Warum ich Felicitas Kocks Artikel in der SZ als bösartig und gemein empfinde

Was fällt eigentlich an Felicita Kocks Artikel in der SZ auf? Erstmal ist es ein ganz normaler Artikel über sexualisierter Gewalt mit Cosby als Aufhänger. Gehen wir ihn mal durch.

Bill Cosby. Sie nimmt gar keine Stellung dazu, sondern beleuchtet auf der Metaebene eher die Berichterstattung und die Reaktionen. Die Wikipedia-Seite zu dem Wirkstoff, den er verabreicht haben soll, schildert diesen übrigens nicht als Vergewaltigungsdroge, sondern etwas, was (damals?) erwachsene Heteros zur Luststeigerung genommen haben. Das klingt nicht unwahrscheinlich, Koks wird anscheinend heute noch gern genommen und insbesondere bei Schwulen ist Poppers beliebt. Merkwürdig am Fall Cosby ist auch, daß der normale männliche Promi nun wirklich keine Drogen braucht um Frauen ins Bett zu bekommen. Mal sehen wie der Fall Cosby zu Ende geht, aber die Vorverurteilung ist ja schon umfassend. Kachelmann, Sulkovic, Arnold, Rolling Stone, egal.

Dann die Sache mit der Schutzlücke. Heiko Maas ist ja schon dran. Die Schutzlücke wird als etwas präsentiert als wäre sie als allgemeine Wahrheit akzeptiert. Wohin das führt, weiß jeder, der Genderama verfolgt. Kurz gesagt, yes-means-yes meint eigentlich nur, daß die Frau rückwirkend und jederzeit die Definitionsmacht über jedwede sexuelle Handlung bekommt. Daß wenn ein Mann und eine Frau gemeinsam betrunken Sex haben, der Mann als Vergewaltiger verfolgt wird. Dass das Prinzip der Unschuldsvermutung und des fairen Prozesses nicht nur an amerikanischen Unis ausgehebelt ist.

Die Stammleser und -mitdiskutanten hier gähnen schon ob der sattsam bekannten Tatsachen und neuhinzugekommene lade ich herzlich ein, in den Kommentaren nachzufragen. All dies ist nämlich gut belegt.

Was tut mir wirklich weh an diesem Schmierenstück von Artikel? Er ist prinzipiell geschlechtsneutral gehalten.

Die Sozialpädagogin arbeitet vor allem mit Jugendlichen zusammen, die Opfer von sexuellem Missbrauch geworden sind.

Opfer sexualisierter Gewalt

Viele Täter würden auch versuchen, dem Opfer einzureden, dass es den sexuellen Kontakt selbst gewollt habe.

Wenn etwa die Aussage des Opfers gegen die des Täters steht und es keine Zeugen gibt.

Aber dann kommt es immer wieder. Täter sind die Männer, Frauen die Opfer.

Darf ein Lehrer, ein älterer Verwandter, ein Kollege auf eine bestimmte Art und Weise mit mir sprechen?

Wenn die Frau zwar „Nein“ sagte, sich dann aber einschüchtern ließ und sich nicht mehr wehrte, wurde das nicht als Vergewaltigung gewertet. In Zukunft soll als Vergewaltigung zählen, wenn eine Frau zu sexuellen Handlungen „Nein“ sagt und sich ihr Peiniger darüber hinwegsetzt – egal ob sich die Frau wehrt oder nicht.

Dann trauen sich womöglich ein paar Frauen und Mädchen, die bisher über ihr Schicksal geschwiegen haben, sich zu öffnen.

Daß Männer Opfer sein können, daß gar Frauen Täter sein können, nichts davon schreibt Frau Kock. Das heißt, sie schreibt es nicht nur nicht. Ihre Formulierungen sind so perfide gewählt, daß es gar nie anders sein kann. Das ist ok, wenn es ein launiger Artikel auf Schülerzeitungsniveau werden sollte. Das ist nicht ok in einer der bedeutendsten Tageszeitungen Deutschlands. Das ist nicht einfach nur schlecht recherchiert, das ist bösartig und ein Schlag ins Gesicht aller männlichen Opfer. Denn wenn sich Frau Kock auch nur für 20 Minuten mit dem Thema auseinandergesetzt hat, so muß sie einfach wissen, daß das Schema Frau=Opfer Mann=Täter so einfach nicht haltbar ist. Wider besseren Wissens behauptet sie dies nicht mal, sondern benutzt Formulierungen die dies trotzdem suggerieren. Und das ist einfach nur ekelhaft.

Es geht auch anders, kommt im deutschsprachigen Raum aber kaum vor. Bettina Hammer aktuell in Telepolis:

Wenn von sexueller Gewalt gesprochen wird, wird meist die Konstellation Mann = Täter, Frau = Opfer angenommen. Unabhängig davon, dass die Anzahl der sexueller Gewalt ausgesetzten Frauen laut Dunkel- und Hellziffer höher ist als die der Männer, sind jedoch auch Männer verschiedenster Alterstufen betroffen. Im Bereich der sexuellen Gewalt gegen Kinder sind Jungen bzw. junge Männer oft auch Opfer von eher spöttisch oder gar beifälligen Kommentaren, wenn der Täter weiblich war – bei männlichen Tätern ist die Akzeptanz des Leidens der Opfer größer.
Sexuelle Gewalt gegenüber männlichen Erwachsenen gibt es im Bewusstsein vieler höchstens im Homosexuellenbereich oder aber als Machtinstrument in Gefängnissen. Dies führt dazu, dass sexuelle Gewalt (oder gar eine Penetration) beim männlichen Opfer nicht nur das Leid ob der Tat, sondern auch ob der eigenen sexuellen Ausrichtung und der weiteren Identität führen.

PS: Meinen Dank an Arne für seinen ständigen Strom an großartigen Links jenseits des Mainstreams.

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