Über den jüngsten Mißbrauch des Patriarchatsbegriffs

Ein Kommentar zu Bernd Ulrichs Artikel »Mann irrt«
in der ZEIT.

Das Hauptproblem am Begriff des »Patriarchats« ist, dass jeder ihn benutzt, aber niemand ihn definiert. Rebecca Solnit verwendet ihn, Laurie Penny verwendet ihn, mit der größten Selbstverständlichkeit und Lautstärke verwendet ihn Patricia Hecht in der taz, um Jens Jessen damit argumentfrei abzuschießen. Auch an der Wahl Donald Trumps war, einem Panel des »Guardian« zufolge, das »Patriarchat« schuld: Robin Morgan, Moderatorin der Radiosendung »Women’s Media Center Live«, gab sich dort überzeugt: »A diseased patriarchy is in a battle to the death with women.« Für Arwa Mahdawi, einer Marketing-Strategin, war Trumps Sieg »the last gasp of a desperate white patriarchy«. Suzanne Moore, eine Kolumnistin des »Guardian«, war überzeugt: »The patriarchy is fully restored.« Und die Beispiele für eine solche ebenso plakative wie unscharfe Verwendung des Begriffs lassen sich nahezu beliebig vermehren. Die Selbstverständlichkeit, mit der der Begriff in den Medien verwendet wird, suggeriert: es sei fraglos klar, was damit gemeint ist, die Tatbestände, die damit behauptet werden, seien über jeden Zweifel erhaben Teil unserer Realität. Und nun verwendet auch Bernd Ulrich den Begriff, prominent im Untertitel seines Artikels, um seinen Argumenten gegen Jens Jessen Kontext und historische Tiefe zu verleihen:

»Macht es uns nicht freier, ist es nicht erwachsener und auch weniger stressig, freiwillig in die Verantwortung für das Patriarchat einzutreten, als ständig alle Vorhaltungen zurückzuweisen und zu schreien: ›Ich war’s nicht, Weinstein ist es gewesen!‹?« (DIE ZEIT 16, 2018, S. 60)

Was versteht Ulrich unter »Patriarchat«? Eine direkte Definition erhalten wir auch von ihm nicht. Aber wir können es aus dem Kontext erschließen. Wie viele andere Kritiker stört sich auch Ulrich an den Übertreibungen Jessens, aber er verweist auf die Wut dahinter und konstatiert beinahe milde:

»Nun ja. Das muss dann wohl alles erst mal abgetragen werden, bevor über das wirklich Wichtige gesprochen werden kann.«

Auf dieses »Wichtige« kommt er nach ein paar weiteren durchaus konzilianten Wendungen alsbald zu sprechen. Der zweite, durch Kapitälchen ausgewiesene Hauptabschnitt des Artikels beginnt mit dem Satz:

»Es gibt etwas wirklich Irritierendes und auch Empörendes am Text von Jens Jessen. Er versucht die Unterdrückung von Frauen zu historisieren und zu marginalisieren.«

Das ist ein bemerkenswerter Satz. Denn da die »Unterdrückung von Frauen« ohnehin in Breite historisch aufgearbeitet und insofern anerkannter Teil der Geschichte ist: was ist denn dann an »Historisierung« zu beanstanden? Das dürfte an einer zweiten Bedeutungskomponente der Vokabel liegen, die Ulrich ein paar Sätze später als »Vergestrigung« umreißt, und auf diese Bedeutung verweist auch der Vorwurf der »Marginalisierung«. Ulrichs Sorge ist:

»Damit soll wohl gesagt sein, sexualisierte Gewalt sei auf dem Rückzug, nur mehr etwas, das aus einer tiefen Vergangenheit gelegentlich und vorläufig noch in unsere lichte Gegenwart ragt.«

Allerdings kontert er diese Implikation Jessens nicht mit einer Darlegung von anerkannten Sachverhalten, sondern mit persönlichen Impressionen:

»Mein Eindruck in letzter Zeit war eher, dass es mehr männliche Gewalt gegen Frauen und Mädchen gibt, auch in liberalen und gebildeten Kreisen, als ich es mir jahrelang einzureden versuchte.«

»Patriarchat« ist also offenbar im Wesentlichen sexuelle Gewalt – und damit das, was die #metoo-Debatte, in deren Kontext Jesssen und Ulrich schreiben, verlangt, dass der Begriff enthalten muss. Für Rebecca Solnit muss der Begriff weibliches Schweigen enthalten, für Laurie Penny psychisch verkorkste Männlichkeit, für Robin Morgan, Arwa Mahdawi und Suzanne Moore reaktionäres politisches Denken – oder was man gerade dafür hält. Und damit sind wir schon recht geradewegs auf eine zentrale Funktion dieser Begriffsverwendung gestoßen: der Begriff des »Patriarchats« muss regelmäßig dafür herhalten, subjektiven Impressionen, persönlichen Werturteilen und fragwürdigen Tatsachenbehauptungen gleich welcher Provenienz, aber im Dunstkreis des Feminismus, die Aura eines systematischen Zusammenhangs zu verleihen, die Illusion einer tiefen historischen Wohlbegründetheit, die angeblich nicht infrage zu stellen sei, ohne sich außerhalb der zivilisierten Menschheit zu stellen. Und dann wird Ulrich doch noch ein bißchen ausführlicher und erläutert:

»Erstmals in der Geschichte der Menschheit kann nun also dem Mann etwas widerfahren, das doch bislang nur den Frauen vorbestimmt war: Er kann wegen seines Geschlechts diskriminiert und angegriffen werden, er ist unter Umständen schutzlos der Niedertracht von Frauen ausgeliefert. Das ist da, wo es wirklich geschieht, furchtbar, vor allem aber ist es eine Weltneuheit: Diskriminierung jetzt auch für Männer! Eines jedoch wird dabei gern vergessen, und auch Jens Jessen unterschlägt es: Dass Männer ohne Beweise wegen sexueller Nötigung oder Schlimmerem ins soziale Abseits geraten können, ist lediglich die Kehrseite eines anderen, weit häufigeren Tatbestands, dass nämlich Frauen sexuelle Nötigung oder Schlimmeres erleben und der Mann anschließend straffrei ausgeht, weil es in der Natur der Sache liegt, dass es meistens keine Beweise gibt. Es handelt sich hier also keineswegs um eine totalitäre Attacke des Feminismus, sondern um ein tragisches Dilemma, das Frauen schon immer getroffen hat und Männer neuerdings treffen kann.«

Da ein alleinstehender Facepalm an dieser Stelle wenig hilfreich und nachvollziehbar ist, wiederhole ich nachstehend einen Abschnitt, mit dem ich im vergangenen November einen SPIEGEL-Artikel von Jakob Augstein kritisiert habe und ihm vorwerfe, sein Plädoyer für den Terror mit einer Geschichtsklitterung zu legitimieren. Selbstzitat: Die »Urszene« einer weiblichen Falschbeschuldigung finden wir bereits in der Bibel, in der Geschichte von Joseph und der Frau des Potiphar (Gen. 39). Ilse Lenz hat versucht, diese Geschichte im Kontext der Kachelmann-Falschbeschuldigung als »frauenfeindlich« und als eine Art patriarchaler Denunziation beiseite zu schieben, was jedoch nur dann plausibel ist, wenn man Machtverhältnisse, die nicht auf Geschlechts-, sondern auf Klassenunterschieden beruhen (in diesem Fall zwischen Herren und Sklaven, denn Joseph wurde als Sklave verkauft) mutwillig ignoriert. Denn die »die Möglichkeit, den anderen jederzeit und ohne nennenswertes eigenes Risiko zu gefährden oder zu erniedrigen« [das ist jetzt ein Augstein-Zitat], hat jeder Angehörige eines ranghöheren Standes gegenüber Angehörigen eines rangniederen Standes ganz unabhängig vom Geschlecht. Es gehört zum Kern des intellektuellen Elends und der tiefen Unaufrichtigkeit der feministischen Ideologie, diese simple Tatsache zugunsten eines ausschließlich auf der Geschlechtszugehörigkeit beruhenden weiblichen Opferkults unsichtbar gemacht zu haben. (Selbstzitat Ende)

Und wenngleich mit geringerem Aggressivitätspegel als Jakob Augstein, so tritt Bernd Ulrich doch in dieselbe Falle wie dieser. Seine These, dass Männer von weiblicher Willkür »neuerdings«, gleichsam historisch präzedenzlos, als Weltneuheit, betroffen seien, ist nicht wirklich ein Argument, sondern ein weiterer Beleg dafür, welche intellektuellen Verwüstungen ein analytisch entdifferenzierender, nur noch die Geschlechtskategorie als relevant wahrnehmender Begriff wie »Patriarchat« in der öffentlichen Debatte angerichtet hat. Wer historisch seriös und sauber bilanzieren will, muss dies in einer Vielzahl von Merkmalsdimensionen tun: Klasse, Stand, Prestige, Machtchancen, Eigentum, Alter, Ethnie …, und eben auch Geschlecht. Wenn man aber einen Längsschnitt durch die feministische Literatur legt, dann ist der Begriff des »Patriarchats« niemals, zu keinem Zeitpunkt, aus einer in diesem Sinne sauberen historischen Bilanzierung hervorgegangen. Eva Cyba schreibt in ihrem Beitrag zum »Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung« von 2010 unter dem Titel »Patriarchat: Wandel und Aktualität«:

»Die Anforderung an ein entsprechendes Konzept von Patriarchat im Rahmen der feministischen Theorie erfordert, dass dieser Begriff nicht ahistorisch oder ethnozentrisch, gleichzeitig aber als Konzept universell gültig ist, das alle Arten der Unterdrückung in allen Gesellschaften erfassen kann. Unter Patriarchat werden daher die Beziehungen zwischen den Geschlechtern verstanden, in denen Männer dominant und Frauen untergeordnet sind. Patriarchat beschreibt ein gesellschaftliches System von sozialen Beziehungen der männlichen Herrschaft«. (Eva Cyba, Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung, S. 17)

Die Überdehnung und Zirkularität dieser Definition liegt auf der Hand: auf der einen Seite, in empirischer Hinsicht, soll es um »alle Arten der Unterdrückung in allen Gesellschaften« gehen, auf der anderen Seite aber, in theoretischer und analytischer Hinsicht, wird die Bandbreite der Ursachenbestimmung auf »soziale Beziehungen der männlichen Herrschaft« eingeschränkt. Einmal entlang solcher Forschungsrichtlinien aufs Gleis gebracht, wird »feministische Wissenschaft« in empirischer Hinsicht niemals Unterdrückung von Männern durch Frauen identifizieren, und sei es vermittelt über einen Klassenzusammenhang wie im Beispiel der Frau des Potiphar, und in theoretischer Hinsicht wird sie »alle Arten der Unterdrückung in allen Gesellschaften« niemals auf etwas anderes zurückführen als auf »soziale Beziehungen der männlichen Herrschaft«. Und diese soeben zitierte Definition ist keine Grille eines überforderten Journalisten, sondern das gilt unter Feministinnen als Wissenschaft! Man könnte mich einer böswilligen Verkürzung feministischer Methodologie zeihen, würden nicht nur vergangene, sondern auch zeitgenössische, aktuelle feministische Äußerungen zum Stichwort »Patriarchat« nicht dutzend- und aberdutzendweise exakt so aussehen wie mit der Presse dieser Definition gestanzt.

Unsere Epoche ist von der Vorstellung besessen, sie könne gesellschaftliche Probleme dadurch benennen und lösen, dass sie sie zu Problemen der »Männlichkeit« deklariert. Der Mann und eine »toxische Männlichkeit« stehen stellvertretend für alle Schattenseiten, die wir an unserer modernen Zivilisation identifizieren, vom Klimawandel über Formen der gesellschaftlichen Arbeitsteilung und Formen der Familie bis hin zu Problemen der Gewalt in zwischenmenschlichen Beziehungen – und die Rettung unserer Zivilisation erwarten wir uns davon, dass wir Frauen mehr »Raum«, mehr »Stimme«, »Gehör« und Einfluss verschaffen – weil sich alle möglichen Problemlagen angeblich verbessern, sobald mehr Frauen oder mehr »Weiblichkeit« eine Rolle darin spielen. Und indem auf diese Weise ein analytischer Begriff der »Gesellschaft« hinter der Figur des »Männlichen« verblasst ist, ist ein anderer Systembegriff an seine Stelle getreten: der Begriff des »Patriarchats« – das Gespenst einer allgegenwärtigen, die gesamte Menschheitsgeschichte durchziehenden Superstruktur, die wiederum nichts anderes darstellt als eine Ableitungs- und Kollektivform von »Männlichkeit«. Dieser Begriff des »Patriarchats« ist ein Mythos im strengen Sinne – bis zum heutigen Tag regelmäßig zur Beglaubigung feministischer Behauptungen und Geschichtskonstruktionen beschworen, aber trotz der Bemühungen von zwei, drei oder vier feministischen Generationen niemals empirisch überzeugend dargelegt.

Ein ganz kleines bißchen fällt das im letzten Drittel seines Artikels sogar Bernd Ulrich auf, wenn er eine Maß- und Grenzenlosigkeit der feministischen Ideologie konstatiert, ohne jedoch die Tragweite seiner Beobachtung tatsächlich zu ermessen:

»Die Anforderungen des Feminismus an uns sind schließlich nicht bloß paradox, sondern auch unendlich, ja unersättlich. (…) Es brauchte eine Weile, bis ich mich auf den im Grunde sehr simplen Gedanken bringen ließ, dass es für die jungen Frauen egal ist, ob früher alles schlimmer war, dass sie Profiteurinnen von Kämpfen sind, die andere vor ihnen ausfochten. Sie sahen und sehen schlicht nicht ein, warum sie überhaupt noch irgendeinen Nachteil für ihr Geschlecht in Kauf nehmen sollten. Und sei er noch so klein.«

Und sei er noch so klein, er ist prioritär zu beseitigen, noch ehe ein männlicher Nachteil für sein Geschlecht auch nur in die öffentliche Wahrnehmung vordringen darf. Was Ulrich hier wahrnimmt, ohne es wirklich zu verstehen, ist die strukturelle Paranoia der feministischen Ideologie: so, wie die bolschewistische Ideologie notorisch unfähig war, zwischen in der Sache liegenden, objektiven Schwierigkeiten der gesellschaftlichen Entwicklung und dem Widerstand und der Sabotage von »Klassenfeinden« unterscheiden zu können, weil man sich ideologisch auf die Erwartung programmiert hatte, dass die »Bourgeoisie« umso stärkeren Widerstand leistet, je näher sie am Abgrund steht, so ist die feministische Ideologie notorisch unfähig, zwischen in der Sache liegenden, objektiven Schwierigkeiten und der Unterdrückung und »strukturellen Diskriminierung« durch ein »Patriarchat« und durch »toxische Männlichkeit« unterscheiden zu können, weil sie sich auf die Erwartung programmiert hat, überall »patriarchale Unterdrückung« und »hierarchische Geschlechterverhältnisse« vorzufinden. Es wird »strukturell« unmöglich, eine »emanzipierte« Frau darauf hinzuweisen, dass ihre Ansprüche Grenzen haben könnten, weil das zwangsläufig als Versuch »des Patriarchats« wahrgenommen wird, sie »klein zu halten« oder »mundtot zu machen«.

Und so endet Ulrichs Artikel damit, über die Psychologie des Mannseins zu meditieren, denn Männlichkeit ist ein »Projekt«.

»Wir können an unserer Männlichkeit arbeiten, und »der« Feminismus leistet seinen Beitrag dazu, er bestimmt uns nicht, sondern beeinflusst unsere Selbstbestimmung. Man kann ihn auch zurückweisen und muss das dürfen, aber man bringt sich damit um viele Möglichkeiten und Ideen. Männlichkeit so zu meditieren, das schafft Raum für Neugier auf sich selbst, auf die nächsten Metamorphosen des Mannseins.«

Ganz so, als hätten Männer keine Probleme, die sie nicht durch Meditation lösen könnten. Aber so sieht man das wohl in Ulrichs journalistischem und politischen Milieu fernab von Obdachlosigkeit und Scheidungskrieg. Meditierend tritt man in die Verantwortung für ein »Patriarchat« ein, das niemals mehr gewesen ist als ein Stöckchen, über das Feministinnen Männer usque ad infinitum springen lassen, um sie von ketzerischen Gedanken über sich selbst, »die Gesellschaft« und, Göttin behüte, womöglich über den Feminismus abzuhalten.

Bernd Ulrich ist brav gesprungen.

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58 Kommentare zu „Über den jüngsten Mißbrauch des Patriarchatsbegriffs“

  1. Wie wäre denn deine Definition des Patriarchats?

    Meine wäre: „rechtliche Vormundschaft des Hausmannes (Familienoberhaupt) und die Fortführung der väterlichen Linie im Familienerbe (Patrilinearität)“

    Oder meinst du, dass die Theorie vom Patriarchat an sich falsch ist? Denn das klingt hier so:

    „Dieser Begriff des »Patriarchats« ist ein Mythos im strengen Sinne – bis zum heutigen Tag regelmäßig zur Beglaubigung feministischer Behauptungen und Geschichtskonstruktionen beschworen, aber trotz der Bemühungen von zwei, drei oder vier feministischen Generationen niemals empirisch überzeugend dargelegt.“

    1. Ich würde „Patriarchat“ analog zu „Sexismus“ definieren.

      Die Bedeutung von „Sexismus“ ist bekanntlich: „Irgendwas mit Geschlecht/Sex, das mir nicht gefällt.“

      Entsprechend ist „Patriarchat“: „Irgendwas mit Männern, was mir das Gefühl gibt, einen Nachteil zu haben“.

      Präziser wird’s nicht werden und das Subjektive ist – um Himmels Willen – auf keinen Fall wegzudenken.

    2. @Jonas:

      »Oder meinst du, dass die Theorie vom Patriarchat an sich falsch ist? Denn das klingt hier so:«

      Ok, hier hätte ich etwas ausführlicher argumentieren können. Ich halte nicht den Begriff des »Patriarchats« schlechthin für einen Mythos – in meinem Blogpost zur westlichen Familienform spielt er ja eine Rolle, insofern es da unter anderem um patriarchale Verwandtschaftssysteme geht. Der Begriff kann sinnvoll sein, wenn er in seinem Anspruch nicht überdehnt wird und empirisch klar umgrenzte Phänomene beschreibt.

      Aber in diesem Blogpost spielt auch eine Rolle, dass die christlichen Kirchen nach einem patriarchalen Konzept modelliert (»Patriarch« ist in der Ostkirche eine Amtsbezeichnung) und dennoch zugleich gegen den Einfluss von (faktisch: patriarchalen) Verwandtschaftsverhältnissen aufgestellt sind – sozusagen ein »antipatriarchales Patriarchat«, das sich im feministischen Universum mit seinen überladenen Erklärungsansprüchen überhaupt nicht konsistent modellieren lässt.

      Der Kern des Problems ist in meinen Augen, dass ein Begriff, der in Bezug auf Familienstrukturen einen konkreten Sinn macht (auch Max Weber, als soziologischer Klassiker, kennt in diesem Sinne einen Begriff der »patriarchalen Herrschaft«), im Feminismus zum Begriff einer patriarchalen Gesellschaft aufgebohrt werden soll, während er sinnvollerweise eigentlich nur einen Baustein von Gesellschaften bezeichnen kann, deren sonstige Beschaffenheit empirisch offen bleiben muss. Präzise formuliert lautet mein Einwand daher, dass der (faktisch: feministische) Begriff einer patriarchalen Gesellschaft Unfug ist, dies um so mehr, insofern regelmäßig von dem Patriarchat die Rede ist, als sei das eine fundamentale Grundstruktur der Menschheitsgeschichte.

      Aber diese Illusion einer fundamentalen Grundstruktur ist für die Neue Frauenbewegung Teil ihres eigenen Gründungsmythos im Sinne einer beglaubigenden Erzählung. Der feministische Begriff eines Patriarchats ist genau so alt wie diese neue Frauenbewegung, er existierte vorher in dieser Form nicht, und darum ist er das mythische Herz dieser Ideologie.

      1. der Gedanke des »antipatriarchalen Patriarchats« der Kirche ist sehr erhellend. In der Tat ist es so, dass in der Kirche eben keine Väter herrschen, sondern das antike griechische Konzept des Patriarchats als Herrschaft des Hausvaters metaphorisch auf die Kirche übertragen wurde; daher ja auch die christliche Rede von „Vater“(Geistlicher) und „Sohn“(Laie), wobei natürlich kein Vater-Sohn-Verhältnis besteht und dementsprechend auch kein Patriarchat im soziologischen Sinne. Die Kirche wird dann zur Hausgemeinschaft umgedeutet und der ‚Heilige Vater'(Papst, West) oder Patriarch (Ost) zum obersten Führer der Sippe erklärt. In Wirklichkeit wird dadurch aber das echte Patriarchat im soziologischen Sinne geschwächt und die Kernfamilie mit ihrem eher schwachen Hausvater entsteht und die germanische/slawische/keltische Stammesgesellschaft wird abgeschafft.

        Ich denke, soweit stimmen wir überein oder?
        Aber in einer anderen Sache muss ich wiedersprechen:

        „im Feminismus zum Begriff einer patriarchalen *Gesellschaft* aufgebohrt werden soll, während er sinnvollerweise eigentlich nur einen Baustein von Gesellschaften bezeichnen kann, deren sonstige Beschaffenheit empirisch offen bleiben muss. Präzise formuliert lautet mein Einwand daher, dass der (faktisch: feministische) Begriff einer patriarchalen Gesellschaft Unfug ist, dies um so mehr, insofern regelmäßig von dem Patriarchat die Rede ist, als sei das eine fundamentale Grundstruktur der Menschheitsgeschichte.“

        Die (soziologische oder feministische) Theorie von der „patriarchalen Gesellschaft“ finde ich nicht komplett falsch. Auf die heutige westliche Gesellschaft ist sie zwar kaum noch anwendbar, aber auf die Zeit vor der „Emanzipation“ durchaus. Und zwar in vielerlei Hinsicht: Erstens übertrug sich das klassische Konzept vom Patriarchat auf die Kirche und später dann auch auf den modernen Staat und insbesondere auf seine wichtigste Stütze: Dem Militär. Zweitens bestand die klassische patriarchale Familie in Europa bis ins 20. JH hinein, auch wenn die Stellung des Hausvaters hier traditionellerweise schwächer ist als z.B. im Islam und bis heute immer mehr an Bedeutung verliert, darf man nicht vergessen, dass auch hier herkömmlicherweise die Familie einen männlichen Vorstand hatte und patriliniar und patrilokal war. Und das galt eben für quasi alle Familien, und dementsprechend war die gesamte Gesellschaft auf diesen Patriarchalismus eingestellt und Sitten und Gesetze waren an das Patriarchat der Familie angepasst und eben nicht „empirisch offen“. Insofern gab es die patriarchale Gesellschaft zwischen Jungsteinzeit und Moderne durchaus und insofern ist das Patriarchat auch eine „Grundstruktur der Menschheitsgeschichte“.

      2. @Jonas:

        »Erstens übertrug sich das klassische Konzept vom Patriarchat auf die Kirche und später dann auch auf den modernen Staat und insbesondere auf seine wichtigste Stütze: Dem Militär.«

        In bezug auf die Kirche dürfte das, wenn man den Unterschied zwischen »spirituellem« anstatt verwandtschaftsbezogenem Patriarchat dabei registriert, noch zutreffen, aber in Bezug auf den Staat liegt der Bruch zwischen Jean Bodin und John Locke: ersterer modelliert den (absolutistischen) Staat noch anhand der patriarchalen Familie, letzterer weist jegliche Begründung des Staates aus kirchlich-patriarchaler Tradition zurück.

        »Zweitens bestand die klassische patriarchale Familie in Europa bis ins 20. JH hinein«

        Ich stelle grundsätzlich in Frage, dass sich die bürgerliche Familie noch als »patriarchal« auffassen lässt. Sie enthält zwar noch eine geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, stellt aber zwischen den Geschlechtern ein Komplementärverhältnis her, bei der die Frau moralisch höher gewertet wird als der Mann, ich sehe darin im Vergleich zur antiken Geschlechtertheorie eine »kopernikanische Wende« der Geschlechterbeziehungen. Der Feminismus hat die fortbestehende Arbeitsteilung skandalisiert (was man tun kann), aber ohne die gleichzeitig einsetzende misandrische Gegenbewegung zu konstatierten (womit sie sich notorisch in die Tasche lügen). Insbesondere entzieht das der feministischen Behauptung den Boden, auch die moderne Gesellschaft sei noch durch »hierarchische Geschlechterbeziehungen« gekennzeichnet. Diese Leugnung von Machtgleichgewichten und Komplementärverhältnissen schlägt wird am deutlichsten in der katastrophalen Fehleinschätzung der häuslichen Gewalt durch den Feminismus nieder. Die faktische Macht der (mindestens) bürgerlichen Frau wird geleugnet, dass die Schwarte kracht!

        »… darf man nicht vergessen, dass auch hier herkömmlicherweise die Familie einen männlichen Vorstand hatte und patriliniar und patrilokal war.«

        Das widerspricht jetzt aber direkt den Aussagen, die ich zur westlichen Familienform zusammengetragen habe – die westliche Familie ist eben gerade dies nicht mehr: patrilinear und patrilokal. In der modernen Gesellschaft dürfte das sehr stark davon abhängig gewesen sein, wo mehr Geld und höherer Sozialstatus vorhanden war, aber nicht mehr von einer grundsätzlichen Fixierung auf die Patrilinie.

        »… und dementsprechend war die gesamte Gesellschaft auf diesen Patriarchalismus eingestellt und Sitten und Gesetze waren an das Patriarchat der Familie angepasst und eben nicht „empirisch offen“.«

        Hier entgleitet Dir jetzt aber die Präzision, denn die Räume und Epochen »zwischen Jungsteinzeit und Moderne« können wir unmöglich über einen Kamm scheren, das ist genau der Vorwurf, den ich der feministischen Theorie mache. Wer sich da an wen anpasst, die Familie an die Gesellschaft oder umgekehrt, kann ich nicht a priori entscheiden, weil sich Gesellschaften auch als Ganze an Umweltbedingungen anpassen. Ich sehe nicht, was a priori das »Patriarchale« an einer Gesellschaft sein sollte.

      3. @djadmoros

        „letzterer weist jegliche Begründung des Staates aus kirchlich-patriarchaler Tradition zurück.“

        Damit hat er sich aber in Deutschland erst 1918 durchgesetzt. Auch Hitlers Führerstaat folgt der traditionellen Vorstellung eines Staates als Haushalt, der einen männlichen Hausvater hat. Der gesamte Nationalismus ist von genau dieser (ursprünglich kirchlichen) Vorstellung des Staates als Hausgemeinschaft beseelt („Vaterland“ nicht nur banal als Land des Vaters sondern, das Land als Personifizierung des Vaters an sich, ähnlich dem Papst) und tendierte daher auch zur patriarchalen Führung, weswegen Linke ja auch nationalistischen Politikern von AfD bis Trump gerne vorwerfen, „das Patriarchat“ wiederbeleben zu wollen.
        Der Feudalismus des Mittelalters ist sowieso patriarchale politische Herrschaft in Reinform, denn hier ist das Land der Besitz eines patriarchal geführten Adelshauses.

        „Ich stelle grundsätzlich in Frage, dass sich die bürgerliche Familie noch als »patriarchal« auffassen lässt. Sie enthält zwar noch eine geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, stellt aber zwischen den Geschlechtern ein Komplementärverhältnis her, bei der die Frau moralisch höher gewertet wird als der Mann“

        Wie die Geschlechter moralisch gewertet werden ist hier nicht von Belang, sondern von Belang ist: Wer erbt? welcher Name wird weitergegeben? wer vertritt die Hausgemeinschaft rechtlich nach außen? zu wem zieht die Braut (oder der Bräutigam)? und ähnliche Fragen. Auch die Frage, wer denn tatsächlich am meisten Macht hat, ist zweitrangig, denn es geht um die Norm. Ich stimme dir ja zu, wenn du sagst, dass das Patriarchat der europäischen Familie traditionell schwach ist, aber nichts desto trotz existierte es halt. Teilweise bis heute. Auch in deinem Kernfamilien-Blogpost finde ich keine Stelle, die den patriarchalen Charakter der Kernfamilie komplett abstreitet.

        „die Räume und Epochen »zwischen Jungsteinzeit und Moderne« können wir unmöglich über einen Kamm scheren“

        Doch können wir. Denn sie haben als gemeinsames Merkmal die patriarchale Familie und eine dementsprechende Prägung der Gesellschaft, auch wenn dieses Patriarchat sich in der Neuzeit schrittweise auflöst. Das heißt natürlich nicht, dass die gesellschaftlich Struktur immer gleich war, sondern es heißt nur, dass es ein gemeinsames Charaktermerkmal gab.

        „Ich sehe nicht, was a priori das »Patriarchale« an einer Gesellschaft sein sollte.“

        Ich schon. Wenn es zum Beispiel die Regel gibt, dass alle freien Männer (Familienoberhäupter) sich zum Thing, Kriegszug, Vorstandsitzung, Parlament, Symposion, Konvent, Kneipen, Ältestenrat ect pp.. treffen, um über die Angelegenheiten der Gesellschaft (oder Subgesellschaft) zu entscheiden, dann ist dies eine patriarchale Gesellschaft.
        Oder wenn die Gesellschaft von Adelsfamilien in väterlicher Linie beherrscht wird. Oder wenn in bürgerlichen Gesetzbüchern steht, dass der Mann erst zustimmen muss, bevor seine Frau eine Stelle in der freien Wirtschaft oder im Staatsapparat antritt. Und all solche Sachen. Es würde einem sicher noch mehr einfallen.

      4. @Jonas:

        Ok, ich glaube zu verstehen, worauf Du hinauswillst. Das, was Du als »Patriarchat« bezeichnest, würde ich begrifflich anders ansetzen, um bestimmte Einseitigkeiten zu vermeiden, die sich in der heutigen Wahrnehmung heillos festgefressen haben. Ich möchte das ausführlich tun, daher mache ich aus meiner Antwort bis morgen oder spätestens übers Wochenende einen eigenen Blogpost. Unter anderem wird es darauf hinauslaufen, dass im Begriff des Patriarchats fortbestehende Komplementaritätsverhältnisse verloren gehen und der geschlechtsspezifische Herrschaftsaspekt zu einseitig akzentuiert wird.

  2. Sie sahen und sehen schlicht nicht ein, warum sie überhaupt noch irgendeinen Nachteil für ihr Geschlecht in Kauf nehmen sollten. Und sei er noch so klein.

    Eine Ehrlichkeit, auf die man auch bei MeinFeminismus-Feministinnen noch lange wird warten müssen.

  3. Was ist das Patriarchat? Ein Narrativ und sonst gar nichts.

    Wir können uns stundenlang darüber auslassen, wer es wie und warum verwendet: das Motiv ist außerhalb des Begriffs, stattdessen in der Politik. Es geht um Begründung des Genderismus.

    Die Falle besteht darin, dass sogar Nicht-Feministen den Begriff als „ganz natürlich“ akzeptieren. Falsch! Am treffendsten sagt es Ester Vilar im Streitgespräch mit Alice Schwarzer: „Dass Männer die Gesellschaft beherrschen ist etwa so, als würden die Matrosen die Nautik beherrschen.“

    1. @Wolf-Dieter:

      das Motiv ist außerhalb des Begriffs, stattdessen in der Politik. Es geht um Begründung des Genderismus.

      Genau darauf will ich ja hinaus, wenn ich den Patriarchatsbegriff einen Mythos nenne: Mythen haben (das gehört zu ihrer kulturanthropologischen Definition) eine solche kollektive, im modernen Kontext politische, Begründungsfunktion. Der Patriarchatsbegriff dient in meinen Augen primär der historischen Legitimation der Frauenbewegung(en) seit den 1960er Jahren.

      »Am treffendsten sagt es Ester Vilar im Streitgespräch mit Alice Schwarzer: „Dass Männer die Gesellschaft beherrschen ist etwa so, als würden die Matrosen die Nautik beherrschen.“«

      Vilar hat ja auch im Blick gehabt, dass diese »Herrschaft« in der heutigen Gesellschaft eher eine Dienstleistung als ein Unterdrückungsverhältnis ist – sinngemäß hat sie gesagt: die Frau ist vom Mann abhängig wie das Automobil vom Benzin, ihr zufolge (das war natürlich ein gutes Stück weit und ganz erklärtermaßen auch Polemik) ist der moderne Mann in die untergeordnete Rolle eines funktionellen Dinestleisters verbannt.

  4. Vom „Patriarchat“ mal ganz abgesehen, hat der zitierte Artikel ja auch einen Autoren. Also frage ich mich, was der wohl im Kopf hat. Und sehe da ganze zwei Möglichkeiten
    A – NIX!
    ( halte ich für unwahrscheinlich, da er scheinbar mal irgendwelche allgemeinen Deutsch- o. ansonsten vermutlich Rhetorikkurse besucht uns evtl. sogar abgeschlossen hat. Jedenfalls kann er Worte so aneinanderkleben, daß sogar eines der größten deutschsprachigenen Printmedien ihm das Schreiben eines reißerischen Aufmachers überträgt. )
    B – Fäkalien
    ( tja, genau danach stinkt der zitierte Text, wenn man eben nicht von extremer Blödheit ausgehen will ).

    Also ich bin ja ein sich selbst als eher wenig gebildet betrachtender Mensch. Aber bereits vor meinem Erstantritt in der damaligen Volksschule ( once upon a long ago … ) konnte ich die „Fachtermini“ „für“ und „gegen“ leicht und locker unterscheiden. Und selbst die mir am dümmsten erscheinenden Mitschüler konnten das, wie niemals angezweifelt wurde.
    Was macht es also, laut Ulrich, zum neuesten und größten, geradezu revolutionären Geschenk der ganzen Welt für Männer, daß man sie jetzt ( jetzt ganz plötzlich … ) einfach mal eben so diskriminieren kann?
    Und wie kommt er darauf, daß dieses Geschenk, plus ein wenig Omm! vor sich hin zu murmeln, sämtliche Probleme, mindestens der Männer, lösen kann?
    Nehmen wir mal an, drei Erzfemis von der Schwarzblock-SA treten mich zusammen, sagen wir mal, weil ich in einer Cocktailkneipe zum ersten mal im Leben eine „Bloody Mary“ bestellt habe ( mal so rein fiktiv konstruiert ). Ich mache also spontan einen halben Lotus und denke: „Om mani padme hum …“.
    Und zack! … Sind die gebrochenen Knochen wieder heil und alle Welt hat mich ganz furchtbar lieb, oder wie?
    Fazit: Diskriminierung FÜR Männer? Meditativ? Wat is’n dat für’ne Scheiße?

    1. Übrigens, @ Djad& Jonas:
      Dem oben von Euch dargelegten Gedanken des Gewaltmonopols folgend ist der Rechtsstaat ja per se ein Patriarchat. Also quasi eine Entwicklung von Familie zu Sippe, zu Stamm, zu Fürstentum ( o.ä. ), zu Rechtsstaat. Wenn nun der Ansatz des ( höheren ) Rechts verschwimmt, verschoben, oder ganz aufgegeben wird, ändert sich insofern „nur“ das „Vorzeichen“.
      Und deshalb betrachte ich die „postmodernen“ Verhältnisse hier und jetzt auch konsequent als staatsfeministisches Patriarchat.
      ( Nur um mal kurz zu erklären, warum der doofe Fiete immer so drollige Termini verwendet 😉 )

  5. Der Text von Ulrich ist ja fürchterlich.

    Jessen hatte wenigstens eine grundlegende rote Linie in seinem Text. Ulrich springt von einem Thema zum anderen und schwadroniert oft nur herum, serviert private Impressionen bzw. wilde unbewiesene soziale Theorien, unlogische Schlußfolgerungen und faktisch falsche Behauptungen, ebentuell auch ein paar Textbausteine aus dem Parteiprogramm der Grünen, bei denen er früher gearbeitet hat. Typisches „Argumentation“smuster: Männer haben jetzt Problem X, aber Frauen haben ja Problem Y. Nächster Punkt. Kann der Mann überhaupt klar denken?

    djadmoros hat ja schon die schlampige Verwendung des Partriarchatsbegriffs durch Ulrich aufgespießt. Das gleiche kann man für den Begriff Feminismus sagen.

    Man fragt sich auch, ob er den Text von Jessen verstanden hat und ob das ernstlich eine Replik sein soll. Dazu sollte sie zumindest zentrale Thesen von Jessen in Zweifel ziehen. Stattdessen pickt er sich nur da und dort zusammenhanglos Brocken heraus oder erfindet Aussagen, die Jessen mMn nicht gemacht hat. Beispiel: „.. Jens Jessen bemüht sich, die Unterdrückung der Frau zu vergestrigen, zu marginalisieren…“ Davon kann keine Rede sein. Großenteils erzählt er private Histörchen, die wunderschön in feministischen Ohren klingen, nur herzlich wenig mit Jessens Kritik am Feminismus zu tun haben. Beispiel: Jessen kritisiert totalitäre Tendenzen im Feminismus, Ulrich kontert mit der Unendlichkeit des feministischen Projekts und schwärmt von den „Metamorphosen des Mannseins“.

    Und nachts ist es kälter als draußen.

    Aber vielleicht findet jemand anders ein paar klare Linien in diesem Wortbrei.

    Wenn ich bei Jessen von Pseudo-Debatten in der Wagenburg sprach, dann weil es nach meinem Eindruck eine offene Debatte und Meinungspluralität nur simulierte. Der Ulrich-Text schafft nicht mal das.

    1. Wo finde ich denn den Text zum Artikel von djad?
      Alles hinter dem paywall…

      Ich habe gerade den Jessen gelesen. Grauenhaft. Kläglich.
      Ich finde deine Kritik, der Text sei dadurch beschädigt im Feuilleton zu stehen und mit diesen Mitteln zu agieren untertrieben.
      Der Vollhorst hat erkennbar noch nicht einmal die Texte von Männern gelesen und verarbeitet, die in der „Zeit“ veröffentlicht worden sind – namentlich Kucklick.
      Seine Eitelkeit hat ihn offensichtlich zu der Überzeugung gebracht, eine Auseinandersetzung mit feministischen Theorien mit „Bordmitteln“ zu versuchen.
      Also so, wie er spontan Zusammenhänge sieht und empfindet.
      Er hat den besprochenen Sachverhalten noch nicht einmal ein klein wenig Recherche gegönnt, es ist ein einziger Brei, den er aufs Papier gerotzt hat.

      1. Man sollte aber mit der folgenden Möglichkeit rechnen: Vielleicht ist der Artikel von Herrn Jessen auf seine Weise („wie er spontan Zusammenhänge sieht und empfindet“) wirkungsmächtiger als es ein vernünftiger Artikel mit solider Recherche und Argumentation wäre.

        Denn diese Form der Schreibe hat sich ja nicht zufällig in den Medien durchgesetzt, sondern eben auch, weil die meißten Leser auf sowas anspringen.

      2. @Crumar

        „… Jessen gelesen. Grauenhaft. Kläglich. …. Vollhorst hat erkennbar noch nicht einmal die Texte von Männern gelesen und verarbeitet, die in der „Zeit“ veröffentlicht worden sind – namentlich Kucklick.“

        Thema verfehlt. Es ging um Feminismus, nicht um die Männer! Und insofern ist Jessen eben doch Feminist, es geht nur um Feminismus in seinem Verriss 😀

        „Seine Eitelkeit hat ihn offensichtlich zu der Überzeugung gebracht, eine Auseinandersetzung mit feministischen Theorien mit „Bordmitteln“ zu versuchen.
        Also so, wie er spontan Zusammenhänge sieht und empfindet.“

        Und die Betonungung des Rationalen, der Vernunft und all das übergeordnete, dammit kann ein Marxist wie du nichts anfangen?, da unter Generalverdacht der bürgerlichen Reaktion zu sein. Irrationale Texte!

        Der Artikel ist aber effektiv wie eine Sturmhaubitze, seek & destroy. Er legt die Schwächen des Feminismus bloss und tritt auch dem Kommunismus gehörig auf die Füsse! Deswegen keine rechte Begeisterung über Jessens Text bei den linken Männerrechtlern?

        Jetzt preist der Jessen Beschneidung als kulturelles Gut, das ist auch wirklich zynisch. Vielleicht ist das auch eine multiple Persönlichkeit.

        Die Linke stinkt immer vom Kopf her und die Rechte …. (jetzt ist Phantasie gefragt)

      3. @Jochen @Fiete und @mitm

        Erst einmal thanx für die Links und ich werde mir den Text gleich mal zu Gemüte führen.

        „Denn diese Form der Schreibe hat sich ja nicht zufällig in den Medien durchgesetzt, sondern eben auch, weil die meißten Leser auf sowas anspringen.“

        Das „dumbing down“ ist von den Zeitungen ausgegangen, nicht von den Lesern. Die SZ hat ihre Foren geschlossen, weil sie mit ihren Lesern nicht einverstanden war und liebsten neue gewählt hätte.
        Den Anklang, den die Texte von Fischer bei der „Zeit“ gefunden haben, war erhellend, weil er sein Publikum herausgefordert hat und nicht auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner „abgeholt“.
        So *erarbeitet* man sich eine solide Fan-Basis.
        Auch Don A. hat Diskussionsstoff bei Christian geliefert, weil er sich als Linken von 1992/3 geoutet hat – nicht er hat sich verändert, sondern die Koordinaten, in denen heute „links“ als links gilt.
        Die schmierige Anbiederung an den aktuellen politischen mainstream nachzuäffen kostet aber weniger journalistischen Aufwand – ich nenne das nicht umsonst „copy&paste“ Journalismus.

        Wenn die Schreibe von Jessen wirklich in Abstimmung mit mehreren aus der Redaktion erfolgte, dann ist das die Kritik, die „Zeit“-intern gerade noch zumutbar ist.
        Das ist aus der filterbubble für die filterbubble.
        Als Sicherungsleine musste der Artikel auch noch als „emotionaler Ausbruch“ verstanden werden.
        *Damit* Frauen/Feministinnen sich *rein emotional* auf ihn beziehen können. Was Stokowski und Hecht gebracht haben, ist erstens feministische „Agentur Standardtext“, nämlich die komplette Ignoranz gegenüber den Sachaussagen, was jedoch zweitens erst einmal ermöglicht werden muss.

        Es geht mir nicht um die Häme, sondern die feministische Häme kann nur vorgebracht werden, weil sie sich *nicht* mit den Fakten beschäftigen mussten, die sie als die Lügnerinnen und Heuchlerinnen entlarven, die sie wirklich sind.
        Der schwurbelige Text selbst lieferte die devote Steilvorlage für die absehbare Reaktion. Da stimme ich mit Lucas ausnahmsweise nicht überein.

      4. @ crumar Du hast ganz recht, der Text von Jessen ist nicht gut. Trotzdem waren die Reaktionen darauf irre. Mit einem Teil des Wohlwollens, der sonst noch dem blödesten Quatsch von Stokowski oder Penny entgegengebracht wird, hätten seine inhaltlichen Aspekte – die Jessens Text im Unterschied zu dem von Ulrich hat – aber trotzdem ernst genommen werden können. Auch im Interview mit Radio1 ist aber ja klar, wie schlecht Jessen eigentlich auf die Situation vorbereitet war.

        Ich finde es übrigens eine gute Erklärung für den Rauswurf Fischers, dass der u.a. eine ganze Menge mit Neid zu tun hat. Da kommt jemand daher, der journalistisch gar kein Profi ist – und erarbeitet sich eine Zustimmung, ein Interesse bei den Lesern, von dem die etablierten Profis der Zeitung nur träumen können. Sein Rauswurf ist denn ja auch mit unzureichendem Respekt gegenüber den Kollegen begründet worden – weil er von einem juristischen Standpunkt aus einen Artikel des hauses, gut begründet, scharf kritisiert hatte.

        Das ist tatsächlich ein Race to the bottom: Jeder, der ein bisschen über die Grasnarbe herausschauen kann, wird eher früher als später gemäht. Das betrifft aber wohl nicht nur die Presse. Ich habe mich schon lange gewundert, warum z.B. die SPD kein anderes als ihr unfassbar mittelmäßiges Spitzenpersonal finden kann. In einer Partei von immer noch über 400.000 Mitglieder muss es eine ganze Menge deutlich besserer Leute geben. Die kommen wohl auch deshalb nicht hoch, weil das desinteressierte, moral- und hirnfreie Mittelmaß (es ist so schwer, sich hier ein Wortspiel mit dem Namen des Außenministers zu verkneifen) an der real existierenden Parteispitze neben dieser Konkurrenz so schwach aussehen würde, wie es ist.

        Ein Text, der auch auf den von djadmoros eingeht: https://man-tau.com/2018/04/12/zeit-jessen-ulbrich/

      5. @Alex @Lucas

        „Thema verfehlt. Es ging um Feminismus, nicht um die Männer!“

        Quatsch mit Soße.
        Er hat sich weder mit Ralf Bönt, der in der „Zeit“ unter „Der Penis ist keine Waffe“ von Jonathan Widder vorgestellt worden ist, noch mit Christoph Kucklick „Das verteufelte Geschlecht“ auseinandergesetzt, weil er sie nicht gelesen hat.
        Diese beiden Artikel wurden 2012 (!!!) dort veröffentlicht.
        Auch den lustig-irren Artikel von Nina Pauer über die emotionalen „Schmerzensmänner“ – die der modernen Frau auch nicht passen – hätte er im gleichen Jahr dort vorfinden können.

        Eine spontane Eingebung, es in Sachen Auseinandersetzung mit den Geschlechterverhältnissen mit einem intellektuellen Niveau zu probieren, das engagiert die Nulllinie kratzt?
        Sich der Waffen NICHT zu bedienen, die vorhanden sind – merke dir das, Alex – ist auch eine Entscheidung.
        Der VERZICHT darauf, sich eigene argumentative Stärke zu erarbeiten stärkt den Gegner.
        Seine Faulheit ist deckungsgleich mit seinen devoten Ambitionen, ein bisschen Kritik vorzutragen aber nicht so dolle, dass sie den armen Frauen/Feministinnen weh tun würde.

        „Er legt die Schwächen des Feminismus bloss und tritt auch dem Kommunismus gehörig auf die Füsse!“

        Alex, wann hört das eigentlich bei dir auf, dass du Beifall klatscht bei Texten, die bewusst geschrieben worden sind, damit du Beifall klatscht?
        Haben Leszek und ich nicht 1000 mal geschrieben, dass „Frau“ keine Klasse ist?
        Dass der radikale Feminismus der 70er kein Bein auf den Boden bekommen hätte, wäre er nicht auf geistigen Raubzug gegangen und hätte sich eines marxistischen Jargons bemächtigt, der im Kontext des Geschlechterverhältnisses zutiefst sinnlos und falsch ist?
        Wieso gehen alle materiellen Transfers *vom Mann zur Frau*, wenn das beschriebene feministische Ausbeutungsverhältnis das genaue Gegenteil prognostiziert?

        Auch seine politische Zuordnung ist falsch und auch das habe ich bereits geschrieben. Die #metoo-Tribunale sind eine 1:1 Kopie der *maoistischen* „speaking bitter“-Tribunale, keine allgemein „marxistisch-leninistischen“.
        Spätestens seit der partiellen Verdammung des Stalinismus durch Chruschtschow hätte klar sein müssen, das es diese Kontinuität nicht gibt.
        Die Differenz lässt sich dadurch erklären, dass er die geistigen Kopisten und das Personal dieser Politik schonen möchte.
        Die Statthalter des Maoismus in der BRD war der KBW, nicht die DKP und jetzt google mal nach „Grüne“ und KBW.

        „Mit einem Teil des Wohlwollens, der sonst noch dem blödesten Quatsch von Stokowski oder Penny entgegengebracht wird, hätten seine inhaltlichen Aspekte – die Jessens Text im Unterschied zu dem von Ulrich hat – aber trotzdem ernst genommen werden können.“

        Das Wohlwollen gilt den sich selbst als jugendlichen Aufstand inszenierenden „freche-Früchtchen-Feminismus“.
        Die – inzwischen Ü30 – aber immer noch „Alpha-MÄDCHEN“!
        Merkt eigentlich irgendwann jemand, dass selbst der benevolenteste Sexismus an der Lernunfähigkeit der narzisstischen Rotzgören scheitert?
        Was sind die Redaktionen eigentlich?
        Inklusionsschulen?

        „Sein Rauswurf ist denn ja auch mit unzureichendem Respekt gegenüber den Kollegen begründet worden – weil er von einem juristischen Standpunkt aus einen Artikel des hauses, gut begründet, scharf kritisiert hatte.“

        Vor allen Dingen, WIE er „gegangen worden“ ist!
        Man „trennt sich“ schmollend von einem Mitarbeiter, der gar keiner ist und entzieht ihm auch noch das kostenlose Abo.
        Es ist nicht nur der unprofessionelle Umgang der Redaktion mit Kritik, der vielsagend ist, sondern eine Inszenierung, die geradezu schreit: „Liebesentzug!“. Ich bin mir sicher, am liebsten hätte sie ihn ohne Abendbrot ins Bett geschickt.
        Das ist das „weibliche Element“, von dem wir alle in Zukunft noch „profitieren“ werden; die Rückentwicklung eines Umgangs unter Erwachsenen auf den von Mutti und ihre schutzbefohlenen Kinder.
        Weil bürgerliche Frauen nie gelernt haben, mit erwachsenen Männern umzugehen, fabulieren sie von weinenden Kindern, die man an die Hand nehmen müsse…
        Gute Güte, die sind nicht nur peinlich, sondern die Auflösung intellektueller politischer Debatten in moralisierende Emo-Soße ist das Biotop, in dem dieser „Mutti-Feminismus“ zu Hause ist.

        Wobei „Mutti“ nur symbolisch gemein sein kann, denn die meisten Protagonistinnen befinden sich kinderlos zu 100% auf dem Weg in die Menopause -> Silke Burmester bspw. ist 52.
        Ist es eigentlich sexistisch wenn man sie fragt, ob das ihre Meinung ist oder bloß eine Hitzewallung? 😉

      6. @Lucas & crumar:

        Ich habe Jessens Text jetzt noch einmal gelesen und kann ihm jetzt eigentlich fast noch mehr abgewinnen als zuvor. Die grenzwertigen Formulierungen finde ich nicht »verstiegen«, sondern nur bis zu dem Punkt zugespitzt, an dem das Schmerzempfinden unvermeidbar wird, und damit eine sinnvolle Funktion erfüllend:

        (1) »Das System der feministischen Rhetorik folgt dem Schema des bolschewistischen Schauprozesses, nur dass die Klassenzugehörigkeit durch die Geschlechtszugehörigkeit ersetzt ist.«

        Entscheidend ist das Wort »Schema«: natürlich hat der Feminismus seine Opfer nicht in der Lubjanka bis zur Unterschrift unter ein Fake-Geständnis kaputtgeprügelt und anschließend auch nicht erschossen. Aber das Schema beruht auf der Definition von »Klassenfeinden«, deren Schuld von vornherein feststeht, und der Prozess selbst ist entsprechend nur noch eine Abwicklung von Beschimpfungen. Das ist exakt das, was ich »strukturelle Paranoia« nenne, und ich halte die Analogie von Bolschewismus und Feminismus, die ich selber explizit herstelle, bei diesem Merkmal für eine präzise Analogie, weil das Verhalten auf einer identischen Denkform beruht.

        (2) »Der Feminismus hat damit eine Grenze überschritten, die den Bezirk der Menschlichkeit von der offenen Barbarei trennte.«

        @Lucas: Du hast selbst immer wieder darauf hingewiesen, wie sich die feministische Empathieverweigerung in Sorgerechtsprozessen auswirkt: brutal und entmenschlichend, und Du hast auch geschildert, wie wenig Du Dir das vorstellen konntest, bis es Dir widerfahren ist. Ich wüsste insofern nicht, wie man die »offene Barbarei« besser illustrieren könnte als mit der Art, wie Väter hier von feministisch kontaminierten Scheidungs-Wyschinskis aus dem sozialen und seelischen Universum ihrer Kinder ausgespuckt werden. Darauf hat sich zwar Jessen nicht bezogen, aber die Ignoranz von Fakten vor Gericht im Fall Lohfink funktioniert ja ähnlich. »Wehret den Anfängen« funktioniert nur, wenn man die Anfänge auch als Anfänge benennt, und nichts anderes macht an dieser Stelle Jessen.

        (3) »Zusammentreiben und Einsperren aller Männer ins Lager der moralisch Minderwertigen«

        Das nehme ich als rhetorische Hyperbel, aber streng genommen ist es vielleicht nicht einmal das: denn die mentale Operation des »Zusammentreibens in Lager« haben viele Feministinnen ja in Fakt und Tatsächlichkeit längst vollzogen, und die journalistischen Fantasien dazu hat Julie Bindel schon in einem Interview geliefert. Es sind die mentalen Operationen, mit denen die Barbarei beginnt, insbesondere dann, wenn es bereits öffentliche Echokammern gibt, in denen sie sich gegenseitig bestätigen, nicht erst das Einzäunen von ein paar Hektar Land mit Stacheldraht. Das sind bereits die Anfänge, derer zu wehren ist, und Jessen tut gut und recht daran, es auf diese Weise auszusprechen.

        Und ja, Jessen hat nicht gelesen, was Männerrechtler lesen oder selber schreiben, aber er argumentiert faktenbasiert auf einer Grundlage, die eher Teilmenge als bloß Schnittmenge unserer Argumente ist. Schade ist nur, wenn er das im Rundfunk nicht mit entsprechendem Biß zu verteidigen weiß.

        @crumar:

        Yep, er kennt die eigene Artikelhistorie nicht, und er hätte den ganzen Artikel anders schreiben können. Aber die »intellektuelle Nullinie« vermag ich darob nicht zu erkennen. Der Artikel ist aggressiv, aber das finde ich richtig so. Er setzt einen Eckstein in der Debatte, auf den man sich in Zukunft beziehen kann, und er macht es möglich, den sachlichen Gehalt hinter dieser Aggressivität zu verteidigen. Ich finde das auch nicht faul von ihm – sein Artikel ist ein sehr fleißiger Rant. Er hat die Textgattung der Brechstange gewählt, da halte ich ihm nicht das liegengelassene Skalpell vor. Und »devot«?! Redest Du jetzt wirklich von Jessen, oder nicht doch eher von Ulrich?

        Und Deine Differenzierungen zur Geschichte des Kommunismus in Ehren, aber ich glaube nicht, dass es an dieser Stelle auf diesen »Level of Detail« ankommt.

        Ich finde, wir sollten aufpassen, hier nicht selbst in eine »nicht-gut-genug«-Logik zu verfallen. Ein solcher Artikel in einem Mainstream-Medium war m. E. überfällig, auch wenn das Urteil zutreffen mag, dass es redaktionsseitig eine Inszenierung war, »good cop, bad cop« möglicherweise. Dass ein Artikel der Art, wie Du ihn vermißt, immer noch ganz objektiv fehlt, trifft ja trotzdem zu. Aber der Geist ist aus der Flasche, und die Risse im feministischen »Containment« sieht man immer deutlicher.

      7. @ djadmoros Du liest Jessens Text mit eben dem Wohlwollen, von dem ich geschrieben habe, das es noch den dämlichsten Texten von Stokowski oder Penny entgegengebracht wird. Du setzt einfach voraus, dass er etwas Sinnvolles meint – und da, wo er Lücken lässt, begründungslos bleibt, klischeehafte Vergleiche bemüht (wie den mit den Schauprozessen), da füllst Du seine Lücken stillschweigend aus.

        Selbst wenn das, was jessen schreibt, sinnlos bleibt, ergänzt Du es zu einem sinnvollen Bild. Hier z.B.:

        „Du hast selbst immer wieder darauf hingewiesen, wie sich die feministische Empathieverweigerung in Sorgerechtsprozessen auswirkt: brutal und entmenschlichend, und Du hast auch geschildert, wie wenig Du Dir das vorstellen konntest, bis es Dir widerfahren ist.“

        Das stimmt, so kann das Kippen des Feminismus in die Barbarei erläutert werden. Nur tut Jessen das eben nicht – er haut einfach eine zugespitzte Formulierung raus. Damit spaltet er seine Leserschaft: in die, die das auf jeden fall skandalös finden werden, und die, die das gedanklich ergänzen und einen Sinn darin erkennen können. Das heißt: Es ist eigentlich ein Text für die Filterblase, der aber nunmal in einer großen Wochenzeitung erschienen ist.

        Es geht Jessen aber nicht darum, Lesern, die zwar interessiert, aber anderer Meinung sind, seine Sicht der Dinge plausibel zu machen. So kann ich mir das Erscheinen des Textes in der ZEIT dann eben nur damit erklären, dass er eben von Beginn an Teil einer größeren Inszenierung war, in der einfach zwei Texte publikumswirksam aufeinanderknallen, ohne dass irgendjemand ein ernsthaftes Interesse an einer Vermittlung hätte.

        Es geht mit dabei nicht um eine Vermuittlung mit Feministinnen – das ist, bei den meisten, eh nicht möglich. Es geht aber darum, die Chance zu nutzen, sich einer größeren Mehrheit zu vermitteln, die weder feministisch noch feminismusfeindlich ist, sondern die allenfalls vielleicht das Gefühl hat, um das Geschlechtergedöns werde eh zu viel Radau gemacht. Da wäre es schon sehr wichtig, deutlich zu machen, dass manche Aspekte sehr wohl von allgemeinem Interesse sind.

        Dietmar Dath hat in der FAZ eine Glosse zu Jessen geschreiben, die spöttisch ist, ironisch, aber insgesamt sehr viel fairer als die Texte von Stokowski & co. „Mannieren“. Der Text endet so:

        „Angenommen, jeder Fehltritt eines Mannes werde tatsächlich dazu benutzt, „alle Männer“ in die Kollektivhaftung zu drängen: Hat dann der einzelne Mann, der dagegen an exponierter Stelle redet oder schreibt, nicht eine besondere Verantwortung für seine entrechteten Brüder? Wie schwer macht Jessen zum Beispiel mir, einem echt total netten Typen, das Leben, wenn er mit abstrusen Vergleichen (die Moskauer Weinstein-Prozesse, die Anti-Männer-Femnigida) genau das Niveau bedient, das derzeit mehr als jedes rechte oder linke, jedes feministische, homophobe, antisemitische oder scientologische Programm, mehr als jede Ideologie, sozialpolitische Auseinandersetzungen zum Spielplatz und vielleicht wirklich bald zum Schlachtfeld aufeinanderprallender Idiotien zurichtet? Soll ich jetzt vernünftige Frauen etwa altmodisch, täppisch und verklemmt mit Pralinen und Blumen beruhigen, wenn sie von der Ungenauigkeit gedruckter Wutanfälle auf die Unhaltbarkeit aller Einwände gegen ihre Meinungen schließen? Nee, weißte, danke, Mann.“
        http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/maenner-sind-weltweit-von-den-emanzen-bedroht-herren-glosse-15527973.html

      8. @djad

        „Yep, er kennt die eigene Artikelhistorie nicht, und er hätte den ganzen Artikel anders schreiben können. Aber die »intellektuelle Nullinie« vermag ich darob nicht zu erkennen.“

        Nein, nein und abermals nein.
        Ich habe Artikel genannt, die vor *sechs Jahren* in seinem *eigenen Blatt* veröffentlicht worden sind.
        So zu tun als sei »Zusammentreiben und Einsperren aller Männer ins Lager der moralisch Minderwertigen« seine eigene Idee und basierte nicht auf der Entgegensetzung von „unmoralischem“ und „moralischem Geschlecht“ ist *bestenfalls* denkfaul.
        Mir fällt nicht ein, seinen Beitrag unter „Stunde Null“ zu verbuchen, denn die begann sechs Jahre zuvor.
        Gemessen an *diesen Artikeln* – ich müsste ihn noch nicht einmal auf Arne Hoffmann oder Warren Farrell verpflichten – ist er tatsächlich „nicht gut genug“.

        »Das System der feministischen Rhetorik folgt dem Schema des bolschewistischen Schauprozesses, nur dass die Klassenzugehörigkeit durch die Geschlechtszugehörigkeit ersetzt ist.«

        Auch das ist Tinnef.
        Klassenzugehörigkeit ist ein soziales und Geschlechtszugehörigkeit ein biologisches Merkmal.
        Dem „System der feministischen Rhetorik“ geht ein simpler Biologismus *voraus*.
        Gehörte die nächste Generation – gemäß der stalinistisch verengten Definition – zu manuell tätigen Arbeiter oder Bauern, konnte man der Anschuldigung entgehen, während „Mann“ als Geschlecht sich vererbt.
        Es ist noch nicht einmal möglich, „individuellen Klassenverrat“ zu begehen, denn Mann ist in sein Geschlecht *hineingeboren*.
        Der Weg in die klassenlose Gesellschaft war ideologisch vorgezeichnet, eine „geschlechterlose Gesellschaft“ wird es nie geben, daher macht *Setzung* eines per Biologie minderwertigen und eines biologisch höherwertigen Geschlechts jeden „Schauprozess“ überflüssig.
        Das folgt ganz offensichtlich der christlichen Idee der „Erbsünde“ und hat mit Politik nichts zu tun.

        Es handelt sich um einen biologistischen Determinimus und die Idee, ein System „sexualisierter Gewalt“ sichere die „männliche Herrschaft“ scheitert daran, dass eben dieses „patriarchale System“ die „sexualisierte Gewalt“ mit drakonischen Strafen ahndete und ahndet.
        „Es sind nicht alle Männer, aber: Es sind Männer“ – bezieht sich auf Männer, die *gleichzeitig* „sexualisierte Gewalt“ zur Unterdrückung der Frauen empfehlen UND die Ausübung „sexualisierter Gewalt“ unter Strafe stellen.
        Nimm das, Schizophrenie! 🙂

        Gut, ich möchte ihm nicht ALLE Fragen aufhalsen, die er sich offensichtlich nicht gestellt hat, denn sonst gehörte er auch nicht zur Filterblase, für die er schreibt.
        Trotzdem: KLÄGLICH!

      9. @crumar:

        »Mir fällt nicht ein, seinen Beitrag unter „Stunde Null“ zu verbuchen, denn die begann sechs Jahre zuvor.«

        Verstehe ich das jetzt richtig, dass Dein Hauptkritikpunkt »Filterblase« lautet? Jessens Lücken sind Lücken, die er darum hat, weil er seine Komfortposition innerhalb dieser Filterblase nicht wirklich verlässt? Dann verstünde ich auch die Vokabel von den »Bordmitteln«. Natürlich ist Jessen kein externer, intellektuell unabhängiger Kritiker (wie z. B. Kucklick). Aber vielleicht habe ich mir ja auch wirklich angewöhnt, von Mainstream-Journalisten zu wenig zu erwarten und habe die Wahrnehmungs- und Urteilsverluste aufgrund dieser Filterblasenposition in meiner Einschätzung von vornherein mit eingepreist.

        »Stunde Null« wäre er für mich eigentlich auch nur im Hinblick auf den medialen Widerhall, den er erzeugt hat. Dieser Lautstärkepegel, insbesondere auch der Reaktionen darauf, scheint mir neu. Das war einerseits inszeniert, andererseits kontrolliert die Inszenierung m. E. nicht mehr alle ihre Folgen, das deutet auf eine gewisse Alarmstimmung, es ist nicht mehr möglich, die öffentliche Kritik noch taktisch risikofrei abzuwehren.

        »Klassenzugehörigkeit ist ein soziales und Geschlechtszugehörigkeit ein biologisches Merkmal. (…) Es handelt sich um einen biologistischen Determinimus und die Idee, ein System „sexualisierter Gewalt“ sichere die „männliche Herrschaft“ scheitert daran, dass eben dieses „patriarchale System“ die „sexualisierte Gewalt“ mit drakonischen Strafen ahndete und ahndet.«

        Die Feindbestimmung heftet sich damit an unterschiedliche identifizierende Merkmale. Aber entscheidend ist doch – das verstehe ich zumindest unter dem Schema des (bolschewistischen) Schauprozesses – die Subsumtion eines Individuums unter eine Kategorie kollektiver Schuld, der es sich nicht entziehen kann, weil sich der Richter längst festgelegt hat. Da scheint mir die Unterscheidung zwischen sozialen und biologischen Merkmalen als Kriterium der Subsumtion nachrangig. Ich würde es in Analogie zu Deiner anderen Anmerkung sehen: so, wie die Radfems das Konzept der »Frau als Klasse« beim Marxismus entlehnt haben, so betreiben sie auch ihre Feindbestimmung als Zuordnung von Männern zu einer »Geschlechterklasse« – die grundsätzlichen Inkonsistenzen dieser Analogisierung scheren sie ja ohnehin nicht.

      10. @djad

        „Verstehe ich das jetzt richtig, dass Dein Hauptkritikpunkt »Filterblase« lautet? Jessens Lücken sind Lücken, die er darum hat, weil er seine Komfortposition innerhalb dieser Filterblase nicht wirklich verlässt? Dann verstünde ich auch die Vokabel von den »Bordmitteln«.“

        Selbst wenn ich erstens in meinem Urteil in Sachen „Generalverdacht“ mit einbeziehe, sich nur auf das zu berufen, was in der „Zeit“ erschienen ist, so hätte er Kucklick zitieren können.
        Von hier ausgehend: „Männlichkeit muss gar nicht erst durch nachprüfbare Kausalketten mit dem Unerwünschten verknüpft werden. Sie erfüllt eine viel schlichtere Aufgabe: Sie ist die Kurzformel für Missstände aller Art. So wie wir gelernt haben, schneller Reize wegen Bildschirme und Plakatwände mit nackten Frauen zu füllen, so haben wir uns antrainiert, jedem Problem einen männlichen Defekt beizugesellen, der es irgendwie verursacht haben soll. Kausalitätspornografie.
        Das erlaubt es, über Männer so pauschal und abfällig zu sprechen wie über keine andere Gruppe. Oft genügt für die Verurteilung der bloße Verdacht.“ wäre er locker auf den Kernbestandteil der #metoo-Debatte gekommen.

        Es wäre weiterhin klar geworden, dass der „Generalverdacht“ nicht Ziel einer *einzelnen Kampagne* aus dem Nichts ist, denn so geht es bei Kucklick weiter:
        „Als der frühere Chef des Internationalen Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn, am 14. Mai 2011 in New York verhaftet worden war, weil eine Hotelangestellte behauptet hatte, von ihm vergewaltigt worden zu sein, wusste Amerikas Alpha-Kolumnistin Maureen Dowd in der New York Times schon am nächsten Tag, dass sich DSK »wie ein Bure« (Apartheid!) und »Primitiver« (Barbarei!) im »Höhlenmenschen-Stil« (Neandertaler!) auf »eine hart arbeitende, gottesfürchtige, junge Witwe« (Engel!) gestürzt hatte. Der Spiegel entlarvte nach dem Vorfall den Mann gar als »des Menschen Wolf« (Feind der Menschheit!). Kurze Zeit später ließen die Staatsanwälte alle Vorwürfe gegen Strauss-Kahn fallen.
        Es geht nicht darum, diesen Politiker zu verteidigen. Wie man heute weiß, hat er häufig zumindest den Respekt für Frauen vermissen lassen. Es geht darum, zu bemerken, dass einem Mann blindlings eine Vergewaltigung zugetraut wird. Einer Frau aber nicht einmal eine Lüge.“
        Wie gesagt, wir befinden uns im Jahr 2012, das Ereignis fand 2011 statt.

        Zweitens, danach weitere mediale Rohrkrepierer in Sachen „Generalverdacht“:
        – der Fall Kachelmann,
        – die „Rolling Stone“-Pleite,
        – das „Matratzenmädchen“-fail,
        – die Blamage des „Team Gina-Lisa“ mit prominenter Unterstützung durch Justizminister und Familien/Frauenministerin, die sich hinter eine verurteilte Falschbeschuldigerin stellten.

        In allen Fällen stand medial der/die Beschuldigte(n) als Angeklagte(r) am Pranger, erwies sich (wenn) vor Gericht als unschuldig, die Geschichten als frei erfunden und die weiblichen Motive waren: Aufmerksamkeit, Rache, Geld. Im Falle von Dominique Strauss-Kahn handelte es sich um eine ordinäre Erpressung.

        Es ist (für mich) ziemlich offensichtlich, was #metoo *restaurieren* soll, nämlich das religiöse „listen and believe“ – #metoo ist keine neue, sondern die Fortsetzung von x anderen feministischen Kampagnen mit identischem Ziel.
        Das alles hat er wissen können, es stand in der Zeitung.
        Er beklagt den „Generalverdacht“ der #metoo-Debatte, als wäre der voraussetzungslos – die Geschichte hat aber einen historischen Bart und begann nicht mit der #aufschrei-Kampagne und Brüderle, wie er es darstellt.
        Tim Hunt wurde auch nicht das Opfer eines „läppischen Witzes“, sondern einer *lügenden Feministin*, die seine Rede willentlich falsch darstellte – ebenfalls schlecht recherchiert.

        Den Verzicht auf die Darstellung dieser offensichtlichen Blamagen feministischer/medialer Kampagnen in Sachen „Generalverdacht“ findest du wirklich so zufällig?
        Was, wenn der „Fall Wedel“ beweist, dass die Kampagnenführerinnen sich SCHON WIEDER geirrt haben, wird das bei der nächsten Kampagne dann abermals „vergessen“?

        „Natürlich ist Jessen kein externer, intellektuell unabhängiger Kritiker (wie z. B. Kucklick). Aber vielleicht habe ich mir ja auch wirklich angewöhnt, von Mainstream-Journalisten zu wenig zu erwarten und habe die Wahrnehmungs- und Urteilsverluste aufgrund dieser Filterblasenposition in meiner Einschätzung von vornherein mit eingepreist.“

        Das kann ich zwar nachvollziehen. Aber wo endet das?

      11. @crumar
        „Alex, wann hört das eigentlich bei dir auf, dass du Beifall klatscht bei Texten, die bewusst geschrieben worden sind, damit du Beifall klatscht?“

        Hi, crumar, erfrischend, dass mir zur Abwechslung mal Naivität vorgeworfen wird. Mit der Rücksicht gegenüber den Maoisten könntest du ins Schwarze getroffen haben.
        Ich kann die These eines Pseudo-Dialogs aber nicht teilen und nachvollziehen, dafür sind die zentralen Aussagen Jessens viel zu stark und zutreffend, habe das ja ein paar Mal betont.

      12. @crumar, Teil 2 (letzte Antwort an @djad)
        „#metoo ist keine neue, sondern die Fortsetzung von x anderen feministischen Kampagnen mit identischem Ziel.“
        Das alles hat er wissen können, es stand in der Zeitung.“

        Das Stück von Jessen umfasst textmässig fast eine vollständige Seite, es werden im Text allenthalben Beispiele genannt. Beispielmässig kann so ein Artikel keine Vollständigkeit leisten, sicher daher hat sich Jessen auf den deutschen Sprachraum beschränkt und auf eine limitierte Zahl von Beispielen.
        Entscheidend ist das mit der Beispielfülle ohnehin nicht! Viel entscheidener sind solche Aussagen, dass der Feminismus Vernunft und Rationalität als „männlich“ ablehnt, daher auch kein Dialog mit ihm möglich ist und er den Weg in die Barbarei weist!

        Sagt sowas der Kucklick oder all die anderen Autoren, deren Nennung seitens Jessen du gerne gehabt hättest? Ich wette nicht…. (ja, auch ich bin so ein Ignorant, der den Kucklick nicht kennt, aber das ist bestimmt kein dauerhafter Zustand 😉

      13. @all

        Ich quäle mich gerade durch den Text von Ulrichs Bernd und muss anscheinend Abbitte leisten bei Jessen.
        Ulrich ist strohdumm und pervers, im wahrsten Sinne von „abartig“.
        Was für eine Funktion hat dieser Idiot bei der „Zeit“?
        Holy shit.
        Kann man den nicht gleich zu „50 shades of feminism“ übergeben, damit er ordentlich gezüchtigt wird?
        Ich habe gerade alle Peitschen auf der Wäscheleine hängen.

        Lucas, bitte gib ihm doch mal stramme 10 – er braucht es und will es!

      14. @ Lucas:
        „Ich finde es übrigens eine gute Erklärung für den Rauswurf Fischers, dass der u.a. eine ganze Menge mit Neid zu tun hat. Da kommt jemand daher, der journalistisch gar kein Profi ist – und erarbeitet sich eine Zustimmung, ein Interesse bei den Lesern, von dem die etablierten Profis der Zeitung nur träumen können. “
        Jaa-haa, da gehe ich noch einen drüber ( rein küchenpsychologisch, so als heimlicher Frauenversteher ).
        Ich vermute, daß da auch ein ganz persönlicher Zickenjazz in Metootriangulation mit dahintersteckt.
        Es gab nur zwei weithin bekannte Gerichtsreporter in D. die letzten 1-2 Jahrzehnten, Rückert u. Friedrichsen.
        Und Rückert war die, die i.d.R. hinterhermetoot ist.
        Nun hatte sie sich ( wie auch immer ) zumindest bei der ZEIT den Vizedruckposten ergattert.
        Da kommt der dicke Zampano und stiehlt ihr einfach mal die Show, weil er das hinkriegt, was man deutschen Richtern kaum noch zutraut, nämlich haarklein und trotzden recht allgemeinverständlich zu verklickern, wie der Hase laut Gesetz und Recht zu laufen hätte. Inkl. Positiv- u. Negativaspekte, Trennung von Glauben und Faktenlage und alle dem Gedöns.
        Kurz, die hat wahrscheinlich regelmäßig instant über ihren Schreibtisch gekotzt.
        Der Unterschied, Friedrichsen saß ganz woanders und somit einigermaßen sicher, da kam sie einfach nicht ran.
        Fischer schwebte ihr direkt in Reichweite kurz vor der Nase herum ( und hat möglw. noch nicht einmal bemerkt, wie die aufkochte ). Bis es dann nahezu blattschussmäßig ( aus ihrer Sicht ) passte. Uuuund Bummm!
        So erkläre ich mir auch ihren Ausbruch mit dem sinngemäßen Spruch: „Der ist ein Verräter, steinigt ihn und überhaupt hat der gar keine Argumente1!1Einsdrölf!!“. Was sie vermutlich hinterher ein wenig bereut hat. Aber egal, die Femikollegen haben das Attackesignal kapiert und ebenso argumentfrei das Feuer eröffnet.
        Und da war dann auch noch der pöse Rokoko-Indianer aus Oberbayern, der Don, und dann konnte man jetzt noch die eigene Zuchtsau Jessen auf die Strecke schicken und der machte dabei sogar glatt mit ( möchte wirklich wissen, was den so sicher macht das zu überleben ).
        Die Wagenburg ist im totalen Ballerrausch, jetzt heißt’s „Alle oder nix!“ Draufhalten was die Tastaturbüchse hergibt.
        Tortenwurf, Eiertreten, Nudelholzschwenken, egal, Hauptsache volle Breitseite.
        V.dh. war der „Volkssturm“spruch von Jessen schon ein – vielleicht gar nicht so gemeintes, aber sehr treffendes – Orakel.
        Das könnte noch als „der dreckige deutsche Frühling“ in die „Analen“ des Geschlechterkriegs eingehen.
        Mal sehen was hinten rauskommt …. 🙂

      15. @mitm in zwei oder mehr Teilen

        „Stellv. Chefredakteur & Ressortleiter Politik.“
        Vielen Dank für die Info!
        Dann ist mein erster Kritikpunkt an ihm, Ulrich ist ein LÜGNER und HEUCHLER vor dem Herrn – dazu gleich mehr.

        Zweitens, deine Einschätzung, dass es sich hier um eine abgesprochene Inszenierung verschiedener Positionen handelt würde ich unterschreiben.
        Erstes Indiz, erste Seite (in meinem Ausdruck): „Allerdings hat Jens Jessen seine Gefühle, namentlich seine Wut, mit recht vielen Argumenten umstellt (!)…“
        Zweites Indiz, Ulrich schreibt auf 50% im Text resümierend: „Nun, da die Gefühle von ihrer ideologischen Rüstung hoffentlich befreit sind, können die wahren Kräfte verhandelt werden: Verletzungen, Kränkungen, Wut und Angst.“

        Pech, dass das später aufgesetzte Label der Redaktion bei der online-Veröffentlichung den Text von Jessen *vorab* als „Wutrede“ titulierte – es war also gar keine „ideologische Rüstung“ abzulegen, um „wahre Kräfte“ oder „wahre Gefühle“ zu verhandeln.
        Duuuuuuuuhhhhh!
        Bedeutet: Er hatte seinen Text schon fertig, als Jessens Text erschien, was anders herum bedeutet, seine Antwort war mit dem Text von Jessen abgestimmt.
        Das „virtue signalling“ von Ulrich war die EIGENTLICHE Botschaft und Jessens Text zum Verriss VORGESEHEN.
        Nett über Bande. Zwinker, zwinker.

        Kommen wir zum Debattensurrogatextrakt/virtue signalling: „Ja, wir sind alle Menschen, aber“ – einige sind eben Unmenschen. SCHERZ! „jeder ist auch noch etwas Bestimmtes, zum Beispiel weiß, Mann und Autor einer Wochenzeitung mit zwei Millionen Lesern, in der man über die Unterdrückung des Mannes schreiben darf.“
        Verstehst du/ihr? Jessen DARF immerhin schreiben, nur weil er weiß und männlich ist, während Arne Hoffmann – TransBi und *Person* von Farbe von Farbe – das bspw. NICHT DARF. DANKE für diese neue Meinung, DANKE für diese neue „Zeit“, DANKE…
        Da sollte Jessen aber mal froh sein, ob seines alt-männlich-weißen Privilegs als Stichwortgeber für Ulrich zu fungieren.
        1. Jessen! Take the balls, too!
        2. Arne wird der erste TransBi und *Person* von Farbe von Farbe in der „Zeit“ (die Tatsache, dass man nie von TransBi und *Personen* von Farbe von Farbe gehört hat bedeutet lediglich, wie erfolgreich es dem Patriarchat bisher gelungen ist, diese ZUM SCHWEIGEN zu bringen).

        Zurück zur gigantischen Heuchelei des gesamten Textes.
        Mit welchen persönlichen Eigenschaften wird man „Stellv. Chefredakteur“ bei der „Zeit“?
        Mit dem „Ringen darum, ein anständiger Mann oder so etwas wie ein Feminist zu sein“?
        Ich fürchte, das wird nicht ausreichen, denn auch Alexander Gauland wird sich darum bemüht haben, ein „anständiger Mann“ zu sein (ich erspare euch, was Himmler über „anständige deutsche Männer“ zu sagen wusste).
        Indem ich bekenne, dass „Männlichkeit nicht nur gegeben ist, sondern auch (?) gemacht, nicht nur Substanz (von was, von dem „gemachten“?), sondern auch Projekt (?), liegt natürlich daran, dass wir es in der Hand haben.“
        Aber „Männlichkeit zu meditieren“ und die nächsten „Metamorphosen des Mannsein“ ersetzen nicht den Willen zum Bestehen in einer und gewinnen der Konkurrenz, Durchsetzungsstärke, Zielstrebigkeit, strategisches Denken und unternehmerisches Handeln.
        DUUUUUH!
        Mit diesen – irgend wie MÄNNLICH KONNOTIERTEN – Eigenschaften wird man „Stellv. Chefredakteur“ in einer Zeitung.
        Sein gesamtes Gewäsch im Text sind die sehr speziellen Qualifikationen, die man in der Filterblase der „ZEIT“ aktuell benötigt, um auf diesem Posten zu BLEIBEN.

        Notgedrungen wird es jetzt unappetitlich und es wird devot.
        „Wen die moralische Zumutung des Feminismus wirklich stört, der sollte Macht teilen. Dann lässt sie (ACHTUNG!) von alleine nach.“, jedoch schwant ihm, die „Unendlichkeit des feministischen Projektes“, er ahnt „die Anforderungen des Feminismus an uns sind schließlich nicht bloß (!!!) paradox, sondern auch unendlich, ja unersättlich.“

        Wer den ersten Punkt verinnerlicht HÄTTE, müsste als „Stellv. Chefredakteur“ der „Zeit“ natürlich umgehend zurücktreten, um bspw. TransBi-*Personen* von Farbe von Farbe verdient Platz zu schaffen.
        Was ich selbstverständlich gutheiße.
        Notfalls unterstütze ich ältere Frauen wie Mirna Funk (80% Menopause) in der Gründung einer Terrorgruppe (lacht!) – also wie man erstens bspw. eine MP7 hält, lädt und sich dann möglich nicht in den Fuß schießt. Bzw. erstens, was eine MP7 überhaupt ist (gendersensible Waffe des Volkes).

        Ende Teil 1

        P.S.: Wenn irgendwelche Kommentare kommen, die sich darüber beschweren, dass eine MP7 proprietäre Munition von Heckler&Koch verwenden oder alles andere, was in Richtung „Nicht-gut-genug-Maskulismus/MGTOW geht; die werde ich NICHT beantworten.

        Subcomandante crumar
        Organisation MGTOW

    2. Sehe ich ganz genau so. Man muß dem Herrn Ulrich aber zugestehen: „simulieren“ kann er – und wie! Er kommt ohne „klare Linien“ aus, und erst recht ohne klare Begriffe und Kategorien.

      Ich würde auch in einem unwichtigen Punkt der Interpretation im Haupttext oben widersprechen. Wenn Ulrich schreibt

      »Nun ja. Das muss dann wohl alles erst mal abgetragen werden, bevor über das wirklich Wichtige gesprochen werden kann.«

      dann ist das eben nicht „beinahe milde“ – es ist herablassend und herabsetzend. Und dabei so konziliant! Ja, sowas können Journalisten … und dafür braucht man keine Argumente.

    3. @Lucas:

      »Du setzt einfach voraus, dass er etwas Sinnvolles meint – und da, wo er Lücken lässt, begründungslos bleibt, klischeehafte Vergleiche bemüht (wie den mit den Schauprozessen), da füllst Du seine Lücken stillschweigend aus.«

      Ja, das ist wohl eine Schwäche von mir, ich neige generell instinktiv dazu, Texten größtmögliches Wohlwollen entgegenzubringen.

      »So kann ich mir das Erscheinen des Textes in der ZEIT dann eben nur damit erklären, dass er eben von Beginn an Teil einer größeren Inszenierung war, in der einfach zwei Texte publikumswirksam aufeinanderknallen, ohne dass irgendjemand ein ernsthaftes Interesse an einer Vermittlung hätte.«

      Den Inszenierungsvorwurf fand ich auch überzeugend.

      »Es geht aber darum, die Chance zu nutzen, sich einer größeren Mehrheit zu vermitteln, die weder feministisch noch feminismusfeindlich ist, sondern die allenfalls vielleicht das Gefühl hat, um das Geschlechtergedöns werde eh zu viel Radau gemacht. Da wäre es schon sehr wichtig, deutlich zu machen, dass manche Aspekte sehr wohl von allgemeinem Interesse sind.«

      Ok, das erscheint mir als das stärkste Argument bislang. Jessen lässt sich darauf ein, für ein gemäßigtes Publikum den Radaubruder zu geben, das sich daraufhin kopfschüttelnd abwendet. Diesen Punkt spießt Dietmar Dath überzeugend auf.

      P.S.: ich musste Deinen Kommentar wie die von mitm aus dem Spam holen, deswegen steht der jetzt erst online.

  6. „Erstmals in der Geschichte der Menschheit kann nun also dem Mann etwas widerfahren, das doch bislang nur den Frauen vorbestimmt war: Er kann wegen seines Geschlechts diskriminiert und angegriffen werden, er ist unter Umständen schutzlos der Niedertracht von Frauen ausgeliefert. “

    Immer wieder schön zu sehen, wie die Feinde aller Diskriminierung nicht die Diskriminierung überhaupt abschaffen wollen, sondern die Diskriminierung von Frauen durch Diskriminierung von Männern zu bekämpfen versuchen. Wenn dann alle diskriminiert werden, herrscht endlich Gleichberechtigung.

    1. Richtig erkannt, aber alleine diese Textstelle:

      „„Erstmals in der Geschichte der Menschheit kann nun also dem Mann etwas widerfahren, das doch bislang nur den Frauen vorbestimmt war: Er kann wegen seines Geschlechts diskriminiert und angegriffen werden, er ist unter Umständen schutzlos der Niedertracht von Frauen ausgeliefert. “

      enthält folgende weitere Macken bzw. Giftpfeile:

      1. „nur den Frauen vorbestimmt“: was heißt hier vorbestimmt? Daß es wie ein Damoklesschwert über den Köpfen der Armen baumelt? Daß die Diskriminierung von Geschlechts wegen unausweichliches Schicksal war, ähnlich wie der Tod?

      2. „nur den Frauen“: Schon mal von Kriegsdienst gehört? Wenn Diskriminierung = Ungleichbehandlung, dann ist „nur den Frauen“ völliger Schwachsinn.

      3. „er ist unter Umständen schutzlos der Niedertracht von Frauen ausgeliefert.“
      Das waren Männer schon immer. Wenn vor 2 Generationen eine Frau Gerüchte über einen Mann streute, er habe sie vergewaltigt, war er sehr leicht sozial erledigt, auch ohne „soziale“ Medien und metoo.

      Man kann so ungefähr in jedem Abschnitt von Ulrichs Text derartige Falschaussagen und Propaganda finden.

  7. Ulrich scheint es eher darum zu gehen Propaganda für eine Therapie (Selbst-Kastration) zu machen, als eine präzise Diagnose zu erstellen. Genau dazu ist der schwammige Begriff des „Patriarchats“da. Fragt man nach der allgegenwärtigen Unterdrückung der Frau und inwiefern Männer diese verursachen, erhält man keine Antworten – das Schweigen der Weiber. Höchstens solche Albernheiten wie gender pay gap, sexuelle Belästigung, weil ein Sternchen sich von ihrer Tittenpower einen Vorteil verspricht. Journalisten wie er (und viele andere) sind intellektuell korrupt und unfähig. Sie gehören abgeschafft. ZEIT und Spiegel in den Müll.

  8. Also, ich finde der Text von Ulrich erfüllt durchaus eine wichtige Funktion, nämlich als historisches Beispiel.
    Besonders in direkten Zusammenhang mit Jessen’s Werk ( deshalb habe ich sie auch in einer .rtf-Datei untereinander gespeichert 😉

    Wo Jessen eine relativ typisch emotionalisierte Polemik, aber zu den üblichen TATSÄCHLICHEN Kritikpunkten am aktuellen feministischen Mainstream verfasst hat ( quasi eine Durchschnittsmenge aus allem, was man in einem beliebigen AE-Thread dazu lesen kann ), hat Ulrich DAS ( einzige ) typische Muster aus allen feministischen äh …“Repliken“ zu Feminismuskritik zusammengekocht und präsentiert die perfekte Einheitsmarmelade daraus.
    Inhaltlich:
    BullshitxBullshit=Männer sind einfach irgendwie doof =Patriarchat
    Fazit:
    Allietum macht glücklich! Man muß nur sein Hirn an der Garderobe abgeben und diese schreckliche Realität, Logik ( und so’n patriarchales Zoix ) vergessen ….

    Was ich daran echt gut finde, ist, daß er das ziemlich geschlechtsneutral hinkriegt. Er spricht für sich selbst, oder Jakob Augstein, oder Michael Kimmel genau so wie für Silke Burmester, Simone Schmollack, Patricia Hecht, oder Laurie Penny, oder wer immer einem als Femiphon so einfällt.

    Ich denke, in einem Geschichtsbuch von 2118 könnte man unter
    „Beispiele für eine typische ‚mediale Diskussion‘ im staatsfeministischen Patriarchatssystem des 21. Jahrhunderts in der sog. ‚westlichen Welt‘ ( s.a.: ‚asymmetrische Debattenkultur‘ )“
    im Kapitel „Irrationale Politikführung zu Beginn des Jahrtausends“
    einen Kasten mit diesen beiden Texten finden.

  9. Männer können jetzt auch diskriminiert werden.

    Ah-ha, die ganzen Zwangsdienste der Vergangenheit, bei denen man als Mann aufgrund seines Geschlechts zu gezwungen wurde, waren also keine Diskriminierung.

    Aber wenn in einer gut bezahlten, aber Arbeitsintensiven Branche sich nur wenige Frauen bewerben, dann ist das ganz sicher Frauendiskriminierung.

    Was für ein Affe! Alleine zu glauben das aufgrund von Eigenschaften, wie z.B. Hautfarbe, Geschlecht oder Herkunft gewisse davon unabhängige Handlungen nicht an diesen Personen ausgeführt werden können ist schon ein dermaßener Unsinn. Wie kann man sowas bloß glauben?

  10. In der intellektuellen Analyse ist der Begriff „Mythos“ als Beschreibung für das Konstrukt „Patriarchat“ sicher treffender, im politischen Kampf verwende ich stattdessen lieber „Verschwörungstheorie“, das ist moderner und härter. Warum soll man den Herrschenden nicht genau mit ihren Kampfbegriffen einschenken?

    1. @aranxo:

      »im politischen Kampf verwende ich stattdessen lieber „Verschwörungstheorie“, das ist moderner und härter«

      Bei der Simplizität so vieler feministischer Argumente ist das m. E. auch völlig angemessen. Wobei man in meinen Augen, gerade weil der Begriff als Kampfbegriff verwendet wird, darauf vorbereitet sein muss, Kriterien für die Unterscheidung von guten und schlechten Verschwörungstheorien nennen zu können, denn manche der so etikettierten Behauptungen wird man inhaltlich verteidigen müssen (für mich war in diesem Zusammenhang die Barschel-Affäre ein eindrucksvolles Beispiel).

    2. Gerade in Bezug auf die Behauptung, Frauen würden in Wirtschaft und Politik deswegen „unterrepräsentiert“ sein, weil “ das Patriarchat“ (im Sinne von Männerbündelei) ihnen den Zugang verwehrt, handelt es sich um eine klassische Verschwörungstheorie. Ansonsten ist der Begriff aber nicht so passend. Es geht ja im Feminismus heute meist um patriarchale Denkweisen, oder was sie dafür halten. Und die kritisieren sie halt. Wir tun dasselbe: Wir kritisieren feministische oder männerveachtende Denkweisen (oder was wir dafür halten).

  11. „Das Hauptproblem am Begriff des »Patriarchats« ist, dass jeder ihn benutzt, aber niemand ihn definiert.“

    Das „Patriarchat“ ist der Protagonist eines Verschwörunsmythos und daher naturgemäss diffus, wie die „jüdische Weltverschwörung“. Als Projektionsflächen für immer neue Vorstellungen bleiben die Begriffe dieser Verschwörungsmythen dynamisch und wandeln sich mit der Zeit. Eine Begriffsdefinition müsste einer Evolutionsgeschichte gleichen.

    Ich halt es für wahrscheinlich, dass der Mythos des „Patriarchats“ immer eine verschwörungsmässige Projektionsfläche war und schon lange vor dem Feminismus der 2. Welle voranden war. Möglicherweise war dies ursprunglich eine antiklerikale, bzw antichristliche Vorstellung am Anfang der Moderne.

    1. @Alex:

      »Ich halt es für wahrscheinlich, dass der Mythos des „Patriarchats“ immer eine verschwörungsmässige Projektionsfläche war und schon lange vor dem Feminismus der 2. Welle voranden war. Möglicherweise war dies ursprunglich eine antiklerikale, bzw antichristliche Vorstellung am Anfang der Moderne.«

      Den Gedanken als solchen finde ich interessant, ich habe allerdings im Moment keine konkreten historischen Indizien dafür auf dem Radar. Der Patriarchatsbegriff spielt eine Rolle im Kontext des Evolutionismus der Soziologie des 19. Jahrhunderts, z. B. wenn Marx die vorkapitalistischen Produktionsverhältnisse »patriarchalisch« nennt, aber vor allem systematisch in Engels‘ »Ursprung der Familie«. Im Zusammenhang der Texte von Lewis H. Morgan und Johann Jakob Bachofen ging es damals um die Idee einer (sozial-)evolutionären Stufenfolge, in der »patriarchale« Verhältnisse erst als Folgeentwicklung einer anders beschaffenen (bei Bachofen: »mutterrechtlichen«) Urgesellschaft entstehen (Morgans ethnologische Arbeiten zu den Irokesen sind da übrigens bis heute aktuell).

      Allerdings sehe ich da keinen Hinweis auf verschwörungstheoretisches Denken analog etwa zum zeitgenössischen Glauben an die Verschwörungen der Illuminaten oder Jesuiten.

      1. @djad
        Ja, richtig, ich weiss auch nicht mehr, was die massgebliche Zeit des 19. Jahrh. angeht.
        Neulich stolperte ich bei der Lektüre im „Verrat der Intellektuellen“ (das ist ja eine Art Bibel für mich), über eine interessante Passage, im 2. Hauptpunkt der „Einleitung der Neuauflage 1946“ betitelt „Die Intellektuellen verraten ihr Amt im Namen einer mystischen Vereinigung mit der Evolution der Welt. Der dialektische Materialismus. Die Religion der „Dynamik“. Es geht in diesem Kapitel ausführlich darum, wie der dialektische Materialismus die Vernunft negiert. Dies leistet er durch ein Postulat zu einer „mystischen Hingabe“ an das Werdene, Dynamische, was eine eine intellektuell-rationale Begriffsbildung und -benutzung ausschliesst. In diesem Kontext schreibt Benda dann: „Im übrigen sprechen unsere „Dialektiker“, sofern sie überhaupt was sagen, sehr wphl von festumschriebenen Dingen. Sie sprechen von patriarchalen, feudalen, kapitalistischen und kommunistischen Systemen als mit sich selbst identischen Gegenständen, zumindest soweit sie von ihnen sprechen.“

        Benda ist nicht der Typ, der einfach mal etwas Überflüssiges nennt und dass die mat. Dialektiker der 30er/40er (auf die bezieht sich das) das „patriarchale System“ wichtig fanden, finde ich doch sehr bemerkenswert. Gibt es da ein feministisches „Atlantis“.

        Ich bin ohnehin der Ansicht, dass der Feninismus viel eher an eine Adaption des dialektischen Materialismus, wie er hier beschrieben wird, angelehnt ist als an einer „Differenzphilosophie“ der Postmoderne, bzw diese ebenfalls auf den dialektischen Materialismus zurückgeht.

        Benda schreibt kurz nach dem Zitat, was ich gab:

        „Der dialektische Materialismus, der sich ins Werden eingliedern möchte als Negation einer jeden sei´s auch nur kurzfristig mit sich selbst identischen Realität, sucht sein Element im Widerspruch und somit, was man auch sagen mag, im Irrationalen. Diese These wird mit aller nur wünschenswerten Deutlichkeit in einer Erklärung Plechanovs formuliert, die eine Art Charta des dialektischen Dogmas darstellt: Solange gegebene Kombinationen sich selbst gleich bleiben, müssen wir sie gemäss der Formel „Ja ist Ja“ und „Nein ist Nein“ bestimmen (a ist a und b ist b) Sobald sie sich aber verändern und aufhören als solche zu bestehen, müssen wir auf die Logik des Widerspruchs rekurrieren und sagen: „Ja und Nein; sie sind und sind nicht.“ (aus Grundfragen des Marxismus, zustimmend zitiert von dem Philosophen Abel Rey La materialisme dialectique Bd 1 der Encyclopedie francaise).

        Der dialetische Materialismus ist „eine Verschmelzung mit der Welt als einer, die sich unabhängig von jeder Ansicht des Geistes entwickelt und – in ihrem „Werden“ – verändert infolge des irrationalen, angepassten oder widersprüchlichen und damit zutiefst „richtigen“ Bewusstseins, das sie von ihren Bedürfnissen gewinnt. ua von Henri Lefevre in einem Aufsatz der Nouvelle Revue Francaise vom Oktober 1933 unter dem Titel „Was ist Dialektik“ dargelegt, ferner von Abel Rey im ersten Band der Ency Franc (und jüngst wieder in einem Aufsatz von René Maublanc in Les Etoiles vom 13. August 1946, Fussnote).

      2. @Alex

        „Ich bin ohnehin der Ansicht, dass der Feninismus viel eher an eine Adaption des dialektischen Materialismus, wie er hier beschrieben wird, angelehnt ist als an einer „Differenzphilosophie“ der Postmoderne, bzw diese ebenfalls auf den dialektischen Materialismus zurückgeht.“

        Das scheitert schon daran, dass viele Postmoderne noch nicht einmal die gleiche Einstellung zum philosophischen Materialismus haben.
        Es scheitert weiterhin daran, dass die Feministinnen, die sich überhaupt auf Marx bezogen haben mehrheitlich seit den 90er Jahren abgemeldet sind.
        Butler zitiert bspw. kein einziges mal Marx – auch nicht Adorno.
        Lies Leszek bei Lucas, es gibt keine gemeinsame Theorietradition.

        Du wirst wesentlich weiter kommen wenn du einsiehst, die „Differenzphilosophie“ der Postmoderne ist in bewusster Abgrenzung zu allen Spielarten des dialektischen Materialismus entwickelt worden.
        Wobei der Begriff „dialektischer Materialismus“ ein Verweis auf die marxistische Theorie der „real-sozialistischen“ Länder ist – wer sich wiederum dagegen abgrenzen wollte, verwendete „materialistische Dialektik“.

        „Der dialektische Materialismus, der sich ins Werden eingliedern möchte als Negation einer jeden sei´s auch nur kurzfristig mit sich selbst identischen Realität, sucht sein Element im Widerspruch und somit, was man auch sagen mag, im Irrationalen.“

        Es gibt aus einer marxistischen Sicht keine „mit sich selbst identische“ Realität, weil diese das Produkt eines Prozesses ist, die dieser Realität voraus ging. Der Prozess selbst ist die Bewegung der Widersprüche – ich brauche daher nicht zu „suchen“.
        Anyway: Wir kritisieren hier Auswüchse einer männerfeindlichen feministischen Theorie und ergehen uns im Widerspruch zu der mit „sich selbst identischen Realität“ der Mainstreammedien. Unsere Kritik kommt mir bisher rational vor.

      3. @crumar
        „Das scheitert schon daran, dass viele Postmoderne noch nicht einmal die gleiche Einstellung zum philosophischen Materialismus haben.“

        Ich bin mir sicher, dass die bedeutsame New Age-Geistigkeit ab den 50ern (fernöstliche Religionen und all das) im Wesen ununterscheidbar vom dialektischen Materialismus, wie er im Rahmen des Marxismus erfunden wurde, ist. Und dass die New Age Bewegung 1000mal bedeutsamer für die Postmoderne ist als aller französischer Postmodernismus, der nur dadurch sichtbarer ist, dass scheinbar herausragende Namen wie Foucault, Baudrillard sich damit verbinden lassen. Wer will da Shirley McLane anführen? Und Aldous Huxley, Hermann Hesse, die Beatniks und all das ist völlig unverdächtig….

        „Butler zitiert bspw. kein einziges mal Marx – auch nicht Adorno.“

        Und Butler gehört natürlich auch ganz dem New Age zugeordnet. Das hat mit Marxismus nicht das Geringste mehr zu tun, das sehe ich nicht anders als du. Butler ist rein esoterische Mystik.

        „wenn du einsiehst, die „Differenzphilosophie“ der Postmoderne ist in bewusster Abgrenzung zu allen Spielarten des dialektischen Materialismus entwickelt worden.“

        Ich weiss nichts von einer solchen Auseinandersetzung. Die Methode des „Dekonstruierens“, des Dazudenkens vom Unterdrückten und Vergessenem hat aber eine allzugrosse Ähnlichkeit mit dem Eintauchen in das Werden, in die Dynamik, die der dialektische Materialismus fordert, so dass ich von einer starken Ähnlichkeit beider Denkweisen ausgehe. Möglicherweise haben sie genealogisch nichts miteinander zu tun, aber ist es nicht verdächtig, dass beide aus Frankreich kommen, wie auch schon die linke und die rechte Variante der Identitätspolitik, die auch als logischer Ausfluss von Dekonstruktion und dial Materialismus erscheint…

        „Wobei der Begriff „dialektischer Materialismus“ ein Verweis auf die marxistische Theorie der „real-sozialistischen“ Länder ist“

        Das ist hier nicht gemeint, das ist lediglich der staatliche Lehrbuch-Marxismus, der zum besagten dialektischen Materialismus in einem analogen Verhältnis Differenzphilosophie – US universitäre PC-Kultur stehen dürfte.

        „Es gibt aus einer marxistischen Sicht keine „mit sich selbst identische“ Realität, weil diese das Produkt eines Prozesses ist, die dieser Realität voraus ging. …“

        Ja, das gibt es ein Problem mit der Realitätsvorstellung im Marxismus, die schon immer Richtung Mystik ging und dann im „dialektischen Materialismus“ auf die Spitze getrieben wurde….

      4. @Alex:

        »Ich bin mir sicher, dass die bedeutsame New Age-Geistigkeit ab den 50ern (fernöstliche Religionen und all das) im Wesen ununterscheidbar vom dialektischen Materialismus, wie er im Rahmen des Marxismus erfunden wurde, ist. Und dass die New Age Bewegung 1000mal bedeutsamer für die Postmoderne ist als aller französischer Postmodernismus, der nur dadurch sichtbarer ist, dass scheinbar herausragende Namen wie Foucault, Baudrillard sich damit verbinden lassen. Wer will da Shirley McLane anführen? Und Aldous Huxley, Hermann Hesse, die Beatniks und all das ist völlig unverdächtig….«

        Grrrr!

        Grrrr!

        Grrrr!

        Lieber Alex, ich finde es ja gut, dass Du Ideen hast, aber irgendwann musst Du auch mal dazu übergehen, die selbständig konkret in Quellen und Literatur zu verankern, so wie Leszek das macht. Sonst bleibt das alles unverbindliches Spekulatius! »Im Wesen ununterscheidbar« – wie dafuq hast Du vor, dieses »Wesen« zu operationalisieren, nicht um es zu belegen, sondern überhaupt erst belegbar zu machen?

        Was Du da oben alles in einen Absatz zusammenrührst, bedarf einer präzisen Hypothese, die die ideengeschichtlichen Zusammenhänge der Beeinflussung transparent macht, sowie einer entsprechenden Lektüre (die ist zum Thema »New Age« problemlos möglich), die das aus Primär- und/oder Sekundärtexten belegt – sonst bleibt es ein matschig gekochter Assoziationsbrei, zu dem man nur mit den Achseln zucken kann.

        Du bis eine begnadete Assoziationsschleuder, aber Du solltest echt mal ein einzelnes Beispiel in die Tiefe verfolgen, um handfesten geistigen Nährwert zu erzeugen.

  12. Ich glaube, der lange Dialog zwischen @Djad u. @Crumar blendet ein paar Aspekte aus und eiert v.dh. stellenweise aneinander vorbei.
    Da wäre:
    A – Jessen sagt, daß er den Artikel nicht allein geschrieben hat
    B – Das Motiv der ZEIT „Clickbait über alles!“
    C – Das Motiv der Zeit „Wir machen jetzt Pearl-Harbour!“ ( Oder 9/11, oder oder … jedenfalls eine Art false Flag, im weitesten Sinne )
    D – Es ist wurscht, ob es um Geschlecht. o. Klasse o.w.a.i. geht, weil es um „dän Värrrätärr, dän schäbigän Lomp“ geht, v.dh. war der auf AE ( ich weiß nicht mehr von wem ) verlinkte Kurzclip aus einem Freisler-Prozess durchaus zutreffend. Der Verrat „an därrr Sache “ ( also dem Feminismus, den Frauen, der Umwelt, dem Weltfrieden OND ÜBÄRRRHAUPT! Mit besonderer Betonung von ÜBÄRRRRHAUPT! inkl. Stimmüberschlach ) zählt.
    E – Es geht nicht so sehr um Verschwörungstheorien dabei, sondern es steckt wahrscheinlich tatsächlich einiges an Verschwörung dahinter.

    Zu A: Ich vermute einfach mal, Jessen hatte – vlt. aufgrund des Clickbait-Arguments – Genehmigung, von wo auch immer, sich die derbsten „Maskuargumente“ zusammensuchen zu lassen und den Auftrag, möglichst windige Vergleiche u.ä. dazu daran zu koppeln und so ordentlich friendly Fire auf die eigenen Verbündeten zu richten. Dazu brauchte er von der Materie selbst kaum Ahnung zu haben, was ihm die Geschichte in mehrfacher Hinsicht erleichterte. Sein nebulöses Geblubber in dem späteren Interview stützt das. Und es schützt ihn intern ggü. der Redaktion, weil „wieso, das sollte ich doch, oder?“.
    Und zieht die Sache voll auf die emotionale Ebene, was nebenbei auch für Burmester, Hecht, Schmollack & Co das nette Argument: „Der hat aber angefangen“, beinhaltet. Wen kümmert da Kucklick, hä? Muß er noch nicht mal kennen. Und man muß fairerweise sagen, er hatte dadurch die Freiheit, tatsächlich schwerste Hämmer einzubauen und hat die ( egal ob absichtlich, oder nicht ) auch exakt und korrekt geliefert ( oder liefern lassen ). Insofern ist das Beachten von Filterblasen und Zielgruppen ( auf allen Seiten ) natürlich schon sehr wichtig.

    Zu B – Wohl klar, oder? Es war einfach der richtige Zeitpunkt, ein ganz fettes Ding zu zünden und das braucht das Blatt auch unbedingt. ( Und übrigens speziell Rückert auch, nach dem Fischer-Desaster, v.wg. „keine Argumente“ )

    Zu C – Siehe B, und der MS-Feminismus brauchte einen Aufhänger, um die rote Linie als Überschritten zu deklarieren ( wie die jetzigen imperialen Kräfte Skripal, Khan Sheikhoun und Ost -Ghouta/Duma, also „Giftgas“, jedenfalls was ganz fieses )

    Zu D – Eigentlich selbsterklärend – „Feinheiten“ ( Rasse, Klasse, Geschlecht ) sind egal, jetzt kommt das volle Programm mit dem groben Besteck. Hysterie zum Anwerfen der Hurrrrratröten wird gebraucht. Realer Grinterhund ist unwichtich.

    Zu E – Ich habe es nicht überprüft, aber scheinbar sollen ja wohl einige „Antworten“ verdächtig zu früh erschienen sein.
    Ansonsten siehe A . Zusammen stinkt das schon herzhaft nach einigen Vorab-E-Mails und -Telefonaten.

    Nochmal Kurzfassung in Kriegsjargon ( gut, daß ich in letzter Zeit oft Rubikon mit Tagesshow verglichen habe, dabei lernt man sowas, konnte ich vorher nich ):
    Erstmal laut, aber kaum wirksam auf die Verbündeten ballern, die sich eingegraben haben.
    Während der Gegner jubelt, ballern die Kumpels „zurück“ und senken die Rohre.
    Und wenn der Feind sich umdreht, knallt man ihm von hinten groben Schrott in den Rücken.
    Ein paar Bauernopfer …. pffft…..
    Und zack! is Kriech …

    ( Eigentlich wollte ich ja ganz viele Zitate von oben runterkopieren und ausführlich darauf eingehen, aber das wäre mir zu sehr ausgeufert. )

  13. @crumar 14. April 2018 um 23:16

    „Ulrich ist ein LÜGNER und HEUCHLER vor dem Herrn“

    Ich habe vor ziemlich genau 5 Jahren meinen Blog angefangen (mein Gott, man wird alt!), und zwar deshalb, weil damals die Hetze gegen Männer im Rahmen der Aufschrei-Kampagne und einige ähnliche Vorkommnisse davor (Kachelmann, Strauss-Kahn usw.) bei mir ein Faß zum Überlaufen brachten. Am meisten ärgerten mich die Aufgabe rechtsstaatlicher Grundsätze (Defma, Privilegientheorie,…), die Hetze der Presse gegen Männer und das Verbreiten von Fake-Nachrichten, z.B. zum GPG.

    Anfangs war ich vor allem von dem Gedanken getrieben, man könnte die Probleme klären, indem man die biologischen, soziologischen usw. Fakten genauer versteht und damit zu einer sachorientierten Lösung kommt. Heilige Einfalt, was war ich unpolitisch. Ja länger ich mich damit befaßt habe, desto klarer wurde mir, daß Fakten überhaupt nicht zählen, daß das Geschlechterproblem sozial konstruiert ist und daß die ZEIT und Co. feministische Propagandaschleudern sind, die die Frauen i.a. und die politische Kaste nach Kräften aufhetzen und desinformieren. Nicht ohne Erfolg, s. Frauenquotengesetze, Verschärfung des Sexualstrafrechts, Sprechverbote für Feminismuskritiker usw.

    Vor diesem Hintergrund braucht man nicht groß zu begründen, daß jemand wie Ulrich – der jahrelang Funktionär bei den Grünen im Bundestag war – heuchelt, was das Zeug hält. „Lügt“ würde ich nicht sagen, er glaubt vermutlich selber, was er da schreibt. Er ist Ergebnis jahrelanger Gehirnwäsche im feministischen Biotop, dort züchtet man sozusagen intellektuelle Selbstmordattentäter heran: intellektueller Selbstmord durch abenteuerlichen Unfug, mit dem man die „Feinde der Aufklärung“, Ewiggestrigen usw. vernichten will.

    Es nützt auch nichts, all die einzelnen Fehler in seinem Text zum 100. Mal zu widerlegen. Er liest das nicht, wird sich auch nicht ändern, und ich glaube nicht, daß der typische Leser hier diese Fehler übersieht.

    Letztlich willst Di hier einer feministischen Propagandaschleuder kontra geben oder sie sogar außer Gefecht setzen. Die Absicht ist löblich, aber dazu braucht man andere Mittel. Über die sollten wir mehr nachdenken.

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