Kurznachrichten vom 06.09.2016

1: Das Düsseldorfer Verwaltungsgericht hält das neue Frauenförderungsgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen wegen der darin allzu offen vertretenen Frauenbevorzugung für verfassungswidrig. Sciencefile.org und Hadmut Danisch kommentieren.

2: Bei der ZEIT sinniert man über den neuen Mann. Zunächst wird es etwas sonderbar:

Sagt ein Mann, dass er wegen des Kindes keine Zeit habe, kann man die Bewunderung fast greifen: So ein toller, emanzipierter Mann! Frauen in exakt derselben Situation müssen sich rechtfertigen: Wie, Sie müssen los? Sind Sie so unemanzipiert? Kann das nicht ihr Mann machen? Die alten Zuständigkeiten, sie schimmern bei allem guten Willen überall noch durch.

Das mag ja vielleicht im Betriebsklima bei der ZEIT so sein, im normalen Leben ist es m.E. andersrum. Da hat man das Verständnis für die Frauen, die ihre Kinder abholen müssen. Und der Mann wird gefragt, ob er denn keine Frau zuhause habe.

Aber dann kriegt der Artikel die Kurve:

Der Sexismus und das Herablassende gegenüber dem jeweils anderen ist offenbar keine Frage des Geschlechts, sondern nicht mehr als eine Verlockung gesellschaftlicher Macht. Wo immer Feministinnen die Diskussion beherrschen, ist Häme gegenüber Männern nicht weit. Alle Männer pauschal als „Penisträger“ zu verunglimpfen? Gar kein Problem! Ohne Widerspruch von der „Problemzone älterer Mann“ zu schwadronieren? Total in Ordnung.

Man muss nicht einmal den simplen Gegentest machen und die entsprechenden Begriffe auf Frauen münzen, um zu merken: So geht das nicht. Seit wann bitte ist „Penisträger“ ein akzeptables Synonym für die Gesamtheit aller Männer? Warum widerspricht keiner? Weil Männer sich nicht zu widersprechen trauen, aus Angst, dass ihnen das sofort wieder als Schwäche ausgelegt wird? Warum ist es vollkommen in Ordnung, von der „Problemzone älterer Mann“ zu sprechen? Ohne wenigstens verstehen zu wollen, warum manche älteren Männer sich so angegriffen fühlen?

Dass diese Schubladen auch dazu führen, dass die wohlgesinnten Männer in ihren politischen, gesellschaftlichen und familiären Überzeugungen einfach übergangen werden, ist ein Drama: Wenn ich als Mann sowieso und immer ein Schwein bin, denkt sich der moderne Mann, warum dann überhaupt noch die Mühen? Vor allem aber: War Feminismus nicht einmal ein inklusives Angebot, zum Vorteil von Frauen und Männern?

Durchaus lesenwert.

3: Der SPIEGEL stellt eine Studie vor, nach der Männer mehr als andere Männer verdienen, wenn sie in Gleitzeit arbeiten, während es diesen Unterschied bei Frauen nicht in dem Maße gibt.

Zu diesem Ergebnis sind die Soziologinnen Yvonne Lott und Heejung Chung von der [DGB-nahen] Hans-Böckler-Stiftung und der University of Kent in einer Untersuchung gekommen. […] Die Forscherinnen begründen die Unterschiede mit der ungleichen Verteilung unbezahlter Arbeit: Weil Haushalt und Kinderbetreuung nach wie vor überwiegend in der Verantwortung von Frauen liegen, nutzten viele Frauen flexible Arbeitszeiten in erster Linie, um ihren familiären Pflichten nachkommen zu können. Männer konzentrierten sich dagegen traditionell auf die Erwerbsarbeit und seien daher eher geneigt, länger zu arbeiten.

Das klingt natürlich wieder so, dass Männer nur deswegen mehr verdienen, weil sie sich vor der Hausarbeit drücken. Man könnte das allerdings auch ganz anders interpretieren. Z.B. so, dass Männer zu einem höheren Anteil in  der freien Wirtschaft arbeiten, wo man erst in den hochqualifizierten und damit besser bezahlten Jobs flexible Arbeitszeiten gegenüber dem Arbeitgeber durchdrücken kann. Während im öffentlichen Dienst, wo sich Frauen mehr hingezogen fühlen, eben nicht mehr bezahlt wird, wenn der Job flexible Arbeitszeiten erlaubt, sondern eben stur nach Tarif.

4: Auch beim SPIEGEL: Ein Bericht, der sich mit Suiziden beschäftigt und immerhin auch betont, dass laut Statistischem Bundesamt die Betroffenen zu 3/4 Männer sind.

5: Plan International macht in einer neuen Kampagne weiter mit der üblichen Einseitigkeit zu Gunsten von Mädchen. Heute flatterte mir ein Werbebrief ins Haus und schon auf dem Cover ist der Slogan

Mädchen haben es noch schwerer…

zu finden. Drinnen geht es genauso weiter. Sechs Bilder von Mädchen, kein einziger Junge dabei. Und dann die Slogans:

Mädchen brauchen Ihre Unterstützung!

Plan macht sich stark für Mädchen.

Reichen Sie einem Mädchen die Hand!

Zwar darf man auf dem Spende-Formular tatsächlich noch selbst entscheiden, wenn man lieber einen Jungen unterstützen möchte, aber wer traut sich das nach diesem Trommelfeuer noch?

Im Text wird dann klar gemacht, wohin die Reise geht:

Grundsätzlich helfen wird allen Kindern in Not – egal ob Mädchen oder Jungen. Plan startete jedoch eine Bewegung für die Belange der Mädchen.

woraufhin eine Reihe von Aktionen vorgestellt wird, die nur Mädchen zugute kommen. Das einzige Projekt, in dem Jungen erwähnt werden, nennt sich ziemlich unspezifisch

Projekte mit Jungen zur Gleichberechtigung

Ich fürchte, es geht dabei nicht darum, Jungs zu erklären, dass sie dieselben Rechte wie Mädchen haben, sondern wie sie Mädchen angemessen zu behandeln haben. Und jetzt, wo ich nochmal auf der Website gesucht habe, wird auch klar, dass meine Vermutung richtig war. Plan meint damit:

Gleichberechtigung: Wir bestärken Jungen darin, sich mit ihrer Rolle auseinanderzusetzen und sich für ihre und die Rechte von Mädchen einzusetzen.

Was kann es wichtigeres geben für Jungs als schon in jungen Jahren Selbstkritik zu üben!

6: Die Schweizer Nationalratspräsidentin Christa Markwalder empfing eine Kuwaitische Delegation in einem knappen Minikleid. Darüber gab es wohl einige Diskussionen in der Schweiz, die Reaktion der Kuwaitis ist nicht zu mir durchgedrungen. Den Fotos nach zu urteilen waren die Herren jedoch relativ entspannt.

7: Das gerade aktuelle Thema Kuckuckskinder nimmt die Zeitschrift Cicero wie folgt aufs Korn: