Männerbilder

Am meisten habe ich mir gerade Gedanken über den Titel dieses Blogbeitrages gemacht. „Männerbilder“ scheint mir passend, weil es um die Ausprägungen von „Mann sein“ in unterschiedlichen Kulturkreisen geht. Der Titel klingt harmlos, aber es kommt gleich kein weichgespültes Blabla aus dem Elfenbeinturm. Ich möchte nämlich auf einen interessanten Artikel vom Portal „Achse des Guten“ hinweisen. Er stammt von Cora Stephan und heißt Generalverdacht rettet Menschenleben.

Es geht um Morde an jungen Mädchen von Asylanten und darum, wie in der Gesellschaft damit umgegangen bzw. nicht umgegangen wird (denn es bleiben Dinge ungesagt, und denen, die nicht schweigen, wird eben „rechtes Gedankengut“ unterstellt, was ebenso zu einer Nicht-Beschäftigung mit den Hintergrunden führt). Gerade deshalb verlinke ich hier den Artikel. Es wird nicht mehr geschwiegen. Punkt. Und es geht um Widersprüche zwischen der Beurteilung / dem Umgang mit dem Verhaltens von Männern aus unterschiedlichen Kulturkreisen.

Ein Auszug aus unverblümten Worten:

Die nicht so braven Mädchen finden die käsigen Jungs langweilig, die sie schon seit dem Kindergarten oder der Schule kennen. Da sind die fremden Männer weit attraktiver, die sich nicht nur im Aussehen so deutlich unterscheiden. Sie haben eine abenteuerliche Reise hinter sich, vulgo „Flucht“, sie geben sich stolz, sie haben „Ehre“, sie sind keine Weicheier wie so ein langweiliger Deutscher, kurz: sie sind attraktiv und versprechen Aufregung.

Und heißt es nicht in der Öffentlichkeit der Gutmeinenden, man müsse sich den Fremden gegenüber aufgeschlossen zeigen, sie willkommen heißen, sich ihnen vorurteilsfrei nähern? Man dürfe keine „diffuse Angst“ haben oder gar, genau, unter diesem bösen „Generalverdacht“ leiden? Wem glaubt ein junges Mädchen mehr, den Eltern oder dem, was sie im Fernsehen oder Radio hört?

Seit Monaten wird jungen Menschen das ganz normale Verhalten ausgeredet, nämlich gegenüber Fremden vorsichtig zu sein. Susanna tat nur, was die Gutmeinenden empfahlen. Die warnten nicht vor den jungen Männern aus Afrika oder dem Orient, sondern beschäftigten sich lieber mit Kampagnen aufrechter Feministinnen gegen die toxische Männlichkeit des weißen Mannes, der schon beim Flirt oder per Kompliment Gewalt ausübe. Wir lernen: Beim weißen Mann kommt es nicht so aufs Differenzieren an. Jörg Kachelmann durfte man bekanntlich monatelang vorverurteilen.

Die Kämpferinnen gegen den westlich geprägten (nicht nur) weißen Mann haben offenbar noch immer nicht gemerkt, dass sich ihr Generalverdacht an die falsche Adresse richtet und dass sie sich mit einer anderen weit toxischeren Männlichkeit gemein machen. Dass seit 2015 vermehrt Männer mit gänzlich anderen Verhaltensmustern als die, an die wir uns hier zulande gewöhnt haben, zu uns gestoßen sind, dass sie insbesondere ein anderes Verhältnis zu Frauen haben, das weit gefährlicher sein kann.

Kulturelle Differenzen machen das Leben nicht nur bunt und lustig und weltoffen und verschwinden im übrigen auch nicht mit dem Deutschkurs. Das Frauenbild, das Männer mitbringen, die aus paternalistisch und islamisch geprägten Kulturen kommen, ist das krasse Gegenteil dessen, was man in Deutschland hochhält. Nicht nur Frauen sollten das begreifen. Auch Männer.

Auch der gut erzogene neue deutsche Mann muss aufpassen. Er hat gelernt, lieber ein nettes Wort zu wenig als eins zu viel zu sagen. Er weiß jetzt, dass jede Jugendsünde noch nach Jahrzehnten den öffentlichen Schandpfahl und den Verlust von Ruf und Karriere nach sich ziehen kann, weshalb er schon heute kein Risiko mehr eingeht. Sollte ihm wider Erwarten doch noch eine Beziehung gelungen sein, sieht man ihn mit Beanie auf dem Kopf und Baby vorm Bauch traurigen Blicks durch die Fußgängerzone ziehen, wobei er auch das mit dem Baby ganz gewiss nicht richtig macht.

Und jetzt das. Nicht nur #Metoo-Aktivistinnen, die den weißen Mann generalverdächtigen, machen ihm das Leben schwer, auch andere Kerle haben ihm den Krieg erklärt. Die Attacken auf feiernde Frauen etwa am Silvesterabend 2015 in Köln hatten ja keineswegs nur oder vor allem die Frauen zum Ziel. Sie sollten den einheimischen Männern demonstrieren, dass sie nicht in der Lage sind, ihre Töchter, Freundinnen, Schwestern, Frauen, Mütter zu beschützen, wenn anders sozialisierte Männer es auf Belästigung und Schlimmeres anlegen. Die Silvesternacht 2015 markiert die Krise des weißen deutschen Mannes, der hilflos zwischen den Fronten steht: hie wütende Aktivistinnen, die es darauf anlegen, ihn des Verbrechens gegen die Frau, wann und wie auch immer, zu überführen, dort die Konkurrenz durch übergriffige Machos, die ihm ebenfalls beweisen, dass alles brav Gelernte für die Katz ist.

Denn es gibt ja auch andere Frauen, jung und alt, die den Macho vorziehen, so einen jungen Orientalen, der viele schöne Worte um Stolz und Ehre macht und noch Liebesschwüre kennt wie „du bist mein Mond, mein Augenlicht, meine Nacht“. Erst, wenn sich die Annalenas und Hannahs von dem gefühlvollen Anbeter trennen wollen, merken sie, was unter den schönen Worten und dem Stolz und der Ehre verborgen liegt: Zorn. Gekränkter Stolz kann tödlich sein. Ein Messer findet sich schließlich an jeder Ecke.

 

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Ein Gedanke zu „Männerbilder“

  1. „Die Silvesternacht 2015 markiert die Krise des weißen deutschen Mannes, der hilflos zwischen den Fronten steht: hie wütende Aktivistinnen, die es darauf anlegen, ihn des Verbrechens gegen die Frau, wann und wie auch immer, zu überführen, dort die Konkurrenz durch übergriffige Machos, die ihm ebenfalls beweisen, dass alles brav Gelernte für die Katz ist.“

    Gute Erkenntnis. Ich bezweifle zwar, dass es die Täter von Köln darauf angelegt haben, den deutschen Männern ihre Machtlosigkeit vor Augen zu führen, aber zumindest unbeabsichtigt haben sie genau das tatsächlich getan. Den westlichen Männern wurde der Patriarchalismus, also die Vorstellung, dass sie Vormund und Schützer der (eigenen) Frau, Tochter oder Schwester sind, ausgetrieben und die Vormund- und Schutzfunktion übernimmt nun der mehr oder weniger feministische Staat oder versucht es zumindest.

    An anderer Stelle versteigt sich die Autorin allerdings in eine (wahrscheinlich erotisch aufgeladene) Fantasie, die mir unterschwellig männlichkeitsfeindlich erscheint:

    „so einen jungen Orientalen, der viele schöne Worte um Stolz und Ehre macht und noch Liebesschwüre kennt wie „du bist mein Mond, mein Augenlicht, meine Nacht“. Erst, wenn sich die Annalenas und Hannahs von dem gefühlvollen Anbeter trennen wollen, merken sie, was unter den schönen Worten und dem Stolz und der Ehre verborgen liegt: Zorn. Gekränkter Stolz kann tödlich sein.“

    Aha, die Mörder von Kandel, Freiburg und Wiesbaden (die Fälle, auf die sie sich im Artikel bezieht) waren also romantische Verführer. Dafür gibt es bei den Fällen jedoch keine Hinweise. Eher im Gegenteil; der Mörder von Freiburg z.B. war offensichtlich einfach ein gestörter Triebtäter, der wahllos Frauen (und Männer) belästigt und angegriffen hat und zwar ohne jeden Schnulz. Es gibt also keinen Grund, die Gefühle, Verführungskünste und Ehrvorstellungen traditioneller Männer pauschal als fiese Lügen entlarven zu wollen, so wie es die Autorin offensichtlich machen möchte.

    „Seit Monaten wird jungen Menschen das ganz normale Verhalten ausgeredet, nämlich gegenüber Fremden vorsichtig zu sein. Susanna tat nur, was die Gutmeinenden empfahlen.“

    ja, tat sie das? Woher weiß die Autorin, dass Susanna naiv gegenüber Fremden war und deswegen vergewaltigt und ermordet wurde? Angenommen die Täter wären Deutsche: Würde die Autorin dann auch behaupten, dass das Opfer halt naiv gegenüber deutschen Männern war?

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