Fundstück: Leszek kritisiert Ulrich Kutschera

Leszek bietet – mal wieder in den Kommentaren bei Alles Evolution – eine interessante Kritik an Ulrich Kutschera. Ich fasse im folgenden die wesentlichen Inhalte mehrerer Kommentare zusammen. Zuvor seien aber noch die die drei genderkritischen Bücher von Biologen aufgelistet, die Leszek erwähnt, denn unabhängig von Leszeks Kritik an Kutschera sollte sich jeder selbst ein Bild bilden können:

  1. Ulrich Kutschera: Das Gender-Paradoxon. Mann und Frau als evolvierte Menschentypen. Lit-Verlag, Berlin 2016, ISBN 978-3-643-13297-0.
  2. Axel Meyer: Adams Apfel und Evas Erbe : wie die Gene unser Leben bestimmen und warum Frauen anders sind als Männer, mit einem Vorwort von Harald Martenstein. München : Bertelsmann 2015, ISBN 978-3-570-10204-6.
  3. Matthias Rahrbach: Warum Frauen eben doch nicht benachteiligt sind. Eine Abrechnung mit dem männerfeindlichen Radikalfeminismus., Verlag Natur und Gesellschaft (Selbstverlag) 2015, ISBN 3-00-050916-X

Zu Ulrich Kutscheras Buch erschien hier im Blog eine Rezension von djadmoros. Ab hier jedoch Leszek:

Ulrich Kutschera ist bestimmt ein guter Evolutionsbiologe und mit seiner Gender-Kritik aus naturwissenschaftlicher Perspektive hat er sicherlich im Wesentlichen Recht.

Aber wieder so ein Schwachkopf, der die Geisteswissenschaften und Sozialwissenschaften pauschal abwertet, von denen er offensichtlich keine Ahnung hat.

So wird das allerdings nichts mit einer gemeinsamen Kooperation gender-kritischer Wissenschaftler über alle Fachgrenzen hinweg, wie sie eigentlich wünschenswert wäre, um die unwissenschaftlichen Gender Studies und das sexistische Gender Mainstreaming wirkungsvoll zu delegitimieren und zurückzudrängen.

Aber gut, ich habe hier [gemeint ist Alles Evolution] ja gelernt: Ein Teil gender-kritischer Naturwissenschaftler oder naturwissenschaftlich Interessierter (Christian [Schmidt] ist von dieser Kritik ausdrücklich ausgenommen) sind hinsichtlich ihrer psychodynamischen Motivation schwerpunktmäßig narzisstisch motiviert, es geht ihnen wesentlich um Selbstaufwertung und Abwertung anderer und nicht wirklich um wissenschaftliche oder politische Anliegen.

(…)

Kutschera sollte m.E. erstmal mehr differenziertes und mehrperspektivisches Denken erlernen, etwas mehr Bescheidenheit entwickeln (wozu gehört nicht lautstark und pauschal wissenschaftliche Disziplinen abzuwerten, von denen er nichts versteht) und ein erwachseneres Sozialverhalten erlernen (wozu u.a. die Erkenntnis gehört, dass wer grundlos gegen andere pöbelt von diesen keine Solidarität zu erwarten hat).

Als Antwort auf die Frage, mit wem innerhalb der Geistes- und Sozialwissenschaften Ulrich Kutschera eine Kooperation suchen sollte (die Frage läßt sich verallgemeinern auf „Biologen, die die Gender Studies kritisieren wollen“):

Erstens natürlich mit solchen gender-kritischen Sozialwissenschaftlern/Geisteswissenschaftlern, die bereits vor ihm gender-kritische Texte aus ihren eigenen Fachperspektiven publiziert haben.

Und zweitens wäre es in pragmatischer Hinsicht sehr sinnvoll gewesen, wenn Ulrich Kutschera und Axel Meyer – als die neben Matthias [Rahrbach] einzigen Biologen, die bislang gender-kritische Bücher publiziert haben, denn auch Naturwissenschaftler halten sich mit entsprechender Kritik zurück – Wert darauf gelegt hätten, in einer Art und Weise aufzutreten und ihre Bücher so zu gestalten, dass die naturwissenschaftliche Kritik an Gender Studies und Gender Mainstreaming auch für Geisteswissenschaftler und Sozialwissenschaftler bzw. daran Interessierte interessant, zugänglich und verständlich wird.

Diese Chance haben sie leider vertan. Hätten die beiden ihre Arroganz mal gezügelt und hätten z.B. ihre Bücher von gender-kitischen Sozialwissenschaftlern/Geisteswissenschaftlern Korrektur lesen lassen, dann hätten nicht nur Fehler und Argumentationsschwächen vermieden werden können, die auftreten, sobald sie ihre eigenen Fachgebiete verlassen, sondern ihre Bücher hätten auch auf eine erweiterte Zielgruppe abgestimmt werden können.

So schreiben sie halt nur für die ohnehin Überzeugten.
Der naturwissenschaftliche Narzissmus verhindert also die pragmatische Wirksamkeit. Und das ist ja u.a. das Interessante mit den irrationalen Psychodynamiken – ihre pragmatische Dysfunktionalität.

Da schreiben Naturwissenschaftler endlich mal gender-kritische Bücher und anstatt nun das Naheliegende zu tun – die Kooperation mit Sozialwissenschaftlern/Geisteswissenschaftlern, die ebenfalls aus ihrer eigenen Fachperspektive heraus Gender Studies und Gender Mainstreaming kritisch beurteilen, zu suchen sowie ihr eigenes öffentliches Auftreten und ihre Bücher auch auf Geisteswissenschaftler/Sozialwissenschaftler bzw. daran Interessierte als Zielgruppe abzustimmen, folgen sie lieber unreflektiert unreifen egozentrischen Impulsen. Die eigene naturwissenschaftliche Grandiosität zu betonen und andere wissenschaftliche Disziplinen, mit denen sie sich nicht auskennen, pauschal abzuwerten ist ihnen in motivationaler Hinsicht offenbar wichtiger als der pragmatische Erfolg der Sache, um die es doch eigentlich gehen sollte.
Schon interessant, wenn Leute, die ihre eigene Rationalität so stark hervorheben, gleichzeitig entsprechend irrational agieren. Vielleicht sollten sie sich in psychologischer Hinsicht auch mal ein bißchen mit Psychoanalyse befassen anstatt nur mit evolutionärer Psychologie.

Zum Vorwurf der fehlenden Kritik an den Gender Studies innerhalb der Geistes- und Sozialwissenschaften:

Erstens reißen sich auch Naturwissenschaftler nicht gerade darum gender-kritische Texte zu publizieren. Bevor Axel Meyer, Ulrich Kutschera – und Matthias [Rahrbach] nicht zu vergessen – ihre Bücher dazu herausgebracht haben, gab es im deutschsprachigen Raum wissenschaftliche Veröffentlichungen, die Kritik an Gender Studies und Gender Mainstreaming beinhalten, m.W. nur in Schriften jener Geisteswissenschaftler und Sozialwissenschaftler, welche männerrechtliche Anliegen aus humanistischer Perspektive unterstützen.
Das ist dann aber natürlich Kritik speziell aus geisteswissenschaftlicher und sozialwissenschaftlicher Perspektive und es ist schon sinnvoll dies auch durch Kritik speziell aus naturwissenschaftlicher Perspektive zu ergänzen, nur sollte letztere dann idealerweise auch über den Kreis der ohnehin Überzeugten hinaus vermittelbar sein.

Warum Kritik an den Gender Studies in den Sozialwissenschaften/Geisteswissenschaften bislang nicht häufiger ist, hatten LoMi und ich in der Vergangenheit ja schon einmal speziell am Beispiel der Soziologie versucht zu erklären:

https://geschlechterallerlei.wordpress.com/2016/02/17/fundstueck-leszek-zu-der-frage-warum-soziologen-so-selten-gender-studies-kritisieren/

(Siehe auch den ersten Kommentar unter dem Text.)

Um dies zu analysieren – und möglichst zu ändern – braucht es aber auf Kenntnissen beruhende, um Objektivität bemühte und rationale Analysen, das Grandiositätserleben irgendwelcher Naturwissenschaftler ist da weder erkenntnis- noch zielfördernd.

(…)

Warum die Gender Studies meiner Ansicht nach unwissenschaftlich sind und von den Universitäten entfernt werden sollten, hatte ich in der Vergangenheit z.B. hier kurz zusammengefasst:

https://geschlechterallerlei.wordpress.com/2016/08/04/gastartikel-leszek-zu-der-frage-ob-gender-studies-unwissenschaftlich-sind/

Dabei versuche ich aber die wesentliche Kritik an Gender Studies und Gender Mainstreaming aus den drei Perspektiven zu verknüpfen, also die geisteswissenschaftliche, sozialwissenschaftliche und naturwissenschaftliche Gender-Kritik.
Je mehr man alle drei Perspektiven einbezieht, desto stärker, fundierter und umfassender wird potentiell die Kritik und desto eher ist es möglich bezüglich aller drei Bereiche interessierte Personen anzusprechen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? „Don’t know much biology“ – klar, dass ich angesichts dieser Zeile an dieses Lied denken musste…

Sam Cooke: What A Wonderful World

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13 Kommentare zu „Fundstück: Leszek kritisiert Ulrich Kutschera“

  1. Na ja, Leszek sei sein Intellekt unbenommen. Aber es wäre wohl eher an der Zeit mal mit ihm zu reden, statt über ihn. Aber das will man gar nicht, sondern krakelt ihn lieber nieder. Das meint nicht den von dir Zitierten, aber der Umgang in diesem Land mit Leuten, welche anders denken, als die Sozialwissenschaftler.

    Wie es der Zufall will, habe ich aktuell ein Interview zum Thema Meinungsfreiheit mit ihm gelesen und besprochen:

    „In einem Netzwerk der katholischen Kirche (KathNet) spricht der bekannte Evolutionsbiologe und bekennende Atheist Prof. Dr. Ulrich Kutschera in einem Interview über seine Wahrnehmung der Political Correctness in Deutschland, dem Unterschied zur freien Meinungsäußerung in den USA und die Gründe seiner Absage anlässlich des seinerzeit geplanten Vortrages in Marburg (und merkt dazu an, dass er hernach von einer Frauenbeauftragten ausgeladen wurde).

    Eigentlich attestiert der in Kassel und Stanford tätige Kutschera, welcher auch Bücher schrieb, wie „Das Gender-Paradoxon“ diesem Land nichts Gutes; auch nicht im Bezug auf die Flüchtlingskrise:“

    https://emannzer.wordpress.com/2017/04/13/kutscheras-klartext-meinungsfreiheit/

    Also: Es bringt alle Theorie rein garnichts, wenn man die Leute nicht zu Wort kommen lässt, sondern niederbrüllt. Und es macht keinen Sinn, jemand niederzubrüllen, wenn man sich nicht mit seinen Argumenten auseinandersetzt.

    Das geht nicht gegen Leszek oder andere, die unter dem Kontext Geisteswissenschaft zusammentreffen, sondern darum, dass man manche offenbar niederbrüllt. Ob nun auf irgendwelchen theoretischen Grundlagen oder nicht. Im Übrigen sollte man mal die Wortwahl beachten. Ich zitiere ihn (nicht Kutschera) mal hier:

    „wieder so ein Schwachkopf“, „… sollte m.E. erstmal mehr differenziertes und mehrperspektivisches Denken erlernen, etwas mehr Bescheidenheit entwickeln“, „… folgen sie lieber unreflektiert unreifen egozentrischen Impulsen“ …

    Eine tolle Wortwahl, während man gleichzeitig weiterhin verschwurbelte Kommentare schreibt, welche man mit Intellektuellem-Tinnfef übertünschen möchte. Aber vielleicht gibt es ja demnächst einen Genderama-Hinweis beim nächsten Tagesrückblick darauf …

    Tatsache ist: Man redet nur über sie, so man ihnen nicht gleich den trillerpfeifenden Rücken zuwendet. Deutschland, das Land der Dichter und Denker – oder eher ein Bezirk der Richter und Henker?

    1. Wie es der Zufall will, habe ich aktuell ein Interview zum Thema Meinungsfreiheit mit ihm gelesen und besprochen

      Kein Zufall, ich bin über Deinen Artikel auf das Interview gestoßen (Danke dafür!) und wollte das ursprünglich besprechen. Aber dann bin ich beim Nachlesen über Leszeks Kommentare gestoßen und wollte die zuerst abfrühstücken.

      1. Dann bin ich auf Teil-II gespannt, @Graublau. Interessant wäre zu lesen, wie man das Konglomerat aus Leszeks Fernbeurteilung und Kutscheras Nahfeldbeobachtung dann zusammenbekommt, wenn Ersterer nun abgefrühstückt ist.

        Ich sehe hier wirklich sehr dunkle Wolken am Horizont. Eigentlich mag ich Gewitterstimmungen, aber die Aktuellen und Heutigen wirken eher real gruselig.

        PS: Ich finde es sehr gut, dass du dich hier immer noch sehr engagierst!

      2. Ich finde es sehr gut, dass du dich hier immer noch sehr engagierst!

        Danke!

        Es wird noch etwas dauern, bis ich zu dem Artikel komme, weil ich ihn nicht „einfach so“ raushauen will. Hängt auch immer ein wenig von der Tagesform (Zeit/Nerven/Konzentration) ab, was ich schaffe.

    2. „Na ja, Leszek sei sein Intellekt unbenommen.“
      Pseudo-Intellektualismus trifft wohl eher zu. Er ist auch ein Vertreter so einer Raetrepublik-Fruehmarxistischen Religion, der wohl nur er und seine 3 Katzen anhaengen. Doch genug des Bashings – obwohl, wer austeilt muss auch einstecken.

      „Schwachkopf, der die Geisteswissenschaften und Sozialwissenschaften pauschal abwertet“
      Das ist nun mal im Zuge der Aufklaerung so vereinbart worden, dass goettliche Offenbarungen – egal von wem sie nicht bewiesen werden koennen – den Erkenntnissen der harten Wissenschaften nachgeordnet sind.

      „es geht ihnen wesentlich um Selbstaufwertung und Abwertung anderer“
      Das haben die harten Wissenschaften gar nicht noetig, denn was die erforschen kann man nachvollziehen, reproduzieren und immer wieder beweisen. Wenn die Schlaumeier aus den weichen Wissenschaften nur immer auf Zitate anderer Schlaumeier zurueckgreifen, hat das eben gar keine Beweiskraft. Fast alle sozialwissenschaftlichen Studien sind nicht reproduzierbar. Die muss man nicht abwerten, die machen das selbst.

      Aus naturwissenschaftlicher Sicht sind die Genderisten und viele andere geistes- und sozialwissenschaftlichen Paradigmen zur Genuege widerlegt worden. Weitere Widerlegungen aus anderen Fachrichtungen sind ueberfluessig. Was fehlt ist der politische Wille das was richtig ist durchzusetzen und das was falsch ist abzuschaffen. Die zweite Aufklaerung kommt bestimmt, fragt sich nur ob wir es noch erleben oder ob es die Europaer ueberleben.

      1. Hi Luisman,
        na, was macht die jüdisch-kulturmarxistische Weltverschwörung?

        „Pseudo-Intellektualismus trifft wohl eher zu.“

        Und das erzählt uns also jemand, der die rechte Anti-Kulturmarxismus-Ideologie propagiert, eine der mit Abstand dümmsten und irrationalsten Verschwörungstheorien, die sich rechte Demagogen in den letzten Jahren ausgedacht haben.

        Dabei reicht eigentlich schon ein bißchen Internetrecherche aus, um diesen Schwachsinn als Schwachsinn zu durchschauen.

        Du hingegen versuchst bekanntlich deinen unwissenschaftlichen rechten Propagandamüll, selbst nach den Morden von Breivik, noch in Kommentarspalten von seriösen linken Blogs der Männerrechtsbewegung zu platzieren – wo dies eindeutig nicht erwünscht ist – obwohl dir bewusst ist, dass deine rechten Propagandalügen nur die Wirkung haben können, entsprechende Blogs in Verruf zu bringen.

        – Keine Wahrheitsorientierung, kein Verantwortungsgefühl – und jetzt möchtest ausgerechnet du uns etwas über „Pseudo-Intellektualismus“ erzählen?

        „Er ist auch ein Vertreter so einer Raetrepublik-Fruehmarxistischen Religion,“

        Nicht ganz, Luisman. Ohnehin geht es in dem obigen Beitrag nicht um allgemeine politische Fragen und Perspektiven, sondern primär um wissenschaftliche und pragmatische Erwägungen im Hinblick auf die Erhöhung der Erfolgschancen einer wissenschaftlichen Kritik an der autoritären und unwissenschaftlichen gender-feministischen Ideologie – wobei ich dabei selbstverständlich die Bejahung der kulturellen Moderne (Aufklärung, Menschenrechte, Demokratie) als moralisches Fundament seriöser Gender-Kritik voraussetze.

        Und hinsichtlich meiner politischen Weltsicht steht kein „Frühmarxismus“ im Zentrum, sondern der libertäre Sozialismus in sozial-anarchistischer Tradition – also in etwa die politische Perspektive, die der bekannte Sprachwissenschaftler Noam Chomsky vertritt.
        Ich schätze aber davon abgesehen auch einige marxistische Strömungen, allerdings nur die antiautoritären und radikaldemokratischen.

        „der wohl nur er und seine 3 Katzen anhaengen.“

        Na Luisman, du weißt doch sowieso nicht, welche Strömungen innerhalb der Linken es heute gibt und wie diese zu gewichten sind.
        „Kulturmarxismus“ durch die Gegend grölen ersetzt eben keine echten Kenntnisse.

        „Doch genug des Bashings – obwohl, wer austeilt muss auch einstecken.“

        Da sind wir beide zur Abwechslung mal einer Meinung. Ich nutze polemische Stilmittel auch primär bezüglich Leuten, die selbst häufiger polemisieren.

        „„Schwachkopf, der die Geisteswissenschaften und Sozialwissenschaften pauschal abwertet“
        Das ist nun mal im Zuge der Aufklaerung so vereinbart worden, dass goettliche Offenbarungen – egal von wem sie nicht bewiesen werden koennen – den Erkenntnissen der harten Wissenschaften nachgeordnet sind.“

        Die Naturwissenschaften haben natürlich enorm stark von der Aufklärung profitiert, aber die Aufklärung, Luisman, wurde primär von Geisteswissenschaftlern initiiert. Und die Aufklärungsphilosophen waren anfangs übrigens nicht besonders stark naturwissenschaftlich orientiert, eine stärker naturwissenschaftliche Orientierung der Aufklärungsphilosophen kam erst in einer späteren Phase:

        „Die Aufklärung wird oft als große Phase des Interesses an den Naturwissenschaften bezeichnet. Doch diese gewannen nachweislich kaum einen entscheidenden Anteil am Buchmarkt. Sie veränderten die Lebensbedingungen weit weniger als angenommen.
        (…)
        Was heute erstaunt: Naturwissenschaftliche Forschung wird anfangs selbst in Kreisen der Aufklärer belächelt. Weithin sucht die Mehrheitsmeinung nach so genannten Wundern der Natur und verliert sich in Experimenten, die nur kurios wirken und keinen Nutzen bringen. Zum Ende der Aufklärungsdebatte finden sich Utopien, welche die Naturwissenschaften auch nur marginal behandeln.“

        (aus: Horst Herrmann – Philosophie der Aufklärung für Dummies, WILEY-VCH-Verlag, 2012, S. 243 f.)

        Und ansonsten wissen wir doch beide, dass du zu denjenigen gehörst, die in ihrem Leben noch nie in ein Lehrbuch irgendeiner sozialwissenschaftlichen oder geisteswissenschaftlichen Disziplin oder in eine entsprechende Fachzeitschrift hineingeschaut haben und dass dir diesbezüglich jegliche Beurteilungsgrundlage fehlt.

        „„es geht ihnen wesentlich um Selbstaufwertung und Abwertung anderer“
        Das haben die harten Wissenschaften gar nicht noetig,“

        Leider ist egozentrische „naturwissenschaftliche Grandiosität“, mangelnde Befähigung zur Kooperation mit Wissenschaftlern aus geisteswissenschaftlichen und sozialwissenschaftlichen Disziplinen und geringe pragmatische Kompetenz hinsichtlich des angestrebten Ziels speziell bei einem Teil jener Naturwissenschaftler oder naturwissenschaftlich Interessierter, die sich mit Gender-Kritik beschäftigen, ein auffallendes Phänomen. Man kann nur hoffen, dass dies für Naturwissenschaftler bzw. naturwissenschaftlich Interessierte nicht repräsentativ ist.
        Auf jeden Fall ist es m.E. interessant und sinnvoll dieses negative Phänomen einer kritischen Analyse zu unterziehen.

        „denn was die erforschen kann man nachvollziehen, reproduzieren und immer wieder beweisen.“

        Tja, Luisman, sobald es um menschliche soziale und kulturelle Phänomene geht, werden die Dinge, die man als Wissenschaftler berücksichtigen muss, um einiges komplexer und Forschungsergebnisse mit der gleichen Exaktheit wie in den Naturwissenschaften sind oftmals nicht möglich – das liegt aber am Forschungsgegenstand. Ein Naturwissenschaftler, der sich z.B. entscheiden würde sich der Sozialforschung zuzuwenden, würde schnell mit den gleichen Problemen konfrontiert werden.

        „Wenn die Schlaumeier aus den weichen Wissenschaften nur immer auf Zitate anderer Schlaumeier zurueckgreifen, hat das eben gar keine Beweiskraft.“

        Doch, Luisman, je nach Fragestellung kann das selbstverständlich Beweiskraft haben, es beweist nämlich – bei korrekter Zitation – dass eine bestimmte Person etwas Bestimmtes gesagt hat. Und das kann z.B. in der Geschichtswissenschaft, in der Literaturwissenschaft oder in der Philosophie für die jeweilige Fragestellung ganz zentral sein. (Auch ansonsten ist korrektes Zitieren aber natürlich Bestandteil wissenschaftlicher Arbeit.)

        „Fast alle sozialwissenschaftlichen Studien sind nicht reproduzierbar. Die muss man nicht abwerten, die machen das selbst.“

        Dann verlinke oder nenne doch mal die Studie(n), auf die du dich bei deiner Behauptung beziehst, dass fast alle sozialwissenschaftlichen Studien in allen sozialwissenschaftlichen Disziplinen nicht reproduzierbar seien. Dann schauen wir uns mal an, was da tatsächlich drinsteht.

        „Aus naturwissenschaftlicher Sicht sind die Genderisten und viele andere geistes- und sozialwissenschaftlichen Paradigmen zur Genuege widerlegt worden. Weitere Widerlegungen aus anderen Fachrichtungen sind ueberfluessig.“

        Nicht, wenn man wissenschaftlich denkt, Luisman.

        „Was fehlt ist der politische Wille das was richtig ist durchzusetzen und das was falsch ist abzuschaffen.“

        Und dieser politische Wille kommt wohl eher zustande, wenn seriöse gender-kritische Naturwissenschaftler, Sozialwissenschaftler und Geisteswissenschaftler miteinander kooperieren und gemeinsam Druck machen und die Öffentlichkeit aufklären.

        „Die zweite Aufklaerung kommt bestimmt, fragt sich nur ob wir es noch erleben oder ob es die Europaer ueberleben.“

        Also ich persönlich unterscheide 4 Wellen der Aufklärung innerhalb der westlichen Zivilisation, die es bisher gegeben hat.
        Leider ziehen diese auch manchmal Wellen der Gegenaufklärung nach sich. Und zu einer solchen Welle der Gegenaufklärung gehören sowohl die gender-feministische Ideologie als auch die rechte Anti-Kulturmarxismus-Ideologie.

      2. Ach Leszek, wie schoen dass Du Dir mal wieder eine halbe Stunde Zeit genommen hast um Deinen Unfug hier zu verzapfen. Zumindest hat Dich das davon abgehalten anderen Bloedsinn zu machen. Damit koennte ich es eigentlich bewenden lassen, denn mein Ziel ist erfuellt.

        […]Aufklärung für Dummies[…]
        Dachte ich mir, dass Du so was liest. Passt 100%, insbesondere das letzte Wort 🙂

        [..]Nicht, wenn man wissenschaftlich denkt,[…]
        Genau das kannst Du halt nicht, egal wie oft Du das beschwoerst. Klarer Fall von Dunning-Kruger Effekt. Wie ueblich hast Du in keinem Punkt bewiesen, dass meine Aussagen falsch sind, sondern behauptest einfach das Gegenteil.

        So, ich erwarte jetzt mindestens 3 DIN A4 Seiten Geschwurbel von Dir, durchsetzt von 20 oder mehr Links zu Zitaten von Schlaumeiern, die genauso wenig ihre Aussagen beweisen koennen wie Du. Oder schau Dir YouTube Katzenvideos an um Dich wieder zu beruhigen 😉

  2. Ich muss auch sagen, dasss auffällige an Texten der Aufklärung, etwa von Diderot oder Holbach oder schon von Spinoza, ist für mich ihre konsequente Bezugnahme auf die Naturwissenschaften ihrer Zeit; „Geisteswissenschaftler“ gab es damals eigentlich noch garnicht.

    Das ganze Elend begann mit Kant, zumindest in Deutschland.

    1. @ El_Mocho

      „Ich muss auch sagen, dasss auffällige an Texten der Aufklärung, etwa von Diderot oder Holbach oder schon von Spinoza, ist für mich ihre konsequente Bezugnahme auf die Naturwissenschaften ihrer Zeit;“

      Es finden sich natürlich immer Personen, die sich mehr für die damaligen Naturwissenschaften interessierten als andere, aber m.W. wird nach dem aktuellen Stand der Aufklärungsforschung die Aufklärung als weit weniger naturwissenschaftlich orientiert betrachtet als dies früher angenommen wurde.

      Hier wird dieser Aspekt auch nochmal zusammengefasst:

      https://de.wikipedia.org/wiki/Aufkl%C3%A4rung#Wissenschaft

      Übrigens, Spinoza ist auch im Strukturalismus und Poststrukturalismus rezipiert worden:

      http://www.bol.de/shop/buecher/suche/;jsessionid=26041d784f954f5d8766b4915b3cd3f4.tc6p?sq=Spinozistische+Dialektik%3A+Die+Spinoza-Lekt%FCre+des+franz%F6sischen+Strukturalismus+und+Poststrukturalismus+&sswg=ANY&timestamp=1492588974035

      Was aber leider nicht dazu geführt hat, dass Strukturalismus und Poststrukturalismus für ihre Themen relevante naturwissenschaftliche Erkenntnisse stärker einbezogen hätten (für dieses Versäumnis kann Spinoza freilich nichts).

      „„Geisteswissenschaftler“ gab es damals eigentlich noch garnicht.“

      „Naturwissenschaftler“ und „Sozialwissenschaftler“ gab es damals in diesem Sinne auch noch nicht. Diese drei Kategorien und die ihnen zugeordneten Wissenschaften hatten sich noch nicht ausreichend von der Philosophie differenziert.

      Alle Wissenschaften sind aus der Philosophie hervorgegangen, die Naturwissenschaften liefen damals entweder unter Naturphilosophie oder waren ein Teilgebiet der Erkenntnistheorie, die Sozialwissenschaften waren der Praktischen Philosophie (Sozialphilosophie, Politische Philosophie, Ethik) zugeordnet.

      Alle Wissenschaften – und somit auch alle Naturwissenschaften – sind aus der Philosophie hervorgegangen, also einer Disziplin, welche nach heutiger gängiger Kategorisierung den Geisteswissenschaften zugeordnet wird.

      Nicht nur das: die Philosophie hat, indem sie die Aufklärung zur Durchsetzung brachte, erst einen geistig-kulturellen Raum geschaffen, in dem sich die Naturwissenschaften und alle anderen Wissenschaften unbehindert durch religiöse Mythen und Dogmen frei entfalten konnten.

      Und die Philosophie bleibt auch weiterhin, und zwar dauerhaft, der Ermöglichungsgrund aller Wissenschaften, einschließlich der Naturwissenschaften, da jegliche wissenschaftliche Forschung auf erkenntnistheoretischen und wissenschaftstheoretischen Grundannahmen beruht und Erkenntnistheorie und Wissenschaftstheorie Teildisziplinen der Philosophie sind.

      Die Philosophie ist quasi der Stamm, von dem alle anderen wissenschaftlichen Disziplinen die Äste und Zweige sind.

      Während sich die Differenzierung in Naturwissenschaften, Sozialwissenschaften und Geisteswissenschaften und ihre jeweiligen Einzeldisziplinen natürlich nicht rückgängig machen lässt, da sie nunmal verschiedene Forschungsgegenstände besitzen und mit jeweils darauf spezialisierten Forschungsmethoden arbeiten müssen, stimme ich dir aber zu, dass die heutige, zu weitgehende isolierte Aufsplitterung dieser drei Bereiche überwunden werden muss.

      Ich bin ganz entschieden dafür, dass die Ausbildungsgänge so umstrukturiert werden, dass Personen, die ein geisteswissenschaftliches oder sozialwissenschaftliches Fach studieren auch naturwissenschaftliche Kurse besuchen müssen und dass Personen, die ein naturwissenschaftliches Fach studieren auch geisteswissenschaftliche und/oder sozialwissenschaftliche Kurse besuchen müssen.

      Es versteht sich von selbst, dass es sich bei solchen Pflichtkursen stets um solche handeln müsste, die für das jeweilige Fach auch potentiell relevant sind.

      Dass Geisteswissenschaftler, Sozialwissenschaftler und Naturwissenschaftler allesamt dazu neigen, die jeweilige Perspektive ihres Faches mehr oder weniger stark zu überschätzen und dass sie bei vielen Fragen und Themen, bei denen dies eigentlich nötig wäre, die relevanten Forschungsbefunde und Theorien anderer wissenschaftlicher Disziplinen nicht kennen oder in ihrer Bedeutung falsch einschätzen, ist ja meist keine böse Absicht, sondern eben einer zu einseitigen Ausbildung geschuldet.

      Das kann man nur dauerhaft ändern, wenn man die wissenschaftliche Ausbildung etwas stärker interdisziplinär gestaltet.

      „Das ganze Elend begann mit Kant, zumindest in Deutschland.“

      Dafür hat Kant große Leistungen in der Moralphilosophie vollbracht und einen Durchbruch in der Ausformulierung einer Form postkonventioneller Moral geleistet, der später wiederum u.a. John Rawls Theorie der Gerechtigkeit als einen der bedeutendsten Beiträge zur zeitgenössischen Politischen Philosophie sowie die moralpsychologische Forschung inspiriert hat.

  3. Es gibt sehr wohl einige Bücher, welche Beiträge von Geistes- und Naturwissenschaftlern zu dem Thema Gender enthalten.
    Z.B. „Vergewaltigung der menschlichen Identität. Über die Irrtümer der Gender-Ideologie, 6. Auflage, Verlag Logos Editions, Ansbach, 2015: ISBN 978-3-9814303-9-4 und: ( Prader, H., Hrsg.) Als Mann und Frau schuf er sie: Die Herausforderung der Gender-Ideologie. Referate der „Internationalen Theologischen Sommerakademie des Linzer Priesterkreises. Kißlegg-Immenried; Christiana/Fe-Medien, 2015

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