Kurznachrichten vom 09.10.2016

1: Don Alphonso untersucht bei der FAZ die diesjährigen Zahlen der angezeigten Sexualstraftaten auf dem gerade beendeten Oktoberfest. Schon deshalb, weil Netzfeministinnen in ihrer #ausnahmslos-Kampagne das Oktoberfest immer wieder gerne als Beispiel dafür hernahmen, dass Sexismus und sexuelle Übergriffe auch unter Bio-Deutschen gang und gäbe seien.

Nun, tatsächlich hat sich die Zahl der Anzeigen im Vergleich zum Vorjahr von 21 auf 31 erhöht, und das trotz niedrigerer Besucherzahlen. Aber:

Bei den festgenommenen Beschuldigten handelt es sich um 2 deutsche Staatsangehörige und 16 ausländische Staatsbürger (darunter 6 Asylbewerber).

Einer der beiden deutschen mutmasslichen Täter ist dem Vernehmen nach ein männlicher Busfahrer, der sich an einem betrunkenen Mann oral verging. […]

Seriös muss man sagen: Es gab 2016 nach bisherigem Stand der Ermittlungen bei einem 17 Tage dauernden Fest mit 5,6 Millionen Besuchern 1 einzigen festgenommenen deutschen, heterosexuellen, mutmasslich weissen Sexualstraftäter. Die grosse Mehrheit der Ermittelten stammt nicht aus Deutschland. In der einzigen Nacht auf der Domplatte liegen bei einer vierstelligen Menschenmenge mit überwiegend Migrationshintergrund 430 Anzeigen wegen Sexualstraftaten vor. Man kann es nicht vergleichen.

So sieht sie aus, die deutsche „Rape Culture“.

2: Die taz befindet, mit der Aussage

Außerdem müssen wir deutlich machen, dass die neuen Freiheiten in der Lebensgestaltung ein Angebot und keine Vorgabe sind. (…) Es geht darum, dass jeder nach seiner Fasson leben kann und nicht darum, traditionelle Lebensformen abzuwerten oder die Individualisierung ins Extrem zu treiben. Auf Individualismus darf nicht zum Egoismus werden, sonst wird gesellschaftlicher Zusammenhalt unmöglich. So ist und bleibt die klassische Ehe die bevorzugte Lebensform der meisten Menschen – und das ist auch gut so.

bediene sich

Winfried Kretschmann des klassischen Repertoires homophober Propaganda von rechts.

Die FAZ hält die Aussage immerhin nur für „gewagt“.

So ist das heutzutage: Wenn man darauf hinweist, dass Heterosexualität eben das normale Verhalten ist, ist das schon „homophob“, selbst wenn man Schwulen und Lesben gleiche Rechte zugestehen will.

3: Ebenfalls bei der taz:  Ein Bericht über die Kultur der Trigger Warnings, Safe Spaces und Microaggressions an amerikanischen Universitäten und wie diese Kultur langsam auch nach Deutschland kommt.

4: Eine eher amüsante Posse: Es gibt einen kleinen Wirbel um Umweltministerin Barbara Hendricks, die im Iran mit einem Mann verwechselt wurde. Die iranische Politikerin Massumeh Ebtekar hatte ihr bei einem Besuch in Deutschland die Hand gegeben. Fremden Männern die Hand zu geben ist in Iran für gläubige islamische Frauen, besonders für Spitzenpolitikerinnen, ein absolutes Tabu. Aufgrund von Videoaufnahmen war bei vielen Iranern der Eindruck entstanden, das sei so.

Wäre es eine Meldung wert gewesen, wenn Ebtekar tatsächlich auf einen Mann getroffen wäre? Während es hier im Westen regelmäßig für Aufregung sorgt, wenn sich ein muslimischer Politiker weigert, einer Politikerin die Hand zu geben, kräht im umgekehrten Fall kein Hahn danach. Auf den wirren Gedanken, dass man von Frauen dasselbe Verhalten verlangen könnte wie von Männern, kommen auch nur diese merkwürdigen Männerrechtler.

5: Wie die meisten wohl schon wissen, ist ein kompromittierendes, 11 Jahre altes Video von Donald Trump aufgetaucht, aufgrunddessen ihm Sexismus und sexuelle Belästigung vorgeworfen wird. Auf Alles Evolution wird darüber bereits diskutiert.

6: Ein Ausflug zur Kultur: Das wohl meistgespielte Stück in fränkischem Dialekt hat 40jährigen Geburtstag. Was das mit Männerrechten zu tun hat? Das sollte alleine aus dem Titel hervorgehen, der ist nämlich: „Schweig, Bub!

Es geht darin vordergründig um ein Familienfest, eine Konfirmationsfeier, die mehr und mehr aus den Fugen gerät. Eine gewisse Tragikomik entfaltet das Stück vor allem dadurch, dass es den erwachsenen Figuren um alles mögliche geht, nur nicht um den, um den es eigentlich gehen sollte, den Konfirmanden. Der wird nämlich nur zurückgewiesen und hat die Klappe zu halten. Insofern könnte man es auch als ein sozialkritisches Lehrstück über die Konditionierung von Jugendlichen betrachten.

Das Stück von Fitzgerald Kusz wurde inzwischen in 13 Dialekte übersetzt. Ich kann es nur wärmstens empfehlen, weil es sich eben nicht an die verlogenen Traditionen des klassischens Volkstheaters hält, sondern diese mit mehr Realismus durchbricht. Vom Stellenwert her in Franken dürfte man es inzwischen mit dem Analogon „Brandner Kaspar“ in Bayern vergleichen können.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Kurznachrichten abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

7 Antworten zu Kurznachrichten vom 09.10.2016

  1. Matze schreibt:

    „StudentInnen fordern Warnungen vor diskriminierendem Lehrstoff. Wörter, Texte und Kurse werden deshalb an Unis gestrichen.“

    „Für eine chinesische Studentin war das nicht auszuhalten“

    Ich finde als Erwachsener sollte man schon etwas aushalten können.

    „Männern die Hand zu geben ist in Iran für gläubige islamische Frauen, besonders für Spitzenpolitikerinnen, ein absolutes Tabu“

    Wenn das nicht kritisiert wird, dann kann man die Verweigerung von muslimischen Männern Frauen die Hand zu geben ja auch schlecht kritisieren. Tolle Religion übrigens!

  2. Ich halte das Video von Trump für irrelevant. Frauen stehen doch auf mächtige Männer – einfach mal die Praktikanin von Bill Clinton fragen!

  3. Zu den Triggerwarnungen: find ich amüsant. Vielleicht wären doch Warnhinweise an Studiengängen nützlich wie
    – bei einem Studium der Ethnologie werden Sie konfrontiert mit dem Thema Rassismus
    – Achtung: bei einem Medizinstudium sollten Sie den Anblick von Blut ertragen können
    – bei einem Jurastudium wird zwingend auch Sexualstrafrecht thematisiert
    – Wenn Sie Geschichte studieren, müssen Sie damit rechnen, dass es auch um Kriegsgeschehen geht
    — nach Belieben fortzusetzen

    • aranxo schreibt:

      – In Kunstgeschichte muss man sich andauernd mit Gewaltdarstellungen auseinandersetzen. Z.B. Picassos Guernica. Und haufenweise gekreuzigte Jesusse.
      – Bei Mathematik und Informatik muss man sich mit Logik auseinandersetzen. 😉

  4. B E A N schreibt:

    Zum Oktoberfest:

    Man darf wohl mit Fug und Recht davon ausgehen, dass angesichts der inzwischen jahrhundertealten Erfahrungen mit dem Oktoberfest und den dabei regelmäßig zelebrierten Sauf- und Kotzexzessen Frauen recht genau wissen, worauf sie sich einlassen, wenn sie eine solche Veranstaltung besuchen: nämlich die Gegenwart völlig enthemmter Menschen, die keine wie auch immer mehr geartete Zurückhaltung kennen, ihre Triebe auch auszuleben. Tatsächlich unterstelle ich mal hier einer nicht kleinen Zahl der Oktoberfestbesucherinnen, aus exakt diesem Grund das Oktoberfest zu besuchen: um dort, genau wie die Männer, mal die Sau rauslassen zu können und nach Herzenslust alle Hemmungen fallen lassen zu können, ohne sich hinterher dafür rechtfertigen zu müssen: Ist doch das Oktoberfest. Da macht man’s halt so.

    Unter diesem Umständen vermute ich mal, Frau wird den meisten Handgreiflichkeiten gegenüber relativ entspannt reagieren, weil selbst bereits unter dem Einfluss flüssiger guter Laune und nicht zwangsläufig jede grabschende Hand mit einer polizeilichen Anzeige belegen. Außer diese Hand gehört einer Person, welche Frau aufgrund vorhandener rassistischer Motive ohnehin gefressen hat. Und dann gibt’s aber Ramba-Zamba! Was erlauben sich die Kanaken auch, die nordafrikanischen? Auf ein gutes deutsches Dirndl gehören doch keine südländischen Patschehändchen!

    • aranxo schreibt:

      Ich stimme Dir weitgehend zu. Wer sich aufs Oktoberfest geht, weiß im wesentlichen, was dort passiert. Insofern werden diejenigen, die darauf keine Lust haben, dort erst gar nicht hingehen. Allerdings unterscheidet sich das auch nicht so großartig von Karnevalsumzügen und eben auch Silvesterfeiern, wo man auch damit rechnen muss, von wildfremden Menschen umarmt und abgeknutscht zu werden. Insofern kann man auch nicht die Rechnung aufmachen, dass es auf dem Oktoberfest nur deswegen weniger Anzeigen gibt, weil eh mit entsprechendem Körperkontakt gerechnet wird und eh nur die hingehen, die das wollen.

      Mehr Anzeigen gegen Ausländer auf Rassismus zurückzuführen halte ich allerdings für ziemlich übertrieben. Zum einen ist es immer noch jedem selbst überlassen, welchen Geschmack man beim anderen Geschlecht pflegt, weshalb man auch niemandem vorschreiben kann, welchen Typ man jetzt genauso attraktiv finden sollte wie andere auch. Zum anderen kann es auch einfach so sein, dass Afrikaner schlichtweg eine andere Anbahnungskultur haben, und, ohne böswillig zu sein, einfach schneller handgreiflich werden, was bei uns aber eher übergriffig gewertet wird.

  5. Pingback: Weltraumaffen & Sammlung 16.10.2016 | stapelchipsblog

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s