Über Männer reden im Kampfblatt des Gynozentrismus

In der Zeit, in der täglich mehrere Frauenversteh- und Brachialfeminismusartikel erscheinen, reden Frauen über Männer.  Das kann ja nur in die Hose gehen – aber amüsant ist es allemal. Mein Favorit ist die 24-jährige, die trotz des Ausfalls im Schlusssatz durchaus vernünftige, selbstbewusste Gedanken beiträgt. Ganz anders die 29-jährige mit dem Reflexionsvermögen einer 9-Jährigen:

Wenn man Angst hat und ein Mann einen beschützt. Auch als starke Frau möchte man mal in den Arm genommen werden.

Single, 29: Ich höre auch oft, dass Frauen meist dafür zuständig sind, Urlaube zu organisieren. Wenn man in den Urlaub fahren will, muss man das als Frau anstoßen, die Flüge buchen …

Mutter, 42: Das macht mein Mann.

Single, 29: Mein Vater hat das auch immer gemacht, aber bei den Männern von heute muss ich das machen.

 

Diese Männer. In nur 13 Jahren das Buchen verlernt.

Sicherheit ist für mich auch ein großes Thema. Mir ist wichtig, dass ein Mann mit Geld umgehen kann. Auf der anderen Seite regt es mich total auf, dass mein Vater in meiner Familie der Geldverdiener ist und meine Mutter, die aufgrund ihrer Depressionen nicht arbeiten kann, total von ihm abhängig ist. Mein Vater sieht in ihr vor allem eine Hausfrau. Ich habe ihn mal darauf angesprochen: „Wie kannst du ihr sagen, dass sie den Tisch abzuräumen hat!“ So ein Verhältnis möchte ich niemals zu einem Mann haben.

Das Geld ranschaffen ist ok, aber bei der Hausarbeit herrscht Feminismus!

ZEITmagazin: Sie wollen also einen ganz anderen Typ von Mann? Einen, der mit Geld umgehen kann, in Ihnen aber auch eine gleichberechtigte Partnerin sieht?

Single, 29: Ja. Komischerweise date ich trotzdem ständig Männer, die kein Geld haben. Und dann nervt es mich, dass sie mich nicht zum Essen einladen können.

Gleichberechtigung! Außer beim Bezahlen!

Single, 29: Man braucht einen Mann, um Dinge zu teilen. Mit seinen Freundinnen kann man das irgendwann nicht mehr, die haben dann ja ihre eigenen Familien. In meinem Freundeskreis bekommen gerade alle Kinder.

Welche Dinge sollen geteilt werden? Wenn man ihre anderen Aussagen liest, dann meint sie am ehesten sein Gehalt. Ansonsten klingt ihre Begründung fürs Mann-brauchen doch sehr, sehr dürftig. Was im übrigen das Grundproblem des Artikels ist, aber dazu später mehr.

Aber in letzter Zeit begegne ich dort immer wieder diesen Männern, die Mitte 30 sind und nicht wissen, was sie wollen.

Filterblasengestählte wissen dies zu deuten. Gerade noch sprach sie, dass sie herumtindert, sich also quasi ausgetobt hat, aber jetzt mit 29 das Ende ihrer Fruchtbarkeit und ihres erhöhten Marktwerts sieht. Aber die fiesen Männer, sie wollen einfach nicht was sie jetzt will. Schweine!

Single, 24: Ich habe mal einen kennengelernt, der kam aus Südafrika und hat mich für ein paar Tage nach Tunesien entführt. Wir hatten über drei Monate eine tolle Affäre. Ich will mein Leben wie im Film leben. Ich will, dass es mit Männern aufregend ist.

Im Artikel gibt es einige Hinweise, dass Zitate den falschen untergeschoben wurde. Auch diese Aussage würde ich der 29-jährigen zuordnen, zumal sie direkt darunter das Tunesien-Setting aufgreift.

Ich finde es toll, wenn ich beim Sex spüre, dass der Mann Macht über mich hat. Überall sonst bin ich total selbstbestimmt. Beim Sex kommt so ein Urinstinkt raus, dass der Mann stärker als man selbst ist. Das Gefühl, dass ich total begehrt werde, turnt mich an.

Ah, nicht nur bei  der Rechnung hört die Gleichberechtigung auf. Immerhin, Pluspunkt für die 29-jährige für Ehrlichkeit.

Ich stehe auf Männer, die wie Verbrecher aussehen. Und auf exotische Männer, Typ arabischer Prinz.

Ich habe meine Telefonnummer auf die Visitenkarte des Restaurants geschrieben, dann aber solche Angst bekommen, dass ich rausgerannt bin. Männer sprechen einen aber auch nie an.

Wie war das? Überall sonst ist sie total selbstbestimmt? Aha.

Erst jetzt, mit 29, wo ich mich in meinem Körper wohlfühle, weiß ich, was ich gut finde.

 

Ich habe erst in den letzten Jahren herausgefunden, wie stark mein Bedürfnis ist – über die Website „OMG yes!“.

Ich fand es interessant, mich damit auseinanderzusetzen, und habe so zum ersten Mal in meinem Leben meine Lust entdeckt.

Frauen haben einen genauso großen Sextrieb wie Männer.

Finde den Fehler.

Wenn man sich das genauer anschaut, so kommt einen der Verdacht, dass die letzten beiden Aussagen des Artikels der 24- und 29-jährigen vertauscht wurden. Auch mit dem Alter der 69-jährigen im Zusammenhang mit der Mauer scheint was nicht zu stimmen. Aber genug von den Zitaten.

Worauf ich hinaus will, ist, dass das natürlich kein komplettes Gespräch ist, sondern eine durchaus handwerklich stümperhafte Zusammenstellung der getätigten Aussagen. Falls das Gespräch überhaupt stattgefunden hat. Insofern möchte ich mich bei der 29-Jährigen vorsorglich entschuldigen.

Wie ihre Aussagen so ist ja der ganze Text eine von den Verfasserinnen zusammengestellte Auswahl. Durchgewunken von der ZEIT-Redaktion als relevanter Beitrag. Was fehlt denn hier? Es fehlt jedwede Begründung, warum sich potentielle Partner überhaupt mit diesen Frauen abgeben sollten. Wo werden Männer als Menschen gesehen, die etwas zu bieten haben, abgesehen von Geld? Was ist der Beitrag dieser Frauen außer ihren Titten?

Oder wie es der Top-Kommentar darunter von „Napokue“ ausdrückt:

Männlichkeit als Wunschkonzert von Frauen (Wünsche, die in sich widersprüchlich sind – was sonst); Anneinanderreihungen von Stereotypen über Männer; Nicht den Schimmer einer Ahnung wie Männer ticken; Viel Nabelschau, wenig Selbstreflexion. Kurz: im Westen nichts Neues.

Eine Frage wird selbstredend ausgespart: „Was will eigentlich der Mann?“. Die Frage ist halt nicht relevant.

Diese Frage hier ist umso relevanter: „Wozu braucht man eigentlich einen Mann?“

Ich denke, dass es einmal für Männer an der Zeit ist, sehr ernsthaft und kritisch zu hinterfragen, wozu sie eigentlich eine Frau brauchen: Lesen Sie sich den Text nocheinmal aufmerksam durch. Was bringen diese Frauen in eine Beziehung ein, außer einer endlosen Litanei von Wünschen und Forderungen? Frauen suchen einen Versorger, Beschützer und Wunscherfüller. Was haben sie im Gegenzug anzubieten? Wiegt der Nutzen die Kosten auf? Wiegt der Nutzen das Risiko auf (Stichwort: Sexualstrafrechtsreform, #MeToo, Scheidungsrecht, etc.)? Ist das zeitweillige Wohlwollen einer Frau es wert, dass man sich dafür zum Lakaien degradiert?

Apropos, Versorger, Beschützer und Wunscherfüller:

„Solange ich in der U-Bahn noch von Männern belästigt werde und kein anderer Mann aufsteht, um mir zu helfen, hat die #MeToo-Debatte nichts gebracht.“

Geht’s noch, Frau Studentin? Ich bin nicht Ihr Bodyguard! Sie haben kein Anrecht auf meinen Schutz oder Beistand. Mit Verlaub, werden Sie erwachsen und lernen Sie allein klarzukommen.

Es kann nicht mehr lange dauern, bis die ZEIT die Kommentare abschaltet.

 

Advertisements

6 Kommentare zu „Über Männer reden im Kampfblatt des Gynozentrismus“

  1. Zum Thema durchaus passend, wie ich finde, ein Telepolis-Artikel über die Funktion des Subjektiven in den Medien (Marcus Klöckner interviewt Michael Meyen aus Anlass einer Buch-Neuerscheinung von ihm). Eine zentrale Aussage lautet:

    »Die Grammatik der Medienkommunikation ist immer gleich. Ich glaube, dass das ein zweiter Grund für die Vertrauenskrise ist und dass die Medien sich da selbst hineinmanövriert haben. Medien reden von Objektivität und Neutralität, von Ausgewogenheit und Vollständigkeit, produzieren aber genau das Gegenteil: Drama, Story, Meinung.«

    Also genau das, was der betreffende ZEIT-Artikel bietet.

  2. Doch, natürlich hat Frau ein Anrecht auf Schutz durch Männer. Zumindest in den Grenzen, die einem der § 323c StGB setzt.
    Wenn eine Hilfeleistung zumutbar ist, muss Mensch auch bei Belästigungen einschreiten.
    Für Männer ist dies aber ungleich gefährlicher, denn das ungeschriebene Gesetz „Frauen schlägt man nicht.“ gilt schließlich nicht für Männer.
    Insofern ist das Recht auf einen x-beliebigen Mann als persönlichen Bodyguard natürlich wieder eingeschränkt. 😉

  3. „Solange ich in der U-Bahn noch von Männern belästigt werde und kein anderer Mann aufsteht, um mir zu helfen, hat die #MeToo-Debatte nichts gebracht.“

    Glaub ich das?
    Mir fallen die zahlreichen Variationen dieses Experiments ein, die die meisten hier vermutlich kennen:

    Daher: nein, glaub ich ihr nicht.

    Bzw., wenn überhaupt, dann genau nicht so herum, dass, wenn “ kein anderer Mann aufsteht, um mir zu helfen, hat die #MeToo-Debatte nichts gebracht.“
    Wenn MITTLERWEILE „kein Mann aufsteht, um zu helfen“, dann ist das nicht „trotz“ MeeToo so, sondern dann ist das GENAU die KONSEQUENZ von MeeToo. Man kann als Mann da nur verlieren.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.