Männerverachtung und Antisemitismus als kultureller Code

Auf die Nähe mancher feministischer Texte zu faschistischem Gedankengut ist schon öfter hingewiesen worden. Lucas Schoppe hat vor zweieinhalb Jahren Valerie Solanas‘ »SCUM Manifesto« als faschistischen Text analysiert, sowohl Jungle World als auch konkret haben noch am Ende des letzten Jahrhunderts eine in Leni Riefenstahl verliebte Alice Schwarzer zerpflückt, der Austausch der Vokabel »Männer« gegen »Schwarze« oder »Juden« ist als Lackmustest für Sexismus in Texten und Reden inzwischen wohletabliert, und Mary Dalys Massenvernichtungsphantasie an Männern hat sogar die ideologische Säuberung der deutschsprachigen Wikipedia durch feministische Kader überlebt. Dass der zeitgenössische Feminismus also einige extremistische Auswüchse hervorgebracht hat, ist unbestritten, und auf die Bereitschaft von Feministinnen, mit derlei Radikalismus zumindest zu kokettieren, hat der erwähnte Blogpost von Lucas Schoppe hingewiesen.

Diese Diskussion eines »Femifaschismus« ist nun dadurch gekennzeichnet, dass sie den Analogieschluss zum Antisemitismus auf dessen massenmörderische letzte Phase während der nationalsozialistischen Herrschaft bezieht. Das impliziert: wenn (feministische) Männerverachtung und Antisemitismus in sinnvoller Weise vegleichbar sein sollen, dann muss ein Bezug über Massenvernichtungsphantasien hergestellt und müssen diese im Feminismus nachgewiesen werden. Obwohl das nicht unmöglich ist, liegt die Latte damit ziemlich hoch. Ich möchte – ausgehend von einem Text der Historikerin Shulamit Volkov, Antisemitismus als kultureller Code – einen solchen Vergleich nicht auf die nationalsozialistische, sondern die wilhelminische Phase des deutschen Antisemitismus beziehen, weil die Analogien zwischen diesem und ideologisch motivierter Männerverachtung meines Erachtens hierbei sehr viel deutlicher zu Tage treten.

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