Warum ich „netten Kerlen“ Kaffee mit Sahne als Vorbild empfehle

Bei „Alles Evolution“ ging es vor einigen Wochen darum, was „nette Jungs“ (Nice Guys) unattraktiv macht. Das „netter Kerl“-Syndrom hatte ich schon zu Anfangszeiten dieses Blogs auf meiner Liste. Anstatt weiter darauf zu warten, dass mir der perfekte Artikel einfällt, zitiere ich lieber als ersten Schritt meinen Kommentar:

Ich glaube, dass die „netten Kerle“ vor allem die gute Grundidee „Ich muss sie gut behandeln“ falsch verstehen und übertrieben umsetzen. Nur wirkt das dann nicht „nett“, sondern aufgesetzt, unterwürfig, unentschlossen – und das ist nie attraktiv. Wenn der Mann offenbar nicht so recht weiß, was er will, wie soll dann die Frau den Eindruck gewinnen, dass er sie will? Wie soll sich eine Frau in einen Mann verlieben, von dem sie nicht einmal die Illusion haben kann, zu wissen, wer er wirklich ist?

Doch woher kommt diese Fehlvorstellung, man dürfte Frauen nie etwas abverlangen oder mal Kontra geben? Mir scheint es so, als ergebe sich das aus der Kombination „besonders gutmütiger Mann“ und „besonders häufige Predigt, wie unsensibel Männer im allgemeinen seien und wie schlecht es den Frauen gehe“. Das schlägt dann um in „die armen Frauen, ich muss sie besonders gut behandeln als Ausgleich dafür, was man ihnen schon alles angetan hat“.

Ich vergleiche das inzwischen gerne mit Kaffee und Sahne. „Kaffee“ steht für die klassischen dominanten Eigenschaften, „Sahne“ für Gefühle und Romantik. Die Frau trinkt gerne Kaffee, nur ist der manchmal etwas bitter. Wenn es dazu doch noch etwas Sahne gäbe! Der „nette Kerl“-Mann hört überall die Sehnsucht nach der Sahne, versteht aber nicht, dass die zusätzlich zum Kaffee gewünscht wird. Vor die Wahl gestellt zwischen einer Tasse untrinkbarer Sahne und dem üblichen Kaffee, nehmen die Frauen natürlich letzteres. Und der Mann ist völlig verwirrt, warum anscheinend keine das will, was sie doch alle vorher so gerne gehabt hätten. „Frauen erzählen alle, sie wollen Sahne, und dann trinken sie doch wieder diesen bitteren Kaffee!“ ist dann ein häufig gehörtes Fazit des Missverständnisses.

Dabei sind „Kaffee“ und „Sahne“ keine sich ausschließenden Gegensätze. Das eine läßt sich auch nicht mit dem anderen ersetzen. Es ist also eine falsche Dichotomie.

Sobald tatsächlich jemand um die Ecke kommt, der einen Kaffee mit einem Schuss Sahne hat, wird sein Angebot in vielen Fällen attraktiver eingestuft als das des „reinen Kaffee“-Mannes. Über die richtige Mischung können natürlich die Meinungen auseinander gehen. Und das wäre auch eine positive Botschaft: Die Welt ist nicht schwarz wie Kaffee oder weiß wie Sahne, es gibt jede Menge Abstufungen dazwischen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Erst beim Suchen ist mir aufgefallen, wieviele Lieder mit „schwarzem Kaffee“ im Titel es gibt…

All Saints: Black Coffee

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3 Kommentare zu „Warum ich „netten Kerlen“ Kaffee mit Sahne als Vorbild empfehle“

  1. Ich denke, schon das Grundkonzept, dass man in einer Beziehung so agieren müsste, wie der jeweils andere es gerne hätte, ist falsch. Der Schlüsselsatz hierzu s.o. ist:
    „Wie soll sich eine Frau in einen Mann verlieben, von dem sie nicht einmal die Illusion haben kann, zu wissen, wer er wirklich ist? “
    Zu zeigen, wer man wirklich ist, wie man fühlt und denkt, ist doch die Basis einer stabilen Beziehung. Das muss nicht unbedingt gleich heißen, Kontra zu geben (obwohl auch das dazu gehört), sondern einfach man selbst zu bleiben.
    Am schlimmsten wird das Ding mit dem „ich habe die Erwartungen des anderen zu erfüllen, damit Beziehung gelingt“ dann, wenn man nicht einmal mehr fragt, sondern antizipiert, wie es der andere denn gerne haben wollen würde. So kann man jahrelang aneinander vorbeileben ohne sich wirlich zu „begegnen“. „Ach? Ich dachte immer du magst das???“
    Schließlich kommt dazu dass, wenn der Partner nur so agiert, wie er meint, dass ich es gerne hätte, er ja schließlich dasselbe auch von mir verlangen kann. Ich stehe quasi in seiner Schuld, wenn ich mich auch verbiege, z.B. das Weibchen bin, das er gerne hätte. In so einer Beziehung würde ich mich von vorneherein massiv unwohl fühlen, weil mir jederzeit vorgeworfen werden kann „ich habe mein Leben für dich aufgeopfert, war so, wie du es gerne wolltest, und du?“ Nein, ich will nicht, dass sich irgendwer für mich verbiegt. Das einzige, was ich meinem Partner abverlange ist, dass ich ich selbst sein darf – und das Gleiche gestehe ich ihm auch zu.

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