Kurznachrichten vom 15.01.2018

1: Aktuell brodelt immer noch #metoo und die Gegenrede der 100 französischen Frauen, angeführt von der Diva Catherine Deneuve. Diese hat sich jetzt teilweise bei Opfern sexueller Gewalt dafür entschuldigt, ihr mitunterzeichneter Aufruf sei evtl. missverständlich gewesen sein. Tatsächlich sieht sie aber keinen Grund, inhaltlich etwas davon zurückzunehmen.

In dem offenen Brief von über hundert Frauen werde sexuelle Belästigung in keinster Weise gerechtfertigt, ansonsten hätte sie ihn nicht unterschrieben, erklärte die Schauspielerin. Den Vorwurf, keine Feministin zu sein, wies sie zurück.

In einem Interview mit der FAZ verteidigt Mitautorin Catherine Millet den Aufruf. Zwei Ausschnitte:

Gut, dann sprechen wir doch von den Nuancen. Am Anfang Ihres Textes schreiben Sie: „Die Vergewaltigung ist ein Verbrechen, aber eine plumpe Anmache ist kein Delikt.“ Sind Sie wirklich der Ansicht, man mache da keinen Unterschied?

Ehrlich gesagt, ja. Vor ein paar Tagen hörte ich im Radio eine Feministin, die gegen unseren Text argumentierte. Und sie erklärte genau das: Man dürfe nicht mehr unterscheiden, man müsse einen Mann, der einem irgendwie lästig wird, sofort anzeigen. Ich finde das verrückt. Es gibt doch wohl sehr viele sehr unterschiedliche Formen des Lästig-Seins. Manche davon sind schlimm, viele sind es nicht. Die zu unterscheiden, die graduellen Nuancen nicht einfach zu verwischen, das scheint mir essentiell.

Glauben Sie nicht, dass das jede Frau anders empfindet?

Natürlich, aber gerade deshalb sollte man es doch jeder Frau überlassen, das für sich selbst zu entscheiden, selbst zu wissen, wo ihre Grenze liegt. Gerade deshalb, gerade weil jede Frau das anders empfindet, bin ich dagegen, dass man uns eine Moral von außen auferlegt.

Sie sprechen auch von Puritanismus.

Ja, für mich huldigt ein Großteil dieser Feministinnen einer puritanischen Utopie, in der die Komplexität der Sexualität vollkommen glattgebügelt wird. Um eine sexuelle oder sogar nur eine romantische Beziehung mit einem anderen einzugehen, muss einer offensiv sein, sonst passiert nichts. Da kann es schon mal sein, dass man sich ungeschickt oder plump verhält. Ist das so entsetzlich? […]

Sie sind also nicht gegen die #MeToo-Bewegung oder den #balancetonporc-Aufruf („Prangere dein Schwein an“), sondern gegen das, was Sie als Ausschweifungen der Bewegung bezeichnen?

Na ja, sagen wir es so: Ich bin persönlich dagegen, dass man so ernste Angelegenheiten wie eine Vergewaltigung auf dem Marktplatz von heute, also im Netz verhandelt. Dass man Männer in den sozialen Netzwerken eines solchen Deliktes beschuldigt, sie öffentlich denunziert, bevor man sich an die Justiz gewandt hat – für mich ist das der Wilde Westen. Wir leben in zivilisierten Gesellschaften, wir haben Gesetze, die dazu da sind, uns zu schützen, stattdessen wählt man die öffentliche Anklagebank und rechnet vor den Augen aller mit diesem oder jenem ab. Außerdem habe ich wirklich ein Problem mit diesem Begriff.

Dem des Schweines?

Ja. Die meisten werden es vergessen haben, aber unter den Nazis waren die „Schweine“ die Juden. Zur „Denunziation“ der „Schweine“ aufzurufen scheint mir also, von allem anderen mal abgesehen, zutiefst schockierend. Zumal mir diese Generalisierung nicht gefällt. Dass alle Männer jetzt plötzlich Tiere sind. Was soll denn das? Natürlich gibt es Männer, die zu weit gehen, aber das ist ja nicht die Regel.

2: Harald Martenstein vergleicht im Tagesspiegel die öffentlichen Rezeptionen zweier aktueller Dauerthemen, nämlich die #metoo-Kampagne auf der einen Seite und die Gewaltdelikte muslimischer Migranten auf der anderen Seite.

In der „Me too“-Debatte ist zu Recht von den kulturellen Faktoren die Rede, die Missbrauch begünstigen: Chefetagen voller Männer, Kumpanei, machtlose, verängstigte Frauen. Bei der Gewalt von muslimischen Migranten ist dagegen jeder Fall ein Einzelfall. Die Taten haben höchstens am Rande mit Prägungen zu tun. Und die Statistik ist sowieso rassistisch. […] In der „Me too“-Debatte ist kaum eine Emotion groß genug, Wut ist Trumpf. In der anderen Debatte wird relativiert, dass sich die Balken biegen. Die einen Opfer sind traumatisiert, die anderen Opfer sind nicht selten tot.

3: Kommen wir zum zweiten großen Aufregerthema der Woche, der Liebesgeschichte zwischen Malvina und Diaa, die im November vom Kinderkanal ausgestrahlt wurde, aber nach dem Mord an der 15-jährigen Mia in Kandel erst richtig von der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde und so in die Kritik kam. Die FAZ bietet eine gute, auch leicht kritische Zusammenfassung der Debatte.

Am Samstag kam beim Hessischen Rundfunk (HR) eine Wiederholung der Sendung mit anschließender Diskussionsrunde, die aber m.E. eine Farce war, denn man hatte einen Kritiker der Sendung gegen vier Verteidiger antreten lassen, und dieser Kritiker war auch noch von der AfD, so dass das Setting klar war: Nur die Bösen können etwas gegen eine Liebesbeziehung zwischen einer deutschen 16jährigen und einem syrischen Flüchtling haben, dessen Alter nach wie vor ungeklärt ist, aber mit derzeit 20 angegeben ist*. Wenn man also ein kleines Problem darin sieht, dass er bei ihr keine kurzen Röcke akzeptiert, keine männlichen Freunde, die sie auch noch umarmen möchte, wenn er ihr das Kopftuch andient, gegen dass sie sich noch sträubt, aber wenigstens verzichtet sie ihm zuliebe schon auf Schweinefleisch, also wenn man darin evtl. ein Problem sehen könnte, dann kann man ja nur einer dieser ewiggestrigen Rassisten sein.

Die neuesten interessanten Details sind noch nicht im FAZ-Artikel enthalten, nämlich dass Diaa auf seinem Facebook-Profil die Seite des Islamisten-Predigers Pierre Vogel geliked hat, und dafür die fadenscheinige Begründung gibt, er habe an einem Gewinnspiel teilnehmen wollen, aber die Seite nicht inhaltlich erfasst und stehe nicht dazu. Bei dem „Gewinnspiel“ ging es um eine Reise nach Mekka. Und als nächstes taucht noch ein Foto von ihm auf, wo er auf einer Kanone posiert und das auf arabisch kommentiert, dass er Deutschland islamisieren wolle.

* Diaa, der auch noch Mohamed heißt, welcher Name davon der erste ist, blieb bisher unklar, sieht m.E. mindestens aus wie 25, wenn nicht 30, hat einen veritablen Vollbart, in  dem auf manchen Fotos schon ein paar graue Härchen zu sehen sind. Auf seinem Facebook-Profil gibt es 5 Jahre alte Bilder, auf denen er auch schon sehr erwachsen aussieht. Und zudem gibt der HR an, in seinem Pass stünde als Geburtsdatum 1998. Gleichzeitig hat man verkündet, dass er vor kurzem 20 geworden sei. Kann es evtl. sein, dass Mohamed Diaa zufällig am 1. Januar geboren ist, wie zufällig viele andere unbegleitete minderjährige Flüchtlinge? Wer traut sich, dagegen zu wetten?

Und wie immer in letzter Zeit, hat man zu dem Fall von Feministinnen noch keinen Ton gehört. Wenn das kein syrischer Flüchtling, sondern ein deutscher Mann wäre, er wäre längst als sexistischer Möchtegern-Pascha gebrandmarkt worden.

4: Die Richard Dawkins Foundation hat einen Beitrag von Jeffrey Tayler bei Quilette übersetzt, in dem er die Femen-Aktivistin Inna Schewtschenko porträtiert und interviewt, die sich gegen den Kulturrelativismus und den Verrat der regressiven Linken an ihren ehemaligen Idealen sowie deren Anbiederung an den (politischen) Islam ausspricht.

Der Verrat vieler sogenannter Liberaler, wenn es um das Verhältnis von Islam zu Terrorismus und Frauenrechten geht, hat sie tief getroffen. „So viele auf der Linken – im Englischen heißen sie regressive Linke, aber hier nennen wir sie Islamogauchisten – haben den Manipulationen der Islamisten nachgegeben. Für diese Linke wurde Kommunitarismus – ethnische Identitätspolitik, die eine direkte Verneinung des französischen Ideals der Gleichheit darstellt – eine neue Religion.“ Sie atmet tief ein. „Wenn so viele Menschen, die eigentlich auf deiner Seite stehen sollten, auf die Manipulationen deines Gegners reinfallen, dann fühlst du nur noch Verzweiflung. Es gibt dieses Argument laut dem Kritik am Islam rassistisch ist. Das ist Gift für die öffentliche Debatte. Ich habe kein Problem damit islamphob genannt zu werden. Ich bin tatsächlich sogar religions-phob. Es ist kein Verbrechen, Angst vor Religion zu haben. Als Frau Angst vor Religion zu haben, ist normal.“ […]

Sie hegt großen Zorn gegen diejenigen Liberalen, die darauf bestehen, den Islam nicht zu kritisieren, weil dies in ihren Augen Trump oder Marine Le Pen dabei hilft, ihr Narrativ über Muslime zu verfestigen. Solche „Liberalen“ sagt sie, schlagen ernsthaft vor, „Frauenrechte, Sicherheit, das Wohlergehen kleiner Mädchen, das fundamentale Recht auf Meinungsfreiheit, ja sogar das Recht auf unseren eigenen Lebensstil und die Art wie wir uns kleiden, laut auf der Straße zu lachen, all das aufzugeben, aus Angst nicht mit den Meinungen der Rechtsextremen in Verbindung gebracht zu werden! Für mich ist das keine Lösung, sondern Feigheit und sehr gefährlich. So sind Fremdenfeinde die einzig verbleibenden Islamkritiker, die die Bühne für sich allein haben. Aber dies ist kein Thema für die Rechtsextremen. Es ist ein Thema für die gesamte Gesellschaft. Wenn ich höre, wie Liberale derart sprechen, begreife ich, dass sie und die Islamisten dasselbe wollen: Die Unterdrückung progressiver Stimmen. Wenn man diese Stimmen zum Schweigen bringt, wird man ein Verbündeter des Islamismus.“ […]

Donald Trumps Wahl zum Präsidenten ist „ein perfektes Beispiel, für das Versagen der Demokraten, das Problem beim Namen zu nennen.“ Trump hat mit der Angst der Amerikaner vor der terroristischen Bedrohung gespielt, so dass sie für den einzigen Kandidaten stimmten, der willens war, das Problem anzusprechen.“ Trump, so sagt sie, ist ein „Clown, die Parodie eines Politikers, eines Menschen, ein Cartoon der genauso auch von Charlie Hebdo erdacht sein könnte. Und er gewann, weil die Demokraten es nicht fertigbrachten, ehrlich über den Islam zu reden.“

Zur Gänze lesenswert.

5: Ein Bäcker in den USA muss einem lesbischen Pärchen 135.000 US-Dollar Schmerzensgeld bezahlen, weil er sich aus religiösen Gründen geweigert hat, dem Paar die Hochzeitstorte zu backen. Das Paar fühlte sich „mentally raped“.

In the lawsuit, the two women claimed to have been mentally raped and said that they have suffered 88 symptoms of emotional distress as a result of Sweet Cakes By Melissa refusing to sell them a wedding cake.

6: Zum Abschluss ein Filmtipp: Gestern Abend lief auf der ARD die Dokufiction „Härte“, die wahre Geschichte des ehemaligen Karate-Meisters und Zuhälters Andreas Marquart, verfilmt von Rosa von Praunheim. Marquardt wurde jahrelang von seiner Mutter sexuell missbraucht und geriet unter anderem dadurch auf die schiefe Bahn. Ein wirklich aufrüttelnder, authentischer Film, der unter die Haut geht. Unbedingt ansehen. Trailer gibts schon mal hier:

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16 Kommentare zu „Kurznachrichten vom 15.01.2018“

  1. „man müsse einen Mann, der einem irgendwie lästig wird, sofort anzeigen“

    Und jede Frau auch! Auf ein glückliches miteinander!

      1. Übermorgen dann:

        Warum leisten Männer keine erste Hilfe mehr wenn das Opfer eine Frau ist?
        Warum werden Frauen nicht mehr eingestellt und kriegen nichtssagende Absagen „Es tut uns leid, aber wir haben jemand besser qualifiziertes gefunden. Wir wünschen Ihnen noch viel Erfolg bei ihrer Jobsuche“.
        Warum kriegen Frauen nicht mehr mitgeteilt wenn ein Networkingevent stattfindet?
        Warum ist neuerdings immer mindestens ein weiterer Mitarbeiter mit im Zimmer wenn eine Frau ihren Chef um eine Unterredung bittet?
        Warum verlassen Männer den Fahrstuhl wenn eine Frau ihn betritt?
        Warum helfen Männer nicht mehr Kinderwagen oder schweren Koffer eine Treppe herunterzutragen?
        Warum finden Frauen keine Männer mehr die sie heiraten und eine Familie gründen wollen?

        Feministin: Alles misogyne Schweine!

  2. „Härte“ habe ich auch durch Zufall zum Teil gesehen. Als er ins Gefängnis kam hat er psychologische Hilfe gesucht und man hat sie ihm erst angeboten als er gedroht hatte jeden zu vermöbeln den er in die Finger kriegt. Die waren dort Gefängnis überhaupt nicht darauf vorbereitet einem Mann zu helfen der von einer Frau missbraucht wurde. Er sollte seine Strafe absitzen und am besten alleine damit klar kommen.

    1. Die Szene im Gefängnis, als er verzweifelt nach jemand zum Reden verlangt, der Therapeut ihm aber nur ein paar Pillen geben will, ist mit eine der eindringlichsten. Natürlich neben den Szenen, wo ihn seine Mutter missbraucht. Oder auch die, wo sie ihm seine erste Freundin abspenstig macht.

  3. „nämlich dass Diaa auf seinem Facebook-Profil die Seite des Islamisten-Predigers Pierre Vogel geliked hat, und dafür die fadenscheinige Begründung gibt, er habe an einem Gewinnspiel teilnehmen wollen, aber die Seite nicht inhaltlich erfasst und stehe nicht dazu. Bei dem „Gewinnspiel“ ging es um eine Reise nach Mekka.“

    warum ist diese Begründung fadenscheinig? Die syrischen Freunde, die ich habe, haben auch schon von Pierre Vogel geschwärmt, bis ich ihnen dann erzählt habe, dass der Typ IS-Sympathisant ist. Für sie ist er einfach ein namhafter deutschstämmiger Prediger, der perfekt arabisch und deutsch beherrscht und darüber freuen sie sich halt. Seine politischen Ansichten kannten sie nicht und teilen sie nicht. Die lesen halt aus naheliegenden Gründen keine deutschen Zeitungen und wissen nicht, welchen (berechtigten) Ruf Vogel bei uns hat.

    Dass Diaa trotzdem salafistische Ansichten hat, streite ich deshalb aber nicht ab, denn er trägt den Bart in der szenetypischen Weise. Das muss aber nicht viel heißen. Die Wünsche und Empfehlungen, die er an seine Freundin macht, sagen erstmal nichts über seine politische Gesinnung aus.

    „Und als nächstes taucht noch ein Foto von ihm auf, wo er auf einer Kanone posiert und das auf arabisch kommentiert, dass er Deutschland islamisieren wolle.“

    das sind daher Unterstellungen, die du dringend unterlassen solltest, wenn du seriös bleiben möchtest. Schließlich willst du ja solche Unterstellungen gegen dich selbst von z.B. feministischer Seite auch nicht haben.

    Trotzdem Danke, dass es mal wieder Kurznachichten gab 🙂

    1. Wie kommst Du denn darauf, dass die Geschichte mit der Kanone eine Unterstellung wäre? Hast Du das Bild nicht gesehen?

      Die Übersetzung ist übrigens von Imad Karim. Für den, der ihn nicht kennt: Ein libanesischer Dokumaentarfilmer, der schon Jahrzehnte in Deutschland lebt.

      Und was Pierre Vogel angeht, wenn man von dem mal ein paar Videos gesehen hat, dann muss man doch relativ schnell checken, wes Geistes Kind der Kollege ist. Das, was der von sich gibt, ist auch ohne direkte Gewaltaufrufe ziemlich hanebüchen. Wenn man das nur irgendwie gut findet, dann ist man für mich schon irgendwie verdächtig.

      1. achso entschuldige, dann hab ich dich falsch verstanden. der Satz „Und als nächstes taucht noch ein Foto von ihm auf, wo er auf ei…“ klang so, als wenn es das noch nicht gibt und das einfach deiner fantasie entspringt. so wie man z.B. auch sagt, „und als nächstes müssen wir noch alle [absurdes zeug] machen“

        trotzdem hab ich da ein paar einwände. bist du sicher, dass es zwischen dem bild und dem Post einen direkten zusammenhang gibt? schließlich stehen neben dem bild ja auch noch ein haufen andere sachen. außerdem scheint mir der satz eine antwort auf eine frage zu sein und keine bildbeschreibung, denn der satz beginnt mit „ja, wirklich“ (syr. Dialekt: ey wallah). das hat Imad Karim bei der Übersetzung nicht beachtet.

        die übersetzung ist ansonsten ok. wenn es aber, wie ich vermute, keinen direkten zusammenhang zwischen dem Satz und der Kanone gibt, sagt Diaa einfach nur, dass er zur Mission beitragen will, was nach der verfassung sein gutes recht ist und keineswegs bedeuten muss, dass er irgendwem igendwas aufzwingen will.

      2. Lies doch mal den oben verlinkten Artikel von Harald Martenstein, der beschreibt genau deine Haltung. Bei Muslimen wird immer alles zu ihren Gunsten ausgelegt, bei allen, die den Islam ablehnen wird verallgemeinert und alle zu Rassisten erklärt.

      3. @Jonas: Zustimmung dazu, dass der Kontext, in dem die Äußerungen gefallen, wichtig ist . Dazu sollte man auch beachten, dass vielen nicht bewusst ist, dass sie bei Facebook potentiell im öffentlichen Raum agieren, und so auch z.B. auch eventuell harmloses Rumgeblödle zwischen Freunden eben nicht privat bleibt und in der öffentlichen Sphäre eine andere Bedeutung erlangt. Was jetzt bei Diaa der Fall ist, sollte man sich genauer anschauen und erst dann urteilen.

        […] sagt Diaa einfach nur, dass er zur Mission beitragen will, was nach der verfassung sein gutes recht ist und keineswegs bedeuten muss, dass er irgendwem igendwas aufzwingen will.

        Sicher, ist sein gutes Recht, aber nicht alles, was die Verfassung erlaubt, ist damit Kritik entzogen. Man stelle sich einen z.B. katholischen Jungen in der gleichen Rolle vor, der schreibt: „Mit Gottes Hilfe werde ich die Protestanten/Muslime/Juden/Atheisten zum Katholizismus konvertieren“. Ebenfalls sein gutes Recht. Trotzdem würde er sicherlich eine Welle der Kritik auf sich ziehen – und das genauso nicht zu Unrecht. Wir haben spätestens nach den Religionskriegen in Deutschland die Erkenntnis, dass aggressive Missionierung den Frieden zwischen den Religionen stört, so dass zumindest die größeren Religionsgemeinschaften untereinander sehr zurückhaltend damit sind. Im Kontext des Islam, der die Missionierung von Muslimen und den Abfall vom Glauben (Apostasie) explizit verbietet und mit dem Tode bestraft*, bekommt diese Äußerung halt nochmal einen anderen Geschmack.

        *Zumindest nach aktueller Mehrheitsmeinung, es gibt auch andere Interpretationen. Fakt ist, dass in ca. einem Dutzend islamischer Länder Apostaten vom Gesetz mit dem Tod bedroht werden.

      4. @el-mocho

        „…der beschreibt genau deine Haltung.“

        oh nein, mein Freund

        Erste Frage: Behauptest du, dass meine Haltung sei, dass ich irgendwem (z.b. aranxo) zum Rassisten erklärt habe?

        Zweite Frage: Behauptest du ferner, meine Haltung sei, jedes Fehlverhalten von Männern als Teil des Patriarchats und nicht als Einzelfall darzustellen und beim Fehlverhalten durch Muslime das Gegenteil mache??

        Dritte Frage: Was interpretierst du hier in mich hinein, nur weil ich einen Muslim verteidigt habe? Geht’s noch?

        ich lege überhaupt nichts zu gunsten von irgendwem aus sondern rufe nur dazu auf, sich mit dem urteil zurückzuhalten, wenn man die genau Lage nicht kennt. das gilt für Femis, Maskus, Islamkritiker und [wie heißt das Gegenteil davon? Islam-nicht-kritiker?] gleichermaßen. Ich akzeptiere nicht, dass Mitmenschen vorverurteilt werden, klaro?! Insofern beschreibt Martensteins Artikel durchaus meine Haltung. Denn wie heißt es da so schön im ersten Satz?

        „Bei den Debatten über #MeToo und Gewaltdelikte muslimischer Migranten sollte man sich vor Pauschalurteilen hüten.“

    2. @krams

      „Sicher, ist sein gutes Recht, aber nicht alles, was die Verfassung erlaubt, ist damit Kritik entzogen.“

      klar, kann man sowas kritisieren. ich bin auch kein großer Freund der Da’wa, also der islamischen Missionierung. Die meisten Muslime halten auch nicht viel von der Da’wa, denn im Gegenteil zum Christentum ist der Islam im wesentlichen keine missionarische Religion.
      Mir ging es aber nicht darum, dass man Diaa nicht kritisieren darf, sondern mir ging es darum, dass seine (anscheinend) missionarische Gesinnung kein Grund ist, ihn nicht im KiKa zu zeigen und ihn wie einen Radikalinski zu behandeln.

      „Man stelle sich einen z.B. katholischen Jungen in der gleichen Rolle vor, der schreibt: „Mit Gottes Hilfe werde ich die Protestanten/Muslime/Juden/Atheisten zum Katholizismus konvertieren“. “

      ja, stelle ich mir vor. Und jetzt? wer würde sich dann darüber aufregen? ich jedenfalls nicht.

      „Wir haben spätestens nach den Religionskriegen in Deutschland die Erkenntnis, dass aggressive Missionierung den Frieden zwischen den Religionen stört“

      Solange nicht klar ist, welche Beziehung es zwischen Kanone und Aussage gibt, weiß ich nicht, von welcher „aggressiven Missionierung“ du redest. Abgesehen davon ist deine Darstellung der europäischen Geschichte nicht ganz richtig. Nach den europäischen Religionskriegen im 16/17.JH begann die Epoche der aggressivsten Missionierung in der gesamten Geschichte der Menschheit. Sie spielte sich vor allem in Afrika, Amerika und Australien ab und zieht sich geistesgeschichtlich fort bis zum modernen „War on Terror“ und „War on Drugs“ und vergleichbaren Hirngespinsten.

      1. [i]ja, stelle ich mir vor. Und jetzt? wer würde sich dann darüber aufregen? ich jedenfalls nicht.[/i]
        Das Du Dich nicht darüber aufregen würdest, glaube ich Dir gern. Aber kleines Beispiel: Gleiche Geschichte im Kika, nur muslimisches Mädchen und katholischer Junge. Junge möchte, dass das Mädchen sein Kopftuch ablegt, dann taucht die Aussage „Mit Gottes Hilfe werde ich die Muslime zum Katholizismus konvertieren“ auf. Du hältst es für unwahrscheinlich, dass er danach Probleme bekommt? Ernsthaft? Oder ein Priester, der dazu aufruft, Juden zu konvertieren?

        Aggressive Missionierung heißt für mich in dem Kontext, explizit auf eine Konvertierung der Restbevölkerung hinzuarbeiten, anstatt beispielsweise lediglich Anlaufstellen für am Glauben interessierte zu bieten. Das ist nicht mit Zwang zu verwechseln. Auch habe ich Diaa nicht unterstellt, aggressiv (oder überhaupt) zu missionieren, sondern eigentlich klar gestellt, dass erst der Kontext seiner Aussage untersucht werden muss. Es ist aber wichtig zu verstehen, warum eine solche Aussage Ablehnung hervorruft – nicht nur unberechtigte.

        [i] Nach den europäischen Religionskriegen im 16/17.JH begann die Epoche der aggressivsten Missionierung in der gesamten Geschichte der Menschheit. Sie spielte sich vor allem in Afrika, Amerika und Australien ab und zieht sich geistesgeschichtlich fort bis zum modernen „War on Terror“ und „War on Drugs“ und vergleichbaren Hirngespinsten.[/i]
        Das ist richtig. Ich hätte „innerhalb Deutschlands“ explizit dazu schreiben sollen, der religiöse Friede anderer Kontinente war damals herzlich egal, auch die Judenmission hat es natürlich auch später noch gegeben. Trotzdem ist es glaube ich unbestreitbar, dass die größeren Religionen in Deutschland heute eine Art „Waffenstillstand“ haben. Du wirst von keinem halbwegs moderaten Kirchenvertreter die Aussage bekommen, dass alle Muslime zum Christentum wechseln sollten – auch wenn mancher das insgeheim sicherlich denkt bzw. es eigentlich logische Folge des Missionsauftrags wäre. Ist aber aus guten Gründen gesellschaftlich nicht akzeptiert.

      2. @krams

        ja ok, der typ (bzw. KiKa) würde Probleme bekommen. zum einen von irgendwelchen islamisten oder türkischen nationalisten und zum anderen von verirrten SJWs, die auf der verzweifelten Suche nach etwas sind, was sie als „Rassismus“ brandmarken können. Aber sicher nicht von mir. Ich würde angesichts solcher Vermessenheiten nur herzlich lachen. Abgesehen davon hinkt der Vergleich, denn:
        In dem verlinkten FAZ-Artikel sagt Diaa folgendes:

        „Die Religion gibt dir Regeln. Ohne diese Religion hast du keine Regeln, und ohne Regeln hast du kein Leben.“

        Sprich: Diaa scheint es weniger wichtig zu sein *welche* Religion seine Freundin hat, relevant ist ihm wahrscheinlich eher, DASS sie eine hat. Malvina behauptet zwar sie sei Christin, aber welches deutsche Teenie ist heute schon ernsthaft religiös? Diese allgemein pro-religiöse Grundeinstellung kenn ich auch von sämtlichen syrischen Bekannten, die immer Schwierigkeiten haben, nachzuvollziehen, wie ich ohne Religion leben kann und die sich zu wünschen scheinen, dass die deutsche Gesellschaft allgemein religiöser wird; egal ob christlich oder sonstwas, solange Mitmenschlichkeit, Moral und Familie gestärkt werden. Mit dem Christentum haben durchschnittliche Araber keinerlei Probleme (nach islamischen Recht dürften sie auch christliche Frauen heiraten, wenn ich mich nicht irre), sondern viel eher mit dem Atheismus und dem Verfall von dem, was Diaa so emsig als „Regeln“ bezeichnet. (ich glaub, das Wort hat er am Tag zuvor in der Sprachschule gelernt 😉 ). Da es ihm als Muslim lächerlich vorkommt, ihr das Christentum näher zu bringen, er vom Christentum wahrscheinlich eh keine Ahnung hat und er sowieso davon ausgeht, dass Islam irgendwie besser ist, schwatzt er der ärmsten also den Islam auf. Ich kann dieses Verhalten durchaus nachvollziehen.

        Ein *muslimisches* (z.b. arabischstämmiges) Mädchen hingegen wird aber in aller Regel selbst schon mindestens halbwegs religiös sein. Wenn dann ihr Freund sie zum Christentum bekehren will, muss er also ganz andere Absichten verfolgen, als die oben beschriebenen, die ich aus Erfahrung heraus bei Diaa vermute.

      3. @Jonas: Ich denke nicht, dass der Vergleich hinkt. Was über die pro-religöse Haltung vieler Muslime schreibst, stimmt größtenteils – man sollte aber nicht vergessen, das z.B. Polytheisten ganz erheblich schlechter wegkommen als die im Koran akzeptieren „Buchreligionen“. Ich kann allerdings nicht nachvollziehen, warum die Bekehrung von einer areligiösen Haltung zu einer Religion anders gesehen werden sollte als von einer Religion zu einer anderen. Aus einer atheistischen/agnostischen Perspektive stört es mich massiv, dass diese Weltanschauung sehr offen als nicht gleichwertig angesehen wird – „Mitmenschlichkeit, Moral und Familie“ sind keineswegs an Religion gebunden. Untersuchungen zeigen, dass Atheisten/Agnostiker keineswegs geringere Werte bei z.B. Ehrlichkeit oder Hilfsbereitschaft zeigen. Ich kann nachvollziehen, wie diese Haltung in die Köpfe kommt, dass Areligiosität für traditionelle Muslime nur schwer zu verstehen ist (und nicht nur für Muslime; ich hatte ähnliche Diskussionen auch schon mit syrischen Christen) – aber diese Denkweise ist deswegen keineswegs weniger kritisierenswert, im Gegenteil, sie *muss* kritisiert werden, um sie zu verändern. Sachlich, aber entschieden. Weltanschauliche Toleranz muss sich auch auf die Freiheit von Religion erstrecken. Wer Respekt für seinen Glauben fordert, muss ihn auch für Nichtglauben gewähren.

        Daher wäre es für mich absolut kein Unterschied, ob Diaa Christen zum Islam konvertieren möchte oder Atheisten. Beides würde eine Vermessenheit und fehlenden Respekt vor anderen Weltanschauungen sowie der Tradition des Gastlandes, das ihn aufgenommen hat, zeigen. Dass es keine Lösung ist, die beiden vom KiKa zu beschimpfen und bedrohen, ist dabei natürlich klar. Aber eine argumentative Auseinandersetzung mit dieser Haltung muss geführt werden. Wir laufen sonst Gefahr, vieles von der hart erkämpften Glaubensfreiheit, die auch das Nichtglauben einschließt*, zu verlieren.

        * zumindest partiell, Religionsgemeinschaften haben ja immer noch genug Privilegien. Zumindest scheint jetzt z.B. in Berlin der Humanistische Verband den Status als Körperschaft öffentlichen Rechts zu bekommen und zieht damit in einigen Punkten mit den Religionen gleich.

      4. @krams

        „Ich kann allerdings nicht nachvollziehen, warum die Bekehrung von einer areligiösen Haltung zu einer Religion anders gesehen werden sollte als von einer Religion zu einer anderen. Aus einer atheistischen/agnostischen Perspektive stört es mich massiv, dass diese Weltanschauung sehr offen als nicht gleichwertig angesehen wird – „Mitmenschlichkeit, Moral und Familie“ sind keineswegs an Religion gebunden.“

        Ich sehe das genau dann anders, wenn das Motiv dabei ist, dem Bekehrten eine stärkere Moral zu verleihen und die Bekehrung nicht in aufdringlicher Weise erfolgt. Abgesehen davon bin ich aber äußerst skeptisch, was die Wirksamkeit von Bekehrung angeht und wie gesagt kein Freund davon.
        Wir Westler sind psychisch äußerst schwach und orientierungslos; gerade die Jugendlichen. Die Psychiatrien sind so gut belegt wie früher die Kirchenbänke. Die Araber, die ich kenne sind deutlich stärkere Persönlichkeiten und mögliche Gründe dafür sind: sie verfügen über einen starken Familienbund, eine gute Erziehung, Traditionen und einen Glauben an Gott (Reihenfolge=Gewichtung); also all das, was es hier inzwischen kaum noch gibt.
        Abgesehen davon hat Diaa nicht Hinz und Kunz die Konversion nahegelegt, sondern seiner Freundin. Er könnte nicht mit einer Frau zusammenleben, die keine „Regeln“ hat, und anstatt ihr was von tolerant und every thig goes vor zu machen, sagt er ihr einfach, welche Bedingungen er stellt, so wie man das bei einer Beziehung grundsätzlich machen sollte.

        „diese Denkweise ist deswegen keineswegs weniger kritisierenswert, im Gegenteil, sie *muss* kritisiert werden, um sie zu verändern.“
        na dann begib dich mal auf deine Mission um den Leuten ihren Glauben aus dem Kopf zu treiben, dass Religion eine stärkere Moral verleiht. Ich würde dir belebte Einkaufsstraßen und Schulhöfe empfehlen 😉

        „Wer Respekt für seinen Glauben fordert, muss ihn auch für Nichtgläubige gewähren.“

        Wo siehst du diesen Respekt verletzt? Wo siehst du Religionsfreiheit gefährdet?

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