Transsexualität und thailändische Geschlechtsumwandlungs-Industrie

Der wohl bekannteste Transidente bzw. Transsexuelle der westlichen Welt: Der US-Whistle-Blower Bradley/Chelsea Manning, der wohl noch während der Haft eine geschlechtsumwandelne Operation machen wird.

Das Magazin GEO (Chefredakteur ist seit 2014 übrigens Christoph Kucklick, der Autor von Das unmoralische Geschlecht) berichtet in der aktuellen Printausgabe (GEO, 09, 2018) über „transidente“ (transsexuelle) Männer, die sich einer Geschlechtsumwandlung (bzw. „Geschlechtsangleichung“) unterziehen; also Penis und Hoden durch eine künstliche Vagina ersetzen, Brustimplantate machen lassen, Hormone einnehmen und weiteres. Ärtze und ganze Kliniken in Thailand sind darauf spezialisiert und obendrein preiswert, so dass es einen international bedeutsamen Kliniktourismus in das südostasiatische Land gibt. GEO:

[Thailand] ist in der Transidenten-Szene berühmt für seine hoch spezialisierte plastische Chirugie. In den Krankenhäusern arbeiten brilliante Ärzte, die ausschließlich Vaginas formen, Tag für Tag. Die Operation ist nicht teuer, knapp 8600 $ (etwa 7400€)

Laut GEO kostet eine vergleichbare Operation in Deutschland etwa 20 000 €, hat darüber hinaus beträchtliche Wartezeiten und die Chirurgen wenig Erfahrung. Der Artikel erzählt nun die Geschichte eines Deutschen, der sich nach Thailand aufmacht, um den „richtigen“ Körper zu bekommen, wie es GEO unkritisch nennt, und beschreibt dabei auch eindrücklich die Geschlechtsumwandlungs-Industrie, die sich in Thailand gebildet hat:

Das Preecha Aesthetic Institute (PAI) liegt im Zentrum von Bankok; neben verglasten Bürotürmen und Leuchtreklame von Nachtclubs werben Schönheitsinstitute auf haushohen Plakaten für ihre Dienste. Penisvergrößerung! Bauchmuskelimplantat! Zähne, strahlend weiß!

Eine Geschlechtsumwandlung ist hier nur eine von vielen Möglichkeiten für ein glückliches Leben

[…]

Im PAI […] kann man ein All-inclusive-Paket buchen, um wiederholte Narkosen zu vermeiden: Geschlechstangleichung, Gesichtsfeminisierung und Brüste – in einer einzigen Operation.

Man wacht aus der Narkose auf und befindet sich in einem völlig veränderten künstlich-weiblichen Körper. Ich weiß nicht was das für ein Gefühl ist, aber ich würde niemanden raten das zu riskieren.

Ausländer mit weniger Geld suchen ein Behandlungszentrum auf, das in der Szene „Breast factory“ genannt wird: Brüste-Fabrik. Eine Einrichtung mit dem Charme einer Änderungsschneiderei. […] eine Geschlechtsangleichung kostet hier nur 1400 €. […] Der Eigentümer der Klinik formt Brüste im Akkord, meist von zwei Patientinnen gleichzeitig, die nebeneinander im Operationssaal liegen. Bis zu 30 Brüste schafft er an einem Morgen, nachmittags widmet er sich den Geschlechtsangleichungen, bis zu zwei am Tag.

[…]

Ein Arzt buhlt mit einer Art zweiter Klitoris um zahlungskräftige Ausländer, für maximalen Sex-Genuss.

Erlaubt ist, was gefällt, aber ich halte das für sehr bedenklich. Es kommt mir wie ein äußerst leichtsinniger Umgang mit dem Körper vor. Der Mensch sollte nicht glauben, dass er schlauer als die Evolution ist.

 

Eine psychische Störung?

Transidentität bzw. Transsexualität gelten der WHO zufolge seit Juni diesen Jahres offiziell nicht mehr als psychische Störung. Dazu der Tagesspiegel:

Bisher wurde Transsexualität im Bereich der „mental and behavioural disorders“ (also der psychischen und Verhaltensstörugen) eingeordnet. Komplett gelöscht aus der ICD-Klassifikation wird das Thema aber nicht. Künftig soll von „Gender Incongruence“ die Rede sein („geschlechtliche Nicht-Übereinstimmung“). Dafür wird die Kategorie „Sexual Health Conditions“ eingeführt, was man mit „Zustände sexueller Gesundheit“ übersetzen könnte.

Sprich: Sich im eigenen Körper fremd zu fühlen, soll nun offiziell als Zustand sexueller und psychischer Gesundheit gelten. Transaktivisten und linke Öffentlichkeit sind begeistert. Die Krankenkassen tragen die Operationskosten übrigens teilweise und es ist tendenziell zu erwarten, dass sie zukünftig mehr Kosten übernehmen werden. Wahrscheinlich wird gerade dadurch, dass Transsexualität in Zukunft als „gesund“ angesehen wird, der Zugang zur operativen Geschlechtsumwandlung erleichtert, was natürlich strenggenommen widersprüchlich ist, denn ein Gesunder braucht ja normalerweise keine Operation.

Ich habe große Zweifel, ob man den Betroffenen durch diese gut gemeinte Haltung wirklich einen Gefallen tut. Was, wenn sich Transidente am Ende doch nur in eine ernsten Wahn bzw. eine Identitätsstörung hineingesteigert haben und dann auch noch von der Gesellschaft bestätigt werden, anstatt echte Hilfe zu bekommen? Sollte man einem Mann, der z.B. meint, dass er die Identität eines Baumes hat und glaubt unbedingt eine operative „Körperangleichung“ zu benötigen, ebenfalls sagen, dass alles in Ordnung mit ihm ist? Und sollten die öffentlichen Kassen dann auch seine künstliche Verholzung und regelmäßige Chlorophyll-Einnahme bezahlen, damit er endlich in dem Körper leben kann, in dem er sich (angeblich) wohlfühlt? Das meine ich durchaus nicht polemisch.

 

Warum hat sich gerade Thailand als Land der Geschlechtsumwandlung international etabliert?

Ein „drittes Geschlecht“ und Androgynie sind in der traditionellen Kultur Thailands fest verwurzelt (Vergleichbares gibt es übrigens in auffallend vielen Gesellschaften Asiens, z.B. auch Oman, Afghanistan, Indien, Laos). Thailändische junge Männer, die in einer Frauenrolle leben heißen Kathoeys; im Westen werden sie meist als „Ladyboys“ bezeichnet. Sie sind in der Gesellschaft seit jeher relativ akzeptiert und heute vor allem im Unterhaltungs- und Prostitutionsgewerbe tätig. Der in Thailand vorherrschende Buddhismus scheint dem gegenüber tolerant zu sein.

Eine chirurgische Geschlechtsumwandlung machen diese Kathoeys traditionell natürlich nicht. Wahrscheinlich handelte es sich ursprünglich noch nicht mal um echte Transsexuelle im modernen Sinne einer klinisch definierten Identitätsstörung, sondern eben einfach nur um äußerst feminine männliche Jugendliche, so wie sie es z.B. in der traditionellen Kultur Afghanistans z.T. bis heute gibt. In Zeiten der plastischen Chirurgie jedoch, also seit Ende des 20. Jahrhunderts, entstand in Thailand ein riesiger Markt für entsprechende Operationen. Es ist nun davon auszugehen, dass sich die thailändischen Ladyboys nicht umoperieren lassen, weil sie sich in ihrem männlichen Körper unwohl fühlen oder so Sachen, denn das scheint mir ein sehr moderner westlicher Identitätskomplex zu sein. Vielmehr werden sich Kathoeys operieren lassen, weil sie in ihrem primären Gewerbe, also der Prostitution und dem Showbusiness, bessere Chancen haben wenn, sie besonders weiblich aussehen. Das hat sich dann im Laufe der letzten Jahrzehnte so gesteigert, dass es sich am Ende nur noch um mehr oder weniger künstliche Frauen handelte und eigentlich nicht mehr um Ladyboys. Da nun gerade Thailand für sein -sagen wir mal- ‚vielseitiges‘ bis maßloses Rotlichtmilieu und den dazugehörigen Tourismussektor bekannt ist, gibt es eine große Nachfrage nach stark feminisierten jungen Männern, die sich mehr und mehr umoperieren lassen um sich dem Markt anzupassen. Daher entsteht auch ein großes und ziemlich günstiges Angebot. Westliche Identitätssucher, die sich „im falschen Körper fühlen“ sind für diese Industrie nur ein willkommenes Zubrot. Solche ziemlich offensichtlichen Hintergründe erwähnt der Geo-Artikel aber leider nur am Rande.

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Kathoeys bei einer Show in der Touri-Hochburg Pattaya. Sie sind Kundschaft und Produkt einer ausgeprägten Industrie der plastischen Chirurgie. Quelle:Wikipedia

Um das Phänomen Transsexualität und der Kathoeys besser zu verorten, lohnt es sich, die bereits kurz angesprochene Tradition der afghanischen „Ladyboys“ anzuschauen. Es handelt sich hierbei um den Brauch des Bacha Bazi, einem traditionellen subtil-erotischen Tanz eines jungen androgynen Mannes. Ich werde über das Thema vielleicht noch mal einen gesonderten Artikel schreiben. Was fällt in den beiden Videos auf im Vergleich zu den Kathoey oder westlichen Transen?

Auf eine Manipulation des Körpers durch Operationen oder Hormone wird genauso verzichtet wie auf Pornofizierung und affektierte Tuntigkeit. Die Bachas haben sicherlich auch keine Identitätsstörung oder dergleichen, im Gegenteil scheinen die sich in ihrem Körper recht wohl zu fühlen.

Die Grenze zwischen weiblich und männlich wird von den Tänzern bewusst uneindeutig gehalten. Stattdessen beherrschen sie genau das, was westlichen Transidenten und modernen Kathoeys wohl fehlt: Das Spiel mit Homoerotik und den weiblichen Aspekten des Körpers, ohne dessen Männlichkeit zu negieren. Ist ein Mann hier weich, zärtlich und aufreizend muss er deswegen noch lange nicht gleich seine „sexuelle Identität“ oder gar seinen Körper wechseln.

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Autor: Jonas

Student der Geistes- und Sozialwissenschaften mit Fokus Nahost