Fundstück: „Niemand bezeichnet erwachsene Männer als Jungen“

Die Schauspielerin und Neurowissenschaftlerin Mayim Bialik richtet ein Sprachappell an alle Männer: Sie sollen nicht „Mädchen“ zu Frauen sagen. Aus der Beschreibung des Videos:

I get super annoyed when people call women „girls.‘ You don’t call a grown man a „boy,‘ do you?

Mayim Bialik: „Girl“ vs. “Woman“: Why Language Matters

Nun hatte der Doktorant erst kürzlich dafür plädiert, beim Argumentieren Fakten zu verwenden statt Emotionen. Das läßt sich hier schon auf ganz kleiner Flamme anwenden.

Die Behauptung sowohl in dem Video als auch in der Beschreibung ist: Man würde doch auch keine erwachsenen Männer als „Jungen“ bezeichnen.

Mir fielen da als erstes die „Chicago Boys“ ein, eine Gruppe von chilenischen Ökonomen, die unter Pinochet die Wirtschaft Chiles nach den Lehren von Milton Friedman umgestalteten. Aber gut, die muss ja nicht jeder kennen.

Aber wie heißt denn das noch auf Neudeutsch, wenn man angebliche Nachteile von Frauen bei der Karriere beseitigen will, die dadurch entstehen, dass die Männer sich gegenseitig unterstützen und sie außen vor ist? Ah ja, das „old boys‘ network“ aufbrechen…

Die ganze Argumentation basiert auf der sprachlichen Ungleichbehandlung von Frauen und Männern – und ich schüttele mir direkt zwei einfache Gegenbeispiele aus dem Ärmel. Das war wohl nichts…

Das Video selbst ist aber ein gutes Beispiel für unbelegte Behauptungen. Man könnte hier wie bei einem Fehlersuchbild die typischen Irrtümer nacheinander aufzeigen.

Weitere Beispiele, in denen erwachsene Männer mit „Jungs“ tituliert werden, gerne in den Kommentaren!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Gut, einen habe ich noch zum Thema „man wird doch keine erwachsenen Männer als Jungs bezeichnen“… wenn das wahr wäre, wie müsste die Zeile „I’m looking for a good time“ dann interpretiert werden?

Sabrina: Boys, Boys, Boys

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18 Kommentare zu „Fundstück: „Niemand bezeichnet erwachsene Männer als Jungen““

  1. Einfach mal die englische Wikipedia Eintrag ‚Boy‘ angeclickt. Auf Anhieb dort gefunden: „The term ‚our boys‘ is commonly used for a nation’s soldiers, often with sympathy.“. „Bring back our boys“, klassischer Slogan der Friedensbewegung.

  2. »Bring our boys back home!« bezieht sich nicht auf Boko-Haram-Opfer, sondern auf dienstverpflichtete Soldaten. Das sind zwar in der Mehrzahl junge Männer, aber trotzdem Erwachsene. Manche Frauen haben einen »Loverboy«, da bezieht sich der Boy auf die sexuelle Attraktivität und nicht aufs Alter, auch einen »boyfriend« kann sich jede Frau zulegen, die einen sprachlichen Jugendkult pflegt. »Jungs!« ist als Anrede für eine Gruppe von Männern fast beliebigen Alters nicht unüblich: »Hört mal zu, Jungs!« »Auf geht’s, Jungs!« Manchmal wird sogar »Mädels« als ironisch Anrede für Männer gewählt. Der französische Kellner ist der »garçon«.

    »Jungen« überall …

  3. Ha, sie sagt tatsächlich Mütter sind „usually“ Women. Da hat sie aber gut aufgepasst!

    Ansonsten ganz schön passiv-aggressiv ^^

    1. „Mütter sind „usually“ Women. Da hat sie aber gut aufgepasst!“

      Überhaupt nicht. Eklatant transphob!!! Wo bleibt der Shitstorm? Immer, wenn man den Feminismus braucht, isser nicht da! In Kanada säße sie schon längst im Gefängnis wegen hate speech!

      1. Ich dachte dabei an meinen Cousin, der in dem Jahr, in dem er konfirmiert wurde, schon 2 Mütter als Klassenkameraden hätte und eine dritte die schwanger war. Ich würde die noch nicht als Frauen bezeichnen.

  4. 1.
    „Our Boys“ wird in der englischsprachigen Welt genauso verwendet wie in Deutschland „Unsere Jungs“.
    Armee, Sport, Musik…
    Im Film gibt es den „Best Boy“, auch wenn dies auch eine Frau sein kann.

    „A man’s group of male friends etc. engaged in Male bonding are often called „the boys“. It is most common to refer to men, irrespective of age or even in an adult age group, as boys in the context of a team (especially all-male), such as old boys for networking of adult men who attended the same school(s) as boys, or as professional colleagues, e.g. „the boys at the office, – police station etc.“ (often all adults). The members of a student fraternity can be called frat(ernity) boys, technically preferable to the pleonasm frat-bro(ther), and remain so for life as adults, after graduation.“
    Nur ein Ausschnit aus https://en.wikipedia.org/wiki/Boy

    2.
    Frauen haben keine Proleme Männer als Jungs zu bezeichnen, besonders wenn sie es negativ meinen. Sprüche wie „boys will be boys“ oder „Jungs das Spielzeug wegnehmen“ (z.B. bei der letzten Fußballweltmeisterschaft)

    3.
    Abgesehen davon bezeichnen sich Frauen nicht selten selbst als Mädchen. Z.B. „Mädchenmannschaft“, oder das „Mitte Maedchen“ das keine Süße Maus sein wollte.

    Auch bei Frauen sind es „Unsere Mädels“ beim Sport u.ä.


    Von den „Spice Girls“ und den „Pet Shop Boys“ hat dieses Mädel wohl auch noch nichts gehört.

    Entweder hat sie keinen Kontakt zur Außenwelt (Psychatrie?), oder sie lügt hier ganz bewußt!

  5. Ich frage mich oft, wie wichtig man die diversen sprachlichen Ergüsse auf YT nehmen soll. Diese mir bis dato nicht bekannte Dame (korrekt angeredet?) hat immerhin ungefähr 50 – 100k Aufrufe pro Video, ist also C- oder vielleicht sogar B-Promi auf YT, aber trotzdem übermorgen schon vergessen. Hoffentlich.

    1. Ich kenne sie als Hauptdarstellerin der Serie „Blossom“ – ist aber schon mehr als 20 Jahre her. Du hast recht; unter normalen Umständen würde ich so etwas nicht unbedingt besprechen. Mich hatte jemand explizit darauf hingewiesen. So als kleine gedankliche Übung zwischendurch fand ich es nicht schlecht; und tatsächlich sind ja zahlreiche Kommentare mit guten Beispielen zur Widerlegung gekommen.

  6. Nicht zu vergessen die Buddy-Movies „Bad Boys“ und „Bad Boys 2“ mit Will Smith und Martin Lawrence als ziemlich knallharte Drogenpolizisten.

  7. Thin Lizzy – The Boys Are Back In Town

    „At the 2012 Republican National Convention, the song was used to introduce Vice-Presidential Candidate Paul Ryan on stage.
    […]
    The song has appeared in many TV commercials. It appeared in a 2005 ad for Wrangler jeans, a 2012 ad for Chase,[16] and a 2016 ad for Nissan’s Heisman House, which features Heisman Trophy winners.“
    https://en.wikipedia.org/wiki/The_Boys_Are_Back_in_Town#Appearances_in_other_media

  8. Wie es schon ein Kommentator schrieb: die nennen sich doch selbst Mädchen!

    Vor einer Weile wurden „Rasil Girls“ und „Code Girls“ durch die Arena getrieben. Was für „Girls“: http://www.jetzt.de/feminismus/code-girls

    (Lacher für jeden, der Linux nur ein kleines Wenig kennt, das wurde natürlich von der Autorin falsch wiedergegeben, denn den Kurs selbst hält ein extra eingeladener Mann:

    ~$cd Desktop / pommes frites“ schreibt Lucas, um in den Ordner „pommes frites“ auf dem Desktop zu wechseln.

    Für diese Kleinigkeiten sind die Code-Girls vermutlich überqualifiziert, um sie selbst zu unterrichten.

    Was Mayim Bialik angeht, die fand ich, da sie wirklich studiert hat, und in Interviews recht schlagfertig ist, eigentlich ganz nett, bis sie mal aus ihrem Leben erzählte. Die schwebt schon in anderen Sphären als normale Leute. Aber das wäre hier wohö zu sehr Offtopic.

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