Fundstücke: Nachklapp zur NRW-Wahl 2017

Nachdem ich gestern bereits einige Fundstücke zur Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen 2017 gebracht habe und das Thema bei Alles Evolution diskutiert wurde, heute ein wenig Analyse, um einer Dolchstoßlegende entgegenzuwirken. Ich hatte das schon im Artikel „Feindbild weißer Mann“ für die US-Präsidentschaftswahlen und für die österreichische Präsidentschaftswahl gemacht und Jonas hatte das dankenswerterweise für Frankreich übernommen.

Der Legende nach zeigen Männer und Frauen ein vollständig unterschiedliches Wählerverhalten, gemäß dem Mythos, dass Frauen und Männer grundsätzlich gegeneinander kämpfen müssten und würden. Männer wählten angeblich vor allem rechts und Frauen links.

Wie bekämpft man einen solchen Mythos? Ich schlage vor, bei jeder Wahl, für die die Daten vorliegen, die aufzuführen.

Für NRW lieferte diese die Umfrage: Wer wählte wen? (Infratest dimap):

Partei Männer Frauen Differenz F-M
CDU 33 34 +1
SPD 30 32 +2
FDP 13 12 -1
AfD 9 5 -4
Grüne 5 7 +2
Linke 5 4 -1

Alles bis 2% halte ich sowieso für statistisches Grundrauschen oder eine Fehlermarge. Der einzige Blip auf dem Radar wären die leicht höheren Werte bei der AfD für Männer, aber da hört es auch schon auf. Von zwei „klar unterscheidbaren Gruppen“ kann hier nicht die Rede sein. Auch wenn nur Frauen gewählt hätten, wäre die AfD nach diesen Zahlen in den Landtag gekommen.

Der Postillon hat inzwischen in schöner Tradition eine gute Analyse für die SPD vorgelegt: Freundliches Gesicht reicht offenbar doch nicht, um 17 Jahre unsoziale Politik vergessen zu machen

Aktualisierung: Lucas Schoppe mit einer ernsten Analyse.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Bei „Alles Evolution“ wurden bereits Zweifel geäußert, ob die FDP ihren Einsatz für Männer, Väter und Jungen nicht wieder fallenlassen würde, sobald sie an der Macht sei. Nun bin ich ja ebenfalls Pessimist, aber bis das passiert, hat die FDP noch ein männerdiskriminierendes Beförderungsgesetz weniger als Rot-Grün und einen positiven Einsatz im Landtag mehr auf dem Konto!

Walter Scheel: Hoch auf dem gelben Wagen

Advertisements

4 Kommentare zu „Fundstücke: Nachklapp zur NRW-Wahl 2017“

  1. „Alles bis 2% halte ich sowieso für statistisches Grundrauschen oder eine Fehlermarge.“

    Na ja, das mag ja bei der CDU stimmen. Aber die 2 % Unterschied bei den Grünen machen immerhin 28,5 % mehr Frauen als Männer aus, die sie wählen. Und 9% Männer gegenüber 5% Frauen bei der AFD sind 80% mehr. Das sieht schon mehr als signifikant aus.

    1. Ich versuche es noch einmal anders zu erklären: Du bekommst bei solchen Umfragen nie absolut genaue Zahlen, sondern Werte, bei denen Du sagen kannst, dass sie mit XY%iger Wahrscheinlichkeit innerhalb eines bestimmten Intervalls liegen. Seriöserweise wird das bei Statistiken auch angegeben – hier fehlt es.

      Als positives Gegenbeispiel Stackoverflow (hier im Blog genauer besprochen). Da sieht man an den „Schnurrbärten“ die möglichen Schwankungen, d.h. wo die realen Zahlen liegen können.

      Bei politischen Umfragen kann man locker 1-2% Schwankung annehmen. Damit verflüchtigen sich alle Unterschiede, die in diesem Korridor liegen. Im Extremfall (Zahlen bei Männern 2% zu hoch, bei Frauen 2% zu niedrig) gibt es selbst bei der AfD keinen Unterschied mehr.

      Deswegen ist auch Vorsicht geboten mit Prozenten von Prozenten, weil da Unterschiede, die zum Teil nur auf diesen Schwankungen basieren, plötzlich riesengroß werden. Aber selbst im Phantasiefall 2% Männer und 1% Frauen als Wähler einer Partei ist die Angabe „doppelt soviele Männer wie Frauen wählen die Partei“ zwar mathematisch richtig, gibt aber nicht die leicht annehmbare Realität wieder, diese Partei sei „unter Männern sehr beliebt“. Das ist dann das Problem der bedingten Wahrscheinlichkeit.

      Stellen wir uns, das da oben wären nicht Parteien, sondern Blutgruppen. Würde da jemand sagen „Frauen und Männer unterscheiden sich grundsätzlich, was ihre Blutgruppen angeht“?

  2. „Von zwei „klar unterscheidbaren Gruppen“ kann hier nicht die Rede sein.“

    naja, groß sind die unterschiede wirklich nicht, aber tendenzen gibt es. beachte bei der zitierten statistik nicht nur die einzelnen werte für die parteien, sondern das gesamtbild! es ist doch kein zufall, dass frauen überdurchschnittlich spd UND grüne wählen und männer überdurchschnittlich linke UND afd UND fdp. ich wette, dass man bei vergleichbaren statistiken ähnliche befunde haben wird, denn meine persönlichen erfarungen/beobachtungen dazu (alles statistisch unbelegte gefühlte wahrheiten) sind diese:

    – männer wagen es eher als frauen vom politischen mainstream abzuweichen, wahrscheinlich weil sie allgemein risikofreudiger und freidenkerischer (und dementsprechend auch mal radikaler) sind. ( -> erklärt fdp, linke, afd)

    – männer fühlen sich von (wirtschafts-)liberalen parteien mehr angesprochen. das mag an männlichen tugenden wie zb unternehmergeist und selbstständigkeit liegen oder einfach daran, dass mehr männer berufliche selbstständige sind. (-> erklärt fdp und afd)

    – männer fühlen sich von all zu feminstischen parteien abgestoßen und akademikerinnen wählen bevorzugt explizit feministische parteien. (-> erklärt grüne, spd, aber nicht die linke)

    – frauen interssieren sich weit weniger für die klassischen autoritären ideologien (nationalismus, kommunismus) denn diese sind stark von den männlichen tugenden wie heroischer kampf, härte und führer- und geniekult geprägt. außerdem stammen sie geistesgeschichtlich aus einer zeit in der frauen im allgemeinen unpolitisch waren. (erklärt die linke, afd)

    – die cdu spricht seit der merkelschen wende beide geschlechter gleichermaßen an, vielleicht war das sogar davor schon so

    meine persönlichen erfahrungen decken sich also ganz gut mit dieser statistik. vielleicht komm ich ja mal dazu meine thesen systematisch zu prüfen.

    die aufgestellten postulate sind natürlich veränderlich: ist die afd erstmal salonfähig, wird sie viele frauen anziehen. gerade in der islamdebatte kann ich mir gut vorstellen, dass immer mehr frauen richtung islamfeindschaft tendieren werden (wir müssen doch unsere kinder vor den perversen terroristen schützen!!!). sicherlich spielt auch das geschlecht der kandidaten eine rolle. (frauen wählen frauen etc.. so vielleicht im falle Macron-Le Pen, wo frauen le pan bevorzugten)

    1. Kleiner Infosplitter: Frauen sind bereits jetzt muslimfeindlicher als Männer.

      Zum Rest: Ich nehme ebenfalls an, dass es eine Reihe von möglichen Ursachen gibt, warum Männer eine Partei eher wählen als Frauen, und diese Ursachen können gegenläufig sein oder sich verstärken. Mir ging es nur um die gerne vorgebrachte These, dass sich das Wahlverhalten wie Tag und Nacht unterscheiden würde, und das halte ich für Unsinn.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s