Kurznachrichten vom 31.12.2016

1: Pünktlich vor den nächsten Silvesterfeiern feiert der gute alte Keuschheitsgürtel Wiederauferstehung, diesmal „Safe Shorts“ genannt.

„Steig in deine Safe Shorts, ziehe die ergonomisch verlaufenden reiß- und schneidfesten High-Tech-Schnüre fest, bis die Hose sitzt“, steht es auf der Website. Danach werden die Schnüre am Schließmechanismus fixiert, der an den Sirenen-Poweralarm angeschlossen ist. […] Sollte sich jemand an der Hose der Joggerin zu schaffen machen, geht die Sirene an und jault in einer Lautstärke von 130 Dezibel, was Angreifer in die Flucht schlagen soll. […]

Die Schnüre in der Hose, die übrigens aus demselben Material angefertigt sind wie kugelsichere Westen, sollen sich zumindest von Angreifern nicht ohne Weiteres aufschneiden lassen – angeblich nicht einmal mit einer Heckenschere.

Jetzt bin ich mal gepannt, ob das ein Verkaufsschlager wird.

2: In der Jungle World beschäftigt man sich ebenfalls mit Silvester, aber noch mit dem vergangenen. Hannah Wettig beschreibt darin, „wie der feministische Diskurs die Opfer der Silvesternacht im Stich ließ“.

Feministische Frauen initiierten das Bündnis #ausnahmslos, das sich gegen Sexismus und Rassismus gleichermaßen wenden sollte. Diese zunächst in der Sache plausible Reak­tion mutierte sofort zu einem antirassistischen Abwehrkampf gegen die Opfer. […]

Ohne dass es einen Hauch von Zweifel an der Masse der Zeugenaussagen gab, sagten Protagonistinnen des Bündnisses, man wisse überhaupt nicht, wer die Täter gewesen seien. Die Bloggerin Nadja Shehadeh beleidigte auf dem feministischen Blog Mädchenmannschaft die Opfer als Kartoffeln, die einen Italiener nicht von einem Araber unterscheiden könnten. Etliche Feministinnen im Umkreis des Missy Magazins relativierten das Ereignis, indem sie sinngemäß sagten, dass derartige Übergriffe jedes Jahr auf dem Oktoberfest vorkämen, ohne dass es jemanden störe. Schon im Januar konnte das niemand ernsthaft glauben, der sich auch nur einige wenige Zeugenaussagen angesehen hatte. […]

Es war aber kein linker Stammtisch, der sich mal eben spontan äußerte. Vielmehr war es eine Zäsur in der Geschichte der Frauenbewegung, ein Bruch mit entscheidenden Leitideen des Feminismus. Feministinnen glaubten den Opfern von sexu­eller Gewalt nicht, sondern relativierten die Taten. Wo einige noch die Herkunft der Täter abstritten, wiesen andere schon auf traumatische Fluchterfahrungen hin, um das Handeln der Männer zu erklären. […]

Flüchtlinge als politisch denkende und handelnde Menschen zu sehen, ist das Gegenteil von Rassismus. Trotzdem wird allen, die auf den Islamismus als Ursache hinweisen, Rassismus vorgeworfen – und das deutlich heftiger als denjenigen, die sich um eine Erklärung aus Kultur und Tradition bemühen.

Das hat Gründe: Häufig sind es Vertreterinnen islamischer Organisationen oder sogenannte Feministinnen mit Kopftuch, die antiislamistische Argumentationen als rassistisch geißeln. Ihre Argumente werden von Linken oft übernommen. Dabei sollte klar sein: Sie haben eine Agenda, und die ist ganz bestimmt nicht links.

3: MANNdat hat eine maskulistische Filmkritik von Dr. Bruno Köhler zu einem der letzten ARD-Tatorte mit dem Titel „Wofür es sich zu leben lohnt“ (ausgestrahlt am 4.12.) veröffentlicht. Das Urteil von Köhler:

Das übliche männerfeindlich-sexistische Frauenkino. Gute Opferfrauen gegen böse Tätermänner. Die Macher des Films lassen kein Klischee aus, damit beim Zuschauer zu keinem Zeitpunkt auch nur den Hauch von Zweifel an der Legitimität der brutalen Taten der Protagonistinnen aufkommen könnte. Die Ermordeten entsprechen dem Übelsten, was das derzeit politisch korrekte Feindbild zulässt – der Ausländer hassende Rechtspopulist, dessen Tochter zudem noch mit einem Ausländer anbändelt, der skrupellose, über Leichen gehende Unternehmer, der Hunderte armer Frauen auf dem Gewissen hat, der rücksichtslose, geldgierige Betrüger. Alle sind natürlich böse, alte, weiße Männer. […]

Der Film verherrlicht Gewalt, genauer gesagt, er verherrlicht Frauengewalt gegen Männer.

Merke: Wenn Frauen Gewalt gegen Männer ausüben, ist diese immer moralisch gerechtfertigt. Männer wollen dagegen nur Macht ausüben, wenn ihre Gewalt gegen Frauen geht. Die Klischees in der Filmwirtschaft und im Fernsehen sind seit Jahrzehnten immer dieselben.

4: Die ZEIT interviewt die DJane Susanna Kim und behauptet in ihrem Anreißer:

DJane Susanna Kim aka I am Kim Kong erzählt, wie es ist, professionell Platten aufzulegen. Und warum Frauen hier fehlen.

Na, da bin ich schon gespannt wie ein Flitzebogen, als ich endlich an die entscheidende Frage komme:

Frage: Was denken Sie, warum gibt es, gerade im Hip Hop, so wenig DJanes?

Kim: Ich glaube, dass es gar nicht so wenige DJanes gibt. Früher habe ich das aber auch so wahrgenommen. Umso mehr ich mit der Thematik zu tun habe, umso mehr DJanes lerne ich kennen. Ich habe allerdings das Gefühl, dass es viel mehr DJanes im Elektronischen Bereich gibt als im Hip Hop. Obwohl es mittlerweile einige Frauen gibt, ist der überwiegende Teil immer noch männlich. Genau sagen, woran das liegt, kann ich gar nicht, das finde ich selbst komisch. Vielleicht kommen Frauen nicht so oft drauf, dass man ja auch selbst auflegen kann.

Danke fürs Gespräch, liebe ZEIT, kann ich da nur sagen. Genau das, was versprochen wurde, wurde nicht geliefert.

Das ganze Gespräch macht auf mich den Eindruck, als ob Interviewerin Marcia Scharf unbedingt eine feministische Message herausquetschen wollte. Irgendwas nach dem Schema, die Männer lassen sie nicht richtig ran, Frauen müssen sich doppelt beweisen etc. Kein Wunder, der Artikel erschien ja zuerst bei Edition F. Nur zieht die Interviewte nicht so richtig mit. Auch die eher beschwichtigende Antwort auf die Frage:

Frage: Haben Sie schon negative Erfahrungen gemacht, weil Sie eine Frau sind?

Kim: Manchmal bekomme ich schon zu hören: ,Also für eine Frau bist ja gar nicht so schlecht.‘ Das passiert aber sehr selten – zum Glück.

muss natürlich zu der Artikelüberschrift

„Für eine Frau bist du ganz gut“

destilliert werden.

Nebenbei: Ich kann mich an kein einziges Interview erinnern, in dem ein Mann gefragt worden wäre, ob er in seinem Job negative Erfahrungen gemacht hätte, weil er ein Mann ist. Wahrscheinlich weil ein kleiner Teil denkt, das existiert gar nicht, weil Männer eh immer bevorzugt werden. Und der Rest denkt, da müsste man als Mann eben durch. Oder weil Kindergärtner, Erzieher, Grundschullehrer und Krankenpfleger so selten interviewt werden.

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4 Kommentare zu „Kurznachrichten vom 31.12.2016“

  1. „Jetzt bin ich mal gepannt, ob das ein Verkaufsschlager wird.“

    Die Propaganda geht auf FB bereits in eine andere Richtung – und beweist damit, daß sie von der Psychologie von Vergewaltigern keine Ahnung hat. Dort wird sinngemäß gefragt: „Möchtest du lieber vergwaltigt oder getötet werden? Diese Hose kostet Leben!“. Damit suggerieren sie, daß jeder Vergewaltiger, der nicht zum Zug kommt, quasi automatisch zum Töten bereit ist – was dem Klischee entspricht, aber faktisch Unsinn ist.

  2. Ich freue mich, dass es wieder mehr Artikel von anderen Leuten gibt! Wenn jemand was an einem Tag einstellen will und da ist schon ein Artikel von mir fertig, könnt ihr den gerne auf einen Tag später verschieben (wenn es zwei in Folge sind, natürlich beide). Ich finde es praktischer, einen Artikel pro Tag zu haben als zwei in schneller Folge und dann eine Lücke. Der neueste Artikel zieht meistens ein paar Leser extra an, deswegen ist es besser, regelmäßig etwas Neues zu haben statt alles um ein Datum herum.

    1. Ich muss schon sagen, Du hast Dich die letzte Zeit auch richtig rein gehängt. Respekt!
      Ich habe derzeit jobmäßig ziemlich viel zu tun, deswegen kam von mir nicht mehr viel, aber gerade zwischen den Jahren hatte ich ein wenig mehr Zeit.
      Aber das mit dem weiterschieben ist so eine Sache. Nicht nur das mit den Pingbacks scheint im Moment nicht so gut zu funktionieren, auch das Ansehen der von anderen geplanten Artikel. Ich konnte vorgestern zwar sehen, dass da zwei geplante Artikel sind, aber das war auch alles. Von wem und wann, wurde nicht angezeigt, sonst hätte ich vielleicht einen verschoben. Natürlich nur, wenn er nicht zeitlich aktuell sein muss, wie Deine Linkliste zu Silvester.

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