Fundstück: Gender Pay Gap – der Fall Birkenstock

Zum Mythos Gender Pay Gap wurde bei Alles Evolution ganz nebenbei folgender Fall erwähnt: Bei einer Tochterfirma von Birkenstock bekamen weibliche Mitarbeiter jahrzehntelang (bis 2012) etwa einen Euro weniger je Stunde. Christian Schmidt beurteilte das so:

Darüber zu reden ist natürlich wirklich dumm und gehört dann auch, wenn tatsächlich das Geschlecht ein Kriterium für einen geringeren Lohn war, ohne das auf den jeweiligen Mitarbeiter geschaut wurde, entsprechend gestraft. Allerdings hatte es sich wohl um Altlasten aus der Vergangenheit des Unternehmes gehandelt, als die männlichen Mitarbeiter auch noch die körperlich anspruchsvolleren Aufgaben erfüllt haben.

Männliche Mitarbeiter bekamen früher eine andere, körperlich schwerere Arbeit, und wurden deswegen besser entlohnt. Inzwischen ist der Grund für die ungleiche Bezahlung weggefallen, es wurde also tatsächlich Frauen für gleiche Arbeit weniger bezahlt.

Das ist – wie man es auch dreht und wendet – genau der Fall, der für den Gender Pay Gap immer behauptet wird. Hier stimmt die Behauptung tatsächlich und auch wenn ich sie im allgemeinen für falsch halte, werde ich mich davor hüten, solche Fälle kleinzureden. Im Gegenteil, die Redlichkeit gebietet es, auch Sachen zu veröffentlichen, die dem eigenen Weltbild widersprechen.

Dass es einen historischen Grund für die echt ungleiche Bezahlung gibt, macht diese zumindest erklärbar – aber kein Stück akzeptabel. Im Gegenteil, da fällt einem doch die Kinnlade runter, wenn ein Unternehmen so schludert! Und ja, schludrig muss man es nennen dürfen, denn das war die Verteidigungslinie des Unternehmens, ansonsten wäre es ja Absicht und das wäre noch schlimmer.

Ich empfehle, den Artikel „Frauen verdienten bei Birkenstock weniger“ ganz zu lesen. Es ist schon sehr peinlich.

Allerdings eignet sich der Fall Birkenstock als Anschauungsmaterial dafür, wie es aussieht, wenn ein wirklicher Gender Pay Gap auftritt: Als die Ungleichheit aufflog, ergab das rund 100 Fälle vor dem Arbeitsgericht.

eckitake5 dazu in den Kommentaren bei Alles Evolution:

Der Fall Birkenstock, der nun auch schon einige Jahre zurückliegt, ist das einzige authentische Beispiel für Lohndiskriminierung, das mir überhaupt bekannt ist. Da haben im Westerwald die Geschäftsführung und der Betriebsrat jahrelang geschlafen und veraltete Tarifverträge durchgeschleppt. Die machen vielleicht gute Schuhe, sind aber sonst wohl nicht so auf Zack.

Dieses Beispiel wird von den Verfechtern des Gender-Pay-Gap nun immer wieder benutzt, um die These von der geschlechtsspezifischen Lohndiskriminierung zu illustrieren. Ansonsten: Nichts. Kein Urteil. Auch keine Reportage oder journalistisches Produkt, das am lebenden Beispiel aufzeigt, wie ungerecht Frauen bezahlt werden.
(…)
Meine Vermutung: Es gibt diese Fälle einfach nicht. Oder nur in winzigen Klitschen, die in irgendeiner Nische werkeln. Oder kennt jemand Beispiele?

Das möchte ich hier gerne wiederholen: Wann immer jemand einen Fall von tatsächlich ungleicher Bezahlung bei gleicher Arbeit findet, bitte hier in die Kommentare packen!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Da es um Schuhe ging…

Depeche Mode: Walking In My Shoes

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Fundstück: Der Armutsbericht der Bundesregierung – ein Armutszeugnis

Es gibt ein Thema, das ich auch 2017 immer wieder hervorkramen möchte: Die These, dass der Fokus auf Genderkrams und Identitätspolitik in Massenmedien und Politik die wirklichen Themen in breiten Teilen der Bevölkerung verdeckt. Dinge wie das Feindbild weißer Mann zeugen von einem Realitätsverlust, bei dem die Probleme von Leuten „da unten“ nicht mehr verstanden, geschweige denn angepackt werden.

Die Nachdenkseiten verwiesen in ihren Hinweisen des Tages auf den Heise-Artikel „Gelenkte Wirklichkeit: Bundesregierung streicht brisante Stellen aus Armutsbericht“ von Marcus Klöckner. Das war schon ein starkes Stück, obwohl die Passagen, die entfernt wurden, letzten Endes nur wiedergeben, was man als Normalsterblicher sowieso schon längst vermutet hat:

  • Wer mehr Geld hat, dem wird auch mehr Gehör geschenkt seitens der Politik.
  • Folgerichtig verzichten Arme auch auf ihre Teilnahme an der Demokratie – auf sie hört ja eh keiner.
  • Politik wird auf Kosten der ärmeren Bevölkerungsschichten gemacht.

Wie es im Originalartikel treffend heißt:

Der Osnabrücker Politikwissenschaftler Armin Schäfer hat die Studie für das Bundesarbeitsministerium ausgearbeitet. Seine Erkenntnisse fanden sich dann auch in einer ersten Fassung des Armutsberichts. Die Rede war demnach von einer „Krise der Repräsentation“.
(…)
Man muss auf diese Aussagen nicht zweimal schauen, um zu erkennen: Sie enthalten politischen Sprengstoff. Wenn es eine „Krise der Repräsentation“ gibt, wenn arme Menschen sich nicht an Politik beteiligen, weil sich Politik faktisch sowieso nicht an diesen Bürgern orientiert, dann muss von einer schweren Schieflage des demokratischen Systems ausgegangen werden. Dass die Bundesregierung nun gerade diese brisanten Stellen aus dem Armutsbericht hat streichen lassen, entbehrt nicht einer gewissen Komik.
Während die Regierungschefin den Begriff „postfaktisch“ in Deutschland quasi „eingeführt“ hat und damit auf einen angeblichen Trend in der Bevölkerung verweist, Tatsachen nicht ins Auge zu blicken, zu leugnen oder gar zu verdrehen, werkelt derzeit offensichtlich die Regierung bei einem so zentralen und wichtigen Thema wie das der Armut daran, sich die Wirklichkeit zurecht zu biegen. Der Armutsbericht scheint im „postfaktischen Zeitalter“ angekommen zu sein.

Jung & Naiv: Streichungen im Armutsbericht: Warum zensiert sich die Bundesregierung selbst?

Fefe wertet die Ergebnisse der Studie gar als indirekten Revolutionsaufruf, zumal „die Dominanz der Besserverdienenden die Legitimation des gesamten politischen Systems in Frage stellt“. Soweit sind wir noch nicht. Aber es gärt langsam. Wie die Realität aussieht, der sich die Bundesregierung offensichtlich verschließen will, kann man ganz hervorragend an zwei Berichten über Duisburg-Marxloh und Köln-Chorweiler festmachen.

Die Nachdenkseiten verweisen in ihren Hinweisen des Tages auf den Deutschlandfunk-Artikel „No-Go-Area“Duisburg-Marxloh zur Negativ-Marke kreiert““ von Moritz Küpper. Franz Voll zog für sieben Monate in den Stadtteil, um sich ein umfassendes Bild zu machen:

Er spazierte mit Pegida, besuchte ein Gymnasium, fuhr zu einer Stahl-Demo. „Eine aggressive Stimmung liegt in der Luft. Das alles haben die Arbeiter in Duisburg schon einmal erlebt. Auch vor 30 Jahren wurde viel versprochen, nichts gehalten. Ich treffe mich mit Ulf, einem betroffenen Stahlkocher. ‚Warum seid ihr hier? Ich verstehe so gut wie nichts von dem, was die da oben sagen‘.“ – „Wir sind hier, um denen zu zeigen, dass wir viele sind, aber das wird auch nicht helfen. Ich hoffe nur, dass es nicht schon wieder beschlossene Sache ist und dass das hier nicht wieder genauso ein Schmierentheater wird wie damals. Wir glauben denen kein Wort.“

Ganz ähnlich waren die Berichte über „Trumpland“ – das ökonomisch abgehängte Amerika, das sich von den Politikern im Stich gelassen fühlt. Es beginnt zu brodeln – und es sage hinterher niemand, das hätte doch niemand kommen sehen können.

Die Nachdenkseiten erwähnen in ihren Hinweisen des Tages außerdem auf einen weiteren Deutschlandfunk-Artikel namens „Köln-Chorweiler: Arme Stadtteile machen noch ärmer„, ebenfalls von Moritz Küpper. Diesmal lebte Sebastian Kurtenbach drei Monate in dem Stadtteil. Beachtenswert ist hier insbesondere der berichtete Teufelskreis aus niedriger Wahlbeteiligung (OB-Wahl: unter 9 Prozent) und geringem Engagement der Politik. Das darf Demokraten nicht kalt lassen.

Kein Ratsmitglied der Stadt Köln wohnt in Chorweiler, die Menschen haben nicht den Eindruck, durch eine Wahl etwas verändern zu können – und auch die Parteien ziehen Konsequenzen:

„Es ist ja nachvollziehbar, dass Parteien sagen: Wenn wird dort nicht gewählt werden, investieren wir dort auch in Wahlkämpfen weniger als woanders. Das halte ich aber für gefährlich.“

Die Streichungen im Armutsbericht und die desolate Lage ganzer Stadtteile, die keine großen Hoffnungen mehr hegen, auf „normalem Wege“ etwas zu verändern – eine Mischung, die dem Establishment irgendwann um die Ohren fliegen kann. Das passt zu einer erstaunlich offenen Einschätzung nach den US-Präsidentschaftswahlen. Dabei hatte sich Norbert Röttgen sinngemäß so ausgedrückt:

  1. Uns ist gar nicht bewusst, dass es den Leuten so mies geht.
  2. Wir rechnen nicht damit, dass solche Leute konsequent genug sind, um wählen zu gehen und entsprechend zu wählen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Bei den Berichten über Armut hatte ich plötzlich eine Liedzeile über einen armen Jungen im Kopf…

The Lords: Poor Boy

Fundstück: Ahoi Polloi über Beschimpfungen, Hate Speech und den postheroischen Mann

Da waren doch noch ein paar schöne Beiträge aus dem Jahr 2016 von Ahoi Polloi. Ich hoffe, es geht 2017 in diesem Sinne weiter!

  1. Sexist vs. Lügnerin
  2. hate speech (vgl. diesen Klassiker von xkcd)
  3. der postheroische Mann

bisherige Erwähnungen von Ahoi Polloi:

  1. über Nazis, freie Meinungsäußerung und immer wieder Nazis
  2. Ausreden, Fake News und Rassismus
  3. prägnante Wahlanalyse
  4. Donald Trump, Politik und Medien
  5. Genderidentität, politisch korrekte Sprache und das Rederecht bei den Grünen
  6. Sexismus
  7. Modernität bei Arbeit, Gesellschaft und Moby Dick
  8. kulturelle Aneignung, rape culture und sexistische Werbung
  9. gegen mansplaining und Mikroaggressionen und für die Wahrheit
  10. das neue Sexualstrafrecht und die Unschuldsvermutung
  11. dreimal zu „hate speech“
  12. eine ganze Sammlung
  13. zu Sprache

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Wenigstens gibt es zum Thema „Lügner“ auch ordentliche Lieder. Diesmal Meta-Popkultur inklusive – hatte sich Youtube nicht mit der GEMA geeinigt oder war das auch eine Lüge, was die Konsequenzen angeht?

Beyoncé, Shakira – Beautiful Liar

Fundstück: EMANNzipation – Gleichberechtigung bitte auch für Männer

Auf diesen Beitrag wollte ich schon lange gesondert hinweisen, weil er so sehenswert ist. Der WDR brachte ihn ursprünglich in der Rubrik „Gegen den Strich“ seiner Sendung „Markt“. Angenehmerweise wurde er rechtzeitig bei Youtube eingestellt, so dass man ihn nach wie vor sehen kann:

EMANNzipation – Gleichberechtigung bitte auch für Männer (Original)

EMANNzipation – Gleichberechtigung bitte auch für Männer (Alternative Quelle)

Inhaltliche Zusammenfassung bei Genderama:

Der fast 20 Minuten lange Beitrag steht seit seiner Ausstrahlung auf der Blogroll von Genderama. In ihm stellen ausnahmsweise mehrere nicht-feministische Männer ihre Sicht auf die Geschlechterdebatte dar. Gunnar Kunz und Bernhard Lassahn weisen auf die mangelnde öffentliche Unterstützung von Männerorganisationen und das generelle Ausblenden der Männerperspektive in der Geschlechterdebatte hin. Wolfgang Jacobs schildert seine Erfahrungen als Opfer häuslicher Gewalt durch seine Partnerin. Der Psychotherapeut Professor Matthias Franz macht unter anderem darauf aufmerksam, dass über 90 Prozent der tödlichen Arbeitsunfälle Männer betreffen und sich Jungen dreimal so oft umbringen wie Mädchen. Wenn es anders wäre, so Franz, „hätten wir schon lange einen Aufschrei in unserer Gesellschaft, dann würde sich eine Talkshow an die andere reihen“. Die Soziologin Karin Flake erklärt, wie Väter von Müttern bei der Kindererziehung beiseite gedrückt werden. Auch die Benachteiligung von Jungen im Schulsystem und ausgrenzende Vorurteile gegen Männer in erzieherischen Berufen werden in dem Beitrag behandelt. Darüber hinaus hinterfragt er den beliebten Mythos, dass Frauen für dieselbe Tätigkeit 22 Prozent weniger als Männer verdienen würden.

Dieser Inhalt hat dem Beitrag 2016 die Saure Gurke der Medienfrauen „für besonders frauenfeindliche Beiträge“ eingebracht. Oder wie es Arne Hoffmann im oben verwiesenen Genderama-Beitrag ausdrückt:

Schon das Formulieren einer nicht-feministischen Perspektive gilt den Medienmacherinnen als Frauenfeindlichkeit.

Lucas Schoppe hat sich mit dieser Logik in seinem Artikel Ist Gleichberechtigung frauenfeindlich? auf humorvolle Weise auseinandergesetzt.

Der WDR-Film kam wesentlich zustande durch die Leute hinter nicht-feminist.de (heute faktum-magazin.de ). Zu dem ursprünglichen Erfolg, diese Themen in die Massenmedien zubringen, kam Ende 2016 noch hinzu, die peinliche Haltung der Medienfrauen aufzudecken. Wenn man mit dem Ansprechen von Problemen andere Leute provozieren kann, ist klar, wie weit es bei denen mit der Menschenfreundlichkeit wirklich her ist…

Dieses große Lob spreche ich dabei Leuten aus, mit denen ich mir gerade nicht ständig gegenseitig auf die Schultern klopfe. Vor wenigen Wochen wurde mein Artikel „Warum positive Einstellungen zu Feminismus für mich kein Fehler in der Matrix sind„, in dem ich auch Lucas Schoppe großzügig zitierte, als „Pudelquatsch der Woche“ ausgezeichnet.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Hoffen wir aufs Beste fürs neue Jahr.

ABBA: Happy New Year

Fundstücke: Alle Artikel von Mark E. Smith 2016

Mark E. Smith hat 2016 auf verschiedenen Blogs eine ganze Reihe von Artikeln veröffentlicht. Aber vielleicht hat nicht jeder alles gelesen, man verliert ja schnell den Überblick. Deswegen habe ich einmal gesammelt, was ich weiß.

Christian Schmidt hatte im vergangenen Jahr festgestellt, dass aus dem deutschsprachigen Raum unterdurchschnittlich viele Leser aus Österreich und der Schweiz kommen. Mit Mark E. Smith haben wir eine Schweizer Perspektive.

bei man-tau

Nikolaus Zogg von männer.ch: „#AuchIch – für eine aufrichtige Auseinandersetzung von Männern mit Sexismus“

Lara Fritzsche über Geschlechter- stereotypien in der Politik

Franziska Schutzbach über angebliches Intellektuellen-Bashing – oder wie man vollständig an einer Sache vorbeireden kann

für die Zukunft: Filter nach Autor Mark E. Smith bei man.tau

bei Alles Evolution

Strategien zur besseren Wahrnehmung von Problemen von Jungen und Männern

beim Geschlechterallerlei

Peter Nowak über das Urteil in der Causa Gina-Lisa Lohfink und sein eigentümliches Verständnis von Rechtsstaatlichkeit

Franziska Schutzbach zum Ersten: „Ich will Arsch schauen“

#SchweizerAufschrei: Michèle Binswanger über die antifeministischen Memmen, die gefälligst aufhören sollen zu flennen!

Franziska Schutzbach und der #SchweizerAufschrei: Bauchstalinismus und Empörungsbewirtschaftung

HILLARY CLINTONS NIEDERLAGE: Keine Mutter für die Nation

Soll man die Sorgen und Ängste und Ressentiments der Bevölkerung ernst nehmen?

Linke Identitätspolitik: soziale Klassen und Verteilungsgerechtigkeit kein Thema mehr für die liberalen Linken?!

Warum Cédric Wermuth an keine öffentliche Diskussion mehr geht, wenn nur Männer an der Diskussion teilnehmen

für die Zukunft: Filter nach Autor Mark E. Smith beim Geschlechterallerlei

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Zu Popkultur aus der Schweiz fällt mir zuerst folgende Band ein…

Eluveitie: Of Fire, Wind & Wisdom