Fundstück: Wie man eigene blinde Flecken erkennt

In einem längeren E-Mail-Austausch über Fettlogik und Homöopathie kommen Nadja Hermann (Erzählmirnix) und Natalie Grams unter anderem auf „blinde Flecken“ im früheren Weltbild zu sprechen:

Nadja Hermann:

Und was mir ebenfalls hätte eine Warnung sein können: Ich bin jemand, der an sich sehr gerne diskutiert und seine Meinung sagt, auch wenn die kontrovers ist. Beim Thema Gewicht war das allerdings ganz anders und ich ging solchen Diskussionen von vornherein aus dem Weg.

(an Natalie Grams gerichtet:)

Was denkst du, was dir letztlich geholfen hat, ein Umdenken überhaupt zuzulassen und woran man erkennen kann, dass man sich in einem Thema irgendwie verrant hat? Was können Warnzeichen sein und was kann man tun?

Natalie Grams:

[I]ch glaube, ein Warnzeichen war, dass ich mich so tierisch aufregt habe über die Homöopathie-Lüge und die Rezensionsschlacht bei Amazon. Wenn ich die besseren Argumente gehabt hätte, hätte ich doch ganz ruhig bleiben können. Ich habe gemerkt (…), dass ich meine Souveränität, meine Sicherheit verliere. (…)

Also, vielleicht ist der Punkt, wenn man merkt, dass einen eine Aussage total aufregt, dass man – bevor man reflexartig zurück schießt, wie blöd der andere ist – mal inne hält und sich überlegt, warum einen das SO aufregt. Ich glaube, wenn man dann ganz ehrlich zu sich ist, dann sind neue Erkenntnisse möglich und auch ein Umdenken – egal welchen Bereich das betrifft.

Nadja Hermann:

Das würde ich so unterschreiben. Wenn ich merke, dass ich nach Ausreden suche, um die Argumente gar nicht erst anzuschauen und mir z.B. sage, dass die Person eh doof ist oder ich keine Lust auf so einen Quatsch habe, nehme ich das inzwischen als Warnzeichen, dass ich vielleicht auch nur Angst davor habe, dass an dem Argument tatsächlich etwas dran ist.

Diese Ratschläge kann man natürlich auf beliebige weltanschauliche Themen anwenden, weswegen ich sie so sinnvoll finde. Ich finde sie glaubwürdig präsentiert, weil beide das nicht anderen vorschreiben, sondern von sich selbst berichten, wie sie jahrelang falsch gelegen haben.

Auch interessant: „Wenn es mich triggert“ – ist es gut! Das widerspricht ja allen Forderungen, bestimmte Themen, Wörter – ja, sogar Personen – aus dem öffentlichen Leben zu verbannen, weil sie so „problematisch“ und „traumatisierend“ sind.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Bequeme „Erklärungen“, mit denen man sich selbst einlullt, und eine Heilung dagegen ist nur schwer zu finden… da fielen mir folgende Band und Titel ein:

The Cure: Lullaby

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