Fundstück: Voice of Baceprot, die Metalband aus Indonesien

Ein blindes Huhn trinkt auch mal ’nen Korn, und sogar The Guardian hat mal einen interessanten Artikel, nämlich über die Metalband „Voice of Baceprot“ alias VoB. Ich möchte dazu gar nichts lang schreiben, denn die Musik spricht für sich. Ein jeder konsumiere selbst die Popkultur:

VoB (Voice of Baceprot): The Enemy of Earth is You (live studio session Gua Berduri)

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Manspreading-Alarm in Madrid

Wie im guten alten 16. Jahrhundert erreicht uns das Gold aus Amerika über Spanien. Der spanische Verkehrskonzern EMT untersagt „Manspreading“ (also breitbeiniges Sitzen von Männern in der Öffentlichkeit) und schließt sich damit dem neusten feministischen Moraltrend aus der Neuen Welt an. Nachdem spanische femi-Aktivisten(die nach manchen Quellen ‚Mujeres en Lucha‘ und nach manchen Quellen ‚Microrrelatos Feministas‚ heißen) über eine Online-Pedition Stimmung gegen das patriarchale Ritual des „Manspreading“ gemacht haben, ist der Stadt-eigene (nicht private!) Verkehrsbetrieb EMT am 7. Juni darauf eingegangen und schmückt von nun an die Busse der spanischen Hauptstadt mit Warnschildern, die ein Männchen dabei zeigen wie es breitbeinig sitzt (während daneben frei ist) und zeigt durch ein Kreuz an, dass das Männchen sich falsch verhält. Gemütlich machen verboten, besonders für Männer? Na gut; darunter steht „Respektier den Platz der anderen“. Man kann das Schild also auch einfach nur so interpretieren, dass es EMT darum geht, grundsätzlich das -in der Tat störende- Verhalten zu unterbinden, dass sich Fahrgäste (egal ob männlich oder weiblich oder Apache-Helikopter) zu sehr ausbreiten (egal ob durch breitbeiniges Sitzen der Herren oder Handtasche abstellen bei den Damen oder Rotorblätter umherwirbeln bei den Apache-Helikoptern) und anderen Fahrgästen damit den Platz wegnehmen. Doch diese Interpretation wäre leider nur die halbe Wahrheit. Denn EMT und die Madrider Stadtverwaltung möchten dies explizit als Kampf gegen „Manspreading“ und als „Gleichstellung“ verstanden wissen. „Die EMT hat die Initiative in Zusammenarbeit mit der Gleichstellungsbehörde der Stadt Madrid ins Leben gerufen.“, schreibt die WELT, welche die Maßnahme übrigens angemessen findet (war’n die nicht irgendwie konservativ oder so?) und der amtliche Twitterkanal der Stadt stellt dies unter #manspreading.

Was ist so schlimm daran? Fahrgäste offiziell aufzufordern, anderen genug Platz zu lassen, ist in Ordnung. Aber das Fehlverhalten zu gendern, wie es beim Kampf gegen „Manspreading“ passiert, ist ungerecht. Erstens wird mit zweierlei Maß gemessen, da vergleichbares Verhalten bei Frauen ja ok zu sein scheint und zweitens bekämpft die Aktion nicht direkt das Wegnehmen von Platz sondern eine bestimmte Sitzhaltung an sich, gerade weil sie bevorzugt von Männern eingenommen wird und als „Dominanzgebaren“ oder dergleichen Unsinn interpretiert wird, egal ob damit tatsächlich jemanden der Platz weggenommen wird oder nicht. Und das nenne ich staatliche Schikane von Männern. Oder im Jargon der Maskulisten: sexistische Diskriminierung.

Bei Ze.tt (gehört zu ZEIT-Online) kommentiert übrigens der unvergleichlich stupide Till Eckert, der uns schon mit seinem Jahrhundertwerk  „Wie Männer den Feminismus unterstützen können“ viele tragikomische Minuten beschert hat.

Wer spanisch kann, sollte sich auch auf jeden Fall mal die offizielle Website der Madrider Stadtverwaltung zu Gemüte führen:

https://diario.madrid.es/

Feminismus und Kampf gegen „Macho-Gewalt“ scheinen dort für die linke Stadtregierung (Podemos und PSOE unter Bürgermeisterin Manuela Carmena) explizit Staatsraison zu sein. Aber mein Spanisch reicht nicht aus um da tiefer einzudringen.

 

Kurznachrichten vom 09.06.2017

1: Tamara Wernli beschäftigt sich zum zweiten Mal in der Basler Zeitung mit „Toxischer Männlichkeit„, nachdem eine Studie herausgefunden hat, dass Frauen mit männlicheren Partnern zufriedener sind.

Das von Studienleiterin Andrea L. Meltzer auf zwölf Seiten dargelegte Resultat offenbart, dass Frauen mit Ehemännern, die sich selbst anhand ihres Verhaltens als männlich einstufen, um den Eisprung herum zufriedener mit ihren Partnern sind als Frauen mit weniger maskulinen Ehemännern.

Wernli meint dazu:

Die Tatsache, dass wir Frauen ausgerechnet während unserer biologisch wertvollsten Zeit – dann, wenn wir nichts weniger tun, als den Fortbestand der Menschheit zu sichern – mit maskulinen Partnern zufriedener sind als mit verweichlichten, lammfrommen Stubentigern, dürfte sich für «Gender Studies»-Professoren anfühlen wie eine zu eng gebundene Fliege.

Ihr erster Beitrag zum Thema von voriger Woche ist ebenfalls lesenswert.

2: Ebenfalls ein Beitrag zur Verteidigung von wohlverstandener Männlichkeit kommt von Ben Shapiro:

But boys want to become men; men want to be men. As Christina Hoff Sommers points out: “Most boys evince healthy masculinity. . . . telling a boy to ‘man up’ can be harsh and degrading. But teaching him to ‘be a gentleman’ is another matter.”

If men are not told to be “gentlemen,” some will be emasculated, but more will become destructive men. If men are not trained by good men, they will be trained by bad men; if they have no good males to follow, they follow bad ones.

3: Noch eine Studie. Sie will herausgefunden haben, dass Männer – aufgepasst – auf untreue Frauen stehen. Hat das das Potential, das Weltbild von Feministinnen zu erschüttern, nach deren Lesart Männer nichts lieber tun, als Frauen im Ehejoch zu unterdrücken und eifersüchtig auf ihr sexuelles Monopol auf eine Frau pochen? Nun ja, gemach, gemach. Die Studie beruht auf einer Umfrage des Dating-Portals „Victoria Milan“, das man auch eher in die Casual Sex und Seitensprung-Schiene einsortieren dürfte. Insofern betreibt „Victoria Milan“ eventuell schlicht Werbung in eigener Sache.

Vielleicht haben da ein paar Beteiligte nicht ganz verstanden, dass es natürlich auf die Situation ankommt, in welcher Männer Untreue von Frauen gut finden und in welcher nicht. Wenn es um unverbindlichen Sex geht, ist Untreue kein Problem. Warum auch, erhöht sie doch die Chance darauf, dass es überhaupt zum Sex kommt. Geht es allerdings um eine langfristige Partnerschaft, sieht es ganz anders aus. Also einfach das gute alte Hure-Heilige-Prinzip, sprich der Versuch der Optimierung des Verhältnisses von Fortpflanzungschance im Verhältnis zum notwendigen Ressourcenaufwand. Ich weiß nicht, was daran so schwer zu verstehen ist.

4: Katrin Göring-Eckhardt (Grüne) hat bei der Kundgebung zum Christopher-Street-Day in Hannover für Konservative, die Bedenken gegen die sog. „Ehe für alle“ haben, folgenden Satz übrig:

„Diese Leute sind nicht homophob, das sind einfach Arschlöcher“

Roger Letsch kommentiert das auf seinem Blog Unbesorgt.

Mit Verlaub, das ist schon nicht mehr öko- oder in dem Fall genderpopulistisch, das ist schlicht ordinär. Das sind dieselben Leute, die anschließend wieder von Verrohung der Sitten im politischen Geschäft schwafeln. Dieses Umsichwerfen mit Verbalinjurien ist aber auch bezeichnend für die Situation der Linken und Grünen. Man wähnt sich so dermaßen auf der moralisch richtigen Seite, dass man Argumentieren gar nicht mehr für nötig hält und meint, es reiche stattdessen, Andersmeinende herabzusetzen oder in die rechte Ecke zu stellen. Die letzten Wahlergebnisse zeigen allerdings, dass dieses Konzept an seine Grenzen gestoßen ist. Wenn Linke auf dieser Schiene weitermachen wollen, werden sie auf Dauer nur noch mehr Rückhalt in der Bevölkerung verlieren.

Update: Was ich eigentlich auch fragen wollte: Gilt das auch für Muslime, die die „Ehe für alle“ ablehnen, Frau Göring-Eckhardt? Ist das nicht ein wenig islamophob?

5: Hagen Grell unterhält sich in einem neuen Video mit dem Verführungscoach Maximilian Pütz, unter anderem über die Hetzjagd auf Xavier Naidoo und den Film „The Red Pill“.

Rastavati und die alltägliche Verneinung von männlichen Leistungen, Bedürfnissen und fehlender Empathie mit dem falschen Geschlecht

Christian hat gerade wieder einen interessanten Artikel aus SpOn gefischt. Dort wischt eine Autorin mal eben mit Ansage alle Statistiken und Zahlen zum Thema Jungenbenachteiligung in der Schule vom Tisch und ersetzt sie durch ihre eigene anekdotische Betrachtung ihrer eigenen Töchter, die dann natürlich viel größere Probleme haben. Die Kommentatoren rücken ruckzuck die Sache ins rechte Licht, aber es wundert mich immer wieder, wieviele einseitige Artikel in unseren „Qualitätsmedien“ problemlos veröffentlicht werden können.

Während ich nun über einen anderen Artikel in SpOn schreibe, haben die Kommentatoren auf SpOn ausnahmsweise anscheinend versagt. Und doch ist der Artikel mal wieder ein Paradebeispiel wie sehr Männer- und hier Väterfeindliche Betrachtungen problemlos abgesondert werden können. 1964 bringt eine weiße Deutsche nach einem One Night Stand mit einem Schwarzen eine Tochter zur Welt. Erst 2012 findet diese mit Hilfe ihrer eigenen Tochter ihren Vater. Ein schöner Artikel über ein spätes Kennenlernen, gespickt mit Anekdoten und natürlich einigen rassistischen Erfahrungen. Die Männerfeindlichkeit erschließt sich mit aller Geballtheit wenn man sich den Artikel mal genauer anschaut. Was ich hiermit tun möchte. Triggerwarnung: Es wird traurig. Spuren von Wut könnten beim Leser hinterlassen werden. Lest ihn Euch am besten erstmal selbst durch.

Helga ist seit einem ONS mit einem Schwarzen alleinerziehende Mutter in den 60ern. Sie weiß vom Vater nicht mal den Namen, er nichts von seinem Glück.

Mit ihrem Temperament eckte Juttas Mutter Helga Nielsen damals überall an, auch bei der Witwe, in deren Villa sie zur Untermiete wohnte. Um nicht samt Tochter auf der Straße zu landen, beschloss die 21-Jährige, ihr Leben in geordnete Bahnen zu lenken.

Was beschließt Helga? Eine Ausbildung, eine eigene Wohnung, einen Beruf? Den unfreiwilligen Vater zu informieren, daß er die Chance bekommt seine Tochter kennenzulernen oder wenigstens seiner Verantwortung (sprich: monatliche Unterhaltszahlung) nachzugehen?

Ein Ehemann musste her. Für eine Alleinerziehende mit dunkelhäutigem Kind keine leichte Aufgabe. Doch sie wurde fündig: Hans, weißblondes gescheiteltes Haar, türmte als Inhaber von Lebensmittel Lüdemann jeden Morgen akkurat seine Südfrüchte zu Pyramiden auf.

Noch jemand, der die tapfere Alleinerziehende ob ihrer schweren Aufgabe bedauert? Ihren pragmatischen Ansatz und ihre geschickte Lösung bewundert? Sicherlich nicht die Vielzahl von Alleinerziehenden, die einen schweren aber eigenverantwortlichen Weg gefunden haben, sich ihren eigenen Lebensentscheidungen zu stellen.

Mit Jutta zog Helga Nielsen in seine Wohnung und wurde, was sie niemals sein wollte: eine Hausfrau. Abends sahen sie gemeinsam die „ZDF Hitparade“, spazierten am Wochenende in Sonntagskleidern durchs Städtchen.

Die arme, vom Patriarchat unterdrückte Frau. Hitparade! Welch perversen Gelüste ihres Mannes sie doch befriedigen mußte. Und das alles für das bisschen Vollversorgung. Prostitution scheint nicht nur im Gegensatz hierzu ein ehrenwertes Geschäft zu sein. Mit handfesten Vorteilen für beide Vertragspartner. Und keine Prostituierte ist gezwungen, sich die Hitparade anzuschauen. Sie hätte sogar sorgen- und kondomfrei Party feiern und rumvögeln können! Man bemerke, von solch lapidaren Dingen wie Liebe ist bisher und auch im folgenden keine Rede. Man kann jedoch aus der Geschichte schließen, dass sie zumindest beim Stiefvater groß war. Neben den typisch toxischen männlichen Eigenschaften wie Verantwortungsübernahme und Opferbereitschaft.

Selbstverständlich sei sie die Mutter, versicherte Helga Nielsen der Tochter, gestand aber auch, wer ihr leiblicher Vater sei: ein Mann aus „Tschömeika“, der „Oin“ heiße und begnadeter Saxofonspieler sei. Sie habe ihn nur einmal in einer Bar mit seiner Rock’n’Roll-Band spielen hören und sei dann noch mit ihm um die Häuser gezogen. Mehr wisse sie auch nicht. Nicht mal seinen Nachnamen.

..und ignoriert das Recht ihres Kindes auf Identität und Wissen um ihren Vater und ihre Abstammung konsequent. Und natürlich die Rechte des leiblichen Vaters. Was kümmert mich mein Fick von vor 10 Jahren?

Der hasste nichts mehr, als von irgendwelchen Leuten auf die Hautfarbe seiner Tochter angesprochen zu werden. Dann brummte er nur, seine Frau habe in der Schwangerschaft eben „zu viel Lakritz gegessen“.
Es waren die frühen Siebzigerjahre. Was „sich gehörte“ und was nicht, war streng geregelt. Ledige Frauen waren „sitzen geblieben“, Verheiratete hatten ihre Männer zu bewirten, Väter stellten die Regeln auf und Kinder keine Fragen.

Er hasste es. Er war wahrscheinlich froh, wenn er auf der Straße auf Bekannte traf, die wußten, daß seine Frau ihm keine Hörner aufgesetzt hat. Aber dieser Aspekt der Siebziger fällt natürlich unter den Tisch. Verheiratete hatten ihre Männer zu bewirten. Insbesondere dann, wenn der Mann das Geld ranschafft wäre das das mindeste. Hätte Helga gleichberechtigt zum Familieneinkommen beigetragen, wäre das im Artikel erwähnt. Goldenes Patriarchat, in der die Väter die Regeln aufstellen. Dumm nur, daß schon in den Siebzigern, im Himmelreich des Patriarchats diese Regeln doch eher den Frauen zugute kommen.

Zu dieser Zeit verdrängten neuartige Supermärkte die kleinen Lebensmittelgeschäfte. Auch der Stiefvater musste seinen Laden schließen und wurde Vertreter für Nylonstrumpfhosen. Seinen Frust ertränkte er im Alkohol und brüllte zu Hause immer öfter herum.

Man bemerkt, weiterhin keine Rede von der Berufstätigkeit des Opfers der Mutter. Seinen für Qualitätsmedienjournalistinnen anscheinend nicht nachvollziehbaren Frust verarbeitete er nicht indem er Frau und Stieftochter sitzen läßt und sich in Indien ein bequemes Leben macht. Indem er einfach nur für sich selbst sorgt. Nein, er macht weiter trotz Frust und wird alkoholkrank.

Mit der Pubertät wuchs die Sehnsucht nach ihrem leiblichen Vater. Gern stellte Jutta ihn sich auf der fernen Karibikinsel vor, pfeifend in einer Hängematte zwischen Palmen – und hoffentlich kein dauerbekiffter Rastafari. Ein paar Mal noch fragte sie ihre Mutter, aber die blockte ab. Irgendwann hörte Jutta auf zu fragen, auch weil sie Angst hatte, ihren zunehmend cholerischen Stiefvater zu kränken.

Ein weiterhin völlig verantwortungslose Haltung auf Seiten der Mutter, die natürlich nicht kritisch hinterfragt wird. Die Erwähnung des im Text ansonsten sehr farblos bleibenden Stiefvaters beschränkt sich auf negative Eigenschaften. Aber was soll er auch sagen? Immerhin war er nicht dabei als sie gezeugt wurde.

Zum Abschied machte ihr der Stiefvater eine kuriose Offenbarung. Er gestand, auch wenn das womöglich etwas hart für sie sei: „Ich bin nicht dein richtiger Vater!“

Der saufende Choleriker, der Hitparadenperverse Stiefvater hat all die Jahre zu seiner Tochter gestanden. So sehr, daß er es fast selbst geglaubt hatte. so sehr, daß er sich anscheinend nie als etwas anderes als ihr richtiger Vater gefühlt hat und ihr nun etwas beichten muß.

Mit bald 50 Jahren dachte sie nur noch selten an ihren Vater: so aussichtslos, ihn jemals zu finden. Ihre Kinder jedoch interessierten sich brennend für den unbekannten Opa, begeisterten sich für Rastafari-Kultur und Reggae, spielten Saxofon oder flochten sich die Haare zu Rastazöpfen.

Ob sie noch an ihren Stiefvater dachte? Ob sich die Kinder auch für ihren echten, ihren Stiefopa interessierten? Wir werden es nicht erfahren, denn dieser Teil der Geschichte um arme Mütter und diskriminierte Farbige ist für die Autorin komplett irrelevant. Schade.

Jutta Weber aber beschlich das gute Gefühl: Ihre Eltern hatten in jener Nacht im Jahr 1963 letztlich alles richtig gemacht.

Nun ja. Sie haben es miteinander getrieben. Ob der leibliche Vater gerne die Chance gehabt hätte, etwas richtig zu machen? Wieviel die Mutter in der Folgezeit richtig gemacht hat?

Es hätte eine schöne Geschichte werden können. Ein Kennenlernen zwischen Vater und Tochter nach 50 Jahren. Eine schwierige Kindheit als Farbige in den spießigen Siebzigern. Aber auch eine romantische Liebe zwischen Mutter und Stiefvater, trotz vielleicht ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten, trotz widriger Umstände, unfreundlichen Zeitgenossen und wirtschaftlichen und gesundheitlichen Problemen. Liebe die auch zwischen der Tochter und ihrem sozialen Vater gedeihen kann. Eine klassische Ende-Gut-alles-gut-Geschichte wie aus einem Frauenroman.

oder wie es ein Kommentator im SpOn-Forum formuliert:

6. Viel zu wenig
wird auf die überragende und selbstlose Lebensleistung des deutschen Stiefvaters eingegangen, der sich der endlosen Lebensaufgabe ein fremdes Kind aufzuziehen in typisch männlicher Selbstaufgabe hingegeben hat. Und das obwohl sie offensichtlich nicht seines sein konnte. Das ist das eigentlich rührende an der Geschichte. Viel zu wenig auf den kaltherzigen Egoismus und die Dummheit der Mutter. Wieso werden solche Geschichten immer so falsch erzählt?

Kurznachrichten vom 01.06.2017

1: Der Schlager der Woche in geschlechterpolitischer Hinsicht ist natürlich der Wechsel im Ministerium für alle außer Männer (=BMFSFJ). Manuela Schwesig verlässt den Ministerposten, durchbricht eine weitere gläserne Decke und wird Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern. Sie wird also quasi die Vorpommeranze.

Ihr folgt Katharina Barley (ebenfalls SPD) im Amt der Familienministerin. Der Tagesspiegel schreibt:

Ihre Aufgabe sieht sie dabei vor allem im Kampf um grundsätzliche Haltungen. In den knapp vier Monaten bis zur Bundestagswahl gebe es keine großen Gesetzgebungsvorhaben mehr, sagte Barley am Dienstag in Berlin. Aber es gebe laufende Projekte und „vor allem die große Linie, die gesellschaftspolitische Linie, und um die geht es.“ Wie man zu Gleichberechtigung, Vielfalt und Demokratie stehe, sei eine „grundsätzliche Frage“.

Mit anderen Worten: Es wird sich nichts groß ändern. Für Männerbewegte eher eine schlechte Nachricht. Es war aber auch nichts anderes zu erwarten, solange die SPD dieses Ministerium besetzt hält.

2: Menstruation ist völlig unnötig und nur eine fiese Verschwörung der vermaledeiten Fleischesser, findet eine vegane Feministin. Durch Veganismus könne frau sich davon befreien, berichtet die Brigitte, deren Journalistin anscheinend nicht ganz davon überzeugt ist.

3: Katrin Göring-Eckhard begrüßte auf dem gerade beendeten Kirchentag Zuhörer mit der Ansprache „Liebe Kinderinnen und Kinder“ und kassierte dafür einen Shitstorm. Daraufhin beteuerte sie, dass sie das doch gar nicht ernst gemeint habe. Das sei „Selbstironie“ gewesen. Nun ja, immerhin kommt es in letzter Zeit nicht nur bei AfDlern vor, dass man hinterher darauf besteht, das wäre ja alles anders gemeint gewesen. Auch die Politkorrekten hauen einfach mal nen Spruch raus (Margot Käßmann!) und hinterher ist man eben absichtlich missverstanden worden. Man sollte allerdings als politischer Beobachter schon sehr darauf achten, wer wem was durchgehen lassen will und wem nicht. Ein wirklich vernünftiger, ausgewogener Beitrag zum Thema Käßmanns kleinem Arierparagraphen kam übrigens von Gerd Buurmann.

4: Das „guerilla sculpting“ in der New Yorker Wall Street geht weiter. Eine feministische Bildhauerin hatte vor einigen Monaten eine Skulptur namens „Fearless Girl“ einer anderen Skulptur eines kraftvollen Bullen gegenüber gestellt, wodurch sich dieser Bildhauer beleidigt fühlte, weil die zweite Skulptur die positive Ausstrahlung seines Bullen in eine negative verwandele (m.E. zurecht). Pikant an der Geschichte war, dass beide Bildhauer keine Genehmigung zum Aufstellen von der Stadtverwaltung eingeholt hatten. Soweit zur Vorgeschichte.

Jetzt hat ein dritter Bildhauer eine dritte Skulpur hinzugestellt, um wiederum das „Fearless Girl“ lächerlich zu machen, nämlich einen kleinen Hund, der ihr ans Bein pinkelt.

pissed_fearless_girl

Das finden jetzt allerdings einige Frauen frauenfeindlich:

But many female passers-by Monday said “Fearless Girl” has come to represent women taking on Wall Street — and just about anybody else standing up to financial firms — and that Gardega’s peeing dog is misogynistic.

Ich find’s ok. Wer austeilt, muss auch einstecken können. Zur Gleichberechtigung gehört, dass das auch Frauen nicht erspart bleibt.

5: Onyx macht sich mal wieder zum Horst. Zitate aus dem Zusammenhang reißen, nicht verlinken, damit auch keiner ihre Behauptungen überprüfen kann, erst behaupten, dass niemand einem Statement in einem Blog-Kommentar (das nur sie verwerflich findet und alleine ausreichend, um die ganze Männerrechtsbewegung zu „entlarven“) widersprochen habe, dann zurückrudern mit der Einschränkung, dass niemand SOFORT widersprochen hat, oder halt nur lau. Will aus einer Mücke einen Elefanten machen, hat aber allenfalls den Mückenschiß dazu. Wie man das eben von Onyx kennt. Ach, wer sich den Quatsch antun will, selber nachlesen…

6: Bei den Störenfriedas leidet eine Autorin namens Nimue unter dem „manspaining“ ihres Freundes, der sich als „misogynes Arschloch“ herausstellt, weil er ihr einen Tipp gibt, wie sie ihre Vagina in fortgeschrittenem Alter in Form hält. Leider findet sie später heraus, dass er dummerweise recht hat und sie diese Info vorher von ihrer (evtl.) inkompetenten Frauenärztin nicht bekommen hat.

Warum hat mir das meine Frauenärztin nicht gesagt? Warum weiß ich das nicht über meinen eigenen Körper? Warum muss mich mein Freund darüber aufklären und damit meiner berechtigten Kritik an seinen Vorstellungen einer engen Vagina jede Grundlage entziehen?

Schuld an alledem ist danach dann weder ihre Frauenärztin noch ihre Faulheit, ein paar der in die Hunderte oder Tausende gehenden Aufklärungsbücher, die sich auf dem Markt befinden, zu lesen, sondern das „ständige, vollinvasive Vorgehen der Gynäkologie“, das „Ausdruck männlicher Gewalt über Frauenkörper“ ist. Schuld ist natürlich auch die Pornoindustrie, die falsche Vorstellungen verbreitet. Ach was? Und ich dachte immer, das seien seriöse Dokumentarfilme!

Also, wenn ich das richtig verstehe, übt ihre Frauenärztin durch ihr Nichtwissen männliche Gewalt auf sie aus. Kann man so sehen. Oder auch nicht. Ein wirklich amüsantes Beispiel von Realsatire.

7: Wieder ein wenig off topic: Der linke Philosoph Slavoj Žižek lässt sich in der NZZ (wo sonst) über Political Correctness aus, speziell in der Queer-Szene. Durchaus lesenswert:

Ironischerweise ist nun bei diesem Umzug die Vergangenheit fast spiegelbildlich verkehrt. Jetzt ist es die Heterosexualität, die geduldet ist, wobei erwartet wird, dass die heterosexuelle Mehrheit ihre Präferenzen nicht mehr mit allzu viel Stolz zur Schau stellt. Dies würde sofort als heterosexistisch denunziert. […]

Alle haben sich an die offizielle Sprachregelung zu halten, alle haben das angeblich subversive Potenzial alternativer, in Wahrheit jedoch privilegierter Lebensentwürfe zu loben und zu preisen.