Arbeitsurlaub

Liebe Leserinnen und Leser, Senatoren, edle Römer! Ich möchte meine Tätigkeit für »Geschlechterallerlei« bis auf weiteres ruhen lassen. Das hat keinen spektakulären, sondern einen ganz handfesten, praktischen, geradezu banalen Grund: ich habe in der letzten Zeit wieder vermehrt über mein in Arbeit befindliches Buchprojekt gegackert, aber das Ei ist noch immer nicht gelegt.

Ich habe nun, erstens, in der Winterpause festgestellt, wie effektiv es für mich war, mich konsequent aus jeglichen Blogdiskussionen herauszuhalten, zweitens ist mir klar geworden, dass mir mein monatlicher GA-Termin zusehends im Weg steht, weil ich mich mit Themen auseinandersetze, die zu dem großen Projekt keinen direkten Bezug haben, und drittens weiß ich mittlerweile, dass ich neben Beruf, Familienleben und einigen weiteren Verpflichtungen, die ich ohnehin schon so knapp wie möglich zu halten versuche, buchstäblich jede noch freie Stunde benötigen werde, um mein Vorhaben durchzuziehen. Meine umfänglichen drei Jack-Donovan-Artikel waren insofern eine Ausnahme, als ich für mich selbst eine Antwort auf die leidige »Links-Rechts«-Thematik eine Antwort finden wollte, die mir sonst beharrlich im Weg gestanden wäre.

Das bedeutet zudem auch, dass ich mich auch an Blogdiskussionen bis auf weiteres kaum noch beteiligen und insbesondere die Teilnahme an großen Kommentarschlachten und Grundsatzdiskussionen vermeiden werde, auch wenn ich mich mir die eine oder andere Anmerkung wohl nicht werde verkneifen können. Wenn ich mich also in der nächsten Zeit in unserer Blogosphäre selten machen sollte, dann darum, weil ich mich auf das – für mich – Wesentliche konzentrieren möchte. Und wenn das Ei dann mal gelegt ist, werde ich auch rechtzeitig wieder zu gackern anfangen.

Zum vorläufigen Ausklang ein bißchen Pathos – die »Warschawjanka«, ein altes russisches Arbeiterlied:

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16 Kommentare zu „Arbeitsurlaub“

  1. Ich schließe mich dem von Christian gesagten an und wünsche dir viel Erfolg bei der Abschlussarbeit!

    Schönen Gruß crumar

  2. „…. buchstäblich jede noch freie Stunde benötigen werde, um mein Vorhaben durchzuziehen“

    Eine richtige Erkenntnis, und ich wünsche Dir viel Erfolg und Konzentration dabei!

    Mir geht es so ähnlich insofern, als mein Blog auch eine Art Buchersatz ist und nach rund 3 Jahren Wachstum, um nicht zu sagen Wildwuchs, dringend eine Totalrenovierung bräuchte, für die ich „…. buchstäblich jede noch freie Stunde benötigen werde …“, und zwar für einen Zeitraum von grob geschätzt 2 – 3 Monaten. In der Zeit müßte ich der Versuchung widerstehen, mal eben ein wenig in den üblichen Blogs zu lesen, oder sogar noch breiter in der allgemeinen politischen Berichterstattung – das wäre echt langweilig.

      1. „Blog nach WordPress umzuziehen?“

        Bisher nicht. Warum sollte ich? Die technische Plattform reicht mir aus, zumal das eigentlich kein typischer Blog is, bei dem die Blogposts und Diskussionen dominieren.

        „ohnehin komplett renovieren“

        Das ist in erster Linie ein inhaltliches Problem. Einige Themenseiten haben gedruckt deutlich über 10 Seiten Umfang, Beispiel: die Seite zum Gender Pay Gap hat in der Druckvorschau ca. 35 Seiten.
        So lange Texte liest fast keiner mehr, das ist zumidest mein Verdacht. Die GPG-Seite sollte vermutlich besser in 3 – 5 kürzere Seiten aufgeteilt werden, die thematisch fokussierter sind, und ggf. gekürzt werden. So ein Umbau ist eine Menge Arbeit. Wenn gleichzeitig auch noch die technische Platform geändert wird und ich mich da neu einarbeiten müßte, macht es die Sache nur komplizierter.

      2. Ich hatte insbesondere den Eindruck, dass die Anker nicht (mehr) funktionieren. Der große Trick besteht aus meiner Sicht darin, die Inhalte hierarchisch anzubieten, also Einführungsartikel für ein Thema und dann je nach Interesse immer feiner und detaillierter.

      3. „Ich hatte insbesondere den Eindruck, dass die Anker nicht (mehr) funktionieren.“

        Den Eindruck hatte / habe ich auch.

        „Der große Trick besteht aus meiner Sicht darin, die Inhalte hierarchisch anzubieten, also Einführungsartikel für ein Thema und dann je nach Interesse immer feiner und detaillierter.“

        Ich habe das jetzt mit der Seite zum GPG versucht, war eine Menge Arbeit. Die Leitseite Kampfbegriff „Gender Pay Gap“ ist jetzt „nur“ noch ca. 7 Druckseiten lang, die meisten Texte sind auf insg. 4 Unterseiten verteilt:

        Berechnung des GPGs

        Erklärungsmodelle und Bewertung des GPGs

        GPG: Propaganda und Debatten

        Ergänzungen und Literatur zum GPG

        Ein wirkliches Verständnis der Pronbleme bekommt man aber erst auf den Detailseiten. Ein komplexes Themen wie dem GPG kann man glaube ich nicht in 5 Minuten angemessen verstehen.

        Ich frage mich manchmal, ob sich die Mühe mit der ganzen Textoptimierung überhaupt lohnt. Ich hatte mich am Samstag über das Tagesschau-Video zum EPD ziemlich geärgert und dann auf die Schnelle den Post Volksverdummung in der Tagesschau zusammengezimmert. Den hat jemand auf Facebook verlinkt (keine Ahnung, wer und wo, würde mich mal interessieren). Das hat über 100 Zugriffe innerhalb von 2 Tagen gebracht, was für meine Verhältnisse ziemlich viel ist.

      4. Super, ich habe die Verweise alle direkt auf die GPG-Themensammlung übernommen!

        Ich glaube schon, dass es nützt, Informationen anzubieten – und diese auch gut aufzuarbeiten. Ich weiß ja, wie ich selbst bei Themen reagiere, in die ich mich einlesen will. Ein Riesentextschwall und ich bin raus. Das Prinzip der umgekehrten Pyramide, also die wichtigsten Punkte kurz und knapp zuerst, und dann immer feiner und in die Spezialthemen, so sollte es sein.

  3. So, mit reichlich Verspätung: Viel Erfolg bei dem Buch!

    Ich komme in letzter Zeit kaum noch zum Lesen und Kommentieren…

    Deinen Artikel über Verdun fand ich große Klasse und Deine anderen langen Artikel vom letzten Jahr habe ich mir als Lektüre für längere Zugfahrten abgespeichert.

    1. Vielen Dank! Ich freue mich ja, wenn die langen Fußlappen, die ich da produziere, trotzdem gelesen werden! 🙂

  4. @ Djadmoros

    Habe jetzt schon etwas länger nichts von dir im Netz gelesen.
    Du weißt ja, dass ich mich sehr auf dein Buch freue – wenn es endlich erschienen ist, würde ich übrigens anbieten es zu rezensieren, falls gewünscht – und ich habe natürlich Verständnis dafür, dass du deine Zeit primär auf dieses Projekt konzentrieren möchtest, auch wenn ich deine Beiträge im Netz vermisse.
    Aber melde dich doch trotzdem mal kurz, damit wir zumindest zwischendurch mal wieder etwas von dir gehört haben und erzähl doch mal kurz, wie der Stand der Dinge ist.

    1. Hallo Leszek,

      danke der Nachfrage! Ja, ich arbeite weiterhin an meinem Buchprojekt, und insgesamt fühle ich mich wie eine CPU, die im Zeitscheibenverfahren ihre Rechenleistung auf parallele Tasks verteilt 🙂 Darum halte ich in den Blogs als Kommentator bis auf weiteres strikte Funkstille ein. Als nächstes bekommt Lucas Schoppe von mir meine persönlichen Eindrücke vom Genderkongress, die ich ihm versprochen habe und die ich hoffentlich heute endlich fertig bekomme (der »Vatertag« hat mich noch nie interessiert, ich gehe also nicht auf Sauftour 🙂 ). Bei meinem Buch bin ich bei knapp zweihundert Seiten – der Haken ist bloß, dass es von der Anlage her an die tausend werden könnten, bis das Argument voll entfaltet ist – sagte ich schon, dass es ein Ziegelstein wird, der notfalls immer noch als Wurfgeschoss taugt? Hey, was Slavoj Žižek kann, kann ich schon lange! 🙂 Ein Argument im Kopf zu haben und ein Argument sauber und mit Belegen zu verschriftlichen sind leider zwei paar Stiefel, und das Seitenverhältnis von Schreiben und Lesen würde ich derzeit auf 1:20 schätzen. Und es taugt zwar nicht als Ausrede, aber das Buch von Benslama zur Psychoanalyse des Islam ist immer noch nicht übersetzt (und mein Französisch ist nicht gut genug, um es effizient im Original zu lesen).

      Wenn ich echte Neuigkeiten habe, werde ich mich aber auf jeden Fall melden!

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