, dass hier Demokratie und Freiheit massiv beschnitten werden sollen. Alles worüber das verpennte Bürgertum diskutiert, ist dieser merkwürdige Vorschlag der 30h-Woche.
      Komplettes Quoten-Regime? Schulterzucken.
      Politische Steuerung der Medien? Naja, is doch für die Frauen…
      Staatliche Genderumerziehung in öffentlichen Einrichtungen? Ach i wo, so schlimm wiads scho ni wean.

      Doch, ihr Vollidioten, es wird richtig eklig werden. Ihr setzt hier eure Freiheit und eure Rechte aufs Spiel, um euer bigottes Gewissen zu entlasten – ein Ablasshandel der Moral. Ihr seid zu naiv, um hinter die Fassade zu schauen und zu feige das Wort zu erheben, bevor es euch verboten wird.

      In Kommentarbereichen der Zeitungen und in Blogs sieht es natürlich anders aus. Hier eine umfassende Analyse und Kommentierung der Forderungen des FVB von einem österreichischen Männerblogger – schon von Feb. 2018:

      https://maennergedanken.wordpress.com/2018/02/09/das-zweite-frauenvolksbegehren/

  1. Zu 219a: Der Punkt, auf den Frau von Storch hinweist, wird viel zu selten in der Debatte erwähnt. Noch immer ist Abtreibung rechtswidrig, allerdings unter bestimmten Umständen in einer Frist straffrei. Rechtswidrige Taten dennoch straffrei zu stellen, ist ein nicht unübliches juristisches Konstrukt. Was dann nach Juristenlogik aber ebenfalls nicht geht, ist eine Werbung für diese rechtswidrige Tat. Andernfalls müsste man auch Drogen oder Auftragskiller bewerben dürfen. Insofern sehe ich ernsthafte Verfassungsprobleme bei einer Streichung des Paragraphen. Apropos Auftragskiller: Der Papst hat Abtreibung ja gerade damit verglichen. Das finde ich auch übertrieben, und ich finde auch, in gewissem Rahmen sollte Abtreibung möglich sein. Aber allzu leicht, indem man es quasi normalisiert, sollte man es auch nicht machen.

    1. „und ich finde auch, in gewissem Rahmen sollte Abtreibung möglich sein. Aber allzu leicht, indem man es quasi normalisiert, sollte man es auch nicht machen.“

      ja mein ich auch. Dass die Feministen Abtreibung normalisieren wollen, erinnert mich außerdem irgendwie an die Normalisierung von Alleinerziehenden. Scheidungen müssen möglich sein, aber bei Kindern die Ausnahme. Die Feministen jedoch wollen alleinerziehende Mütter als ganz und gar unbedenkliches alternatives „Familien“-Modell etablieren – koste es was es wolle. Was diesen laxen Umgang mit Abtreibung und Scheidung wohl verbindet ist die Haltung: „Mädchen, mach was du willst, du musst keine Verantwortung für nix tragen. Das Patriarchat (Papa Staat) zahlt dir alles und haftet für alle negativen Konsequenzen deines Handelns.“

  2. „Hass kann auch berechtigt sein“ -> Nein.

    Hass zu empfinden ist eine Emotion, die einem widerfährt – insofern legitim.

    Hass zur Grundlage irgendeiner Äußerung, Handlung oder Entscheidung zu machen ist dagegen niemals „be-recht-igt“. Recht wird nicht auf der Grundlage von Emotionen geboren, sondern auf der Grundlage von Vernunft.
    Wer Hass zur Grundlage irgendeiner Handlung, Äußerung oder Entscheidung macht, ist daher im Unrecht.

    Damit will ich nicht sagen, dass einem nichts zuwider sein darf – aber bevor man darauf reagiert, muss das Ganze einen „Vernunfts-Check“ durchlaufen.

    Empfehlung: räumlich und gedanklich Distanz schaffen, bis XY zählen, nüchterne Analyse der Situation und vernünftiger Handlungs- / Reaktionsmöglichkeiten, DANN Reaktion.
    Ich weiß, ist heute nirgends mehr selbstverständlich. Sollte es trotzdem sein, finde ich.

    1. Ich bezog mich darauf, dass es sinnlos ist, „gegen Hass“ zu sein, wie es die Linken heute vorgeben, denn dadurch ignoriert man die Ursachen dieses Hasses.

      „Recht wird nicht auf der Grundlage von Emotionen geboren, sondern auf der Grundlage von Vernunft. Wer Hass zur Grundlage irgendeiner Handlung, Äußerung oder Entscheidung macht, ist daher im Unrecht.“

      Nein. Wenn ich z.B. sage: „Die dreckigen verlogenen Feminazis wollen das Land in eine politisch-korrekte Irrenanstalt verwandeln“, bin ich also automatisch im Unrecht? Diese Aussage basiert auf Hass und dieser Hass hat eine ganz und gar menschliche Ursache und sollte durchaus zur Aussprache kommen um diesen Schwachköpfen Grenzen aufzuzeigen. Ich nehme sie nun mal als dreckig und verlogen wahr. Wenn man sowas nicht äußern würde, weil man ja immer nüchtern und rational bleibe will, kann man nicht glaubhaft vermitteln, was man von ihnen hält. Glaubhaft bedeutet, dass nicht nur die Ratio des Adressaten angesprochen wird (die bei Femisten heute eh kaum erreichbar ist), sondern auch das Unterbewusstsein – also die psychische Sphäre des Glaubens.

      Dein Plädoyer für den unemotionalen rationalen Diskurs in allen Ehren, aber das ist unrealistisch. Ein politischer Diskurs ist eben kein wissenschaftlicher Diskurs, sondern ein Interessenausgleich – und Interessen sind vernunftsunabhängig. Emotionalität der pol. Äußerung ist einfach menschlich.
      Emotion und Ratio lassen sich außerdem nicht strikt trennen und das Recht wird durchaus auch auf die Grundlage von Emotion gestellt. Schließlich steht es (auch historisch) auf der Grundlage des Rechtsempfindens der Gesellschaft. Grundlage des Rechts sollte das Allgemeinwohl sein. Was genau das Allgemeinwohl ist, lässt sich jedoch nicht nur durch die Vernunft ergründen.
      Emotionale politische Äußerungen sind für politisch Ungebidete übrigens oft die einzige Möglichkeit, ihre Interessen und Ansichten zu äußern. Wer einen rein rationalen Diskurs fordert, fördert einen rein elitären akademischen Diskurs.

      1. „Nein. Wenn ich z.B. sage: „Die dreckigen verlogenen Feminazis wollen das Land in eine politisch-korrekte Irrenanstalt verwandeln“, bin ich also automatisch im Unrecht? Diese Aussage basiert auf Hass und dieser Hass hat eine ganz und gar menschliche Ursache und sollte durchaus zur Aussprache kommen um diesen Schwachköpfen Grenzen aufzuzeigen.“
        Da liegst Du falsch, @ Jonas.
        Hass ist bei der Aussage eben NICHT die Basis, schon gar nicht automatisch. Sondern die emotionale Reaktion darauf. Was eine rationale Basis nicht ausschließt. Lediglich in der Interpretation durch die, welche die emotionale Formulierung aufnehmen entsteht der Eindruck „Hass“. Wobei letzendlich sogar egal ist, ob Du tatsächlich Hassgefühle zu dem Inhalt entwickelt hast, oder es sich um eine reine Falschinterpretation der Empfänger handelt.
        Zumindest verstehe ich Errollbundel’s Aussage so.
        Mal vorausgesetzt, daß in dem von Dir zitierten Satz von @Errollbundel die Knackpunkte „Recht“ und „Grundlage“ sind, hat er Recht.

      2. @Fiete

        Verstehe nicht ganz was du meinst. Wenn ich jemanden „dreckig und verlogen“ an den Kopf werfe und dazu noch polemisch stark überspitzte Vorwürfe mache, soll das kein Hass sein? Klar hasse ich Feministen (zumindest die verlogenen bigotten Demagogen aus Politik und Medien, die genau wissen was sie tun; nicht die bürgerlichen Sonntagsfeministen, die einfach nur naiv, feige und schlecht informiert sind.)

        “ Mal vorausgesetzt, daß in dem von Dir zitierten Satz von @Errollbundel die Knackpunkte „Recht“ und „Grundlage“ sind, hat er Recht.“

        Auch was du hier sagen willst verstehe ich leider nicht. (Übrigens ist errollbundel eine Frau)

  3. Das Geschlecht ist für den Inhalt einer Aussage unwichtig, meine ich zumindest.

    Ich bezog mich auf das hier:
    „Wenn ich z.B. sage: „Die dreckigen verlogenen Feminazis wollen das Land in eine politisch-korrekte Irrenanstalt verwandeln“, bin ich also automatisch im Unrecht? Diese Aussage basiert auf Hass und dieser Hass hat eine ganz und gar menschliche Ursache und sollte durchaus zur Aussprache kommen um diesen Schwachköpfen Grenzen aufzuzeigen. Ich nehme sie nun mal als dreckig und verlogen wahr.“

    Erollbundel ging es, soweit ich es verstanden habe, um die Basis einer Aussage, nicht um deren letzendliche Formulierung.

    Du sagst, daß der Spruch auf Hass basiert und das ist zwar möglich, muß aber nicht im geringsten so sein. Ob das nun Deine Wahrnehmung ist, oder nicht, ist dabei zunächst unerheblich. Es ist genau so gut möglich, daß Du sorgfältig, eiskalt rational und ohne jedes Vorurteil zu Deinem Schluss gekommen bist und lediglich beim Ausprechen des Ergebnisses, welches eben gerade NICHT auf Hass basiert, sondern auf „reiner“ Vernunft, Deiner Empörung ( insofern zusätzlich ) Ausdruck verleihst.

    DU selbst hinterfragst Deine These übrigens in dem Nebensatz:
    „bin ich also automatisch im Unrecht?“
    Nein, bist Du nicht.
    Aber nicht aufgrund der These, daß Hass die Basis ist, sondern aufgrund der Tatsache, daß er es eben nicht sein muß.
    Nur dann, wenn er es nicht ist, bist Du nicht im Unrecht, ansonsten wärest Du es.

    Kurz: Die Art der Äußerung ist ( wenigstens aus rechtlicher Sicht ) nicht zwangsläufig die Basis der dahintersteckenden Ansicht.
    Der Hass an sich wird dadurch nicht gerechtfertigt. Aber die ursächliche Basis möglw. schon.
    Eine Frage der Kausalitätsrichtung.
    Ist das so etwas deutlicher geworden?

    1. Ja, ist deutlicher geworden. Ich frage mich dann aber schon, was dann deiner (oder erollbundels) Ansicht nach echte ‚Hatespeech‘ wäre, also Aussagen, die wirklich auf Hass gründen. Gib mal ein Beispiel. Hau mal was raus 😉

      Meiner Meinung nach, kann man Aussagen, die auf Hass gründen und Aussagen, denen durch hasserfüllte Sprache „zusätzlich Ausdruck verliehen“ wird nicht voneinander trennen.

      Ich lehn mich mal etwas aus dem Fenster und sage: Hass ist immer berechtigt, egal ob gegen Feministen, gegen Juden, gegen Männer oder gegen Außerirdische. Wenn er nicht berechtigt wäre, würde es ihn nicht geben, zumindest wenn wir von einer geistig gesunden Person ausgehen. Was aber meistens falsch ist, ist das Objekt des Hasses, also der Sündenbock, aber nicht der Hass an sich. Z.B. richten Nazis ihre berechtigte Wut (über irgendwas, z.B. schlechte Kindheit, Jobunzufriedenheit) auf unschuldige Juden oder Ausländer. Oder Feminsten: Die lassen ihren berechtigten Frust über den Fehlschlag der Gleichstellungsillusion (und andere Befindlichkeiten) an unschuldigen Männern aus.

      1. Jemand hat etwas, das ich nicht habe, und ich hasse ihn dafür.
        Ich soll das „berechtigt“ finden?

        Ich störe mich grade sehr an Deinem Begriff „berechtigt“.
        „berechtigt“ beinhaltet nunmal etwas aus der kategorie „zurecht“ hassen oder „ein Recht darauf“ haben, irgend sowas.
        Nein, kann ich nicht sehen.

        Es mag immer irgend eine Art „Grund“ oder Anlass für Hass geben. Dadurch ist das aber noch lange nicht in irgend einer Weise „berechtigt“.

      2. @maddes8cht

        ja „berechtigt“ ist vielleicht ein irreführendes Wort. „begründet“ ist sicher besser. Ich hab hier aber das Wort ‚berechtigt‘ gewählt, weil erollbundel meinte, „wer Hass zur Grundlage irgendeiner Handlung, Äußerung oder Entscheidung macht, ist daher im Unrecht.“
        Und das finde ich grundfalsch, denn das kommt mir wie eine Verachtung normaler menschlicher Gefühle daher.

      3. „Und das finde ich grundfalsch, denn das kommt mir wie eine Verachtung normaler menschlicher Gefühle daher.“
        Ich sehe mich auch da eher auf der Seite von erollbundel .

        Die eine Sache ist, dass Gefühle an sich legitim sind.
        Aber ich brauche nicht jedem Gefühl zu folgen, und speziell mit dem Gefühl Hass sollte man daher extrems vorsichtig sein.
        Wer immer ein Gefühl des hasses als Handlungsleitend erkennt, sollte dringend die daraus abgeleiteten handlungen hinterfragen und gegebenenfalls eben bremsen.
        Und ja, wer seine Handlungen (primär und bewusst, also mit expliziter berufung auf den hass als begründung) auf dieses Gefühl gründet, der setzt sich auch meiner Meinung nach ins Unrecht.

        Ich sags mal so:
        Bei einer solchen Handlung erwarte ich ein Mindestmaß an Rationalisierung der Handlung.
        Klar mag der Hass dabei ein starker Motivationsfaktor bleiben, man sollte doch ehrlich versuchen, die Handlung grundsätzlich anders begründen zu können, also z.B. sich bemühen, Gerechtigkeit herzustellen, als einfach nur Rache zu üben. Die Gefahr ist immer groß, dass es bei einer reinen „rationalisierung“ des eigenen Hasses bleibt, aber wer sich dem schon verweigert, der lebt rein im Hass, was zutiefst zerstörerisch und ungerecht werden wird.
        Im positiven Fall kann die (ehrliche bemühung um) ratinalisierung vielleicht zu verständnis gegenüber dem gehassten und zu (zumindest teilweiser) Auflösung des Hasses führen.

        Ich kann keine „Verachtung normaler menschlicher Gefühle“ erkennen, wenn ich darauf bestehe, dass Handlungen sich üblicherweise nicht auf stark negative Gefühle gründen sollten. Ich erwarte von zivilisierten erwachsenen Menschen, Gefühle ein Stück weit im Griff haben zu können und sich nicht beliebig davon zu Handlungen hinreißen zu lassen.
        Damit entwerte ich diese Gefühle nicht, aber als handlungsleitend akzeptiere ich sie an dem Punkt nicht.

      4. @maddes8cht

        Hass führt zu Rache und ist daher potenziell auch gefährlich, gerade dann, wenn Hass und Rache das falsche Ziel haben (also auf einen Sündenbock losgelassen werden). Von daher müssen Hass und andere Gefühle reflektiert und gemäßigt werden, soweit richtig. Wenn man aber nicht akzeptieren möchte, dass Gefühle das Handeln (mit-)bestimmen, dann entwertet man sie. Wozu sollen denn Gefühle sonst da sein, wenn nicht als Handlungsanweisung? Inwieweit man sich von seinen Gefühlen leiten lässt oder sich halt „zusammenreißt“ ist eine Frage des individuellen Falles, eine Abwägungsfrage. Aber die Gefühle – also auch die negativen destruktiven „bösen“ Gefühle – werden immer dabei sein. Es sei denn, man ist ein Roboter. Das captcha sollte man vielleicht wirklich mal wörtlich nehmen 😀

        https://ixquick-proxy.com/do/spg/show_picture.pl?l=deutsch&rais=1&oiu=http%3A%2F%2Fwww.services.fishbeam.com%2Fhelp%2Fgoldfish4%2Fde%2Fcaptcha%2Frecaptcha%402x.png&sp=e3e6c352c224bcb25825548d08958f7f

        „also z.B. sich bemühen, Gerechtigkeit herzustellen, als einfach nur Rache zu üben.“

        Rache und Gerechtigkeit schließen sich keineswegs aus.
        etwas überspitzt ausgedrückt: Eine Sache ist gerecht, wenn sie gerächt wurde. Ich bin kein Germanist, aber ich nehme an, dass diese Ähnlichkeit kein Zufall ist. Darum meinte in der ersten antwort auf erollbundel auch:
        „Emotion und Ratio lassen sich außerdem nicht strikt trennen und das Recht wird durchaus auch auf die Grundlage von Emotion gestellt. Schließlich steht es (auch historisch) auf der Grundlage des Rechtsempfindens der Gesellschaft.“

        Bei Wikipedia bin ich auf eine interessante Äußerung Friedrich Nietzsches zum Thema Rache gestoßen:
        „Friedrich Nietzsche hat „Vergeltung“ als natürliche Antwort des Menschen auf Gutes wie Böses gedeutet. So ist tätige Dankbarkeit für ihn „die gute Rache“ (Morgenröte 138). Bleibt diese Antwort aus, so entwickelt sich das Ressentiment. “
        https://de.wikipedia.org/wiki/Rache#J%C3%BCdisch-christlicher_Kulturkreis
        Sprich: Rache muss genauso genommen werden wie Dankbarkeit gegeben werden muss. Wird dieser angeborene Verhalten unterdrückt (z.B. wegen dem Gewaltmonopol des Staates oder weil man Hass irgendwie böse und undiszipliniert findet), dann hat dies ernsthafte Folgen. Ich spinne diesen sehr guten Gedanken mal weiter und sage: Eben weil in unserer überdisziplinierten Gesellschaft Hass und Rache kein Platz eingeräumt wird, sondern sie in die Unterwelt verdrängt werden, entwickeln sich die spezifschen modernen irrationalen Hassideologien gegen Juden, Muslime, Männer und andere Gruppen, an denen sich stellvertretend für etwas anderes gerächt wird.

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