Feministische Empathie — American Beauty

Wer American Beauty nicht gesehen hat, holt dies schleunigst nach und kommt erst dann wieder hierhin zurück. Wer sich nicht mehr so ganz erinnern kann, dem sei der Wikipedia-Artikel ans Herz gelegt.

Lester befindet sich in einer Midlife Crisis und ist mit seinem Leben unzufrieden; der – laut eigenem Bekunden – „Höhepunkt“ seines Tages findet beim morgendlichen Masturbieren in der Duschkabine statt. Das Leben mit seiner spießigen, karrieresüchtigen Frau Carolyn und seiner zickigen Tochter Jane empfindet er als trostlos. Jane befindet sich in der Pubertät und lehnt ihn als Vorbild ab. Auch seine triste Arbeit in einem Zeitschriftenverlag macht ihn nicht glücklich, und er erfährt von seiner Familie weder Dankbarkeit noch Respekt für seine Arbeit oder für sich selbst als Mensch, sondern „das furchtbare Gefühl, bedeutungslos zu sein“.

Neben Lester gibt es noch den Nachbarn, einen Kriegsveteran, der seine Homosexualität unterdrückt, sowie dessen Sohn. Lester stirbt und die anderen Männer sind auch nicht besonders glücklich. Viel Platz für Mitgefühl mit diesen Männern. Die Schlüsselszene hierbei ist die Freundin der Tochter, in Rosen gebettet. Sein unerreichbarer Traum von Glück, Zufriedenheit und Sexualität.

Lester entdeckt schließlich Angela und tauscht mit ihr Zärtlichkeiten aus. Als sie ihm mitteilt, dass sie noch Jungfrau ist, lässt er von ihr ab und unterhält sich mit ihr.

Ok, und was machen Feministen daraus? Den Anspruch, dass auch Wale in violetten Blüten bitteschön begehrt werden sollten. Oder wie es der Zett-Schreiberling American Beauty zusammenfasst:

Darin versucht der desillusionierte, antriebslose Vorstadt-Loser Lester Burnham seinem Leben mehr Sinn zu geben, indem er ihm eine Portion Aufregung verpasst. Ein Teil dieser Aufregung tritt in Form von Angela, der Freundin seiner Tochter, in sein Leben, die er sogleich zum Opfer seiner sexuellen Fantasien macht.

Hier der ganze Artikel: MIT FLIEDERBLÜTEN ZU MEHR BODY POSITIVITY. Gibt es auch Feministinnen mit Empathie für Männer?

 

 

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6 Kommentare zu „Feministische Empathie — American Beauty“

  1. Erwähnt werden sollte hier, dass Lester seinen Job hinschmeißt, um mehr work-life-balance zu haben. Schließlich verdiene seine Frau ja genug…
    Tja, benimmt sich ein Mann „weiblich“, ist er für Feministas ein Looser…

  2. Eine bedenkliche Formulierung steckt im letzten der zitierten Sätze: Opfer seiner sexuellen Fantasien.
    Wie kann er nur! Träume haben, die nicht anständig sind!
    Was wurde aus „die Gedanken sind frei“?

  3. Dieser Artikel war mir auch extrem unangenehm aufgefallen. Das Projekt an sich ist okay: Wenn Frauen sich nackt fotografieren lassen und sich dabei sexy fühlen, sei es ihnen gegönnt.

    Aber der Text! Frau ist jetzt schon Opfer, wenn ein böser alter weißer Mann erotische Phantasien über sie hat? Glücklicherweise kenne ich nur Frauen, die das (zu Recht) als Kompliment ansehen.

    Der Film ist übrigens sehr gut, aber auch sehr, sehr traurig. Die Verlorenheit der Männer ist furchtbar mit anzusehen, aber leider ziemlich realistisch dargestellt.

    1. Hilf mir. Was ist okay? Ich finde diese Art von Body Positivity extrem unangenehm, konnte das aber nicht in Worte fassen.

      Man kann sicherlich Schönheit in allen Menschen sehen und fotografieren. Aber ich würde meine Plauze auch nicht in die Kamera hängen und stattdessen lieber meine Oberarme abgelichtet sehen wollen. Das ist eh ein Aspekt, der mich nervt, warum müssen es unbedingt ausschließlich Frauen sein wenn man sich der Diversität verpflichtet fühlt.

      Und selbst wenn man meint, diese Art von Fotografie, deren Darstellung und deren Objekte seien schön, so ist da doch ein donnernder Unterton der Belehrung drin. Nicht „ich bin schön“, sondern „Du hast mich schön zu finden, Mann!“. Das gipfelt ja gerade hier in der Rosenszene, oder wie GOI es sagt, den Anspruch zu haben, im Wunschtraum sexueller Phantasien anderer sein zu müssen während man sich gleichzeitig auch noch als dessen Opfer ansieht.

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