Gastartikel: Leszeks Zitatesammlung zur Meinungsfreiheit von Linken

Es freut mich jedesmal, wenn ich durch so etwas relativ Einfaches wie Besprechen und Zitieren von Artikeln gut formulierte Kommentare provozieren kann. Leszek hat in Reaktion auf „Faschismus aus Angst vor den Nazis“ jede Menge Zitate herausgesucht. Das finde ich so gelungen, dass ich die Kommentare alle direkt untereinanderkopiere.

Um Missverständnisse zu vermeiden: Es geht mir nicht um „welche politische Meinung/Richtung ist richtig?“ oder „Wie ist die Linke zu beurteilen?“. Was Leszek hier anbietet, ist eine Kritik der Linken aus einem Weltbild innerhalb der Linken heraus – und das halte ich für eine ganz wichtige Komponente, um einen argumentativen Zangenangriff gegen die Einschränkung der Meinungsfreiheit zu führen.

Bei einigen der Zitate war ich verblüfft, wie klar jemand bestimmte Gedanken schon früher formuliert hat – und wie alt bestimmte Argumente pro Meinungsfreiheit bereits sind. Ein weiterer Grund, sie einmal festzuhalten, denn gerade diese historische Perspektive fehlt allzu oft. So, ab jetzt aber Leszek! 🙂

„Linke stören Vorträge von Leuten, die ihnen politisch nicht passen, sie schreien sie nieder oder wenden Gewalt an. (…) Es ist grotesk: Unter dem Vorwand, den Faschismus zu bekämpfen, wenden junge Leute Methoden an, die nichts anderes als faschistisch sind.“

Hierzu habe ich gerade ein passendes Zitat zum Wert der Meinungsfreiheit von dem frühen Kritiker jeder Form von Political Correctness Theodor W. Adorno aus einer von Adornos Vorlesungen aus dem Jahre 1968.

Vorausgegangen war, dass eine Gruppe von Studenten mit extremen Ansichten und geringer Wertschätzung für die Meinungsfreiheit (vermutlich Leninisten oder Maoisten, aber wohl eher keine Neomarxisten), die Lehrveranstaltung eines anderen Dozenten gestört hatte, den sie für politisch rechts hielten, indem sie diesen niederbrüllten und daran hinderten seine Vorlesung zu halten.

Adorno nutzte daraufhin die nächste Gelegenheit um in seiner eigenen Vorlesung, bei der einige Leute dieser studentischen Gruppe anwesend waren, den Vorfall anzusprechen, dieses Verhalten zu kritisieren und die Meinungsfreiheit zu verteidigen.

Daraufhin begannen einige Studenten aus dieser Gruppe auch bei ihm Lärm zu machen.

Adorno beharrte auf dem Prinzip der rationalen Diskussion und betonte, dass er mit den Ansichten von Jürgen Habermas (also herrschaftsfreier Diskurs auf Grundlage der zwanglosen Kraft des besseren Arguments) übereinstimme.

Theodor W. Adorno:

„Ich möchte aber doch noch ein Wort in einer akademischen Angelegenheit Ihnen sagen. Das bezieht sich auf die Vorgänge im Zusammenhang mit meinem Kollegen Stern. Ich möchte dem vorausschicken, dass Herr Stern vor Jahren mich selbst als marxistischen Literaturkritiker scharf angegriffen hat Ich möchte dem hinzufügen, dass dann Herr Stern in voller Freiwilligkeit sich für diese Angriffe bei mir entschuldigt hat (…). Ich möchte weiter sagen, dass selbstverständlich zwischen den Auffassungen von Herrn Stern und mir fundamentale Gegensätze bestehen, die völlig unverschleiert sind (…). Aber dies vorausgeschickt, finde ich doch dass die Methode dass man einem akademischen Lehrer nicht mehr die Möglichkeit gibt, ungestört seine Lehrmeinung zu vertreten und in Freiheit seine Gedanken auszudrücken, etwas ist, was mit Freiheit von Repression, mit Mündigkeit und mit Autonomie nicht zu vereinbaren ist. Und ich glaube, dass ich gerade wegen der sachlichen Differenzen, die in diesem Fall bestehen, besonders dazu legitimiert bin, Ihnen zu sagen, und (…) auch Sie darum zu bitten, dass diese Art des Kampfes in dem Kampf um die Reform der Universität und auch in dem Kampf um gesellschaftliche Veränderungen vermieden wird.
(…) ich kann unmöglich mit diesen Dingen mich identifizieren, und mein Standpunkt ist darin mit dem ganz und gar identisch, wie Habermas ihn in seinen berühmt gewordenen Thesen auch entwickelt hat (starkes Zischen). Ich glaube, ich wäre…ja, meine Damen und Herren (anhaltendes, starkes Zischen), meine Damen und Herren, es tut mir…es tut mir außerordentlich leid, aber ich glaube, dass, wenn man Ansichten, die einem aus irgendeinem Grund nicht behagen, wenn man diese Ansichten niederzischt, dass das dem Begriff der Diskussion widerspricht, und ich glaube, immerhin mir ein Recht erworben zu haben, mit Ihnen über solche Dinge zu diskutieren und nicht mich solchen Mitteln des Protests auszusetzen. Sie wissen, dass ich mich – nun weiß Gott – der Diskussion über alle diese Dinge niemals entzogen habe, ich werde mich dem auch weiter nicht entziehen, aber dann muss man wirklich auch diskutieren und darf nicht versuchen, durch bloße Bekundungen der Mißbilligung diese Dinge abzuschneiden.“

(aus: Theodor W. Adorno – Einleitung in die Soziologie, Suhrkamp, 2015, S. 257 f.)

Hier noch ein paar weitere Zitate von einigen bekannten linken (bzw. freiheitlich-sozialistischen) Autoren zum Thema Meinungsfreiheit. (Sicherlich gibt es noch viele mehr.)

Es handelt sich um Autoren aus dem Spektrum des Anarchismus und des marxistischen Rätekommunismus.
Die Zitate verdeutlichen – genau wie das Zitat von Adorno – das für die Strömungen des freiheitlichen Sozialismus eine entschiedene Bejahung der Meinungsfreiheit traditionellerweise typisch war.

Ideologisierte Anhänger der zeitgenössischen politisch korrekten postmodernen Linken dürften mit solchen Zitaten zwar leider in der Regel nicht zu erreichen sein, da sie zu anarchistischen und marxistischen Theorien meist keinen Bezug haben, aber erfahrungsgemäß lassen sich Mitglieder der autonomen Szene und der Antifa-Szene, denen zuvor der Stellenwert der Meinungsfreiheit innerhalb der traditionellen freiheitlich-sozialistischen Theorie und Praxis zu wenig bewusst war, durch solche Zitate in manchen Fällen zum Nachdenken anregen, denn in der autonomen Szene/Antifa-Szene gibt es ja auch Gruppen und Personen, die sich positiv auf anarchistische und rätekommunistische Theorien beziehen (oft ohne tiefere Kenntnisse, denn bei großen Teilen der autonomen Szene/Antifa-Szene handelt es sich um ein linke Jugendsubkultur mit geringen theoretischen und historischen Kenntnissen freiheitlich-sozialistischer Traditionen).

Des Weiteren sind solche Zitate m.E. auch manchmal geeignet, um Personen innerhalb der Linken, die alle Versuche der Einschränkung der Meinungsfreiheit zwar kritisch sehen, sich aber nicht trauen deutlich zu widersprechen und die Meinungsfreiheit zu verteidigen, Mut zu machen, dies zu tun.

Der englische aufklärerische Schriftsteller und frühe anarchistische Sozialphilosoph William Godwin (1756–1836), Gatte der Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Mary Wollstonecraft, schrieb:

„Die beste Garantie eines glücklichen Resultats liegt in freier, unbegrenzter Diskussion.“

(aus: William Godwin – An Enquiry Concerning Political Justice and its Influence on General Virtue and Happiness (1793), 2. Bde., hg. von R.A. Preston, New York, 1926, Bd 1, S. 11)

Der Philosoph und Hauptvertreter des kollektivistischen Anarchismus Michael Bakunin (1814–1876) befürwortete:

“Unbegrenzte Freiheit jeder Art von Propaganda durch Reden, die Presse, in öffentlichen und privaten Versammlungen, ohne einen anderen Zügel für diese Freiheit als die heilsbringende natürliche Macht der öffentlichen Meinung.
(….)
Die Freiheit kann und soll sich nur durch die Freiheit verteidigen, und es ist ein gefährlicher Widersinn, sie zu beeinträchtigen unter dem durch den Schein blendenden Vorwand, sie zu beschützen (…).“

(aus: Michael Bakunin – Revolutionärer Katechismus, in: Michael Bakunin – Gesammelte Werke Band 3, Karin Kramer, 1975, S. 11)

Die Anarcho-Kommunistin, Antimilitaristin, Frauenrechtlerin und linke Nietzscheanerin Emma Goldman (1869–1940) schrieb:

„Meiner Ansicht nach sollten Rede- und Pressefreiheit bedeuten, dass ich sagen und schreiben kann, was ich möchte. Dieses Recht wird zu einer Farce, wenn es durch Verfassungsbestimmungen, Gesetzeserlässe, allmächtige Entscheidungen der Zensurstelle oder der Polizei geregelt wird. Mir ist durchaus bewusst, dass man mich vor den Folgen warnen wird, die uns erwarten, wenn wir der Meinungsäußerung und der Presse die Fesseln abnehmen. Dennoch glaube ich, dass die Heilung dieser Folgen der unbegrenzten Ausübung der Meinungsfreiheit in noch mehr freien Meinungsäußerungen bestehen wird.“

(aus: Emma Goldman – Was ich denke, in: Emma Goldman – Anarchismus & andere Essays, Unrast Verlag, 2013, S. 25)

Der Sozialphilosoph und Community-Anarchist Paul Goodman (1911–1972) schrieb:

“Das Verhältnis von Theorie und Praxis, von einer wissenschaftlichen Aussage zu ihrer praktischen Anwendung, ist eine schwierige Sache; jedoch muss die absolute Freiheit der Meinung und Presse in jedem Fall vorrangig berücksichtigt werden. Sonst kann man nicht leben und atmen.”

(aus: Paul Goodman – Das Schicksal der Bücher von Dr. Reich, in: Paul Goodman – Natur heilt, EHP Verlag, 1989, S. 105)

Der bekannte Sprachwissenschaftler und Anarcho-Syndikalist Noam Chomsky schrieb:

“If you believe in freedom of speech, you believe in freedom of speech for views you don’t like. Stalin and Hitler, for example, were dictators in favor of freedom of speech for views they liked only. If you’re in favor of freedom of speech, that means you’re in favor of freedom of speech precisely for views you despise.”

(aus: Noam Chomsky, Manufacturing Consent: Noam Chomsky and the Media, 1992)

Der Astronom, Astrophysiker und marxistische Rätekommunist Anton Pannekoek (1873–1960) schrieb:

„Es gibt Gruppen und Parteien, die behaupten im ausschließlichen Besitz der Wahrheit zu sein, und die die Arbeiter, unter Ausschluss jeder anderen Meinung, durch ihre Propaganda zu gewinnen versuchen. Durch moralischen und, wenn sie die Macht haben, auch materiellen Druck, versuchen sie, den Massen ihre Ansichten aufzuzwingen. Es sollte klar sein, dass das einseitige Lehren eines bestimmten Systems von Doktrinen nur dazu dienen kann, und tatsächlich auch dienen soll, gehorsame Anhänger zu erziehen, um damit eine alte Herrschaft aufrecht zu erhalten oder eine neue vorzubereiten. Die Selbstbefreiung der arbeitenden Klasse erfordert Selbstdenken, Selbstwissen, erfordert das Erkennen von Wahrheit und Irrtum durch eigene geistige Anstrengung.
(…)
So ist unbegrenzte Freiheit der Meinungsäußerung und der Diskussion im Kampfe der Arbeiter so nötig wie die Luft zum atmen. Vor mehr als einem Jahrhundert verteidigte Shelley, Englands größter Dichter des 19. Jahrhunderts, das Recht und die Pflicht der freien Meinungsäußerung für Jedermann gegen eine despotische Regierung.

„Der Mensch hat das Recht auf uneingeschränkte Diskussionsfreiheit.“ (…) „… es kann auch kein Gesetzesakt dieses Recht zerstören.“

Shelley ging von philosophischen Überlegungen aus, als er die natürlichen Rechte des Menschen proklamierte. Für uns ergibt sich die Proklamierung der Freiheit von Rede und Presse aus ihrer Notwendigkeit für die Befreiung der Arbeiterklasse. Die Diskussionsfreiheit zu beschränken heißt, die Arbeiter daran zu hindern, das von ihnen benötigte Wissen zu erwerben. Jede alte Despotie, jede neue Diktatur fing damit an, die Freiheit der Presse zu verfolgen und zu verbieten; jede Beschränkung dieser Freiheit ist der erste Schritt, die Arbeiter unter die Herrschaft irgendwelcher Herrscher zu bringen.

Müssen die Massen dann nicht etwa gegen die Unwahrheiten, die falschen Darstellungen, die betrügerische Propaganda ihrer Feinde beschützt werden? Ebensowenig wie in aller Erziehung ein sorgfältiges Fernhalten übler Einflüsse die Fähigkeit entwickeln kann ihnen zu widerstehen und sie zu überwinden, ebenso wenig kann die Arbeiterklasse durch geistige Vormundschaft zur Freiheit erzogen werden. Wer soll entscheiden, wenn sich die Feinde in der Maske des Freundes zeigen und wenn in dem Gegensatz der Meinungen jede Partei dazu neigt, die anderen als eine Gefahr für die Klasse zu betrachten?

Natürlich die Arbeiter selbst (…)“

(aus: Anton Pannekoek – Arbeiterräte. Texte zur sozialen Revolution, Germinal, 2008, S. 113 f. )

Nochmal Noam Chomsky zur Redefreiheit (diesmal auf deutsch und mit exakter Quellenangabe):

„Wenn man an die Redefreiheit glaubt, dann ist das eine Redefreiheit für Meinungen, die einem nicht gefallen. Goebbels war auch für die Redefreiheit – bei Ansichten, die ihm passten. Stimmt´s? Stalin genauso. Wenn Sie also für Redefreiheit eintreten, dann bedeutet das die Freiheit, eine Meinung zu äußern, die Sie widerlich finden. Andernfalls wären Sie überhaupt nicht für Redefreiheit. Zur Redefreiheit kann man nur zwei Haltungen einnehmen, und jeder trifft seine Wahl.“

(aus: Noam Chomsky – Wege zur intellektuellen Selbstverteidigung. Medien, Demokratie und die Fabrikation von Konsens, Marino, 1996, S. 184)

Und noch ein Zitat zur Redefreiheit:

Der Schriftsteller und Anarcho-Kommunist Alexander Berkman (1870-1936) schrieb:

„There is free speech for those only who voice popular ideas – ideas approved of by the powers that be. But free speech has no significance whatever unless it means freedom to express unpopular ideas. (…) But in order that we may separate the chaff from the wheat, every idea must be sure of a hearing. That is the meaning of free speech and free press: absolute freedom of expression. (…) We urge those who believe in real, unconditional freedom of speech and press to manifest their attitude by helping us in this important fight. (…) We ask our friends to cooperate with us and thus aid our determination to fight for uncensored freedom of expression.”

(aus: Alexander Berkman – Life of an Anarchist. The Alexander Berkman Reader, Seven Stories Press, 2004, S. 128)

Der norwegische Schriftsteller und Anarchist Jens Björneboe (1920 – 1976) schilderte in einem Artikel aus dem Jahre 1970 seinen Eindruck eines Mangels an Wertschätzung für die Meinungsfreiheit in Deutschland, ein Zitat:

„(…) diese Bundesrepublik muss da also Garant und Verteidiger der Geistesfreiheit sein.
Ist dieser Eindruck richtig?
Die Antwort kann sofort gegeben werden: nein, das ist schwachsinnig. Weder das deutsche Volk, noch die herrschenden Kreise in Wirtschaft und Politik sind im geringsten an Informations- und Ausdrucksfreiheit interessiert. So lange die Hochkonjunktur anhält, und das Land seine Ökonomie ausweiten und entwickeln kann, d.h. so lange es Gewerbe- und Bewegungsfreiheit hat, wird sich praktisch niemand um die Freiheit sorgen, die am unscheinbarsten ist, aber dennoch die Voraussetzung für ein einigermaßen gesichertes Rechtsleben und eine anständige Gesellschaft – um die freie Kritik und ihre Bedingungen.“

(aus: Jens Björneboe – Informations- und Ausdrucksfreiheit in West-Deutschland, in: Jens Björneboe – Wider den Bevormundermenschen. Aufsätze und Pamphlete zu Kultur und Politik, Trotzdem Verlag, 1980, S. 61)

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Fundstück: Faschismus aus Angst vor den Nazis

Das Blog „Scheidende Geister“ verweist auf einen äußerst interessanten Artikel von Markus Somm in der Basler Zeitung. Nun mag die Überschrift „Die Faschisten kommen“ im ersten Augenblick etwas drastisch wirken; davon sollte man sich jedoch nicht abschrecken lassen.

Als Aufhänger dient der Auftritt von Heather Mac Donald, einer konservativen Wissenschaftlerin und Publizistin, an einer US-Uni. Wer hier öfters in der Blogblase mitliest, weiß natürlich schon, was passieren musste:

Kaum war Mac Donald auf dem Campus eingetroffen, wurde sie von der Polizei umstellt, um sie abzuschirmen, weil ein Mob von gut zweihundert Studenten sie am Reden hindern wollte. Es wurde getobt, gedroht, protestiert: «Stellt diese berüchtigte weisse Faschistin ab, die die Überlegenheit der weissen Rasse propagiert!», schrien zwanzigjährige weisse Kinder aus der oberen ­Mittelschicht.

Es lief das inzwischen übliche Programm ab: Studentenproteste, die Uni-Leitung knickte ein. Immerhin wurde die Rede nicht vollständig verhindert:

Was Mac Donald in Claremont erlebte, geschieht an Amerikas Universitäten inzwischen fast alle zwei Monate: Linke stören Vorträge von Leuten, die ihnen politisch nicht passen, sie schreien sie nieder oder wenden Gewalt an. (…) Es ist grotesk: Unter dem Vorwand, den Faschismus zu bekämpfen, wenden junge Leute Methoden an, die nichts anderes als faschistisch sind.

Damit ist der Kern des Problems wunderbar getroffen. Körperliche Gewalt gegen politische Gegner wird begrüßt. Anders als es der Artikel suggeriert, sind wir hier in Europa von solchen Zuständen nicht weit entfernt. Hier gibt es nicht nur für weltweit bekannt gewordene Ereignisse ähnlichen Applaus. Es wird auch ausgiebig die Chance genutzt, einen eigenen Beitrag zum Abbau der Zivilisation zu nutzen, indem man etwa inzwischen offen in der Zeitung Straftaten gegen politisch unliebsame Personen billigt. Und die Freiheit in der Debatte, sie war – je nach europäischem Land – keineswegs größer als die in Amerika; nur dass wir hier meistens nicht so stark auf zwei Extreme konzentriert sind.

Der Artikel wendet sich dann Jonathan Haidt und der Erforschung rechte rund linker Moral zu, was beides z.B. im Blog „Red Pill Berlin“ schon mehrmals Thema war. Die Basler Zeitung dazu:

Besonders verdienstvoll war Haidts Erkenntnis, dass beide, Linke wie Rechte, aus moralischen Motiven zu ihrer Position gelangen, (…) fest steht, beiden geht es nicht darum, den eigenen Egoismus auszuleben, sondern beiden liegt viel daran, die Welt so einzurichten und das Leben der Menschen so zu gestalten, dass es möglichst gut für alle ist.

Und das wäre ja tatsächlich mal eine Gesprächsbasis. Nicht ohne Grund habe ich sowohl Leszek als auch Lucas Schoppe zitiert, die als Linke Konservative würdigen und verteidigen. Genau das ist ein guter Lackmus-Test.

Wenn viele Linke sich heute so schwer damit tun, andere Positionen zu tolerieren, dann liegt es an diesem Missverständnis: Sie halten sich per se für moralisch gut, was sie fast zwangsläufig dazu verleitet, den politischen Gegner als schlecht anzusehen. Dass dieser genauso moralisch motiviert sein könnte, das übersehen sie gerne, umso mehr erlaubt ihnen diese Einstellung, alle Mittel anzuwenden, um einen vermeintlich moralisch so verwerflichen Gegner anzugreifen. Das macht es so gefährlich. Menschen, die sich immer für gut halten, sind das Gegenteil von jenen Leuten, die das Gute tun. Wer sich so sicher ist, dass er auf der richtigen Seite steht, verliert alle Hemmungen, sich durchzusetzen. Der Zweck heiligt die Mittel. Er wird böse, um dem Guten zum Durchbruch zu verhelfen – und merkt nicht mehr, dass er der ­Einzige ist, der böse handelt. Redefreiheit? Aber selbstverständlich, solange es dem entspricht, was gut ist – und was gut ist, wissen wir, nicht die andern.

Hier haben wir in einem einzigen Abschnitt das größte Problem für die politische und gesellschaftliche Debatte zusammengefasst. Es kann natürlich genausogut in die andere Richtung schiefgehen: Konservative, die meinen, die Linken wollten die Welt zerstören, und sich deswegen gar nicht erst anhören, was sie zu sagen haben. Ich habe das persönlich erlebt, ohne mich als besonders linken Menschen zu sehen – es reichte in diesem Fall aus, nicht konservativ zu sein (übrigens auch ein wunderbares Spiegelbild der heutigen Debatten!)…

Es mag keine neue Erkenntnis sein, was in besagtem Artikel steht, aber ich finde viele gute Gedanken so kurz und knapp ausgedrückt, dass ich ihn erwähnen wollte. Genießen wir die Freiheit und lassen wir uns nicht von Kulturpessimisten unterkriegen!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Lebenslust und eine positive Einstellung: In diesem Lied von Pierre Attaingnant wird nur einer Flasche Wein „der Krieg erklärt“…

Tourdion

Fundstück: Oliver Kalkofe und die Knoppers-Werbung

Kalkofes Mattscheibe schätze ich seit vielen Jahren. Diesmal habe ich einen Beitrag gefunden, der mir sogar besonders gefällt:

Kalkofes Mattscheibe rekalked – Zuckerschock für Grundschüler

Es ist wirklich schön, wie man sich am Anfang über die Werbeparodie amüsieren kann, bevor einem das Lachen im Halse steckenbleibt, weil das, was Oliver Kalkofe erzählt, ganz ernst ist. Ja, ich habe sogar Mitleid mit dem von ihm gespielten fiktiven Jungen, weil das, was dargestellt wird, zwar übertrieben ist, die einzelnen Elemente aber durchaus realitätsnah sind: Die strengen Anforderungen und die entfallende Kindheit durch ein auf Leistung und Lernen optimiertes Leben…

Beim zweiten Nachdenken darüber fällt mir auf, dass Oliver Kalkofe hier mehr Mitgefühl mit einem Jungen zeigt als Plan, das „nur für Mädchen“ Geld sammelt oder Pädagogen, die den Jungs die Schuld in die Schuhe schieben für ihre Probleme in der Schule.

Aktualisierung: Um die anhaltenden Pingback-Probleme zu analysieren, hat ingwerlatte den Beitrag testweise bei sich veröffentlicht. Vielen Dank dafür! Schauen wir mal, ob der Pingback von hier aus ankommt.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Vom ersten Album von U2 namens „Boy“…

U2: I Will Follow

Nostalgie-Fundstück: Lena Söderberg, die Vorlage für Bildverarbeitung

Ein Bild von „Lenna„, dem US-Playmate vom November 1972, dient seit Jahrzehnten als Computergrafik-Testbild. Das schwedische Fotomodell lieferte ein hervorragendes Beispiel für ein menschliches Foto, an dem man Algorithmen testen konnte. Verwendet wurde dabei nur ein Ausschnitt des ursprünglichen Bildes, in etwa Gesicht und Schulter.

Lena Söderberg, wie die Dame mit bürgerlichem Namen heißt, wurde in späteren Jahren mehrfach zu Wissenschaft- und Technikkonferenzen eingeladen. Eine schöne Ehrung für die Dame, deren Bild als Ansporn diente, um die Bildverarbeitung zu verbessern.

Unglaublich, aber wahr: Sogar der (englischsprachige) Wikipedia-Artikel ist lesenswert und verweist auf interessante Quellen.

Natürlich darf nicht fehlen, dass die Verwendung eines Playboy-Fotos in Wissenschaft und Technik inzwischen als anstößig gilt. Eine solche offene Faszination für weibliche Schönheit ist heute auch kaum vorstellbar, in denen Spitzenwissenschaftler wegen harmlosen Dingen fertiggemacht werden.

Denken wir an Matt Taylor, der Astrowissenschaftler, der eine Sonde auf einem Kometen landen ließ – die wohl unglaublichste Leistung im Weltraum seit einer Generation – und wegen seines Hemds, das eine Freundin entworfen hatte, solange gemobbt wurde, bis er sich unter Tränen für seine Kleiderwahl entschuldigte. Oder erinnern wir uns an Tim Hunt, der Nobelpreisträger, der im Rahmen eines Vortrags einen Witz machte, welcher völlig aus dem Zusammenhang gerissen und für eine Schmutzkampagne verwendet wurde, um die Karriere des Wissenschaftlers zu beenden.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Das folgende Lied schrieb ebenfalls Technikgeschichte: Es diente Karlheinz Brandenburg seinerzeit als Beispiel, um die Audiokompression für das MP3-Format zu testen. So wurde es das erste MP3-komprimierte Lied und Suzanne Vega gilt seitdem als „Mutter des MP3-Formates“.

Suzanne Vega: Tom’s Diner (A Capella)

Fundstück: Die Realität blubbert hervor – bei Fefe

Fefe veröffentlichte kürzlich einige äußerst erhellende Leserbriefe zum Thema Politik und gesellschaftliche Lage in Deutschland. Also, wenn das mal eine Tageszeitung so abdrucken würde, dann würde ich ernsthaft über ein Abo nachdenken!

Die beiden ersten Leserbriefe sollte man sich wirklich komplett gönnen. Da fällt es mir schon schwer, überhaupt einen Ausschnitt zu zitieren.

Von einem ehemaligen links/grün-Wähler:

Ich habe ein Problem mit der Tochter meiner Nachbarin: Die ist Bäckereiverkäuferin und kommt trotz achtstundenjob mit dem lächerlich wenigen Geld nicht über die Runden. Ich habe ein Problem mit Millionen Arbeitern, denen es genauso geht, weil seit Jahren die Reallöhne gekürzt werden, während die soziale und die monetäre Schere zwischen Arm und Reich, zwischen Stadt und Land, zwischen Bildung und Prekariat immer weiter aufgeht. Ich habe ein Problem mit einer verlogenen und unfähigen Regierung, die die Digitalisierung komplett verschläft und sich von der Wirtschaft immer mehr kaufen lässt.

Aus dem schönen Bayern, wo es angeblich allen so gut geht:

Eltern haben vorher gespart und sich in Schulden gestürzt, das Haus zahlt sich mit Zinsen und Wachstum und Spekulation von selbst ab. Bei den Kindern geht das nicht mehr.

Eltern verstehen das nicht – für sie hat das doch auch funktioniert. Kinder stehen als Versager da, einser Abschluß und trotzdem nur Praktika bis 35.

Mich wundert die Wut nicht. Ich hab das jetzt ein paar Mal gesehen, im Keller bei Nachbars wohnt der Sohn, der war seit 6-7 Jahren bei Licht nicht mehr draussen. Hikikomori gibt es auch bei uns, im angebl. super-duper Boom-Oberbayern, im Landkreis mit den wenigsten Arbeitslosen.
(…)
Ich kann die Denkzettelwahl verstehen – es ist der einzige Freiheitsgrad, der einem (noch! – wie lange?) gelassen wird, weil Demos sind seit den unsanktionierten rausgekärcherten Augen ja auch diskreditiert!

(Gemeint ist Dietrich Wagner, der Rentner auf der Anti-Stuttgart-21-Demo, dem die Augen ausgeschossen wurden. Ganz gruselige Bilder, hat mich davon überzeugt, nicht mehr auf Demonstrationen zu gehen.)

Im Grunde wird da auf fast schon unheimliche Weise bestätigt, was ich sowieso schon vor Monaten geschrieben und fleißig zitiert habe:

Junge Linke haben Bezug zur Unterschicht verloren.

Die wirtschaftliche Lage und das „von der Politik vergessen worden sein“ treibt die einfachen Leute in die Arme der Rechtspopulisten.

Im Zuge der US-Wahlen gab es ja einige erstaunlich ehrliche Äußerungen von oben:

Das sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen. Da sagt jemand vom politischen Establishment:

  1. Uns ist gar nicht bewusst, dass es den Leuten so mies geht.
  2. Wir rechnen nicht damit, dass solche Leute konsequent genug sind, um wählen zu gehen und entsprechend zu wählen.

Wieso ist die politische und wirtschaftliche Lage ein Geschlechterthema? Den Zusammenhang habe ich erst kürzlich erklärt im Artikel „Sinkende Einkommen bei Männern führen zu weniger, bei Frauen zu mehr Ehen„.

Interessant ist, dass in den Mainstreammedien und der öffentlichen Debatte Ursache und Wirkung falsch dargestellt werden: Das Feindbild weißer Mann sorgt für die Erklärung, „die bösen weißen heterosexuellen Männer (WHM)“ seien die Macht hinter dem früheren Establishment – und hätten sich wieder verschworen und würden jetzt „zurückschlagen“ in der Form der Rechtspopulisten. Dabei sind es gerade die Männer ohne höhere Ausbildung, die von wirtschaftlich kargen Zeiten besonders getroffen werden, also gerade nicht von der Politik der letzten Jahrzehnte profitiert haben. Die Rechtspopulisten bzw. alles, was unter dieser Klammer so verortet wird, sind nicht besonders geliebt – sondern werden mangels Alternative in Betracht gezogen, weil sonst ja niemand mehr auch nur vorgibt, sich zu interessieren.

Fefe hat übrigens eine Alternative zu „AfD wählen“ anzubieten: Kleinstparteien wählen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Radikal, aber positiv… und auch mit der Botschaft, dass man ernten wird, was man sät…

New Radicals: You Get What You Give

Fundstück: Methoden der Meinungsmache (Teil 2)

Auf einem noch sehr kleinen Youtube-Kanal (und klein heißt ja nicht schlecht!) ist folgendes Video erschienen:

Methoden der Meinungsmache – Teil 2

Inhalt (neben der Einleitung):
Methode 4: Tränen lügen nicht
Methode 5: Märtyrer der Meinungsfreiheit
Methode 6: Die Macht der Worte

„Flusenfischer87“ nennt dabei dieses Blog als weiterführende Quelle zum Thema, genauer gesagt den Artikel Wie Simone Schmollack „Genderbashing“ basht.

Das erste Youtube-Video, welches Geschlechterallerlei zitiert, ist übrigens :

SAFESPACE #023 – MGTOW

Das MaMMoNMaGaZiN bezieht sich auf den Artikel „Fundstücke: Thomas Fischer und sjw-watch zu Statistik„.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Wo es heute schon so eitel um Videos ging, die dieses Blog erwähnen…

Daddy Owen: Vanity

Fundstück: Leszek kritisiert Ulrich Kutschera

Leszek bietet – mal wieder in den Kommentaren bei Alles Evolution – eine interessante Kritik an Ulrich Kutschera. Ich fasse im folgenden die wesentlichen Inhalte mehrerer Kommentare zusammen. Zuvor seien aber noch die die drei genderkritischen Bücher von Biologen aufgelistet, die Leszek erwähnt, denn unabhängig von Leszeks Kritik an Kutschera sollte sich jeder selbst ein Bild bilden können:

  1. Ulrich Kutschera: Das Gender-Paradoxon. Mann und Frau als evolvierte Menschentypen. Lit-Verlag, Berlin 2016, ISBN 978-3-643-13297-0.
  2. Axel Meyer: Adams Apfel und Evas Erbe : wie die Gene unser Leben bestimmen und warum Frauen anders sind als Männer, mit einem Vorwort von Harald Martenstein. München : Bertelsmann 2015, ISBN 978-3-570-10204-6.
  3. Matthias Rahrbach: Warum Frauen eben doch nicht benachteiligt sind. Eine Abrechnung mit dem männerfeindlichen Radikalfeminismus., Verlag Natur und Gesellschaft (Selbstverlag) 2015, ISBN 3-00-050916-X

Zu Ulrich Kutscheras Buch erschien hier im Blog eine Rezension von djadmoros. Ab hier jedoch Leszek:

Ulrich Kutschera ist bestimmt ein guter Evolutionsbiologe und mit seiner Gender-Kritik aus naturwissenschaftlicher Perspektive hat er sicherlich im Wesentlichen Recht.

Aber wieder so ein Schwachkopf, der die Geisteswissenschaften und Sozialwissenschaften pauschal abwertet, von denen er offensichtlich keine Ahnung hat.

So wird das allerdings nichts mit einer gemeinsamen Kooperation gender-kritischer Wissenschaftler über alle Fachgrenzen hinweg, wie sie eigentlich wünschenswert wäre, um die unwissenschaftlichen Gender Studies und das sexistische Gender Mainstreaming wirkungsvoll zu delegitimieren und zurückzudrängen.

Aber gut, ich habe hier [gemeint ist Alles Evolution] ja gelernt: Ein Teil gender-kritischer Naturwissenschaftler oder naturwissenschaftlich Interessierter (Christian [Schmidt] ist von dieser Kritik ausdrücklich ausgenommen) sind hinsichtlich ihrer psychodynamischen Motivation schwerpunktmäßig narzisstisch motiviert, es geht ihnen wesentlich um Selbstaufwertung und Abwertung anderer und nicht wirklich um wissenschaftliche oder politische Anliegen.

(…)

Kutschera sollte m.E. erstmal mehr differenziertes und mehrperspektivisches Denken erlernen, etwas mehr Bescheidenheit entwickeln (wozu gehört nicht lautstark und pauschal wissenschaftliche Disziplinen abzuwerten, von denen er nichts versteht) und ein erwachseneres Sozialverhalten erlernen (wozu u.a. die Erkenntnis gehört, dass wer grundlos gegen andere pöbelt von diesen keine Solidarität zu erwarten hat).

Als Antwort auf die Frage, mit wem innerhalb der Geistes- und Sozialwissenschaften Ulrich Kutschera eine Kooperation suchen sollte (die Frage läßt sich verallgemeinern auf „Biologen, die die Gender Studies kritisieren wollen“):

Erstens natürlich mit solchen gender-kritischen Sozialwissenschaftlern/Geisteswissenschaftlern, die bereits vor ihm gender-kritische Texte aus ihren eigenen Fachperspektiven publiziert haben.

Und zweitens wäre es in pragmatischer Hinsicht sehr sinnvoll gewesen, wenn Ulrich Kutschera und Axel Meyer – als die neben Matthias [Rahrbach] einzigen Biologen, die bislang gender-kritische Bücher publiziert haben, denn auch Naturwissenschaftler halten sich mit entsprechender Kritik zurück – Wert darauf gelegt hätten, in einer Art und Weise aufzutreten und ihre Bücher so zu gestalten, dass die naturwissenschaftliche Kritik an Gender Studies und Gender Mainstreaming auch für Geisteswissenschaftler und Sozialwissenschaftler bzw. daran Interessierte interessant, zugänglich und verständlich wird.

Diese Chance haben sie leider vertan. Hätten die beiden ihre Arroganz mal gezügelt und hätten z.B. ihre Bücher von gender-kitischen Sozialwissenschaftlern/Geisteswissenschaftlern Korrektur lesen lassen, dann hätten nicht nur Fehler und Argumentationsschwächen vermieden werden können, die auftreten, sobald sie ihre eigenen Fachgebiete verlassen, sondern ihre Bücher hätten auch auf eine erweiterte Zielgruppe abgestimmt werden können.

So schreiben sie halt nur für die ohnehin Überzeugten.
Der naturwissenschaftliche Narzissmus verhindert also die pragmatische Wirksamkeit. Und das ist ja u.a. das Interessante mit den irrationalen Psychodynamiken – ihre pragmatische Dysfunktionalität.

Da schreiben Naturwissenschaftler endlich mal gender-kritische Bücher und anstatt nun das Naheliegende zu tun – die Kooperation mit Sozialwissenschaftlern/Geisteswissenschaftlern, die ebenfalls aus ihrer eigenen Fachperspektive heraus Gender Studies und Gender Mainstreaming kritisch beurteilen, zu suchen sowie ihr eigenes öffentliches Auftreten und ihre Bücher auch auf Geisteswissenschaftler/Sozialwissenschaftler bzw. daran Interessierte als Zielgruppe abzustimmen, folgen sie lieber unreflektiert unreifen egozentrischen Impulsen. Die eigene naturwissenschaftliche Grandiosität zu betonen und andere wissenschaftliche Disziplinen, mit denen sie sich nicht auskennen, pauschal abzuwerten ist ihnen in motivationaler Hinsicht offenbar wichtiger als der pragmatische Erfolg der Sache, um die es doch eigentlich gehen sollte.
Schon interessant, wenn Leute, die ihre eigene Rationalität so stark hervorheben, gleichzeitig entsprechend irrational agieren. Vielleicht sollten sie sich in psychologischer Hinsicht auch mal ein bißchen mit Psychoanalyse befassen anstatt nur mit evolutionärer Psychologie.

Zum Vorwurf der fehlenden Kritik an den Gender Studies innerhalb der Geistes- und Sozialwissenschaften:

Erstens reißen sich auch Naturwissenschaftler nicht gerade darum gender-kritische Texte zu publizieren. Bevor Axel Meyer, Ulrich Kutschera – und Matthias [Rahrbach] nicht zu vergessen – ihre Bücher dazu herausgebracht haben, gab es im deutschsprachigen Raum wissenschaftliche Veröffentlichungen, die Kritik an Gender Studies und Gender Mainstreaming beinhalten, m.W. nur in Schriften jener Geisteswissenschaftler und Sozialwissenschaftler, welche männerrechtliche Anliegen aus humanistischer Perspektive unterstützen.
Das ist dann aber natürlich Kritik speziell aus geisteswissenschaftlicher und sozialwissenschaftlicher Perspektive und es ist schon sinnvoll dies auch durch Kritik speziell aus naturwissenschaftlicher Perspektive zu ergänzen, nur sollte letztere dann idealerweise auch über den Kreis der ohnehin Überzeugten hinaus vermittelbar sein.

Warum Kritik an den Gender Studies in den Sozialwissenschaften/Geisteswissenschaften bislang nicht häufiger ist, hatten LoMi und ich in der Vergangenheit ja schon einmal speziell am Beispiel der Soziologie versucht zu erklären:

https://geschlechterallerlei.wordpress.com/2016/02/17/fundstueck-leszek-zu-der-frage-warum-soziologen-so-selten-gender-studies-kritisieren/

(Siehe auch den ersten Kommentar unter dem Text.)

Um dies zu analysieren – und möglichst zu ändern – braucht es aber auf Kenntnissen beruhende, um Objektivität bemühte und rationale Analysen, das Grandiositätserleben irgendwelcher Naturwissenschaftler ist da weder erkenntnis- noch zielfördernd.

(…)

Warum die Gender Studies meiner Ansicht nach unwissenschaftlich sind und von den Universitäten entfernt werden sollten, hatte ich in der Vergangenheit z.B. hier kurz zusammengefasst:

https://geschlechterallerlei.wordpress.com/2016/08/04/gastartikel-leszek-zu-der-frage-ob-gender-studies-unwissenschaftlich-sind/

Dabei versuche ich aber die wesentliche Kritik an Gender Studies und Gender Mainstreaming aus den drei Perspektiven zu verknüpfen, also die geisteswissenschaftliche, sozialwissenschaftliche und naturwissenschaftliche Gender-Kritik.
Je mehr man alle drei Perspektiven einbezieht, desto stärker, fundierter und umfassender wird potentiell die Kritik und desto eher ist es möglich bezüglich aller drei Bereiche interessierte Personen anzusprechen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? „Don’t know much biology“ – klar, dass ich angesichts dieser Zeile an dieses Lied denken musste…

Sam Cooke: What A Wonderful World