Männerbashing geht immer. Drag Kings in der Süddeutschen

„‚Mich ekelt mein Drag-Charakter gerade richtig an‘, sagt Linda. Ich kann sie verstehen.“

Ehrlich gesagt, ich verstehe es nicht. Warum muß Mannsein so herablassend geschildert werden?

Es ist wie bei Hunden: Wenn du dem Blick standhältst, bist du das Alphamännchen“.

Doch allein der Gedanke, dass ein Teil der Gesellschaft vielleicht wirklich so oder so ähnlich durchs Leben geht, wie wir es gerade üben – und das auch noch für selbstverständlich hält – ist verstörend.

Doch allein der Gedanke, dass ein Teil der Gesellschaft wirklich so abfällig über Männer denkt, und daß diesem Männerhaß großflächig Raum in einer großen Tageszeitung eingeräumt wird — ist verstörend.

Es gibt Studien, dass Frauen dazu neigen, Männern auf der Straße auszuweichen.

Meine ganz persönlichen Studien besagen, daß mich insbesondere Frauen anrempeln. Männer gehen höflich miteinander um, allein schon weil man als Mann auch recht schnell eine geklatscht bekommt.

Wir sollen uns vorstellen, dass alles, was wir anfassen oder betreten, sei es der Boden oder ein Stuhl, uns gehört. Und dass wir den anderen überlegen sind

Überrascht stelle ich fest, dass kein Mensch mir Beachtung schenkt. Weder die Riege von Macho-Kerlen, die mir gegenüber sitzt, noch die Betrunkenen am Kottbusser Tor.

Und wahrscheinlich liegt es genau daran, daß Männer die weitaus meisten Opfer von Gewalt sind. Weil sie ja oh so unsichtbar sind.

PS: Aufgrund der Kritik einiger habe ich beschlossen diesen Artikel nicht in der von mir neugeschaffenen F-Wort Kategorie einzuordnen. Aber berechtigt fänd ich das schon.

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7 Antworten zu Männerbashing geht immer. Drag Kings in der Süddeutschen

  1. lotosritter schreibt:

    Was die SZ schreibt lese ich schon lange nicht mehr, auch nicht online. Zitate aus der SZ, wie hier geschehen schon. Und das erinnerte mich an einen Beitrag, den ich vor zwei Jahren im Forum von Karin Jaeckel schrieb:

    Die aktuelle Debatte (prüder als Brüderle) empfinde ich als verlogen. Es ist mir bewusst, dass Frauen häufig auch widerlicher Anmache ausgesetzt sind. Doch das Schwert Sexismus besitzt zwei Schneiden. Ich skizziere hier den Teil, der Klinge, der mich als Mann verletzt und beleidigt.

    Ich war ein hübscher Junge, aus dem hübschen Jungen wurde ein gutaussehender Mann. Als hübscher Bub verbrachte ich ab 1955 sechs Jahre in einem Waisenhaus. Dort war ich das Knuddelkind der Tanten und wurde von einem Schoß zum anderen weitergereicht, wurde geherzt und gebusselt. Das war manchmal schön, oft aber auch lästig und einschränkend und teilweise bedrohlich. Ich habe mich gefügt, denn es machte das Überleben im Waisenhaus leichter.

    Mit 11 Jahren kam ich aus dem Waisenhaus nachhause. Dort wurde ich von meiner Mutter sexuell missbraucht. Mit 14 begann ich eine Lehre, dort wurde ich von einer älteren Kundin, wann immer sie auftauchte, über die ganze Lehrzeit hinweg in penetranter Weise betatscht und mit obszönen Worten beschämt. Mit 15 wurde ich von einer 32jährigen Frau aus der Familie ebenfalls sexuell missbraucht. Insgesamt muss ich sagen, die Frauen waren zu dieser Zeit in ihrer Anmache unverschämter als Männer, die sich gleichermaßen für mich interessierten.

    Erwachsen geworden war ich oft massiven Anmachen durch Frauen ausgesetzt, bekam eindeutige Aufforderungen und wurde häufig betatscht, und sofern ich mir das verbat, als Weichei verspottet.

    Vor drei Jahren forderte meine Vergangenheit als Überlebender ihren Preis, es entwickelte sich eine massive posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). In der Folge wurde ich arbeitsunfähig und frühverrentet. Die PTBS hält weiter an, Albträume und Intrusionen quälen mich neben psychosomatischen Leiden jeden Tag.

    Begebe ich mich außerhaus, werde ich im Grunde permament durch Frauen getriggert, die meinen, sich „sexy“ (ich meine abnorm sexualisiert) präsentieren zu müssen, und die häufig auch durch Blicke oder ermuntertes Grinsen von einem gutaussehenden Herrn, eben von mir, Bestätigung für ihr nuttiges Äußeres einfordern.

    Auch ich schreie dann innerlich: Ich mag euch nicht sehen, nicht in euren Strumpfhosen, die ihr mittlerweile ohne Rock tragt, nicht in euren lächerlichen Hängerchen, mit denen ihr euer Fleisch zeigt. Ich will euer nacktes Fleisch nicht sehen, ich kotze mich bei euren Tatoos, bei euren nackten Bäuchen, bei euren halbnackten Brüsten, bei euren Schamlippen, die ihr jahrelang in Radlerhosen und nun in Strumpfhosen und Stretchhosen herzeigt. Ich mag eure Figuren und eure Unterwäsche im Sommer nicht durch durchsichtige Stoffe sehen. Ich mag eure nackten Brüste nicht am Badestrand sehen. Mir wird speiübel, wenn ihr in Tangas herumrennt, die kaum eure Schamspalte bedecken. Ich mag auch die Unterhosenwerbung nicht sehen, die für euch überall in der Stadt plakatiert wird. Ihr seid Schlampen, und ihr belästigt mich mit eurem obsessiven sexualisierten Verhalten.

    Ja, es ist für mich ein Grauen, euch sehen zu müssen. Ich wende meinen Blick ab, und schon läuft die nächste in mein Blickfeld. Ich gehe mit gesenktem Kopf durch die Stadt, damit ich überleben kann. Denn ihr provoziert schreckliche Flashbacks in meinem Kopf, die mir die Luft zum Atmen nehmen, die zu Hautausschlägen führen und meine Person manchmal über Stunden zertrennen, und mich so in tiefe Traurigkeit stürzen.

    Es ist schrecklich, traurig euch um mich zu haben
    Lotosritter

  2. mitm schreibt:

    Ich habe den Artikel auf JETZT auch gelesen, und bei mir dominieren Kopfschütteln und Mitleid. Aufregen darüber kann und will ich mich nicht mehr (vielleicht wegen Weihnachten). Du meine Güte, was haben die Damen dort für Komplexe. Ich fände den Maskenball ja noch lustig, wenn es einfach nur Neugierde wäre, mal in eine andere Haut zu schlüpfen, oder einfach Jux. Stattdessen pausenlose Selbstviktimisierung gemischt mit stupiden Vorurteilen über Männer (a.k.a. Sexismus). Ich glaube, auf solche Workshops verirren sich nur psychologisch vorgeschädigte Frauen, und nach dem Workshop wird es nicht besser sein. Soziale Probleme werden sozial erzeugt, und dieser Workshop vergrößert die Probleme nur.

    „Am nächsten Tag ist auf einmal keine Bewegung mehr normal.“ Lernziel erreicht.

  3. Leander schreibt:

    „Gleich zu Anfang warnt uns die Studentin der Politik-, Gesellschafts- und Rechtswissenschaften, dass wir viel mit Stereotypen hantieren werden. Weil die meisten von uns in der Regel als Frauen gesehen werden, müssen wir übertreiben, damit die Männlichkeit, die wir darstellen wollen, wirklich ankommt. Da ist es am einfachsten, sich erst einmal an Macho-Klischees zu orientieren.“

    Sollte man nicht unterschlagen. Wenn Weibchen-Klischees übertrieben werden, kommt auch nicht grade was Sympathisches dabei raus. (Drag-Queens sind oft genug extrem GROTESKE Gestalen!)

    „Wie das funktionieren kann, hat Verena sich nicht nur durch scharfe Beobachtungen, sondern auch durch eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema erschlossen.“

    Die Studien gibt sie zwar nicht an, aber vermutlich gibt es diese wirklich. Und es gibt auch „Machos“, die genauso agieren, wie hier kolportiert wird.

    • Gerhard schreibt:

      „Die Studien gibt sie zwar nicht an, aber vermutlich gibt es diese wirklich. Und es gibt auch “Machos”, die genauso agieren, wie hier kolportiert wird.“

      Tja, kann sein. Es gibt ganz insgesamt eine Menge Blödmänner, männlich wie weiblich. Ich verstehe trotzdem nicht, warum Mannsein so dämonisiert werden muß. Weshalb man sich dem Mannsein so fokussiert von seiner denkbar schlechtesten Seite nähern muß. Männlich heißt selbstbewußt zu sein. Eine Eigenschaft, die jeder Vater an seiner Tochter gerne sehen möchte. Männlich heißt, respektvoll zu sein. Etwas, das wir uns von allen wünschen. Und so weiter.

      Und ganz insbesondere rempeln sich Männer nicht gegenseitig an. Und schon gar keine Frauen. Das wird gleich noch wichtig.

      “ Wenn Weibchen-Klischees übertrieben werden, kommt auch nicht grade was Sympathisches dabei raus.“

      Keine Ahnung. Wenn ich mir einen Dragqueen-Workshop vorstelle, so denke ich, daß Weiblichkeit gefeiert wird, wenn vielleicht auch insbesondere beim Äußeren. Ich wollte aber nicht nur einfach etwas behaupten, daher habe ich entsprechend gegoogelt und nichts gefunden. Gefunden habe ich folgendes:

      https://chrismon.evangelisch.de/artikel/2014/mann-tut-das-gut-21811?page=all

      Der erste Artikel aus der Heinrich-Böll-Stiftung, der jetzt von der evangelischen Kirche. Und der Titel ist das einzig positive in Verbindung mit Männern. „Richtig sitzen, richtig stehen, lässig sein: Männlichkeit kann man lernen – ein Selbstversuch zusammen mit anderen Frauen“

      alkohol­kranker schottischer Marineoffizier

      ein einzelnes Wort sagen, dann den Kopf langsam wie ein Reptil zur anderen Hälfte der Zuhörerschaft drehen, das nächste bedeutsame Wort sagen.

      trotzdem werde sie auf der Straße von Männern lauthals bewertet.

      „Super“, sagen die anderen, „also grauslich. Also super.“

      Männer lächeln nur, wenn sie einen Grund dazu haben.“

      Als Mann sitzen wir nicht vorn auf der Stuhlkante (dem Gegenüber freundlich-eifrig zugewandt), sondern zurückgelehnt auf der ganzen Stuhlfläche; wir machen uns nicht schmal (und nett) – sondern breit (und wichtig), im Sitzen wie im Gehen. Klimpergeld in der Hosentasche unterstützt die Coolness.

      Öffentlich in der Nase bohren – das tun Frauen eher nicht

      Frauen fah­ren sich auch seltener mit der Zunge im ganzen Mund herum, dass die Backe ausbeult; sie pulen sich eher nicht öffentlich mit dem Fingernagel in den Zähnen. „Männer tun oft ganz selbstvergessen Dinge, die Frauen nie tun würden“,

      Ich gehe breit. Ich weiche niemals aus

      Die Männer werden sich provoziert fühlen und den gefälschten Mann anpöbeln.

      Ich schaue so übellaunig, dass mir fast das Gesicht abfällt,

      mit einem Grunzen imaginären Schleim tief aus dem Rachen hochziehen.

      Natürlich bin ich nicht unsichtbar, sonst ­würden die Frauen nicht geschmeidig zur Seite weichen,

      Olga, als Frau genervt von ständigen Männerkommentaren,

      „Das erste Mal, dass mir jemand ausgewichen ist – geil!

      „Püppie, bring mir mal ’nen Espresso!“

      wie leicht ihr der mackerige Sam fiel.

      Eine Zuckung, und ihr kriegt was auf die Fresse!“

      Ich checke für Medienunternehmen das vorhandene Personal, wer bringt’s noch, wer muss gehen.

      Natürlich schaue ich ihn nicht an! Stattdessen wedele ich ihn abwesend mit der Hand heran (von wem bloß habe ich mir diese Geste abgeschaut?), weise ihm einen Stuhl zu und beende erst allmählich mein wichtiges Telefonat

      Cooler Typ. Ehrlich gesagt: ein Widerling

      fettiger Män­nerzopf, ungeduldiges Fußgeklopfe fertig war der Kunstkurator einer großen Ausstellungshalle, der die jungen Künstler in einen knallharten Wettbewerb für eine Einzelausstellung zwingt

      Ich könnte diesem Mark eine reinschlagen.

      „Als Frau bin ich immer nett, immer auf andere bezogen, immer ‚Wie geht es dir?‘“, sagt Miriam. „Als Arschloch ist mir das egal.“

      („Die Leute ­weichen mir aus!“)

      „Wenn du nicht sofort aufhörst, kriegst du eins in die Fresse.“

      Als wäre jedes Wort ein Juwel der Weisheit.

      Und so entschieden zu gehen, dass mir auch Männer ausweichen, habe ich mir eh im Laufe meines Lebens angeeignet.

      Olga reagiert nun. Sie dreht sich um, geht mit ernster Miene auf den Mann zu und sagt: „’tschuldigung, was hast du gerade gesagt?“ – Er: „Nichts, nichts, ich hab nur gesagt, dass du eine süße Maus bist.“ – Sie: „Wer hat dich denn nach deiner Meinung gefragt? Kannste gern für dich behalten.“

      • Matze schreibt:

        Aber Gerhard, der Chrismon-Text und der Workshop sind nicht männerabwertend, sondern witzig. Chrismon hat es so gesagt. Listen and believe…

        Übrigens: Wenn ein Mann im Scherz sagt das Frauen eher weinen, kann er seinen Job verlieren.

      • maddes8cht schreibt:

        „Wenn ein Mann im Scherz sagt das Frauen eher weinen, kann er seinen Job verlieren.“

        Aber das ist ja auch total Frauenfeindlich, grade im Vergleich zu einer völlig harmlosen Bezeichnung von Männnern als Arschloch, Widerling, Macho, dem instinktiven Bedürfnis, einem Mann eine „reinzuhauen“, oder den anderen zahlreichen Beispielen aus dem Text.

      • Matze schreibt:

        Genauso ist es! Und wer etwas anderes sagt, hat nur Angst vor starken Frauen!!!

        Wie heißt noch mal diese alte Lebensweisheit?

        „Bitte tue mir nicht das an, was ich anderen antue?“

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