Warum ich den Begriff „Streik“ unangemessen finde

Es ist mir neulich noch einmal aufgefallen, als ich einen Blogartikel las, der mir ansonsten gut gefiel: Es war vom „Männerstreik“ die Rede. Damit war in etwa gemeint, dass sich Männer nicht den Forderungen fügen, die die Gesellschaft (zumindest laut veröffentlichter Meinung) an sie stellt. Ich habe noch einmal nachgedacht, warum ich das eigentlich als falsch empfinde (abgesehen davon, dass ein echter Streik der Männer nicht funktionieren kann): Es steckt eine sehr negative Bewertung darin, was das Verhalten „der“ Männer angeht. Denn was macht einen Streik aus?

  1. Er ist (für sich) „unvernünftig“ und wird gerne als „trotzig“ oder „uneinsichtig“ gebrandmarkt. Man denke daran, wie wenige Arbeitskämpfe es im internationalen Vergleich in Deutschland gibt und wie negativ diese in der Presse dargestellt werden!
  2. Er keine langfristige Möglichkeit, sondern muss irgendwann aufgegeben werden. Dieses Verhalten bietet keine dauerhafte Perspektive.
  3. Er ist nicht das eigentliche Ziel, sondern nur das Mittel dafür. Die Streikenden stellen Bedingungen, um wieder zu den gewohnten Verhältnissen zurückzukehren.

Was aber, wenn es in diesem Sinne gar kein Streik ist? Was, wenn sich ein Teil der Männer angesichts der vergifteten Debatte und den mageren Aussichten so weit es geht aufs Private zurückzieht und das beste aus seinem Leben macht? Viele könnten – jeder für sich, eben ohne die Notwendigkeit, sich als Gruppe abzusprechen – damit durchkommen. Denn hinter irgendwelchen Moralappellen à la „Verantwortung übernehmen“, die in Abwechslung zu latenter Abwertung von Männlichkeit (Trottel, Trampel, Täter) geäußert werden, steht keine echte Macht. Wenn das genügend Männer tun, ist die Party (die netto auf Kosten von Männern finanziert wird) für die Gesellschaft irgendwann vorbei.

Für den Fall, dass kein Verständnis für individuelle Entscheidungen von Männern herrscht, weil das gesamtgesellschaftliche Ergebnis daraus unbefriedigend auszufallen scheint, fällt mir ein Vergleich ein: Frauen in Deutschland den sogenannten „Geburtenstreik“ vorzuhalten, ist auch kein sinnvoller Beitrag zu einer vernünftigen Debatte. Jemandes Verhalten mit einem Streik gleichzusetzen ist keine Lösung, sondern verschleppt nur die Ursachenforschung.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Es ist der Abschied vom Packesel, der für gesellschaftliche (Miss-)Verhältnisse viel bedrohlicher ist als ein Streik:

erst das ständige Fordern vom Aufbrechen von Rollen in Kombination mit dem negativen Umdeuten aller bisheriger männlicher Rollen hat dazu geführt, dass viele Männer “aufwachen” und sich fragen, warum sie so weitermachen sollen.

The Rolling Stones: Beast of Burden

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