Kurznachrichten vom 08.09.2016

1: Die Nazi-Hatz der Amadeo Antonio Stiftung treibt immer seltsamere Blüten. Kurze Durchsage an alle Eltern: Wenn Sie eine Tochter im Kindergartenalter haben, die auch noch blond ist: Flechten Sie ihr auf gar keinen Fall Zöpfe und schicken Sie sie nicht mit langen Röcken in die Kita! Sonst könnte es Ihnen passieren, dass eine übereifrige Betreuerin Sie zweifelsfrei als rechtsextrem, mindestens jedoch als strenggläubige Evangelikale identifiziert. Und ausgerechnet die ansonsten kreuzbrave Apotheker-Zeitung „Baby & Familie“ macht bei diesem Unfug auch noch mit. Alexander Wallasch hat sich das bei Tichys Einblick genauer angeschaut:

„Kinder rechter Eltern sind nicht unbedingt anders als Kinder anderer Eltern. Sie fallen manchmal erst nach längerer Zeit auf, zum Beispiel, weil sie sehr still oder sehr gehorsam sind.“ Oh je, achten Sie also darauf, dass ihre Kinder möglichst ADHS haben und färben sie deren blonden Haare schwarz – dazu aber später noch. […]

Es ist furchtbar, wenn sie dann als Fachfrau weiter erklärt, „akkurat geflochtene Zöpfe und lange Röcke“ wären so ein Warnsignal und Hinweis auf rechte Eltern. Weiter: Kinder solcher Eltern würden keine amerikanischen Schriftzüge auf ihrer Kleidung tragen.

So geht es über Seiten weiter. Es braucht hier alle Geduld und Ruhe, Ihnen als Leser das weiter zu schildern, was einem hier den Mageninhalt so zielgenau nach oben befördern möchte. […]

Lieber schwadroniert man weiter, wie diese Adolfs und Evas ihre stillen gehorsamen Kindchen in die Kita schleusen, um dann selbst über ein Elternengagement für die nächsten tausend Jahre das Kita-Zepter zu übernehmen: „Die Eltern sind nett und engagiert. Sie bauen persönliche Beziehungen auf und übernehmen gerne Ämter im Elternbeirat.“ erzählt die Soziologin Köttig. Ja, das ist tatsächlich schlimm. […]

Der Artikel ist durchillustriert […] mit Frauen und Mädchen mit geflochtenen blonden Zöpfen. Also: blond, blöd, böse. Hier wird nun wirklich kein rassistisches Klischee mehr ausgelassen. So hochqualitativ die Illustration, so widerlich rassistisch die Intention dahinter.

Ein Kommentator unter dem Artikel fasst es so zusammen:

Die Amadeu-Antonio-Stiftung wird bekanntlich dafür bezahlt, dass sie Rassismus und Hetze findet. Irgendwie hat man aber offensichtlich versäumt, ihnen zu sagen dass sie dafür nicht außer Haus gehen brauchen.

2: Auf der Achse des Guten beschreibt der Biologie-Dozent Axel Robert Göhring, was er so in einem Gender-Seminar für Universitätsdozenten erlebt hat. Sehr amüsant zu lesen, allerdings schon etwas älter. Die Erstveröffentlichung war schon im Mai, auch bei Tichy.

3: Auch schon ein wenig älter, aber dennoch noch interessant: Ausgerechnet der Groß-Philosoph Peter Sloterdijk hat einen Roman geschrieben, der sich mit Erotik beschäftigt und speziell mit dem Orgasmus der Frau. So wirklich erotisch scheint das laut der Kritik auf der Website von N24 nicht geraten zu sein, aber zumindest hat sich Sloterdijk offensichtlich nicht um Political Correctness geschert.

4: Eine Studie der Michigan State University will herausgefunden haben, dass entgegen bisheriger Annahmen häufiger Sex nicht gesund ist, sondern dies nur für Frauen gilt. Bei Männern dagegen, die einmal die Woche Sex haben oder öfter, sei das Risiko für Herzinfarkte und andere Herz- und Kreislauferkrankungen ab dem 50. Lebensjahr signifikant erhöht.

“Strikingly, we find that having sex once a week or more puts older men at a risk for experiencing cardiovascular events that is almost two times greater than older men who are sexually inactive,” said Liu. “Moreover, older men who found sex with their partner extremely pleasurable or satisfying had higher risk of cardiovascular events than men who did not feel so.” […]

Ultimately, while moderate amounts of sex may promote health among older men, having sex too frequently or too enjoyably may be a risk factor for cardiovascular problems, Liu said. “Physicians should talk to older male patients about potential risks of high levels of sexual activity and perhaps screen those who frequently have sex for cardiovascular issues.”

Nicht nur je mehr man(n) Sex hat, sondern auch je mehr man(n) Spaß daran hat, desto gefährlicher lebt man(n). Ah ja. Und rausgefunden haben das nicht etwa Ärzte, sondern Hui Liu, eine Professorin für Soziologie.

Gehts noch? Ich glaub davon kein Wort. Haben die sich da ein Gender Studies U-Boot eingefangen, wo mal wieder vorher feststand, was rauskommen soll? Wollen die uns jetzt den Sex vermiesen? Ich denke, es kommt ja wohl immer noch darauf an, wie stressig das übrige Leben ist, speziell das Arbeitsleben, und natürlich auch, wie gut man im Training ist. Man könnte sich da diverse andere Erklärungsmöglichkeiten vorstellen. Z.B. dass Männer, die allgemein aktiver sind, einfach auch beim Sex aktiver sind und dementsprechend mehr haben. Oder dass Männer, die mehr arbeiten und einen stressigeren Job haben, Sex gerne als Ausgleich benutzen, und ihn deshalb auch mehr brauchen und suchen. Ich fürchte, da ist mal wieder aus einer Korrelation eine vermeintliche Kausalität gezogen worden.

Und selbst, wenn das alles wahr wäre: Hey, no risk, no fun! Wozu länger leben, wenn man dabei keinen Spaß hat?!

5: Intensiv diskutiert wird im Netz gerade ein Artikel der laut eigener Aussage mit Bestnote promovierten Geisteswissenschaftlerin Britta Ohm, die sich mit prekären befristeten Jobs an der Uni und schlecht oder gar nicht bezahltem Engagement in ihrem Fach herumschägt und nun ihre Erlebnisse auf dem Arbeitsamt (ähm, „Jobcenter“ natürlich) zum besten gibt. Erschienen zuerst bei den Blättern für deutsche und internationale Politik, dann auf Telepolis, bei letzterem nach zwei Tagen schon mit mehr als 1000 Kommentaren. Dabei beklagt sich die Autorin, dass ihr das Arbeitsamt beim besten Willen keinen Job anbieten kann, der ihrer Qualifikation gerecht wird. Stattdessen werden ihr nur Aushilfsjobs (Erdbeerpflücken) oder eine Umschulung zur kaufmännischen Fachkraft angeboten. Schuld an der Misere sind der Staat, der Neoliberalismus, die Exzellenzinitiative, der Umbau der Universitäten, die Hartz IV-Gesetze. Nicht schuld ist die eigene Studienfachwahl, wie Hadmut Danisch in, nun ja, gewohnt rustikaler Art kommentiert. Vom Ton her finde ich Danisch teilweise extrem pauschal, inhaltlich macht er aber einige Punkte. Und ich stimme mit ihm überein, dass die Autorin zumindest in Sachen Exzellenzinitiative absolut berechtigte Kritik anbringt.

Dennoch klingt mir der Beitrag von Ohm extrem nach dem Anspruch, einen Job im studierten Fach bekommen zu können. Da liegt sie aber falsch. Nur weil der Staat die freie Fachwahl erlaubt, heißt das noch lange nicht, dass man hinterher auch Anspruch auf einen Job an der Uni hätte. Die einzige Alternative, um die Schwemme an nicht benötigten Geisteswissenschaftlerinnen in den Griff zu bekommen, wäre die Einführung eines rigorosen Numerus Clausus. Aber will man das wirklich?

6: Das Bundesfamilienministerium macht weiter Propaganda mit dem angeblichen 21% Gender Pay Gap. Wer sichs anschauen mag:

Auch hier wieder wird nicht mehr von „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ geredet. Die offizielle Sprachregelung ist inzwischen „Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit“. Wer bestimmen soll, welche Jobs gleichwertig sein sollen, wird aber nicht gesagt.

Und ich dachte immer, der Wert einer Sache bemisst sich danach, was jemand anderes bereit ist, dafür zu zahlen. Mit anderen Worten, gleichwertige Jobs sind genau die, für die das gleiche bezahlt wird. Sprich: Der Satz „Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit“ ist eigentlich eine Tautologie. Problem gelöst! Aber wahrscheinlich ist das viel zu naiv gedacht von mir unwissendem Dummerchen.

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22 Kommentare zu „Kurznachrichten vom 08.09.2016“

  1. “Moreover, older men who found sex with their partner extremely pleasurable or satisfying had higher risk of cardiovascular events than men who did not feel so.”

    Die sollen keinen Spass haben… lächerlich!

  2. Die Kritik an Britta Ohm fokussiert stark auf den alten Einwand, sie habe ja auch das falsche (= was nutzloses) studiert. Dass auch Soziologenfresser Danisch primär in diese Kerbe haut, ist nicht wirklich überraschend.

    Dieses »Marktargument« übersieht aber das Gegenbeispiel der Genderforschung: diese ist politisch gewollt und entsprechend breit ist dieser Fachbereich daher aufgestellt.

    Was in der Telepolis-Diskussion ebenfalls schwer zu vermitteln ist, ist der Punkt, dass Ohm vor allem die Bedingungen kritisiert, unter denen der akademische Mittelbau für vorhandenen Bedarf arbeitet, also vor allem die völlig unterirdischen Honorare für Lehrveranstaltungen.

    Eine sinnvollere Kritik stellt die Frage, wieso sich der akademische Mittelbau solche verhältnisse eigentlich bieten lässt. »Selbstausbeutung des Mittelbaus« war schon zu meiner Zeit in den 90ern ein Thema, und seither haben sich die verhältnisse offenbar nur noch verschlechtert. Uns hat man damals nachdrücklich erklärt, dass Soziologie ein Abschluss ist, aber kein Berufsbild und man dieses daher (außerhalb der Uni) in Eigeninitiative entwickeln müsse. Das rechtfertigt aber nicht, nicht einmal die für die interne Reproduktion des Faches benötigten Aufwände angemessen zu entlohnen.

    Offenbar läuft der akademische Nachwuchs regelmäßig in eine Art »Bildungsfalle«: weil sie (mindestens formell) zu den Hochqualifizierten des Bildungssystems gehören, nehmen sie an, dass sie es schon schaffen werden, wenn sie sich auf ihre individuelle Leistung konzentrieren anstatt sich eine effektive Organisation zu geben. Sie nehmen nicht wahr, dass sie ökonomisch genau die »Proletarier« sind, für die sie sich aufgrund ihrer Ausbildung nicht halten.

    1. @djad
      „Dieses »Marktargument« übersieht aber das Gegenbeispiel der Genderforschung: diese ist politisch gewollt und entsprechend breit ist dieser Fachbereich daher aufgestellt.“

      Was ändert das? Weil die Politik das wollte und anschob, muss sie dafür geradestehen? Glaube nicht, dass irgendwen das überzeugt….

      1. @Alex

        Diese Politik hat Menschen dazu ermuntert, dieses Studium zu ergreifen, die sich wiederum erhoffen konnten, daraus später einen Beruf zu machen und von diesem ihre Existenz zu bestreiten.
        Wenn wir nicht diejenigen dafür verantwortlich machen, die diese Hoffnung erweckten aber niemals daran dachten, sie materiell umzusetzen, wen denn sonst?

        Ein Bestandteil des Neoliberalismus ist, es gibt keinen mehr, der verantwortlich für eine gesellschaftliche Entwicklung gemacht werden kann.

        Es ist wie in dem Text, den ich über Jasna Strick geschrieben habe:
        Man lässt diese armen Frauen (absehbar) ins Messer laufen.
        Im nächsten Schritt dürfen sie noch individuell als mediales Opfer und Ausweis dafür herhalten, dass hochqualifizierte Frauen sichtbar diskriminiert werden, weil sie trotz hoher Qualifikation keinen angemessenen Job erhalten.
        Um im übernächsten Moment als Individuum vergessen zu sein – sie sind nur noch eine diffuse Opfermasse Frau, mit der man politisch hantieren kann.

        Wir sollten den Zynismus und die Menschenverachtung kritisieren, die hinter einer solche Politik steckt, statt ständig einen Kübel Häme über die betroffenen Individuen auszukippen, die ohnehin schon geschlagen am Boden liegen.

        Gruß crumar

      2. @djadmoros: „Eine sinnvollere Kritik stellt die Frage, wieso sich der akademische Mittelbau solche verhältnisse eigentlich bieten lässt.“

        Die Antwort ist mMn offensichtlich: Der Markt regelt die Preise. Die Verhältnisse sind ja keineswegs in allen Fächern identisch. Die Ingenieure bieten normalerweise zu 100% bezahlte Stellen an und haben tw. sogar Probleme, passendes Personal (oft für ein Industrieprojekt) zu finden. Dahinter steckt aber auch ein reales Interesse eines Anwenders, der natürlich auch die Forschungsfragen vorgibt. Völlig anders sieht das z.B. in den Literaturwissenschaften aus: praktisch nur öffentliche Geldgeber, und außer irgendwelchen Zitierzirkeln interessiert sich niemand für die Ergebnisse.

        @crumar: „Menschen dazu ermuntert, dieses Studium zu ergreifen, die sich wiederum erhoffen konnten, daraus später einen Beruf zu machen und von diesem ihre Existenz zu bestreiten.“

        Im Prinzip ja, aber nicht irgendeinen Beruf, sondern einen im oberen Quartil, sowohl finanziell als auch bzgl. sozialem Ansehen. Zugespitzt gesagt hat man 50% der Leute suggeriert, sie würden hinterher zu den oberen 25% gehören. Das ist mMn der zentrale innere Widerspruch unserer Bildungspolitik.

        „Ein Bestandteil des Neoliberalismus ist, es gibt keinen mehr, der verantwortlich für eine gesellschaftliche Entwicklung gemacht werden kann.“

        Gibt es eigentlich in keiner liberalen Gesellschaft, und eine Garantie für einen guten Job hat man auch in anderen Fächern nicht.

        „Man lässt diese armen Frauen (absehbar) ins Messer laufen.“

        Gilt übrigens nicht nur für Gender Studies, sondern auch für die Scharen von Frauen, die die Romanistik, Journalistik und ähnliche Fächer bevölkern, obwohl sie in jeder Berufsberatung inständig davor gewarnt werden, daß die Zahl der Absolventen dort wesentlich höher liegt als die Zahl der Arbeitsplätze und das ganze ein Vabanque-Spiel ist. Aber notfalls kann man ja Ehefrau und Mutter werden, da kann man das Risiko schon eingehen. Was nach meinem Eindruck die geringe Männerquote erklärt. Deswegen sind diese Frauen und die wenigen Männer unter ihnen auch nicht „arm“, sie waren gewarnt.

        Der einzige Ausweg wäre eine radikale Heruntersetzung der Zahl der Studienplätze, a.k.a. Planwirtschaft. Politisch ist das undenkbar, weil sich inzwischen ein Menschenrecht auf hohen formalen Bildungsabschluß in den Köpfen festgesetzt hat.

      3. @crumar

        Denk mal nicht, dass es woanders besser aussieht. All diese Versprechen sind einfach nichts wert. Und die Hochschulen denken ja auch an sich, kann man es ihnen wirklich verdenken?

        Dieser Comic hier trifft´s gut mein ich:

      4. @Alex

        Dein Beispiel ist letztlich das, was ich mit „neoliberalem Denken“ meine, wenn du es konsequent auf die USA beziehst.

        Die angehenden Studenten werden ermuntert zu studieren und statten sich dazu mit Krediten aus, die Kredite fließen in die Studiengebühren der Universitäten, die Universitäten bezahlen die Professoren und den bürokratischen Apparat.

        Wer profitiert davon?
        1. Zunächst verdienen die Kreditgeber am Kredit.
        2. Die Universitäten haben durch die Studiengebühren zahlende Kunden. Und natürlich kam die Spirale in Gang, um so höher die bewilligten Kredite, desto höher die Studiengebühren.
        3. Diese Kunden bezahlen Infrastruktur, Bürokratie, Lehrapparat.

        Wer wird in dem Cartoon herausgegriffen?
        „Profzi“ – der *letzte* in der Nahrungskette.

        Wo ist denn der Rest des Systems geblieben?

        Gruß crumar

      5. @mitm

        Mein Problem ist, ich switche zwischen USA und D.

        Der Genderismus in D ist klipp und klar ein Staats-Genderismus – es ist nichts organisch gewachsenes, sondern ein Professorenprogramm verkündet von Schavan (CDU).
        Kein Arsch würde dafür tuition im sechsstelligen Bereich bezahlen, bspw. in Harvard oder sich davon *kein* RoI versprechen.

        Der Punkt in D ist: In dem Augenblick, wo der Staat in die Bresche springt und signalisiert, es gäbe einen gesellschaftlichen Bedarf, folgen die Lemminge.
        Deshalb tun mir die Frauen in diesem Bereich leid.
        Weil das Signal kam und danach nichts.

        Weniger leid tun sie mir in Sachen Romanistik, Germanistik und bspw. Kunstgeschichte.
        Weil dies entweder ein Lehramtsstudium ist oder ein Heiratsstudium oder „Ich studier Harz4!“.

        Das Problem „ein Menschenrecht auf hohen formalen Bildungsabschluß in den Köpfen festgesetzt hat“ stellt sich in den USA ganz anders als in D.
        Weil *berufsbezogen* zu studieren dort nicht so verankert ist.

        Gruß crumar

      6. @crumar
        „Dein Beispiel ist letztlich das, was ich mit „neoliberalem Denken“ meine“

        Das verstehe ich nicht. Der Cartoon bringt zum Ausdruck, dass der wissenschaftliche Betrieb (ganz ähnlich geht es in der Wirtschaft zu!) ein Selbstläufer ist, die letzten beissen die Hunde.
        Dafür kannst du der Politik gar nicht die Schuld geben, höchstens aber den Bildungsinstitutionen. Diese sind ja schliesslich autonom und operieren unter der Freiheit von Forschung und Lehre. Die Aufgabe der Politik ist es, hier nur die Mittel bereitzustellen. Bewerten muss die Politik nichts, das ist nicht ihre Aufgabe. Die Entscheidungen, was gemacht wird, liegt praktisch ausschliesslich bei der Bildung selbst. Und die bringt naturgemäss, weil sie eben die Freiheit hat und somit auch scheitern kann, diese „Profzi“- Ponzi-Schemen hervor.

        Das extremste Beispiel heute ist doch in der „Soziologie“ anzutreffen, die die wahnwitzigsten Blüten treibt, die nur mit den Auswüchsen mittelalterlicher Scholastik verglichen werden können:

        Deshalb ist die Politik nicht dafür in soweit verantwortlich zu machen, was im Rahmen der Freiheit von Bildung und Forschung passiert, dass sie diese Fehler korrigieren müsse.

        Wer das verlangt, der fordert letztlich, dass Bildung und Lehre vollkommen unter staatliche Aufsicht gesetzt werden.

        Es wäre die Pflicht einer kritischen Öffentlichkeit, auf die Missstände hinzuweisen und die Leute von den schwindlerischen akademischen Pyramidenspielchen abzuhalten.

        Das macht diese aber nicht, im Gegenteil. Die sich besonders an die Akademiker wendene „Zeit“ zB ist ganz auf der Linie der neuen Mittelaltertheologie und auch sonst wird der Betrieb nicht grossartig „hinterfragt“, jede sinnvolle Diskussion darum findet in der breiten Öffentlichkeit gar nicht statt.

        Statt dessen wird lieber der paranoide Quatsch einer derart verbildeten Kämpferin für die Soziale Gerechtigkeit diskutiert, die sich als Opfer des Systems hinstellt, welches sie „entqualifizieren“ wollte.

      7. @Alex

        Sorry, irgendwie funktioniert mein click auf den Antwortknopf nicht so, wie ich das will.
        Die Positionierung des Textes ist einigermaßen willkürlich.

        Du schreibst:

        „Das extremste Beispiel heute ist doch in der „Soziologie“ anzutreffen, die die wahnwitzigsten Blüten treibt, die nur mit den Auswüchsen mittelalterlicher Scholastik verglichen werden können:“

        Ständig Beispiele aus den USA, bzw. dem angelsächsischen Sprachraum heranzuziehen, ohne sich darüber klar zu werden, dass die identische Entwicklung in den meisten europäischen Ländern NICHT stattgefunden hat finde ich schwierig.
        Die entscheidende Frage wäre m.E., welche Bedingungen in diesen Ländern fördernd und welche hier wiederum hemmend waren.
        Statt die Ideologie zu reproduzieren, man könne umstandslos die USA als Leitbild einer „modernen Gesellschaft“ ansehen, dem alle anderen Länder (mehr oder weniger verzögert) folgen werden – demnach bspw. auch Entwicklungen in den Sozialwissenschaften.

        Die Ausgangssituation in den USA: Die Sokal-Affäre fand vor 20 Jahren statt mit einem veröffentlichten Hoax in „Social Text“, diese Publikation ist: „Social Text is an academic journal published by Duke University Press.“
        So etwas hat es hier m.E. einfach nicht gegeben.
        Auch die analog geführten wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen um „Kreationismus“ und „intelligent design“ – haben hier nie stattgefunden.

        Ich gebe dir ein aktuelles Beispiel einer hiesigen Studie zu körperlichen und psychischen Gewalterfahrungen der Erwachsenenbevölkerung:
        http://edoc.rki.de/oa/articles/repfVFL9MKm0A/PDF/24FsYksH0Ap7s.pdf
        Kein Foucault, keine Butler, kein Feminismus involviert.
        Keine „Laberei“, keine „mittelalterliche Scholastik“ – stattdessen saubere empirische Sozialforschung.

        Dann solltest du einen Blick auf die Sektionen der Deutschen Gesellschaft für Soziologie werfen:
        http://www.soziologie.de/de/sektionen/sektionen.html
        Allein die Bandbreite sollte klar machen, dass es der Genderismus schwer hat, auf Basis der hiesigen Soziologie zur neuen „Leitwissenschaft“ zu werden.
        Letztlich ist auch „Frauen- und Geschlechterforschung“ nur ein kleiner Teil des Spektrums.

        Der Genderismus wurde hier von oben etabliert; man könnte fast sagen, weil gar keine Nachfrage vorhanden war.

        Gruß crumar

      8. @crumar
        „Der Genderismus wurde hier von oben etabliert; man könnte fast sagen, weil gar keine Nachfrage vorhanden war.“

        Du hast vollkommen recht und deine Einwände sind sehr bedenkenswert.
        Ja, Deutschland ist recht verschont geblieben von diesem ganzen Kram. Als würden wir 1-2 Jahrzehnte zurück sein. Und es besteht natürlich auch keine Zwangsläufigkeit, dass diese Entwicklung hierzulande noch stattfinden muss. Die Vorstellung, hier würde alles mit Verspätung ankommen, ist natürlich aus der Vergangenheit der letzten Hundert Jahre. Und reichlich zum ballyhooen von Modetrends eingesetzt und noch so schleimig ideologisch angebracht, weswegen du ja auch schreibst:

        „die Ideologie zu reproduzieren, man könne umstandslos die USA als Leitbild einer „modernen Gesellschaft“ ansehen, dem alle anderen Länder (mehr oder weniger verzögert) folgen werden“

        Es nervte geradezu. Aber immerhin hat der Re-import doch zahlreiche Freiräume an Hochschulen geschaffen, wo man den Kram, den man produziert vermutlich lieber nicht veröffentlicht, wie die naiven Amerikaner, die nur nach Impact Punkten jagen. Was man als Professor sicherlich weniger nötig hat. Der Rest schreibt dann in allen Medien. Die derzeit praktisch wie gleichgeschaltet sind und die amerikanischen Theorien in Populärform verbreiten. Also, es kommt doch rüber! Über den Teich.

        „Auch die analog geführten wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen um „Kreationismus“ und „intelligent design“ – haben hier nie stattgefunden.“

        Das gehört gar nicht zum Problem hier. Das ist die politische Rechte aD. Gibt auch in Deutschland so einen Mikrokosmos. Bei diesen „Science Files“ haben die früher mal gerne geposted 😉

        „dass es der Genderismus schwer hat, auf Basis der hiesigen Soziologie zur neuen „Leitwissenschaft“ zu werden.“

        Das kann auch sehr leicht unter „Philosophie“ laufen. Und ausserdem nehmen die Soziologen das Phänomen ja offenbar nicht wahr.
        Müsste doch eigentlich der Lebens(alp)traum von denen sein: wie das Mittelalter zurückkehrt, real time.
        Manche sind allerdings auch so böse anzunehmen, dass es gar nie anders war. Und wenn nach Foucault die Eliten immer nur auf reiner Machtausübung beruhen, kann es auch im erklärten Paradies nicht anders sein. Konsenzgesellschaft bekommt dann den Klang von Diktatur.

        Was den Genderismus betrifft, so sollte das mal wieder einer Rundumerneuerung bedürfen. Die Männer müssen doch auch noch in diese Sache eingebunden werden, nach der Attacke mit dem Feminismus. Dafür war gender nur da, den Feminismus abzubrechen. Jetzt kann gender abtreten.

        Jetzt ist Rassismus das grosse Thema! Die Femistinnen müssen dafür den Islam beklatschen und jeden Fehltritt bis zur peinlichsten Selbstverleugnung rechtfertigen. Und sowas beherrscht, nota bene, den öffentlichen „Diskurs“, dass Gesetze gemacht werden, per Twitter. Wenn das nicht postmoderner Wahnsinn ist, was dann?

        Das wirkt also nicht?
        Nur weil es keine Sokal-Affäre gegeben haben soll? Dafür hat es aber den Anlass zu all dem gegeben, die Spekulationen um die Quantenphysik, die hochgradig politisiert war und auch eine wichtige Wegmarke des Postmodernen ist, worauf man Sokal auch als Parodie lesen kann. Weizäcker und viele andere Wissenschaftler waren daran beteiligt, grosse Namen.

        Also, da sind wir gewissermassen schon weiter als USA, bei den Eingriffen via Gesetze, erleichert durch die EU. Und sicherlich in einer viel schlechteren Position bezüglich der kommenden Entwicklung.

    2. @djadmoros

      „Sie nehmen nicht wahr, dass sie ökonomisch genau die »Proletarier« sind, für die sie sich aufgrund ihrer Ausbildung nicht halten.“

      Exakt.
      Sie nehmen auch nicht wahr, dass ihre Situation darauf hinausläuft eine „intellektuelle Reservearmee“ zu schaffen, die Druck auf die Löhne qualifizierter Arbeit ausübt.

      „Eine sinnvollere Kritik stellt die Frage, wieso sich der akademische Mittelbau solche verhältnisse eigentlich bieten lässt.“

      Der ideologische Individualismus steht einer kollektiven Interessenvertretung entgegen und diesen haben sie mit der Muttermilch der sozialen Schicht eingesogen, aus der sie stammen. Aus dem Text von Ohm lese ich auch die Enttäuschung heraus, selbst nicht für so exzellent gehalten so werden, wie es die Initiative versprach zu belohnen.

      Wenn die OECD schreibt, Kindern aus der Arbeiterklasse würde es immer mehr erschwert, überhaupt an die Unis zu gelangen, hat das auch den Effekt, dass Erfahrungen der Solidarität, der Organisation und des kollektiven Widerstands nicht an die Universität kommen. *Verbürgerlichung* ist keine Einbahnstraße.

      Gruß crumar

      1. @Aranxo

        „Ich denke, es gibt beides, ein Überhang an Geisteswissenschaftlern weit über den Bedarf hinaus und ein Ausnutzen desselben durch die Kultusministerien und die Universitäten, so dass auch der Bedarf, der ja durchaus vorhanden ist, möglichst billig durch das akademische Proletariat bearbeitet wird.“

        Ich gebe dir auf der einen Seite recht, es wird eine „Überschuss-Produktion“ in Gang gesetzt, die solch ein Ausnutzen überhaupt erst ermöglicht.
        Das Ausnutzen der Lage wiederum ermöglicht es, die Kosten für den Lehrbetrieb zu senken. Während Forschung der Bereich ist, in dem sich die Universitäten profilieren können und müssen – damit ist gekapert worden, was wir bisher unter Hoch*schule* verstanden haben.

        Was mich bei Danisch und anderen wundert ist, dass die „Schweinezyklen“, die in der Vergangenheit auch bspw. Maschinenbau-Ingenieure und Informatiker betroffen haben, arg in Vergessenheit geraten sind.
        D.h. auch diesen wurde schon einmal – gemessen an der Möglichkeit der Absolventen auf dem Arbeitsmarkt – attestiert, völlig nutzlos und sinnloser Überschuss zu sein.
        Auf die Idee, aus diesem Zyklus zu schließen, damit hätten sich diese Fachbereiche an den Universitäten völlig erledigt ist jedoch kein Sozialwissenschaftler gekommen.

        Mir kommt Danischs Häme gegenüber Sozialwissenschaftlern manchmal wie ein notdürftig getarnter Minderwertigkeitskomplex vor.
        Informatiker machen noch immer nicht die bessere Politik, schreiben die besseren Gesetze und die Regeln der „liquid democracy“ vor, sondern das machen andere.
        (Mir fällt gerade ein, Penisneid könnte auch eine Rolle spielen ;))

        „Die Gender Studies sind da nochmal ein Sonderfall. Ich habe da immer so das Gefühl, dass man den Feministinnen da so einen Sandkasten eingerichtet hat, damit die mit dem Nörgeln aufhören, weil sie sich mit dem Kram beschäftigen können, mit dem sie sich nunmal beschäftigen wollen, während man in den übrigen Fächern von ihnen in Ruhe gelassen wird.“

        Angesichts der Tatsache, dass viele dieser Stellen „interdisziplinär“ angesiedelt sind ist die Hoffnung, sie würden die „übrigen Fächer“ in Ruhe lassen m.E. ein Trugschluss.
        Vor allem bekommt der „Sandkasten“ die Gelegenheit, immer neue „Expertisen“ mit akademischen Weihen zu versehen oder die „Forschung“ ist Grundlage politischer Empfehlungen bspw. für die Ausgestaltung schulischer Lehrpläne.
        Die Breitenwirkung sollte man nicht unterschätzen.

        Gruß crumar

    3. Ich denke, es gibt beides, ein Überhang an Geisteswissenschaftlern weit über den Bedarf hinaus und ein Ausnutzen desselben durch die Kultusministerien und die Universitäten, so dass auch der Bedarf, der ja durchaus vorhanden ist, möglichst billig durch das akademische Proletariat bearbeitet wird. Insofern greift auch die Kritik, dass der Neoliberalismus Einzug gehalten hat. Forschung sollte frei sein von dem Zwang, ständig Drittmittel besorgen zu müssen, und den Mittelbau, der tatsächlich benötigt wird, aus Steuergeldern vernünftig bezahlen. Allerdings kann das noch lange nicht heißen, dass es einen Anspruch auf diese wenigen Stellen geben kann. Es wird nach wie vor eine ganze Reihe von Absolventen geben, die keine Stelle im wissenschaftlichen Betrieb bekommen werden.

      Die Gender Studies sind da nochmal ein Sonderfall. Ich habe da immer so das Gefühl, dass man den Feministinnen da so einen Sandkasten eingerichtet hat, damit die mit dem Nörgeln aufhören, weil sie sich mit dem Kram beschäftigen können, mit dem sie sich nunmal beschäftigen wollen, während man in den übrigen Fächern von ihnen in Ruhe gelassen wird. Da ist allerdings gründlich schief gegangen, denn natürlich haben sie nicht aufgehört mit dem Nörgeln und wollen mit ihrer größeren Macht erst recht Einfluss auf die anderen Fächer nehmen.

      1. @aranxo

        „und wollen mit ihrer größeren Macht erst recht Einfluss auf die anderen Fächer nehmen.“

        Unter dem Vorwand der „Inter-“ oder „Trans-Disziplinarität“ läuft das bereits, der Versuch der feindlichen Übernahme der Naturwissenschaften.

        In dieser Situation nach mehr Staatlichkeit bei den Unis und der Forschung zu rufen, ist vollkommen daneben und wird langfristig nur der vollständigen Politisierung der Wissenschaften dienen. Gerade jetzt sollte der Staat die Mittel kürzen und die Hochschulen in die wirtschaftliche Eigenverantwortung überlassen. Dies würde alle unproduktiven und für unsere Gesellschaft feindlichen Bereiche schnell dahinschmelzen lassen, wie ein Stück Eis in der Wüste.

        Das wird natürlich nicht passieren. Im Gegenteil.

        Als Vergleich lohnt sich der Blick auf das US-System. Das ist ja zum grossen Teil „neoliberal“. Hier haben sich die Exzesse der Bildungspolitik besonders aufgestaut, aber sie werden bestimmt in naher Zukunft auch genauso gut rückgefahren und überwunden werden können.

        Wenn die USA aus dieser Bildungskrise heraus sind, werden wir erst so richtig reinlaufen. Ersteres System ist wie ein wendiges kleines Schiff, welches jederzeit Kursänderungen erlaubt, das staatliche Bildungswesen Deutschlands ein Supertanker, der beharrlich Kurs hält.

        Eher wird Herr Guttenberg Bildungsminister als dass in Deutschland das staatlich zentrale Bildungssystem aufgegeben wird oder auch nur zurückgefahren. Wird es noch ausgebaut, dann fände ich den Guttenberg sogar die perfekte Wahl für den Posten des Bildungsministers 😉

  3. »Und selbst, wenn das alles wahr wäre: Hey, no risk, no fun! Wozu länger leben, wenn man dabei keinen Spaß hat?!«

    Wie in dem alten Witz:
    Der Doktor rät dem Patienten:
    »Verzichten Sie auf Zigaretten, Alkohol, Fleisch und Sex, dann werden Sie hundert Jahre alt!«
    »Aber wozu, Herr Doktor, wozu?«

      1. @crumar:

        »Hast du eigentlich „Fight Club“ gesehen?«

        Ist lange her, könnte ich mal wieder aufwärmen.

      2. @djadmoros

        Ich denke, es wäre spannend das zu tun.
        Vor allem im Hinblick darauf, dass der Film bereits 1999 erschienen ist.

        Gruß crumar

  4. „Und ich dachte immer, der Wert einer Sache bemisst sich danach, was jemand anderes bereit ist, dafür zu zahlen. Mit anderen Worten, gleichwertige Jobs sind genau die, für die das gleiche bezahlt wird. Sprich: Der Satz „Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit“ ist eigentlich eine Tautologie. Problem gelöst! Aber wahrscheinlich ist das viel zu naiv gedacht von mir unwissendem Dummerchen.“

    😀

    Dieses „Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit“ ist doch das Anmelden des Anspruchs, man müsse jetzt die Wertigkeit von Arbeit festsetzen oder regulieren. So lief´s im Kommunismus.

    Es soll also keinen freien Markt mehr für Arbeit geben, sondern am besten alles soll unter staatliche Kontrolle.

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