Kurznachrichten vom 20.01.2018

1: Woody Allen ist offensichtlich als das nächste Opfer von #metoo auserkoren. Es geht um die alten Vorwürfe seiner Adoptivtochter Dylan von anno 1992, er habe sie als Kind missbraucht, die Allen aber stets zurückgewiesen hat. Es gab damals auch eine Untersuchung der Staatsanwaltschaft, die damit endete, dass keine Klage erhoben wurde. Es gibt also überhaupt nichts neues, aber hey, wir haben da gerade so eine super Kampagne, warum nicht auch mal wieder olle Kamellen wiederkäuen?

Einen besonderen Kotau vor den #metoo-Furien hat jetzt ausgerechnet Colin Firth hingelegt. Der Schauspieler verkündete über den britischen Guardian, nie wieder mit Allen zusammenarbeiten zu wollen. Merkwürdigerweise hatte er vor vier Jahren, als er mit Allen den Film „Magic in the Moonlight“ drehte, anscheinend noch keine Bedenken, obwohl da die Vorwürfe allesamt schon über 20 Jahre auf dem Tisch lagen. Möglicherweise hat er aber auch nichts davon gewusst, weil sie zwischenzeitlich vermutlich zurecht der Vergessenheit anheim gefallen waren. Dennoch hätte ihm klar sein müssen, dass die Vorwürfe alt, längst verhandelt und nicht mehr abschließend zu klären sind, außer einer der Kontrahenten gäbe zu, bisher gelogen zu haben.

Vielleicht liegt es an seinen Rollen, dass ich Colin Firth bisher als einen integeren Menschen angesehen habe, aber dieses Bild hat jetzt traurigerweise große Risse bekommen. Wir leben leider wieder einmal in einer Zeit, in der es wohlanständig ist, sich Lynchmobs anzuschließen, und verwerflich, Skepsis walten zu lassen.

2: Nochmal #metoo: Am Mittwoch lief bei NDR info in der Sendung Redezeit eine Diskussion mit dem Thema „Nicht mein Feminismus – Läuft die #metoo-Debatte aus dem Ruder“, mit Dr. Svenja Flaßpöhler, Chefredakteurin des „Philosophie Magazins“, Stefanie Lohaus Geschäftsführende Redakteurin bei „Missy Magazine“ und Benjamin Maack, Autor und Spiegel-Online-Redakteur. Insbesondere Svenja Flaßpöhler, auf die Arne bei Genderama erst vor ein paar Tagen hingewiesen hat, ist durch moderate, vernünftige Positionen aufgefallen. Hörenswert.

3: Jasper von Altenbockum von der FAZ musste sich böse Kritik anhören für seinen Satz „Der einzige Mann in der SPD-Führung scheint Andrea Nahles zu sein“. Darauf antwortet er in einem weiteren Beitrag und weist darauf hin, dass diejenigen, die sich hier über angebliche Gender-Stereotype echauffieren, im Gegenzug ebenfalls gerne mit Gender-Stereotypen hantieren:

Sie schreiben, es sei ein „genderspottender“ Satz. Alles andere als „genderspottende“ Autoren versuchen uns immer wieder zu erklären, dass Frauen einen anderen Politikstil pflegen als Männer (nicht auf Konfrontation aus, ohne Statusgehabe, vermittelnd, an der Sache orientiert, etc.). Ein etwas skurriles Beispiel dafür war die Äußerung von Susanne Gaschke nach ihrem Rücktritt als Kieler Oberbürgermeisterin, sie sei Opfer einer „testosterongesteuerten“ politischen Unkultur. Will sagen: Männer sind Machtmenschen, wollen sich unbedingt durchsetzen, sind auf Stärke, Status und Dominanz fixiert, etc. […]

Das war übertrieben, lag aber auf derselben Linie. Wenn es aber so ist, dass es zwischen Männern und Frauen durchaus Unterschiede gibt im politischen Habitus, muss man sich dann nicht auch fragen, wann dieser jeweilige Habitus in bestimmten Situationen erfolgversprechend ist, wann nicht?

4: Alexa, die Werbewanze von Amazon, ist jetzt eine Feministin. Man sollte sich auch die Kommentare unter dem ZEIT-Artikel durchlesen. Es gibt tatsächlich Menschen, die glauben allen Ernstes, man könne eine Maschine mit einem Mikrophon, die mit dem Internet verbunden ist, sexuell belästigen, ja sogar vergewaltigen. Ich hätte da nur so eine Frage an diese Feministinnen: Habt ihr denn auch brav immer Euren Dildo nach Consent befragt, bevor Ihr ihn benutzt habt? BENUTZT!!!! Spricht da nicht alleine schon eine Missachtung aus diesem Wort?

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8 Kommentare zu „Kurznachrichten vom 20.01.2018“

  1. @ Aranxo

    Schön, dass es wieder Kurznachrichten von dir gibt.

    Kurz noch was zu einem anderen Thema: Wir fanden doch in der Vergangenheit beide die Texte des antideutschen Autors Magnus Klaue zur kritischen Analyse von Sexualfeindlichkeit lesenswert, (und wurden dann darauf aufmerksam gemacht, dass Klaue früher leider auch gegen Männerrechtler gerichtete Texte verfasst hat).

    Magnus Klaue hat zu seiner kritischen Analyse von Sexualfeindlichkeit inzwischen auch ein Buch verfasst:

    Magnus Klaue – Die Antiquiertheit des Sexus: Kindheit – Sprache – Geschlecht

    https://www.amazon.de/Die-Antiquiertheit-Sexus-Kindheit-Geschlecht/dp/3944503139/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1516100906&sr=1-1&keywords=magnus+klaue

    Ich habe das Buch noch nicht gelesen, werde dies aber noch tun. Ob dieses Buch auch Passagen enthält die aus männerrechtlicher Perspektive kritikwürdig sind, weiß ich nicht, aber seine kritische Analyse von Sexualfeindlichkeit war ja bislang gut, daher wollte ich dich mal auf das Buch hinweisen, falls du es noch nicht kennen solltest und es dich vielleicht interessiert.

    1. Danke und Danke!
      Ich komme leider nicht immer dazu, ich muss ja nebenher noch arbeiten, die Themen finden sich auch nicht von alleine und wegen eines Links lohnt sich das nicht.

      Danke für den Buchtipp! Der Klappentext auf Amazon klingt ja schon vielversprechend:

      Der Puritanismus, der im neuen Feminismus und in der antirassistischen Linken dominant geworden ist, bietet die perfekte Grundlage für die Kollaboration sich emanzipatorisch gerierender Bewegungen mit dem Islam, dessen Vertreter im Habitus permanenten Beleidigtseins, in der Begeisterung für Zensur, Sprechverbote und unter dem Alibi von Respekt und Toleranz eingeforderte Sexualtabus von den Feministen und Antirassisten nicht mehr zu unterscheiden sind.

      Ist auf der Liste, aber da stehen schon so viele Bücher…

      Auf dem Youtube-Kanal „TheNokturnalTimes“ gibt es auch ein paar Vorträge von Magnus Klaue, z.B.:

      Ich habe den Kanal hier auch schon ab und zu erwähnt. Sehr zu empfehlen, wenn man sich in aktuelle linke Sichtweise einhören möchte. Es gibt da durchaus kluge Beiträge, aber auch oft horrenden Quatsch, insbesondere wenn es um Gender geht. Von Magnus Klaue habe ich aber auf die schnelle keinen Vortrag gefunden, der sich mit Geschlechterthemen beschäftigt. Ich bin mir aber sicher, da gibts was.

  2. Zu 1:
    Ja, im Moment mag es opportun erscheinen, sich vorbehaltlos hinter #MähToo zu stellen. Nur wie wird sich dieses Engagement in ein oder zwei Jahren auswirken? Werden prominente Befürworter vielleicht von der Leinwand verschwinden?`Ich würde mir als Entscheider durchaus die Frage nach dem Risiko stellen, wenn ich vor hätte einen Film zu besetzen.

    Zu 4:

  3. „Es gibt also überhaupt nichts neues, aber hey, wir haben da gerade so eine super Kampagne, warum nicht auch mal wieder olle Kamellen wiederkäuen?“

    Genau so sieht es aus. Mit #MeToo kann man notfalls auch unschuldige Männer vernichten, wenn der Rachedurst oder das Bestrafungsbedürfnis einer Frau für eine schlecht gelaufene Begegnung nicht von der Justiz gestillt wird oder einfach eine Frau einem Mann, den sie nicht mag, etwas missgönnt.

  4. Daß Alexa, Siri, Cortana &Co grundsätzlich als Feministen einzusortieren sind, überrascht mich gar nicht.
    Speziell Alexa wurde ja schon seit Jahren von Kritikern als direkte Weiterentwicklung von Alexa selbst bezeichnet, wie ich meine zurecht, und das nicht nur wegen der „zufälligen“ Namensgleichheit. Ein Programm, das immer schon extrem neugierig, intrigant und verlogen war. Esnannte sich selbst „Werkzeug zur Verbesserung der Kundenfreundlichkeit“ und schickte alle für MS interessanten Daten, derer es auf den Rechnern von Windoseusern habhaft werden konnte, zur Firmenzentrale in Richmond Va..
    Eben deshalb gibt es auf meiner EDV solche labernden Spywares garantiert nicht, sondern das gute ( mittlerweile bald zwei Jahrzehnte alte ) Miniprogramm Alexa-FO ( wofür „FO“ steht sollte klar sein, oder? ). Und, so unglaublich das klingen mag, es tut seinen Dienst immer noch brav und zuverlässig.
    Ob es gegen die neue Alexa hilft, glaube zwar nicht, aber es macht mir einfach Spaß, es alle paar Tage mal abzufahren und dabei eine Gedenkminute vor diesem Mahnmal abzuhalten. So zur Förderung des kritischen historischen Bewußtseins. 😉

  5. Oben im Haupttext heißt es:

    „Colin Firth … verkündete über den britischen Guardian, nie wieder mit Allen zusammenarbeiten zu wollen. … Wir leben leider wieder einmal in einer Zeit, in der es wohlanständig ist, sich Lynchmobs anzuschließen, …“

    Soweit mir bekannt ist, wurde Woody Allen 1935 geboren, er ist jetzt also schon ziemlich alt.

    Wie wahrscheinlich ist es, daß Colin Firth (oder irgend ein anderer prominenter Schauspieler) noch mit einem 82-jährigen Regisseur zusammenarbeiten wird? Sehr unwahrscheinlich – nicht wegen #MeToo, sondern wegen des hohen Alters von Woody Allen.

    Und trotzdem muß Colin Firth noch unbedingt herausposaunen: Mit mir nicht! No way!

    Man sieht hieran sehr schön die Motivation von Colin Firth: Eine Option, die sehr unwahrscheinlich ist (Zusammenarbeit mit einem steinalten Regisseur), wird in Bausch und Bogen abgelehnt, bloß um sich dem Zeitgeist und dem Publikum anzubiedern. Risikofreies Virtue Signalling vom Feinsten.

    Übrigens, aus Protest gegen Picassos Einstellung gegenüber Frauen werde ich kein Picasso-Gemälde ersteigern – niemals! Man muß auch mal ein Zeichen setzen.

    Übrigens gibt es im „Spiegel“ der letzten oder vorletzten Woche einen Artikel darüber, wie ein „Journalist“ dieses Magazins versucht, Woody Allen auf die Mißbrauchsvorwürfe von damals anzusprechen. Man lese und staune: Der „Spiegel“ deckt auf …

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