Männer und ihr Pornokonsum

Es folgt ein Gastartikel von Lion.

Genderama berichtete am 14. März über einen Artikel der „taz“, in dem mal wieder der Pornokonsum der Männer angeprangert wurde. Dass diese Männer-Pornos so seelenlos seien, Frauen bloß „Mittel zum Zweck“ seien und so weiter (Randnotiz: Um es besonders schmuddelig zu machen, werden dort auch Pornos mit Tieren und ähnliche Abartigkeiten eingeflochten, auch wenn dies für den absoluten Großteil der Pornonutzer kaum eine Relevanz spielen dürfte – egal, wenn schon diffamieren, dann richtig). Hier meine Stellungnahme dazu:

Immer dieses blödsinnge Gefasel über den ach-so-schlimmen Pornokonsum von Männern. Ja, genau, die meisten Männer wollen kein „Drumherum“, keine Handlung, keine Konversation, sondern für den Reiz nur das sehen, worauf es ankommt. Ja, Sex ist was Archaisches, was Primitives. Schon immer gewesen, bleibt auch so (daran ändert kein wohlfeiles Gerede der Welt was – gottseidank). Und Alice Schwarzer irrt in gewisser Weise, wenn sie über Prostitution sagt, dass diese etwas mit den Machtgelüsten des den Sex kaufenden Mannes zu tun. Sex hat IMMER auch etwas mit Machtgefühlen zu tun, sowohl beim Mann, als auch bei der Frau. Es geht auch immer um das Gefühl, was man beim Anderen bewirkt, wohin man die andere Person bringt (und das nicht nur im Sinne eines blümchenartigen „ach ich bereite ihm/ihr Lust, ist das schön“). Umgekehrt geht es auch darum, quasi Grenzverletzungen zu erfahren, denn nichts anderes ist Sex doch. Jeder, der fähig ist, seine Emotionen beim Sex zu reflektieren und analysieren ( … muß ja nicht während des Aktes sein …) weiß das, da braucht keiner Empörung zu heucheln. Porno ist die Überzeichnung des Ganzen. Auf den Punkt gebracht und verstärkt. Da gibt es nichts daran zu verdammen (außer man gehört dem feministischen Lager an und assoziiert falsch, dass diese sexuellen Emotionen auch auf das Alltagsleben durchschlagen). Wie soll man denn da die Seele einer Person im Porno sehen (wollen)? Porno ist Körperlichkeit, nicht Seele. Wer Seele will, soll einen Liebesroman lesen. Apropos Roman: Was soll man eigentlich von der Heerschar weiblicher Krimileser halten, die für einen zünftigen Thriller immer eine erschossene, erdolchte oder erdrosselte Person benötigen? Wo bleibt denn da die Mitmenschlichkeit? Könnte man das Opfer nicht totstreicheln? Und wieso fahren eigentlich soviele Frauen auf den Roman „50 Shades of Grey“ ab?! Abgesehen davon: Woher kommen die schier unendlichen Massen an Frauen, die sich in kommerziellen aber insbesondere auch privaten Pornodarstellungen zeigefreudig geben? Was treibt diese an, wenn sie doch genau wissen, wozu diese Aufnahmen genutzt werden, sobald diese im Internet gelandet sind? Fragen über Fragen, die man sich erstmal beantworten sollte, bevor man verlogen die Männer im x-ten Aufguß mal wieder für den Konsum von Pornos heruntermacht. Die Frauenschaft scheint da nicht einig zu sein. Auf der einen Seite die, die sich moralisch erheben über die primitiven Männer (speziell für Frauen gemachte Pornos sind ja sooo viel gehaltvoller), auf der anderen Seite diejenigen, die sich die „Unmoral“ zu nutze mache oder sich gelinde gesagt selbst daran aufgeilen, daran mitzuwirken.

Ergänzung (von Graublau)

Genderama vermeldete am 29. Januar:

Kuriose Nachricht der Woche: Während des „Frauenmarsches“ am vergangenen Wochenende gingen die Zugriffszahlen auf Online-Pornos spürbar zurück. Wie man aus dem Artikel erfährt, sind ein Viertel der Besucher von Websites wie „Pornhub“ weiblich.

Das Ausmaß ist tatsächlich beachtlich. Dass Frauen Pornographie konsumieren, dürfte hingegen jeder wissen, der die letzten Jahre nicht unter einem Stein verbracht hat. Von Pornhub gab es schon Ende 2014 eine entsprechende Auswertung der Nutzervorlieben.

Arne Hoffmann dazu im selben Genderama-Artikel:

Ich glaube ja, das ist das eigentlich „subversive“ und „gefährliche“ von Maskulisten wie mir: der ständige Hinweis darauf, dass Frauen und Männer so unterschiedlich, wie gerne getan wird, gar nicht sind. Viel Spaß bei dem Versuch, gegen solche Analysen irgendwelche „Spielregeln“ oder „Gesetze“ zu erfinden.

Natürlich gibt es Unterschiede – aber sie sind eben nicht unüberbrückbar oder auf der einen Seite stets „des Teufels“. Einen Unterschied wie Tag und Nacht findet man denn eher in der Bewertung. So lieferte Arne Hoffmann bereits vor Jahren ein Plädoyer für Gewaltpornographie (klingt vielleicht schlimm, enthält aber gute Argumente!), bei dem er auch daran erinnerte, dass etwa S/M nur dann abgelehnt werde, wenn der dominante Partner männlich sei. Soviel zur sexuellen Freiheit von erwachsenen Menschen…

Allgemein zum Thema hatte ich bereits hier im Blog auf Tina Lorenz zur Geschichte der Pornographie verwiesen. Ja, man kann ganz ohne Empörung oder Verdammung über solche Themen reden!

Gastartikel? Autor werden?

In der Diskussion neulich wurde erwähnt, dass es nicht (mehr) transparent ist, wie man hier mitmachen kann. Deswegen sei noch einmal ausdrücklich erwähnt:

Man kann einen Gastartikel einreichen (E-Mail an geschlechterallerlei ät gmail punkt com).

Wer will, kann auch Autor werden. Dafür braucht man ein Konto bei WordPress. Danach ebenfalls eine E-Mail an oben genannte Adresse schicken mit der E-Mail-Adresse, die mit dem WordPress-Konto verknüpft ist. Darauf gibt es dann eine Einladung.

„Männer, Frauen und der ganze Rest“ bedeutet auch, dass es keine Festlegung gibt, welche Position man vertritt.

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4 Antworten zu Männer und ihr Pornokonsum

  1. Gereon schreibt:

    Das ist ganz einfach einfach.
    Männer über ihre Sexualität in die Defensive drängen.
    Wenn Männer das genauso konsequent ,mit Frauen und deren Bedürfnissen machen würden, wär da schnell schluss. Tun sie aber nicht.
    Weil Männer einfach anständiger sind und Skrupel haben. Frauen wohl eher nicht.
    Und wenns keine Feministinnen gäbe dafür nehr natürlich veranlagte Frauen, wär das Pornophänomen keines. Problem wird es nur durch die Problematisierung, Phänomen wird es durch den Bedarf.

  2. Semikolon schreibt:

    „Umgekehrt geht es auch darum, quasi Grenzverletzungen zu erfahren, denn nichts anderes ist Sex doch. Jeder, der fähig ist, seine Emotionen beim Sex zu reflektieren und analysieren ( … muß ja nicht während des Aktes sein …) weiß das, da braucht keiner Empörung zu heucheln.“

    Was solln damit gemeint sein?

  3. Andi schreibt:

    TOP Kommentar. Du hast mir geradezu aus der Seele geschrieben. 🙂 Hätte ich den Kommentar geschrieben, wäre Er wohl sehr ähnlich geworden.

  4. Andi schreibt:

    Also ich meinte mit Kommentar den Artikel selber!!! Von Lion!!!

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