Nostalgie-Fundstück: Dating der Zukunft aus Cherry 2000

Bei vielen 1980er-Jahre-Streifen werde ich inzwischen an den Spruch erinnert: Leute, diese dystopischen Erzählungen waren nicht als Anleitung gedacht!

Selbst ein eher trashiges Werk wie Cherry 2000 hat hier seine Meriten. Wer den Film noch gucken möchte, lese daher nicht weiter, denn ab hier gibt’s Details.

Erster Lacher: Spielt im Jahr 2017.

Die Wirtschaft ist inzwischen den Bach heruntergegangen, die Gesellschaft verroht. In den großen Städten hat man den Rest der Welt praktisch vergessen. Außerhalb der wenigen noch halbwegs zivilisierten Zonen haben Banden das Sagen.

Mit anderen Worten: Völlig realitätsfern, wie sich die Leute damals das Jahr 2017 vorgestellt haben! 😀

Dieser Hintergrund bietet natürlich zahlreiche Gelegenheiten für Ballereien und sonstige Gewalt. Der Plotauslöser ist allerdings der eigentliche Grund, warum der Film mir immer wieder ins Gedächtnis kommt. Hier werden zwei Themen behandelt, die in der Geschlechterdebatte in den letzten Jahren immer wieder auftauchten. (Das wurde übrigens vorher schon von Kommentator GOI erwähnt, sehr gut!)

Nummer 1: Roboter als Ersatz für eine Partnerin. Der Protagonist hat so einen, Modell Cherry 2000. Hat nicht nur das Aussehen und die Figur eines Fotomodells (umgesetzt durch Besetzung mit einem Fotomodell), sondern macht auch Essen und wäscht ab, ist also nicht nur für Sex zu gebrauchen.

Nummer 2: Modernes Dating, bei dem alles bereits vorher ausgehandelt werden muss. Die Idee, dass man aufgrund der geforderten „consent culture“ und dem neuen Sexualstrafrecht praktisch vor dem Geschlechtsakt einen Vertrag ausmachen und von einem Anwalt prüfen läßt, hier ist sie bereits vollständig umgesetzt!

Tja, und dann kann es auf den letzten Metern doch noch scheitern aufgrund einer „oralen Klausel“… womit wir wieder bei dem Thema wären, warum mancher Mann auf Roboter zurückgreift und lieber in eine Todeszone reist, um sein Lieblingsmodell zu ergattern!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Mir war bisher gar nicht bewusst, dass die Musik aus dem Film von dem Mann stammt, der auch den „Starship Troopers“-Soundtrack gemacht hat!

Basil Poledouris: Cherry 2000 Music Suite

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4 Kommentare zu „Nostalgie-Fundstück: Dating der Zukunft aus Cherry 2000“

  1. Endlich hat jemand ausgegraben, wie dieser Schinken hieß.
    Großartig!!!
    Muss ich unbedingt noch einmal sehen. Vor allem das giftige Verandeln der Kinderzeugungsverträge im Beisein von Anwälten, weil Kinder leider nicht ohne echte Partner zu machen sind, während das Sex-Leben im Prinzip grundsätzlich mit Robotern stattfindet 😉

    1. Ganz vergessen: Hatte sich nicht neulich erst eine sogenannte Forscherin empört über weibliche Sex-Roboter geäußert?
      Ach ja, im ehemaligen Nachrichtenmagazin stand was, u.a.:
      „Die Stuttgarter Technik-Philosophin Catrin Misselhorn befürchtet, dass das Ausleben solcher Fantasien mit einem Roboter Anreize schaffen könnte, die Aktionen auch in die Realität zu übertragen.“
      http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/sex-mit-maschinen-der-roboter-ist-immer-geil-a-1117477.html

      Die Behauptung halte ich übrigens ganz und gar nicht beweisen, eher wäre es eine hochinteressante Frage für echte empirische Forschung, ob eine gefährliche Deviation über eine Roboter-Puppe gesellschaftlich ungefährlich gemacht werden kann, oder ob tatsächlich eine Art Bestätigungslernen plus Steigerung der Wünsche stattfindet. – Oder ob beides denkbar ist, jenachdem wie der Roboter programmiert ist, was ja auch eine Option wäre.

      1. „Die Stuttgarter Technik-Philosophin Catrin Misselhorn befürchtet, dass das Ausleben solcher Fantasien mit einem Roboter Anreize schaffen könnte, die Aktionen auch in die Realität zu übertragen.“

        Es ist natürlich umgekehrt: Neben Pornographie und Prostitution wären Virtual-Reality-Sex und Sex-Roboter zwei weitere Möglichkeiten der Triebableitung.

        Hier schadet ein schlechtes Männerbild dem Selbstwertgefühl der Frau: Wer tatsächlich glaubt, dass Männer „immer nur das eine wollen“, der muss befürchten, einem Mann plötzlich gar nichts mehr zu bieten zu haben, wenn Männer den Druck auch anders (und gut genug) loswerden können.

        Verteufelung von Männern hat also einen offensichtlichen Bumerang-Effekt auf Frauen. So sieht es aus, wenn man das Bild eines Geschlechterkrieges zeichnet, wo in den meisten Fällen Kooperation in der Realität viel beliebter ist.

  2. „Männer wollen immer nur das eine“: Dass umgekehrt auch dieses Bild Wirkungen hat … darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht. Wobei sich fragt, ob das nicht eher ein traditionelles Bild ist, das man „progressiven“ Feminismus-Anhängern so nicht zuschreiben darf. Aber da wird es ja sowieso kompliziert, denn wie progressiv ist eine polittische Richtung, die ultrakonservative Inhalte des Islam mit an Bord nimmt, statt sich an modernen entspannteren Muslimen zu orientieren oder gleich ganz darauf zu verzichten, das als Sonderfall der Freiheit umzudefinieren? Erstaunlich, um wie viele Ecken herum da manchmal gedacht wird, zumal da ja immer die Gefahr besteht, dass es zum Stille-Post-Phänomen kommt, vor allem in ideologisch abgeschlossenen Gruppen.
    Ups, versehentlich neues Wort erfunden: Stille-Post-Feminismus. Ich schenke das Wort der Öffentlichkeit zum freien Gebrauch 😉

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