Fehlendes Männerbild — Die Zeit und die Machos im Kosovo

Ein Artikel in der Zeit endet mit:

„Ach, Junge“, sagt seine Mutter, „vielleicht willst du von dem verdienten Geld lieber ein eigenes Haus bauen.“ – „Aber Mama“, entgegnet Jetmir lachend, „ich wohne doch für immer bei dir.“

Es gehe nicht um „westliches Gender-Mainstreaming, sondern [um einen ersten] Schritt hin zu einer neuen Gesellschaft, die sich um Frieden bemüht„. Und ja, da wäre sicherlich viel zu tun in einem Land, daß durch einen schlimmen Krieg gegangen ist. Diese Männer haben viel Gewalt und Armut gesehen, genug Väter sind ums Leben gekommen.

Leider sehe ich im Artikel wenig davon, daß den Männern ein positives und eigenständiges Männerbild nahegebracht wird. Das Gegenteil der toxischen Maskulität scheint eher das zu sein:

„Ich finde es interessant, mal eine Frau zu sein. Als Mann weiß man ja nicht, wie das ist mit Schminke und Pumps.“

Findet einer der Leser hier ein positives Männerbild?

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9 Antworten zu Fehlendes Männerbild — Die Zeit und die Machos im Kosovo

  1. Yeph schreibt:

    Hallo,

    Da steht:

    ***“Ich finde es interessant, mal eine Frau zu sein. Als Mann weiß man ja nicht, wie das ist mit Schminke und Pumps.“ Seither fühlt er sich im realen Leben den Frauen näher: Ohne Hemmungen küsst und umarmt er seine Mutter, kuschelt mit seiner Schwester. „Die Mädchen fahren voll darauf ab“, grinst er. „Ich behandle sie wie ein Gentleman. Und wenn eine das nicht gut findet, sage ich ihr: Eh, arbeite doch mal an deinem Männerbild!“***

    Ich sehe da dasselbe „positive“ Männerbild was uns heute vermittelt wird. Frauen haben es schwer. Nur wenn man DAS gelernt hat, ist man ein echter Kerl. Tue ein Leben lang das, was Frauen von dir verlangen. Sei immer ein Gentleman, IMMER, egal wie sehr und oft du beleidigt, erniedrigt, tyrannisiert wirst.

    Wir haben damals in den 70iger Jahren ein Männerbild toll gefunden, was von Jesus, Jim Morrison und Mick Jagger verkörpert wurde. Frauen (Mädchen) fanden das toll. Später warf man uns vor verweichlichte, larmoyante, nicht-männliche Softies oder Irgendwas zu sein, zwar ALLES für Frau zu tun, aber trotzdem alles falsch…..

    Die Mortal von der Geschicht: Frau leidet, Mann muss dafür bluten. Je mehr er macht, je falscher er sich benimmt. Gut ist das neue Schlecht, Richtig da neue Falsch, Gerechtigkeit das neue Unrecht … usw…

    Das neue und einzig richtige Männerbild ist „Sch…. drauf“. Mach was du denkst, was du willst und wie du dich gut fühlst. Frau wird es dir danken. Punkt!

    MfG

    Yeph

  2. crumar schreibt:

    @Gerhard

    Mache dir bitte, bitte klar, dass dieser Artikel von einer *Frau* in der „Zeit“ geschrieben worden ist und DIESE Ansprüche musst du an diesen Artikel anlegen.
    Nicht irgendeinen an Wahrhaftigkeit oder die Vermittlung eines NICHT ideologischen Männerbildes.
    Was ungefähr so sinnvoll ist, wie von einem politischen Artikel in der „Bild“ zu erwarten, er würde von „Politik“ handeln.

    In diesem Artikel geht es nicht um irgendwen, es geht um die Autorin und ihre Weltsicht.
    Aus diesem Artikel kannst du zwei Dinge destillieren: Die Weltsicht der Autorin.

    „Im Januar 2014 bekamen sie Besuch von dem deutschen Serienschauspieler Steffen Groth. Er probte mit ihnen das Theaterstück Lippenstift für harte Kerle: Am Anfang gibt es Prügelszenen, am Ende spülen die Kerle das Geschirr. Jetmir spielte die Mutter, mit Kopftuch. Es fiel ihm anfangs schwer, weil er wusste, viele aus seiner Schule würden zur Aufführung kommen. Doch dann entdeckte er die Komik seiner Rolle und reizte sie aus. „Ich finde es interessant, mal eine Frau zu sein. Als Mann weiß man ja nicht, wie das ist mit Schminke und Pumps.“ Seither fühlt er sich im realen Leben den Frauen näher: Ohne Hemmungen küsst und umarmt er seine Mutter, kuschelt mit seiner Schwester. „Die Mädchen fahren voll darauf ab“, grinst er. „Ich behandle sie wie ein Gentleman. Und wenn eine das nicht gut findet, sage ich ihr: Eh, arbeite doch mal an deinem Männerbild!“

    Sie findet es garantiert nicht interessant mal ein *Mann* zu sein; die einzige Irritation in ihren Augen findet statt, wenn ein Mann so versucht zu sein wie SIE. Alle HABEN im Grunde weibliches Verhalten zu imitieren – etwas anderes ist unvorstellbar für sie (als Frau).
    Übrigens: Charlies´ Tante ist 1892 geschrieben und hier 1955 mit Heinz Rühmann verfilmt worden.
    So MODERN (modern, im Sinne von verwesen) ist ihre Weltsicht.

    Und so interessant sind Schminke und Pumps #mrsdoubtfire – der Plot ist von 1993 und diese Idiotin entblödet sich nicht, ihre schrumpeligen Einsichten als neu zu verkaufen.

    Höre bitte auf, diesen Blödsinn ernst zu nehmen!

    Schönen Gruß, crumar

    • Gerhard schreibt:

      „Höre bitte auf, diesen Blödsinn ernst zu nehmen!“

      Immer wenn es in einer Diskussion über ein anderes Männerbild geht, eines das weiter geht als das klassische, geht es immer nur darum, wie Männer der Gesellschaft besser dienen können und wie sie netter zu Frauen sein können. Außerdem dürfen sie auch mal mit Rock rumlaufen und sich die Fingernägel lackieren. Ein stolzes und eigenes Männerbild kommt nie vor.

      Und selbst im Kosovo darf es nicht anders sein. Es ist die Zeit und es ist irgendeine Autorin. Aber es ist anscheinend auch der Konsenz in dieser Diskussion.

  3. krams schreibt:

    Ich denke, es muss unterschieden werden zwischen dem Projekt und dem, was Frau Jeska davon berichtet. Über ersteres zu urteilen ist anhand des Artikels nicht möglich. Prinzipiell ist es sinnvoll, Jungen und Männern (natürlich genauso auch Frauen) in traditionellen Gesellschaften zu helfen, starre Rollenerwartungen aufzubrechen, die nicht ihren Bedürfnissen entsprechen. Ich kann mir gut vorstellen, dass z.B. für schwule Jungs das Leben im Kosovo kein Zuckerschlecken ist, und dass solche Projekte zumindest ein wenig helfen können. Leider scheint zumindest Jeska wieder mal einen bestimmten Teil dieser Erwartungen auszublenden, nämlich die der Frauen an den Mann, als Sohn, Vater, Ehemann. Denn: die Jungs sollen lernen, „gute Ehemänner und liebevolle Väter“ zu werden, außerdem natürlich Versorger ihrer Mütter und Familien, nicht fehlen darf auch das kaum verschleierte Versprechen sexueller Belohnung bei Wohlverhalten im Sinne der Autorin: „“Die Mädchen fahren voll darauf ab“, grinst er[Jetmir]“. An dieser Funktionalisierung wird selbstverständlich nicht gerüttelt bzw. scheinbar ein Lebensentwurf, der dem nicht entspricht, erst gar nicht als möglich in Betracht gezogen. Genauso wird die Schuld an der jetzigen Situation klar zugeordnet: „Sie haben entweder gar keine Väter oder aber Väter, die den großen Tagen der selbsternannten Befreiungsarmee UÇK nachhängen. Sie haben noch immer ihre Waffe im Haus und heroisieren den Krieg. Ihren Söhnen bringen sie bei: Auge um Auge, Zahn um Zahn.“
    Die Mütter erziehen ihre Söhne selbstverständlich im Sinne Mahatma Ghandis zu gewaltfreiem Widerstand, waren schon immer gegen die UCK und dem Nationalismus qua Geschlecht abgeneigte Pazifistinnen. Keinerlei Verantwortung für irgendetwas. Das Übliche halt.

    Man hätte gerne mehr über dieses Projekt erfahren, als nur durch Jeskas Zeit-Wohlstandsfeministinnen-Brille. Leider funktioniert die englische Version der Homepage nicht, und der albanische Teil hat für mich leider nur begrenzten Informationsgehalt. So bleibt für mich die Frage unbeantwortet, ob dort sinnvolle Arbeit geleistet wird oder der Versuch besteht, ein gewisses ideologisches Weltbild durchzudrücken.

  4. Wozu muss Mann überhaupt irgendeinem Männerbild entsprechen? Sollte nicht jeder in erster Linie „er selbst“ oder „sie selbst“ sein?

    • Peloquin schreibt:

      Hmm wohl nur die halbe Wahrheit, natürlich möchten wir auch ,sicher meist positiven, Männer oder Frauenbildern entsprechen.
      Natürlich spielen wir eben auch gerne mit Klischees, oder hey, baden manchmal direkt darin. 😉
      Und ja, Jungen brauchen und wollen! ein für sie tolles Männerbild muss ja (vor allem später) nicht immer der Papa sein.
      Wer hat eigentlich das Recht dies in Frage zu stellen, in bestimmte (um)erzieherische Bahnen zu lenken oder gar zu verbieten? Und was hat das mit „sich selbst“ sein zu tun?
      Ich bin als Mann ganz sicher ich selbst, du nicht?

      • Ich bin zunächst einmal Mensch und möchte nicht über mein Geschlecht definiert werden. Das brächte mich in Zugzwang in Hinsicht auf „WEIL du ein Mann / eine Frau bist hast du jetzt diesem oder jemen Klischee zu entsprechen“ (z.B. männlich: stark vs. weiblich: emotional). Gerhard hat schon recht, dass wir, um uns und unsere Rolle selbst zu definieren, Vorbilder bzw. Vorlagen brauchen – und sei es, um uns davon distanzieren zu können, weil wir SO nicht sein wollen. Dadurch wird auch deine Frage nach der Umerziehung relativiert. Lernen am (Rollen-)Vorbild kann auch heißen, dem gegebenen Macho-Vorbild der UCK nicht (mehr) entsprechen zu wollen, weil es in der Vergangenheit versagt hat. Was allerdings NICHT funktioniert und absolut nicht akzeptabel ist, männlichen Jugendlichen a) Frauen als Rollenvorbild vor die Nase zu setzen (Wie soll das gehen? ist doch völlig absurd) oder ihnen b) sagen zu wollen, wie sie zu sein haben (Versorger, Ehemänner, gute Väter). Was oder wer sie sein wollen, müssen sie letztlich für sich selbst definieren. Ich wünsche dem Projekt möglichst viele männliche Betreuer, mit denen die Jugendlichen ihren eigenen Lebensentwurf abgleichen können.

    • Gerhard schreibt:

      Das wäre schon mal ein guter Schritt nach vorne. Im Artikel geht es nur um ein Männerbild , welches sich am Umgang mit Frauen definiert. Bei Heranwachsenden geht es um Männer, die ihre Optionen ausloten. Zwischen Hass und Barmherzigkeit. Vielleicht ob es OK ist Windeln zu wechseln oder Ernährer sein zu wollen. Was sie anscheinend kennen ist Gewalt, Krieg und tote oder verstörte Väter.

      Wenn Du also Du selbst sein willst, könntest Du also erstmal erfahren wie andere sind und Dich dafür oder dagegen entscheiden.

  5. Peloquin schreibt:

    „Ich bin zunächst einmal Mensch und möchte nicht über mein Geschlecht definiert werden. Das brächte mich in Zugzwang in Hinsicht auf “WEIL du ein Mann / eine Frau bist hast du jetzt diesem oder jemen Klischee zu entsprechen” (z.B. männlich: stark vs. weiblich: emotional).“

    Ich und glaube mir auch ein Großteil der Menschen in diesem Land haben damit nicht im Geringsten ein Problem, warum denn auch? Klischees kann Mann/Frau durchaus genießen. Du eben nicht, ist doch vollkommen OK.
    Ich helfe aufgrund meiner Körperstärke gern aus, andererseits kann ich sehr wohl zwischen gespielter und echter Emotionalität unterscheiden.
    und ein Mensch bin ich deswegen übrigens immer noch, hoffe ich jetzt einfach mal. ;-

    Mit dem Rest von dir gehe ich gern d’accord, auch stimme ich mit Gerhard’s Text/Kritik im Bezug zum Kosovo (keiner von uns kann sich wohl vorstellen was da in den Letzten Jahrzehnten passierte…) durchaus überein

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