Kurznachrichten vom 07.03.2016

 

In den letzten Tagen hatte ich wenig Zeit und Lust zum Schreiben, also hat sich einiges angesammelt. Dann mal los…

1: Christian von Alles Evolution weist auf einen Aufruf der Süddeutschen Zeitung per Twitter hin, nach dem Material zum Thema „Gleichberechtigung“ gesammelt wird.

Christian hat gleich mal ein paar Links geschickt. Wir dürfen es ihm nachtun.

2: Hadmut Danisch ist auf einen Wettbewerb des NRW-Emanzipationsministeriums mit Namen #netzheldin gestoßen, den dieser Beitrag gewonnen hat, und den Danisch gebührend kommentiert.

3: Der Studierendenrat der Universität Halle hat mal eben 8000 Euro studentischer Mitgliedsbeiträge dafür übrig, um Erstsemester mit veganen Verhüterli zu beglücken.

4: In der Rubrik: „Das sanfte Geschlecht“ gibt es heute wieder zwei hübsche Beiträge. Hier der erste:

Am Dienstagabend schlug eine Frau in der Notfallambulanz des Stendaler Johanniterkrankenhauses so heftig auf einen Mann ein, dass die Polizei gerufen werden musste.  Eine 32-jährige Frau schlug fortwährend mit einem Rucksack auf einen 29-jährigen Mann ein, während dieser in Behandlung war. […] Zum Motiv wurde bekannt, dass die Frau vor einigen Tagen Geburtstag hatte und der Mann nicht gratulierte.

Im zweiten Fall ist nicht nur das sanfte Geschlecht, sondern mit ihm in Personalunion auch die Religion des Friedens beteiligt:

Hinweise verdichten sich, dass die Messerattacke eines Mädchens auf einen Bundespolizisten einen islamistischen Hintergrund hatte. Die 15-Jährige hatte vor einer Woche in Hannover dem Beamten mit einem Küchenmesser in den Hals gestochen und ihn schwer verletzt. […] Bereits als Siebenjährige hatte sie Kontakt zu dem Salafistenprediger Pierre Vogel. In einem Video mit ihm rezitierte sie Koranverse. Ob die 15-Jährige selbst zur Salafistin wurde, ist unklar.

5: In einem lesenwerten Beitrag stellt sich Thorsten Barnickel auf den Seiten des Humanistischen Pressedienstes (hpd) zwischen biologistischen Essentialismus von klerikal-konservativen Kräften einerseits und kulturalistischen Gendertheoretiken andererseits und plädiert stattdessen für ein „uneingeschränktes Ja zum Wissenschaftsprinzip in Schule, Unterricht und Lehrerbildung“ und die Einbindung der „Erkenntnisse der Evolutionsbiologie bezüglich wesentlicher Aspekte menschlichen Sozialverhaltens einschließlich derer bezüglich Geschlechterfragen“.

Im Hinblick auf die Unvereinbarkeit mit dem, was die Biologie zu Geschlechterfragen zu sagen hat, stehen sich kulturalistische Formen der Gendertheorie und christlich-religiöse Vorstellungen vom „Schöpfungsplan“ Gottes für den Menschen bzw. Mann und Frau in nichts nach. Würden Schüler im Biologieunterricht angemessen über die evolutionsbiologischen Grundlagen der Zweigeschlechtlichkeit, über die Vielfalt der in der Natur beobachtbaren direkten und indirekter Reproduktionsstrategien im Allgemeinen und den Bedeutungsgehalt des beobachtbaren Geschlechtsdimorphismus beim Menschen im Speziellen informiert, würde von der Vorstellung, allein die lebenslange und rein monogame Ehe zwischen Mann und Frau, wie sie die Kirchen im Blick haben, entspräche der „natürlichen Schöpfungsordnung“ des Menschen, genau so wenig übrig bleiben wie von der besagten Form der Gendertheorie.

Zu wünschen wäre das m.E., ich halte das aber leider für sehr optimistisch. Bis dahin ist noch ein langer steiniger Weg.

6: In einem weiteren Beitrag beim hpd behauptet der Journalist Kaan Göktas, dass die Genitalverstümmelung von Jungen („Beschneidung“) nichts mit dem Islam zu tun habe, weil sie mit dem Koran nicht begründet werden könne. Dies sei ein weit verbreiteter Irrtum. Der Prophet Mohammed und die ersten Muslime seien nicht beschnitten gewesen.

Es gibt keinen Eintrag über Beschneidungen im Koran. Ganz im Gegenteil, im Koran steht: “Gott hat den Menschen vollkommen erschaffen und er darf nicht verändert werden.”

Wenn sich das in der muslimischen Gemeinde herumsprechen würde, wäre es sicher ein Fortschritt. Ich fürchte nur, es wird als Einzelmeinung angesehen werden und viele Imame werden weiterhin die Beschneidung propagieren.

7: Wo wir es gerade über Gender und Islam haben: Mo von „Jesus and Mo“ entdeckt gerade seine weibliche Seite:



8: In den USA ist an der University of Kansas eine weitere Professorin unter den Beschuss von Studenten der PC- und SJW-Fraktion geraten. Ihr Vergehen: Sie hat das böse N-Wort benutzt, zwar nur als Zitat, aber selbst das reicht aus, damit sich Studenten dort uncomfortable fühlen. Ein weiteres Vergehen von ihr war, zu Bedenken zu geben, dass Studenten eventuell für ihr Scheitern selbst verantwortlich sein könnten.

Quenette’s use of the n-word, however, was not her students’ only complaint. She also suggested that students were dropping out of KU not because they were victims of racism or felt threatened on campus, but because of their low grades. Uh oh.

9: Passend dazu ein netter Sketch vom Mitchell und Webb, der ein wenig das SJW-Denken aufs Korn nimmt:

10: OT-Beitrag des Tages: Die angebliche Analyse des baden-württembergischen Wahlprogramms der AfD der Piratin Katharina Nocun (Spitzname „Kattascha“) schwirrt nun ja schon seit längerem viral durchs Netz. Allerdings entpuppt sich das bei näherem Hinsehen als eine manipulative Effekthascherei, in der sie die AfD-Aussagen größtmöglich negativ interpretiert. Kattascha verdreht die Aussagen so, dass sie möglichst Nazi-mäßig klingen. Das haben ihr bereits zwei Blogs nachgewiesen, die mal genauer als sie selbst im AfD-Programm nachgelesen haben und die wohlgemerkt betonen, dass sie selbst nicht gerade AfD-Fans sind. Die Blogs sind seidwalk und Huhn meets Ei. Wer nur Zeit für einen Beitrag hat, der von „Huhn meets Ei“ ist m.E. einen Tick besser.

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12 Kommentare zu „Kurznachrichten vom 07.03.2016“

  1. Das Kattascha Ding: Natürlich legt sie das maximal negativ aus. Aber.. und darum habe ich das auch geteilt und stehe dahinter: Es werden auch immer die entsprechenden Stellen des Wahlprogramms zitiert. Hier wird ganz klar zwischen Fakt und Meinung getrennt. Ich kann da nichts Verwerfliches dran sehen.

    1. Nun ja, die Interpretation ist schon sehr frei. Vor allem, wenn Kattascha da von Zwangsarbeit fabuliert. Das steht schlicht und einfach nicht im Originaltext. Da ist von Zwang überhaupt keine Rede, das liest sich viel mehr nach Freiwilligkeit. Aber Hauptsache, man hat eine Assoziation zum Reichsarbeitsdienst geweckt.

      Das ist eben die Art von Heuchelei im politischen Kampf, die ich überhaupt nicht ausstehen kann: Dem Gegner etwas unterstellen, was der gar nicht gesagt hat. Wo es wahrscheinlich genug Aussagen gäbe, die man sachlich kritisieren kann.

      1. Die Frau ist halt Politikerin. Insofern ist sie eh keine neutrale Instanz. Meine Erwartungen sind darum von vornherein niedrig. Eine Politikerin wird vermutlich kaum mal sagen: Seht mal, DIESER Programmpunkt ist eigentlich ganz cool!

      2. Stünde das so alleine, würde ich dir zustimmen. Aber da die Orginalpassagen dabei sind.. das ist absolut in Ordnung.
        Und du glaubst nicht wirklich, dass den Ultrakonservativen es kein Dorn im Auge wäre, dass da jemand Alg2 bekommt, obwohl er eigentlich Spielplaetze säubern könnte? Ich halte es nicht für abwegig, dass die AfD auch das 1000Euro Angebot ablehnen als Indikator für Sanktionen nehmen würde.
        Die AfD geht ja nun wahrlich nicht zimperlich mit ihren Gegnern um, da sollte sie auch das abkönnen.

      3. Nun ja, die Interpretation ist schon sehr frei. Vor allem, wenn Kattascha da von Zwangsarbeit fabuliert.

        Als ob 1-Euro-Jobs in Verbindung mit Eingliederungsvereinbarungen keine „Zwangsarbeit“ wären. Der Unterschied zum Ansatz der AfD ist die praktisch nicht nennenswerte Bezahlung. Beim 1-Euro-Job bleibt die Last beim Staat bzw der Kommune hängen, bei einem solchen „Bürgerjob“ beim Arbeitgeber (der durchaus die Kommune selbst sein kann).

        Bürgerarbeit soll ca. 30 Wochenstunden
        umfassen und mit ca. 1.000 EUR monatlich sozialversicherungspflichtig entlohnt werden.

        Mit Mindestlohn bezahlt: 21 * 6 * 8,50€ = 1071€

        Ohne genaue Ausgestaltung kann ich natürlich auch nur spekulieren. Für mich klingt der Ansatz Bürgerarbeit deutlich sozialer als bisherige Regelungen.

      4. Ach ja. Langzeitarbeitslose, um die es hier geht, sind bereits jetzt für ein halbes Jahr von der Bezahlung zum Mindestlohn ausgeschlossen.

  2. Ich wünsche mir manchmal, dass man sich die gleiche Mühe mal gäbe mit den Rechtsauslegern. Ja, Frau Nocun ist vermutlich ne ziemliche Nervtante. Wie ihr ganzes Milieu. Ich habe aber trotzdem den Eindruck einer gewissen Schieflage hier. Denn immer wenn „links“ was sagt, kommt eine Reaktion. Aber die Lügenpresse-Volksverräter-Rufer-Fraktion kommt mir dabei ein bisschen zu gut weg. Die AfD, eine Partei mit einem Höcke in ihren Reihen, ist nicht seriös. Und Rechtsextreme sind ebenfalls gefährlich.

    1. Ich werde mal drauf achten. Natürlich gibt’s da einiges, was mir an der AfD und dem rechten Lager so gar nicht gefällt. Ich habe eigentlich weniger Probleme mit der Zuwanderungskritik. Die muss erlaubt sein, solange man die Menschen nicht pauschal abwertet.

      Wirklich gefährlich finde ich mehr diese Diktatur und Widerstand-Rhetorik und das Gefasel von Artikel 20 GG. Und erst recht diese Drohungen, was man mit den bisherigen Politikern machen werde, wenn man erst mal an der Macht ist. So weit sind wir noch lange nicht in diesem Land, dass man über die vorgesehenen Wege nichts mehr erreichen könnte. Wie man auch gerade an der hessischen Kommunalwahl sehen kann. Die vorgesehenen Wege, Wahlen, Enflussnahme auf die Parteien über die öffentliche Meinung oder auch das Verfassungsgericht, sind leider Mühlen, die ziemlich langsam mahlen. Aber es gibt sie und sie funktionieren auch leidlich. Eine Ergänzung durch Volksentscheide ist aber m.E. schon lange überfällig.

      Seriösität als Kriterium zur Beurteilung von Politik ist für mich kein geeignetes Mittel. Das hängt immer sehr vom Standpunkt ab, was man als seriös empfindet und was nicht. Auf der rechten Seite hält man z.B. sicher die Grünen als Ganzes nicht für seriös. Aber der Höcke ist tatsächlich ein ziemlich unappetitlicher Geselle.

      1. Höcke ist für mich schon ganz schön nahe am Nazi. Die „Volksverräter“-Sprechchöre finde ich beängstigend. Die Rhetorik tendiert vom Stil her schon ein bisschen in Richtung Radikalismus bis Drittes Reich.

        Ich bin freilich dagegen, gleich einen Dämon aufzubauen oder den Untergang der Demokratie zu beschwören. Vermutlich hält unser Land so etwas schon aus. Mir wird allerdings sehr unwohl bei dem, was man da an Emotionalisierung sieht.

        „Seriösität als Kriterium zur Beurteilung von Politik ist für mich kein geeignetes Mittel.“

        Da hast Du natürlich recht, das ist keine sinnvolle Kategorie in der Politik.

      2. „Natürlich gibt’s da einiges, was mir an der AfD und dem rechten Lager so gar nicht gefällt.“

        Was gefällt dir da denn? Mir gefällt da recht wenig bis gar nichts von dem was ich mitkriege und nur weil die regressive Linke gegen die AfD wettert, ist diese Partei nicht gleich unterstützenswert.

      3. @Matze
        Das hier:
        http://genderama.blogspot.de/2016/03/lesermail-afd-baden-wurttemberg.html

        Aber ansonsten gefällt mir da recht wenig, außer dass sie den etablierten Parteien mal so richtig in den Allerwertesten tritt. Ich denke auch, dass die Existenz einer rechtskonservativen Partei durchaus ihre Berechtigung hat, nachdem die CDU da die meisten Positionen nach und nach geräumt hat, um sich in der Mitte noch mehr mit der SPD zu drängeln. Deswegen muss man nicht deren Ansichten sein.

        Leider fehlt auf der linksliberalen Seite derzeit eine wahrnehmbare Protestpartei. Dazu wollte ich schon lange mal was schreiben.

      4. *Höcke ist für mich schon ganz schön nahe am Nazi.*

        Als ich den zum ersten Mal reden gesehen habe, dachte ich mir, dass der ganz schön den Goebbels channelt. Alleine der fehlende Augenkontakt… Gruselig.
        Und da der Mann Geschichtslehrer ist, kann mir auch niemand erzählen, das sei nicht beabsichtigt. Der weiß sehr genau, was er tut.

        *Ich bin freilich dagegen, gleich einen Dämon aufzubauen oder den Untergang der Demokratie zu beschwören. Vermutlich hält unser Land so etwas schon aus.*

        Was ich bedenklich finde, ist dass es da kein Gegengewicht gibt, vor allem durch politische Bildung in Schulen. Ich hab oft Oberstufler, die keine Ahnung haben, wie unser politisches System funktioniert, geschweige denn sich dafür interessieren.
        Das ist natürlich eine Lücke, wo solche Rattenfänger sich bequem einnisten können.

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