Fundstück: Tom Wellbrock über Depressionen

In einem Artikel bei den Neulandrebellen namens „Depressionen: Das gefährliche „Uns-geht-es-gut-Paradoxon““ stellt Tom Wellbrock einen Zusammenhang zwischen Depressionen und Druck in der Arbeitswelt her:

Zudem hat die Zunahme von Depressionen sachliche Gründe. Die [sic!] Druck am Arbeitsplatz wird immer größer, Zeitarbeit und befristete Arbeitsverträge erhöhen die Belastung zusätzlich. Ständige Erreichbarkeit, Überstunden, Wochenendarbeit und die Aussicht darauf, jederzeit austauschbar zu sein, verstärken die Wahrscheinlichkeit, dass psychische Probleme zunehmen.

Den Zusammenhang zwischen Depressionen und Selbstmord erwähnt Wellbrock dankenswerterweise gleich in der Einleitung. Dass in wirtschaftlich mauen Zeiten die Suizidraten bei Männern in die Höhe schnellen, ist längst nachgewiesen – zum Beispiel in den USA und in Osteuropa.

Es hat schon seinen Grund, warum ich Depressionen für ein wichtiges Männerthema halte: Männern wird weniger Mitleid zuteil (gender empathy gap) – genau das wäre aber nötig, um ihnen zuzugestehen, dass sie im Falle von Depressionen Hilfe benötigen. Denn alleine, so schreibt es auch Wellbrock völlig richtig, ist es nur sehr schwer, Depressionen zu bewältigen:

Einmal in den Strudel der dunklen Gedanken hineingezogen, ist es ohne Hilfe schwer bis gar nicht möglich, sich der Depression zu entziehen.

Dazu kommt das – ebenfalls erwähnte – allgemeine Missverständnis, dass sich Menschen mit Depressionen „nur mal zusammenreißen“ müssen oder sich anstellen würden. Die Beschämung als „schwach“ dürfte insbesondere auf Männer eine fatale Wirkung haben.

Außerdem schlägt Wellbrock den Bogen von dem von oben verkündeten Optimismus und der unten erlebten Realität:

Auch das stetig zu hörende „Es geht uns gut“ bewirkt bei Menschen mit Depressionen alles andere als Optimismus, können sie doch diese These nicht teilen, sei es wirtschaftlich, emotional oder – wie so oft – weder in dem einen noch in dem andere Bereich.

In einem früheren Artikel, auf den er in den Kommentaren verweist, stellte er die These auf, dass Depressionen und Passivität ein gewolltes politisches Mittel seien. Gar nicht abwegig: Wer will schon aufbegehren, wenn er oft nur mit allergrößter Mühe den Alltag bewältigt? Da fehlt der lange Atem für Veränderung.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Angela Merkel hatte das Internet als Neuland bezeichnet, was die Neulandrebellen zu ihrem Blognamen inspirierte. Dann bringe ich auch ein Lied mit „Land“ im Namen…

Clannad: Strange Land

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