Gastartikel: crumar zu den dicken Brettern, die gebohrt werden mussten

Ein weiterer Fall von „der Kommentar ist einen eigenen Artikel wert“: Siggi, der schon einen Gastartikel hier im Blog veröffentlicht hatte, äußerte sich zu der wiederkehrenden Frage „Was tun?“ dahingehend, dass es Zeit für Extrempositionen sei. Ihm antwortet crumar in einem längeren Kommentar und kündigt sogar noch weitere Teile an. Ab jetzt bis zu den Aktualisierungen O-Ton crumar, ich habe allein die Links ergänzt zwecks besserer Nachlesbarkeit:

Du hast am Anfang einen Kommentar auf „telepolis“ (heise) zitiert, aber das Bild wird erst vollständig, wenn du auch den Artikel nennst, auf den sich dieser Kommentar bezieht, bzw. durch den er angeregt worden ist.
Nämlich „Vergewaltigung: Spiel mit den Zahlen“ von Stephan Schleim vom 20.5.2016, in dem nicht nur die Zahlen der feministischen Lobby kritisiert, die unkritisch medial verarbeitet werden, sondern auch die Definition von bspw. der „sexuellen Belästigung“ aus „Studien“, die offensichtlich so weit gefasst worden ist, um solche aufgeblähten Zahlen zu ermöglichen.

Nun muss man wissen, dass „telepolis“ nicht „schon immer“ Kritik der Männerrechtsbewegung an feministischen Mythen veröffentlichte; das Gegenteil ist der Fall.
Auch auf diesem Medium gab es im Lauf der Jahre feministische, feministisch inspirierte, genderistische, gynozentrische Texte in Massen.
Das war mehr oder weniger die Leitlinie der Redaktion (speziell des Chefredakteurs Florian Rötzer).
Die wurden jahrelang gelesen und in den Kommentaren – mehr oder weniger sachkundig und mehr oder weniger radikal – kritisiert.

Eine Zeitenwende trat m.E. am 5.10.2010 ein, als Birgit Gärtner den Artikel „Jammernde Väter“ schrieb und in 854 (!) Kommentaren, größtenteils sachlich und inhaltlich, regelrecht in der Luft zerrissen worden ist.
Sie wurde daraufhin recht offensichtlich von der Redaktion genötigt den ursprünglichen Artikel zu verbessern, zehn Tage später erschien „Die Sorge der Mütter und die Rechte der Väter“ – ihr erging es allerdings in den 1116 (!) Kommentaren zum zweiten Artikel wenig besser.

Bis zu diesem Punkt war es also die beharrliche Kritik aus unserer Perspektive – nur in diesem einen Forum – die offensichtlich eine Veränderung der Mehrheitsmeinung in diesem Forum bewirkte.
Der Katalysator war dieser eine Artikel, bei dem die Forenmeinung offensichtlich war:
„Jetzt reicht es!“.
D.h. die Vorgeschichte zu dem von dir zitierten Kommentar von 2016 ist dieser Artikel von 2010 und das gloriose Scheitern dieses Artikels hat wiederum eine Vorgeschichte, die nach meiner Schätzung bis 2006 zurückreicht.
Es stimmt, es hat eine lange und beharrliche Arbeit erfordert, um an diesem Punkt anzukommen.
Dafür schreiben nun Twister und Schleim und andere *Artikel* auf „telepolis“ und nicht mehr nur *Kommentare* im Forum in unserem Sinne.

Dass die sehr pessimistische Sicht des Kommentators auf den Stand der Bewegung ausgerechnet zum kritischen Artikel von Stephan Schleim erfolgte, ist Angesichts der Tatsache, dass Stephan Schleim diesen Artikel überhaupt auf „telepolis“ veröffentlichen konnte, fast ein Widerspruch in sich.

Ich möchte nun noch einmal deinen Blick auf den Zeitraum von 10 Jahren lenken, der zwischen den Anfängen der Kritik in diesem Forum an der veröffentlichten offiziellen Meinung stand und bis zu dem Punkt reicht, in dem exakt dieses Medium auch die Kritiker selber veröffentlicht.
Es handelt sich bei unseren Anliegen leider um die Bohrerei in ganz dicken Brettern und auf „man tau“ hat Lucas Schoppe in mehreren, sehr lesenswerten Artikeln beschrieben, warum das bei Anliegen der Männerrechtsbewegung (für Männer und Jungen) *zwangsläufig* so ist.

Im Rückblick sollte man auch die Erfolge der Männerrechtsbewegung bis zum jetzigen Zeitpunkt betrachten und dazu gehört zweifellos das Phänomen der „sprechenden Männer“, die in zahlreichen Foren in ihren Kommentaren das Wort ergreifen und die bestehenden Verhältnisse kritisieren.
Auf „telepolis“ hat dies immerhin schon dahin geführt, dass wir in Artikeln selber sprechen dürfen, statt dass – wie in der „Süddeutschen“ – nur *über* uns gesprochen wird.

Aktualisierungen: Christian Schmidt beschäftigt sich bei Alles Evolution mit dem ursprünglichen Artikel. Siggi legt nochmal nach.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Den Ausdruck „sprechende Männer“ kannte ich noch nicht. Er ließ mich sofort an die Talking Heads denken… und die Zeile „you might get what you’re after“, also eine positive Aussicht.

Talking Heads: Burning Down the House

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Fundstück: chrima und Leszek über Magnus Klaue

Zum Fundstück „Magnus Klaue über Critical Hetness und Knutschverbot“ schrieb chrima in einem Kommentar:

Klaue? Magnus Klaue! Aua, der tut weh!
Dieser Väter- und Männerfeind hat seine mit Vorurteilen gegen Männer durchtränkte Ideologie u.a. in der konkret verbreitet:
http://www.konkret-verlage.de/kvv/txt.php?text=menshealth&jahr=2004&mon=02

Der Artikel heißt „Men’s Health“ und hat den Anriss „Die Nation wird von Emanzen, Lesben und Rabenmüttern unterwandert. Doch der „Väteraufbruch“ leistet Widerstand„. Ich gebe zu, dass ich diesen bislang nicht gelesen habe.

Eine kurze Suche bei Genderama nach Magnus Klaue ergibt einen Treffer im Januar 2008, bei dem Arne Hoffmann ihm „wirres Geschreibsel über die sich angeblich am Islam orientierende deutsche Männerbewegung“ bescheinigt. Auch das habe ich nicht weiter geprüft. Es ist für mich allerdings ein Hinweis, ein wenig Vorsicht walten zu lassen.

Was mir selbst aus dem realen Leben gut bekannt ist: Jemand hat bei einem Thema eine scharfe Beobachtungsgabe, ist bei einem anderen aber scheinbar völlig zugenagelt. Diese Deutung bietet auch Leszek in einem antwortenden Kommentar an:

Danke für den Hinweis, das war mir nicht bekannt.

Sein Artikel zur Kritik von Critical Hetness ist aber m.E. trotzdem gut und auch manches andere was er so speziell zur Kritik des Postmodernismus und der postmodernen Political Correctness schreibt, ist m.E. lesenswert.
Scheint sich um eine Person zu handeln, die bei manchen Themen ein Brett vorm Kopf hat, bei anderen Themen aber zu interessanten Analysen fähig ist.

Eine Mischung aus Einseitigkeit und Beschränktheit bei bestimmten Themen einerseits und der Fähigkeit zu interessanten und intelligenten Analysen bei anderen Themen andererseits, findet sich m.E. häufiger bei Theoretikern aus dem Spektrum der antideutschen Linken, zu dem ja auch Magnus Klaue gehört. In diesem Sinne muss man diese m.E. stets differenziert und kritisch rezipieren.

Er erinnert außerdem daran, dass Klaue einen weiteren Text verfasst hat, der in diesem Blog bereits in den Kurznachrichten positiv aufgegriffen wurde. Für die Debatte ist so eine differenzierte Wahrnehmung nur förderlich. Es ist auch das Gegenteil eines Schwarzweißbildes, welches ich immer wieder kritisiert habe.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Den Spaß konnte ich mir nicht verkneifen: Eine nichtdeutsche Band singt auf Deutsch über eine Stadt in Deutschland, deren Name jedoch aus sozialistischer Zeit stammt, wobei diese Stadt als Motiv nur wegen des Bezuges auf Karl Marx ausgewählt wurde, der wiederum mit der Stadt ansonsten nichts zu tun hat… ist das jetzt ein gutes oder böses Lied aus antideutscher Sicht?

Мегаполис (Megapolis): Karl-Marx-Stadt

Fundstück: Gewaltschutzwohnungen in Sachsen

Wie Gleichmaß e.V. berichtet, wurden Gewaltschutzwohnungen für Männer in Dresden und Leipzig eröffnet. Das ist für sich schon ein großer Erfolg!

Interessant wird es, wenn man die Umstände der Eröffnung mit denen der Gewaltschutzwohnung in Gera vergleicht:

a) Landesregierung Thüringen (Rot-Rot-Grün): keine Unterstützung.
b) Landesregierung Sachsen (Schwarz-Rot): 100.000 € Unterstützung, von der Sächsischen Staatsministerin für Gleichstellung und Integration Petra Köpping (SPD) „persönlich unterstützt und forciert„.

Das ist doch eine hervorragende Vergleichsmöglichkeit, unter welcher Landesregierung und mit welchen Parteien sich etwas tut. Natürlich ergibt sich hier kein Schwarzweißbild, denn die SPD ist an beiden Regierungen beteiligt, aber darum geht es ja auch nicht: Für die innerparteiliche Diskussion ist das zum Beispiel eine wertvolle Anregung. Dass die SPD einmal nicht, weil sie die menschliche Gesellschaft will, „die männliche überwinden“ muss, und dann auch noch eine Ministerin für Gleichstellung diesen Schritt in die richtige Richtung trägt, ist eine Ausnahme von der Regel, die ich mir öfters wünsche. Bitte mehr von so einem Wettbewerb der Ideen und Taten!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Ein beachtlicher Name für eine Band aus North Carolina…

Sorry about Dresden: Sick and Sore

Fundstücke: Weibliche DJs

Zum Thema weibliche DJs hatte aranxo aus einem Interview mit Susanna Kim zitiert. Dabei wird die Behauptung im Anreißer, sie erkläre, warum Frauen hier fehlten, nicht gehalten.

Frage: Was denken Sie, warum gibt es, gerade im Hip Hop, so wenig DJanes?

Kim: Ich glaube, dass es gar nicht so wenige DJanes gibt. Früher habe ich das aber auch so wahrgenommen. Umso mehr ich mit der Thematik zu tun habe, umso mehr DJanes lerne ich kennen. Ich habe allerdings das Gefühl, dass es viel mehr DJanes im Elektronischen Bereich gibt als im Hip Hop. Obwohl es mittlerweile einige Frauen gibt, ist der überwiegende Teil immer noch männlich. Genau sagen, woran das liegt, kann ich gar nicht, das finde ich selbst komisch. Vielleicht kommen Frauen nicht so oft drauf, dass man ja auch selbst auflegen kann.

Damals vermutete aranxo selbst, die Fragerei habe darauf abgezielt, eine Antwort zu erhalten à la „die Männer lassen sie nicht richtig ran, Frauen müssen sich doppelt beweisen etc.“. Die Antwort von Susanna Kim finde ich tatsächlich angenehm unaufgeregt.

Schon 2014 hatte sich bei Erzählmirnix folgende Diskussion ergeben:

cheshirecat1234:

Zum feiern gehe ich sehr gern zu elektronischer Musik aus. Im Sommer oft zu Openairs und Festivals. Das Lineup besteht meist fast ausschließlich aus männlichen DJs, da die Veranstalter meist nur Männer einladen und das Publikum es gewöhnt ist, Männer an den Mischpulten zu sehen. Warum ist das wohl so?

erzählmirnix:

Weiß ich nicht, mir fallen viele Gründe dafür ein. Hast du Studien dazu oder ist deine vage Vermutung alles was du an Fakten hast?^^ Möglich wäre ja auch, dass es weniger Frauen in der Branche gibt. Dass sie keine Lust haben. Dass sie sich weniger in den Vordergrund drängen. Dass sie schlechter sind. Alles ebenso möglich wie „Niemand will Frauen auf die Bühne lassen!“

Einige Kommentare später kommt noch eine sehr schöne Erklärung:

Kenshin:

Hauptberuflich DJ (also Elektro DJ im Sinne selbst mixes zu machen, nicht nur cds in den player oder das macbook laufen lassen) zu sein ist ein großes finanzielles Risiko. Und es gibt auch nicht unendlich Geld zu verdienen in der Szene. Um wirklich gut zu werden muss man sich mit der Technik auskennen, originell sein und das auf längere Sicht. Das schreckt viele Neulinge ab. Und da sind wir dann auch bei dem Grund, warum in den meisten (nicht Pop-) Bands keine Frauen sind und warum es so wenige weibliche Selbstständige gibt. Frauen tendieren dazu risikoavers zu handeln und das hat wahrscheinlich nicht mal etwas mit ihrer Sozialisation zu tun.

Es dürfte also für den Veranstalter nicht unbedingt einfach sein eine Qualitativ hochwertige DJane zu finden, die entsprechend Publikumswirkung hat, schlicht weil es auch so viel weniger von ihnen gibt.

Ist doch schon, wenn die wesentliche Punkte schon einmal gesagt wurden und man sie nur noch einmal zitieren muss…

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Jaja, dummes Wortspiel mit dem Namen und so… ich musste aber trotzdem daran denken!

Alice Deejay: Better Off Alone

Warum ich die „arme Merkel“ für Angela, die Alternativlose halte

Die Kanzlerkandidatur von Martin Schulz darf über eine Sache nicht hinwegtäuschen: Angela Merkel wird die Wahl so oder so gewinnen.

Außerhalb der SPD sehe ich niemanden, der überhaupt die Möglichkeit für realistisch hält, die SPD könne stärker werden als die Union. Selbst innerhalb der SPD scheint man sich ja mit der Rolle des Juniorpartners abgefunden zu haben, der hoffentlich nicht noch weiter ausblutet und immerhin die Hälfte seiner Vorhaben schafft: An der Macht bleiben – dafür gehen dann die eigenen großen Vorhaben flöten zugunsten von konservativer Politik und symbolpolitischen Placebos.

Es spielt daher erstaunlicherweise keine Rolle, dass man die CDU 2017 nicht wählen kann: Die anderen schrecken noch mehr Wähler ab oder gelten als unwählbar. Dass Angela Merkel erneut zur Wahl antritt, kann eigentlich niemanden vom Hocker hauen. Aber so ein einschlummernder Wahlkampf ohne irgendeine Aussage ist genau das Rezept, mit dem sie an der Macht geblieben ist: Asymmetrische Demobilisierung, also alle so einschläfern, dass von der Gegenseite noch mehr zu Hause bleiben.

Die AfD ist auch deswegen so stark, weil sie mit ihrer Methode der maximalen Provokation diese Einlullmethode durchbricht. Interessanterweise wird Angela Merkel bedauert, als Opfer gesehen, sie habe es so schwer – das sagt man allen Ernstes einer der mächtigsten Frauen der Welt nach (jaja, Friede Springer und Liz Mohn werden als mächtiger angesehen, ohne dass sie irgendein offizielles politisches Amt bekleiden müssen).

Dabei war Angela Merkel bisher erstaunlich erfolgreich, wenn man sie am Kriterium des Machterhaltes bemisst: Sie hat alle ihrer möglichen Konkurrenten in der eigenen Partei weggebissen, weggelobt oder ausgesessen. Programmatisch blieb nichts an ihr haften, das Prinzip Teflon hat sie sehr gut von Helmut Kohl gelernt. Wie es Volker Pispers schön dargestellt hat: Obwohl die Leute über die CDU oder Regierung schimpften, erfreute sich Angela Merkel anhaltender Beliebtheit, so als habe sie mit dem, was geschehe, nichts zu tun. Als ob die Leute tatsächlich raunen würden „wenn das die Merkel wüsste…“!

Dass sich erst nach über zehn Jahren, am Ende der dritten Legislaturperiode, überhaupt zum ersten Mal Risse im Bild zeigen, ist eine erstaunliche Leistung. Das erste Mal so richtig aufgeschmissen habe ich sie erst im Juli 2015 in Erinnerung – der Fernsehauftritt mit dem hübschen Flüchtlingsmädchen, das bald abgeschoben werden würde und in Tränen ausbrach.

Obwohl in vielen Ländern ein Erstarken des Rechtspopulismus gesehen wird, hat er in Deutschland derzeit keine Chance auf eine Regierungsbeteiligung: An Angela Merkel wird auch 2017 kein Weg vorbeiführen. Sie ist tatsächlich alternativlos.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Gut, das Lied liegt auf der Hand…

J.B.O.: Angie

Warum ich „Groundhog Day“ so toll finde

Heute ist der 2. Februar – Murmeltiertag! Wer damit nichts anfangen kann, der kennt wohl nicht den Film Groundhog Day („Und täglich grüßt das Murmeltier“) von 1993 – und sollte nicht weiterlesen, um sich nicht die Freude an diesem großartigen Werk der Filmgeschichte zu verderben.

Die Handlung: Phil Connors (Bill Murray) macht die Wettervorhersage für einen kleinen Fernsehsender in Philadelphia. Gemeinsam mit einem Kameramann und der neuen Produzentin Rita (Andie MacDowell) wird er in den kleinen Ort Punxsutawney in Pennsylvania geschickt, um von dort aus über den Murmeltiertag zu berichten. Dies ist eine (tatsächlich existierende!) Tradition, bei der jeden 2. Februar ein Waldmurmeltier nach dem Wetter „befragt“ wird. Sieht es einen Schatten, bedeutet es weitere sechs Wochen Winter. Ansonsten kann man auf einen frühen Frühling hoffen.

Phil fühlt sich zu Höherem berufen als ein weiteres Mal für eine kurze Reportage in die Provinz zu fahren, läßt das bei seinen Kollegen auch durchblicken und erledigt den Job ohne große Begeisterung. Die Rückkehr in die große Stadt verhindert jedoch ein Schneesturm, von dem Phil eigentlich vorhergesagt hatte, dass er an der Gegend vorbeiziehen würde. So müssen die drei gezwungenermaßen noch eine Nacht in Punxsutawney verbringen. Am Morgen wacht Phil auf und stellt mit wachsendem Erstaunen fest, dass sich alle und alles so verhalten wie einen Tag zuvor. Es ist wieder der 2. Februar! Und nach dem nächsten Aufwachen erneut! Er ist in einer Zeitschleife gefangen.

Harold Ramis, der als Regisseur, Autor und Schauspieler (in einer kleinen Rolle als Neurologe) fungierte, liefert hier einen im wahrsten Sinne des Wortes zeitlosen Film ab. Dieser behandelt einerseits ein Science-Fiction-Szenario, andererseits die Frage nach dem Sinn des Lebens und des eigenen Handelns und hat Platz für komische als auch tragische Szenen.

Der Ort ist dabei mehr als nur pittoreske Verzierung, sondern treibt den Verlauf der Geschichte an: Das kleine Nest weitab vom Schuss bietet nur begrenzte Möglichkeiten. In einer Großstadt oder zu Hause würde Phil wohl zig Sachen ausprobieren und wäre nicht so schnell gezwungen, auf die anderen Leute einzugehen.

Es wird dem Film nicht gerecht, ihn auf die Frage „Wie kriegt der Protagonist die Frau rum?“ zu reduzieren. Dabei hat auch dieser Teil des Films einiges Lehrreiches zu bieten. Eine ganze Weile und durch zahlreiche Iterationen immer besser werdend, gelingt es Phil, Rita durch bloßes Anbiedern und Imitieren von Interessen näher zu kommen, aber mit dem Verführen will es nicht klappen.

Nancy, die Frau vom Lande, die sich vom Reporter aus der großen Stadt beeindrucken läßt, ist kein Maßstab dafür, wie er aus seiner einmaligen Situation Vorteile ziehen kann. Selbst das wird Phil schnell langweilig, so dass er immer ausgefallenere Sachen ausprobieren muss.

Daraus resultieren einige ulkigen Situationen. Warum sich benehmen, wenn nichts eine Konsequenz hat? Dagegen stehen die ernsten Momente: Der alte obdachlose Mann, der am Ende des Tages unweigerlich stirbt und den Phil nicht retten kann, egal, was er auch versucht.

Auch die These „Zyniker, der einfach nur geläutert werden musste“ (wie etwa in „Scrooged“ / „Die Geister, die ich rief“, ebenfalls mit Bill Murray in der Hauptrolle) greift als mögliche Lehre des Filmes zu kurz. Es ist gerade kein Rührstück, bei dem andere dem verhärteten Hauptcharakter dessen Fehler aufzeigen, dieser sein Gewissen wiederentdeckt und sofort umschwenkt. Mehrfach begeht Phil Selbstmord, nur um immer wieder morgens in seinem Bett aufzuwachen. Es ist eine Situation, aus der er nicht entfliehen kann. Schließlich beschäftigt er sich mit den Lebensgeschichten der Leute, die er vorher noch als Hinterwäldler abgetan hat, und lernt ihre ganz konkreten Wünsche und Probleme kennen. In Rita findet er jemanden, der nicht nur intellektuell mithält und ihm Kontra gibt, sondern sich in seine Situation hereindenken kann.

Diese ist schließlich immer mehr von der Rolle, weil andere ihr sagen, was Phil für ein toller Kerl ist und wie er ihnen geholfen hat. Dieser hat seinen Verstand und seine Aufmerksamkeit dafür verwendet, um tatsächlich „das Beste aus einem Tag zu machen“, und sich einen immer besseren Ablauf antrainiert, in dessen Verlauf er mehrmals als Lebensretter auftritt und am Ende beim großen Tanz Klavier spielt. Fähigkeiten wie musizieren und Eisskulpturen herstellen hat er jahrelang von Null an gelernt.

Mit dieser triumphalen Version eines ursprünglich ganz normalen Tages, bei dem der Erfolg bei Rita zur Nebensache wird angesichts all der Menschen, die er glücklich gemacht hat und all der Dinge, die er für sich selbst gelernt hat, endet schließlich die Zeitschleife und er erwacht am nächsten Morgen. Auch wenn man an dessen Ende von Wiederholungen genug hat, schreibe ich es gerne noch einmal: Ein großartiges Werk der Filmgeschichte!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? „Then put your little hand in mine…“ wer damit jahrelang aufwacht und nicht durchdreht, muss etwas Besonderes sein!

Sonny and Cher: I Got You Babe

Fundstück: Männer? Ausländer? Alles Kriminelle!

Blogger uepsilonniks zeigt Parallelen in der Hetze gegen Männer und Ausländer auf. Diese liegen auf der Hand, wenn man sich vor Augen hält, dass eine pauschalisierende Abwertung in beiden Fällen nichts anderes als gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF) ist.

Es spielt daher keine Rolle, ob man wie die „Frauen gegen Gewalt“ mit einer riesigen Dunkelziffer begangener Vergewaltigungen arbeitet (und die Falschbeschuldigungen einerseits unter die Vergewaltigungen mischt, sie andererseits schön von den Verurteilungen trennt – denn das kann ja gar nicht passieren, dass ein Unschuldiger verurteilt wird!), oder ob man eine Karte mit dem zynischen Namen „Einzelfall-Map“ anlegt, auf der angeblich Straftaten von Ausländern dokumentiert werden und deren Aussage darin besteht, dass es natürlich nicht Einzelfälle sind, sondern uns einfachem Volk das wahre Ausmaß der Kriminalität von Ausländern verschwiegen wird. Uepsilonniks zum einenden Element der Gruppen, die solche Hetze betreiben:

Beide haben neben der Kaltherzigkeit gegenüber Kindern ein weiteres gemeinsam: Sie lieben das Verbrechen Vergewaltigung. Während Sexistinnen jeden siebten Mann zum Vergewaltiger stempeln, sprechen Rassisten liebevoll von „Rapefugees“.
(…)
Gräuelpropaganda Nummer 1 ist das Beschwören einer Flut von Vergewaltigungen. Ein- und dieselbe Sauce, nur das Feindbild unterscheidet sich.

Er verweist praktischerweise auf einen Artikel, der Anti-Ausländer-Karte sachlich auseinandernimmt: Kartenlegen mit kriminellen Ausländern. Der ist in Gänze lesenswert. Besonders beachtlich ist daraus folgende Passage:

Ein weiteres entscheidendes Problem der Karte ist, dass sie sich zwar auf Polizeimeldungen stützt – diese wiederum jedoch in den meisten Fällen einzig auf den Aussagen der vermeintlichen Opfer beruhen.

Heißt also: Die Karte verzeichnet nicht die Fälle, in denen Ausländer (beziehungsweise irgendwie nach Ausländern aussehende Personen) Straftaten verübt haben, sondern: Fälle, in denen das jemand gegenüber der Polizei behauptet hat. Was nicht bedeutet, dass es auch stimmt.

Die Unschuldsvermutung – ja, sie lebt noch! Und genau, wie man sie bei jeder anderen behaupteten Straftat und bei jedem anderen behaupteten Täter anwenden soll, so gilt sie auch bei der Kombination mutmaßliche Vergewaltigung / Mann, egal, was uns da irgendwelche von Hass zerfressenen Leute eintrichtern wollen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Da es um Hass geht, auch ein Lied über Hass…

Subway to Sally: Wenn Engel hassen