Fundstück: Gender Pay Gap – der Fall Janusz Korwin-Mikke

Zum Mythos Gender Pay Gap hatte ich zuletzt über den Fall Birkenstock berichtet, bei dem tatsächlich einmal jahrelang Frauen für dieselbe Arbeit weniger gezahlt worden war als Männern. Meine Bewertung seinerzeit:

Das ist – wie man es auch dreht und wendet – genau der Fall, der für den Gender Pay Gap immer behauptet wird. Hier stimmt die Behauptung tatsächlich und auch wenn ich sie im allgemeinen für falsch halte, werde ich mich davor hüten, solche Fälle kleinzureden. Im Gegenteil, die Redlichkeit gebietet es, auch Sachen zu veröffentlichen, die dem eigenen Weltbild widersprechen.

Via Fefe wurde ich vor einigen Tagen auf die folgende Äußerung des polnischen EU-Parlamentariers Janusz Korwin-Mikke aufmerksam. Er soll sinngemäß allen Ernstes gesagt haben:

„Natürlich müssen Frauen weniger verdienen als Männer, weil sie schwächer, kleiner, und weniger intelligent sind.“

Nun muss man bei den Medien vorsichtig sein, ob sie nicht sinnverzerrend zitieren oder Leuten Aussagen in den Mund legen. Also habe ich mal nach einem Mitschnitt gesucht. Hier sehr kurz und knapp die relevante Passage:

Janusz Korwin-Mikke: „Frauen sind weniger intelligent“

Er hat es tatsächlich so gesagt. Mir fällt auch kein Kontext ein, in dem diese Aussage einen Sinn ergeben würde.

Für mich selbst ist die Sache damit schon klar, aber selbstverständlich läßt sich mein kleiner Test auch hier anwenden: Ersetzt man „Frauen“ wahlweise durch „Ausländer“, „Schwarze“ oder „Juden“ (und „Männer“ durch „Inländer“, „Weiße“ bzw. „Arier“), kommt eine fremdenfeindliche, rassistische oder antisemitische Aussage dabei heraus. Natürlich ist das Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF) gegen Frauen.

Hier haben wir also in der Tat einen Fall, in dem jemand den Gender Pay Gap mit Sexismus begründet. Allgemein bin ich nicht der Meinung, dass Leute so denken oder handeln, aber ebenso wie der Fall Birkenstock muss das aus Gründen der Redlichkeit veröffentlicht werden.

Die Reaktionen fielen entsprechend aus. Wie die ursprüngliche Berichterstattung vermeldete:

EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani teilte am Donnerstag mit, dass er eine Untersuchung eingeleitet habe. Mehrere Abgeordnete hätten ihn auf den Vorfall hingewiesen.

Korwin-Mikke drohen Sanktionen von einer Ermahnung über eine Geldstrafe bis hin zu einem zeitweisen Entzug der Stimmrechte sowie einem vorübergehenden Teilnahmeverbot für Aktivitäten des Parlaments.

Sprich, natürlich trifft er damit nicht auf breite Zustimmung, sondern harsche Ablehnung. Die überwiegende Mehrheit der Menschen findet das eben nicht ok.

Korwin-Mikke gehört keiner Fraktion im EU-Parlament an. In Polen ist er Vorsitzender der konservativen und europaskeptischen Partei Korwin.

Wenn jemand im EU-Parlament, wo sogar die Nationalisten und Rechtspopulisten Fraktionen bilden, alleine ist, und einer Partei angehört, die offenbar nach ihm selbst benannt ist, spricht das Bände: Der Mann gefällt sich in der Rolle als poltriger Provokateur und ist ansonsten ziemlich isoliert. Mit solchen Aussagen bekommt er leicht die Aufmerksamkeit, die er möchte.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Wenn aus Polen schon solch ein Grütz kommt, dann wenigstens zum Ausgleich ein wenig polnische Musik.

Lady Pank: Kryzysowa Narzeczona

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10 Kommentare zu „Fundstück: Gender Pay Gap – der Fall Janusz Korwin-Mikke“

  1. Dabei wissen doch alle, seit Jürgen Trittin, da Frauen das begabtere Geschlecht sind. Für diese Aussage gab es übrigens keine Sanktion, etc.

  2. Dieser Typ ist ja völlig durchgeknallt und hat irgendwie die letzten 200 Jahre kulturelle Entwicklung verpaßt. Kurzes Googlen bringt weiteres über ihn zutage, wo man sich nur noch an den Kopf faßt:
    http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/korwin-mikke-drohen-konsequenzen-wegen-frauenfeindlicher-aeusserungen-14908226.html
    https://www.welt.de/politik/ausland/article143712210/Polnischer-EU-Abgeordneter-loest-mit-Hitler-Gruss-Eklat-aus.html
    Das eigentlich erschreckende sind die 7,15 Prozent der Stimmen, die seine Partei bei der Europawahl 2014 bekommen hat.

    Der eigentliche Brüller ist ja, daß dieser Frauenhasser mit Frauke Petri und Marine le Pen verhandeln darf, wenn er rechtsaußen Koalitionen bilden will. Ich rätsele gerade, welche der beiden Seiten mehr angeödet ist.

  3. Und wieder ein Name, der in einem Atemzug mit Breivik genannt werden wird, um zu beweisen, dass alle Nicht-Feministen böse sind…
    Ach ja. Und er wird dafür herhalten, dass es den gender wage gap gibt, weil „die Männer“ alle so ticken wie der.

  4. Aber auch unabhängig von der vermutlichen Idiotie des Abgeordneten.

    Man „darf“ ja nur schwer in diese Richtung denken, aber wenn man alle Emotionen beiseite schiebt, dann könnte man folgende Kette betrachten:
    * Gehaltsdurchschnitt wird durch überdurchschnittliche Zahlungen dominiert.
    * Überdurchschnittliche Intelligenz korreliert mit überdurchschnittlichen Gehältern
    * Männer sind (auch wenn natürlich sehr wenige betroffen sind) eher überdurchschnittlich intelligent als Frauen.

    Diese drei Thesen – die alle prüfbar sind (und geprüft werden müssen) – könnten (was auch nachgeprüft werden müsste) dazu führen, dass tatsächlich ein Teil der „Gehaltsunterschiede“ erklärt werden könnte dadurch, dass „Männer intelligenter als Frauen sind“.

    Aber vermutlich spielt das gar nicht mit rein – da ja die ernsthaft betrachteten „Gehaltsunterschiede“ eh nahe bei Null liegen 🙂

    1. „Gehaltsdurchschnitt wird durch überdurchschnittliche Zahlungen dominiert“

      Beim unbereinigten GPG ist das eher nicht der Fall. Wenn man das durch Vergleich der Mediane berechnet, hat man gsr keine Gehaltsdurchschnitte. Sofern man das GPG durch Vergleich der Gehaltsdurchschnitte berechnet, spielen die vielen Frauen in niedrigen Lohngruppen eine dominierende Rolle.

      Beim bereinigten GPG (nach der Oaxaca-Blinder-Dekomposition) werden ebenfalls nicht wirklich Gehaltsdurchschnitte verglichen, sondern Koeffizienten von Schätzformeln für die geschlechterspezifischen Gehälter. Hauptursache des offiziellen bereinigten GPG sid vor allem fehlende Daten, mehr dazu in einem aktuellen Blogpost:
      Fake News vom Statistischen Bundesamt

      „da ja die ernsthaft betrachteten „Gehaltsunterschiede“ eh nahe bei Null liegen“

      So ist es, wenn damit das bereinigte GPG gemeint war. Quellenangaben dazu im o.g. Blogpost.

      1. Da Du dich zuanfangs auf den Median beziehst:
        Aus Neugier: Wie lautet dieser? Schätzung meinerseits: 2000€ brutto? 😦

        Das hier tatsächlich lustige Rechenmodelle genutzt werden wundert mich – ich ging bisher (Pressemitteilungen, yay) von popeligen Durchschnittsberechnungen aus..

      2. Hallo mitm – ich habe mir Deinen Post etwas genauer durchgelesen.

        Die Pressemitteilung https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2016/03/PD16_097_621.html hast du meines Erachtens völlig korrket als Fake News eingeordnet (da in sich widersprüchlich).

        Die ernsthafte Quelle https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/VerdiensteArbeitskosten/Verdienstunterschiede/VerdienstunterschiedeMannFrau5621001069004.pdf habe ich mir aufgrund des Umfangs nicht genauer angesehen.

        Mir kam aber ein einfacher Gedanke, um generell die Bedeutung von Berufsunterbrechungen einschätzen zu können:

        Eine zentrale Frage ist aus meiner Sicht: wieviel bringt die Berufserfahrung.
        0,65% Gehaltssprung bringen bei 40 Jahren Berufstätigkeit 30% Gehaltszuwachs.
        Da der Metallerrahmenvertrag 28% Leistungszulage kennt – und diese früher oft und gerne mit der Betriebszugehörigkeit anstieg, würde ich das erstmal als erste Basishypothese stellen: Jedes Jahr Berufserfahrung bringt 0,65% Gehaltszuwachs
        Ich wollte als Vergleich den TVÖD heranziehen (letzte Stufe nach 15 Jahren) – dort sind aber bei niedrig qualifizierten die Stufen ca 30% wert, bei höher qualifizierten aber (auch) deutlich über 50%
        (Dies entspricht jährlichen Zuwachsraten von 2-3%)

        Daher habe ich leider – so aus den Tarifverträgen – keine direkte Möglichkeit, die Berufserfahrung zu bewerten.

        Bezogen auf die Zuwächse der Frauen, machen Männer aber für jedes Jahr x^j mehr Gehaltszuchwachs „gut“.

        Bei 1% pro Jahr und 10 Jahren (2 Kinder) würde das dann bereits 10% Unterschied ergeben.

        Worauf ich hinaus will:
        Mir scheint, dass die Berufserfahrung ein geradezu kritisches Merkmal ist – und wenn diese in dem bGPG nicht erfasst ist – dann scheint mir dieses Merkmal alleine bereits locker die 7% wegerklären zu können.

      3. „Wie lautet dieser [der Median]? Schätzung meinerseits: 2000 brutto?“

        Die GPGs werden hierzulande auf Basis der Bruttostundenlöhne berechnet. Die Durchschnitte in 2015 waren 16,20 Euro bzw. 20,59 Euro, die Mediane dürften relativ ähnlich aussehen, ich kenne aber keine Quelle, wo sie angegeben sind.

        „Mir kam aber ein einfacher Gedanke, um generell die Bedeutung von Berufsunterbrechungen einschätzen zu können… Bei 1% pro Jahr und 10 Jahren (2 Kinder) würde das dann bereits 10% Unterschied ergeben“

        War hier der Fehler bei der Schätzung der Berufserfahrung gemeint? 10 Jahre Schätzfehler (als statistisch relevanter mittlerer Fehler) kommt mir bei den heutigen Gebärquoten bzw. den vielen Singles zu hoch vor, das scheint mit heute eher ein Extremwert.

        Der Fehler bei der Schätzung der Berufserfahrung ist außerdem nur eine von mehreren Fehlerquellen. Für genauso wichtig halte ich die Abbildungsfehler bei den Arbeitsplatzanforderungen und die nichtmonetären Vergütungen, auch wenn letztere schwer zu quantifizieren sind. Wenn jeder dieser 3 Fehlerquellen 1 – 2 % erklärt, dann bleibt von den 7% nur noch statistisches Rauschen übrig.

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