Kinderbräute. Sind das alles gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften?

Angesichts dessen, daß ich hier tatsächlich frage wie die Situation ist, ein vielleicht provokanter Titel. Ich habe hier einen Artikel über Zwangsheiraten auf Spiegel Online gefunden. Und ich hatte mich gewundert, was mit den Ehemännern ist. Freuen die sich über ihre Mädchenbräute? Sind Mädchen ein willkommenes Geschenk für die latent pädophilen Männer? Oder könnte es sein, daß die das vielleicht auch nur so mittelgut finden? Sind tatsächlich die Mädchen die einzigen Opfer hier?

Den Eltern fehlt schlicht das Geld, für Nahrung, Kleidung und Unterhalt ihrer Töchter aufzukommen. Also werden die Kinder verheiratet, damit sie den Haushalt verlassen.

Schon im Untertitel wird „nackte Not“ für die Kinderheirat verantwortlich gemacht — nicht die Männer selbst. Also sind jetzt die Ehemänner alle reich? Oder sind die Familien froh, daß jetzt ein anderer Mann ihre Tochter ernähren muß?

Die meisten Ehemänner verbieten ihren Kinderbräuten zudem den Schulbesuch. […]
Nur wenige Mädchen sind so durchsetzungsstark wie Waad. Die 13-Jährige wurde vor acht Monaten zwangsverheiratet, nun will sie sich unbedingt scheiden lassen. Das Mädchen möchte zu seiner Familie zurückkehren und selbst für ihren Unterhalt sorgen. Dafür arbeitet sie nun auf den Feldern des Bekaa-Tals.

Die Mädchen dürfen nicht zur Schule. Die Neunjährigen Bräute oder die dreizehnjährigen? Wie steht es mit dem Schulbesuch der Ehemänner? Ganz klar, jeder von uns kann sich vorstellen, daß in diesen Ländern Mädchen mehr oder weniger systematisch von höherer Bildung ferngehalten werden. Aber ist es vielleicht eine Notwendigkeit für die ganze Familie auf den Feldern zu arbeiten anstatt zur Schule zu gehen? Ist Kinderkriegen nicht vielleicht auch ein Verlust an Arbeitskraft?

Houda,14, floh vor vier Jahren aus Syrien, 2014 wurde sie verheiratet. Sie lebt mit ihrer Familie im Bekaa-Tal, ihr Mann lebt und arbeitet in Beirut. Die beiden sehen sich nur am Wochenende.

Welche Vorteile hat Houdas Mann durch die Hochzeit? Steuerklasse III?

Ich weiß es wirklich nicht. Sind die Mädchen wirklich die einzigen Opfer bei diesen Zwangsheiraten? Oder werden doch auch die Männer gezwungen? In den Bildern sieht man eine zerbombte Wüstenlandschaft. Diese Leute haben noch nicht mal Fenster. In der Bildunterschrift wird hervorgehoben, daß Frauen wenig Schutz vor Übergriffen in den Lagern haben. Nur die unverheirateten? Die Männer sind alles Täter? Genau das wird suggiert im Artikel, in der die männliche Perspektive komplett fehlt. Ich will kein Opferrennen machen, ich würde wirklich gerne wissen ob es den Männern tatsächlich und objektiv besser geht. Was meint Ihr? Was wißt Ihr?

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5 Kommentare zu „Kinderbräute. Sind das alles gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften?“

  1. Ich denke, einerseits ist es Tradition, die Mädchen minderjährig zu verheiraten, ohne sie lang um Zustimmung zu fragen. Andererseits ist es der Armut der Eltern geschuldet, die dann für die Versorgung nicht mehr aufkommen müssen oder sogar ein Geschenk für die Übergabe der Braut bekommen. Es ist auch die Neigung zu den Jungfrauen, die im Islam so gepriesen werden; ein Akt von Sadismus, das zu vollziehen.

    Noch ein Aspekt: Eine junge, erwachsene und selbstbewusste Frau nimmt keinen Mann, nur weil er genug Geld hat. Wer sonst keine Vorzüge hat, nur Geld, muss sich eben eine Braut kaufen. Es gibt auch geschiedene und verwitwete Frauen im arabischen Raum. Aber diese haben meist auch Kinder und sind als Ehefrauen nicht sehr begehrt, obwohl man sie umsonst bekommt.

    Passt nicht zum Thema: aber die zuletzt beschriebene Gruppe von Frauen deckt den Bedarf an „freier Liebe“ ab, der auch in den Islamischen Staaten besteht.

  2. Was bei dieser Thematik aufstößt, ist die rituelle Schuldzuweisung durch den Feminismus, der grundsätzlich den systemischen Ansatz ignoriert. Natürlich sind auch Frauen an dieser Organisation der Reproduktion beteiligt, wenn nicht sogar federführend, wie der nachfolgende Auszug aus einem Spiegelartikel des Jahres 2010 nahelegt: Zwangsehe ist in meinem Augen eine überhohlte Form der Reproduktion, die verschwindet, wenn Bildung und Wohlstand zunimmt. Ich habe ein wenig recherchiert und tatsächlich kaum etwas gefunden, das die Perspektive der zwangsverheirateten Männer beleuchtet. Mit Sicherheit bedeutet die Zwangsheirat für den jungen Mann eine Zunahme seiner Pflichten.

    „Nie zuvor hatte sie den zehn Jahre älteren Mann gesehen. Ihre Mutter hatte – so ist es der muslimische Brauch – den Bräutigam für sie ausgewählt. Die Verheiratung der Kinder ist Frauensache.
    So suchte Zohras Mutter 25 Jahre später mit Hilfe einer Kupplerin von Frankfurt aus in Marokko einen Ehemann für Zohras ältere Schwester Samira – und wurde fündig. „Es ist ein Geschäft um Brautgeld und Mitgift, ein regelrechtes Geschachere“, sagt Zohra. Der Preis steigt, wenn die Frau – wie im Fall Samira – dem Ehemann durch die Heirat ermöglicht, nach Deutschland zu kommen, wenn sie eine Schule besucht hat und attraktiv ist. Wenn sie dann noch „helle Haut“ hat, erhöht sich die geforderte Summe nochmals – „in der Regel werden 30.000 bis 50.000 Euro gezahlt“, sagt Zohra“.

    http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/zwangsehe-zur-heirat-verurteilt-a-698513.html

  3. Da die Angaben einem Medium der deutschen Qualitätspresse entstammen müssen sie wohl richtig sein. Auf der Grundlage lassen sich konsequenterweise also Schlüsse ziehen:
    Offenbar ist es so, dass arme Familien Töchter bekommen, reiche dagegen Söhne – denn offenbar sind ja nur die Eltern verarmter Töchter durch die nackte Not gezwungen, die Töchter zu „verkaufen“, was sich folgerichig erst mal ein Mann leisten können muss.

    Sarkasmus off.

    Okay, nehme ich mal an, da treibt wirklich die „nackte Not“ Familien, ihre Töchter an demzufolge finanziell potente Männer zu vermitteln.
    Was ist dann tatsächlich mit den Jungen aus solchen verarmten Familien?

    Ist für die diese „nackte Not“ demzufolge weniger drängend, weil die bekommen ja patriarchale Privilegien hinterhergeschmissen, nur dafür dass sie männlich sind?

    Ich weiß es wirklich nicht, aber ein Paar Gedanken in verschiedene Richtungen:
    Um an Geld zu kommen, haben Familien bei Töchtern die Chance, sie an reichere Ehemänner zu verheiraten. Ob das wirkliich ein so furchtbar schlechter deal für die Frauen sein muss, sei mal dahingestellt.
    Angesichts des Umstands, dass in dem von Quellwerk zitierten Spiegelartikel von 2010 steht (link?) dass „Der Preis steigt, wenn die Frau – wie im Fall Samira – dem Ehemann durch die Heirat ermöglicht, nach Deutschland zu kommen, wenn sie eine Schule besucht hat und attraktiv ist“ klingt es etwas paradox, dass die Männer ihren Frauen oft den Schulbesuch verweigern sollen.
    Klar – das werden nicht die selben Männer sein – aber in den Artikeln werden wieder mal regelmäßig alle Schlechtigkeiten zusammengewürfelt, um den Mann zu dämonisieren und das Schicksal der Frau zu dramatisieren.

    Eine verarmte aber vielleicht doch noch einigermaßen hübsche Frau, die das Glück hatte, ein bisschen Schulbildung zu haben und weiß, dass diese Schulbildung den Preis für sie anheben kann, wird kaum zu einem Dumpingpreis an einen Mann verkauft werden, der gar keine gebildete Frau will und sie nicht in die Schule lassen wird, oder?
    Einem Mädchen, dass entsprechend weniger Glück hatte und deren Eltern ihr keine Schulbildung ermöglichen konnten oder es nicht getan haben, wird eher an einen solchen Mann verheiratet werden. Sie hat dann also durch die Heirat weiterhin keine Möglichkeit zu Schulbildung. Das ist bedauerlich und für die Frau natürlich tatsächlich ein Problem, aber sie ist ja dadurch nicht schlechter gestellt als ohne die Heirat, richtig?

    Klar gibt es Fälle die anderslaufen, aber bezüglich Schulbildung denke ich schon, dass der genannte Effekt eine gewisse Rolle spielt.

    Welche Möglichkeiten hat aber nun ein Junge aus einer solchen verarmten Familie?

    Er wird sich ganz gewiss nicht leisten können, eine der genannten Frauen „kaufen“ zu können, schon gar nicht „nach oben“.
    Ich denke, für ihn gibt es immer genau eine Möglichkeit, die selbe, die es für Jungen schon immer gab:
    Arbeiten.
    Wenn so ein Junge „Verkauft“ wird, dann wohl als Arbeitskraft.

    Bekanntlich ist auch Menschenhadel vor allem ein Problem das Männer betrifft (Okay, nicht wirklich in der Breite bekannt, aber Leser dieses Blogs könnten das wissen) – und zwar in Form von Handel mit Arbeitskraft. Menschenhandel ist nach wie vor Sklavenhandel, bei dem vor allem billige menschliche Arbeitskraft zu eher unmenschlichen Bedingungen verscherbelt wird.

    Es gibt immer mal wieder Berichte, die von den Bedingungen solcher Menschen erzählen. Dann sind das meisten „Menschen“, wobei es weit überwiegend Männer sind.

    Ich bin mir nicht sicher, ob die meisten der Jungen da nicht lieber mit dem Schicksal der teuer an einen reichen Mann verkauften Schwester tauschen würde? Bzw. ob die Mädchen wirklich mit dem Schicksal des auf einen Fischkutter verkauften Bruders tauschen möchte?

    Fragen über Fragen.
    Aber was ich noch sagen wollte: Natürlich sind Frauen und Mädchen „besonders betroffen(tm)“

    1. Es werden die Mädchen mit reichen Männern verheiratet, die bis zu 4 Frauen im Islam haben dürfen. In der Folge bleibt ein Teil der armen Männer ohne Ehefrau. So ist es im Islam geregelt.

      Bei uns ist es auch nicht viel anders. Etwa ein Drittel der Männer bekommt keine Frau als Langzeit-Partnerin bzw als Ehefrau ab, weil sie nicht gut genug sind (Körperliche Mängel, unpassendes Verhalten, nicht selbstbewusst,…). Das Geld ist auch wichtig aber nicht von entscheidender Bedeutung.

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