Kurznachrichten vom 11.03.2016

1: Daisy Ridley, die Darstellerin der Rey im neuen Star Wars-Film, wird für ihre Darstellung in dem Film kritisiert. Warum? Weil sie zu schlank ist.

„I can’t believe the unrealistic expectations I’m setting for young girls,“ a speech bubble read. „Don’t they know real women have curves?“

Da möchte man meinen, Rey ist eigentlich das feministische Idealbild der taffen Powerfrau, die sich in allen Situationen locker durchschlägt und alles auf Anhieb kann, weil sie ja im Besitz einer Vagina ist, und nun das. Ridley will sich aber nicht dafür entschuldigen, wie sie ist, und meint stattdessen:

I’m a normal girl thrust into extraordinary circumstances, just like Rey.

Genau. Als „Normal Girl“ fliegt man ja eben mal so einen Millenium Falcon ohne Einweisung perfekt durch sämtliche Schluchten und Engstellen und prügelt im ersten Schwertkampf seines Lebens einen Sith-Lord mit halber Jedi-Ausbildung fast zu Boden. Ja nee, is klar.

2: Kommen wir zu den positiven Nachrichten: „Bier verbessert Ihre Leistung im Bett„, meint gentside.de herausgefunden zu haben. Na, das ist doch mal endlich eine gute Nachricht für Männer.

3: Im STERN echauffiert sich Sarah Stendel über die Partnerwahlkriterien des „Bachelor“. Und argwöhnt dabei, dass dies nicht seine eigenen seien, sondern die des Senders. Dabei macht sie allerdings genau dasselbe, nämlich ihm vorschreiben zu wollen, welche Kriterien denn genehm seien. Wo kämen wir denn hin, wenn Männer selbst entscheiden könnten, nach welchen Kriterien sie sich Partnerinnen aussuchen?

4: Das kommt raus, wenn man eine Kampagne für „Women in Tech“ machen will und es gründlich versemmelt:

https://twitter.com/Crisprtek/status/707801866126663680

Danisch hat da auch was dazu.

5: Zum Weltfrauentag hat extra 3 schon letztes Jahr was „lustiges“ gemacht. Nach dem Motto: Männer, jammert nicht rum, ihr seid eh überall privilegiert. Was das für ein Geschrei gäbe, würde man sich über Frauen so lustig machen.

6: Das Bundesforum Männer beweist wieder einmal, dass es alles andere im Sinn hat als eine Interessensvertretung für Männer zu sein, weshalb man auch für die Verschärfung des Sexualstrafrechts ist, das es noch einfacher als bisher ermöglichen wird, alleine aufgrund der Aussage des vermeintlichen Opfers zu verurteilen.

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15 Kommentare zu „Kurznachrichten vom 11.03.2016“

  1. zu 1)

    Feministische Helden müssen wahrscheinlich so aussehen:

    und alles können ohne sich anstrengen oder sich vorher in irgendeiner Art Erfahrung/Wissen/Skill angeeignet haben zu müssen

    zu 3)

    Typisches „Was Frauen wollen und Männer wollen sollen“. Anderseits heißt es dann aber „No man has the right to tell a woman what…“ ever.

  2. Zu 1) Das ist ein grosser Irrtum. Das Originalbild ist Satire!

    Das ganze ist ein Riesenmedien-Drama, da das Maedchen, was das Bild ausser Kontext neu gepostet hat angeblich geistig leicht behindert sein soll.

    Mehr Infos hier:

    https://lporiginalg.wordpress.com/2016/03/11/dear-diary-today-i-fucked-up-and-made-a-meme-so-dank-daisy-ridley-had-her-1-4-million-followers-chase-a-retarded-girl-off-the-internet/

    Spannend sind allerdings die Reaktionen der Medien:

    Von Thin-Shaming bis „white-male-patriarchy-Hollywood“ ist alles dabei.

  3. *Da möchte man meinen, Rey ist eigentlich das feministische Idealbild der taffen Powerfrau, die sich in allen Situationen locker durchschlägt und alles auf Anhieb kann, weil sie ja im Besitz einer Vagina ist, und nun das.*

    Soll das etwa bedeuten, dass Luke Skywalker eigentlich ein Mädchen ist? o.O

    1. Ein interessanter Vergleich. Luke wurde doch stets als weinerlich oder brav verspottet – im Gegensatz zum deutlich beliebteren Han Solo. Von einer Darstellung als „taff“ oder „sich in allen Situation locker durchschlagend“ ist mir jedenfalls nichts bekannt.

      Tatsächlich war einer meiner Gedanken zu Rey: Wow, gegen die wirkt selbst Luke Skywalker nicht mehr übertrieben oder platt!

      1. *Luke wurde doch stets als weinerlich oder brav verspottet *
        Er wollte halt echt unheimlich gerne zur Toshi Station! ^^

        *Wow, gegen die wirkt selbst Luke Skywalker nicht mehr übertrieben oder platt!*
        Das ist natürlich auch echt fair, die jahrzehntelange Entwicklung eines Charakters mit der in einem einzigen Film zu vergleichen.

      2. „Das ist natürlich auch echt fair, die jahrzehntelange Entwicklung eines Charakters mit der in einem einzigen Film zu vergleichen.“

        Ich frage mich aber warum die keine jahrzehnte lange Entwicklung von Rey geplant haben. Im ersten Film gleich einen Sithlord besiegen, der auch von Luke Skywalker ausgebildet wurde und der zudem das Skywalker-Machtpotential von Leia Seite hat? Das ist irgendwie als ob die lieber gleich das ganze Pulver verschießen, um zu vermeiden, dass dem Publikum langweilig wird.

        Wer soll den in den möglichen Vorsetzungen noch der Gegner sein? Dieser Gollum-Verschnitt? Der wird kaum mächtiger sein wie Darth Vader oder der Imperator.

      3. Er wollte halt echt unheimlich gerne zur Toshi Station! ^^

        Volltreffer!

        Das ist natürlich auch echt fair, die jahrzehntelange Entwicklung eines Charakters mit der in einem einzigen Film zu vergleichen.

        Ich kenne Luke Skywalker im wesentlichen nur aus den drei Filmen. Selbst da ist seine Entwicklung extrem beschleunigt.

        Du hast Recht, dass es ein schiefer Vergleich wäre, die drei Filme gegen einen Film aufzuwiegen. Außerdem wird man mit einer neuen Filmreihe immer versuchen, noch einen draufzusetzen, und deswegen bereits im ersten Film mehr Pulver verschießen.

        Ich finde, dass Rey zu sehr Mary Sue geworden ist. Was sie von Beginn an alles kann und weiß, wie schnell sie dazulernt auf ein beeindruckendes Niveau und ihr ein Charakter wie Han Solo vertraut. Ihre größten Schwächen sind, treu auf ihre Familie auf einem heruntergekommenen Planeten zu warten und vor ihrer Zukunft davonzulaufen (mal eben in den Wald – kleiner irrationaler Ausbruch).

        Einige ihrer schönsten Szenen war für mich, wie sie mit Finn in dem Falken flieht. Man weiß, was in dem Raumschiff steckt, aber beide Menschen sind noch so wenig vertraut mit ihm, dass sie es so gerade schaffen.

        Ich finde nicht, dass Rey langweilig ist, „weil sie eine Frau ist“, sondern dass sie als Charakter im ersten Film nur wenige Ecken und Kanten hat. Das läßt sich sicherlich ausbauen!

        Zum Vergleich: Luke kann in Star Wars IV sein Machtpotential aktivieren und irgendwelche Ballerspielchen mit der T-16 gegen 2 Meter große Ratten reichen als Ausbildung für den Todessternangriff. Gleichzeitig ist er quengelig, undiplomatisch und naiv. Jeder möchte gerne den Todesstern so in die Luft jagen, aber die milchbubihafte Seite ist dann eher abtörnend. Dass das 1977 den breiten Publikumsgeschmack bediente („Farmjunge“ passt ja perfekt auch als Identifikationsfigur für Leute aus der Provinz) – keine Frage. Und es funktioniert auch heute noch.

        Das ist für mich auch das größte Argument für die Personenkonstellation im neuen Film: Sie tut niemandem allzu sehr weh, hat übliche leicht holzschnittartige Helden, so dass es für den Massenmarkt taugt. Mit Rey werden bestimmte Erwartungen an „starke weibliche Charaktere“ bedient, die derzeit stark gefordert werden. Nichts besonderes aus meiner Sicht – das gibt der Markt eben her.

      4. „Außerdem wird man mit einer neuen Filmreihe immer versuchen, noch einen draufzusetzen, und deswegen bereits im ersten Film mehr Pulver verschießen.“

        Hm, das könnte stimmen. Gefallen tut es mir nicht. Teil 2: noch mehr Explosionen. Teil 3: nach viel mehr Explosionen. Filme werde dadurch m.M.n. nicht besser und gute Handlungen scheinen darunter zu leiden.

        Mich stört an diesem Star Wars hauptsächlich die Story, die im Grunde die gleiche ist wie in Episode IV. Es gibt ein ganzes erweitertes Star Wars Universium mit über 100 Bücher und gänzlich unterschiedlichen Handlungsplots, aber der neue Film ist dann im Grund wie der alte. Das fand ich ziemlich arm.

      5. Ich habe meine Einschätzung der Lage (auch in Bezug auf Kylo Ren) bereits in einem Blogbeitrag verwurstet, und wiederholen tu ich mich nur, wenn ich dafür bezahlt werden, alsooo…. 😀

    2. Eben nicht. Wenn Du Dich richtig erinnerst, konnte Luke am Anfang gar nichts. Er konnte ein wenig die Macht spüren, das wars aber auch. Ansonsten hat er sich angestellt wie der letzte Depp. Da hat es lange Zeit der Ausbildung durch erst Obi-Wan und dann Yoda gebraucht, um sich überhaupt erst Darth Vader stellen zu können. Und dann verliert er nicht nur den ersten Kampf mit ihm, sondern dabei auch noch seine Hand. Rey dagegen prügelt Kylo Ren problemlos in ihrem ersten Schwertkampf ihres Lebens zu Boden, wobei er nur knapp durch Zufall gerettet wird.

      Das kommt dabei raus, wenn man die beiden vergleicht.

      1. *Da hat es lange Zeit der Ausbildung durch erst Obi-Wan und dann Yoda gebraucht*

        Ja, insbesondere die Ausbildung durch Obi Wan war ausgesprochen umfassend. ^^

        *Ansonsten hat er sich angestellt wie der letzte Depp.*

        Ja, er hat es ja sogar versemmelt den Todesstern in die Luft zu jagen. Moment…

  4. Zu der Star-Wars-Nummer:
    Es ist müßig, Skywalker und Rey zu vergleichen. Das zentrale Problem an dieser Debatte ist die Forderung an die Kunst nach Repräsentation aller vorstellbaren Typen einer Gesellschaft. Das ist ein Übergriff. Kunst sollte frei sein. Kunst sollte der Ort sein, wo man tabulos spielen kann. Wenn man aber erzwingen will, dass Kunst den politischen Richtlinien einer Interessengruppe entspricht, wird sie unfrei und zum Instrument.

    Ich verstehe das Drama auch nicht so ganz. Da guckt jemand Star Wars, ist aber unzufrieden mit dem Hauptcharakter. Also sollen die Macher im Grunde den Film umbauen. Doch niemand zwingt einen, Star Wars zu gucken. Die Unzufriedenen können sich anderen Filmen zuwenden, die mehr nach ihrem Geschmack sind. Aber die Kritiker halten an Star Wars fest und wollen dieses Produkt ihren Maßstäben unterwerfen. Sie wollen die Saga für sich bewahren, als sei sie unverzichtbar und nicht einfach nur ein Stück Unterhaltung ohne tieferen Sinn.

    Es ist schon seltsam, womit sich manche Leute beschäftigen. Ein weiteres Beispiel gab es bei fefe: http://blog.fefe.de/?ts=a81b12fb Die angeblich fehlenden weiblichen Emoji…

    Letztlich bedeutet dieses Gemecker, dass man kaum noch etwas unbeschwert genießen kann. Immer muss man sich rechtfertigen, obwohl man weder die Emojis noch den Film gemacht hat. Immer wird ein Haar in der Suppe gefunden. Das Kritisierte wird so dargestellt, dass es ein zentrales gesellschaftliches Problem sei, zu dem man sich zwingend positionieren müsse. Es ist somit keine Geschmacksfrage mehr, wo man einst Toleranz walten ließ, indem man sagte „Über Geschmack lässt sich nicht streiten“. Stattdessen wird alles politisiert.

    Dabei ist der Witz am Fiktionalen eben der, dass man keinen Filmcharakter sonderlich ernst nehmen muss. Der existiert nur auf der Leinwand, so dass man auch bei schlimmsten Bösewichten sich zurücklehnen kann und nicht Partei ergreifen muss. Diese Unbeschwertheit ist der Sinn von Filmen. Feministinnen scheinen aber Probleme mit Unbeschwertheit zu haben.

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