Kurznachrichten vom 17.06.2017

1: Bei der WELT gibt es eine Besprechung der Netflix-Serie „Flaked“  mit dem Titel „Das halten Frauen von diesem neuen Typ Mann“. Der „neue Typ Mann“, der in der Serie gezeigt wird, ist der „Narcissist Loser“, also der Typ, der sich auch, obwohl längst der Jugend entwachsen, auf nichts festlegen will, und und stattdessen ohne Job in den Tag hinein lebt. Die Autorin Anne Philippi beschreibt ihn so:

Er hat keine Verwendung für seine Krise, er hat einfach nur eine Krise und wühlt in seinem „deep shit“, eine flapsige Formulierung für psychische Störungen à la L.A. Der „Narcissist Loser“ kann zum Beispiel ganz gut Möbel bauen, aber er macht es nicht. (Weil er ja eine Krise hat.) Er fährt mit seinem Beach Bike zu AA Meetings und wieder zurück. Dazwischen: Drama mit Freundin/Ex-Frau und Kampf mit gentrifiziertem Barista-Mann. Das ist sein Leben.

Philippi schließt dann mit dem Fazit:

Ich habe von „Flaked“ alle Folgen geschaut und empfand ein amüsantes Mitleid für Chip. Ein Gefühl, welches der „Narcissist Loser“ in Frauen auslöst. Achtung Männer, es ist kein gutes Gefühl.

Also Jungs, ihr habts gehört: Hört endlich auf mit dem rumhängen! Sucht Euch endlich eine Frau, für die Ihr Euch nützlich machen könnt! Rein in die Tretmühle, Karriere machen, Häuschen bauen, damit sie sich ohne finanzielle Sorgen in Ruhe selbstverwirklichen und sich bei den Latte-Macciato-Freundinnen – während die Kinder in der Ganztags-Kita outgesourced sind – darüber beschweren kann, dass er so wenig da ist und dann nicht mal 50% vom Haushalt macht. Und wenn er langweilig geworden ist, wird er gegen den nächsten kunstsinnigen Beau ausgetauscht. Kinder und Haus bleiben bei ihr, er darf das weiter finanzieren, ohne nochmal was davon zu haben. Die nächste Frau, die er abkriegt, rätselt dann über seine „Bindungsunfähigkeit“. Sind das etwa keine traumhaften Aussichten, das Loser-Dasein endlich abzustreifen?

2: Comedian Oliver Pocher lästert in seiner Show „Global Gladiators“ allgemein über seine Ex-Frauen und beschwert sich darüber, dass Alessandra Meyer-Wölden, Ex-Frau und Mutter der drei gemeinsamen Kinder, mal eben in die USA gezogen ist, er seine Kinder kaum noch sieht, aber dennoch 660 Euro Unterhalt pro Kind zahlen muss. Die Kommentatorin der WELT, Claudia Becker, findet das gar nicht gut. Zumindest das öffentliche Lästern von Pocher. Und Sharlely „Lilly“ Becker, Ehefrau von Boris Becker, die in der Show ebenfalls mitwirkt, meint zu den 660 Euro:

„Das ist ein Dinner“, sagte Lilly, und meinte vermutlich, dass das doch nicht so viel Geld sei.

Außerdem meint Lilly noch:

Ohne Kindermädchen […] ginge bei ihr gar nichts. Sie bräuchte eine Fulltime-Nanny, weil, alleine mit Amadeus sei ja „absolut keine Zeit für mich selbst“ da.

Ja, wenn man Ehefrau von Boris Becker ist, sieht die Welt eben ganz anders aus.

Einerseits hält sich mein Mitleid mit dem Holzkopf Pocher eher in Grenzen. Andererseits, warum sollte man nicht auch mal in einer solchen Show das Thema getrennte Väter und die Anspruchshaltung von Frauen, die Kinder hätten wie selbstverständlich bei ihnen zu sein, ansprechen? Man muss es ja nicht unbedingt im Stil von Pocher tun. Und: wieviele Promi-Frauen habe ich in Fernsehen schon über ihre Ex-Männer lästern hören, ohne dass sich eine Redakteurin bemüßigt gefühlt hat, dieses zu tadeln?

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8 Kommentare zu „Kurznachrichten vom 17.06.2017“

    1. Oliver Pocher ist gewiss kein Sympathieträger. Bei einem vom Fernsehen finanzierten Entertainer bin ich bei meinen Urteilen über dessen Charakter aber immer vorsichtig. Welche Sprüche originär von ihm sind und welche geskriptet wurden, kann ich nicht sinnvoll mutmaßen. Daher versuche ich bei der Einschätzung seiner aktuellen Situation auch zu vermeiden, dass diese Aspekte meine Einschätzung beeinflusst.

      Letztlich ist er jetzt in der Situation des Zahlvaters über dessen Kopf ständig das Damoklesschwert des Kindesentzugs kreist, wenn er seiner Verpflichtung nicht oder nicht im gewünschten Umfang nachkommt.

      Egal, was ein Mensch vorher getan hat. Eine solche Situation wünsche ich nicht mal meinem schärfsten Feind.

  1. Ich musste bei Punkt 1 an „We are the beautiful ones“ aus dem Sexodus Artikel denken.
    Das berühmte Mausexperiment aus den 60ern, in dem eine Mäusegesellschaft ohne Bedrohung und ohne Nahrungsknappheit kollabiert, sobald zu viele Mäuse da sind, obwohl der Käfig eigentlich noch locker 1000 mehr aufnehmen könnte.
    https://en.m.wikipedia.org/wiki/John_B._Calhoun#Mouse_experiments

    Jordan Peterson betonte mal: „A scared rat is a FAR better model of you than whatever YOU think you are like“

  2. „… er hat einfach nur eine Krise“

    Das ist nichts Besonderes, jeder Mann hat eine Krise, das ist zumindest seit über einer Generation ein Mythos, den die feministische Propaganda den Männern einreden will und den ich seit langem nur noch als psychologische Kriegführung verstehen kann. Das ständige Gerede vom „Mann in der Krise“ habe ich gerade bei der Süddeutschen aufs Korn genommen.

    Bei der Netflix-Serie „Flaked“ würde mich interessieren, ob sich das vor allem Frauen oder Männer ansehen. Frauen vermutlich deshalb, weil sie dann „amüsantes Mitleid“ über „die Männer“ empfinden können und Gesprächsstoff zum Ablästern bei der besten Freundin haben. Ih selber kann mr keinen Grund vorstellen, mir diese sozial konstruierten filmischen Männerfiguren anzusehen.

  3. Einerseits hält sich mein Mitleid mit dem Holzkopf Pocher eher in Grenzen. Andererseits, warum sollte man nicht auch mal in einer solchen Show das Thema getrennte Väter und die Anspruchshaltung von Frauen, die Kinder hätten wie selbstverständlich bei ihnen zu sein, ansprechen? Man muss es ja nicht unbedingt im Stil von Pocher tun.

    Ich finde ihn (bisher) auch nicht sonderlich sympathisch. Und trotzdem war das genau richtig. Ich wüsste auch nicht, wo man hier den Stil bemängeln sollte.
    Ich wüsste auch nicht, inwiefern die Beschuldigte sich nicht rechtfertigen können soll. Sie kann sich ja ebenfalls vor eine Kamera stellen. Pseudoprominent genug dürfte sie wohl sein, dass sich ein TV-Team findet.

    Blödsinnig auch, seine Vorwürfe mit dem Maserati zu relativieren. Natürlich dürfte der Unterhalt aus der Portokasse bezahlt werden. Darum geht es aber nicht. Faktisch entzieht ihm seine Frau die Kinder bzw. erschwert ihm den Umgang, wo es nur geht. Und dafür soll er dann noch Unterhalt zahlen und sämtliche Reisekosten, nur um seine Kinder mal sehen zu dürfen.
    Was passiert, wenn er sich darüber beschwert, hat er ja ebenfalls angedeutet… Die Frau spielt ihre ganze Macht aus und unterbindet jeglichen Kontakt. So ist das im vorherrschenden Patriarchat.

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