Allein gelassene Familien

Es folgt ein Gastartikel von Siggi, ursprünglich im Blog Scheidende Geister erschienen.

Über die Recherche zu meinem Artikel Allein Gelassene Alleinerziehende bin ich darauf aufmerksam geworden, dass die weit überwiegende Zahl der Alleinerziehenden einen großen Teil ihrer Einkünfte aus öffentlichen Transferleistungen bezieht. Nach Aussage des verlinkten Artikels bekommen 87 Prozent der Alleinerziehenden beziehen Hartz IV-Leistungen. Staatliche Leistungen, beispielsweise Kindergärten, Schulen, Universitäten, öffentlicher Verkehr, Straßen und Polizei werden praktisch nicht durch Alleinerziehende finanziert, aber natürlich genutzt.

Es war die Anspruchshaltung der Autorin, die mich nachdenklich gestimmt hat. Diese habe ich als überzogen empfunden und daher ihre Aussagen hinterfragt. Heraus kam für mich im Wesentlichen, dass man auch auf die Verantwortung der Alleinerziehenden schauen sollte, bevor man nach mehr Geld schreit, und das subtile Gefühl, dass Familien nicht nur für ihre eigenen Kinder zahlen, sondern überproportional auch für Alleinerziehende. So weit habe ich das im Blogeintrag beschrieben.

Mich interessierten die Fakten. Fündig wurde ich beim Statistischen Bundesamt (Seite 34). Dort findet sich der Durchschnitt des Bruttoeinkommens aus unselbstständiger Arbeit aufgeschlüsselt nach Haushaltstyp: 1527 Euro für Alleinerziehende, 3563 für den Hauptverdiener einer Familie und 1007 für den Partner. Männliche Singles verdienen Durchschnittlich 1664 Euro, Single-Frauen 1216 Euro.

Unter „sonstige Haushalte“ sind im Wesentlichen die Familien erfasst, die Kinder über 18 Jahren haben. Das können Rentner mit erwachsenen Kindern und Enkeln sein, aber auch Eltern, deren Kinder studieren. Leider wurde diese Gruppe nicht weiter heruntergebrochen. In dieser Gruppe verdient der Hauptverdiener im Schnitt 2861 Euro, der Partner 684 Euro.

Damit keine Zweifel aufkommen: Familien mit minderjährigen Kind(ern) erzielen mit Abstand die höchsten Einkommen von allen Haushaltstypen, sie sind es, die die höchsten Steuern zahlen und damit die Gemeinschaft und die Alleinerziehenden im Wesentlichen finanzieren. Die sonstigen Haushalte sind die nächsten größeren Leistungserbringer.

Das kann man auch schnell durchrechnen (NRW, Jahr 2017, nicht in der Kirche, Alter 30, Kinder: Ja, gesetzlich versichert, 1,1 Prozent Zusatzbeitrag):

  • Alleinerziehend, Steuerklasse 2: 1527 Euro brutto, Steuern: 51,00 Euro
  • Ehepartner 1, Steuerklasse 3: 3563 Euro brutto, Steuern: 327,74 Euro
  • Ehepartner 2, Steuerklasse 5: 1007 Euro brutto, Steuern 107,40 Euro
  • Single Mann, Steuerklasse 1, kein Kind: 1664 Euro brutto, Steuern: 124,83 Euro
  • Single Frau, Steuerklasse 1, kein Kind: 1216 Euro brutto, Steuer: 27,50 Euro
  • (Sonstiger) Ehepartner 1, Steuerklasse 3: 2861 Euro brutto, Steuern: 163,99 Euro
  • (Sonstiger) Ehepartner 2, Steuerklasse 5: 684 Euro brutto, Steuern 66,08 Euro

Wir sehen: Das Geld für die Alleinerziehenden kommt nicht von einer anonymen Gruppe von Reichen, die unlauter an ihr Geld gekommen sind. Es wird den Familien genommen. Familien, die ihren Status auch ihren verantwortungsvollen Entscheidungen und ihrer eigenen harten Arbeit zu verdanken haben.

Eine Durchschnittsfamilie zahlt monatlich 435,14 Euro Steuern. Ein Durchschnittsalleinerziehender zahlt monatlich 51,00 Euro Steuern. Es braucht mehr als acht Alleinerziehende, um das Steueraufkommen einer Familie zu ersetzen.

Nimmt man an, dass die Mutter die Erziehung übernimmt, zahlt der Vater der Kinder als Single Mann 124,83 Euro Steuern. Eine Alleinerziehende Mutter und der getrennt lebende Vater zahlen gemeinsam 175,83 Euro Steuern. Es braucht fast 2,5 getrennt lebende Durchschnittsfamilien, um das Steueraufkommen einer Durchschnittsfamilie zu ersetzen.

Die Annahmen in dieser Kalkulation habe ich so gewählt, dass sie den geringsten Unterschied im Steueraufkommen nach sich ziehen: Die Beispielfamilie ist verheiratet und profitiert damit von Steuervorteilen. Bei der getrennt lebenden Durchschnittsfamilie habe ich die Steuerklasse 2 dem Partner mit dem geringen Einkommen zugewiesen, so dass hier mehr Steuern als nötig bezahlt werden.

In der Realität ist der Unterschied im Steueraufkommen also noch größer, da nicht alle Paare mit Kindern verheiratet sind und manche Alleinerziehende gemeinsam mit dem anderen Elternteil die Steuervorteile optimieren können.

Zusätzliches Problem könnte sein, dass es attraktiver ist getrennt zu leben, um Sozialleistungen zu bekommen. Wenn der Partner arbeitet kann das ein Motiv sein. Dazu kenne ich keine Zahlen, es ist aber auf jeden Fall ein Fehlanreiz zum Schaden der Kinder. Es macht schon einen Unterschied, als Familie beispielsweise 200 Euro über dem Hartz IV-Satz zu liegen (mit dem Einkommen des Partners) oder Mutter und Kind voll abgesichert zu haben über Hartz IV, während er nur (seine eigene) Miete zahlen muss.

Mit höheren Leistungen für Alleinerziehende – wie im ursprünglichen Artikel gefordert – macht man außerdem den Sozialleistungsbetrug attraktiver – also Paare, die tatsächlich zusammenleben, sie gibt ihn aber bei der Behörde nicht mit an und erhält sämtliche Vergünstigungen einschließlich Hartz IV, sein Einkommen ist komplett verfügbar. Wie dieser Artikel zeigt, wird dies wiederum hauptsächlich durch die Familien finanziert.

Fazit

Mein Gefühl, dass vor allem Familien die Alleinerziehenden finanzieren, wurde durch Fakten bestätigt. Es scheint keine öffentliche Debatte darüber zu geben, zumindest kenne ich keine. Es wird so getan, als seien die Mittel für soziale Wohltaten „da“, so als würden nicht Menschen dafür Leistung erbringen müssen.

Und oft bringen Familien Opfer, um hohe Einkommen erzielen zu können, etwa lange Pendelstrecken, Überstunden, Umzug in eine wirtschaftsstarke Region oder wochenlanger Einsatz auf Montage.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, zu welchen Transferleistungen Familien moralisch verpflichtet sind und welches Verhalten man von (zukünftig) Alleinerziehenden und ihren Sexualpartnern erwarten kann.

Schon sieben Prozent Überwachungsstaat – Lohngleichheitsgesetz und Gender Pay Gap

Es folgt ein Gastartikel von Jonas.

Wenn es einen toten Winkel gibt, der im Verdacht steht, unfeministische Unmoral zuzulassen, muss dieser ausgeleuchtet werden. In Zeiten des zunehmend autoritären Staatsfeminismus bedeutet das, dass ein Überwachungsstaat eingerichtet werden muss. Die Frauenquote war hierfür ein Anfang. Denn was braucht man, um zu garantieren, dass die gesetzlichen Frauenquoten in privaten Unternehmen durchgesetzt werden? Staatliche Kontrolle. Ein bisschen staatliche Kontrolle privater gesellschaftlicher Bereiche ist noch kein Überwachungsstaat. Aber viel und umfangreiche Kontrolle schon. Und auf diesem Weg befinden wir uns. Denn nun müssen sich die privaten Unternehmen wieder dem Auge des Staates entblößen und man sollte sich auf der Zunge zergehen lassen wofür. Für sieben Prozent irgendetwas.

Für sieben Prozent Steuerhinterziehung? Nein, das wäre ja noch halbwegs nachvollziehbar, denn das Geld gehört ja dem Staat. Für sieben Prozent zu wenig Feuerlöscher? Dafür würde man kein extra Gesetz erlassen, das die Unternehmensfreiheit weiter einschränkt, obwohl sieben Prozent Feuerlöscher zu wenig durchaus schlimme Folgen haben könnten. Nein, es handelt sich um sieben Prozent durchschnittlichen Lohnunterschied zwischen Frau und Mann, deren Ursache man nicht genau kennt und wo die Regierung vermutet, dass sie durch frauendiskriminierende Praktiken in den Unternehmen zustande kommen. Auch das, es sei klar und deutlich festgestellt, ist noch kein Überwachungsstaat. Aber das Lohngleichheitsgesetz, das neue Gesetz zur Beseitigung des bereinigten Gender-Pay-Gaps (bGPG) offenbart ein besorgniserregendes Verständnis von den Aufgaben und den Grenzen staatlicher Gewalt und zeigt damit: Der Überwachungsstaat wird kommen, denn wer vor der Frauenquote nicht zurückgeschreckt ist und danach noch eine zweite Salve auf die Unternehmensfreiheit abfeuert, der wird auch weitere nicht scheuen oder sogar für „überfällig“ halten. Dies eine Gesetz ist zwar nur ein kleines Mosaiksteinchen, das erst mal noch nicht viel anrichten wird, aber das Bild, das entstehen soll, ist schon ungefähr klar und weitere Steinchen werden folgen. Nun haben wir also für sieben Prozent irgendwas schon sieben Prozent Überwachungsstaat. Kurios übrigens, dass der feministische Staat durch das neue Lohngleichheitsgesetz nicht selber überwacht, sondern die Unternehmen verpflichtet, sich selbst zu überwachen und die Kosten für die dadurch entstehende Bürokratie selbst zu tragen. Das wäre so, wie wenn der DDR-Dissident die Wanze, die in seinem Wohnzimmer spioniert (weil die Stasi errechnet hat, dass eine siebenprozentige Wahrscheinlichkeit besteht, dass er Westradio hört) selbst kaufen und einbauen muss. Also liebe Frau Ministerin Schwesig, wie wäre es denn, wenn sie für ihre Marotten, die sie an den privaten Unternehmen auslassen, eine Ausgleichszahlung für den zusätzlichen Papierkram anbieten würden? Das wäre etwas lächerlich aber sehr gerecht.

Früher dachte ich immer, der Überwachungsstaat wird wegen der „Terrorabwehr“ eingeführt. Das wird er auch bestimmt, doch heute glaube ich, dass der feministische Überwachungsstaat noch schneller sein wird. Da wird heutzutage schon mal die gesamte (!) Privatwirtschaft unter den Generalverdacht des „Sexismus“ gestellt. Wie wär’s denn für 2020 mit Überwachungskameras in den Betrieben um „sexistische Kommentare“ und „Belästigung“ am Arbeitsplatz effektiv zu bekämpfen? Das Videomaterial muss von der Regierung und der Frauenbeauftragen des Unternehmens regelmäßig gesichtet werden. Ach so, und die Kameras muss natürlich der Arbeitgeber bezahlen, der kann das allen beschäftigten weißen heterosexuellen Männern dann vom Lohn abziehen, weil noch 0,7% bGPG übrig sind. Dann haben wir endlich Gerechtigkeit. Quatsch, sagen jetzt die sozialdemokratischen bis linksradikalen Gesellschaftsingenieurinnen und Gesellschaftsingenieure, ein bisschen Unfreiheit.. was soll schon passieren, es ist doch für eine gute Sache. Ein braves und fortschrittliches Unternehmen, das peinlich darauf achtet, genug Quotenfrauen vorweisen zu können und keinen statistisch erfassbaren bGPG zu erzeugen, hat ja schließlich nichts zu verbergen! Doch wer die Freiheit aufgibt um Gerechtigkeit herzustellen, wird am Ende beides verlieren. Abgesehen davon, dass „Gerechtigkeit“ hier Ansichtssache ist. Ist die Existenz eines bGPG denn überhaupt ungerecht?

Ich persönlich vermute, dass der bGPG hauptsächlich dadurch zustande kommt, dass Frauen in Gehaltsverhandlungen etwas zurückhaltender sind und auch gar nicht die Absicht haben, maximalen Lohn aus ihrer Arbeit herauszuholen. Traditionellerweise sind ja nicht sie die Hauptverdiener der Familie, sondern der Ehemann. Desweiteren werden Frauen bei schweren körperlichen Arbeiten aus offensichtlichen Gründen vielleicht durchschnittlich weniger bezahlt, was im bGPG nicht unbedingt berechnet wird. Und auch bei nicht körperlichen Arbeiten wird die Leistung des einzelnen Mitarbeiters nun mal zum Glück nicht durch staatliche Statistik, sondern durch den Unternehmer bewertet. Wenn ein Unternehmer hierbei „politisch unkorrekt“ bewertet, muss man diese Entscheidung akzeptieren, anstatt den Unternehmer pauschal unter den Verdacht des „Sexismus“ zu stellen. Es kann ja einfach sein, dass Frauen halt durchschnittlich (durchschnittlich!) etwas weniger oder weniger wertvolle Leistung erbringen und sie dementsprechend bezahlt werden. Das wäre doch kein Weltuntergang. Vielleicht aber ist ein großer Teil dieser sieben Prozentpunkte tatsächlich durch echte Diskriminierung bedingt. Vielleicht aber auch nicht. Wer weiß das schon? Niemand, denn die sieben Prozent sind ja nicht umsonst durch die Statistik nicht erklärt. Kann und muss man so was überhaupt wissen? Ist das nicht eigentlich ziemlich alberne Erbsenzählerei? Die These jedenfalls, dass das alles „Sexismus“ ist, der so fies und verheerend ist, dass der Staat gleich die Unternehmensfreiheit (die ein Grundrecht ist) beschneiden muss um ihn zu bekämpfen, ist
jedenfalls sehr gewagt. Aber warum denken Regierung und Öffentlichkeit so? Weil sie eine
paranoide Angst vor der Sünde des Sexismus haben. Weil ihnen die eigene Moral höher steht, als die Wirtschaftsfreundlichkeit, die politische Vernunft, die Freiheit und letztendlich das Grundgesetz. Und weil sie dumme Materialisten sind, den der Unterschied, ob sie nur einen Flachbildfernseher oder einen Flachbildfernseher mit Sky-Abo haben, äußerst wichtig und hochpolitisch ist. Kurz: Weil sie fortschrittliche Mainstream-Staatsfeministen sind.

Fundstück: Wladimir Putin kommentiert souverän Fake News

Weil die US-Präsidentschaftswahlen nicht wie von politischem Establishment und Massenmedien erwünscht ausgingen, musste eine Verschwörungstheorie her: Die braven Wähler wären durch Fake News manipuliert worden, um am Ende Donald Trump zu wählen. Und wer war der Bösewicht dahinter? Natürlich, die Russen! Sie haben nicht nur die Wahlen gehackt. Weil Donald Trump sich mit Wladimir Putin verstehen soll, „drohe“ Verständigung zwischen den USA und Russland. Viel bekloppter geht’s nicht.

Und was ist die beste Reaktion darauf? Genau, selbst Fake News gegen Donald Trump in die Welt setzen! Er soll sich angeblich in Moskau mit Prostituierten vergnügt haben. In diesem Zusammenhang hatte Fefe mal wieder ein bemerkenswertes Fundstück. Laut dem äußerte sich der russische Präsident sinngemäß so:

Donald Trump sei ein erwachsener Mann, habe seit Jahren mit Schönheitswettbewerben zu tun und einige der schönsten Frauen der Welt getroffen. Er, Wladimir Putin, halte es für schwer zu glauben, dass Donald Trump daher in ein Hotel eilen müsste, um einige leichte Mädchen zu treffen – obwohl die russischen ohne jeden Zweifel die besten der Welt seien.

Was habe ich gelacht! So reagiert man auf solche Vorwürfe: Nicht ernst nehmen, mit vernünftigen Einwänden die Gerüchte schon auf einfachster Ebene völlig unglaubwürdig erscheinen lassen und danach noch einen entspannten Spruch raushauen, mit dem man zeigt, dass man sich auf so billige Weise schon gar nicht aus der Reserve locken läßt. Da müsst Ihr schon mit etwas Besserem kommen!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Hier ein Lied mit Bezug auf Wladimir Putin und erlogenen Geschichten.

Funny van Dannen: Wladimir Putins Cousine

Arbeitsurlaub

Liebe Leserinnen und Leser, Senatoren, edle Römer! Ich möchte meine Tätigkeit für »Geschlechterallerlei« bis auf weiteres ruhen lassen. Das hat keinen spektakulären, sondern einen ganz handfesten, praktischen, geradezu banalen Grund: ich habe in der letzten Zeit wieder vermehrt über mein in Arbeit befindliches Buchprojekt gegackert, aber das Ei ist noch immer nicht gelegt.

Ich habe nun, erstens, in der Winterpause festgestellt, wie effektiv es für mich war, mich konsequent aus jeglichen Blogdiskussionen herauszuhalten, zweitens ist mir klar geworden, dass mir mein monatlicher GA-Termin zusehends im Weg steht, weil ich mich mit Themen auseinandersetze, die zu dem großen Projekt keinen direkten Bezug haben, und drittens weiß ich mittlerweile, dass ich neben Beruf, Familienleben und einigen weiteren Verpflichtungen, die ich ohnehin schon so knapp wie möglich zu halten versuche, buchstäblich jede noch freie Stunde benötigen werde, um mein Vorhaben durchzuziehen. Meine umfänglichen drei Jack-Donovan-Artikel waren insofern eine Ausnahme, als ich für mich selbst eine Antwort auf die leidige »Links-Rechts«-Thematik eine Antwort finden wollte, die mir sonst beharrlich im Weg gestanden wäre.

Das bedeutet zudem auch, dass ich mich auch an Blogdiskussionen bis auf weiteres kaum noch beteiligen und insbesondere die Teilnahme an großen Kommentarschlachten und Grundsatzdiskussionen vermeiden werde, auch wenn ich mich mir die eine oder andere Anmerkung wohl nicht werde verkneifen können. Wenn ich mich also in der nächsten Zeit in unserer Blogosphäre selten machen sollte, dann darum, weil ich mich auf das – für mich – Wesentliche konzentrieren möchte. Und wenn das Ei dann mal gelegt ist, werde ich auch rechtzeitig wieder zu gackern anfangen.

Zum vorläufigen Ausklang ein bißchen Pathos – die »Warschawjanka«, ein altes russisches Arbeiterlied:

KGE und der Aufstand der grünen Männchen

Die Qualitätsmedien sind auf dem grünen Auge blind

Bei Alles Evolution war es letztens erst Thema: Noch nicht einmal die Grünen finden genug Frauen, die politisch arbeiten wollen.  Der grüne Wahlzettel und die grünen Vorstellungen von Demokratie sind so absurd, daß in Folge  Katrin Göring-Eckardt als Wahlgewinnerin schon feststand, da es zwar drei männliche Kandidaten, aber keine Gegenkandidatin gab.

Und da erwartet man doch Ergebnisse, die denen der einzig anderen Demokratur auf deutschem Boden entspricht, oder?

Falsch erwartet. (hier SpOn über die Ergebnisse):

33.935 gült.Stimmzettel

KGE = 23.967 Stimmen

Cem Özdemir = 12.204 Stimmen

Robert Habeck = 12.129 Stimmen

Anton Hofreiter = 8886 Stimmen

(Nebenbei: Annett Meiritz zitiert als Wahlergebnis ihren eigenen Tweet.)

Nochmal: Wir haben 34.000 Stimmen. Davon bekommt KGE 24.000. 10.000 Wahlberechtigte kreuzen zwar einen Mann an, aber unterlassen das Kreuz bei KGE. Ich würde das als schallende Ohrfeige bezeichnen. Wie deutlich kann man denn noch „Nicht mein Spitzenkandidat“ ausdrücken? Ein Politiker mit Format hätte seinen Rücktritt bekannt gegeben. Nicht so KGE.

Andersrum. Ca 60% der Grünen sind Männer. Nimmt man der Einfachheit an, dass ganz überwiegend Männer KGE den Rückhalt aktiv verweigert haben, so haben die Hälfte aller grünen Männer diesen passiv-aggressiven Schritt getan und absichtlich das Kreuz hinter der Frau unterlassen. Grüne müßten jetzt von Sexismus in der eigenen Partei sprechen. Angesichts dessen, dass dieses Wahlergebnis weder innerhalb noch außerhalb der Grünen thematisiert wird,  sollte man hier von grünen Männchen sprechen. Nicht Manns (und auch nicht Frau) genug, diesen Sexismus mal zur Sprache zu bringen.

 

 

 

Eine Kreuzung aus Goebbels und Gundel Gaukeley oder warum die Korrespondentin ein feuchtes Höschen hat

Eine Kreuzung aus Nero und Dagobert Duck“ betitelte Sonia Mikich, die Unterzeichnerin bei pro quote ist, ihren Kommentar in der Tagesschau.

Das ist nun genauso reisserisch wie dümmlich, denn dass Trump in 2000 Jahren genauso erinnert wird wie Kaiser Nero heute ist äusserst fragwürdig und vor(!) seinem Amtsantritt nun wirklich nicht absehbar. Auch Dagobert Ducks wirksamste Eigenschaft ist nicht sein Geld ,sondern vielmehr sein Geiz. Die zweitwichtigste Eigenschaft Dagobert Ducks ist jedoch, daß hinter seinem ruppigen Auftreten doch immer eine liebevolle Person hervortritt. Dagobert Duck ist ein echter Sympathieträger trotz all seiner Macken.

Die genannten Personen haben nun so dermaßen wenig mit Donald Trump gemein, dass ein Vergleich mit Donald Trump noch bizarrer wäre als würde man eine Tagesschaukorrepondentin als eine Kreuzung aus Goebbels und Gundel Gaukeley bezeichnen. Was ich selbstverständlich nicht tue, auch wenn bei letzterem wenigstens eine ordentliche Alliteration dabei wäre.

„Nein, wer das ganze Interview liest, erlebt Widersprüche, Angeberei, verbale Erektionen und eine Gedankentiefe von höchstens 140 Zeichen.“

Köstlich, Frau Mikich, gar köstlich haben Sie dies formuliert. Oliver Kalkofe wird gerade neidisch. Obwohl — habe ich da gerade „verbale Erektionen“ gelesen? Nun, ich mag meine Erektionen. Prima Sache und auch bei den mir bekannten Damen immer höchst willkommen, wenn ich den Anblick darauf geteilt habe. Eigentlich haben die sich auch immer geschmeichelt gefühlt.

Frau Mikichs Konnotation von Erektionen ist hingegen negativ. Das tut mir leid für sie. Das wäre ja nicht so schlimm, aber da ist etwas was mir bei Feministinnen ständig auffällt. Und eine Unterzeichnerin von Pro Quote wird sich sicher nicht beleidigt fühlen, wenn man sie als Feministin bezeichnet. Ich erwarte nun wirklich (und diese Erwartungshaltung wird regelmäßig enttäuscht), dass sich Genderbewegte auch halbwegs gendersensibel ausdrücken.

Aber mal angenommen, jemand hätte öffentlichkeitswirksam formuliert, dass Frau Mikich beim Gedanken an die Quote ein feuchtes Höschen bekomme, dann wäre der nächste Shitstorm nur noch eine Sache von Stunden. Aus dem Munde eines Menschen im zB öffentlichen Rundfunk und der Job wäre weg.

Bei mir jedenfalls ist die Schere schon im Kopf, ich formuliere bewußt vorsichtig und lasse Frau Mikichs Namen lieber aus dem Titel raus. Auf eine anwaltliche Auseinandersetzung mit dem finanzstarken WDR habe ich jedenfalls keine Lust. Selbst wenn eine potentielle Klage niedergeschlagen würde, so wäre der reisserische Titel „Frauenfeind Gerhard P. von WDR wegen sexistischen Kommentars verklagt“ schon allein genug um meine Karriere stoppen zu können. Von der finanziellen Katastrophe ganz zu schweigen.

 

Fundstück: Sind linke Clubs in Jena Horte sexueller Belästigung?

Die Ostthüringer Zeitung (das ist die, die immer wieder mal über Gleichmaß e.V. berichtet) veröffentlichte Anfang des Monats unter dem Titel „Wir sind kein Freiwild“ einen offenen Brief. Parallel dazu erschien außerdem ein begleitender Artikel: „Kein Freiwild“: 7 junge Frauen beklagen in offenem Brief sexuelle Übergriffe in Jenaer Clubs.

Zunächst einmal war ich beim Nachdenken über die Artikel überrascht, wie ich auf sie regiert habe. Ich bin inzwischen durch die inflationären Vorwürfe von Belästigung so abgestumpft, dass ich alles erst einmal mit einer gehörigen Portion Skepsis lese und überall versuche, Widersprüche oder Übertreibung zu entdecken.

Das darf natürlich nicht vom Kern ablenken: Es wird berichtet, dass Frauen in mehreren alternativen Clubs in Jena, welche namentlich genannt werden, belästigt wurden. Das „belästigt“ wird genauer ausgeführt: Angefasst (von hinten / an Busen und Po) und geküsst (ohne ihr Zutun), beides jeweils gegen ihren Willen. Hier sehe ich keine Diskussionsmöglichkeit: Wenn so etwas geschieht, dann ist das nicht in Ordnung.

Ab hier gehen jedoch meine Einschätzung und die in den Artikeln auseinander. Ich glaube nämlich, dass der von mir hervorgehobene Satz der Meinung einer breiten Mehrheit der Bevölkerung entspricht – auch innerhalb der Gruppe aller Männer. „Dass Männer gewisse Formen des Anstands an der Garderobe abgeben“, halte ich, falls es sich auf mehr als eine kleine Minderheit bezieht, für eine unzulässige Verallgemeinerung.

Dass die Gesellschaft heute sensibler auf das Thema reagiert und es derlei Vorfälle immer gegeben habe und immer geben werde, diesen Einwand will Sonnefeld nicht gelten lassen.

Richtig. Wer würde das jedoch tatsächlich als Einwand vorbringen?

Ob die Täter „immer dreister“ werden und ob es „[d]as, was heute in den Clubs passiert (…) in dieser drastischen Form früher tatsächlich nicht gegeben“ hat? Ich habe keine Beweise, die Artikel nennen jedoch auch keine und ich bin versucht, dies als Dramatisierung zu interpretieren, um noch mehr Aufmerksamkeit zu bekommen. Das ist allerdings unnötig, denn wenn Frauen belästigt werden (angeblich oder tatsächlich) und dies beklagen, können sie sich breiter Aufmerksamkeit sicher sein. Es spielt für die Verdammung solcher Taten auch keine Rolle, ob es früher besser oder schlimmer war. Das bringt uns zum nächsten Knackpunkt:

Sie weiß, dass Übergriffe oft nicht öffentlich gemacht würden, aus Angst, nicht ernst genommen zu werden, zumal die Grenzen zwischen einem rüpelhaften Ausfall und einer Straftat wie sexuelle Nötigung fließend sein können.

Zugegeben, Angst kann man schlecht rational diskutieren. Und kann mir gut vorstellen, dass ich, wenn ich unter dem Eindruck eines Abends in einem Club stände, in dessen Verlauf mich ständig irgendwelche Leute belästigt hätten, mich des Verdachts nicht erwehren könnte, das Publikum dort sähe das als normal an.

Ansonsten gilt jedoch, was ich oben schrieb: Frauen stoßen mit solchen Berichten i.a. auf offene Ohren.

Es spielt hier auch keine Rolle, was bereits strafrechtlich relevant ist oder nicht. Die oben geschilderten Vorgänge werden von den allermeisten Menschen nicht gebilligt. Die Welt zerfällt nicht in ein Schwarzweiß à la „ist alles super so“ vs. „ist eine Straftat“.

Völlig unerheblich ist daher auch das zitierte Anzeigenaufkommen, das gegen Null gehe. Polizeistatistik und Realität gehen sowieso mitunter leicht verschiedene Wege. Es hat überhaupt keine Aussagekraft, klingt im Artikel natürlich extra dramatisch, so als ob es eine hohe Dunkelziffer gäbe.

Kommen wir zur wichtigsten Frage, der nach Lösungsvorschlägen. Der zentrale Teils des offenes Briefes dazu:

Das Problem gibt es nicht nur bei euch, aber ich glaube, dass ich bei euch auf Gehör treffe.

Von linken Clubs hätte ich mehr erwartet. Ihr setzt euch für Gleichberechtigung ein, aber schafft es nicht, sie auf eurer Tanzfläche durchzusetzen. Die Atmosphäre bei euch, fühlte sich für mich nie so an, als ob ein offenes Ohr auf mich wartet, wenn ich von einem sexuellen Übergriff berichte. Ich traute mich nie, etwas bei der Security zu melden und versuchte mich so direkt wie möglich zu wehren. Wirklich erfolgreich war ich selten und Hilflosigkeit machte sich breit.

(…)

Hier seid ihr gefragt. Hängt Plakate auf, die das Bewusstsein für sexuelle Gewalt schärfen. Richtet eine Anlaufstelle für alle Betroffenen ein und macht auf sie Aufmerksam. Gebt öffentliche Statements ab, dass fairer gleichberechtigter Umgang in euren Räumen an erster Stelle steht.

Es ist sicherlich ein guter Impuls, seine Probleme zunächst selbst lösen zu wollen, etwa indem man die Leute direkt auf ihr Fehlverhalten anspricht. Mit steigendem Alkoholpegel und bei genügend Lärm und Geschiebe kann das mitunter schwer werden. Die nächste Option wäre Unterstützung durch Begleiter, aber die hat man erstens nicht jedesmal dabei und zweitens kann es auch keine Lösung sein, dass man nicht mehr alleine weggehen kann.

Dann wäre der nächstlogische Schritt für mich aber tatsächlich, dem Sicherheitspersonal Bescheid zu geben. Es ist die Aufgabe von Türstehern, dafür zu sorgen, dass es keinen Ärger gibt. Falls einem die starken Kerle selbst zuviel Respekt einflößen, hilft einem auch die Bedienung weiter.

Wer sich nicht benimmt, den kann man auch ohne Straftatbestand rausschmeißen und ihm ein Hausverbot erteilen. Mitarbeiter in Clubs und Diskotheken haben überhaupt keine Lust daran, dass sich jedes Wochenende dieselben Dramen wiederholen. Gerade Türsteher freuen sich, wenn sich gewisse Assis gar nicht erst blicken lassen und sie ihr Publikum kennen, das macht die Einschätzung und damit ihren Job leichter.

Und die Besitzer von solchen Einrichtungen müssen um den Ruf ihres Ladens fürchten. Wenn es erst einmal die Runde macht, dass Frauen ins XY gar nicht mehr gehen wollen, weil sie da ständig belästigt werden, bleiben auch die Männer aus deren Freundeskreis weg. Damit verliert man jedoch ausgerechnet die guten Kunden – die nämlich, die sich anständig benehmen können und das auch von anderen erwarten. Als Assi-Schuppen verrufene Etablissements haben nur noch eine sehr kleine Zielgruppe.

Insofern halte ich die Lösungsvorschläge aus dem offenen Brief für die falschen: Gerade, wenn man auf offenes Gehör zu treffen glaubt (und es spricht ja nichts dagegen), wäre es doch nur konsequent, zuerst Personal und dann Besitzer der Clubs zu kontaktieren.

So, wie es jetzt geschehen ist, ist der Ruf lädiert (die Besitzer werden sich aber vermutlich davor hüten, das gegenüber den Frauen zu beklagen – dadurch wirken sie automatisch wie die Bösen!), andererseits hatten die Mitarbeiter gerade nicht die Chance, die eingeforderte Gleichberechtigung „auf ihrer Tanzfläche durchzusetzen“, wenn sie nichts von den Vorfällen wussten. Und wie soll man gegen eine gefühlte Atmosphäre argumentieren? Ohne Meldung kann nichts unternommen werden.

Die eingeforderten Maßnahmen gehen aus meiner Sicht an dem Ziel vorbei. Die Leute brauchen etwa keine Plakate, die erklären, dass Begrabschen auf der Tanzfläche nicht in Ordnung ist. Die kleine Minderheit, die das nicht einsieht, wird es auch nicht durch Plakate lernen. Wie soll eine Anlaufstelle aussehen, an die man sich spontan wendet, wenn sie deswegen eingerichtet werden muss, weil sich die Leute nicht trauen, mit dem Sicherheitspersonal zu reden? Und was helfen öffentliche Statements, die nur verkünden, was für einen Großteil der Leute selbstverständlich ist?

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Ein realistisches Video darüber, was in dem durchschnittlichen nicht-alternativen Club abgeht…

The Axis of Awesome: In The Club Tonight

Fundstück: Ahoi Polloi über Medienblockade, political correctness und Ballerspiele

Es ist mal wieder soweit: Ahoi Polloi hat ein paar Knaller – darunter einen, über den ich schon länger berichten wolltte.

  1. Medienblockade
  2. political correctness
  3. Ballerspiele

bisherige Erwähnungen von Ahoi Polloi:

  1. über Beschimpfungen, Hate Speech und den postheroischen Mann
  2. über Nazis, freie Meinungsäußerung und immer wieder Nazis
  3. Ausreden, Fake News und Rassismus
  4. prägnante Wahlanalyse
  5. Donald Trump, Politik und Medien
  6. Genderidentität, politisch korrekte Sprache und das Rederecht bei den Grünen
  7. Sexismus
  8. Modernität bei Arbeit, Gesellschaft und Moby Dick
  9. kulturelle Aneignung, rape culture und sexistische Werbung
  10. gegen mansplaining und Mikroaggressionen und für die Wahrheit
  11. das neue Sexualstrafrecht und die Unschuldsvermutung
  12. dreimal zu „hate speech“
  13. eine ganze Sammlung
  14. zu Sprache

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal mit einem Lied, das ganz schön daherplätschert, aber einen ernsten Inhalt hat…

Foster The People: Pump up Kicks

Fundstück: Datenerhebung zur häuslichen Gewalt gegen Männer

Gleichmaß e.V. weist auf „ein Pilotprojekt der Thüringer Regierungskoalition (SPD, LINKE und Grüne)“ hin, das „jetzt herausfinden [will], in welchem Ausmaß Männer Opfer häuslicher Gewalt werden“. Na, besser spät als nie, möchte man sagen. Es wäre ja nicht so, dass es da nicht bereits Gewaltforschung auf internationaler Ebene gäbe. Bisher haperte es nur daran, Ergebnisse auch wahrzunehmen, wenn Männer betroffen waren, ohne etwa gleich Männern allgemein die Schuld dafür in die Schuhe zu schieben.

Wir begrüßen diesen Schritt außerordentlich. Jedoch kommt der Artikel etwas missverständlich darauf zu sprechen, im gesamten deutschsprachigen Raum seien bezüglich des womöglich große Dunkelfeldes keine gesichterten Erkenntnisse zu finden.

Und es folgt ganz locker eine Schilderung, was Gleichmaß e.V. selbst seit Jahren unternommen hat, um die Problematik an die Regierung zu vermitteln. Meine Hochachtung davor, das so trocken schildern zu können!

Für die Regierung wäre etwa die privat finanzierte Gewaltschutzwohnung in Gera ein ganz interessantes Beispiel. Das brächte allerdings auch das Risiko einer unangenehmen Wahrheit mit sich: Der Staat hat die Problemlage, die woanders längst bekannt ist, bislang ignoriert.

Jetzt so zu tun, als sei das eine neue Erkenntnis und als habe man keine Zahlen, deute ich so: Zuzugeben, dass man sich (auch aus ideologischen und wahltaktischen Gründen) für ein Problem bisher nicht interessiert hat, kommt bei der Bevölkerung nicht gut an. Besser ist es, man spielt den besorgten Politiker und einigt sich auf das Narrativ „Wir konnten ja nicht ahnen, dass…! Wenn uns das mal einer gesagt hätte!“.

Der Optimist würde sagen: Das Thema kann offenbar nicht mehr ignoriert werden. Das ist tatsächlich der gute Kern der Nachricht.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Für alle diejenigen, die bei so etwas nicht ruhig bleiben können, ein Lied der härteren Machart zum Abreagieren…

Stabbing Westward: Lies

Warum mir nur eine Sache einfällt, dir ich als Mann gerne machen würde, aber nicht tue

Alles Evolution hat mal wieder eine Frage in die Runde: Was würden Männer gerne machen, wenn es nicht als „weiblich“ oder „Sozial unakzeptabel“ für ihr Geschlecht angesehen würde?

Das wäre ein wunderbarer Aufhänger für eine Blogparade. „Worum beneidet ihr das andere Geschlecht?“ wurde vor ein paar Monaten gefragt – das wäre ebenfalls ein guter Kandidat gewesen. Aber ich habe zu lange gezögert, aus meinem damaligen Kommentar einen ganzen Artikel zu machen. Diesmal soll’s besser werden!

Um die jetzige Frage zu beantworten, lohnt es sich, einmal zurückzublicken: Grundsätzlich bin ich gerne ein Mann und ich glaube, dass für mich nicht viel anders wäre, wenn ich das andere Geschlecht hätte. Schon bei diesem Blogstöckchen gab es die Frage „Was tust du nicht / welche Dinge lässt du lieber, weil du ein Mann bist?“ und darauf antwortete ich nur mit der Einschränkung [j]eweils bezogen auf „in der Öffentlichkeit“:

Zartheit zeigen. (…) Nähe und Wärme. (…) Verletzlichkeit und Verletztheit.

Das ist aber nichts, was ich mir vollständig verkneifen würde – nur eben das ungebremste Ausleben. Es ist ja auch nicht schlimm, sondern anständig: Vermutlich stehe ich mit der Einschätzung nicht alleine dar, dass es unangemessen sein kann, wenn man öffentlich, also vor wildfremden Leuten, persönliche Gefühle offenbart. Man zwingt damit andere Menschen zu einer Reaktion.

Obwohl die 36 Fragen an Männer, wie etwa Lucas Schoppe analysierte, in Wirklichkeit Zuschreibungen wie „Männer mögen keine romantischen Komödien oder denken, dass das sozial inakzeptabel ist.“ enthielten, fällt es mir leicht, das durch mich persönlich zu widerlegen: Ich mag durchaus romantische Filme.

Was ich selbst im Freundeskreis nicht tue

Eine Sache ist mir aber doch eingefallen, die ich – unter meinem vollen Namen – allenfalls sehr vorsichtig und nur vor ausgewählten Personen mache: Kritik an irgendeiner Form von Feminismus äußern.

Denn „ein Mann kritisiert eine bestimmte Einstellung einer Variante des Feminismus“ wird verallgemeinert zu „ist gegen Feminismus“, was behandelt wird wie „ist gegen Gleichberechtigung“, „will das Frauenwahlrecht abschaffen“, „will Frauen unterdrücken“, „hasst Frauen“.

Öffentlicher Aufruhr, egal ob angemessen oder nicht, kann dazu führen, dass Leute ihre Arbeit verlieren. Das passiert sogar in prominenten Fällen wie Nobelpreisträger Tim Hunt. Möchte ich das für mich riskieren? Natürlich nicht.

Ich mache mir da keine Illusionen: Es spielt keine Rolle, ob ich gleichzeitig Artikel schreibe wie „Warum positive Einstellungen zu Feminismus für mich kein Fehler in der Matrix sind“ (für die ich woanders gescholten werde). Auch wenn es logisch falsch ist („Nicht jede Kritik an X ist Anti-X.“), würde ich mit einer öffentlich geäußerten Kritik als Antifeminist abgestempelt – wobei es dann kein Wunder ist, dass es soviel „Antifeminismus“ gibt:

Es ist natürlich ein unredlicher Taschenspielertrick, etwa Kritik an radikalfeministischen Strömungen als grundsätzlich antifeministisch zu brandmarken, dabei wohlwissend, dass man den Gegner in einer Debatte damit leicht das Etikett „ist gegen Gleichberechtigung“ oder „frauenfeindlich“ anhängen kann und ihn damit indiskutabel macht. Da verschiedene Zweige des Feminismus zum Teil zueinander konträre Haltungen vertreten (etwa „für“ oder „gegen“ Prostitution), wird daraus ein Totschlagargument: Egal, was jemand zu dem Thema vertritt, man kann ihn immer als antifeministisch abstempeln!

Und genau vor diesem Hintergrund freue ich mich, wenn irgendwelche Filterblasen platzen und unangenehme Meinungen wieder geäußert werden können. Ich wünsche ideologischen Gegnern auch nicht, dass sie zum Schweigen gebracht werden, indem sie sozial vernichtet werden.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Manchmal ist Schweigen Gold – nicht, weil man klüger ist, sondern weil Reden gefährlich wäre.

The Tremeloes: Silence is Golden