Fundstück: Gute Worte über die Einstellung gegenüber Frauen

Zwei Kommentare bei Alles Evolution bringen es auf den Punkt:

Adrian:

Man kann Frauen wohl ebensowenig übel nehmen, Männer mit Status und Resourcen sexy zu finden, wie man Männer verübeln kann, gutaussehende junge Frauen sexy zu finden.

LoMi:

Es scheint mir wichtig zu sein, dass man in der Lage bleibt, Frauen nach wie vor als Individuen wahrzunehmen, anstatt als willenlose Marionetten evolutionärer Programme.

Ich halte beides für sehr gute Ideen. Wer behauptet, dass die Kommentarspalten immer mies sind?

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Natürlich etwas mit „Frau“ im Titel, und da der Blogeintrag so kurz war, darf wenigstens das Lied ein wenig länger sein…

The Doors: L. A. Woman

Werbeanzeigen

Fundstücke: Alte Hüte, die uns als neu verkauft werden

Faszinierend, wie oft sich „neue“ oder „revolutionäre“ Konzepte als alter Wein in neuen Schläuchen herausstellen. Drei Beispiele, die mir einfallen:

Intersektionalismus

Wie crumar bei Alles Evolution feststellt:

Was mich am meisten ärgert ist, dass die Intersektionalistinnen schamlos plagieren und so tun, als hätten sie etwas neues erfunden.

Dabei ist der echte Erfinder des Intersektionalismus mit folgendem griffigen Bild hervorgetreten:

Die „Katholische Arbeitertochter vom Land

Der Begriff geht auf Ralf Dahrendorf zurück im Zusammenhang mit Bildungsnachteilen bei bestimmten Bevölkerungsgruppen (Arbeiter, Landbevölkerung, Mädchen, Katholiken). Er stammt aus dem Jahr 1966.

crumar weiter:

Was uns als neu verkauft wird, hat als Erkenntnis ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel.
(…)
Wenn sich in einer untersuchten Gruppe der Bevölkerung *zu einer bestimmten Zeit*, bestimmte Teilgruppen *nicht* befinden und dies an der Verkettung mehrerer Nachteile liegt, die empirisch nachweisbar sind – dann ist der Schluss von Dahrendorf richtig.
Er schloss von einer *empirischen Beobachtung* der Bevölkerung auf die Existenz von Nachteilen von Bevölkerungsgruppen.

Was die Intersektionalistinnen jedoch tun, ist eine ahistorische, (a-)kontextuelle UMKEHRUNG dieser Vorgehensweise.
Hier ist für immer und von vorne herein *gesetzt*, wer „diskriminiert“ ist.
(…)
Eine Wissenschaft, bei der von Beginn an die Resultate feststehen hat aufgehört Wissenschaft zu sein.

die gläserne Decke

LoMi in den Kommentaren zum selben Artikel:

Die „gläserne Decke“ ist übrigens schon vor gut 100 Jahren eingeführt worden als „ständische“ Dimension und zwar durch Max Weber. Dieser hatte sehr wohl erkannt, dass nicht alle Ungleichheit das Ergebnis von Besitzverhältnissen ist, sondern dass gewisse privilegierte Gruppen nach eigenen Kriterien von sich aus Menschen ausschließen.

Männer böse, Frauen gut

Lucas Schoppe: Zu Christoph Kucklicks Das unmoralische Geschlecht.

  1. Warum Männerfeindschaft modern ist
  2. Der liebesunfähige Mann: Vom alten Klischee zur revolutionären Neuheit
  3. Politik und Kinderfeindschaft
  4. Zeit für neue Lieder

Kernidee: Die Idee, dass Männer schlecht sind und Frauen gut, ist etwa 200 Jahre alt. Die Veränderungen, die die Gesellschaft durch die Moderne mitmacht, werden holzschnittartig auf die beiden Geschlechter heruntergebrochen: Der Mann, das schrecklich-entfremdete Wesen, die Frau, das natürlich-bewahrende Wesen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Bei dem Gedanken, dass unterschiedliche Zeiträume durcheinander geworfen werden, fiel mir ein entsprechender Liedertitel ein:

Udo Jürgens: 1000 Jahre sind ein Tag

Fundstück: Suizidziffern Osteuropa

Eine bemerkenswerte Quelle, über die ich schon immer mal bloggen woltte: Suizid-Statistik – Aktuelle statistisch-epidemiologische Daten zu Deutschland und Osteuropa mit Kommentaren (PDF) aus dem Jahr 2008.

Ganz nüchtern zeigen diese Folien, warum Selbstmord (bzw. Suizidprävention) ein wichtiges Thema für Männer ist oder sein sollte – und mittelbar auch Depressionen, denn Suizide stehen meistens in Verbindung mit ihnen. Für den Fall der Fälle gibt es gute Empfehlungen wie „Was tun, wenn nichts mehr geht?“.

Heute möchte ich jedoch auf etwas anderes zu sprechen kommen, genauer gesagt, Seite 32, Bild 14 der erwähnten Quelle. Dort sieht man die Entwicklung der Suizidstatistiken von Männern und Frauen für Russland, Weißrussland, Litauen und Estland (laut Überschrift auch Lettland, aber das hat man anscheinend vergessen in der Grafik).

Bei Männern zeigt sich ein starker Anstieg in wirtschaftlich unsicheren Zeiten, während sich bei Frauen kaum Schwankungen bemerkbar machen. Die Autoren sehen es ähnlich (vgl. folgende Seite), weisen auf gesellschaftliche und politische Umstände hin.

Gleiche Entwicklungen finden sich dort für Tötungsverbrechen, Risikoverhalten, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Mortalität insgesamt; einen inversen Verlauf nimmt entsprechend die allgemeine Lebenserwartung (s. Bild 15)

Quelle: Felber W, Winiecki P. Suizid-Statistik – aktuelle ausgewählte statistisch-epidemiologische Daten zu Deutschland und Osteuropa mit Kommentaren.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Die Suizidraten fielen in den 1980er Jahren, und aus dieser Zeit stammt das folgende Lied, zu dem Billy Joel während seiner Tournee durch die Sowjetunion inspiriert wurde.

Billy Joel: Leningrad

Warum ich Freiheit in der Debatte vermisse

Was fehlt mir in der Debatte? Darüber habe ich in den letzten Monaten oft nachgedacht. Es sind vor allem drei Erkenntnisse, die ich zu selten berücksichtigt sehe:

  1. die Idee, dass man etwas falsch machen / falsches sagen und trotzdem gut sein kann – hier haben SJW / poststrukturalistischer Genderfeminismus null Toleranz, wer einen Fehler macht, ist raus; und die Kriterien werden täglich fester gedreht. Eine absolute Freiheit vom Irrtum gibt es jedoch nicht; und es ist oft die Freiheit zum Irrtum, die Lernen erst möglich macht.
  2. der Stoff, aus dem die Diktaturen sind: Lügner und Manipulatoren (SJW) behaupten, um benachteiligte Gruppen zu befreien, müssen man seine individuelle Freiheit aufgeben und sich ganz dem Sprach- und Verhaltensdiktat einer Priesterklasse unterwerfen. Eine „gute“ Vision, die nur funktioniert, wenn die Leute keine Wahl haben, ist eine Dystopie.
  3. Freiheit ist kein Nullsummenspiel. Ich bin immer wieder überrascht, wie leichtfertig irgendwelche Verbote gefordert werden, so als wäre jeder Zugewinn an Freiheit für einen Menschen zwangsweise nur auf Kosten eines anderen zu erreichen. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten einer gesellschaftlichen Ordnung, in denen die Leute insgesamt mehr oder weniger frei sind. Ich halte außerdem verschiedene Freiheiten nicht für gleichwertig: Die Freiheit, dass ein schwules Paar händchenhaltend durch die Straßen geht, werte ich größer als die Freiheit eines Schwulenhassers, „so etwas nicht sehen zu müssen“.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Gut, ok, beim Thema „Freiheit“ gibt es viele mögliche Lieder…

Erasure: Freedom

Warum ich „netten Kerlen“ Kaffee mit Sahne als Vorbild empfehle

Bei „Alles Evolution“ ging es vor einigen Wochen darum, was „nette Jungs“ (Nice Guys) unattraktiv macht. Das „netter Kerl“-Syndrom hatte ich schon zu Anfangszeiten dieses Blogs auf meiner Liste. Anstatt weiter darauf zu warten, dass mir der perfekte Artikel einfällt, zitiere ich lieber als ersten Schritt meinen Kommentar:

Ich glaube, dass die „netten Kerle“ vor allem die gute Grundidee „Ich muss sie gut behandeln“ falsch verstehen und übertrieben umsetzen. Nur wirkt das dann nicht „nett“, sondern aufgesetzt, unterwürfig, unentschlossen – und das ist nie attraktiv. Wenn der Mann offenbar nicht so recht weiß, was er will, wie soll dann die Frau den Eindruck gewinnen, dass er sie will? Wie soll sich eine Frau in einen Mann verlieben, von dem sie nicht einmal die Illusion haben kann, zu wissen, wer er wirklich ist?

Doch woher kommt diese Fehlvorstellung, man dürfte Frauen nie etwas abverlangen oder mal Kontra geben? Mir scheint es so, als ergebe sich das aus der Kombination „besonders gutmütiger Mann“ und „besonders häufige Predigt, wie unsensibel Männer im allgemeinen seien und wie schlecht es den Frauen gehe“. Das schlägt dann um in „die armen Frauen, ich muss sie besonders gut behandeln als Ausgleich dafür, was man ihnen schon alles angetan hat“.

Ich vergleiche das inzwischen gerne mit Kaffee und Sahne. „Kaffee“ steht für die klassischen dominanten Eigenschaften, „Sahne“ für Gefühle und Romantik. Die Frau trinkt gerne Kaffee, nur ist der manchmal etwas bitter. Wenn es dazu doch noch etwas Sahne gäbe! Der „nette Kerl“-Mann hört überall die Sehnsucht nach der Sahne, versteht aber nicht, dass die zusätzlich zum Kaffee gewünscht wird. Vor die Wahl gestellt zwischen einer Tasse untrinkbarer Sahne und dem üblichen Kaffee, nehmen die Frauen natürlich letzteres. Und der Mann ist völlig verwirrt, warum anscheinend keine das will, was sie doch alle vorher so gerne gehabt hätten. „Frauen erzählen alle, sie wollen Sahne, und dann trinken sie doch wieder diesen bitteren Kaffee!“ ist dann ein häufig gehörtes Fazit des Missverständnisses.

Dabei sind „Kaffee“ und „Sahne“ keine sich ausschließenden Gegensätze. Das eine läßt sich auch nicht mit dem anderen ersetzen. Es ist also eine falsche Dichotomie.

Sobald tatsächlich jemand um die Ecke kommt, der einen Kaffee mit einem Schuss Sahne hat, wird sein Angebot in vielen Fällen attraktiver eingestuft als das des „reinen Kaffee“-Mannes. Über die richtige Mischung können natürlich die Meinungen auseinander gehen. Und das wäre auch eine positive Botschaft: Die Welt ist nicht schwarz wie Kaffee oder weiß wie Sahne, es gibt jede Menge Abstufungen dazwischen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Erst beim Suchen ist mir aufgefallen, wieviele Lieder mit „schwarzem Kaffee“ im Titel es gibt…

All Saints: Black Coffee

Fundstück: Spaß mit Männerhass – Folge 8

Mit-Blogger djadmoros erwähnte in einem Kommentar zu seinem Artikel „1 : 750.000 oder Die Mutter aller Schlachten: Einhundert Jahre »Verdun«“:

Was Duve von sich gibt, ist einfach nur hanebüchen – nach dem Ersten Weltkrieg haben uns bücherschreibende Postkartenmaler die Welt zu erklären versucht, heute tun es bücherschreibende Taxifahrerinnen. Würde sie denselben Stuss über Schwarze oder Juden verzapfen, dann wäre sie aller Voraussicht nach als ein weiblicher Jo Conrad geächtet.

Das ist der Geist dieser Serie! Im Artikel selbst hatte er auf eine Rezension von Karen Duves „Macht“ verwiesen. Aber auch schon früher kam Karen Duve bei djadmoros vor. So geschehen bei diesen zwei Texten:

Es ist schon fast egal, welche Zitate oder Beschreibungen man sich heraussucht (Achtung, hier gehe ich davon aus, dass sie inhaltlich korrekt sind!) – da ist jeder Schuss ein Treffer:

Aus erwähnter Rezension von Julia Encke in der FAZ:

Die Männer sind böse, sind böse, sind böse: das ist die Botschaft von Karen Duves Roman „Macht“. Nicht unerheblich ist dabei, dass jene Männer, die im Roman auftauchen, alle auch besonders blöd sind, unwahrscheinlich blöd sogar. Es scheint Karen Duve in monotoner Einfallslosigkeit sehr viel Spaß gemacht zu haben, sie so blöd dastehen zu lassen.

Aus „Warum die Sache schiefgeht“ (S. 121 f.):

Die Kulturleistungen, die wir den dominanten Alpha-Männern zu verdanken haben, … sind nichts im Vergleich zu dem, was alles hätte sein können, wenn wir nicht Jahrhundert für Jahrhundert von den aggressivsten, egoistischsten, raffgierigsten und dabei nicht einmal besonders intelligenten Charakteren geleitet worden wären. Die, die immer wieder verhindert oder zunichtegemacht haben, was intelligentere oder sozialere Artgenossen uns hätten bieten können.

Oder S. 144:

Emotionale Minderbemitteltheit, ethische Leichtfertigkeit, Geldgier und Machtversessenheit wird man bei Männern viel leichter finden

Dieses Zitat eignet sich sich am besten für den Test, weil es so kurz und knackig ist. Zum Vergleich:

Emotionale Minderbemitteltheit, ethische Leichtfertigkeit, Geldgier und Machtversessenheit wird man bei Ausländern viel leichter finden

Emotionale Minderbemitteltheit, ethische Leichtfertigkeit, Geldgier und Machtversessenheit wird man bei Schwarzen viel leichter finden

Emotionale Minderbemitteltheit, ethische Leichtfertigkeit, Geldgier und Machtversessenheit wird man bei Juden viel leichter finden

Zur Erinnerung: die Spielregeln

Nur ein kleiner Test:

Was kommt dabei heraus, wenn ich in einem Text „Männer“ wahlweise durch „Ausländer“, „Schwarze“ oder „Juden“ ersetze?

Fundstücke mit Quellangabe einfach in die Kommentare schreiben!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Wenn hier schon auf Taxifahren verwiesen wird…

Vanessa Paradis: Joe Le Taxi

Fundstück: Spaß mit Männerhass – Folge 7

In dem Beitrag Nicht mächtig, aber stark – Ringen um ein neues Männerbild von Andreas Baum, der bei Deutschlandradio Kultur erschienen ist, findet sich folgendes Knallerzitat:

Dag Schölper vom Bundesforum Männer – ist ein Mann. Und ich habe für einen kurzen Moment gedacht, dass ich es mit einer Frau zu tun habe, weil Dag klingt, wie die Kurzform von Dagmar.

„Tatsächlich ist diese Verwechslung, ist es jetzt ein Mann oder eine Frau auch manchmal hilfreich. Bei unserem Themenfeld ist das ganz schön, dass das nicht so ganz klar ist. Das öffnet manchmal Türen. Gerade in Kooperation auch mit Frauenorganisationen hat das schon mal geholfen: Ach so, ja, stimmt, Sie sind ein Mann und war trotzdem ganz ok was Sie geschrieben haben.“

Man stelle sich allen Ernstes vor, die Reaktion irgendeiner Organisation würde mit einer der drei folgenden Aussagen wiedergegeben werden:

Ach so, ja, stimmt, Sie sind ein Ausländer und war trotzdem ganz ok was Sie geschrieben haben.

Ach so, ja, stimmt, Sie sind ein Schwarzer und war trotzdem ganz ok was Sie geschrieben haben.

Ach so, ja, stimmt, Sie sind ein Jude und war trotzdem ganz ok was Sie geschrieben haben.

An dieser Stelle ist ein wenig Medienkompetenz gefordert. Denn der Beitrag zitiert, was Dag Schölper vom Bundesforum Männer sagt, dass Frauenorganisationen es gesagt hätten. Dass die Frauenorganisationen es so gesagt haben, ist damit nicht belegt. Außerdem ist der Kontext des Zitates nicht bekannt. So alleine wirkt es so, als ob jemand vom Bundesforum Männer es ungestört hinnimmt, dass ihm gegenüber allgemein abwertend über Männer geredet wird.

Zur Erinnerung: die Spielregeln

Nur ein kleiner Test:

Was kommt dabei heraus, wenn ich in einem Text „Männer“ wahlweise durch „Ausländer“, „Schwarze“ oder „Juden“ ersetze?

Fundstücke mit Quellangabe einfach in die Kommentare schreiben!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Wenn es schon Verwirrung über den Namen „Dag“ gibt, nehmen wir doch ein Lied in einer Sprache, in der „dag“ einfach „Tag“ bedeutet, und sieben davon im Titel hat…

Bots: Zeven dagen lang