Warum ich „Groundhog Day“ so toll finde

Heute ist der 2. Februar – Murmeltiertag! Wer damit nichts anfangen kann, der kennt wohl nicht den Film Groundhog Day („Und täglich grüßt das Murmeltier“) von 1993 – und sollte nicht weiterlesen, um sich nicht die Freude an diesem großartigen Werk der Filmgeschichte zu verderben.

Die Handlung: Phil Connors (Bill Murray) macht die Wettervorhersage für einen kleinen Fernsehsender in Philadelphia. Gemeinsam mit einem Kameramann und der neuen Produzentin Rita (Andie MacDowell) wird er in den kleinen Ort Punxsutawney in Pennsylvania geschickt, um von dort aus über den Murmeltiertag zu berichten. Dies ist eine (tatsächlich existierende!) Tradition, bei der jeden 2. Februar ein Waldmurmeltier nach dem Wetter „befragt“ wird. Sieht es einen Schatten, bedeutet es weitere sechs Wochen Winter. Ansonsten kann man auf einen frühen Frühling hoffen.

Phil fühlt sich zu Höherem berufen als ein weiteres Mal für eine kurze Reportage in die Provinz zu fahren, läßt das bei seinen Kollegen auch durchblicken und erledigt den Job ohne große Begeisterung. Die Rückkehr in die große Stadt verhindert jedoch ein Schneesturm, von dem Phil eigentlich vorhergesagt hatte, dass er an der Gegend vorbeiziehen würde. So müssen die drei gezwungenermaßen noch eine Nacht in Punxsutawney verbringen. Am Morgen wacht Phil auf und stellt mit wachsendem Erstaunen fest, dass sich alle und alles so verhalten wie einen Tag zuvor. Es ist wieder der 2. Februar! Und nach dem nächsten Aufwachen erneut! Er ist in einer Zeitschleife gefangen.

Harold Ramis, der als Regisseur, Autor und Schauspieler (in einer kleinen Rolle als Neurologe) fungierte, liefert hier einen im wahrsten Sinne des Wortes zeitlosen Film ab. Dieser behandelt einerseits ein Science-Fiction-Szenario, andererseits die Frage nach dem Sinn des Lebens und des eigenen Handelns und hat Platz für komische als auch tragische Szenen.

Der Ort ist dabei mehr als nur pittoreske Verzierung, sondern treibt den Verlauf der Geschichte an: Das kleine Nest weitab vom Schuss bietet nur begrenzte Möglichkeiten. In einer Großstadt oder zu Hause würde Phil wohl zig Sachen ausprobieren und wäre nicht so schnell gezwungen, auf die anderen Leute einzugehen.

Es wird dem Film nicht gerecht, ihn auf die Frage „Wie kriegt der Protagonist die Frau rum?“ zu reduzieren. Dabei hat auch dieser Teil des Films einiges Lehrreiches zu bieten. Eine ganze Weile und durch zahlreiche Iterationen immer besser werdend, gelingt es Phil, Rita durch bloßes Anbiedern und Imitieren von Interessen näher zu kommen, aber mit dem Verführen will es nicht klappen.

Nancy, die Frau vom Lande, die sich vom Reporter aus der großen Stadt beeindrucken läßt, ist kein Maßstab dafür, wie er aus seiner einmaligen Situation Vorteile ziehen kann. Selbst das wird Phil schnell langweilig, so dass er immer ausgefallenere Sachen ausprobieren muss.

Daraus resultieren einige ulkigen Situationen. Warum sich benehmen, wenn nichts eine Konsequenz hat? Dagegen stehen die ernsten Momente: Der alte obdachlose Mann, der am Ende des Tages unweigerlich stirbt und den Phil nicht retten kann, egal, was er auch versucht.

Auch die These „Zyniker, der einfach nur geläutert werden musste“ (wie etwa in „Scrooged“ / „Die Geister, die ich rief“, ebenfalls mit Bill Murray in der Hauptrolle) greift als mögliche Lehre des Filmes zu kurz. Es ist gerade kein Rührstück, bei dem andere dem verhärteten Hauptcharakter dessen Fehler aufzeigen, dieser sein Gewissen wiederentdeckt und sofort umschwenkt. Mehrfach begeht Phil Selbstmord, nur um immer wieder morgens in seinem Bett aufzuwachen. Es ist eine Situation, aus der er nicht entfliehen kann. Schließlich beschäftigt er sich mit den Lebensgeschichten der Leute, die er vorher noch als Hinterwäldler abgetan hat, und lernt ihre ganz konkreten Wünsche und Probleme kennen. In Rita findet er jemanden, der nicht nur intellektuell mithält und ihm Kontra gibt, sondern sich in seine Situation hereindenken kann.

Diese ist schließlich immer mehr von der Rolle, weil andere ihr sagen, was Phil für ein toller Kerl ist und wie er ihnen geholfen hat. Dieser hat seinen Verstand und seine Aufmerksamkeit dafür verwendet, um tatsächlich „das Beste aus einem Tag zu machen“, und sich einen immer besseren Ablauf antrainiert, in dessen Verlauf er mehrmals als Lebensretter auftritt und am Ende beim großen Tanz Klavier spielt. Fähigkeiten wie musizieren und Eisskulpturen herstellen hat er jahrelang von Null an gelernt.

Mit dieser triumphalen Version eines ursprünglich ganz normalen Tages, bei dem der Erfolg bei Rita zur Nebensache wird angesichts all der Menschen, die er glücklich gemacht hat und all der Dinge, die er für sich selbst gelernt hat, endet schließlich die Zeitschleife und er erwacht am nächsten Morgen. Auch wenn man an dessen Ende von Wiederholungen genug hat, schreibe ich es gerne noch einmal: Ein großartiges Werk der Filmgeschichte!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? „Then put your little hand in mine…“ wer damit jahrelang aufwacht und nicht durchdreht, muss etwas Besonderes sein!

Sonny and Cher: I Got You Babe

Werbeanzeigen