Reformbedürftig: Die Situation mit Kindern im Fall einer Trennung

Die Frage, die zu Beginn dieses Artikels gestellt wird, ist ungewöhnlich, weil die Antwort darauf gefühlt als Selbstverständlichkeit gilt. Daher wird sie gar nicht erst gestellt. Es mag Menschen geben, die diese Frage sogar unmoralisch finden, weil sie wie nach einer „Daseinsberechtigung“ klingt. Man kann auch über die Formulierung an sich streiten. Aber genug der Vorwarnung, die Frage lautet:

Warum schafft man sich Kinder an?

Die Antworten darauf mögen individuell verschieden sein, aber man liegt sicher nicht falsch, wenn man diese zusammenfasst unter: „Um sich an ihnen zu erfreuen“. Natürlich (schon wieder ein Disclaimer) ist bekannt, dass Kinder nicht nur Freude bereiten, sondern auch Mühe machen und die Eltern dafür verschiedene Einschränkungen in Kauf nehmen. Aber: Die Freude überstrahlt aber alle Mühe, sonst würde man das mit den Kindern lassen.

So lange die beiden Elternteile glücklich zusammenleben und an einem Strang ziehen, ist alles in bester Ordnung. Im Normalfall besprechen sich die Eltern untereinander, legen fest, wie die Kinder aufwachsen sollen und es gibt keine Einschränkungen hinsichtlich des Umgangs. Man gönnt sich die Kinder gegenseitig. Auch im finanziellen Bereich liegt die Entscheidung bei den Eltern. So können Wohlhabende beispielsweise die Entscheidung treffen, dass ihre Kinder doch eher bescheiden aufwachsen sollen, um damit einen erzieherischen Effekt bezüglich der Wertschätzung materieller Dinge zu erzielen. Oder umgekehrt: ein Paar mit geringerem Einkommen beschließt, ihren Kindern so viel wie möglich zukommen zu lassen und selbst stark zurückzustecken. Die Eltern sind da sehr frei, in jeglicher Hinsicht über die Kinder zu entscheiden.

Und dann kommt die Trennung und alles wird anders. Wenn es schlecht läuft – was nicht selten ist, weil sich die Ex-Partner nicht mehr grün sind -, dann kommt eine Menge Fremdbestimmtheit ins Spiel. Zumindest für ein Elternteil, meist den Mann.

Der Umgang wird stark eingeschränkt auf ein Wochenende alle zwei Wochen, vielleicht erschwert oder ganz vereitelt. Man wird wahrscheinlich zur Zahlung von Unterhalt verdonnert, dessen Höhe sich am Einkommen orientiert (vorbei die Zeiten, als man da ganz frei war und kein Hahn danach gekräht hat, was man den Kindern angedeihen ließ). Diesen Betrag „darf“ man an die Ex-Partnerin zahlen, auch wenn man deren Verhalten überhaupt nicht mehr schätzen kann. Da Geld ein homogenes Gut ist, weiß man nicht, wofür es tatsächlich ausgeben wird. Stellt in Frage ob es tatsächlich „so viel“ sein muß, gilt das als unmoralisch, und man selbst als jemand, der den eigenen Kindern nichts gönnt. Umgekehrt gilt es nicht als unmoralisch, möglichst viel zu fordern, egal, was aus dem Unterhaltsverpflichteten wird.

Und wenn es dann noch dicker kommt, dann lacht sich die Ex-Partnerin einen neuen Partner an und der hat künftig mehr von den Kindern, als der biologische Vater. Mit dem Unterhalt subventioniert man eine neue Familie.

Normalität nicht nur unter deutschen Dächern, mit dem Euphemismus „Patchworkfamilie“ benannt. Schaut man selbst in die Kontaktanzeigen der Onlineportale kommt einem als Mann ab und zu der Satz „Bitte ohne Altlasten“ unter die Brille (während männliche Inserenten auf Frauensuche auch mal ein „gerne auch mit Kind“ vom Stapel lassen). Vielleicht ist man auch gar nicht mehr in der Lage, selbst eine neue Familie zu finanzieren.

Bewertet man die Situation unter den Gesichtspunkten der Ausgangsfrage bleibt festzustellen: Die Freude an den Kindern wird drastisch eingeschränkt, dafür das Gefühl im Bauch, zusätzlich der Gelackmeierte zu sein durch Unterhalt und den fremden Mann, der „die Kinder hat“, ohne dafür wirklich aufkommen zu müssen.

Bevor jetzt Klagen im Kommentarbereich kommen, wie man dazu kommt, Kinder in eine Art „Kosten-Nutzen-Schema“ zu pressen: Es sind nicht die Kinder, mit denen das gemacht wird. Es ist die Situation. Und es ist nicht das gezahlte Geld, dass einen Indikator für die Liebe eines Vaters darstellt. Dieser Artikel beschreibt Emotionen. Enttäuschte Hoffnungen. Zugefügte psychische Schmerzen. Ärger und Wut. Vom Staat ungebremste Unfairness zwischen Partnern, die sich gegenseitig mal viel bedeutet haben, wovon kein Funke mehr zu erkennen ist.

Und auch diese Gefühle und Ansichten haben ihre Berechtigung. Schlaumeiereien, wie man etwas zu sehen, „richtig“ zu interpretieren hätte, helfen da nicht weiter.

Es geht nicht fair in den Dingen nach einer Trennung. Und auch, wenn es ein abgedroschener Hinweis ist: Würde das Frauen wiederfahren, was Männern (Vätern) wiederfährt, wäre es längst geändert.

Es bleibt die Hoffnung auf das Wechselmodell und dass staatliche/öffentliche Stellen ihre einseitige Unterstützung mehr und mehr verlassen (und das dies nicht nur auf dem Papier passiert).

 

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3 Kommentare zu „Reformbedürftig: Die Situation mit Kindern im Fall einer Trennung“

  1. „Warum schafft man sich Kinder an?“

    Auch wenn es blöd klingt, der Hauptgrund war, dass ich Angst hatte etwas zu verpassen. Dass außerdem der Kinderwunsch für meine Frau groß war, hat sicherlich auch eine Rolle gespielt. Bei mir kamen Vatergefühle erst dann richtig auf, als es soweit war. Aber wenn man ersteinmal emotional in ein solch kleines Wesen investiert hat, will man natürlich auch teilhaben an der weiteren Entwicklung der Kinder. Aber das ist ja nur eine Seite. Die andere Seite ist ebenso, dass Kinder nachweislich davon profitieren, wenn Väter stärker einbezogen werden. Neben den Eltern gibt es dann mitunter auch noch andere Beteiligte, z.B. Großeltern oder Cousinen und Cousins. Also insofern ist das Wechselmodell im Zweifel zu bevorzugen.

    Ich würde allerdings gerne etwas eher anfangen nachzudenken, nämlich dass Kinder auch Verantwortung bedeuten. Und das allerbeste für die Entwicklung der Kinder ist sicherlich eine stabile Familie ohne getrennte Eltern. Die Leichtigkeit, mit der heutzutage Beziehungen mit Kindern beendet werden überrascht mich immer wieder aufs Neue. Ich glaube, dass wir hier auch einen grundlegenden Paradigmenwechsel brauchen. Trennung ist i.A. eine deutliche Verschlechterung für alle Beteiligten.

  2. ich glaube, die meisten leute bekommen kinder ohne groß darüber nachzudenken, welche verantwortung das mit sich bringt. sie bekommen einfach kinder, weil das nun mal normal ist und weil sie nicht schief angeschaut werden möchten oder weil sich das der partner (wahrscheinlich meist eher die frau) so sehr wünscht. eigentlich ist es was gutes, dass das kinderkriegen so selbstverständlich ist, aber heutzutage brechen familien nun mal so wahnsinnig leicht auseinander, dass diese bedenkenlose einstellung definitiv ein fehler ist. gerade männer sollten heutzutage echt aufpassen, mit wem sie eine familie gründen. gleichzeitig müssen sie aber auch mehr auf ihre familie acht geben, denn meiner persönlichen erfahrung nach sind es meist die männer, deren fehlverhalten am auseinanderbrechen der familie hauptverantwortlich ist.

  3. Warum schafft man sich Kinder an?

    Ich fürchte, da gibt es keine richtige Antwort drauf.
    Als meine damalige Freundin mir eröffnete, schwanger zu sein, war ich 34 Jahre alt, hatte mir nie Gedanken über Elternschaft gemacht, war arbeitslos und versuchte mich als Freiberufler.
    Mein Inneres sagte sofort „Ja“ zum Kind, allerdings ohne Verklärung. Mir war die Herausforderung und die damit verbundene Verantwortung sofort im vollen Umfang klar.
    Was kommt, weiß kein angehender Vater. Man kann sich nur auf die Zukunft vorbereiten, so wie man sich als Skiläufer auf eine Abfahrt auf unbekanntem Terrain vorbereitet.
    Mir war auch klar, dass die Zeit mit meinen Kindern begrenzt sein würde, weil die angehende Mutter extrem unausgeglichen und egozentrisch war, Uni-Absolventin, in fast irrsinniger Hassliebe zu ihrem Vater gefangen, dem sie nacheiferte, aber auch – in mir – bekämpfte. Sie wollte Mutter sein, aber auf keinen Fall Hausfrau, doch ständig beim Kind, …
    Kurz, das Leben mit ihr war sehr anstrengend.
    Auf der anderen Seite war es eine unvergleichliche Bereicherung, meine beiden Jungs (nach zwei Jahren kam noch ein zweites Kind dazu) auf ihren ersten Schritten ins Leben zu begleiten und die Welt mit ihren Augen neu zu entdecken. Ich möchte keine Minute dieser Zeit missen.

    Als der Große vier Jahre alt war, packte die Mutter die Kinder ein und zog aus, während ich bei der Arbeit war. Mit bewundernswert durchdachter Planung nahm sie, die sonst nichts in ihrem Leben auf die Kette kriegte, dabei alles mit, was sie für ihr neues Leben brauchte.
    Fortan war ich – nichtehelicher Vater – Besuchs- und Zahlonkel, den sie genau, wie die Kinder behandeln konnte.
    Da JA trieb gleich diensteifrig den Unterhalt ein und setzte einen Titel auf, war vollkommen desinteressiert an meinem Wunsch auf Fortsetzung meiner Vaterfunktion. Wieviel ich davon umsetzen konnte/durfte, stellte die Behörde ins Ermessen der Mutter.
    Meiner Ansicht nach gibt es hier einen entscheidenden Webfehler der JÄ. Man kann nicht einerseits als Interessensvertreter der Mütter Unterhalt eintreiben und sich zeitgleich als Mediator beim Elternkonflikt anbieten.
    Wer auf Wunsch der Mutter Geld eintreibt und den Wunsch des Vaters, weiter am Leben der gemeinsamen Kinder teilhaben zu wollen, ignoriert, hat ein schwerwiegendes Glaubwürdigkeitsproblem.
    Kaum besser ist die Moral der Justiz, die von Trennungsvätern in erster Linie als Faust der Mütter wahrgenommen wird.
    Seit einigen Jahren können Familienrichter sich auch als Mediatoren anbieten. Doch welcher Vater traut einer Institution, von der er kurz zuvor nach allen Regeln juristischer Kunst über den Tisch gezogen und ohne kindeswohlgefährdender Indikation entsorgt wurde?

    Der deutschsprachige Raum bildet familienrechtlich im europäischen Vergleich seit bald zwei Jahrzehnten das Schlusslicht. Wenn sich die Lage der Väter in den letzten 10 Jahren (zweifellos) verbessert hat, dann nicht, weil sich die deutsche Justiz an Normen des Grundgesetzes oder gar der Menschenrechte erinnerte, sondern weil sie einerseits aus Strasbourg vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gezwungen wurde, andererseits zunehmend Druck aus den Reihen der sog. „Zweitfrauen“ erfuhr.

    Als Menschen an sich werden Väter immer noch nicht wirklich wahrgenommen, wie die beiden obersten deutschen Gerichte in Karlsruhe eindringlich belegen.

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