36 Fragen an Männer – Teil 3

Hier jetzt Teil drei. Hoffe, ich komme diesmal schneller voran. Bei dieser Gelegenheit mal Dank an Adrian für das Übersetzen der Fragen! Und der Hinweis, dass sich inzwischen auch breakpoint AKA Anne Nühm aus Sicht einer nicht-feministischen Frau an das Beantworten der Fragen gemacht hat.

Hier nochmal zur Erinnerung die Standard-Antwort:

  1. Nein, so verhalte ich mich nicht, und ich wüsste auch nicht, mich jemals so verhalten zu haben.
  2. Ich kenne auch kaum Typen, die sich so verhalten.
  3. Wo treibt Ihr die eigentlich immer auf? Trefft Ihr die nur in der Phantasie, weil ja Männer irgendwie scheiße sein müssen? Oder trefft Ihr solche Typen auch real?
  4. Kann das vielleicht an Euch liegen, dass Ihr solche Kerle geradezu anzieht?
  5. Und vor allen Dingen: Würdest Du die Frage: „Warum benimmst Du Dich entweder wie eine Schlampe oder wie ein Kleinkind?“ für beantwortenswert halten?

Öffentlicher Raum

13) Warum glaubst Du, dass es okay ist, Frauen zu belästigen oder anstößige Kommentare über sie zu machen, wenn Du das nicht gut findest, wenn es Deiner Schwester passiert?

Erstens gilt die Standard-Antwort.

Zweitens: Meine Schwester ist erwachsen, emanzipiert und fraus genug, sich um ihren eigenen Mist zu kümmern.

Drittens: Belästigung ist ein extrem schwammiger Begriff, und es ist offensichtlich auch Absicht, dass Ihr ihn so schwammig verwendet, damit Ihr alles, was Euch nicht passt, in einen Topf werfen und kriminalisieren könnt. Das geht von Grabschen an Geschlechtsteilen bis hin zu einen etwas zu langen Blick ins Dekolleté.

Die Grenze zwischen dem, was ich okay finde und was nicht, liegt ziemlich genau da, wo derzeit auch die strafrechtliche Grenze ist. D.h. Anfassen von primären und sekundären Geschlechtsmerkmalen geht gar nicht, und im verbalen Bereich gilt das für Beleidigung. Anfassen an anderen Stellen ist grenzwertig, das kann manchmal ok sein, auch wenn frau nicht schon explizit ihre Zustimmung signalisiert hat, aber es kann auch leicht über die Grenze gehen. Alles was ohne Berührung abläuft, also nur mit Worten, Blicken, Gesten, Tönen passiert und keine Beleidigung ist, dafür gilt: Wenn Ihr das nicht abhaben könnt, dann macht doch die Bluse zu!

Wohlgemerkt, das ist meine politische Grenze. Meine persönliche Grenze ist anders und ein ganzes Stück enger. D.h. ich enthalte mich fast immer anzüglicher Kommentare, ich bemühe mich, nicht allzu lange auf eine weibliche Brust zu glotzen, und ich bin sehr vorsichtig beim Berühren von fremden Frauen (meistens gar nicht, außer Händeschütteln).

Was aber nicht heißt, dass sich andere nicht anders verhalten dürfen und sich mehr erlauben, ohne dass das gleich strafwürdig sein sollte. Leider versteht das heute nicht mehr jeder. Es ist depremierend, dass viele Vulgärdemokraten heute denken, genau ihre Vorstellung von richtig oder falsch müsste auch so im Gesetz stehen. Wenn jeder durchsetzen könnte, dass verboten wird, was ihm nicht passt, wäre bald gar nichts mehr erlaubt.

Und viertens: Anzügliche Kommentare sind die männliche Variante des Shit-Tests. Wenn sie entspannt regiert oder sogar schlagfertig zurückfrotzelt, ist sie cool. Kriegt sie Schnappatmung und fängt an sich aufzuplustern, ist sie uncool. Ihr in dem Video – Ihr seid uncool.

14) Wie fühlt es sich an, wenn Du mich in einem Meeting unterbrichst, während ich ein Argument vorbringe?

Super. Weil die anderen im Meeting mir dann dankbar sind. (Kann es sein, dass ich grade ein wenig aggressiv werde? Ist das ein Wunder bei diesen Fragen?)

15) Warum müsst Ihr immer so breitbeinig dasitzen? Ich verstehe, Ihr habt Eier, aber ich breite meine Arme auch nicht aus, damit meine Möpse Platz haben.

Ganz einfach: Weil es bequemer ist. Ok, bei manchen Typen ist es wirklich Dominanzgetue, aber das ist nicht der Normalfall. Meistens hat es mit Dominanz oder „Raum einnehmen“, was Ihr uns gerne unterstellt, gar nichts zu tun.

Woher das kommt? Anatomie eben, Evolution. Bei uns ist das Becken schmaler als bei Euch. Das ergibt bei uns Vorteile beim Rennen, Jagen, Kämpfen, bei Euch Vorteile beim Gebären. Außerdem: Unsere Hoden sitzen außen, weil es da ein wenig kühler ist und dadurch die Spermien länger überleben. Deswegen geben wir ihnen auch mehr Freiheit. Wenn wir die Beine parallel stellen müssen, müssen wir uns dazu nicht nur anstrengen, sondern quetschen auch die Hoden ein. Das ist unangenehm bis hin zu schmerzlich.

Das passiert fast immer komplett unbewusst. So wie Ihr wahrscheinlich auch völlig unbewusst die Beine zusammen haltet oder gar übereinander schlagt. Warum? Keine Ahnung. Ich schätze, damit Eure Muschi keine Zugluft kriegt (Blasenentzündung!). Oder vielleicht weil das eine ungewollte sexuelle Aufforderung an Männer wäre.

Wenn ich es mir recht überlege, ist die letzte Erklärung auch der Grund, warum Euch das breitbeinige Sitzen bei Männern so fuchsig macht. Ihr schließt von Euch auf uns und seht überall Männer, die sich Euch penetrant sexuell anbieten, und das nervt Euch. Dabei ist es in Normalfall nicht im mindesten so gemeint. Denkt einfach das nächste Mal: Der will sich nur die Eier kühlen.

Neugier

16) Warum haben Frauen den Ruf des schwächeren Geschlechts. Wir bringen Euch auf die Welt – Wassermelonen, [gequetscht durch eine Zitrone].

Ich weiß es auch nicht, wo doch alle 4 Jahre bei Oympia diese sexy Gewichtheberinnen das Gegenteil beweisen. Ich weiß auch nicht, warum wir beim Sport immer noch nach Männlein und Weiblein trennen, gibt ja schließlich keinen Grund dafür. Und auch keinen, warum wir Euch noch die Wasserkisten in den dritten Stock schleppen sollten.

17) Warum empfindest Du es als so albern, Deine Emotionen zu zeigen? – Emotionen zu zeigen heißt, ein Mensch zu sein.

Wieder so eine Unterstellung. Nein, ich finde es nicht albern. Aber ich verwechlse das auch nicht mit Argumenten.

18) Warum willst Du mir gegenüber ständig Deine Männlichkeit unter Beweis stellen?

Gegenfrage: Warum verleugnest Du Deine Weiblichkeit?

19) Warum zur Hölle ist es nicht “ladylike” zu fluchen? Seit wann gelten Wörter als gegendert?

Fluch, soviel Du willst! Aber beschwer Dich nicht, wenn Du dann eben für ’ne Schlampe oder ein Flintenweib gehalten wirst. Erwarte nicht, für eine Lady gehalten zu werden, denn die drücken sich gepflegt aus und vermeiden Ausdrücke wie „Kackscheiße“. Auch wenn Du das ungerecht und gemein findest: Für das eigene Image ist man in der Regel selbst verantwortlich.

Aber besser ist, Du hebst Dir das Ordinär-Sein fürs Bett auf. Da mögen wir es.

20) Warum ist es Dein erster Eindruck, den Geschichten von Frauen, denen sexuelle Gewalt angetan, oder die vergewaltigt wurden, zu bezweifeln.

Wenn eine Frau wirklich vergewaltigt wurde, gilt Ihr mein volles Mitgefühl, und der Täter sollte bestraft werden. Da gibts überhaupt kein Vertun.

Aber: Es kommt ganz auf die Geschichte an. Wir haben gelernt, dass Ihr gerne mal überdramatisiert. Dieses Video ist der beste Beweis dafür. Und sagen wir es mal so: Ich kann es mir für mich selbst einfach nicht vorstellen, einer Frau solche Gewalt gegen ihren Willen anzutun. Und bei den meisten Männern, die ich kenne, auch nicht. Ich kann mir dagegen gut vorstellen, dass eine Frau lügt oder zumindest sich selbst die Wahrheit zurechtbiegt, zumal ich das schon des öfteren erlebt habe.

Aber das tut alles nichts zur Sache. Wenn so ein Vorwurf aufkommt, muss er gerichtlich geklärt werden, sonst zählt er nicht. Und zwar nach rechtsstaatlichen Regeln, nach denen gilt, dass ein Angeklagter bis zum Beweis des Gegenteils unschuldig ist. Und wenn er freigesprochen wird, ist er das endgültig.

21) Warum glaubst Du, dass eine Frau zornig ist, wenn sie ihre Periode hat?

Umgekehrt: Wir glauben, dass sie ihre Periode hat, wenn sie zornig ist. 😀

22) Warum denkst Du, dass Frauen, die Make up tragen, Etikettenschwindel betreiben?

Hmm, ist es Etikettenschwindel, wenn ein Typ Dich zum Essen einlädt, mit nem Jaguar oder Ferrari vorfährt, um Dich abzuholen, und hinterher findest Du raus, dass er die Kiste nur geliehen hat? Ist ungefähr dieselbe Liga.

22a) Wir könnten dasselbe über Deine Penisgröße sagen.

Nein. Ich hab noch nie was von Push-Up-Penishaltern gehört. Klärt mich auf, wenns das doch gibt! Aber wenn, scheinen die im Vergleich zu Wonderbras nicht so der Verkaufsrenner zu sein.

23) Warum erscheint es Euch nicht merkwürdig, dass legislative Entscheidungen darüber, was ich mit meinem Körper tun darf, von einer Gruppe alter weißer Männer entschieden wird?

Das ist nicht merkwürdig, das nennt man Demokratie. Vielleicht solltet Ihr Euch mal ein wenig mit diesem Konzept vertraut machen.

Weibliche Abgeordnete haben auch mitentschieden, als es 2012 um das Beschneidungsgesetz ging. Hat man da irgendwas von Feministinnen gehört, Frauen sollten sich da raushalten und die Entscheidung alleine den Männern überlassen? Da war gar nichts dergleichen.

Aber wenn Ihr mit der Frage auf Abtreibung anspielt: Wenn Du schwanger bist, ist Dein Körper nicht nur Dein Körper, sondern auch der Deines Kindes. Und das Kind hat auch einen Vater, der auch so seine Vorstellungen hat, was mit dem Kind geschehen soll.

23a) Habt Ihr etwa ’ne Möse?

Nein, aber nochmal: Was tut das zur Sache?

24) Warum sind Heteros so verrückt nach Lesben?

Sind wir? Wenn überhaupt, dann weil ein Dreier mit zwei Frauen zu den Standard-Phantasien von Hetero-Männern gehört. Wobei wir selbstverständlich wissen, dass die „Lesben“ in Pornos keine echten Lesben sind. Deswegen macht mich diese dämliche Getue auch nicht an.

25) Wie fühlt es sich an, eine Tritt in die Eier zu bekommen?

Wahrscheinlich so, wie wenn ein Kerl sich mit dem Ellenbogen auf Deiner Brust abstützt. Also Scheiße. Was hast Du denn gedacht?

26) Wirst es Dir jemals zu viel, ständig männlich erscheinen zu müssen?

Siehe Antwort zu Frage 1: Ich muss gar nichts. Männlichkeit bedeutet vor allen Dingen, sein eigenes Ding zu machen und sich nichts aufschwatzen zu lassen, wie man denn sein müsste. Daher kann es absolut männlich sein, sich weich zu zeigen.

Trotzdem kann es anstrengend sein. Aber grade deshalb, weil es viel anstrengender ist, gegen den Strom zu schwimmen, als irgendwelchen gesellschaftlich vorgegebenen Pseudo-Vorbildern nachzueifern.

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12 Antworten zu 36 Fragen an Männer – Teil 3

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  4. lomi schreibt:

    Bei Adrian hatte ich schon zum Breitbeinig-Sitzen folgendes gesagt:

    Das ist Pseudopolitik, weil die eigentlichen Gründe im Dunkeln bleiben. Die Sitzgröße und Beinfreiheit im ÖPNV ist aus Sparsamkeits- und Effizienzgründen sehr knapp bemessen. Daher sitzt man ohnehin recht eng beieinander. Das gilt bereits für mich als relativ kleinen und schmalen Menschen. Sobald große Menschen neben einem Platz nehmen, wird es „kuschelig“, selbst wenn der große Sitznachbar sich redlich Mühe gibt, sich klein zu machen.

    Ihr Feministinnen sucht für alles die Erklärung in Verhalten und Einstellung des Mannes. Dass aber die Enge im ÖPNV ökonomische Gründe habt, überseht Ihr vollkommen. So können die Entscheider weiter sparen, während Ihr einen Strohmann guillotiniert.

    Und die Unterbrechungen beim Meeting:
    Es fühlt sich vermutlich genauso an wie für Dich oder Euch, wenn Ihr mich unterbrecht. Das passiert nämlich recht häufig.

    • Adrian schreibt:

      „Die Sitzgröße und Beinfreiheit im ÖPNV ist aus Sparsamkeits- und Effizienzgründen sehr knapp bemessen.“

      Das ist korrekt führt aber dennoch nicht dazu, dass Frauen beim Sitzen die Beine breit machen. Die Hoden sind der Grund.

      • lomi schreibt:

        Es wäre aber definitiv ein geringeres Problem, wenn die Sitze größer wären. Dass es als unangenehm empfunden wird, hat mit der Sitzgröße zu tun. Und wahrscheinlich wird die Haltung eines 1,90m großen breitschultrigen Mannes bereits als breitbeinig interpretiert, wenn er nicht dabei komplett verkrampft die Beine zusammendrückt.

        Jetzt stelle Dir die durchschnittlich große Frau zwischen 1,60 – 1,70 neben diesem Mann vor. Selbst ich fühle mich da subjektiv bedrängt, obwohl der Typ nicht drängelt. Aber die Größen- und Breitenunterschiede zwischen mir und ihm sind nicht so krass wie zwischen ihm und den meisten Frauen.

    • aranxo schreibt:

      Bei dem Gemecker geht es doch sowieso viel weniger um das Platzproblem, sondern um das angebliche Dominanzgehabe, das den Damen auf den Zeiger geht. Das sieht man ja auch an ihren Beispielfotos, die da rumgereicht werden. Der Typ, der fotografiert wurde, hat manchmal allen Platz der Welt, weil die Bank frei ist.

      Bei dem hier ist es besonders krass:
      http://www.blogto.com/city/2014/12/manspreading_debate_heats_up_in_toronto/
      Welchen Platz nimmt er denn weg? Wer sollte sich da noch dazu setzen können?

      • Lomi schreibt:

        Bei dem Gemecker geht es doch sowieso viel weniger um das Platzproblem, sondern um das angebliche Dominanzgehabe, das den Damen auf den Zeiger geht.

        Das stimmt natürlich. Aber das macht es ja zur Pseudopolitik. Aus mehreren Gründen:
        – Das Problem ist bei diesem Beispiel gar nicht vorhanden
        – Wäre es vorhanden, es ließe sich nicht politisch – gesetzgeberisch lösen
        – Es gibt auch aus Frauensicht deutlich drängendere Probleme in der Welt, die aber zugunsten von Nebenschauplätzen ignoriert werden.

        Ein besonders krasses Beispiel einer solchen Pseudopolitik war die feministische Kritik an Edward Snowden und seinen Anhängern. Der Vorwurf lautete: Der wird nur hochgejubelt, weil er ein Mann sei. In dem Zusammenhang erhielt Sascha Lobo dann auch das Etikett „Privilegienpenis“. Zumindest mit Feministinnen diskutierte man danach nur noch darüber, ob dieser Vorwurf zutrifft, während das Überwachungsthema zur Nebensache geriet.

        Durch das Skandalisieren, also das Schüren von Emotionen, kommt man aber aus diesen Nebenthemen nicht raus. Und da wundern sie sich, wenn man ihnen als Frauen eine zu überschäumende Emotionalität vorwirft… … nämlich auch wegen solcher „Skandale“.

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