Rebecca Solnit und zweierlei Schweigen im »Patriarchat«

Ich werde ja sofort hellhörig, wenn in öffentlichen Debatten (oder, wie man im Internetzeitalter wohl ergänzen muss, in öffentlichen Debatten von hinreichender geistiger Schöpfungshöhe) tatsächlich explizit die Vokabel vom »Patriarchat« verwendet wird. Jetzt ist sie mir in einer Zeitschrift begegnet, die ich abonniert habe, nämlich in den »Blättern für deutsche und internationale Politik«, die als »politische Fachzeitschrift« gilt und dem eigenen Anspruch nach »die größte politisch-wissenschaftliche Monatszeitschrift im deutschen Sprachraum« ist, und zu deren Herausgeberkreis unter anderem linksliberale Akademiker wie Micha Brumlik, Dan Diner, Claus Leggewie und Jürgen Habermas gehören. In der aktuellen Ausgabe 1’18 findet sich ein Artikel von Rebecca Solnit mit dem Titel »Die Geschichte des Schweigens oder: Wie das Patriarchat uns mundtot macht« (online nur hinter Paywall), der ausweislich Fußnote auf ihrem jüngst erschienenen Buch »Die Mutter aller Fragen« beruht. Da nun die Frage danach, ob und inwieweit es so etwas wie ein »Patriarchat« überhaupt gibt und gegeben hat und ob es zudem sinnvoll ist, die moderne Gesellschaft als »Patriarchat« zu bezeichnen, für mich »die Mutter aller Fragen« darstellt, habe ich mich entschlossen, meiner Lektüre des Artikels einen Blogpost folgen zu lassen.

Der Ozean des Schweigens

Rebecca Solnit eröffnet ihren Artikel mit allgemeinen Überlegungen dazu, was Schweigen im Kontext von Machtbeziehungen bedeutet, insofern es dabei um die Macht geht, jemanden zum Schweigen zu bringen oder zum Reden zu ermächtigen. Ob geredet oder geschwiegen wird, kann von Machtverhältnissen bestimmt sein, die festlegen, wer schweigen muss und wer reden darf.

»Das Schweigen ist der Ozean des Ungesagten, des Unsagbaren, Unterdrückten, Ausgelöschten und Ungehörten. Er umspült die versprengten Inseln, gebildet von jenen, denen es erlaubt ist, zu sprechen, von dem, was gesagt werden kann, und von jenen, die zuhören. (…) Worte bringen uns zusammen, das Schweigen dagegen trennt uns und beraubt uns der Unterstützung, Solidarität oder auch schlicht der Gemeinschaft, die das Sprechen stiftet oder erzeugt. (…) Wer nicht in der Lage ist, die eigene Geschichte zu erzählen, führt ein trostloses Dasein. Manchmal ist das buchstäblich so, als wäre man lebendig begraben: wenn dir niemand zuhört, … wen dir niemand glaubt, obwohl du sagst, du habest Schmerzen, wenn niemand deine Hilferufe hört oder du dich nicht mal traust, um Hilfe zu rufen, weil dir eingetrichtert worden ist, andere Menschen nicht mit deinen Hilferufen zu behelligen. (…) Geschichten retten dir das Leben. Sie sind dein Leben. Wir sind unsere Geschichten. Ein Mensch, der wertgeschätzt wird, lebt in einer Gesellschaft, in der ihre oder seine Geschichte einen Platz hat. (…) Sprache, Worte und Stimme ändern die Dinge manchmal von Grund auf – immer dann, wenn sie zu Inklusion und Anerkennung führen, Entmenschlichungen rückgängig machen und Rehumanisierung ins Werk setzen. Manchmal sind Sprache, Worte und Stimme nur die Voraussetzungen dafür, Regeln, Gesetze und Regime so zu verändern, dass sie Gerechtigkeit und Freiheit hervorbringen. Manchmal sind allein das Sprechenkönnen, Gehörtwerden und Glaubengeschenkt-Bekommen ausschlaggebend dafür, Teil einer Familie, einer Community, einer Gesellschaft zu werden. (…) Auch Armut bringt zum Schweigen. Im Kampf um die Freiheit ging es immer auch darum, Bedingungen zu schaffen, die denen, die vormals zum Schweigen gebracht wurden, zu Sprache und Gehörtwerden verhelfen.« (S. 61 ff.)

Wunderbar, denke ich. So kann man zum Beispiel die Situation von abservierten Vätern beschreiben, deren Rede für ihre Kinder ausgelöscht wird, deren Kinder Wunsch, den Vater sehen zu wollen, zu dem vor der Mutter Unsagbaren gehört, oder die Situation von verprügelten Ehemännern, denen niemand im Ernst zuhört, oder das vollständige Verstummen der überwiegend männlichen Obdachlosen, deren Elend weder für sie selbst noch für die Gesellschaft, zu der sie nominell immer noch gehören, artikulierbar ist, in der sie keine Geschichte haben. So wie, in historischen Zusammenhängen, auch die Arbeiter, die die ägyptischen Pyramiden erbaut haben, oder die römischen Sklaven, die in den spanischen Silberminen zugrundegegangen sind, in denen außer Silber auch Blei und Quecksilber gefördert wurde, oder die Situation von Häftlingen des sowjetischen Gulag, von denen einige wenige nach Jahrzehnten des Leidens noch eine Chance erhalten haben, ihre Geschichten zu erzählen. Eine warme, empathische Darstellung der Wichtigkeit des Gehörtwerdens von Rebecca Solnit, voller ungetrübter und ungeteilter Zuneigung für das Menschengeschlecht.

An diesem Punkt meines Blogpost habe ich schon geschummelt. Ich habe nämlich das obige, längere Zitat manipuliert. Nicht durch Austausch von Wörtern oder Bezugnahmen, sondern einfach durch die Auslassungen, die ich nicht allein zu Zwecken der Kürzung vorgenommen habe – ich habe nämlich ebenfalls darauf geachtet, alle Formulierungen auszulassen, die das Bild einer »ungetrübten und ungeteilten Zuneigung« der Autorin für das Menschengeschlecht hätten stören können. Die konkreten Beispiele und Illustrationen nämlich, die sie in ihren Text einflicht und die sie schließlich ins Zentrum rückt, lassen diesen Eindruck des »ungetrübt und ungeteilt« alsbald schwinden:

»Gewalt gegen Frauen passiert oft als Gewalt gegen unsere Stimmen und unsere Geschichten. Sie ist die Zurückweisung unserer Stimmen – und dessen, was eine Stimme überhaupt bedeutet: das Recht auf Selbstbestimmung, auf Teilhabe, auf Zustimmung oder eine abweichende Meinung, das Recht darauf, zu leben und mitzumachen, zu interpretieren und zu erzählen. Ein Ehemann schlägt seine Frau, um sie zum Schweigen zu bringen; jemand, der sein Date oder seine Bekannte vergewaltigt, weigert sich, dem Nein seiner Opfer die Bedeutung zu lassen, die es hat: dass nämlich der Körper einer Frau unter die Gebietshoheit allein dieser Frau fällt. Die rape culture behauptet, die Aussage einer Frau sei wertlos und unglaubwürdig.« (S. 61 f.)

Die Illustrationen in diesem Zitat sind für sich genommen sicherlich legitim, schließlich beruht ja das Prinzip des Beispiels auf dem Prinzip der Auswahl. Der theoretische Begriff der »rape culture« jedoch, der in diesem Zusammenhang fällt und der dazu dient, um die genannten Beispiele analytisch einzuordnen, wird weder erläutert noch sein Gebrauch durch Argumente legitimiert. Er wird als selbstverständlich vorausgesetzt, so als wäre er den angeführten Beispielen per Implikation zwangsläufig schon anwesend. Weitere von der Autorin genannte Beispiele rücken das Thema sodann in die Nähe der #metoo-Kampagne. Genannt wird Jimmy Savile, der Showmoderator mit einer jahrzehntelangen Vergangenheit als Vergewaltiger, dessen Verhalten schon 1978 in einem Interview mit dem Sex-Pistols-Mitglied John Lydon Erwähnung fand, was aber damals herausgekürzt wurde und der Öffentlichkeit darum erst 2013 bekannt wurde.

»Das Schweigen macht es Tätern möglich, unbehelligt durch ganze Jahrzehnte zu marodieren. Es ist, als hätten die Stimmen dieser prominent in der Öffentlichkeit stehenden Männer die Stimmen anderer bis zur Nichtigkeit verschluckt. Ein Akt des narrativen Kannibalismus.« (S. 63)

Dann kommt Solnit auf Harvey Weinstein und die Gegenwart zu sprechen, auf Männer wie Roger Ailes (Anschuldigungen wegen sexueller Belästigung), Bill Cosby (Anklage wegen sexueller Belästigung), Jian Gomeshi (Anklage wegen sexueller Belästigung) und Dominique Strauss-Kahn (Anklage wegen sexueller Belästigung).

»Sie alle waren Männer mit Macht, die wussten, dass ihre Stimme und ihre Glaubwürdigkeit die derer übertönen würde, gegen die sie tätlich geworden waren. Was so lange gutging, bis etwas brach: bis das Schweigen gebrochen wurde, ein ganzer Ozean an Geschichten heranrauschte und ihre Immunität hinfortspülte. (… ) Diese endlich gehörten Stimmen verkehren die Machtverhältnisse. (…) Stars haben ihre Karrieren selbst zerstört, indem sie in dem Glauben handelten, eine mit der Ohnmacht der Opfer einhergehende Straffreiheit zu genießen. (…) Wenn wir neu definieren, wessen Stimme Wertschätzung entgegengebracht wird, definieren wir auch unsere Gesellschaft und ihre Werte neu.« (S. 64 f.)

Ersichtlich wird von der Autorin in der Auswahl der konkreten Beispiele das Deutungsmuster von den männlichen Tätern und den weiblichen Opfern befüttert. Dass dies kein Zufall ist, sondern einer jahrzehntelang eingeübten feministischen Perspektive folgt, zeigt der folgende Abschnitt, der sich in wenig überraschender Weise mit der männlichen Seite dieses Schweigens befasst und die Überschrift trägt: »Jeder Mann eine Insel – das männliche Schweigen«.

Der Mann als emotionaler Krüppel

Ich habe eingangs angedeutet, dass sich der gesamte Einleitungsabschnitt des Artikels, gleichsam die »Präambel«, problemlos auch auf typische Situationen beziehen lässt, in denen Männer sich wiederzufinden pflegen. Solnits Thesen über das »männliche Schweigen« machen nun aber unmißverständlich klar, dass Männer auf dieser Seite der Erzählung, als Opfer von Schweigekartellen und Sprachlosigkeit, nicht vorgesehen sind. Für die Hauptthese meines Blogposts ist zudem entscheidend, wie dieser Abschnitt eingeleitet wird:

»Im Patriarchat ist das Schweigen omnipräsent.« (S. 65)

Noch auffälliger als beim zuvor verwendeten Begriff der rape culture ist hier die Unmittelbarkeit, Voraussetzungs- und Begründungslosigkeit, mit der dieser Begriff ins Spiel gebracht wird, ohne dass dafür eine irgendwie geartete Begründung nachgeliefert würde. Der Begriff des Patriarchats setzt einen axiomatischen Bezugsrahmen, von dem (nach offenkundiger Überzeugung der Autorin) wesentliche Plausibilisierungen ausgehen, der aber selbst keiner Plausibilisierung bedarf. Welche Rolle und Funktion dem Mann im großen gesellschaftlichen Schweigen zukommt, zitiert Rebecca Solnit bei der afroamerikanischen Feministin bell hooks:

»(D)as Patriarchat verlangt von jedem Mann, Akte der psychischen Selbstverstümmelung an sich vorzunehmen und die emotionalen Anteile seiner selbst abzutöten. Ein Individuum, das diese emotionale Selbstverkrüppelung nicht erfolgreich betreibt, muss damit rechnen, dass patriarchalische Männer entsprechende Machtrituale einsetzen, die sein Selbstwertgefühl angreifen.« (S. 65)

Solnit ergänzt hooks sodann mit der Aussage:

»Für die Ordnung des Patriarchats ist es unerlässlich, dass Männer sich zunächst selbst zum Schweigen bringen. (…) Was bedeutet, dass Männer lernen müssen, nicht nur gegenüber anderen zu schweigen, sondern auch mit sich selbst nicht zu kommunizieren über Aspekte des eigenen Innenlebens und Ichs.« (S. 65)

Diese These ist nicht neu – sie ist gewissermaßen das feministische Standard-Defizitmodell der männlichen Persönlichkeitsentwicklung. In der sogenannten »Matriarchatsforschung« und im psychoanalytisch orientierten Feminismus wurde versucht, ein solches Modell historisch und psychologisch zu begründen, seine Fortsetzung findet es beispielsweise in jüngeren Theorien von der »männlichen Hegemonialität«. Als Beispiel sei hier eine entsprechende Formulierung von Carola-Meier Seethaler genannt:

»Der Preis für die Autonomie des männlichen Bewusstseins ist die Verdrängung der Abhängigkeitsgefühle ins Unbewusste oder ihre Verschiebung ins Irrational-Romantische, und daraus folgt die emotionale Infantilität des patriarchalen Mannes und der modernen Mentalität überhaupt. Den brillanten Errungenschaften unserer rationalen Kultur steht die Unfähigkeit zur Bewältigung emotionaler Probleme gegenüber, die Hilflosigkeit angesichts psychischer Leiden, Alter und Tod und die Unfähigkeit, mitmenschliche Beziehungen offen und partnerschaftlich zu gestalten.« (Meier-Seethaler 2011, S. 265)

Tatsächlich ist dieses Modell ein Schlüsselelement in der feministischen Theorie des Patriarchats, weil diese damit sozusagen »theoriestrategisch« den Anspruch erhebt, eine psychosoziale Grundstruktur identifiziert zu haben, die sich über alle historischen Epochen und Klassenunterschiede hinweg wiederfinden lässt. Es beruht auf der These einer defizitären Emotionalität des Mannes und qualifiziert spiegelbildlich die Frau zu einem qua Emotionalität höher entwickelten Mitglied der Gesellschaft. In diesem Modell verschwimmt jedoch die Grenze zwischen (empirisch zu erörternden) unterschiedlichen männlichen und weiblichen Persönlichkeitstypen einerseits und pathologischen Persönlichkeitsentwicklungen andererseits. »Männlichkeit« wird in ihm per se in eine Defizitperspektive gerückt, indem im Rückblick auf die Menschheitsgeschichte seit dem Ende der Altsteinzeit eine im Saldo negative Zivilisationsbilanz erstellt und eine psychische Grundverfassung des Mannes als deren Ursache identifiziert wird. Dass der Mann »im Patriarchat« emotional abgetötet und psychisch verstümmelt sei, ist insofern kein empirischer Befund, sondern ein ätiologischer Mythos, der eine innerhalb der feministischen Weltanschauung vorgenommene Wertung der Zivilisationsgeschichte begründen und beglaubigen soll. Die Vorstellungen eines »Patriarchats« und des psychisch defizitären Mannes stützen sich gegenseitig und bilden ein System von Axiomen, das konkreten historisch-empirischen Urteilen immer schon vorausliegt und insofern selbst nicht falsifizierbar ist. Dass dem tatsächlich so ist, lässt sich am weiteren Verlauf von Solnits Argumentation aufzeigen. Zunächst einmal ergänzt sie, dass der emotionale Zustand des »patriarchalen Mannes« dem eines Zombies gleiche:

»Als ich diese Passage bei bell hooks las, lief es mir kalt den Rücken hinunter, weil ich plötzlich begriff, dass wir es hier mit dem Plot eines Horror- oder Zombiefilms zu tun haben. Die fühllos Gemachten spüren den Lebenden nach, um auch deren Gefühle zu eliminieren – entweder indem sie ihre Opfer dazu bringen, sich ihrer Erstarrung anzuschließen, oder indem sie sie einschüchtern, angreifen oder vergewaltigen – und dadurch mundtot machen.« (S. 65)

»Gender-Gewalt«

Sodann bezieht sie sich auf zwei Themen von »Gender-Gewalt«: erstens auf häusliche Gewalt, zweitens auf den Umgang mit Vergewaltigungsfällen an amerikanischen Universitäten, die unter dem Etikett campus rape seit Jahren ein Thema der öffentlichen Debatte in den USA und darüber hinaus sind. Zu ersterem Thema schreibt sie:

»Viele Morde unter dem Vorzeichen häuslicher Gewalt sind eine Strafe oder Versuche, die Kontrolle zu behalten über Frauen, die angekündigt haben, gehen zu wollen, die versucht haben, zu gehen, oder die gegangen sind. Jemanden zu töten bedeutet, seine oder ihre Freiheit zu töten und ihre Autonomie, ihre Macht, ihre Stimme gleich mit. Dass viele Männer glauben, es sei ihr Recht und eine Notwendigkeit, Frauen zu kontrollieren – ob gewaltsam oder anderweitig –, sagt eine Menge aus über die Glaubenssysteme, in denen sie leben, und über die Kultur, in der wir existieren.« (S. 66)

Dieser Absatz ist als solcher, zumindest in den ersten beiden Sätzen, nicht falsch, denn zweifellos gibt es häusliche Gewalt, die genau darauf beruht, dass Männer eine vermeintlich oder tatsächlich bedrohte Autorität glauben verteidigen zu müssen. Jeder sogenannte »Ehrenmord« an Töchtern mit einem Willen zu eigenständigen Lebensentscheidungen fällt in diese Kategorie (wobei freilich die Mitwirkung der Mütter durch Delegation von Gewalt einbezogen werden müsste). Das Problem an Solnits Text besteht darin, dass dies auch schon alles ist, was die Autorin zum Thema der häuslichen Gewalt zu sagen hat. Die gesamte Diskussion über die annähernde Gleichverteilung häuslicher Gewalt (siehe Hamel/Nicholls 2013) scheint an ihr vorübergegangen zu sein, sie führt – in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift! – keinen einzigen Literaturverweis an, der erkennen ließe, worauf sie sich empirisch zu stützen gedenkt, und es ist nicht einmal ansatzweise erkennbar, wie sie denn größere Zahlen weiblicher Täterschaft bei häuslicher Gewalt würde erklären können, es sei denn vielleicht dadurch, dass es sich dann um legitime Notwehr handeln müsse. Für ihre Bezugnahme auf die amerikanischen »campus rapes« wiederum gebe ich ein längeres Zitat wieder:

»Viele Vergewaltigungsfälle stoßen die Opfer in die Mühlen der Gerichts- und Universitätsbürokratie, wo sie durch die Fragen des Verwaltungspersonals weiterer Diskreditierung und Herabsetzung unterworfen sind. (…) Entscheidungsträger an Universitäten und Gerichten scheinen sich häufig mehr um die Zukunft von Campusvergewaltigern zu sorgen als um deren Opfer und neigen dazu, Ersteren mehr Glaubwürdigkeit zuzugestehen als Letzteren. (…) So also vollzieht sich Zwangskontrolle sowohl auf häuslicher als auch auf gesellschaftlicher Ebene. Darüber, wie mit Opfern umgegangen wird und wie weitverbreitet die Toleranz epidemisch auftretender Gewalt ist, wird Frauen beigebracht, dass sie einen geringen Wert haben, dass sie eventuell noch mehr bestraft werden, wenn sie den Mund aufmachen, und dass es womöglich die bessere Überlebensstrategie sein könnte, zu schweigen. Exakt dieser Zusammenhang wird manchmal als rape culture, also Vergewaltigungskultur bezeichnet, aber genau wie bei der häuslichen Gewalt stellt dieser Begriff den Fokus eher eng auf eine einzelne Tat, statt das Motiv vieler in den Blick zu nehmen. Der Begriff ›Patriarchat‹ ist in dieser Hinsicht umfassender und besser zu gebrauchen. Die Epidemie der Vergewaltigungen an Universitäten gemahnt uns daran, dass diese Form der Straftat nicht von einer Gruppe begangen wird, die man als marginalisiert abtun könnte; innerhalb von Studentenverbindungen an Elite-Unis wie Vanderbilt oder Stanford hat es schon ganz besonders abscheuliche Vorfälle gegeben. Jedes Frühjahr macht wieder die nächste Horde ungestraft davongekommener Vergewaltiger an unseren besten Universitäten ihren Hochschulabschluss.« (S. 66 f.)

Auch zu diesem Thema gibt es keinen einzigen Literaturverweis. Es dürfte auch ein Euphemismus sein, Solnits Darstellung als »einseitig« zu charakterisieren. Nicht ein einziger der zahlreichen Kritikpunkte, die zum Umgang amerikanischer Universitäten mit mutmaßlichen sexuellen Übergriffen vorgebracht wurden, wird von ihr zur Sprache gebracht, geschweige denn das Thema der Falschbeschuldigungen. Mindestens ansatzweise hätte sie erklären müssen, wie sie Einwände der Art, wie sie zum Beispiel in Johnson und Taylors »The Campus Rape Frenzy« vorgebracht werden, zu entkräften gedenkt: dass nicht eine von fünf, sondern nur eine von vierzig Frauen an Colleges von sexuellen Übergriffen betroffen ist, dass die Anzahl solcher Übergriffe nicht wie behauptet alarmierend zugenommen hat, dass es auf einem Collegegelände für Frauen nicht wie behauptet gefährlicher zugeht als außerhalb davon, dass die große Mehrzahl der tatsächlich stattfindenden Übergriffe nicht wie behauptet von Serientätern begangen wird, und dass nicht wie behauptet 90 bis 98 Prozent der Beschuldigten auch tatsächlich schuldig sind. (Johnson/Taylor 2017, S. 43 ff.) Ebenso ließe sich einwenden, dass sich an vielen Universitäten eine juristische Standards aufweichende Parallelgerichtsbarkeit etabliert hat, dass eine Logik des Verdachts gegen Männer Frauen dazu einlädt, Falschbeschuldigungen als bequeme Entschuldigung für nachträglich bereute Begegnungen vorzubringen und dass schließlich in besonders spektakulären Fällen wie dem von Paul Nungesser und Emma Sulkowicz, eine offenkundige Falschbeschuldigerin in der Öffentlichkeit zur Heldin des Kampfes gegen die angebliche »Rape Culture« stilisiert wird, ohne dass sich irgendjemand für die tatsächlichen Umstände des Falles interessieren würde. Und schließlich werden, wie zum Beispiel im Fall von Laura Kipnis, von derselben Parallelgerichtsbarkeit auch Professoren unter Druck gesetzt, die den Mut aufbringen, dieses System zu kritisieren.

Angesichts dieser Weigerung von Rebecca Solnit, auch nur den Hauch eines Belegs für ihre Behauptungen beizubringen, erscheint ihre aggressive Rhetorik, mit der sie von »epidemisch auftretender Gewalt«, von einer »Epidemie der Vergewaltigungen an Universitäten« und von »der nächsten Horde ungestraft davongekommener Vergewaltiger« spricht, als ein Einschüchterungs- und Überrumpelungsversuch, der den Leser davon abhalten soll, solche kritischen Einwände überhaupt erst zu erheben.  Was Solnit uns in ihrem Aufsatz anbietet – um nicht zu sagen: zumutet – ist daher nicht Empirie, sondern Topik: die Anwendung von Allgemeinplätzen zur Darstellung besonderer Umstände. Sowohl zur häuslichen Gewalt als auch zum Thema des »Campus Rape« werden die Verhältnisse nicht so beschrieben, wie sie sich empirisch belegen lassen, sondern so, wie die feministische Perspektive sie zu sehen verlangt. Wie kann man solche Sätze schreiben, ohne die tatsächlichen Verhältnisse häuslicher Gewalt, bei der Frauen nahezu hälftig Täterinnen sind, oder auf dem Campus, auf dem regelmäßig Grundrechte von Beschuldigten außer Kraft gesetzt werden, zu berücksichtigen? Die Frage ist falsch gestellt: man kann solche Sätze nur dann schreiben, wenn man die tatsächlichen Verhältnisse außer Betracht lässt. Wenn aber diese Topik nicht durch empirische Belege getragen wird, wodurch wird sie dann plausibel? Die Antwort lautet: die feministische Topik, als ein System von misandrischen Allgemeinplätzen, steht in Bezug zum Begriff des »Patriarchats«, bei dem es sich um das allgemeinste System der feministischen Topik handelt, von dem sich alle anderen herleiten lassen.

Der Mythos vom Patriarchat

Das »Patriarchat« ist in einem strikten Sinne ein Mythos. Das heißt: nicht in jenem Sinne, dass es sich um einen empirisch völlig unbrauchbaren Begriff handelte, denn bei einem soziologischen Klassiker wie Max Weber wird der Begriff einer »patriarchalen Herrschaft« in einem historisch präzisen, aber in seiner empirischen Reichweite auch eng umgrenzten Sinne im Rahmen seiner Typologie der Herrschaftsformen entwickelt. Sondern ein Mythos in dem Sinne, dass es sich dabei angeblich um eine fundamentale Struktur menschlicher Gesellschaften als Ganzer handele, mit der auch ein historischer Längsschnitt durch die Geschichte der Menschheit von der Jungsteinzeit bis ins Atomzeitalter gelegt werden könnte – auf diese Weise erfüllt der Begriff die ätiologische Begründungsfunktion des Mythos. Und schließlich in dem Sinne, dass die Rede vom »Patriarchat« auch die Beglaubigungsfunktion des Mythos erfüllt: der Begriff repräsentiert ein als selbstverständlich geltendes, nicht weiter zu hinterfragendes Wissen, das als Voraussetzung alles weiteren konkreten Urteilens dient: »It is known, Khaleesi!«. In eben diesem Sinne einer argumentfreien, axiomatischen Begründung und Beglaubigung wird der Begriff auch von Rebecca Solnit verwendet – in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift. Solnits Thesen werden in ihrer ganzen haarsträubenden Einseitigkeit und Verallgemeinerungstendenz nur darum »wahr«, weil sie diese Beglaubigungsfunktion des Patriarchatsbegriffs in Anspruch nehmen, indem sie den Begriff als Deutungsrahmen aufrufen. Der mythische Patriarchatsbegriff deckt die Begründungslücken zu, die von der Autorin in Bezug auf die Gewaltfrage aufgerissen wurden.

Es ist nun aber nicht so, dass die von Solnit inkriminierten Zustände völlig aus der Luft gegriffen wären. Man könnte aus den realen Ereignissen, die die #metoo-Kampagne angestoßen haben, durchaus eine präzise Diagnose herausdestillieren: nämlich beispielsweise, dass die Kontrolle über Reden und Schweigen in der Film- und Medienbranche, also jenem Segment der Gesellschaft, in dem autorisiert und stellvertretend Sinngebungen und Symbole für die ganze Gesellschaft produziert werden, besonders stark ist, weil unsere Gesellschaft ihr diese Kontrolle zu einem guten Stück freiwillig anvertraut hat. Gerade bei Harvey Weinstein wurde darauf hingewiesen, dass er sich lange Zeit unwidersprochen als »Feminist« bezeichnen konnte. Anstatt einfach ein weiteres Beispiel unspezifischer »männlicher Macht« zu sein, ließe es sich vielmehr als ein Beispiel für unsere kollektive Bereitschaft betrachten, uns selbst zu betrügen und den Schöpfern unserer kollektiven Träume und Weltdeutungen die Macht zu übertragen, mit den von ihr geschaffenen Illusionen eben diesen freiwilligen Selbstbetrug zu unterstützen. Die Macht dieser Branche, und in dieser Branche, beruht insofern zu einem guten Teil gerade darauf, dass wir durch ihre Produkte, zumindest ein Stück weit, betrogen werden wollen. Sie gehörte bislang nicht zu jenen Segmenten der Gesellschaft, die – wie beispielsweise das Militär oder die chemische, die Atom-, die Waffen- oder auch die Tabakindustrie – seit Jahrzehnten unter einem Dauerverdacht illegitimer Machtausübung stehen. Eine solche Argumentation wirft aber für die feministischen Lobbies keine geeigneten Gewinne ab. Sie ist nicht geeignet, die Mär vom emotional verkrüppelten männlichen Patriarchen als dem Hauptproblem unserer Gesellschaft zu unterstützen. Daher dominiert in der Öffentlichkeit anstelle einer präzisierenden, das Objektiv der Kritik schärfer stellenden Kritik eine verallgemeinernde und verunschärfende Deutung.

Wir sind noch nicht ganz am Ende der Argumentation angelangt – einen Punkt müssen wir noch ergänzen: in einem weiteren Abschnitt sucht die Autorin – an die Denkfigur vom emotional verkrüppelten Mann anschließend – die systematische Ursache für die von ihr behaupteten Tatsachen in einem »Verkümmern der Empathiefähigkeit« (S. 67 ff.):

»Unsere Menschlichkeit ist aus Geschichten oder – im Fall der Abwesenheit von Worten und Narrativen – aus Phantasien gemacht, in denen es darum geht, dass ich mir das, was ich nicht direkt fühle, weil es nicht mir, sondern dir passiert ist, trotzdem vorstellen kann, und dass es mich etwas angeht. Auf diese Weise stehen wir miteinander in Verbindung. Solche Geschichten können brutal stummgestellt werden, die Stimmen, aus denen vielleicht Empathie erwächst, können zum Schweigen gebracht, diskreditiert, unaussprechlich und unhörbar gemacht werden.« (S. 67)

In dieser allgemeinen Form kann man Solnits Darstellung nur unterschreiben. Wir haben aber bereits gesehen, wie geradlinig die Autorin solche allgemeinen Formen auf einseitige Perspektiven herunterbricht. Und damit kommen wir zur letzten wichtigen Pointe dieser Kritik ihres Artikels: Rebecca Solnit entgeht völlig, wie sehr sich die Kernthesen ihres Textes auf sie selbst anwenden lassen. Sie schreibt einen Artikel über das Schweigen – und beschweigt alle Fakten, die ihr Modell vom patriarchalen Mann und alleinigen Gewalttäter in Frage stellen könnten. Sie beklagt das Verkümmern der Empathie – und zeichnet ein gänzlich empathiefreies Zerrbild vom gewalttätigen, emotionslosen männlichen Zombie als Standardmodell des Mannes. Faszinierend, aber auch bedrückend ist die feministische Fähigkeit, einerseits durchaus scharfsinnige Einsichten in gesellschaftliche Machtverhältnisse zu erlangen, die im Prinzip auf beide Geschlechter anwendbar wären, es dann aber in radikaler Einseitigkeit fertigzubringen, diese Einsichten ausschließlich auf Frauen zu beziehen und Männer daraus auszuschließen. Das Ausblenden von Gewalt gegen Männer durch Frauen, die mindestens im Rahmen der häuslichen Gewalt ebenfalls als »epidemisch« bezeichnet werden könnte, führt zu einer systematischen Verzerrung der Gesamtperspektive.

Mit dieser vom Begriff des »Patriarchats« gesteuerten Selektivität des empirischen und analytischen Blicks hinterlassen auch Fachartikel in wissenschaftlichen Zeitschriften wie der von Rebecca Solnit in den »Blättern« den Eindruck einer atemberaubenden, fundamentalen, bis auf die Knochen gehenden Unaufrichtigkeit und Unverantwortlichkeit der feministischen Ideologie. Und diese Unaufrichtigkeit ist ebenfalls ein integraler Bestandteil der »Kultur, in der wir existieren«. Wohlgemerkt: dieser Artikel erscheint in einem Monatsmagazin, das den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erhebt – in dem freilich dennoch regelmäßig Artikel erscheinen, die ohne jede Fußnote oder Literaturangabe auskommen. Solnits Artikel ist einer davon. Nicht jedem dieser Artikel schadet das. Solnits Artikel ist einer von denen, denen das schadet. Aber in diesem Fall muss man wohl obendrein ein Versagen des Peer Reviews unterstellen. Bei derart starken Behauptungen, wie sie dem Publikum von der Autorin aufgetischt werden, hätte der Artikel in dieser Form, mit diesem Mangel an Belegen, niemals gedruckt werden dürfen.

Aber welchen Sinn kann man in einer solchen Verhaltensweise finden, die man kaum anders als gewohnheitsmäßige Unredlichkeit nennen kann? Eine naheliegende Antwort – die von den Gemeinten zweifellos als »Sexismus« der übelsten Sorte denunziert werden wird – lautet: Feministinnen sind offensichtlich Frauen, die mittels taktischer Kommunikation Männer dazu bewegen wollen, ihnen zu verschaffen, was sie fordern. Es sind Frauen, die die klassische Strategie der bürgerlichen Frau auf das Niveau der ganzen Gesellschaft gehebelt haben: eine jederzeit abrufbare Ressource an schlechtem Gewissen zu generieren, die Männer dazu bewegen soll und tatsächlich bewegt, über jedes, aber auch jedes Stöckchen zu springen, das ihnen hingehalten wird. Konstatierend, dass Solnits Artikel in der Januarausgabe 2018 der »Blätter für deutsche und internationale Politik« erschienenen ist, drängt sich der Eindruck auf: der Text möchte sich für den Titel des wüstesten Stücks feministischer Propaganda des Jahres 2018 qualifizieren, noch ehe das Jahr 2018 überhaupt begonnen hat.

Und dennoch hat mir Rebecca Solnit mit diesem Aufsatz in einer anderen Hinsicht ein Weihnachtsgeschenk gemacht: sie hat mir ein kristallklares Beispiel dafür geschenkt, für welche intellektuellen Verwüstungen der feministische Begriff des Patriarchats auch tief im 21. Jahrhundert immer noch herhalten muss. Genauer gesagt: der feministische Mythos vom Patriarchat in einem strikten Sinne. Denn dieser Mythos vom Patriarchat ist diejenige Denkfigur des Feminismus, aus der sich in der Art einer »generativen Struktur« praktisch alle Ambivalenzen, Verkürzungen und grundsätzlichen Denkfehler feministischer Theorie und Weltanschauung herleiten lassen, die heute zu einer flächendeckenden intellektuellen Landplage geworden sind. Er ist diejenige begriffliche Klammer, die den Feminismus seit der Zweiten Frauenbewegung zu einer eigenständigen historischen, ideologischen und politischen Gestalt macht.

Literatur:

  • Hamel, John; Nicholls, Tonia L. (Hrsg.)(2013), Familiäre Gewalt im Fokus. Fakten – Behandlungsmodelle – Prävention. Frankfurt a. M.: Ikaru
  • Johnson, KC; Taylor jr., Stuart (2017), The Campus Rape Frenzy. The Attack on Due Process at America’s Universities. New York: Encounter
  • Meier-Seethaler, Carola (2011), Ursprünge und Befreiungen. Eine dissidente Kulturtheorie. Stuttgart: opus magnum
  • Sanyal, Mithu (2016), Vergewaltigung. Aspekte eines Verbrechens. Hamburg: Edition Nautilus
  • Solnit, Rebecca (2018), Die Geschichte des Schweigens oder: Wie das Patriarchat uns mundtot macht. In: Blätter für deutsche und internationale Politik 1/2018, S. 61-70
  • Taylor, Stuart; Johnson, KC (2008), Until Proven Innocent. Political Correctness and the Shameful Injustices of the Duke Lacrosse Rape Case. New York: Thomas Dunne Books

Keine Agitpropkultur heute, dafür ein bißchen feierlicher:

Dmitri Shostakovich – Waltz No. 2

 

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37 Kommentare zu „Rebecca Solnit und zweierlei Schweigen im »Patriarchat«“

  1. „mir Rebecca Solnit mit diesem Aufsatz in einer anderen Hinsicht ein Weihnachtsgeschenk gemacht“

    Danke für dein Geschenk für uns, immer wieder präzise auf den Punkt zu bringen, was andere erst schemenhaft im Gedankennebel wahrzunehmen glauben.

    Dass quasi der gesamte Feminismus auf der empirischen Basis „It is known, Khaleesi“ ruht, passt als Bild gut in den Hinterkopf, wo ich es fürderhin behalten werde.

    Frohe Weihnachten.

  2. @ djadmoros
    Der Text von Solnit bringt ja nicht wirklich viel Neues! Es ist die immer gleiche alte Leier bzw. Litanei oder das immer gleiche Narrativ oder der immer gleiche Topos, den man dekonstruieren muss. Ich würde folgende Anmerkungen anbringen:

    1. Zum Schweigen des Mannes: Was wäre denn eigentlich der Nutzen oder die Funktion, das dass Patriarchat aus dem Sozialisationsmodus des Schweigens der Männer hat?

    2. Ich finde den dominanten Sozialisationsmodus der Externalisierung auch empirisch plausibel, also ich würde hier nicht von einem gänzlich empiriefreien Mythos bzw. Topos sprechen. Ich verweise hier beispielsweise auf Lothar Böhnisch:
    • Die Entgrenzung der Männlichkeit. Verstörungen und Formierungen des Mannseins im gesellschaftlichen Übergang.
    • Männliche Sozialisation. Eine Einführung
    Und ich sehe zumindest bei Böhnisch den Mann auch nicht einfach als Defizitwesen, gleichzeitig würde ich behaupten, man kann auch die Frau als Defizitwesen sehen, weil der dominante Sozialisationsmodus bei ihr das Prinzip der Internalisierung ist, also auch ein Defizitwesen. Was sich dann eben bei Frauen psychopathologisch dahin auswirken kann, dass sie doch erheblich mehr von Depressionen betroffen sind als Männer.

    3. Vielleicht noch kurz zur Häuslichen Gewalt: Ich bin auch der Auffassung, dass wir rein quantitativ eine Gleichverteilung von Opfern und Tätern bei Frauen und Männern haben. Ich denke mir jedoch, dass wir bei der Qualität doch Unterschiede haben. Also dass Frauen offenbar eher zu Tode kommen als Männer. Worauf diese qualitative Unterschiede zurückzuführen sind, wäre dann eine andere Frage.

    4. Zum Mythos des Patriarchats. Ok, sie definiert den Begriff nicht, operationalisiert ihn auch nicht, und es fehlen dann auch empirische Belege dafür, dass es dieses „Konstrukt“ tatsächlich auch in der Realität gibt. Aber das würde ja noch nicht heissen, dass es sich wirklich nur um einen Mythos handelt, ev. gibt es das Patriarchat ja tatsächlich, nur wurde bisher noch nicht die Mühe aufgewendet, dieses auch empirisch wissenschaftlich zu verifizieren.

    1. @Mark E. Smith:

      »Der Text von Solnit bringt ja nicht wirklich viel Neues!«

      Das ist einer der Aspekte, der mich so ankäst. Es funktioniert nach dem Prinzip: »Es wurde alles schon gesagt, aber noch nicht von mir!« Gerade eben per »irgendein-Firefox-Plugin« gefundene Webseite besucht: Bitte lächeln über die emotionale Arbeit von Frauen im Beruf, und darunter der treffende Kommentar eines Lesers:

      »Jeder Mensch, der mit Kundenkontakt arbeitet, muss freundlich sein. Freundlichkeit ist die Basis der Kommunikation mit Kunden, denn nur so ist der Kunde bereit, sich auf ein Gespräch einzulassen. Schlecht gelaunt kann keiner etwas verkaufen. Das ist eine solche Banalität, dass es mir peinlich ist es hier aufschreiben zu müssen.

      Krisenkommunikation (Callcenter machen genau das) kann man lernen. Wenn die Mitarbeiter nicht darin geschult werden, versagt die Geschäftsleitung.

      Es ist eine Frechheit, daraus ein Männer-Frauen Thema zu machen. Männer mit Kundenkontakt unterliegen genau den gleichen Gesetzen wie Frauen.« (leser500)

      Und das bringt es auf den Punkt: bei sehr vielen vom Feminismus verwursteten Themen ist es »eine Frechheit, daraus ein Männer-Frauen Thema zu machen«. Weil unablässig suggeriert wird, es wären die Geschlechter, die sich ändern müssten, und nicht die Gesellschaft.

      »Was wäre denn eigentlich der Nutzen oder die Funktion, das dass Patriarchat aus dem Sozialisationsmodus des Schweigens der Männer hat?«

      »Das Patriarchat« bekommt den Krieger. Das steckt in einem Abschnitt bei Solnit, aus dem ich nicht zitiert habe, um Überlänge zu vermeiden (dass der Aufsatz nicht im Volltext verfügbar ist, ist ein Nachteil, den ich leider nicht beheben kann):

      »Tom Digby führt in seinem Buch „Love and War: How militarism shapes sexuality and romance“ aus, dass wir in einer militarisierten Gesellschaft leben, in der ein Mann auf tausenderlei Art unter Druck gesetzt wird, um sich die Einstellung und die Fähigkeit eines Soldaten anzueignen. Ein Soldat, der ständig dem Sterben anderer und der Gefahr ausgesetzt ist, selbst zerfetzt und getötet zu werden, macht dicht.« (S. 67 f.)

      Das ist der einzige Punkt ihres Aufsatzes, in dem sie Empathie mit Männern erkennen lässt – aber auch nur darum, weil es zu ihrer These der emotionalen Verkrüppelung passt.

      »Ich finde den dominanten Sozialisationsmodus der Externalisierung auch empirisch plausibel, also ich würde hier nicht von einem gänzlich empiriefreien Mythos bzw. Topos sprechen.«

      Da stimme ich Dir zu (Böhnisch muss ich aber erst mal anschauen – danke für den Hinweis) – ich habe ja auch ganz kurz (mit dem Verweis auf Max Weber) angedeutet, dass ich den Patriarchatsbegriff nicht für völlig unbrauchbar halte. Es gibt solche geschlechtstypisch unterschiedlichen Sozialisationsmodi. Was ich am Feminismus kritisiere ist, dass es regelmäßig auf psychologistische Verkürzungen hinausläuft und mit Wertungen durchsetzt ist, die oft gar nicht mehr als solche erkannt werden. Ich bin als Mann aber auch in der Rolle des Kriegers nicht zwangsläufig in einem psychopathologischen Modus unterwegs. Es kommt auf die näheren Umstände an. Das könnte man m. E. sehr ergiebig am Beispiel von Ernst Jünger diskutieren, der ja seine Kriegserfahrungen literarisch verarbeitet hat, das würde hier aber zu weit führen.

      »Vielleicht noch kurz zur Häuslichen Gewalt: Ich bin auch der Auffassung, dass wir rein quantitativ eine Gleichverteilung von Opfern und Tätern bei Frauen und Männern haben. Ich denke mir jedoch, dass wir bei der Qualität doch Unterschiede haben. Also dass Frauen offenbar eher zu Tode kommen als Männer.«

      Stimme ich Dir auch zu, soweit ich sehe, besagt das auch die Forschung. Der Punkt ist nur, dass die von Frauen häufiger ausgeübte psychische Gewalt deswegen nicht weniger bösartig ist als physische Gewalt. Oft ergänzen sich ja beide Formen zu einer Gewaltausübung »auf Gegenseitigkeit«, und beide Partner verstricken sich in Gewaltzyklen, an denen beide Verantwortung tragen. Aber genau für solche Einsichten wurde Erin Pizzey damals aus ihrem eigenen Frauenhausprojekt gemobbt, und danach war das jahrzehntelang (ist bis heute, wenn ich mir Solnit anschaue) ein feministisches Anathema.

      »Aber das würde ja noch nicht heissen, dass es sich wirklich nur um einen Mythos handelt, ev. gibt es das Patriarchat ja tatsächlich, nur wurde bisher noch nicht die Mühe aufgewendet, dieses auch empirisch wissenschaftlich zu verifizieren.«

      Das ist sozusagen der Hauptgrund, warum ich ein ganzes Buch zu dem Thema schreiben will. 🙂 In meinen Augen muss man das mal historisch im Detail auseinanderklamüsern, ohne sich dabei durch feministische Glaubensbekenntnisse den Blick trüben zu lassen. Ich sehe das – um es mal maximal komprimiert zu formulieren – so, dass Männer systematisch in Situationen von Überverantwortlichkeit geraten, sobald mit dem Beginn der Jungsteinzeit die sozialen Verhältnisse anfangen, deutlich komplexer zu werden als in den altsteinzeitlichen nichtseßhaften Kleingruppenszenarien, für die der Homo Sapiens eigentlich nur »evolutionär ausgelegt« war. Ein Teil der Männer gewinnt dadurch sprunghaft an Macht, aber diese Macht brauchen sie auch, um sozusagen »den ganzen Laden zu schmeißen«, das heißt, Ordnungen zu schaffen, ohne die die Menschen in den kulturgeschichtlich präzedenzlosen Siedlungsszenarien von hoher Bevölkerungsdichte aufeinander losgehen würden. Im Mythos des Übergangs vom friedlichen Goldenen ins Eiserne Zeitalter der Kriege steckt ja tatsächlich ein Stück kollektiver Erinnerung.

      Das Kernproblem des Feminismus besteht darin, dass die Feministinnen die Beziehung der Frau zum Mann mit der Beziehung der Gesellschaft zur Umwelt verwechseln. Dass Männer über weite Strecken der Geschichte »patriarchal herrschen«, kann man relativ problemlos aufzeigen. Aber das macht den Begriff des Patriarchats nicht zum Hauptschlüssel, der in die Schließzylinder aller historischen Probleme passt. Sondern der Feminismus reduziert ein systemtheoretisches Problem (gesellschaftliches Komplexitätswachstum) auf ein handlungstheoretisches Problem (von Männern ausgeübte Macht) – und erliegt darum regelmäßig der Versuchung, Geschichte gleichsam in verschwörungstheoretischen Szenarien zu schreiben (was beispielsweise eine Marilyn French, die ich als Literatin durchaus lesenswert finde, als Hobbyhistorikerin zu diesem Thema vom Stapel lässt, ist komplett unterirdisch).

      Das wirklich Schlimme daran ist, (wie man eben gerade an Artikeln wie dem von Solnit sieht) dass diese trivialisierte, verschwörungstheoretische Bullshit-Soziologie inzwischen zum »standard mode of operation« sogar des akademischen Feminismus geworden ist, der dafür Budgets in den Arsch geblasen bekommt, die an anderer Stelle fehlen. Deswegen hat mich Solnits Artikel auch so erbost. Man kann als Mann dieser Art von Feminismus wirklich nur noch die Scheidung einreichen.

      1. „Ein Teil der Männer gewinnt dadurch sprunghaft an Macht, aber diese Macht brauchen sie auch, um sozusagen »den ganzen Laden zu schmeißen«, das heißt, Ordnungen zu schaffen, ohne die die Menschen in den kulturgeschichtlich präzedenzlosen Siedlungsszenarien von hoher Bevölkerungsdichte aufeinander losgehen würden. Im Mythos des Übergangs vom friedlichen Goldenen ins Eiserne Zeitalter der Kriege steckt ja tatsächlich ein Stück kollektiver Erinnerung.“

        Da gälte es dann aber auch die akuten Forschungsstände zu sozialen Gruppengrößen in Abhängigkeit zur Organisationsform zu beachten.
        Was übrigens noch recht junge Forschung zu sein scheint. Ich habe jedenfalls außer ein paar recht naheliegenden Detailbestätigungen zum Calhounexperiment und deren generationsübergreifenden Dynamiken ( bis in die Genetik, was insofern mit der Entfremdungsforschung von M. Gehlmann zu korrespondieren scheint ) noch nichts dazu gesehen. Könnte ’ne spannende Sache sein.

        ( So, jetzt aber flott auffe Ratzmatte ).

    2. Frauen (… ) doch erheblich mehr von Depressionen betroffen sind

      Ich möchte Skepsis anbringen. „Erheblich mehr diagnostiziert“ würde ich zustimmen.

      Alkoholmissbrauch als Versuch einer (untauglichen) Selbst-Medikation und Suizid werd i.d.R nicht als Depression diagnostiziert. Und Obdachlose haben null Chance, jemals einem auf Depressionen geschulten Facharzt gegenüber zu sitzen.

      1. Möchte mich der Skepsis anschließen.

        Gehe davon aus, dass der überwältigende anteil an Suiziden aus einer depressiven Episode heraus geschieht.
        Davon gehe ich so sehr aus,dass ich behaupten würde:
        Der Anteil von Suiziden ohne diagnostizierte depression könnte ein interessanter Hinweis auf den Anteil undiagnostizierter depressionen sein.

        ….

        P.S. interessant wäre insbes.: Wie ist der Anteil v. suiziden ohne diagnostizierte depression bei Männern im Vergleich zu suiziden ohne diagnostizierte depression bei rauen?
        Relative, absolute Zahlen?

        Ich nehme an, dass eine bessere Diagnoserate bei Frauen dazu beiträgt, suizide zu verhindern, und bei Männern eben nicht?

  3. Oje, da wacht man mitten in der ( für mich nicht sonderlich heiligen ) Nacht auf, macht sich ’n Kaffee, klickt ohne drüber nachzudenken ( und erwartetermaßen sinnloserweise ) das Patriarchat an und – da ist ’ne Meldung!
    Okay, is von Djad, schaun mer also mal.
    Wenige Minuten später verwandelte ich den Kaffee zum irischen. Um den schüttelnden Kopf und die Facepalmhand in den Griff zu kriegen.
    Da muß ja wohl ein Irrtum vorliegen
    Ich kenne diese Zeitung zwar überhaupt nicht, aber es handelt sich dabei zweifelsohne nicht um ein Peer-Review-Blatt, noch nicht mal um ein Wissenschaftsmagazin.
    Sondern wohl eher um eine Art „Yps für nicht erwachsenwerdenwollende Infantilisten“. Oder so.

    Und in der Tat steht da was von „politisch-wissenschaftlich“. Also alles, was irgendwie im weitesten Sinne einer der beiden Grobrichtungen zugewiesen werden könnte, ist möglich.
    Das passt, denn diese irre Fantasy-Mystery-Poetry ist irgendwie politisch. Im weitesten Sinne. Man könnte sie auch einfach krank nennen, aber das liest sich nicht so gut.

    So einen Wirrfug relativ sachlich zu zerfleddern verdient Respekt, ehrlich. Setzt m.E. aber auch eine dicke Dosis herber Enttäuschung voraus, ohne emotionale Basis würde sich vermutlich kaum wer diese Mühe mit dem Mist geben.

    Ich pflücke mal ein paar Rosinchen heraus:
    „Es ist, als hätten die Stimmen dieser prominent in der Öffentlichkeit stehenden Männer die Stimmen anderer bis zur Nichtigkeit verschluckt. Ein Akt des narrativen Kannibalismus.“
    Weinstein frisst #metoo! Aha! Da scheinen seltsame Drogen im Spiel zu sein, spätestens bei Nungesser vs. Sulkovitz quäkt da ein PC-interner Systemlautsprecher „voll kannibalistisch“ gegen ein internationales Konsortium feministischer Megaphone gegenan.
    Okay, Femis sind sensibel, die hören sowas.

    „Wenn wir neu definieren, wessen Stimme Wertschätzung entgegengebracht wird, definieren wir auch unsere Gesellschaft und ihre Werte neu“
    Stimmt! Keine Einwände. Nach dieser Methodik funktionierte der Hexenhammer, die Hysterie in Salem – und die bundesdeutsche Familiengerichtsbarkeit ( plus Jugendamtswesen ) im Schnitt nahezu perfekt, wie Du, @Djad, ja auch erkannt hast.
    Letzteres ist übrigens der wesentliche Grund warum ich jetzt wach bin und mir noch einen kleinen Tullamore Dew ( diesmal ohne Kaffee, nur mit ca. 5 Tropfen Wasser zur besseren Aromaentfaltung ) einschänke.

    »Im Patriarchat ist das Schweigen omnipräsent.«
    Äh ja, im staatsfeministischen institutionellen Patriarchat ( manche reden auch von Matriarchat, aber das halte ich für verkehrt, dazu spielen sich einfach zu viele Männer als Oberpatriarchen in diesem Kontext auf ) ist es das, zumindest wenn es um berechtigte Belange von Männer, Vätern, Jungen geht. Da hört man nix von, außer wenn K. Barley betont, daß sie sich mit „diesen Männerrechtlern“ niemals an einen Tisch gesetzt hat / setzen würde.
    Und auch Realität und gesunder Menschenverstand ( im englischsprachigen Sinne, also inkl. der Deutung „Gemeinsinn“ ) ist dem feministischen Patriarchat völlig wurscht, bestenfalls. Das beweist Solnit ja selbst, mit ihrem Artikel, der scheinbar mühelos in diese ( scheinbar bei manchen als seriös geltende ) Zeitung durchgewunken wurde. Das wäre bei halbwegs rationalen Denkern eigentlich ziemlich unmöglich, man muß also davon ausgehen, daß dieselben, sofern in der Redaktion überhaupt vorhanden, eisern den Schnabel gehalten haben.

    Djad schreibt:
    „Der Begriff des Patriarchats setzt einen axiomatischen Bezugsrahmen, von dem (nach offenkundiger Überzeugung der Autorin) wesentliche Plausibilisierungen ausgehen, der aber selbst keiner Plausibilisierung bedarf“
    Ich denke, da herrscht ein Mißverständnis vor.
    Der ganze Artikel IST eine hochdramatische Plausibilierung, nichts weiter.
    Allerdings eine im modernen Soziopsychologenjargon. Darauf komme ich deshalb, weil ich in verschiedenen Schriftsätzen verschiedener unfachlicher „Fachkräfte“ nämlich selbst der „Plausibilisierung“ bezichtigt wurde und mich v.dh. erstmal schlau gemacht habe, was dieser Begriff eigentlich bedeutet. Nämlich das genaue Gegenteil des Wortsinnes. Er steht synonym für „Saublöde Ausrede“.
    Oder, etwas sachlicher formuliert: er soll den Bezichtigten nicht merken lassen, daß man erkannt hat, daß er etwas auf den ersten Blick völlig abstruses sinnloserweise als „scheinbar plausibel“ darzustellen und zu rechtfertigen versucht.

    „Er kann seine Sicht der Beziehungsdynamik plausibilisieren“, heißt grob übersetzt etwa: „Der Idiot checkt überhaupt nix, sondern bildet sich ein, daß man seinen Scheiß glaubt“.

    Und das trifft ja auf die Autorin dieses ulkigen Phantasiekonglomerats leicht ersichtlich voll und ganz zu. Man bestärkt sie sogar noch, indem man dieses Zeugs veröffentlicht, was man schon fast wieder als eine Art von Mißbrauch von Minderbemittelten interpretieren könnte, da es sich geradezu aufdrängt, daß dadurch die psychosozial extrem defizitäre Symptomatik ( durch weiter plausibilisierendes Feedback sozusagen ) eher noch verstärkt wird.

    „»Der Preis für die Autonomie des männlichen Bewusstseins ist die Verdrängung der Abhängigkeitsgefühle ins Unbewusste oder ihre Verschiebung ins Irrational-Romantische, und daraus folgt die emotionale Infantilität des patriarchalen Mannes und der modernen Mentalität überhaupt. Den brillanten Errungenschaften unserer rationalen Kultur steht die Unfähigkeit zur Bewältigung emotionaler Probleme gegenüber, die Hilflosigkeit angesichts psychischer Leiden, Alter und Tod und die Unfähigkeit, mitmenschliche Beziehungen offen und partnerschaftlich zu gestalten.« (Meier-Seethaler 2011, S. 265)“

    Ähm, ja, nee, also … äh….ich glaube, das in alle Facetten zu zerlegen, würde den Rahmen sprengen ( und außerdem habe ich keine Lust dazu ). Eine Umkehrprojektion allemale.
    Und die implizite Lösung ist einfach genial: „Ohne diese völlig unfähigen, verkrüppelten Autisten würden wir uns zwar in einer dunklen, eiskalten Höhle den Arsch abfrieren und kaum je die Pubertät überleben, aber wir wären mindestens glücklich, wahrscheinlich sogar heilig. Also müssen wir genau da wieder hin.“

    Wenn Solnit und ihre Betschwestern das denn wenigstens auch täten ( sich zusammen in eine männerfreie Höhle zurückziehen ), würde ich das Experiment herzlich gern unterstützen. Schneller und effektiver können sie ihr Aussterben gar nicht geregelt kriegen.

    Djad scheibt:
    „»Männlichkeit« wird in ihm per se in eine Defizitperspektive gerückt, indem im Rückblick auf die Menschheitsgeschichte seit dem Ende der Altsteinzeit eine im Saldo negative Zivilisationsbilanz erstellt und eine psychische Grundverfassung des Mannes als deren Ursache identifiziert wird“
    Eben! Und da Minus mal Minus gleich plus ist, siehe oben ( Höhle und tschüss!).
    Den Widerspruch zum staatsfeministischen Patriarchat ( ich will mehr, mehr, mehr….!!! ) braucht mal wohl nicht aufdröseln und, daß diese „hochempathischen Heiligen“ jetzt aus reiner Nächstenliebe ein Heilmittel für uns arme doppel-X-freie Monster brauen, ist wohl kaum zu erwarten, oder? Eher betrachten die es als Heilmittel, wenn sich mal wieder ein Eingestampfter „sozialverträglich“ aufhängt, erschiesst, oder was es da noch so an probaten „Therapien“ in ihrer Wahnwelt gibt.
    (Nicht mit mir, Ladies! Dazu mag ich normale Menschen und ganz besonders einigermaßen verstandesbegabte Frauen einfach zu gern, was übrigens auf Gegenseitigkeit zu beruhen scheint, aller Erfahrung nach. Tja, das triggert jetzt vielleicht ein wenig, aber das ist nun wirklich gar nicht mein Problem, sondern ganz allein Eures! )

    „Darüber, wie mit Opfern umgegangen wird und wie weitverbreitet die Toleranz epidemisch auftretender Gewalt ist, wird Frauen beigebracht, dass sie einen geringen Wert haben, dass sie eventuell noch mehr bestraft werden, wenn sie den Mund aufmachen, und dass es womöglich die bessere Überlebensstrategie sein könnte, zu schweigen.“

    Okay, mal angesehen davon, daß sie sich mittlerweile so dermaßen in einen hassbesoffenen Rausch gesteigert hat, daß ihr irgendwie die Definition des Terminus „Epidemie“ entfallen zu sein scheint ( ob die wohl in der Kirche war und sich mit dort geklautem Weihrauch zugekifft hat? ), beschreibt sie die feministische „Sozialpädagogik“ recht treffend.
    Wer predigt denn, daß jede Frau sowieso schonmal vergewaltigt wurde, ständig damit gehänselt wird und sich per se nicht ohne Bodyguard, Taser und Notrufgerät aus der Küche ( Pardon, Safe-Space natürlich, nä? ) trauen kann? Hmmm?
    Und Bodyguard muß selbstverständlich ein Mann sein, schon wegen Kraft und Schuld, aber einer, den es nach dieser Lehre gar nicht geben kann, nämlich einer, der Frauen über alles wertschätzt, beschützt, ihnen sein Gehalt zu Füssen legt, Essen kocht, den Abwasch erledigt, ein paar Fernseher, Computer, Flugzeuge und Autos zusammenschraubt etc. und ansonsten möglichst unsichtbar bleibt, während er „mea culpa, mea maaaxima culpa!!!“ skandierend seiner Selbstgeißelung frönt und vor dem heiligen Opfer sich im Staube windet, is klar, nä?
    ( Hey, ich habe DIE ultimative Definition von „progressiv-feministischer männlicher Autoreflektion“ entdeckt! )
    Aber noch viel toleranter ist es natürlich, sich in der Höhle ( s.o. ) den Arsch abzufrieren, nachdem die Scheißtüpen endlich ausgerottet sind.

    „Die Epidemie der Vergewaltigungen an Universitäten“
    Also nicht nur die „potentiell“ tolerierte jetzt, sondern die sich ganz real der ganzen Welt ermächtigende Epidemie.
    Merke: Die Welt wird durch Zauberei am Laufen gehalten und deren drei oberste Regeln lauten:
    1 – Beschwöre OFT!
    2 – Verstärke OFT!
    3 – Wiederhole OFT!

    Und schwupp, biste ’ne heilige Prinzessin auf der magischen Erbse!

    Djad schreibt:
    „Wenn aber diese Topik nicht durch empirische Belege getragen wird, wodurch wird sie dann plausibel?“
    Na, durch Plausibilisierung ( s.o. ) und ein wenig Voodoo, was sonst?

    Djad schreibt:
    „Der mythische Patriarchatsbegriff deckt die Begründungslücken zu, die von der Autorin in Bezug auf die Gewaltfrage aufgerissen wurden.“

    Das ist wahre Meisterschaft in elegantem Unterstatement!
    Ich sehe da eher eine kleine Begründungseisscholle, die auf der Nordsee Richtung Atlantik treibt und assoziiere „Ewiges unendliches Meereis“ ( es geht im Artikel ja nicht zuletzt um Poesie, newahr? ).

    Djad schreibt:
    „Die Macht dieser Branche, und in dieser Branche, beruht insofern zu einem guten Teil gerade darauf, dass wir durch ihre Produkte, zumindest ein Stück weit, betrogen werden wollen.“
    Und ich gehe jede Wette drauf ein, daß auch und gerade viele lyrische Femis, wie z.B. Solnit, bei „Titanic“ ihre Tempotaschentücher vollheulen und bei „50 shades of grey“ feucht im nachhaltigen Kunstfaser-Höschen werden.
    Ganz stark, schön, mutig und vor allem emanzipiert, natürlich, is doch klar, wa?
    Und ( mindestens heimlich ) neidisch auf Monica Lewinsky sind se auch, wetten?

    „»Unsere Menschlichkeit ist aus Geschichten oder – im Fall der Abwesenheit von Worten und Narrativen – aus Phantasien gemacht, in denen es darum geht, dass ich mir das, was ich nicht direkt fühle, weil es nicht mir, sondern dir passiert ist, trotzdem vorstellen kann, und dass es mich etwas angeht. Auf diese Weise stehen wir miteinander in Verbindung.“
    Absolut wirre, brutale, perverse, regelrecht epidemische Horrorzombiehalluzinationen als Basis von Empathie und Kommunikation überhaupt. Nicht schlecht! Jetzt verstehe ich die Dämchen schon etwas besser. Nämlich als ideale Bewohner hermetischer beschützender Werkstätten. Die sehen ja einen irgendwie befüllten Mantel aus der Ferne, identifizieren Godzilla und erschießen ihn, …. ganz klar Notwehr, näch?
    Das Wunder aus Suggestion und Autosuggestion! Eine tödliche Mischung, wie ich erleben durfte.

    Djad schreibt:
    „Wohlgemerkt: dieser Artikel erscheint in einem Monatsmagazin, das den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erhebt“
    Wie oben schon gesagt, da kann eigentlich nur ein Mißverständnis vorliegen. Wobei ich nicht sicher beurteilen kann wessen.

    … und:
    „ein Versagen des Peer Reviews“
    Dito! Da hat entweder gar kein Peer reviewt, oder es sind dort extra durchgeballerte Femiesotheriker für diesen speziellen Zweck angestellt. Einstellungsvoraussetzung: Kann aus dem Gedächtnis mindestens 500 gefühlte Seiten Daly und Miller-Gearhart auswendig herunterbeten und vortanzen, oder so. Oder hat schon mal einen Masku aus reiner Liebe erschossen, um ihn vor sich selbst zu retten. Zweiteres ist zweifelhaft, schon allein aufgrund des seltenen Vorkommens.

    Aber, last not least! Der Walzer von Schostakovitsch wargar nicht nicht so schlecht, aber der war ja auch nicht im geringsten von Solnit inspiriert.

    Hausaufgabe für die kleine Rebecca:
    Schreibe hundert mal in Schönschrift:
    „Isch soll nit immä de Pastor nachäffe, schon gaanit, wenn ä besoffen is, dat is nit lustisch!“

    ( Boah, ey, und die Nacht is auch wieder rum, ab in’ne Falle – noch ne kleine Runde die Federn abhören. )

    1. @Fiete:

      Vielen Dank für Deinen Kommentar – made my day! 😀 Ich gehe später am Tag auf ein paar Punkte auch noch inhaltlich ein.

    2. @Fiete:

      »Setzt m.E. aber auch eine dicke Dosis herber Enttäuschung voraus, ohne emotionale Basis würde sich vermutlich kaum wer diese Mühe mit dem Mist geben.«

      So war das auch. Bekomme das Heft am Samstag in den Briefkasten, sehe »Patriarchat« auf dem Titelblatt, denke, ok, das liest Du doch mal kurz. Ich hatte irgendwie gehofft, dass Solnit mir erklärt, wie sich der Begriff des Patriarchats ihrer Meinung nach rechtfertigt. Statt dessen soll ich Ende 2017 eine ideologische Tütensuppe mit einem Verfallsdatum irgendwo in den 1980er Jahren auslöffeln, in der der Begriff einfach vorausgesezt wird (Heilig! Heilig! Heilig!). Hat dann aber in Verbindung mit ihren [SET Euphemismus ON]einseitigen[SET Euphemismus OFF] Darstellungen zu Gewalt und Sexismus wie Raketentreibstoff gewirkt.

      »Darauf komme ich deshalb, weil ich in verschiedenen Schriftsätzen verschiedener unfachlicher „Fachkräfte“ nämlich selbst der „Plausibilisierung“ bezichtigt wurde und mich v.dh. erstmal schlau gemacht habe, was dieser Begriff eigentlich bedeutet. Nämlich das genaue Gegenteil des Wortsinnes. Er steht synonym für „Saublöde Ausrede“.«

      Faszinierend! Ich wusste tatsächlich nicht, dass es im SozPäd-Sektor eine solche Gebrauchsweise des Begriffs gibt. Insofern passt das tatsächlich auch auf den Artikel.

      »Und die implizite Lösung ist einfach genial: „Ohne diese völlig unfähigen, verkrüppelten Autisten würden wir uns zwar in einer dunklen, eiskalten Höhle den Arsch abfrieren und kaum je die Pubertät überleben, aber wir wären mindestens glücklich, wahrscheinlich sogar heilig. Also müssen wir genau da wieder hin.“«

      Das ist wirklich schön formuliert! Im Rahmen einer ursprünglichen Arbeitsteilung sind Männer zwangsläufig stärker sachbezogen als Frauen und müssen dies auch sein, da sich Jagdbeute und Raubtiere (und menschliche Feinde) – anders als die Männer selbst – nicht durch Tränen erweichen lassen.

      1. „Statt dessen soll ich Ende 2017 eine ideologische Tütensuppe mit einem Verfallsdatum irgendwo in den 1980er Jahren auslöffeln“
        Yepp! So in etwa kam ich mir beim Lesen der Zitate auch vor.
        Der Rest ergab sich dann quasi zwangsläufig.

    3. @Fiete:

      »„Isch soll nit immä de Pastor nachäffe, schon gaanit, wenn ä besoffen is, dat is nit lustisch!“«

      Ach ja, ich komme nicht drauf, welcher Dialekt das ist. Ich würde ja für Pfälzisch plädieren, bin aber echt unsicher, ob es nicht auch hessisch oder saarländisch sein könnte! 🙂

      1. Ich gestehe, ich habe einfach einen „irgendwo zwischen Unter- u. Oberrhein“ phantasiert.
        Als junger Mensch war ich ja mal recht talentiert im Dialekteimitieren. Aber irgendwie kann ich das nicht mehr und rede immer mehr wie der tüpisch hamburgensische Fischkopp. Kein allzu großer Verlust …..

  4. Jenseits aller sozio-psychologischen Abstraktion:

    Ernest Hemingway sagte mal: „Man braucht zwei Jahre, um sprechen zu lernen, und fünfzig, um schweigen zu lernen“

    Ich glaub, ich hab‘ ungefähr 40 Jahre gebraucht, um definitiv Schweigen zu lernen.

    Wie lang mein Vater brauchte, weiss ich nicht – aber ich weiss, dass auch er irgendwann nichts mehr sagte.

    Aber ich weiss, unter welchen Umständen ich Schweigen gelernt habe.

    Mein Vater fragte ich ein halbes Jahr nach dem Tod seiner Frau wie das Allein-Leben nun für ihn sei. Er sagte nur einen Satz: „Wir haben zuviele Kompromisse geschlossen – und die nicht immer zum Guten.“ Mehr sagte er dazu nicht – und mit diesem Satz hat er 58 Jahre Ehe zusammengefasst.

    Für die Ordnung des Patriarchats ist es unerlässlich, dass Männer sich zunächst selbst zum Schweigen bringen

    Nein, nein. Nicht wir Männer haben uns selbst zum Schweigen gebracht.

    Das waren Grossmütter, Mütter und Partnerinnen, die uns Männern beibrachten, dass „alles was Sie jetzt sagen, vor dem matriarchalen Gericht gegen Sie verwendet werden kann“.

    Ja, unseligerweise habe ich auch gelernt, gegenüber Männern zu scheigen – habe aber auch gelernt, gegenüber Männern wieder zu reden.

    Und ich habe gelernt, dass wir Männer nicht miteinander reden müssen, um uns zu verstehen. Zuweilen reicht „auf ein Bier“ in aller Stille.

    1. „Nein, nein. Nicht wir Männer haben uns selbst zum Schweigen gebracht.“

      Doch. *Auch* viele Männer bringen andere Männer zum Schweigen. Jedenfalls zum Schweigen über Dinge, die als nicht männlich genug angesehen werden. Das beginnt schon in der Schule. Wer da was von Gefühlen rausläst (z. B. von der eigenen Angst bei Mutproben redet), der wird ausgelacht.

      Genauso im Sportverein. Oder Ferienlager. Beim Bund erst recht. Dann auch in der Ausbildung und in der Arbeit.

      Dein Punkt „Das waren Grossmütter, Mütter und Partnerinnen, die uns Männern beibrachten, dass …“ bleibt davon unberührt. Wer als Mann etwas Unmännliches artikuliert, wird verachtet und verächtlich gemacht: von Frauen noch mehr als von Männern. Aber eben auch von (vielen) Männern.

  5. @erste Kommentare: zu welchen unchristlichen Zeiten treibt Ihr Euch denn im Netz herum … ?

    @djad: „und dem eigenen Anspruch nach »die größte politisch-wissenschaftliche Monatszeitschrift im deutschen Sprachraum« ist“

    So ähnlich wie Preise für Optionen und andere Derivate etwas über die implizite Volatilität des Basiswerts aussagen, könnte die Blätter-Selbstanpreisung implizit etwas über deren geistigen Horizont aussagen.

    „Monatsmagazin, das den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erhebt“

    Ich habe die „Blätter“ bisher stets, auch wenn ich nur wenige Artikel gelesen und insofern nur eine kleine Stichprobe habe, in eine Schublade mit neues deuschland oder ähnlichen ideologisch geprägten Zeitungen verortet.
    Generell frage ich mich, ob Frau Solnit so wichtig und repräsentativ ist, daß man ihre Einlassungen so ausführlich diskutiert.

    „die von den Gemeinten zweifellos als »Sexismus« der übelsten Sorte denunziert werden wird“

    Genau!! Ich haben Deinen sehr schönen Begriff „Defizitmodell der männlichen Persönlichkeitsentwicklung“ gleich auf meiner Seite zum Seximus gegen Männer verwurstet, in einem neuen Abschnitt zu den Ursachen dieses Seximus: Das feministische Defizitmodell der männlichen Persönlichkeitsentwicklung 😉

    1. @mitm:

      »Generell frage ich mich, ob Frau Solnit so wichtig und repräsentativ ist, daß man ihre Einlassungen so ausführlich diskutiert.«

      Nur kurz hierzu, heute abend habe ich dann wieder mehr Zeit: ich hatte zwei Gründe, mich so ausführlich damit auseinanderzusetzen.

      (1) Ihre explizite Verwendung des Patriarchatsbegriffs (sogar im Titel). Das ist meinem Eindruck nach im heutigen Feminismus eher selten, obwohl die dahinterstehende Denke auch ohne den Begriff überall anzutreffen ist. Betrifft meine eigene zentrale Problemstellung, was begründet, warum ich den Aufsatz lese, aber noch nicht, warum ich einen Blogpost daraus mache.

      (2) Bei manchen Texten ist nicht so sehr wichtig, was sie inhaltlich aussagen, sondern auch, wie sie konstruiert sind. Und hier hat mich wirklich erschüttert, was ich »fundamentale Unaufrichtigkeit« genannt habe. Das sind bourgeoise Weiber, die Männe zu einem von ihnen definierten Ziel steuern wollen und darum hemmungslos und bar jeden schlechten Gewissens taktisch kommunizieren. Ich bin so sehr mit einer habermasschen Diskursethik sozialisiert worden, dass ich an dieser Stelle vielleicht wirklich noch ein bißchen naiver bin als andere Forenten hier.

      Und darum sollte man solche Artikel von Zeit zu Zeit minutiös sezieren, um ihnen ein Denkmal der Schande zu errichten: »ja Mädels, so redet ihr mit uns und über uns«. Manchmal sind es auch Jungs, wie Jakob Augstein, da hatte ich eine vergleichbare Motivation.

      1. @djad

        Die „Blätter“ haben auch Laurie Penny abgedruckt mit einem Artikel, gegen den Solnit als geradezu intellektuell anspruchsvoll erscheint.
        Ich möchte auf deinen Punkt zurückkommen: So bald das Thema „Feminismus“ ist, herrscht ein TOTALVERSAGEN des Lektorats vor.
        Man könnte nun als Ausrede anführen, die nehmen die gleichen Drogen wie Penny oder haben die identische Aluhut-Mode wie Solnit.
        Aber das glaube ich nicht.

        Es herrscht in diesem „wissenschaftlichen Milieu“ eine Mischung aus Feigheit, Opportunismus, wohlwollendem Sexismus und Zynismus vor.
        Die wissen haargenau, welchen substanzlosen Quatsch Penny von sich gibt, in welche Widersprüche sich Solnit/Penny verwickeln. Es ist ihnen nur egal, weil sich die Flachpfeifinnen („das Gesicht des modernen Feminismus“) VERKAUFEN.

        So bald das Thema „Feminismus“ heißt, werden alle Ansprüche an die Qualität eines Artikels einfach fallen gelassen, weil man damit eine Gemeinde von Gläubigen bedient.
        Widerwärtig ist es aber, sich auf die Stufe von Verbreitern religiöser „Erbauungsliteratur“ herab zu begeben und auf diesem Niveau sind die „Blätter“ angelangt.

        Ich gebe keinen einzigen Cent mehr aus, dieses Pack zu unterstützen.

      2. @crumar:

        »Es herrscht in diesem „wissenschaftlichen Milieu“ eine Mischung aus Feigheit, Opportunismus, wohlwollendem Sexismus und Zynismus vor.«

        Tja, was soll ich sagen. Ich fürchte, hier hast Du schlicht und ergreifend recht.

        »Die „Blätter“ haben auch Laurie Penny abgedruckt mit einem Artikel, gegen den Solnit als geradezu intellektuell anspruchsvoll erscheint.«

        O mein Gott!! Jetzt hast Du mich auf die Suche geschickt! 🙂 Anscheinend gibt es nur einen von ihr, das muß dieser hier vom Juni 2015 sein: »Feminismus: Die Befreiung der Männer«. In welchem ich folgende Formulierung finde:

        »Die ›Männerrechtsaktivisten‹, die sich im Internet organisieren, um Frauen zu übertönen, sind meist angsterfüllte, einsame Wesen, die unbedingt über die Geschlechter reden wollen, dies aber nur tun können, indem sie Frauen mundtot machen.«

        Hilft nichts, ich muss den jetzt trotzdem lesen. Oder sagen wir, bis Dreikönig. Aber ich verspreche nicht, dass er mir ein weiteres Denkmal der Schande wert ist. 🙂

      3. @djad, crumar:

        jetzt habt Ihr mich neugierig gemacht. Auf https://www.blaetter.de/aktuell/dossiers/emanzipation-oder-backlash findet man dankenswerterweise eine Liste, chronologisch rückwärts. Hier die 7 Beiträge in 2017 und 2018:

        1. Blätter 1/2018, Seite 71-80. Nikola Müller: Ein langer, steiniger Weg: Der Kampf um das Frauenwahlrecht – „… Bis zur wirklichen Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau ist es offensichtlich noch ein harter Kampf und leider wohl auch ein steiniger und kurviger Weg. …“ – Alles klar!

        2. Blätter 1/2018, Seite 61-70. Rebecca Solnit – hatten wir schon zu genüge

        3. Blätter 12/2017, Seite 61-66. Ines Kappert: Harvey Weinstein oder das System sexualisierter Gewalt

        4. Blätter 9/2017, Seite 79-88. Mithu M. Sanyal: Schicksalsfrage Feminismus

        5. Blätter 7/2017, Seite 79-85. Christa Wichterich: Der neue Businessfeminismus

        6. Blätter 4/2017, Seite 105-114. Nancy Fraser: Who cares?

        7. Blätter« 2/2017, Seite 71-76. Nancy Fraser: Für eine neue Linke oder: Das Ende des progressiven Neoliberalismus

        Das sind fast nur hard-core feministische Aktivisten (ggf. mit Ausnahme Fraser). Kappert z.B. ist Leiter des Gunda-Werner-Instituts. Da weiß man schon vorher, was in den Texten steht.

        „So bald das Thema „Feminismus“ ist, herrscht ein TOTALVERSAGEN des Lektorats vor.“

        Diese These wäre damit empirisch bewiesen 😉

      4. @mitm:

        Nancy Frazer ist die einzige Feministin, die es hinbekommt, Affinitäten von Neoliberalismus und Feminismus zu kritisieren, zum Beispiel hier. Und sie hat meinen Respekt, weil sie Carol Patemans »The Sexual Contract« – der wohl gründlichste feministische Versuch, die moderne Gesellschaft zum »Patriarchat« zu erklären – als unbrauchbar zurückgewisen hat.

        Und Mithu Sanyal scheint das Thema Vergewaltigung in ihrem Buch jenseits der üblichen Täter-Opfer-Stereotypen zu behandeln.

        Bei den übrigen Jammerpomeranzen könntest Du recht haben.

      5. @djad @mitm

        Ich habe da ein paar lästerliche Gedanken für euch! 🙂
        Wir hören diese lyrische Posse der reinsten, unbewusstesten Weiblichkeit:

        „Das Schweigen ist der Ozean des Ungesagten, des Unsagbaren, Unterdrückten, Ausgelöschten und Ungehörten. Er umspült die versprengten Inseln, gebildet von jenen, denen es erlaubt ist, zu sprechen, von dem, was gesagt werden kann, und von jenen, die zuhören. (…) Worte bringen uns zusammen, das Schweigen dagegen trennt uns und beraubt uns der Unterstützung,“

        OZEAN des „Ungesagten“- so fluide, grenzenlos und…!
        Und an was erinnert uns das?
        Natürlich: „Irigaray develops this psychoanalytic critique further in her famous essay ‘The Mechanics of Fluids’. That essay speaks to a particular male angst regarding the ebb and flow of women’s bodies and the ways in which this angst has instantiated itself within systems of representation. Irigaray notes an ‘historical lag in elaborating a “theory” of fluids’, reflective perhaps of the fact that ‘women diffuse themselves according to modalities scarcely compatible with the framework of the ruling symbolics’.
        http://criticallegalthinking.com/2014/06/05/language-notes-thought-luce-irigaray/

        WEIBLICH!
        Aber wer bildet denn nun die Inseln?
        „The equation between fluids and waste is said to justify ‘a complicity of long standing between rationality and a mechanics of solids alone’. The inability of language to incorporate the ‘reality’ of fluidity, or that which escapes symbolic articulation, may signify ‘…the powerlessness of logic to incorporate in its writing all the characteristic features of nature’.“ (ebd.)

        Nachdem das „Ungesagte“ und die Machtlosigkeit männlicher Logik der FESTkörper (muahahaha!) die weibliche Flüssigkeit durch den Begriff der „Strömungsmechanik“ nahezu vergewaltigt (!), können wir uns den Inseln widmen.
        Wir wissen: „Worte bringen uns zusammen, das Schweigen dagegen trennt uns“, während WORTE exklusiv den Inseln zustehen: „Inseln, gebildet von jenen, denen es erlaubt ist, zu sprechen“, während der SPRACHLOS-weibliche Ozean die männlichen Füße umspült.

        Und in diesem Lichte widmen wir uns der Zeile des Gedichtes: „Worte bringen uns zusammen, das Schweigen dagegen trennt uns und beraubt uns der Unterstützung“ – was eigentlich nur bedeuten kann, dass die SPRACHMÄCHTIGEN Inselbewohner (männlich) den Ozean der Sprachlosigkeit (den sie selber geschaffen haben) in irgendeiner Form aufheben, um eine Unterstützung herbei zu zaubern, die die Magie der flüssig Sprachlosen (Frauen) in ganz, ganz viele Artikel transformiert.
        Es wird jetzt ganz, ganz schwierig für viele Maskulisten, weil es rational schwer nachzuvollziehen ist.

        Z.B. die SZ, in der Laurie Penny ausführt: „Uns darum wetteifern zu lassen, wer die wichtigste, richtigste und beste Feministin ist, ist auch nur eine Art und Weise, Frauen zum Schweigen zu bringen.“
        Oder Solnit („Wenn Männer mir die Welt erklären“), indem Meinungsfreiheit auch nur ein Instrument ist, um „Menschen durch Einschüchterung zum Schweigen zu bringen“.
        Oder die Mädchen(!!!)mannschaft über Penny: „All diejenigen, die nicht in das Bild passen, werden zum Schweigen gebracht, sollen ihre Wut schlucken und an ihr ersticken.“

        Zum GLÜCK reden wir hier nur über FRAUEN!
        Denn sonst könnte MANN: „Solche Geschichten können brutal stummgestellt werden, die Stimmen, aus denen vielleicht Empathie erwächst, können zum Schweigen gebracht, diskreditiert, unaussprechlich und unhörbar gemacht werden.“ irgendwie missverstehen.
        Als wäre z.B. die Möglichkeit, in JEDEM Mainstreammedia-Artikel die frohe Botschaft des weiblich-opferistischen VERSTUMMENS in beliebiger Ausführlichkeit äußern zu können, Beweis für die HERRSCHAFT der TÄTERINNEN über den Diskurs.

        Über Penny: „In Cybersexism, Laurie Penny goes to the dark heart of the matter and asks why threats of rape and violence are being used to try to silence female voices, analyses the structure of online misogyny, and makes a case for real freedom of speech – for everyone. “
        https://www.bloomsbury.com/uk/cybersexism-9781408853207/

        Außer eben für Inseln, Männer und andere Festkörper.
        Für die gilt sie eben REAL nicht.

        Denn INSELN – an dieser Stelle bitte den Aluhut ab zum Gebet – „Der Preis für die Autonomie des männlichen Bewusstseins ist die Verdrängung der Abhängigkeitsgefühle ins Unbewusste oder ihre Verschiebung ins Irrational-Romantische, und daraus folgt die emotionale Infantilität des patriarchalen Mannes und der modernen Mentalität überhaupt.“
        Störend natürlich in diesem Narrativ:

        „No man is an island,
        Entire of itself,
        Every man is a piece of the continent,
        A part of the main.
        If a clod be washed away by the sea,
        Europe is the less.
        As well as if a promontory were.
        As well as if a manor of thy friend’s
        Or of thine own were:
        Any man’s death diminishes me,
        Because I am involved in mankind,
        And therefore never send to know for whom the bell tolls;
        It tolls for thee.“
        John Donne

        Deutsch: „Niemand ist eine Insel, in sich ganz; jeder Mensch ist ein Stück des Kontinents, ein Teil des Festlandes. Wenn eine Scholle ins Meer gespült wird, wird Europa weniger, genauso als wenn’s eine Landzunge wäre, oder ein Landgut deines Freundes oder dein eigenes. Jedes Menschen Tod ist mein Verlust, denn ich bin Teil der Menschheit; und darum verlange nie zu wissen, wem die Stunde schlägt; sie schlägt dir selbst.“
        Das ist aus dem Jahr 1624 und geschrieben von einem MANN.

        D.h. sie hat die Metapher der „Insel“ gestohlen – sie begeht intellektuellen Diebstahl und ist eine Heuchlerin.
        Was sie – erkennbar – fast 400 Jahre später stört ist nicht nur die Autorschaft eines Mannes, der eine humanistischen Gedanken formuliert, der weit über das Geschlecht hinausreicht, sondern es ist die Idee einer „männlichen Autonomie“.
        Die sie nur noch artikulieren kann durch die Äußerung einer schiefen Metapher eines alles umspülenden weiblichen Ozeans, welcher männliche Landmassen umgibt (muahaha!).

        Es wäre völlig vergeblich, sie mit dem männlichen Konzept der „Utopie“ zu konfrontieren.
        Dem τόπος tópos und dem οὐ-τόπος, dem „Nicht-Ort“, der sich eben darin manifestiert, weit ab von der Zivilisation eine INSEL zu sein.
        Dieser „Nicht-Ort“ ist ein durchgängig männliches Prinzip, den Traum der Aufhebung von Entfremdung zu artikulieren seit Robinson Crusoe bis der „Marsianer“.

        Solnit wird es NIE begreifen, Penny wird es NIE begreifen.
        Sie WOLLEN es auch NICHT.
        Sie sind die Schilder aktualisierter Weiblichkeit, sie sind die aktualisierte Form der weiblich-bürgerlichen *Unterverantwortlichkeit*.
        Was sie wirklich stört, ist ihre zunehmende Bedeutungslosigkeit und die artikulieren sie vortrefflich.

      6. @ Crumar:
        Ich denke, der Schlüssel und die Rechtfertigung des flüssigweiblichen Blödsinngelabers liegt hier:
        „‘…the powerlessness of logic to incorporate in its writing all the characteristic features of nature’“
        Denn bezogen auf diese RadFempoesie ist die Logik in der Tat machtlos.
        Egal wie man es interpretiert, es ist und bleibt unlogisch.
        Ich habe ja versucht zu ergründen, auf welche Lösung die von Dir zitierten Sätze hinarbeiten, aber es geht einfach nicht.
        Sollen nun die Inseln des Redenkönnens überschwemmt weren? Dadurch wurde der flüssigweibliche Ozean nicht plötzlich das Schwatzen lernen, sondern das männliche Gerede ( Teamwork, Logistik, dieser ganze – ohne normierte Kommunikation unmögliche – Kram ) wäre wech ( ALDI zu, Bankomat außer Betrieb ) .
        Oder soll einfach stumm der Stöpsel weggeschwatzt werden ( was schon ein wenig hakelt, aber ganz so wörtlich muß man das Schweigen ja wohl offenbar nicht nehmen ), damit die Welt einen drögen Laberkontinent bildet? Dann wäre es aber auch mit der heiligen Flüssigweiblichkeit vorbei. Würde also wortwörtlich im rationalen Sande versickern.

        Kurz: Um richtig Erleuchtet und Ämpauert zu werden, muß diese Scheiß-männliche-Trockenlogik wech ….

        Ich weiß ja nicht, was die so einnehmen, oder welche Botenstoffwechselstörungen sie haben, aber anders als im Traum lässt sich da beim besten Willen kein irgendwie gearteter Sinn reinbringen.
        Daß sie aber von dem Quatsch recht überzeugt sind, lese ich schon an den zwei Worten von Solnit „daraus folgt“ ab. Denn die sind der Logik entnommen. Das fiel mir beim ersten Lesen schon spontan auf, daß da eine frei phantasierte Prämisse aus einer ebensolchen „gefolgert“ wird. Was übrigens automatisch die Circelschlüssigkeit als tragendes Element der flüssigweiblichen Poesie „ermöglicht“, da man das auch umdrehen, oder mittels jeglichem weiteren Bullshit zu beliebig langen „Argumentationsketten“ aneinanderreihen kann.

        Wenn das so weitergeht, mit diesen lästerlichen Gedanken, haben wir in ein paar Tagen eine komplette – und insofern „in sich schlüssige“ Theorie des Flüssigfeminismus entwickelt. Und ich vermute, daß derselbe bei den Elitefemis ziemlich verbreitet ist, möglw. sogar deren Mainstream.
        Was wiederum erklärt, warum viele Femiargumentationen auf der Prämisse aufbauen: „Kein Mann kann sich ein Urteil erlauben, wenn es um Dinge geht, die Frauen betreffen“, einfach, weil wir Dreibeine es, wenn überhaupt, dann rational versuchen, was ja nicht klappen kann. Und weil das nicht klappt, sind Männer zu doof, die ganze Welt zu erfassen. Also sind wir ( „daraus folgt“ ), mangels Masse, Differenzierungsunfähig und bemerken noch nicht mal, daß wir die Mädels permanent, fast schon qua bloßer Existenz, unterdrücken. Wodurh dann wieder der Ozean des lautplappernden Schweigen geschaffen wird, dem keiner zuhört und der sich auch gar nicht traut irgendetwas flüssigwichtiges zu sagen.
        Tja, Kreiselschluss fertig ….

      7. @Fiete

        „Kein Mann kann sich ein Urteil erlauben, wenn es um Dinge geht, die Frauen betreffen“, einfach, weil wir Dreibeine es, wenn überhaupt, dann rational versuchen, was ja nicht klappen kann. “

        KORREKT!
        Es ist die „gelebte Erfahrung“ der Frauen ALS unterdrückte Wesenheiten in einem SYSTEM von „Unterdrückung“, welches nur FRAUEN artikulieren können. Weil NUR Frauen ALS unterdrückte Wesenheiten in einem SYSTEM von Frauen unterdrückenden Wesenheiten existieren können, in dem Frauen als UNTERDRÜCKTE WESENHEITEN existieren können.

        Ich hoffe, ich habe mich klar genug ausgedrückt?!

    2. @ Mitm:
      „@erste Kommentare: zu welchen unchristlichen Zeiten treibt Ihr Euch denn im Netz herum … ?“
      Nur zu den besten, von wg. aufbrechen klassisch-traditioneller Dogmen und so ….

      „Generell frage ich mich, ob Frau Solnit so wichtig und repräsentativ ist, daß man ihre Einlassungen so ausführlich diskutiert.“
      Ich denke, eigentlich nein, wenn man allerdings ein gewisses Frustrationselement ( „Wissenschaftlicher Anspruch“ etc. ) annimt, kann ich es nachvollziehen, was Djad ja auch mehr o. weniger deutlich bestätigt.

      „Genau!! Ich haben Deinen sehr schönen Begriff „Defizitmodell der männlichen Persönlichkeitsentwicklung“ gleich auf meiner Seite zum Seximus gegen Männer verwurstet, …“
      Wußte ich doch, daß man selbst aus dem schedderigsten Schrott noch was Konstruktives machen kann ( und seien es Buchstützen … ). Hail, Lord of Recycling!

      1. Passt aber perfekt in den Text, @Mitm. Man könnte fast vermuten, daß Solnit eine Auftragsarbeit für Dich verfasst hat … 😉

    3. @mitm:

      »Ich habe die „Blätter“ bisher stets, auch wenn ich nur wenige Artikel gelesen und insofern nur eine kleine Stichprobe habe, in eine Schublade mit neues deuschland oder ähnlichen ideologisch geprägten Zeitungen verortet.«

      Für ganz so schlimm halte ich sie nicht, ich kenne sie noch aus meiner Studienzeit, und Mitglieder des Herausgeberkreises wie die von mit genannten Brumlik, Diner Habermas oder Leggewie haben als Wissenschaftler eigentlich mein Vertrauen, und nicht jeder feministische Artikel in dem »Blättern« ist komplett schlecht. Ich lese Zeitschriften ja nicht, um mich in vorgefassten Meinungen zu bestätigen, sondern um mit abweichenden Meinungen als Sparringpartnern zu trainieren. Aber falls nun jemand um mein Seelenheil fürchtet: neben den »Blättern«, dem »Cicero« und den »Foreign Affairs« habe ich auch noch Kubitscheks »Sezession« abonniert – letztere nicht, weil ich die so toll finde, sondern weil ich aus erster Hand wissen möchte, wie diese Leute ticken.

      »Ich haben Deinen sehr schönen Begriff „Defizitmodell der männlichen Persönlichkeitsentwicklung“ gleich auf meiner Seite zum Seximus gegen Männer verwurstet«

      Danke, gerne, immer zu! Bald bist Du unsere Encyclopaedia Britannica des Maskulismus, nicht mehr nur »für Anfänger«! 🙂

  6. „angebliche »Rape Culture«“

    Kann man nicht eher von einer Rufmord-Kultur („slander culture“) reden, in der die Verleumdung von und der Rufmord an Männern toleriert und öffentlich als hinzunehmender Kollateralschaden auf dem Weg in eine bessere Gesellschaft angesehen wird? Ist doch gerade wieder bei der moralischen Panik und Lynchjustiz im Rahmen der MeToo-Kampagne deutlich geworden.

    1. @mitm:

      Keine Ahnung, was das System gegen Dich hat, aber Deine Kommentare landen praktisch jedesmal im Spam. 😦 Vielleicht weiß einer der anderen Admins was dazu zu sagen …

      1. „Deine Kommentare landen praktisch jedesmal im Spam“

        WordPress haßt mich. Das Problem fing vor ca. 2 Jahren an, als ich aufgrund technischer Probleme diverse Kommentare doppelt und dreifach abschickte. Die wurden dann alle bis auf einen gelöscht, der spam-Erkennungs-Bot bei wordpress hat sich seitdem gemerkt, daß Kommentare von diesem Benutzernamen eher unbeliebt sind.

        Man kann das System nach meinem Eindruck auch leicht mißbrauchen, um einem unbequemen Kommentator loszuwerden: Man schickt sich Kommentare mit dem wegzumobbenden Benutzernamen an einen eigenen wordpress-Blog und löscht sie dort (oder markiert sie als spam, ich kenne WordPress nicht von innen). Der spam-Erkennungs-Bot lernt automatisch im Hintergund fleißig mit. Soviel zum Thema big data.

      2. @mitm:

        Deine letzten beiden Kommentare musste ich da schon wieder rausholen. Vielleicht solltest Du nach jedem Post einen zusätzlichen »Ping«-Kommentar einstellen, damit der jeweilige Admin weiß, dass er schauen muss 😦 Denn wie man Bots das Gehirn wäscht, weiß ich leider auch nicht.

      3. Kann man das System so einstellen, daß der admin von jedem eingetroffenen spam-Kommentar benachrichtigt wird?
        Ich ändere jetzt mal testweise die e-mail-Adresse, mal sehen, was passiert.

      4. @mitm:

        Yep, mit anderer Email-Adresse scheint es zu gehen. Der Post war nicht im Spam, sondern direkt im Freigabeordner (weil erster Post mit dieser Mail).
        Benachrichtigung bei Spam ist keine gute Idee, weil da wirklich viel Schrott abgefangen wird, da wird der Admin nicht mehr glücklich.

    2. „Kann man nicht eher von einer Rufmord-Kultur („slander culture“) reden“
      Von der leicht humpelnden Übersetzung abgesehen, kann man nicht nur, sondern sollte …. unbedingt!
      Rufmord = character assassination
      üble Nachrede = defamation
      slander = Diffamierung, Verleumdung
      ( sagt QuickDic )

  7. Ich mußte beim Lesen übrigens wiederholt an einen früheren Artikel im Atlantic denken:

    Katty Kay, Claire Shipman: The Confidence Gap. The Atlantic, 05.2014. https://www.theatlantic.com/magazine/archive/2014/05/the-confidence-gap/359815/

    Es gibt noch ein sehr erfolgreiches Buch dazu („The Confidence Gap“).

    Der Artikel ist ellenlang, beschreibt tränenreich (und dank feministischen Tunnelblick z.T. fehlerhaft) das zu geringe Selbstvertrauen von Frauen und Mädchen und dessen Konsequenzen. (das ist ja sowieso ein feministisches Dauerthema, überlappend mit dem Stereotype threat).

    Weiter hinten geht er auf diverse Ursachen ein, u.a. daß Jungen im Gegensatz zu Mädchen nicht in Watte gepackt werden, sondern von Kind an härter kritisiert werden und in der Summe weniger emotional bzw. depressiv auf Niederlagen reagieren.

    Ich habe bei diesem Text (und nach meiner verblassenden Erinnerung noch beim einem anderen, den ich nicht mehr wiederfinde) die Hände überm Kopf zusammengeschlagen und die Argumentation deswegen bis heute nicht vergessen, weil die Autorinnen den 200-Pfund-Gorilla mitten im Raum übersehen: Eine sozial konstruierte Hauptursache für die Abhärtung der Jungen ist die Hetze gegen alles Männliche in einer feministischen Gesellschaft. D.h. Jungen müssen sich ab der Pubertät mit ihrer Erbsünde, ein Mann und damit potentieller Vergewaltiger zu sein, auseinandersetzen. Manche werden depressiv oder zu feministischen Allies. Andere, die psychisch robusteren, durchschauen das System und nehmen die Kritik bestimmter Autoritäten nicht mehr ernst („die können mich mal…“).

    Hier kommt noch der Survivorship Bias ins Spiel, Kay et al. nehmen fast nur die 2. Gruppe wahr.

    Kay et al. liefern im Endeffekt völlig andere Erklärungen für die „emotional verkrüppelten Männer“. Die sind deutlich näher an der Realität als die irgendwie zirkulären Erklärungen von Solnit, auch wenn sie wie gesagt eine mMn zentrale Ursache, die feministische Agitation gegen Männer, ausblenden.

    Ich war schon mal drauf und dran, einen Blogpost mit dem Titel „Das Privileg, diskriminiert zu sein“ zu schreiben, denn irgendwie muß man das kostenlose Training für die Jungs ja auch wertschätzen 😉 Das wäre indes sehr pauschal und nicht empirisch untermauert gewesen, man kann natürlich nicht alles monokausal nur auf diesen Faktor zurückführen, eventuell ist diese Theorie auch falsch, und wenn nicht, dann sollte man keine Betriebsgeheimnisse verraten 😉

  8. Dear all,
    die Analyse von Djadmoros und die ergänzenden Kommentare hier sind wieder einmal ein Genuß, intellektuell und emotional.

    Falls Logos in unserer Gesellschaft und Zukunft noch eine bestimmende Kraft sein wird, kann es gar nicht anders sein, als daß dieses Denken – in Wahrnehmung und Reflexion – sich prägend durchsetzen wird. Es steht so souverän über der Scheinvernunft etwa des Feminismus, in jeder Hinsicht.

    Wird Logos gerade abgeschafft? Interessante Frage. Vielleicht war es schon immer so, daß er in seiner jeweiligen Zeit immer eine Minderheit – Insel im Meer von Ressentiment und Engstirnigkeit – war und sich nie aufgrund seiner gesellschaftlichen, sondern immer nur aufgrund seiner inneren, fundamentalen Kraft a la longue durchgesetzt hat.

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