PLAN International – wieviele Patenschaften von Mädchen habt Ihr? – offener Brief aufgrund des Sexismusvorwurfs gegen PLAN

… und wieviele von Jungen?

Liebes „PLAN International“-Team,

mein Name ist Ludger Pütz und ich lebe in Kolumbien, wo PLAN International ebenfalls tätig ist.

Seit einigen Jahren lese ich immer wieder von Ihren weltweiten Aktionen und Ihrem Einsatz für Kinder. Sich für hilfsbedürftige Kinder in der Welt einzusetzen, finde ich eine ganz tolle Sache, die es sich zu unterstützen lohnt. Doch Ihre Werbung macht mich immer wieder stutzig darüber, ob Ihr wirklich Kindern helft – also Mädchen UND Jungen gleichermaßen – oder doch NUR bzw. hauptsächlich Mädchen.

Wenn ich mir Ihre Projektlisten anschaue, dann sieht es ganz danach aus, dass Ihr Euch auf Mädchen und junge Frauen konzentriert.

tl;dr – Falls Ihnen der Brief zu lang zum lesen sein sollte, was ich verstehen kann, bitte ich Sie, zum dunkelgrün markierten Absatz zu springen, in dem ich meine Fragen an Sie formuliere.

Durch die aktuelle Debatte, die auf Ihrer Facebookfanseite stattfindet, merkte ich, dass ich nicht alleine mit Weiterlesen „PLAN International – wieviele Patenschaften von Mädchen habt Ihr? – offener Brief aufgrund des Sexismusvorwurfs gegen PLAN“

Kurznachrichten vom 08.09.2016

1: Die Nazi-Hatz der Amadeo Antonio Stiftung treibt immer seltsamere Blüten. Kurze Durchsage an alle Eltern: Wenn Sie eine Tochter im Kindergartenalter haben, die auch noch blond ist: Flechten Sie ihr auf gar keinen Fall Zöpfe und schicken Sie sie nicht mit langen Röcken in die Kita! Sonst könnte es Ihnen passieren, dass eine übereifrige Betreuerin Sie zweifelsfrei als rechtsextrem, mindestens jedoch als strenggläubige Evangelikale identifiziert. Und ausgerechnet die ansonsten kreuzbrave Apotheker-Zeitung „Baby & Familie“ macht bei diesem Unfug auch noch mit. Alexander Wallasch hat sich das bei Tichys Einblick genauer angeschaut:

„Kinder rechter Eltern sind nicht unbedingt anders als Kinder anderer Eltern. Sie fallen manchmal erst nach längerer Zeit auf, zum Beispiel, weil sie sehr still oder sehr gehorsam sind.“ Oh je, achten Sie also darauf, dass ihre Kinder möglichst ADHS haben und färben sie deren blonden Haare schwarz – dazu aber später noch. […]

Es ist furchtbar, wenn sie dann als Fachfrau weiter erklärt, „akkurat geflochtene Zöpfe und lange Röcke“ wären so ein Warnsignal und Hinweis auf rechte Eltern. Weiter: Kinder solcher Eltern würden keine amerikanischen Schriftzüge auf ihrer Kleidung tragen.

So geht es über Seiten weiter. Es braucht hier alle Geduld und Ruhe, Ihnen als Leser das weiter zu schildern, was einem hier den Mageninhalt so zielgenau nach oben befördern möchte. […]

Lieber schwadroniert man weiter, wie diese Adolfs und Evas ihre stillen gehorsamen Kindchen in die Kita schleusen, um dann selbst über ein Elternengagement für die nächsten tausend Jahre das Kita-Zepter zu übernehmen: „Die Eltern sind nett und engagiert. Sie bauen persönliche Beziehungen auf und übernehmen gerne Ämter im Elternbeirat.“ erzählt die Soziologin Köttig. Ja, das ist tatsächlich schlimm. […]

Der Artikel ist durchillustriert […] mit Frauen und Mädchen mit geflochtenen blonden Zöpfen. Also: blond, blöd, böse. Hier wird nun wirklich kein rassistisches Klischee mehr ausgelassen. So hochqualitativ die Illustration, so widerlich rassistisch die Intention dahinter.

Ein Kommentator unter dem Artikel fasst es so zusammen:

Die Amadeu-Antonio-Stiftung wird bekanntlich dafür bezahlt, dass sie Rassismus und Hetze findet. Irgendwie hat man aber offensichtlich versäumt, ihnen zu sagen dass sie dafür nicht außer Haus gehen brauchen.

2: Auf der Achse des Guten beschreibt der Biologie-Dozent Axel Robert Göhring, was er so in einem Gender-Seminar für Universitätsdozenten erlebt hat. Sehr amüsant zu lesen, allerdings schon etwas älter. Die Erstveröffentlichung war schon im Mai, auch bei Tichy.

3: Auch schon ein wenig älter, aber dennoch noch interessant: Ausgerechnet der Groß-Philosoph Peter Sloterdijk hat einen Roman geschrieben, der sich mit Erotik beschäftigt und speziell mit dem Orgasmus der Frau. So wirklich erotisch scheint das laut der Kritik auf der Website von N24 nicht geraten zu sein, aber zumindest hat sich Sloterdijk offensichtlich nicht um Political Correctness geschert.

4: Eine Studie der Michigan State University will herausgefunden haben, dass entgegen bisheriger Annahmen häufiger Sex nicht gesund ist, sondern dies nur für Frauen gilt. Bei Männern dagegen, die einmal die Woche Sex haben oder öfter, sei das Risiko für Herzinfarkte und andere Herz- und Kreislauferkrankungen ab dem 50. Lebensjahr signifikant erhöht.

“Strikingly, we find that having sex once a week or more puts older men at a risk for experiencing cardiovascular events that is almost two times greater than older men who are sexually inactive,” said Liu. “Moreover, older men who found sex with their partner extremely pleasurable or satisfying had higher risk of cardiovascular events than men who did not feel so.” […]

Ultimately, while moderate amounts of sex may promote health among older men, having sex too frequently or too enjoyably may be a risk factor for cardiovascular problems, Liu said. “Physicians should talk to older male patients about potential risks of high levels of sexual activity and perhaps screen those who frequently have sex for cardiovascular issues.”

Nicht nur je mehr man(n) Sex hat, sondern auch je mehr man(n) Spaß daran hat, desto gefährlicher lebt man(n). Ah ja. Und rausgefunden haben das nicht etwa Ärzte, sondern Hui Liu, eine Professorin für Soziologie.

Gehts noch? Ich glaub davon kein Wort. Haben die sich da ein Gender Studies U-Boot eingefangen, wo mal wieder vorher feststand, was rauskommen soll? Wollen die uns jetzt den Sex vermiesen? Ich denke, es kommt ja wohl immer noch darauf an, wie stressig das übrige Leben ist, speziell das Arbeitsleben, und natürlich auch, wie gut man im Training ist. Man könnte sich da diverse andere Erklärungsmöglichkeiten vorstellen. Z.B. dass Männer, die allgemein aktiver sind, einfach auch beim Sex aktiver sind und dementsprechend mehr haben. Oder dass Männer, die mehr arbeiten und einen stressigeren Job haben, Sex gerne als Ausgleich benutzen, und ihn deshalb auch mehr brauchen und suchen. Ich fürchte, da ist mal wieder aus einer Korrelation eine vermeintliche Kausalität gezogen worden.

Und selbst, wenn das alles wahr wäre: Hey, no risk, no fun! Wozu länger leben, wenn man dabei keinen Spaß hat?!

5: Intensiv diskutiert wird im Netz gerade ein Artikel der laut eigener Aussage mit Bestnote promovierten Geisteswissenschaftlerin Britta Ohm, die sich mit prekären befristeten Jobs an der Uni und schlecht oder gar nicht bezahltem Engagement in ihrem Fach herumschägt und nun ihre Erlebnisse auf dem Arbeitsamt (ähm, „Jobcenter“ natürlich) zum besten gibt. Erschienen zuerst bei den Blättern für deutsche und internationale Politik, dann auf Telepolis, bei letzterem nach zwei Tagen schon mit mehr als 1000 Kommentaren. Dabei beklagt sich die Autorin, dass ihr das Arbeitsamt beim besten Willen keinen Job anbieten kann, der ihrer Qualifikation gerecht wird. Stattdessen werden ihr nur Aushilfsjobs (Erdbeerpflücken) oder eine Umschulung zur kaufmännischen Fachkraft angeboten. Schuld an der Misere sind der Staat, der Neoliberalismus, die Exzellenzinitiative, der Umbau der Universitäten, die Hartz IV-Gesetze. Nicht schuld ist die eigene Studienfachwahl, wie Hadmut Danisch in, nun ja, gewohnt rustikaler Art kommentiert. Vom Ton her finde ich Danisch teilweise extrem pauschal, inhaltlich macht er aber einige Punkte. Und ich stimme mit ihm überein, dass die Autorin zumindest in Sachen Exzellenzinitiative absolut berechtigte Kritik anbringt.

Dennoch klingt mir der Beitrag von Ohm extrem nach dem Anspruch, einen Job im studierten Fach bekommen zu können. Da liegt sie aber falsch. Nur weil der Staat die freie Fachwahl erlaubt, heißt das noch lange nicht, dass man hinterher auch Anspruch auf einen Job an der Uni hätte. Die einzige Alternative, um die Schwemme an nicht benötigten Geisteswissenschaftlerinnen in den Griff zu bekommen, wäre die Einführung eines rigorosen Numerus Clausus. Aber will man das wirklich?

6: Das Bundesfamilienministerium macht weiter Propaganda mit dem angeblichen 21% Gender Pay Gap. Wer sichs anschauen mag:

Auch hier wieder wird nicht mehr von „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ geredet. Die offizielle Sprachregelung ist inzwischen „Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit“. Wer bestimmen soll, welche Jobs gleichwertig sein sollen, wird aber nicht gesagt.

Und ich dachte immer, der Wert einer Sache bemisst sich danach, was jemand anderes bereit ist, dafür zu zahlen. Mit anderen Worten, gleichwertige Jobs sind genau die, für die das gleiche bezahlt wird. Sprich: Der Satz „Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit“ ist eigentlich eine Tautologie. Problem gelöst! Aber wahrscheinlich ist das viel zu naiv gedacht von mir unwissendem Dummerchen.