Fundstück: Postillleaks über den Sexismus-Verdacht beim Postillon

„Faszination Beachvolleyball: Was macht den Sport nur so beliebt?“ lautete die Titelschlagzeile des Postillon am Sonntag 34/2016. Daraufhin urteilte Postillleaks in seiner Rezension:

Was wir auf dem Cover erblicken mussten, würde in Anne-Wizorek-nahen Kreisen locker für einen #Aufschrei_2.0 reichen.

Und da haben sowohl die Satire als auch die Satire-Parodie erstaunlich zutreffend die Realität beschrieben. Denn zum einen ist Beachvolleyball eine für Journalisten „dankbare“ Sportart, ähnlich wie Hautkrebs eine „beliebte“ Krebsart für Artikel ist, weil sie einen Grund liefert, spärlich bekleidete Menschen zu zeigen (möglichst braun gebrannt am Strand natürlich). Zum anderen bietet jeder abgebildete schöne weibliche Körper inzwischen eine Steilvorlage für Empörung, die die üblichen Verdächtigen natürlich volley annehmen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? „Take me to the beach“ sangen schon die All Saints.

All Saints: Pure Shores

Warum ich nicht glaube, dass gute Argumente in einer emotionalisierten Debatte gewinnen

gerks wies in zwei Kommentaren zur Verschärfung des Sexualstrafrechtes auf zwei Folgevorhaben hin:

1. Stalking-Gesetz: Maas setzt Verschärfung zum besseren Opferschutz durch (Vorsicht, Link geht zum Focus!)

gerks dazu:

Ein ganz klein wenig Zeit ist hier noch klarzumachen, dass damit z:B entsorgte Väter endgültig gezwungen werden können, nicht mehr ihre Kinder sehen zu dürfen ohne das man ihnen direkt den Kontakt zu den Kindern verbietet.

2. Petition 66653: Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung – Ratifizierung des Übereinkommens des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt vom 09.07.2016

aus der Petition selbst:

„Das Recht des getrennt lebenden Elternteils auf Umgang – der als Hintertür für die weitere Ausübung von Gewalt genutzt werden kann – darf also nicht mehr über dem Schutz von Frauen und Kindern stehen!“

gerks selbst beklagt sich, dass sich nach solchen Gesetzesverschärfungen viele Blogger empören würden, anstatt sinnvollerweise vorher ihre Stimme zu erheben.

Das sehe ich tatsächlich ein wenig anders. Wie ich schon direkt auf den Kommentar antwortend schrieb:

Hier in der Blogblase wurde seit Jahren genau darauf hingewiesen, mit den bekannten Argumenten – nur interessiert es eben keinen. Mit „denkt denn niemand an die armen Frauen“ kann man gefährliche Gesetze eben durchsetzen. Kritiker werden einfach gebrandmarkt als „Vergewaltigungsbefürworter“ oder „Täterschützer“.

Soviel zum Sexualstrafrecht. Genauso verhält es sich mit der Väterentsorgung – das Problem wird immer wieder in deutlicher Sprache und intelligenten Texten thematisiert. Als einfaches Beispiel diene ein Blogeintrag von Lucas Schoppe vom 26. September 2014: „Wozu ist Männerhass eigentlich gut? (Teil 1: Auslöschung der Rabenväter)

„Väter-Recht abschaffen, Kindererziehung steuerfinanzieren!“

fordert Antje Schrupp in einem Text, den Kai im Frontberichterstatter-Blog als „gefühlskalt“ beschreibt und zu dem er fragt: „Wie kann ein Mensch glauben, nur weil es der Vater ist, kann man ihn aus dem Leben der Kinder einfach entfernen, nur weil die Mutter es möchte?“

Klarer geht’s nicht. Es liegt also nicht daran, dass es niemand ausspricht, sondern eher, dass es niemand hören will – oder dass die Botschaft in den Massenmedien kaum vorkommt, weil sie nicht en vogue ist.

Das Rezept, mit dem die neuen Gesetze auf den Weg gebracht werden, ist einfach, funktioniert aber immer wieder:

  1. Man behauptet, es gäbe eine Schutzlücke, aufgrund derer Kriminelle nicht verfolgt, Verbrechen nicht bestraft werden. Dass es dieser Begriff zu einem Eintrag im Neusprech-Blog gebracht hat und dort inzwischen auch als eigenes Stichwort verwendet wird, spricht Bände. Es stellt auch niemand die Frage, warum bei einem gravierenden Mangel bisher kein Politiker eingegriffen hat, obwohl er sich doch als Retter von Frauen und Kindern inszenieren könnte.
  2. Damit sind wir beim nächsten Stichwort: Frauen und Kinder als Opfer besonders hervorheben! Ob es auch Männer trifft oder Frauen unter den Tätern sind, interessiert hier nicht die Bohne. Die Empathie ist klar verteilt!
  3. Falls jetzt jemand abstrakt, mit möglichen zukünftigen Szenarien, wie das Gesetz missbraucht werden oder was sonst schiefgehen könnte, dagegen argumentiert, also genau so, wie man es redlicherweise machen sollte, wenn es um das Recht geht, präsentiert man ein paar Opfer (oder deren Angehörige). Das schaltet jeden Verstand aus. Jetzt muss der Gegner des Gesetzes gegen Emotionen, gegen konkrete Menschen und ihre Leidensgeschichte argumentieren – das geht natürlich nicht. Das war schon bei den berüchtigten Internetsperren so. Merke: Auch mit wahren Bildern kann man manipulieren!
  4. Spätestens jetzt sind alle Gegenstimmen zum Verstummen gebracht, denn wer sich öffentlich gegen das Gesetz äußert, stellt sich in den Augen der anderen eine moralische Bankrotterklärung aus. Nur völlig verkommene Unmenschen faseln etwas von irgendwelchen Risiken, während hier und heute echte Täter entkommen! Und wer hier überhaupt noch auseinanderklamüsern will, wer „echter Täter“ und wer „unschuldig Beschuldigter“ ist, der bremst das Recht aus, das es doch so schon schwer genug hat, auf die Beine zu kommen, und stellt sich offensichtlich dagegen, dass es hier Fortschritt gibt, ja schützt am Ende die Bösen.

Gegen solch eingeschliffene Mechanismen kommt man mit Bloggen der Marke „das bessere Argument wird sich schon durchsetzen“ nicht weit. Wenn, dann muss man schon einen ordentlichen Schluck aus der Populismuspulle nehmen, um dagegenzuhalten.

  1. Väter sind Männer, Männer sind Menschen und Menschen haben Rechte. Aber da es um Männer geht, interessiert deren Rechte niemanden! Also stattdessen von Anfang an nur mit der Lage der Kinder argumentieren. Gerne am Anfang vernünftig mit „Rechten von Kindern“, dann aber ordentlich auf die Tränendrüse drücken à la „die kleine Susi würde so gerne ihren Vati sehen und wissen, ob er sie noch lieb hat“. Schlau, dabei ein Mädchen zu nehmen, denn mit Jungen hat man ebenfalls weniger Mitleid.
  2. Eine erwachsene Frau ausmachen, die als Kind ihren Vater nicht sehen durfte, darunter sehr gelitten hat und das noch heute ausdrücklich erzählt. Sie sollte bereit sein, durch Talkshows zu tingeln und überhaupt Medienaufmerksamkeit zu bekommen. Am besten eine Buchautorin, denn die hat etwas zu verkaufen – ihre Geschichte! – und ist im besten Fall Medienprofi, der weiß, wie man mit Journalisten, aber auch Gegnern in der Sache umgeht.
  3. Die Gegner haben es gleich doppelt schwerer: Zum einen müssen sie gegen eine Frau die Debatte führen, was leicht in die Richtung abrutschen kann, dass es so wirkt, als ob sie die Frau angreifen oder nicht ernst nehmen. Zum anderen reden sie jetzt das Opfer und seine Leidensgeschichte klein – wie herzlos!
  4. In jedem Fall wird das Narrativ “das neue Gesetz ist das, was Frauen wollen“ gebrochen und damit der eigentliche Bann. Ab jetzt klappt es nicht mehr mit dem einfachen Weltbild, der Widerspruch zwischen bisheriger Annahme und neuer Erfahrung der Öffentlichkeit muss mindestens überbrückt werden und das hinterläßt zumindest einige unangenehme Zweifel. Und die kann man dann weiter schüren durch leicht auffindbare Texte, die gute Argumente enthalten und deren Autoren dem Anschein nach freundlich, humorvoll und geduldig gegenüber Neulingen sind, die das Thema gerade erst entdeckt haben.

Man wird damit immer nur einen Teil der Leute abfischen, aber so kann es klappen! Für die Position der erwachsenen Frau käme z.B. Jeannette Hagen („Die verletzte Tochter“) in Frage. Sie wurde am 09. Dezember 2015 erstmals von Genderama erwähnt und fand bereits damals deutliche Worten gegen die Väterentsorgung, äußerte sich ähnlich klar gegen das neue Sexualstrafrecht, kam in Berichten der Massenmedien über Sorgerechtsstreit vor, ist inzwischen Fachbeirat bei Gleichmaß e.V. und hat auch noch ein knackiges Zitat zu bieten:

Wenn der leibliche Vater aus dem Leben eines Kindes verschwindet, oder herausgedrängt wird, hinterlässt er eine Wunde, die niemand schließen kann.

Persönlicher Hintergrund, klare Meinung, Buch geschrieben, vernetzt, Frau – das liest sich wie das passende Profil einer Galionsfigur.

Allerdings, so genial neu ist die Idee, Jeannette Hagen (oder eine ähnliche Frau) in den Vordergrund zu bringen, natürlich nicht: Beim Recherchieren für diesen Artikel stieß ich via Genderama auf eine Rezension von Jeannette Hagens Buch „Die verletzte Tochter“. Deren Autor: Gerhard Kaspar alias gerks. So schließt sich der Kreis.

Bleibt festzuhalten: Gegen Emotionalisierung kommt man nicht mit Rationalität alleine an. Ich würde immer auch die emotionale Schiene bedienen, weil ich dann beides auf meiner Seite anzubieten habe.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Eigentlich ist es ein trauriger Text („goodbye, papa, it’s hard to die“), der aber so wunderbar in melancholische Popmusik umgesetzt wurde, dass man gerne hört. So macht man das!

Terry Jacks: Seasons in the Sun

Fundstück: Ahoi Polloi zum neuen Sexualstrafrecht und der Unschuldsvermutung

Weil Ahoi Pollois Beiträge zu „hate speech“ neulich so gut ankamen und auch die bereits früher erwähnten nichts von ihrem Charme verloren haben, bringe ich noch einmal drei Cartoons, die sich mit dem neuen Sexualstrafrecht und der Unschuldsvermutung befassen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Wo wir schon beim Thema sind… (es ist natürlich eine Parodie auf „Boom Boom Boom Boom“ von den Vengaboys)

J.B.O.: Bums bums bums

Nostalgie-Fundstück: Alles, was unmännlich ist

Als ich noch deutlich unzufriedener durchs Leben ging, habe ich solche Sachen viel zu ernst genommen: Da hat eine Frau namens Sigrid Goddard sowohl ein Buch als auch ein Blog mit dem Titel „Alles, was unmännlich ist“ geschrieben.

Wenn man sich mal die ganze Liste durchliest, findet man einiges, das man nun wirklich nicht erwartet hätte: So werden sowohl „den Bus nehmen“ (echte Männer nutzen nie den ÖPNV, sondern fahren betrunken Auto!) als auch „Laktose-Intoleranz“ (selbst Schuld, hätten sie sich mal dagegen entschieden!) als unmännlich verdammt.

Der ahnungslose Laie hätte niemals vermutet, welche alltäglichen, scheinbar harmlosen Dinge vom Untergang der Männlichkeit künden: Cocktails (siehe etwa „der Dude“ mit seinem „White Russian“), Hausschuhe (denn Wohnung sauber halten ist für Weicheier), Spieleabende (welcher echte Kerl hat schon einen Freundeskreis?), lebende Zimmerpflanzen (denn welcher Mann will Lebewesen um sich herum?) oder gar Fahrradklingeln (lieber im Straßenverkehr sterben als sich so erniedrigen!).

Dabei wirken die Vorwürfe völlig beliebig, man könnte sie auch umdrehen: Gerade Männer benutzen einen Rucksack, denn den kann man durch Wind und Wetter, zum Zelten und aufs Festival mitnehmen und ist damit unabhängig und bereit fürs Abenteuer. Gerade Männer achten auf ihr Portemonnaie bzw. dass es gut gefüllt ist, denn ohne Moos nichts los und nichts ist unangenehmer, als plötzlich nicht mit Karte zahlen zu können oder kein Kleingeld zu haben. Gerade Männer essen Eis, das ist sinnlich und da kann hervorragend die Zungenfertigkeit trainieren usw.

Als Musikliebhaber fand ich den Kuschelrock-Artikel besonders schrecklich. Denn da wird eine falsche Dichotonie aufgebaut („entweder man hört harte Musik – oder romantische Lieder“), die mal eben ignoriert, dass doch gerade einige der besten Balladen von Rock- und Metalbands stammen. Ein Phänomen, das einem entgangen sein kann, wenn man die letzten Jahrzehnte unter einem Stein gelebt hat.

Außerdem wird es einem Mann negativ vorgehalten, wenn er durch solche Musik romantische Stimmung aufbauen will, die Dame seines Herzens also nicht „von alleine“ erobert. Dabei spräche es ja durchaus für die Qualitäten eines Mannes, eine gute Atmosphäre zu schaffen, und seine Erfahrung, dass solche Kleinigkeiten dabei helfen.

Die Reaktionen fallen übrigens sehr unterschiedlich aus. Unter der „über“-Seite sammeln sich ablehnende Kommentare, bei dem Artikel über Tee gibt es sowohl Zustimmung als auch Gegenbeispiele (Ostfriesen, Captain Picard, Türken…).

Als Satire taugt es nicht, denn die Kritikpunkte sind ohne tieferen Sinn dahinter. An den Kommentaren merkt man auch, dass das Publikum zwischen Abscheu und Applaus gespalten sind. Dennoch, Blog und Buch regen zum Nachdenken an: Man stelle sich vor, ein Mann würde entsprechend ein Buch „Alles, was unweiblich ist“ schreiben und darüber bloggen. Was würde (ihm) wohl passieren?

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal ein Lied, das in Gitarrenläden schon auf der verbotenen Liste steht und wer es dennoch spielt, muss einen Euro Strafe zahlen. Es bleibt das klassische Beispiel für das, was ich oben über Balladen von Rock- und Metalbands schrieb.

Metallica: Nothing Else Matters

Warum ich den Begriff „Streik“ unangemessen finde

Es ist mir neulich noch einmal aufgefallen, als ich einen Blogartikel las, der mir ansonsten gut gefiel: Es war vom „Männerstreik“ die Rede. Damit war in etwa gemeint, dass sich Männer nicht den Forderungen fügen, die die Gesellschaft (zumindest laut veröffentlichter Meinung) an sie stellt. Ich habe noch einmal nachgedacht, warum ich das eigentlich als falsch empfinde (abgesehen davon, dass ein echter Streik der Männer nicht funktionieren kann): Es steckt eine sehr negative Bewertung darin, was das Verhalten „der“ Männer angeht. Denn was macht einen Streik aus?

  1. Er ist (für sich) „unvernünftig“ und wird gerne als „trotzig“ oder „uneinsichtig“ gebrandmarkt. Man denke daran, wie wenige Arbeitskämpfe es im internationalen Vergleich in Deutschland gibt und wie negativ diese in der Presse dargestellt werden!
  2. Er keine langfristige Möglichkeit, sondern muss irgendwann aufgegeben werden. Dieses Verhalten bietet keine dauerhafte Perspektive.
  3. Er ist nicht das eigentliche Ziel, sondern nur das Mittel dafür. Die Streikenden stellen Bedingungen, um wieder zu den gewohnten Verhältnissen zurückzukehren.

Was aber, wenn es in diesem Sinne gar kein Streik ist? Was, wenn sich ein Teil der Männer angesichts der vergifteten Debatte und den mageren Aussichten so weit es geht aufs Private zurückzieht und das beste aus seinem Leben macht? Viele könnten – jeder für sich, eben ohne die Notwendigkeit, sich als Gruppe abzusprechen – damit durchkommen. Denn hinter irgendwelchen Moralappellen à la „Verantwortung übernehmen“, die in Abwechslung zu latenter Abwertung von Männlichkeit (Trottel, Trampel, Täter) geäußert werden, steht keine echte Macht. Wenn das genügend Männer tun, ist die Party (die netto auf Kosten von Männern finanziert wird) für die Gesellschaft irgendwann vorbei.

Für den Fall, dass kein Verständnis für individuelle Entscheidungen von Männern herrscht, weil das gesamtgesellschaftliche Ergebnis daraus unbefriedigend auszufallen scheint, fällt mir ein Vergleich ein: Frauen in Deutschland den sogenannten „Geburtenstreik“ vorzuhalten, ist auch kein sinnvoller Beitrag zu einer vernünftigen Debatte. Jemandes Verhalten mit einem Streik gleichzusetzen ist keine Lösung, sondern verschleppt nur die Ursachenforschung.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Es ist der Abschied vom Packesel, der für gesellschaftliche (Miss-)Verhältnisse viel bedrohlicher ist als ein Streik:

erst das ständige Fordern vom Aufbrechen von Rollen in Kombination mit dem negativen Umdeuten aller bisheriger männlicher Rollen hat dazu geführt, dass viele Männer “aufwachen” und sich fragen, warum sie so weitermachen sollen.

The Rolling Stones: Beast of Burden

Warum ich zu einer Lederjacke rate

Christian Schmidt verabschiedete sich wehmütig von seiner Lederjacke und obwohl Verehrung von Gegenständen bei mir immer ein wenig Unbehagen hervorruft (dieser Konsumkult! „Denkt denkt denn keiner an die Menschen?“), muss ich in diesem Fall zugeben: Das kann ich gut nachvollziehen.

Ich hatte sowieso vor, mal eine Reihe von niedrigschwelligen Tipps zu schreiben, die ich einem eigentlich ganz okayen, aber irgendwie unzufriedenen jungen Mann geben würde. Gerade nicht mit dem Ziel „ich reiße 1000 Frauen auf“, sondern „ich möchte glücklicher in meinem Leben werden“.

Ich finde es immer wieder erstaunlich, wieviele Rädchen es gibt, an denen man drehen kann, und wie wenige das tatsächlich tun. Etwa abnehmen, um sich selbst wieder wohl in seiner Haut zu fühlen. Oder wie ich bereits schrieb:

Die meisten Menschen wissen gar nicht, was sie alles sein können. Und bei den bisher zu netten, vorsichtigen Leuten ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie viele Dinge nicht ausprobiert haben, weil sie dachten, sie könnten das nicht machen, andere würden sich lustig machen, das müsste man in jungen Jahren lernen oder ganz sein lassen usw.

Und da fallen mir, gerade wenn man Normalgewicht hat, als auf der Hand liegendes Beispiel die eigenen Klamotten ein. Klischee: Die meisten Männer haben keine Ahnung von Mode und ziehen sich ganz schrecklich an! Aber falls das stimmt, heißt das ja umgekehrt, dass man sich schon mit ein wenig Wissen und Anwendung deutlich verbessern kann. Nun würde ich nicht dazu raten, sich von heute auf morgen alles neu zu kaufen. Erstens ist das als Ziel viel zu hoch gesteckt und lädt dazu ein, zu scheitern und dann zu sagen „naja, das war ja auch nicht schaffbar“. Zweitens wirkt das wie „ich habe bisher alles falsch gemacht“. Aber das muss ja gar nicht der Fall sein!

Tatsächlich würde ich mit genau einem einzigen neuen Kleidungsstück anfangen. Das ist realistisch und wenn einem das Ergebnis hinterher doch nicht gefällt, hat man wenigstens einmal etwas ausprobiert. Die Fragen bei „Alles Evolution“ sind also genau richtig:

welches Kleidungsstück habt ihr, welches euch gut aussehen lässt? was würdet ihr Männern in dem Bereich raten?

Ich war früher verblüfft, dass es als eines der Erfolgsrezepte bei TV Tropes genannt wurde, aber es steckt ein Körnchen Wahrheit darin: Holt Euch eine Lederjacke!

Man sieht damit vielleicht nicht so cool wie ein Held im Kinofilm aus, aber es kann ein kleiner Schritt in die richtige Richtung sein. Wie bei vielen Ideen gilt: Wenn alle anderen Parameter vekehrt sind (fettige Haare, ungepflegtes Gesicht, abgerissene Klamotten, schlechte Körperhaltung), hilft das allein auch nicht mehr. Aber wenn man ansonsten ganz in Ordnung ist, freundlich und verlässlich, dann kann man den Eindruck vermeiden, brav, bieder oder langweilig zu sein.

So wie Christian habe ich meine bislang letzte Lederjacke zu allen passenden und unpassenden Jahreszeiten getragen. Nach einem sehr warmen September war sie dann deutlich dunkler an einigen Stellen. Statt gepflegt sah sie nun nach „die hat einiges erlebt“ aus.

Aber, und genau das hat mich zu glücklich gemacht, gerade dafür habe ich Komplimente bekommen. Zum einen von einem Musiker, den ich sehr schätze. Zum anderen von einer jungen Dame, die in der Garderobe einer Disco arbeitete, in die ich öfters für Rock/Alternative-Partys ging. Die sieht an einem Abend Hundert Jacken oder mehr und mir sagt die so etwas Nettes. Der Abend war gerettet und ich freue mich auch nach Jahren noch, wenn ich daran zurückdenke.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Mit dem Spruch „Ich verkaufe modische Lederjacken, so wie diese hier.“ kann man sich im Computerspiel „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ an einer der Wachen vorbeimogeln.

John Williams: Finale & End Credits

Fundstück: Wie wird man laut Popkultur zur / zum Angebeteten?

„TV Tropes“, ein Wiki über Erzählmuster in der Popkultur (Vorsicht, nicht anfangen zu lesen, wenn man nicht einige Stunden Zeit hat!), habe ich ja schon zweimal in passendem Kontext erwähnt. Diesmal ist es das eigentliche Thema des Artikels. Ich hatte seit Jahren einen (nicht ernst gemeinten) Artikel im Gedächtnis, der auflistet, welche Kniffe laut Popkultur helfen, damit man für die Dame oder den Mann seines Herzens interessant wird:

Just For Fun / How to Become a Love Interest

Für mich ist es in erster Linie lustig, was das zum Teil für Klischees sind. Bei den Frauen: werde Cheerleader, färbe Dir die Haare rot, lass Dein Haar offen und hol Dir Kontaktlinsen, aber auch: hole Dir eine Brille; bei den Männern: Zieh Dein T-Shirt aus, schwöre der Liebe ab, hole Dir eine Lederjacke, rette sie aus höchster Not.

Natürlich darf man nicht vergessen, dass man mit Sachen, die in Filmen funktionieren, in der Realität im Gefängnis landet oder sich zumindest einen Schlag in die Fresse holt, etwa bei so „romantischen Gesten“ wie laute Musik in der Öffentlichkeit (egal, ob selbst gesungen oder abgespielt).

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Heath Ledger singt es in „10 Dinge, die ich an Dir hasse“ – und es ist eine Standardnummer für „überkandidelte Liebeslieder, um in unpassenden Situationen Peinlichkeit zu erzeugen“.

Frankie Valli and The 4 Seasons: Can’t Take My Eyes Off of You

Warum ich heute einmal „erzählmirnix für Arme“ mache

Mit ein wenig Übung bekommt man das sicher in ein paar Minuten in einem Zeichenprogramm hin, aber mir fiel kein passender Text für Rechtsi und Linksi ein. Stellt Euch also einfach als phantasiebegabte Menschen die üblichen roten Kreuze und grünen Haken über einem Bild vor, wie man es ansonsten von erzählmirnix kennt:

Wie man am besten mit Vergewaltigungsvorwürfen umgeht

falsch:

  • Polizei und Justiz einschalten
  • sich mit einem eigenen Urteil weitgehend bedeckt halten
  • andere Beteiligte als Menschen mit Eigeninteresse betrachten

richtig:

  • anonymen Beschuldigungen im Internet glauben
  • den Beschuldigten bereits vorsorglich zum sozialen Tod verurteilen
  • bekannte Beschuldiger mit Geld oder Posten (z.B. dem des Beschuldigten!) ausstatten

Als Inspiration dienten zwei Artikel in der Zeit über Jacob Appelbaum:

  1. Starke Zweifel an Vergewaltigungsvorwurf (kurz, leichter verdaulich)
  2. Was hat dieser Mann getan? (seltsamer Schreibstil, viele Details)

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Auf die Geschichte bin ich erst aufmerksam geworden, als sie (nicht-öffentlich) als Aufhänger dafür verwendet wurde, der Grundsatz „unschuldig, bis das Gegenteil bewiesen ist“ befördere „rape culture“.

Billy Joel: An Innocent Man

Fundstück: Ahoi Polloi dreimal zu „hate speech“

Ahoi Polloi hatte ich bereits zweimal erwähnt. In den vergangenen Monaten sind eine ganze Reihe guter Cartoons erschienen. Sogar drei davon behandeln „hate speech“ in verschiedener Form:

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal natürlich mit Hass im Titel.

Shock Therapy: Hate Is Just A Four Letter Word

Fundstück: Besprechung von Nina Degeles „Gender/Queer Studies“

In der Debatte um die (Un-)Wissenschaftlichkeit der Gender Studies wurden auch enführende Bücher erwähnt, weil sie von Leszek als Maßstab für die Beurteilung einer Disziplin herangezogen wurden. Unter anderem kam dabei „Gender/Queer Studies“ von Nina Degele vor. Leszek hat inzwischen angekündigt, dieses Buch ein weiteres Mal zu lesen, um die Diskussion zu vertiefen.

Passenderweise habe ich eine Besprechung durch „cis scum“ (aufkreisch) gefunden, ursprünglich ein Kommentar bei Alles Evolution unter dem Artikel „Warum es wichtig ist, mal ein Buch der anderen Seite zu lesen“. Ab hier der Original-Wortlaut des Kommentars:

Das letzte Buch das ich gelesen habe – von Bücher zu speziellen Fachthemen aus feministischer Perspektive abgesehen – war „Gender/Queer Studies“ von Nina Degele. Ich habe es mir gekauft, weil es als Einführungswerk für Studenten der “Gender Studies” beworben wird.

Zunächst muss ich die Autorin loben. Auf nur 150 Seiten stellt sie eine Systematik vor, die es Studenten ermöglichen soll, verschiedene Ansätze und Autoren aus der „Frauenforschung“ (und angrenzender oder sich daraus entwickelnder Bereiche) der letzten Jahrzehnte historisch und methodisch einzuordnen. Sie unterscheidet zwischen drei Strömungen: „strukturorientierte Gesellschaftskritik“, „interaktionistischer Rekonstruktivismus“ und „diskurstheoretischer Dekonstruktivismus“. Sie ordnet verschiedenen Autoren (Butler, etc.) den jeweiligen Strömungen zu, jedoch nicht ohne zu betonen, dass die Einteilung teilweise künstlich, alles andere als eindeutig ist. Mir fehlt das nötige Hintergrundwissen, um beurteilen zu können, ob die so kategorisierten Autoren mit einer solchen Systematik einverstanden wären oder nicht. Auf mich persönlich macht es einen sehr hilfreichen Eindruck. Die Unterteilung und weitere Verfeinerungen davon, die sie in den Unterkapiteln gibt, scheinen wirklich hilfreich zu sein, um die Meinungsvielfalt im feministischen Spektrum zu verstehen.

Meine Vorurteile über das Fach hat sie allerdings nur bestätigt. Hervorgegangen sind diese Fachbereiche (gender studies/queer studies) letztlich aus bestimmen politischen oder moralischen Bewegungen. Sie haben sich dann wild Ansätze aus der Philosophie, Literaturwissenschaft und anderen Fachbereichen zusammengeklaut, um diesen moralischen und politischen Forderungen den Anschein einer wissenschaftlichen Basis zu geben. Die Auswahl finde ich aus zwei Gründen merkwürdig.

Erstens haben die Ansätze in den entsprechenden Fachwissenschaften häufig einen eher fragwürdigen Ruf. Man kann zum Beispiel ohne Probleme Professor für Philosophie werden, ohne sich jemals auch nur oberflächlich mit Derrida (oder auch Butler) beschäftigt zu haben. Und die, die sich damit beschäftigt haben, behandeln ihn vielfach als abschreckendes Beispiel. Aber innerhalb der „gender studies“ genießen solche Autoren dann Kultstatus.

Zweitens ist der Hintergrund der Autoren merkwürdig. Wenn sie über Männlichkeit und Weiblichkeit reflektieren wollen, warum greifen sie nicht auf die normalen Methoden der empirischen Wissenschaften zurück, sondern instrumentalisieren so viele fachfremde Autoren wie Philosophen und Literaturwissenschaftler?

Was innerhalb der „gender studies“ unter Interdisziplinarität verstanden wird, ist sehr verstörend. Es diskutieren hier nicht ausgebildete Soziologen, Ökonomen, Philosophen, Literaturwissenschaftler, Theologen und Naturwissenschaftler aus ihrer jeweils eigenen Perspektive, deren Grundlage und Systematik sie beherrschen, über ein Thema. Stattdessen bedienen sich „Gender studies“-Studenten ausgewählter, umstrittener, fachfremder Methoden, deren Grundlagen und Systematik sie nicht verstehen können, da sie nicht Teil ihres curriculum sind. Was soll das? Warum studieren sie nicht erst mal ein Fach richtig und systematisch und wenden dann die dort erlernten Methode auf das Gebiet ‚gender‘ an?

Immerhin gesteht Degele ein, dass die aufgegriffenen Ansätze sich auch noch gegenseitig widersprechen und ein wirres Nebeneinander besteht. Sie will aber Wege aufzeigen, wie man diese Ansätze als sich gegenseitig ergänzende Methoden der „gender/queer studies“ begreifen kann. Ein Ansinnen, dessen Motivation sie zwar skizziert – inhaltlich überzeugend finde ich das aber nicht. Es ist schon sehr entlarvend, dass sie in einem Einführungswerk für Studenten eine sehr eigene Perspektive bewirbt. Es verdeutlicht, wie wenig man es mit einer “Normalwissenschaft” zu tun hat. Im Vordergrund stehen moralische oder politische Anliegen und dann basteln sie sich eine Theorie drumherum, wie es gerade passt. (Da finde ich dann Autoren wie Riki Wilchins ehrlicher. In ihrer Einführung zur „Gender Theory“ gesteht sie gleich im Vorwort ein, was für sie daran so toll ist: „praktische Lebenshilfe“, ein „Werkzeugkasten“, der es ihr „ermöglicht, die Welt in den Griff zu bekommen“. Dagegen ist natürlich nichts zu sagen.)

In den letzten 100 Seiten des Buches stehen dann nicht mehr die Methoden und abstrakte Diskurse im Vordergrund. Andere Autoren, nicht Degele selbst, diskutieren, wieso verschiedene “Frauenforscher” zu konkreten Einzelthemen (Pornographie, Sexarbeit, usw.) zu so unterschiedlichen Einschätzungen kamen. Anhand der im ersten Teil vorgestellten Systematik und Historie sollen die Studenten nachvollziehen, wie es dazu kaum. Reichlich verstörend finde ich, wie sehr einzelne Autoren dabei ihre eigene, meist moralisch motivierte, Sichtweise betonen und dem Studenten nahelegen. Es sollte doch primär darum gehen, für die Studenten die Methodik hinter den jeweiligen Argumenten verständlich zu machen – und nicht schon mittels pejorativen Wortwahl und unsachlicher Darstellungen der Gegenposition für die eigene Sichtweise zu werben. Von Autoren, die politischen Aktivismus und Wissenschaft schon aus Prinzip nicht auseinanderhalten wollen, kann man wohl auch keine Fairness im Umgang mit Fachkollegen erwarten.

Nachtrag: „man in the middle“ erwähnte als Antwort auf den Kommentarunter anderem seine Liste über einführende Lehrbücher in die Gender Studies. Er verwendete sie ebenfalls kürzlich in seiner Begründung dafür, warum die Gender Studies unwissenschaftlich sind.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? „Don’t judge a book by its cover“ – „Beurteile ein Buch nicht nach seinem Titelbild“ – das ist doch ein gutes Motto für eine Diskussion um Bücher.

ABC: The Look of Love