Meinungsmanipulaton a la ZAPP

Dieser Artikel ist (fast) Off Topic, aber da wir uns hier ja auch oft genug mit Meinungsmanipulation herumärgern müssen, passt es eben doch so am Rande. Mir ist da nämlich so ein hübsches Stück aufgefallen.

Wer das politische Tagesgeschehen einigermaßen verfolgt, hat sicherlich die Aufregung um die von Arte und WDR zurückgehaltene und nicht gezeigte Dokumentation über Antisemitismus „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“ mitbekommen. „ZAPP – Das Medienmagazin“ vom NDR berichtet über das Geschehen, regt sich aber weniger über den Inhalt auf als darüber, dass BILD den Film für einen Tag auf seiner Website trotzdem gezeigt hat, obwohl BILD keine Rechte daran hatte. Frech, findet das Redakteurin Anja Reschke.

Und da auch Frau Reschke die Doku anscheinend nicht gefällt und man als ZAPP-Redaktion wohl den befreundeten öffentlich-rechtlichen Sendern Schützenhilfe geben will, muss man der offiziellen Begründung für das Zurückhalten, die Dokumentation sei „unausgewogen“, ein wenig nachhelfen. Die Schwierigkeit liegt darin, einen Film über Antisemitismus zu diskreditieren, ohne sich selbst des Vorwurfs des Antisemitismus bzw. dessen Verharmlosung auszusetzen. Da muss man schon sehr subtil vorgehen. Aber hey, man ist ja schließlich ein Fernsehsender, hat das entsprechende Filmmaterial und was liegt da näher, als dieses einfach passend zu schneiden?

Am Anfang des Ausschnittes von ZAPP wird die Rede von Mahmud Abbas vor dem Europäischen Parlament gezeigt und der Vergleich, den der Film mit dem Nazi Julius Streicher zieht. So wie ZAPP das geschnitten hat, sieht es für den Zapp-Zuschauer natürlich so aus, als wäre dieser Vergleich völlig überzogen und damit die Doku polemisch und einseitig. Was hat Abbas auch schon großartig schlimmes gesagt in dem Ausschnitt? Dem Off-Kommentar des Dokumentarfilms „Bitte hören sie genau zu!“ ergänzt der ZAPP-Redakteur noch mit „den drastischen Vergleichen“, um den Zuschauer mit der Nase auf den angeblich überzogenen Vergleich mit Streicher zu stoßen.

Aber das, was dazwischen weggeschnitten wurde, ist das eigentlich brisante. Abbas hat nämlich die alte Geschichte von den brunnenvergiftenden Juden wieder aufgewärmt, und das vor dem EU-Parlament. Martin Schulz und viele andere haben am Ende der Rede Abbas applaudiert, Schulz hat die Rede auch noch „inspirierend“ genannt. Natürlich schneidet man das raus, denn damit wird der Vergleich mit der Nazizeit auf einmal viel plausibler. Aber das sind halt so die kleinen dreckigen Tricks, mit denen man was ins schlechte Licht stellen kann und immer noch so tun, als hätte man offen berichtet.

Selbstverständlich gibt es auch die Doku längst im Netz, so z.B. hier. Prädikat: Extrem sehenswert. Mindestens ein Upload auf Youtube wurde allerdings schon wieder blockiert.

Keine Angst, die beiden Szenen sind jeweils ganz am Anfang der Filme. Und falls auch diese Version aus Youtube wieder verschwinden sollte, ich habe längst eine mp4-Kopie auf der Platte.

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4 Kommentare zu „Meinungsmanipulaton a la ZAPP“

  1. Und schon gelöscht!

    „Dieses Video enthält Inhalte von ARD. Dieser Partner hat das Video aus urheberrechtlichen Gründen gesperrt.“

  2. Ebenfalls gelöscht!

    „Doku 2017 – Auserwählt und …“ Dieses Video ist aufgrund des Urheberrechtsanspruchs von ARD nicht mehr verfügbar.

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