Fundstück: „Die andere Seite“

Vor ein paar Monaten stieß ich via soziale Medien auf einen Artikel von Sean Blanda namens The „Other Side“ Is Not Dumb („Die andere Seite ist nicht dumm“). Der Beitrag ist in Gänze lesenswert. Leitgedanke: Was wäre, wenn die Welt nicht in Gut und Böse zerfällt und Leute, die eine andere Meinung haben als man selbst, nicht abgrundtief schlecht sind oder sogar Gründe dafür haben?

Oder wie es Lucas Schoppe ausdrückte, als er – mal wieder – in Hochform war:

Ich bin ja in meiner Arbeit ziemlich häufig in der Situation, Konflikte moderieren zu müssen – zwischen Schülern, zwischen Schülern und Kollegen oder auch zwischen Kollegen. Ich habe mit der zeit den Eindruck gewonnen: Ganz gleich, wie schräg, aggressiv oder destruktiv sich jemand auch verhält, er tut es niemals einfach nur deshalb, weil er gern „pervers“ ist. Eigentlich immer sind Menschen davon überzeugt, das, was sie tun, deshalb zu tun, weil es eben GUT ist. So bekloppt das auch von außen aussehen mag.

Ich habe noch nie erlebt, dass sich jemand dadurch verändert hätte, dass man ihm klar gemacht hat, was für ein Arsch oder Idiot er ist. Veränderungen entstehen nach meiner Erfahrung durch anderes: Nämlich dadurch, dass jemand Perspektiven wahrnehmen muss, die er ignoriert oder ausgegrenzt hatte – dass er sie mit seiner Perspektive abgleichen muss – und dass er lernt, sich mit den Augen anderer zu sehen. Veränderungen entstehen durch Verknüpfungen, die zuvor nicht möglich waren.

Ich hatte vor einiger Zeit geschrieben, warum ich Freiheit in der Debatte vermisse. Das geht noch eine Stufe weiter: Überhaupt eine Freiheit zur Debatte zu haben, ist schon wünschenswert!

Nur dann kann es funktionieren, dass man Ratschläge wie „argumentieren, aber richtig“ beherzigen kann.

Das passende Gegenstück zum eingangs erwähnten Artikel liefert ebenfalls Lucas Schoppe auf amüsante Art: Im Kampf für den rechten Glauben: Zehn praktische Tipps.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Bei dem Ausdruck „the other side“ hatte ich sofort folgendes Lied im Kopf:

Silke Bischoff: On the other side

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3 Antworten zu Fundstück: „Die andere Seite“

  1. Rox schreibt:

    Girls year bei der Bundeswehr:
    Falls die Wehrpflicht wiedereingeführt wird, sollte man die Berliner Rot-Rot-Grün-Idee aufgreifen und zur Bundeswehr erst so lange Frauen einberufen, bis mindestens 50% erreicht sind.
    Ich würde das als Mann voll unterstützen. Ehrlich.

  2. Pingback: Warum ich nicht das Ende der Welt befürchte | Geschlechterallerlei

  3. Pingback: Fundstück: Weltrevolution in der Szenekneipe | Geschlechterallerlei

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