feministische Empathie, fehlende Qualitätskontrolle und das Tabu der Kuckuckskinder

Täglich kommen in unseren sogenannten Qualitätsmedien irgendwelche Artikel, die jetzt nicht so ganz falsch sind, aber ideologisch so verzerrt, daß sie eine komplett falsche Sicht transportieren. Feministinnen quaken irgendeinen Unsinn heraus und Qualitätskontrolle ist bei unseren Qualitätsmedien ein Fremdwort. Mal wieder ein Beispiel aus der feministischen Rubrik „10nach8“ (und welche Rubrik ist es nicht?) aus der ZEIT. Mich wundert, dass es überhaupt noch Leserkommentare gibt, das muss denen doch peinlich sein.

Aber der Reihe nach. ZEIT-Autorin Miriam Stein schreibt über Unfruchtbarkeit bei Männern. Tatsächlich schafft sie es, aus einem genuinem Männerproblem erstmal ein Frauenproblem zu machen, indem sie mit dem Leid der Frauen anfängt. Völlig falsch und haltlos postuliert sie die männliche Zeugungsunfähigkeit als Tabu. Erst aus dieser Perspektive heraus schafft sie es, sowas wie Empathie auch für Männer zu entwickeln. Weil „Geteiltes Leid ist halbes Leid“. Dabei bemerkt sie gar nicht, wie nah sie einem tatsächlichen Tabu ist. Dem der Kuckuckskinder. Ein Tabu, das rechtlich zementiert ein massives Problem für Kinder und Väter ist. Muss man Feministin sein, um solch ein Machwerk abzuliefern, oder reicht Doofheit aus?

So wie man früher den Playboy gelesen hat, weil der so tolle Reportagen abdruckte, kann man heute die Zeit eigentlich nur wegen der Leserkommentare lesen. Und daher muss ich mich mit dem Dünnpfiff gar nicht weiter befassen, sondern zitiere einfach die erstbesten Kommentare.

Jose16 #1
Ich hatte immer angenommen die Fruchtbarkeit de Mannes würde als erstes getestet, weil es so einfach geht.

Bizimle #1.1
Kenne ich auch nicht anders. Der Artikel scheint mir nicht zeitgemäss zu sein.

Antwort auf #1 von Jose16

Exakt so ist es auch.

Es ist selbstverständlich auch kein „Tabu“ Thema, sondern vielleicht ein bißchen anrüchig für manche Leute, wie alles was mit Fortpflanzung zu tun hat.

Jeder der in Biologie mal eine Mittelstufe durchlaufen hat weiß dass Unfruchtbarkeit genauso am Mann hängen kann. Das sind trotz aller Untergangsgesänge immer noch mehr als 90% der Leute.

leser500 #11
Der Artikel scheint mir keinen Bezug zur Realität zu haben, Spermauntersuchungen sind der erste Schritt beim Urologen.

Ich vermisse auch die Erwähnung der unschätzbaren Vorteile der Selektion. Das Leben in seiner heutigen Form existiert, weil sich manche Individuen fortpflanzen, und andere eben nicht.

Der kleine Dicke von nebenan #12
Anfürsich ein guter Artikel. Aber eine Bitte hätte ich doch: die Sucht danach, sich als Tabubrecher zu gerieren, ist schon etwas nervig. Dauernd lese ich in der Zeit Sätze wie „XY ist ein Tabu. Das muss sich ändern.“

Liebe Zeit, sind Eure Inhalte so uninteressant, dass ihr sie auf diese Weise aufhübschen müsst?

SprintGT #15
Was soll der Unsinn???
Die gute Dame hat also einen Roman gelesen und meint, dass die Wirklichkeit natürlich genau so aussehen muss.
Das tut sie aber nicht. Wenn Paare keine Kinder bekommen können wird immer auch die Spermienqualität untersucht. Aber hier wird erstmal belegfrei behauptet „Männliche Unfruchtbarkeit bleibt ein Tabuthema“. Warum eigentlich? Weil nicht jeder Mann das Ergebnis einer Spermazählung auf Facebook postet?
Ich kenne mehrere Paare, die gar nicht oder nur mit medizinischer Hilfe Kinder bekommen haben und die sind das Problem ausnahmslos gemeinsam angegangen, was ja wohl auch der einzige richtige Ansatz ist. Ich kenne sogar Männer, die so offen damit umgehen, dass sogar in der Umkleidekabine nach dem Fussballtraining über Spermaqualität diskutiert wurde. Ernsthaft und ohne Herrenwitze, aber das kann sich die Autorin bestimmt nicht vorstellen.
Sie hat ja eine eigene Realität. Hauptsache, mal wieder die Männer als dumme, rücksichtslose Realitätsverweigerer darstellen.

Uups, und hier war der Zensor pinkeln. Es ist ihnen doch peinlich.

Karin Rüttgers #17
Mein Kommentar hier wurde gelöscht.

Das verstehe ich nicht.

Denn ich habe darin lediglich zum Ausdruck gebracht, dass ich den Beitrag in dieser Kolumne angesichts des formulierten Themas erneut als recht anekdotisch und wenig faktenbasiert empfinde und dass ich dies als nicht förderlich für die „weibliche Stimme“ – um deren Stärkung es ja in dieser Kolumne gehen soll – erachte.

Auch der Beitrag, auf den ich geantwortet habe, las ich in dieser Diktion.

Das ist doch freie Meinungsäußerung – oder?

Warum so empfindlich?