Neoliberalismus, feministisch kritisiert: Katrine Marçals »Machonomics«

Im Folgenden rezensiere ich ausführlich das Buch Machonomics der schwedischen Journalistin Katrine Marçal. Ich rezensiere es ausführlich, weil es in meinen Augen ein mustergültiges Beispiel dafür darstellt, wie das kritische Vermögen einer eigentlich nicht unklugen Autorin durch ideologische Voreingenommenheiten beeinträchtigt wird und das Resultat ihrer Arbeit bei aller sprachlichen Eleganz zum Fließbandprodukt einer feministischen Bewusstseinsindustrie werden lässt, dem am Ende die Bestätigung vorgefasster Ansichten wichtiger ist als eine Ausschöpfung des kritischen Potentials des von ihr angeschnittenen Themas.

Das eigentliche Thema der Autorin ist das ökonomische Menschenbild, also diejenigen anthropologischen Fiktionen, die den modernen ökonomischen Theorien seit Adam Smith zur Beschreibung des wirtschaftlich handelnden Menschen unterlegt wurden. Sie versucht aber, diesem Thema eine zusätzliche feministische Wendung zu geben, indem sie dieses Menschenbild auf die Rolle des Mannes in der modernen Gesellschaft bezieht. Die englische Sprache bietet hierzu einen rhetorisch günstigen Anknüpfungspunkt, nämlich die Doppelbedeutung von »economic man«: »Mensch« und »Mann«. Damit ist zugleich auch schon die Kritikfigur benannt, derer sich Marçal bedient: die alte, vom Feminismus adaptierte These Georg Simmels von der Identifizierung des Männlichen mit dem Neutralen und Objektiven, angereichert um eine Kritik der theoretischen Vernachlässigung der Reproduktionssphäre. Für das Material ihrer Argumentation zieht die Autorin einen historischen Längsschnitt durch die Geschichte der ökonomischen Theorien – beginnend mit Adam Smith, und endend mit dem »neoliberalen Menschenbild«. Wie formuliert die Autorin ihre Kritik dieses Menschenbildes, und wie wirkt sich ihr feministischer Standpunkt auf diese Kritik aus?

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