Geschlechterdiskriminierung im öffentlichen Dienst. Der Frauenförderplan bei Bonn Orange

Bonn Orange ist der neue Name der Bonner Stadtreinigung. Das wurde ausgegliedert, damit man den dortigen Managern mehr bezahlen kann, als der Bonner Oberbürgermeister bekommt. Die Abfallwirtschaft ist natürlich Männerdominiert, da sollte die dortige FrauenGleichstellungsbeauftragte doch mal für eine Quote für Müllmänner Personenabfahrende sorgen, oder? Nicht ganz…

Es gibt ca 330 männliche Angestellte und 22 weibliche. Wo sind die Frauen? 9:6 in der Verwaltung und –oh so diskriminierend nur 9:13 in Führungspositionen. Naja, wenn man auf die Gesamtstruktur schaut, sollten wohl eher zwei Frauen in Führungspositionen sein, so von der Repräsentanz her. Es geht um Knochenarbeit. Im Frauenförderplan ist das als „betriebsbedingte Anforderung“ schön blumig umschrieben.

Wie sind nun die Ziele? In der Verwaltung (60% Frauenanteil inkl. Gleichstellungsbeauftragte) soll die Frauenquote mindestens konstant gehalten werden. In den technischen Abteilungen soll sie erhöht werden. Also selbst da, wo Frauen nicht nur Anteilsmäßig, sondern absolut in der Mehrheit sind, soll das auch so bleiben. Das war es mit einem schönen warmen Bürojob für altgediente Müllwerker, die sich jahrzehntelang die Knochen ruiniert haben. Danke, liebe Gleichstellungsbeauftragte.

Ansonsten? Mehr vorgeblich weibliche Kriterien bei der Auswahl und insbesondere werden Frauen nicht nur bei der Einstellung, sondern auch bei Beförderungen und der übertragung höherwertiger Tätigkeiten (also der Grund für Beförderungen) bevorzugt behandelt. Natürlich nur bei sonstiger Gleichheit, klar. Man kann also davon ausgehen, daß die Männer am Sankt Nimmerleinstag die Chance auf eine Beförderung haben und nur noch die Jobs bekommen, für die keine Frau gefunden werden kann. Naja, bei den unbeliebten Jobs haben sie ja dann noch Chancen.

Man kann nur jedem Mann raten, bloß nicht bei Bonn Orange nach einem Job zu suchen. Struktureller Sexismus wird Dich um Deine beruflichen Möglichkeiten bringen. Und warum sollte es anderswo anders aussehen?

http://bonnorange.de/fileadmin/Dateien/PDF/Frauenfoerderplan_Bonnorange.pdf

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Geschlechterdiskriminierung im öffentlichen Dienst. Der Frauenförderplan bei Bonn Orange

  1. Matze schreibt:

    „In der Verwaltung (60% Frauenanteil inkl. Gleichstellungsbeauftragte) soll die Frauenquote mindestens konstant gehalten werden. In den technischen Abteilungen soll sie erhöht werden. Also selbst da, wo Frauen nicht nur Anteilsmäßig, sondern absolut in der Mehrheit sind, soll das auch so bleiben.“

    Und es gibt tatsächlich Leute die gegen Sexismus und für eine Frauenquote sind. Männerquote geht natürlich gar nicht!

    Frauenanteil muss erhöht werden.
    Frauenanteil > 50% –> muss gehalten werden.

    Dies führt letztenendes dazu, das überall eine Frauenquote von über 50% erreicht wird.

    Und das ist jetzt irgendwie gerechter als wenn die Männerquote über 50% liegt?

    Aber es geht ja nicht um die Umkehrung der Geschlechterrollen… sagen die zumindestens.

    Die EU hat übrigens ein Paper veröffentlich im dem angeregt wird das Männer MINDESTENS 50% der Hausarbeiten machen sollen…

    • Matze schreibt:

      Hm, da hat WordPress ein „“ geschluckt.

    • maddes8cht schreibt:

      „Dies führt letztenendes dazu, das überall eine Frauenquote von über 50% erreicht wird.“

      Nein, natürlich nicht „überall“.

      So wie man bei den Klofrauen einen zu hohen Frauenanteil sexistisch findet und lieber gerne eine niedrigeren Frauenanteil hätte, ist der Männeranteil bei der Müllabfuhr eigentlich ganz in Ordnung.
      Und so wird bei Bonn Orange zwar „angestrebt, den Frauenanteil im technischen Dienst zu erhöhen.“ (S. 7). Die Müllfahrer bzw. der Knochenjob sind damit aber nicht gemeint, denn:

      Ausgangssituation:
      „Es wird untergliedert in:
      • Technische Unterhaltung GB 1 (AG Einkauf/ Lager, AG Facility
      Management, AG Werkstatt)
      • Abfallwirtschaft/ Stadtreinigung GB 2 (Stabsstelle GB2-1
      Fahrzeugbeauftragter, AG Logistik, AG Satzungs- und
      Vertragsangelegenheiten, AG Kundenservice/ Öffentlichkeitsarbeit)
      • Verwaltung und GB 3 (Vorstand, Stabsstelle Vorstand, Justitiariat,
      Gleichstellung, AG Controlling und Finanzen, GB Personal). “
      S.6

      Irgendwie wird danach bei Frauenförderung immer nur noch von Technischem Bereich und Verwaltung geredet. Während die Abfallwirtschaft – o Wunder – den mit Abstand größten Personalposten stellt. Trotzdem hat man irgendwie einen „Anspruch“ darauf, dass Frauen in den Führungspositionen „gleichgestellt“ und „proportional“ nicht zur Belegschaft, sondern zur „Gesamtbevölkerung“ vertreten sind.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s