Warum ich Alice Greschkows Artikel über ambitionierte Frauen empfehle

Unter meinen Artikel zum Erlauben der gleichgeschlechtlichen Ehe in den USA hatte
Alice Greschkow einen Kommentar geschrieben und auf ihren Artikel zum Thema Ehe hingewiesen mit der Einladung, zu kommentieren. Die Dame war mir bislang unbekannt, hat aber einige interessante Lebensdaten: Universitätsabschlüsse in Deutschland, Dänemark und Polen und spricht anscheinend noch Bulgarisch (stammt zumindest aus Bulgarien). Sie bloggt auf Deutsch und Englisch.

Wie das bei mir so ist, merkte ich mir nur den Kommentar, machte aber weiter nichts daraus. Mir war beim Stöbern ein ganz anderer Artikel als der vorgeschlagene ins Auge gefallen: Can we avoid the “Ambitious Woman Trap”?, also sinngemäßt „Können wie die ehrgeizige-Frau-Falle vermeiden“?

Zunächst beschreibt sie eine Sorte Frau, die sie häufig in ihrem Freundeskreis vorfindet: intelligent, attraktiv, witzig und ehrgeizig – ach ja, und Single. Das klingt auf den ersten Blick bedauerlich. Aber schon dann ist die Frage interessant, ob die Frauen auch von Männern so eingeschätzt werden und nicht nur von den Freundinnen.

Dass es ehrgeizige Frauen schwerer haben, einen Partner zu finden, glaube ich jedoch sofort. Alice Greschkow nennt auch gleich zwei Gründe: Männer verpartnern sich, was Position und Kohle angeht, lieber „nach unten“, Frauen „nach oben“. Allem Gerede von modernen Beziehungen zum Trotz bleibt das erstaunlich konstant. Hier gefällt mir, dass beides direkt nebeneinander genannt wird, denn natürlich beeinflussen sich beide Partnerwahlkriterien bis zu einem gewissen Grad. Wenn ich als Mann etwa bereit bin, eine Beziehung auf Augenhöhe zu führen, jedoch den Eindruck habe, dass sich viele Frauen finanziell nach oben orientieren (und nie nach unten), dann bin ich in meiner Wahrnehmung ökonomisch der schlechteste akzeptable Mann für eine Frau, die gleichviel verdient. Ich konkurriere also mit allen Männern, die besser darstehen – ein ziemliches Risiko, das ich vielleicht eingehe, wenn ich außerordentlich gutaussehend bin oder zusätzlich zum Beruf noch Prestige habe. In jedem Fall kann ich mit Fokus auf finanzieller Gleichheit nur eine sehr schmale Nische bedienen. Je weiter ich mich hingegen nach unten umsehe, desto mehr Möglichkeiten habe ich.

Alternativ genügen aber auch die echten Ergebnisse der Allensbach-Studie für eine triviale Erklärung: Die Mutter möchte in der ersten Zeit häufig ganz für das Kind da sein, die Väter erfüllen diesen Wunsch gerne und arbeiten deswegen Vollzeit. Das funktioniert besser, wenn der Mann ohnehin vorher mehr verdient hat. Das höhere Einkommen ist also das passende Puzzlestück zum häufigen Szenario. Treffe ich als Mann eine ehrgeizige Frau, muss ich mindestens genauso ambitioniert (und erfolgreich!) sein – ansonsten bin ich eine schlechte Wahl als Partner. Mal ganz davon abgesehen, dass Ehrgeiz auch nicht angeboren ist, sondern bei Männern notgedrungen genau deswegen häufiger gelebt wird.

Ehrgeiz bei einer Frau bedeutet also, dass weniger Männer sich Chancen ausrechnen können, als Partner in Frage zu kommen – selbst wenn sie das gar nicht so sieht! Für Männer mit Kinderwunsch ist eine Frau, die zuerst einmal beruflich weit aufsteigen will, umgekehrt auch keine gute Wahl, weil Karriere und Kinder kriegen in dieselben Jahre fällt.

Es gibt also recht nachvollziehbare Gründe, warum das oft nicht passt. Allerdings braucht niemand neidisch sein auf Väter mit Karriere: Die müssen nämlich darauf verzichten, ihre Kinder allzuoft zu sehen.

Alice Greschkows Artikel enthält aber noch einige weitere schöne Stellen: Etwa, dass es natürlich tröstet, als Frau nach einer Abfuhr von den Freundinnen zu hören „Er ist einfach eingeschüchtert von Dir, weil Du eine starke Frau bist“, „Er könnte Dich nicht wertschätzen, weil er zu unreif ist“ oder „Männer haben einfach Angst vor Bindungen“, das aber letzten Endes den Graben zwischen den Geschlechtern weiter aufreißt – und der Frau eine willkommene Ausrede liefert, warum sie Single ist. Nebenbei verstärkt diese Erklärung nur noch die Überzeugung, dass die Frau kaum Chancen auf einen Mann hat.

Es folgt eine sehr schöne Überzeugung, die ich viel zu selten lese: Wenn Frauen so akzeptiert werden sollen, wie sie sind, und es unterschiedliche Typen gibt – dann muss den Männern doch dasselbe erlaubt sein! Und tatsächlich sei die Mär vom modernen, bindungsunwilligen Mann so allgemein gesprochen nicht wahr (hier beruft sie sich auf Helen Fisher). Der Fehler liegt also nicht bei den Männern, sondern besteht darin, die Männer so negativ zu sehen.

Es sei daher Sache der ambitionierten Frauen, die immer noch einen Mann suchten, der besser sei als sie selbst, ihre Partnerwahlkriterien zu überdenken. Dazu noch der Hinweis, dass die Rollen für Männer im Gegensatz zu denen der Frau nicht flexibler geworden sind.

Die erwähnte Allensbach-Studie hatte diesbezüglich die Möglichkeiten für Frauen aufgezeigt: Sie selbst haben es in der Hand, beruflich nach einem hohen Einkommen zu streben und einen Partner zu wählen, der nicht deutlich mehr verdient. Dann ist die Aussicht, bald nach der Geburt der Kinder wieder ins Berufsleben einzusteigen, deutlich höher.

Bei Alice Greschkow folgt der Hinweis, dass man sich nicht von ehrgeizigen / attraktiven Frauen abschrecken lassen sollte. Das ist richtig, wenngleich beide Eigenschaften nicht deckungsgleich sind, sondern sich, wie oben erläutert, zuviel Ehrgeiz negativ auf die Attraktivität auswirken kann. Dazu kommt, dass diejenigen, die das Verhältnis zwischen den Geschlechtern wie einen Kampf darstellen, dieser Ermutigung zum Ansprechen direkt entgegenwirken: Wenn alles Belästigung ist und Männer stets damit rechnen müssen, plötzlich als Vergewaltiger beschuldigt zu werden, treibt das das Risiko für den ersten Schritt (der in der Regel vom Mann ausgehen muss, weil es so erwartet und bevorzugt wird) unnötig in die Höhe. Jeder halbwegs intelligente Mann wird sich bei einer Frau auch fragen, ob er ihre mitunter hohen Ansprüche erfüllen kann. Hat er diesen Eindruck nicht, landet die Frau bei längerem Kontakt in der Friendzone – denn die gibt es auch für Frauen.

Alice Greschkow beendet ihren Artikel mit einem positiven Schlusswort. Das finde ich allemal schöner als immer nur negativ zu sein. Ich empfehle, den Artikel auf Englisch zu lesen und nicht nur bei meinen Anmerkungen zu bleiben.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? „Glaubst Du, dass Du alleine besser dran bist?“ heißt es in diesem Trance-Stück einer Künstlerin, die auch noch Alice heißt.

Alice Deejay: Better Off Alone

Fundstück: Was macht das coole Patriarchat für den einfachen Angestellten?

Der von mir als Gastartikel verwendete Kommentar von Leszek hat einige sehr interessante Kommentare ausgelöst. Ich hoffe, die Diskussion geht noch weiter!

Ein Punkt, der dort genannt wurde, waren gewaltfreie Aktionen, die mit wenig Aufwand viel Effekt erzeugen können. Dafür braucht man natürlich künstlerische Begabung und Kreativität.

Das bringt mich zum heutigen Fundstück. Evan Delshaw hatte ich bereits erwähnt. Vergangenen Monat hat er ein neues, gut gemachtes Video veröffentlicht:

Paying with Privilege

Keine zweieinhalb Minuten lang, mit Humor, gleichzeitig werden eine ganze Reihe Fakten genannt. Kein einfaches Abfilmen vor der Webcam, sondern mit Aufwand produziert.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Es geht nicht darum, dass jetzt jeder solche Videos machen muss und darunter gar nichts geht. Ich freue mich erst einmal, dass solche schönen Sachen entstehen. Für die Frage, was ich selbst machen kann, ist es aber ein guter Denkanstoß, einmal verschiedene gute Aktionen zu sehen.

Was wäre denn die einfachste Folgeaktion? Deutsche Untertitel für diejenige, die des Englischen nicht so mächtig sind? Den Clip verbreiten über die üblichen Kanäle?

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Da gab’s doch mal ein Lied über Videos…

The Buggles: Video Killed The Radio Star

Fundstück: Ahoi Polloi

Via Genderama wurde ich an das Blog „Ahoi Polloi“ erinnert. Da sind immer wieder schöne Witze dabei. Für das grobe Thema dieses Blogs finde ich folgende Beiträge besonders interessant:

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Schwierig, ein passendes Lied zu finden… aber immerhin hat die Band den Witz im Namen.

Killing Joke: Eighties

Warum ich Freundlichkeit als wichtigen Tipp für Attraktivität empfehle

Die Frage, wie man als Mann gut flirtet, bleibt immer aktuell. Ich denke, dass es kein Kochrezept gibt, das man einfach ausführen kann. Oft sind es viel grundsätzlichere Dinge, die zuerst gelöst werden müssen.

Die Flirttipps von Erzählmirnix etwa zielten auf eine allgemeine Lebensführung ab. Und auch mein Rat, dass gute Gespräche führen eine wichtige soziale Eigenschaft ist, geht in die Richtung.

Als grundsätzliche Qualität hatte ich bereits Souveränität erkannt und die Frage gestellt, was deren Erreichen im Weg steht. Das läßt sich natürlich auch umgekehrt formulieren: Wodurch strahle ich Souveränität (oder meinetwegen auch Status) aus?

Ich habe festgestellt, dass es eine Sache gibt, die sehr große Wirkung zeigt, sofern man einigermaßen ordentlich angezogen ist: Freundlichkeit gegenüber Abhängigen und Bediensteten.

Erzählmirnix hat es kürzlich plakativ anhand einiger Kunden dargestellt. Cracked.com hatte eine Liste von „27 Kursen, von denen wir wünschten, dass man Leute in der Schule dazu zwingt, sie zu machen“ und auf Platz 1 (Grafik) landete ein Bild mit mehreren Personen und Gegenständen sowie der Frage: „Bei welchem der folgenden handelt es sich um Menschen und sollte auch so behandelt werden?“ Gezeigt wurden unter anderem eine Bedienung und ein Obdachloser.

Im Prinzip geht es um Leute, die entweder auf einen angewiesen sind und in der sozialen Hierarchie unter einem stehen, oder (vor allem) Menschen, die einen bedienen müssen und einem deswegen nicht aus dem Weg gehen können. Direkter Kundenkontakt, etwa Bedienung in Kneipe/Café/Disco, ist ein Knochenjob, zumal man auch dann freundlich auftreten muss, wenn sich das Gegenüber patzig verhält.

Umso mehr kann jeder einen Unterschied machen und Leute anständig behandeln. Gerade wenn mal etwas nicht klappt, reicht es aus, sich zu fragen, ob die Person, die vor einem steht, persönlich für das Ungemach verantwortlich ist oder nur als menschlicher Puffer dient, um den Ärger abzufangen.

In dem Sinne: Das fehlende oder automatisch heruntergerasselte „Guten Tag!“ gegen einen bewusste, extra freundliche Begrüßung austauschen. Ich war selbst erstaunt, wie viele strahlende Augen und angenehm überraschte Gesichter ich damit erzeugt habe.

Eine gewisse Eleganz ist natürlich altmodisch – also nichts von wegen „alte Rollen aufbrechen“, sondern im Gegenteil althergebrachtes galantes Verhalten wiederentdecken ist angesagt. Seine schleche Laune nicht an einem (in der Situation) Untergebenen auszuleben, hat aber viel mit Souveränität zu tun.

Vielleicht klingt das ein wenig nach Ritterlichkeit, die inzwischen verpönt ist. Echte Freundlichkeit ist jedoch freiwillig und wird aus einer Position der Stärke heraus gegeben. Das macht den Unterschied aus zu einem zwangsweise erfolgenden Andienern (das ja wiederum nichts anderes ist als eine niedrigere Position zu signalisieren).

Ich würde dieses Verhalten sogar in Maßen als männerrechtlich relevant bezeichnen. Wie oft höre ich, dass Männer in schlechten Jobs quasi keine Beachtung finden? Hier ist die Gelegenheit, alle ordentlich zu behandeln. Viele schaffen es nicht aus ihrer Stelle als kleines Licht heraus. Aber zumindest kann ich ihnen im direkten Umgang zeigen, dass ich in ihnen ein menschliches Wesen sehe und nicht nur ein anonymes, austauschbares kleines Rad im Getriebe.

Und als letztes: In Deutschland wird wenig gelächelt. Umso mehr sind viele Leute dann angetan, wenn sie es in diesem Zusammenhang mal wieder erleben.

Warum halte ich das für attraktiv, wenn das scheinbar so einfach zu machen ist? Es wirkt immer besser, nicht den eigenen Ärger an anderen auszulassen und man zeigt, dass man seine Position nicht dadurch demonstrieren muss, indem man andere herunterbügelt.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Heute passt ein Lied über Arbeit, die man tun muss, um über die Runden zu kommen.

Huey Lewis and the News: Workin‘ for a livin‘

Warum ein verprügelter Mann viele Fragen bei mir aufwirft

Via Genderama stieß ich vor einigen Tagen zuerst auf die aberwitzige Meldung: Ein 50 Jahre alter Mann geht abends mit einer 10-jährigen spazieren. Das finden einige Leute verdächtig, verfolgen ihn. Nach einigen Beschimpfungen als „Kinderschänder“ und „Pädophiler“ wird der Mann schließlich verprügelt.

Am Ende stellt sich heraus:

  1. Das war der Vater des Mädchens!
  2. Warum die Mutter nicht dabei war? Die besuchte gerade einen Kurs – der Mann hielt ihr den Rücken frei und kümmerte sich um die Tochter.

Die Meldung machte bereits die Runde. Sie ist so ungeheuerlich, dass sie auch aushalb der männerrechtlichen Szene gut verstanden werden kann und entsprechend kommentiert wird. Vorsicht ist allerdings dahingehend geboten, dass bisher nur die offizielle Polizeiversion geschildert wird. Wer weiß, was die Gegenseite oder Zeugen aussagen werden und was sich am Ende eines Verfahrens herausstellt? Allerdings ist bereits der Bericht alleine in der Lage, einen gewissen Eindruck zu vermitteln. Vor diesem Hintergrund kommen mir die folgenden Fragen angemessen vor:

Radikalfeministinnen behaupten, wir lebten in einer „Rape Culture„, in der Vergewaltigungen bewusst hingenommen und die Täter fast immer laufengelassen werden. (Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung sind es nach unserem Rechtssystem nur Verdächtige oder Angeklagte, aber das beweist ja schon, wie ungerecht es ist…) Inwiefern könnte sich die permanente Darstellung von Beschuldigten als „schuldig ohne Beweis“ und unserer Justiz als untätig auf die Bereitschaft von Leuten auswirken, das Gesetz in die eigene Hand zu nehmen?

Männer werden gerne als „das dümmere Geschlecht“ portraitiert. Männliche Sexualität gilt als primitiv, böse und so gerade noch gezügelt. Ja, es wird in radikalfeministischer Umgebung sogar angenommen, dass Männer vergewaltigen, wenn man sie nicht aufklärt, weil sie einfach nicht wissen, dass das falsch ist und das ansonsten von Natur aus machen würden. Inwieweit könnte das negative Männerbild dazu beitragen, bei Männern gleich das allerschlechteste anzunehmen und überall den Hintergrund eines Sexualverbrechens zu wittern?

In den Debatten um Familien und Kinder werden Männer als die Schuldigen ausgemacht; von ihnen wird das Bild rückständiger, egoistischer Menschen gezeichnet, die eigentlich gar kein tiefergehendes Interesse an Beziehungen haben. Welche Botschaft sendet der Generalverdacht gegen einen Familienvater, der sich um seine Tochter kümmert und seine Frau unterstützt, an all diejenigen Männer, die unsicher sind und nicht wissen, ob sie eine Familie gründen sollen?

Und als Metafrage: Wie wirkt es sich wohl auf den sozialen Frieden aus, wenn die Angehörigen einer Gruppe als von Natur aus minderwertig, dumm und böse dargestellt werden?

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Inzwischen gilt harmloses Spazierengehen als verdächtig… da erinnert man sich wehmütig an die Zeiten, als das noch kein Problem war.

The Bangles: Walking Down Your Street

Fundstück: Sargon of Akkad über Bell Hooks

Der von mir bereits einige Male erwähnte Sargon of Akkad hat ein neues Video veröffentlicht, in dem er argumentiert, Anita Sarkeesian sei wesentlich von Bell Hooks beeinflusst worden. Auch wenn er einige gute Punkte zu Bell Hooks nennt, die für gewöhnlich bei Radikalfeministinnen fehlen, so führt er insbesondere die seltsame Weltsicht Anita Sarkeesians auf sie zurück.

Sargon of Akkad hat viele interessante Videos gemacht, insbesondere liefert er regelmäßig eine Zusammenfassung der dümmsten Meldungen der Woche („This Week In Stupid“). Dieses Video halte ich deswegen für besonders erwähnenswert, weil es relativ zeitlos ist und nicht irgendwelche Aufreger behandelt, sondern sich stattdessen mit theoretischen Grundlagen des (Radikal-)Feminismus befasst.

Gerade das Lesen und Beurteilen der Quellen, das sich Befassen mit Argumentationsmustern und dem Weltbild von Gegnern in der Debatte halte ich für eine wichtige Sache. Es kam zuletzt mal wieder bei Alles Evolution auf.

Außerdem (eine persönliche Vorliebe von mir) wird Sargon of Akkad hier nicht laut und flucht herum. Aus irgendeinem Grund scheint das ansonsten im angelsächsischen Raum als Indikator für Meinungsfreiheit zu dienen…

Bell Hooks: Anita Sarkeesian’s Influence

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Es gäbe viele Möglichkeiten für Titel mit Glocke („Bell“) oder Haken („Hook“) im Titel. „Hooked On A Feeling“ kennt man vor allem in der „Ooga chaka“-Version von Blue Swede – das hier ist das Original.

B. J. James: Hooked On A Feeling

Fundstück: Lutz Bierend zur Allensbach-Studie und zur Männerquote

Ich hatte in meiner Beurteilung der Allensbach-Studie zur Aufgabenteilung in Familie und Beruf am Ende geschrieben:

Wenn das [die Tatsache, dass das Leben kein Wunschkonzert ist] auch bei Manuela Schwesig ankommen würde und sie begreifen würde, dass die meisten Paare da weiter sind als sie selbst es ist, dann könnten wir uns über realitätsorientierte Familienpolitik unterhalten – ohne die stets implizierten Scheuklappen, dass die Frauen Opfer der Verhältnisse sind und die Männer rückschrittliche Egoisten.

Prompt finde ich einen weiteren Artikel zur Studie: „6 Gründe, warum sich Väter weniger für ihre Kinder engagieren als sie wollen“ – Lutz Bierend bringt einige Klopper.

Thematisch passend dazu ist auch sein Plädoyer für die Quote. Da kommt gleich ein wunderbarer Beitrag für die von mir erwähnte realitätsorientierte Familienpolitik:

Es gibt einen entscheidenden Unterschied, der eine Väterquote noch viel drängender als die Frauenquote macht: Die Sorgerechts- und Unterhaltsgesetze diskriminieren Männer aktiv bei der freien Entscheidung zwischen Familie und Karriere. Wenn Richter es nicht wollen, und der Vater nicht gerade in der finanziell glücklichen Lage ist 100% seines Unterhaltes weiter zu zahlen, während er beruflich kürzer tritt um 45% der Erzieheungsarbeit zu übernehmen, dann wird dem Vater (der gesteigerten Erwerbsobliegenheit sei dank) gar keine andere Möglichkeit gelassen, als auf die Familienarbeit zu verzichten. Letztendlich wird es auf dem Arbeitsmarkt keine Gleichstellung gebenen, solange Väter, die auf die Öffnungszeiten von Kindergärten und -horte achten müssen, die Ausnahme bleiben. Erst wenn Personaler bei einem Mann genauso damit rechnen müssen, dass der mal für sein krankes Kind zu Hause bleiben muss oder jede zweite Woche seinen Dienstplan streng einhalten muss, weil dann seine Kinder bei ihm sind, erst dann wird “Frau unter 40″ kein Karrierehindernis mehr sein. Wenn dieses Ministerium nicht in der Lage ist ein nichtdiskriminierendes Sorgrecht zu gestalten, in dem Männern nicht fürchten müssen, dass die Tatsache, dass sie in den ersten Monaten in der Regel als Familienfinanzierer dienen, ihnen ein Leben lang als Sorgerechtsmalus angerechnet wird, dann sollte hier wenigstens mit einer Quote dafür gesorgt werden, dass Väter sich in der Erziehung der Kinder einbringen. Wenigstens 30% der Erziehungsleistung sollte von Väter ausgeübten werden. Wer sich über die Benachteilung der Frau am Arbeitsmarkt beklagt und deren Ursachen in der Familienpolitik nicht in Angriff nimmt, bzw. durch diskriminierung der Väter die Mutterrolle der Frau zementiert, wird leider scheitern und sich damit abfinden müssen, wenn Mann sie als Heuchlerin bezeichnet, Frau #Schwesig.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Kürzlich fiel mir noch ein Lied über einen verstorbenen Vater ein, der angeblich nie zu Hause war.

Gastartikel: Leszeks Kritik an den Thesen zum Maskulismus

Auf „Alles Evolution“ sind gestern Thesen zum Maskulismus (von Lightyear) erschienen.

Der Stammkommentator Leszek, welcher sich nicht zu schade ist, in ellenlangen Kommentaren verschiedene Strömungen des Feminismus und Maskuslismus zu differenzieren, hat auch hierzu einen Kommentar geschrieben. Vom Autor des Blogs Meinungen und Deinungen kam die erste Reaktion: „Sehr schöne Zusammenfassung, hätte einen eigenen, verlinkbaren Blogpost verdient.“

Das läßt sich machen! Ich hatte ja ohnehin schon früher „angedroht“, eine „Wir zitieren Leszek“-Aktion zu machen, und nehme das als Anlass, dies in die Tat umzusetzen. Der Kommentar selbst hat natürlich ebenfalls Kritik und Kommentare verdient (er wurde ja auch bei Christian Schmidt diskutiert). Ich habe mir erlaubt, ein wenig Formatierung und bessere Verlinkung durchzuführen; inhaltlich bleibt es dasselbe.

“Was würdet ihr gegen Lightyears Thesen anführen?”

Die Thesen sind komplett unwissenschaftlich, ohne Kenntnis männerrrechtlicher Literatur, männerrechtlicher Strömungen und Theorien und der Männerrechtsbewegung nahestehender Organisationen.

“1. Im Maskulismus sind Männer immer Opfer”

Der Maskulismus lehnt die Auffassung ab, dass Männer eine privilegierte Klasse seien:

Die Ablehnung der Theorie von Männern als privilegierter Klasse als zentraler Ausgangspunkt maskulistischen Denkens

Er verweist auf Diskriminierungen, Benachteiligungen, soziale Problemlagen und Menschenrechtsverletzungen, von denen Jungen und Männer betroffen sind (Männerbewegung, Was wir wollen, Rezension zu „Plädoyer für eine linke Männerpolitik“), versucht die Existenz dieser Mißstände zu belegen, ihre Ursachen zu erforschen, diese Mißstände in der Öffentlichkeit bekannt zu machen und Mittel und Wege zu ihrer schnellstmöglichen Beseitigung zu finden.

Es gibt im linken und liberalen Maskulismus aber keine Theorie, nach der Frauen eine privilegierte Klasse seien analog zu der Auffassung, dass Männer eine privilegierte Klasse seien im vorherrschenden Feminismus. Dafür gibt es im linken und liberalen Maskulismus aber theoretische Ansätze, um zu versuchen Diskrimierungen, soziale Problemlagen und Menchenrechtsverletzungen bezüglich beider Geschlechter zu erfassen.

Der zentrale Vordenker der Männerrechtsbewegung Warren Farrell sprach von der bisexistischen Rollenverteilung, durch die beide Geschlechter diskrimimiert werden, der Philosoph David Benatar thematisiert gegen Jungen und Männer gerichteten Sexismus auf eine Weise, die sich gleichzeitig auch gegen Sexismus wendet, von dem Mädchen und Frauen betroffen sind, der Soziologe Christoph Kucklick analysiert Männerfeindlichkeit in ihrer historischen Dimension bei gleichzeitiger Kritik jeder Frauenfeindlichkeit, außerdem gibt es im linken Maskulismus das Konzept des integralen Antisexismus, das eine geschlechtsübergreifende Perspektive auf geschlechtsbezogene Diskriminierungen, soziale Problemlagen und Menschenrechtsverletzungen anstrebt, welche Männer, Frauen, Intersexuelle und Transgender theoretisch, wissenschaftlich und politisch berücksichtigt.

Solche integrierenden Ansätze fehlen im zeitgenössischen Mainstream-Feminismus komplett, es gibt sie nur bei dissidenten Feministinnen aus dem Spektrum des liberalen Feminismus. Allerdings müssen diese integrierenden Ansätze im Maskulismus noch genauer ausgearbeitet werden, um sie stärker zur Geltung zu bringen.

“2. Maskulisten haben keine Praxis”

Der Männerrechtsbewegung nahestehende Organisationen wie MANNdat, Gleichmaß, Agens und Väteraufbruch für Kinder haben selbstverständlich eine Praxis.

Es trifft allerdings zu, dass es in der Männerrechtsbewegung in Deutschland im Gegensatz zu anderen sozialen Bewegungen leider bislang keine gewaltfreien Aktionsgruppen gibt, die mit Hilfe der potentiell sehr wirkungsvollen Methoden des zivilen Ungehorsams und der gewaltfreien direkten Aktion versuchen berechtigte männerrechtliche Anliegen in der Öffentlichkeit bekanntzumachen und Sympathie und Interesse für diese zu wecken. Die Durchführung von gewaltfreien Aktionen, die geeignet sind Sympathie und Interesse für männerrechtliche Anliegen in der Öffentlichkeit zu schaffen, wäre m.E. ein wichtiger nächster Schritt für die Männerrechtsbewegung.

“3. Maskulisten bashen Feminismus, haben sonst keine eigenen Ideen”

Das Schwerpunktthema des Maskulismus sind Diskriminierungen, Benachteiligungen, soziale Problemlagen und Menschenrechtsverletzungen, von denen Jungen und Männer betroffen sind. Um diese bekannt zu machen und die falsche Auffassung, Männer seien eine privilegierte Klasse zurückzudrängen ist eine Kritik am heute in westlichen Gesellschaften vorherrschenden Feminismus (Radikal-/Gender-/Staatsfeminismus) unvermeidbar, da diese mit ihren medial, akademisch und politisch leider zur Zeit noch einflussreichen einseitigen und falschen Konzepten zu männlichen Diskriminierungen beitragen.

Allerdings ist der vorherrschende Feminismus nur einer von mehreren Aspekten, die zu männlichen Diskriminierungen beitragen. Nicht in den zentralen männerrechtlichen Büchern, aber auf manchen männerrechtlichen Blogs wird einer Analyse der Ursachen männlicher Diskriminierungen in multikausaler und intersektionaler Perspektive m.E. manchmal zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt.

“4. Maskulisten wünschen sich ihre Privilegien zurück, die vor 50 Jahren noch hatten.”

Männer waren auch vor 50 Jahren und davor keine privilegierte Klasse (Wehrpflicht, schwere und gefährliche Arbeiten als typische Männerjobs, Einschränkung der persönlichen Entfaltung und der freien Wahl der Lebensweise durch traditionelle Geschlechterrollen). Im linken und liberalen Maskulismus will niemand dahin zurück. Im konservativen Flügel der Männerrechtsbewegung gibt es auch Einzelpersonen, die traditionelle Geschlechterrollen bejahen, aber diese Leute sind irrelevant für die maskulistische Theorie.

Arne Hoffmann schreibt in seinem Buch “Plädoyer für eine linke Männerpolitik” zu den Nachteilen der traditionellen Geschlechterrolle für Männer:

„Diese Ablehnung (von traditionellen Geschlechterrollen als Leitbild) ist innerhalb der Männerbewegung allerdings keineswegs neu. Bereits im Jahr 1981 erklärte der amerikanische Männerrechtler Fredric Hayward in einer Rede, die er bei dem Nationalen Kongress für Männer hielt: „Wir dürfen die Frauenbewegung nicht umkehren, wir müssen sie beschleunigen. Die Befreiung der Männer ist kein Backlash, denn es gibt nichts an den traditionellen Geschlechterrollen, wozu ich zurückkehren will.“
Auch ich habe in meinen Veröffentlichungen immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass vielen von uns Männerrechtlern der Feminismus nicht zu weit gehe, sondern nicht weit genug. Der Rosenheimer Sozialpädagoge Wolfgang Wenger, einer der Pioniere einer linken Männerrechtsbewegung in Deutschland, vertritt eine ähnliche Haltung: „Persönlich beschäftigt mich noch die Frage nach der Ausgestaltung eines modernen Maskulismus“, verrät Wenger in einem Interview, „da mir einseitige und falsch verstanden altmodische Männerbilder ein Greuel, weil einengend sind. Mir geht es sehr darum, Männlichkeit und Jungenhaftigkeit in all seiner Vielfalt wahrzunehmen und zu akzeptieren und vor allem, diese Bilder positiv zu besetzen.“

In meinem im Frühjahr 2012 veröffentlichten Essay „Vergesst die Rechten!“ habe ich dazu schon Wesentliches ausgeführt. Aufhänger war dabei eine Diskussion, die ich auf Facebook mitverfolgt hatte. Einer der Teilnehmer, den ich seinem Profil nach dem Lager der Neuen Rechten zuordnen würde, ereiferte sich darüber, wie wenig es in unserer sichtlich zugrunde gehenden Kultur noch ganz normaler Konsens sei, dass ein Mann sein Leben gibt, um das einer Frau zu schützen. Neugierig geworden erkundigte ich mich danach, ob er damit meinte, dass eine Frau ein höheres Recht auf Leben als ein Mann habe. Ich erhielt zur Antwort, ja, so sei es, das wisse man doch schon von Schiffsunglücken, wo es „Frauen und Kinder zuerst“ heiße. Ich fragte nach, mit welcher Begründung denn eine Gruppe von Menschen ein höheres Recht auf Leben als eine andere genießen solle. Mein Gesprächspartner teilte mir mit, das sei doch offenkundig: Frauen würden „die Brut“ austragen und seien damit von wesentlich größerer Bedeutung als Männer für den Fortbestand der menschlichen Rasse (von der Nation vermutlich ganz zu schweigen). Ich hakte unverdrossen noch einmal nach und erkundigte mich, ob er dann auch der Ansicht sei, dass eine nicht mehr gebärfähige Frau ein geringeres Recht auf Leben habe als eine, die in der Lage ist, noch viele Kinder auszutragen. Mein inzwischen immer mürrischer gewordener Gesprächspartner grummelte etwas davon, dass ich allmählich auf den Trichter kommen würde zu kapieren, wie in einer gesunden Volksgemeinschaft die Hierarchie des Rechts auf Lebens geregelt sein sollte. Andere Männer aus seinem politischen Umfeld begannen ihm beizuspringen. Gegenwind bekam er außer von mir bezeichnenderweise nur von einer Frau, die seine Einstellung als so reaktionär bezeichnete, wie sie war: entweder weil diese Frau die Etablierung der hierarchiefreien Menschenrechte noch mitbekommen hatte, die für meinen Gesprächspartner wohl nur ein weiteres Verfallssymptom unserer Gesellschaft darstellten, oder weil sie witterte, dass mit dem angeblichen höheren Lebensrecht von Frauen, von dem man auf Facebook schnell daherschwadronieren kann, solange man nicht selbst in Todesgefahr schwebt, Regelungen verbunden sind, die für eine Frau im Jahr 2012 nicht nur von Vorteil sind. Wenn beispielsweise Taliban ihre Frauen nicht ohne Begleitung aus dem Haus gehen lassen, dann ganz sicher nur in dem wohlmeinenden Interesse, deren höheres Recht auf Leben so gut wie nur irgend möglich zu schützen…
Tatsächlich stellt das althergebrachte Männerbild eine gigantische Belastung dabei dar, sich für Männerrechte und gegen Männerdiskriminierung einzusetzen, denn eben dieser Anachronismus verlangt es von Männern, stark zu sein wie eine Eiche, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl. Jungen weinen nicht und Indianer kennen keinen Schmerz. Es wird im Verlauf dieses Buches noch zu zeigen sein, wie geschickt gerade auch viele Feministinnen diese überholten Rollenerwartungen immer wieder zu instrumentalisieren versuchen, um Männer, die über Opfererfahrungen sprechen, als „Jammerlappen“ und „Plärrer“ abzuwerten. Tatsächlich, macht der Soziologe und Geschlechterforscher Professor Walter Hollstein klar, ist nicht zuletzt unser tradiertes Rollenbild schuld daran, dass sich Jungen und Männer zigfach häufiger das Leben nehmen als Frauen und Mädchen: Sie töten sich lieber, als Schwäche zu zeigen. An eben jenem überholten Rollenbild liegt es auch, dass beispielsweise die Häufigkeit von Depressionen bei Männern massiv unterschätzt und selbst von Ärzten unterdiagnostiziert wird: ein Missverhältnis, das sich erst in den letzten Jahren, unter anderem nach der medialen Berichterstattung über die Selbsttötung des Nationaltorwarts Robert Enke zu ändern begann.

Einer der entscheidenden Pferdefüße der althergebrachten Männerrolle liegt darin, wie sehr sie dazu führte, dass nicht nur das Leiden, sondern auch das Leben von Männern gering geschätzt wird. Als etwa beim Bau des Panamakanals circa 25.000 Männer ihr Leben verloren und ziemlich genau null Frauen, kam kein Mensch auf die Idee, dies als Grundlage für eine Bewegung gegen die Diskriminierung von Männern zu verwenden. Wären die Geschlechterverhältnisse umgekehrt gewesen, hätten Feministinnen längst darauf aufmerksam gemacht.“

(Aus: Arne Hoffmann – Plädoyer für eine linke Männerpolitik, S. 75 f.)

Die Kritik an den Nachteilen der traditionellen Geschlechterrolle für Männer im linken und liberalen Maskulismus impliziert jedoch nicht, Männern und Frauen, die von sich aus gerne traditionell leben möchten vorzuschreiben, sie dürften dies nicht tun oder sie für diese Lebensweise abzuwerten. Über die eigene Lebensweise soll jedes Individuum selbst bestimmen. Eine konsequente Ablehnung von Geschlechterrollen als Leitbild bedeutet eben gerade: Keine normativen Rollenvorgaben.

Warum ich die Eltern für vernünftiger halte als Manuela Schwesig und das Allensbach-Institut

Ein Bekannter von mir, der Naturwissenschaften studiert hat, sagte einmal folgendes über bezahlte Studien im Auftrag von Politik und Unternehmen: Auf dem Formular zum Ausfüllen sollte stets Platz sein, damit das gewünschte Ergebnis auch eingetragen wird.

Via Frankfurter Erklärung bin ich vor ein paar Tagen auf eine Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach aufmerksam geworden: „Weichenstellungen für die Aufgabenteilung in Familie und Beruf“ (die Studie als PDF). Launisch kommentiert wurde die Berichterstattung darüber bereits von Klaus Kelle: N24 weiß, was Frauen wünschen. Kelle fasst die Ergebnisse der Studie völlig anders zusammen:

Eine neue Studie aus Allensbach bestätigt, was jeder weiß, der mit offenen Augen durch diese Gesellschaft geht.

Die traditionelle Familie aus Mann, Frau und Kindern lebt nicht nur, sie ist weiterhin ein wahres Erfolgsmodell. Und spätestens mit der Geburt des erstens Kindes nehmen die meisten Paare die tradierten Rollenmodelle an – ER, der Berufstätige und „Ernährer“, SIE, die Frau, die sich um ihre Kinder kümmert. Das Interessanteste dabei: die Paare entscheiden sich freiwillig und einvernehmlich für dieses Modell, weil nämlich insbesondere die Frauen die Zeit mit ihren kleinen Kindern nicht als Last, sondern als großes Glück empfinden.

N24 hingegen, so Kelle, spreche davon, dass Frauen vor allem mehr arbeiten wollen. Das ist für sich genommen gar nicht falsch, zumindest wenn sie bereits arbeiten. Neulich wies „der VÄTER Blog“ etwa auf den Mythos Fachkräftemangel hin: „Fachkräftemangel? – Unterbeschäftigte Erwerbstätige wollen mehr arbeiten.„. Klare Sache, 3 Millionen Beschäftigte wollen mehr arbeiten, hingegen eine Million weniger. Nur gilt das für Männer und Frauen gleichermaßen, ist also rein statistisch kein spezielles Frauenproblem.

Es blieb die Frage, ob Klaus Kelle richtig lag. Die Frankfurter Erklärung wies zusätzlich noch auf einen Artikel der Frankfurter Rundschau hin: Studie: Vater Vollzeit, Mutter Hausfrau.

Da wurde ich schon skeptischer. So lautete eine Bildunterschrift: „Das Konzept einer glücklichen Familie. Doch nach wie vor setzt sich schnell das Konzept der traditionellen Rollenverteilung durch.“ Darin steckt die Wertung, die traditionelle Rollenverteilung sei unvereinbar mit einer glücklichen Familie. Das sollten die Ehepartner doch noch wohl selbst entscheiden dürfen. Selbst wenn das nur 20% wollen (ausgedachtes Beispiel, solange ich die Quelle nicht wiederfinde. Ich hatte vage eine Statistik von Alles Evolution im Kopf, bei der 20% der Frauen Hausfrau sein wollten, 60% ein wenig arbeiten und Kinder haben und 20% nur Karriere, finde den Beitrag aber nicht mehr).

Manuela Schwesig wird damit zitiert, bei vielen Familien liefen Wunsch und Wirklichkeit auseinander – so als ob das allein schon dramatisch wäre, obwohl das im Leben doch oft passiert. Die Grafik in dem Artikel weckte dann vollends meine Skepsis, denn sie enthielt als Kriterium für die richtige, politisch gewollte Aufgabenteilung die Formulierung „So viele halten diese Form für ideal, wenn man auf nichts Rücksicht nehmen müsse“.

Auf zwei Zugfahrten nahm ich mir die Zeit und las mir tatsächlich die gesamte Studie durch. 67 Seiten ist ein schaffbares Pensum.

Die Kurzfassung: Eine Menge „was wir schon immer wussten“ bzw. gesunder Menschenverstand. (Dabei ist es durchaus nützlich, diese Sachverhalte noch einmal ausdrücklich bestätigt zu bekommen.)

S. 4: 43 Prozent der Elternpaare haben ein Kind in ihrem Haushalt, 40 Prozent haben zwei Kinder, 17 Prozent drei oder mehr Kinder.

Das sind ja extrem wenig Kinder, wenn man bedenkt, dass für demographische Stabilität 2,1 gebraucht werden. Hier wurden nur Paare befragt, die bereits Kinder hatten. Selbst wenn die meisten zwei Kinder hätten, müsste es immer noch einige mit mindestens drei Kindern geben. Das ist der erste interessante Sachverhalt, der nicht weiter untersucht wird.

S. 4: In 24 Prozent der Familien verfügen die Väter über einen höheren Schulabschluss als die Mütter, in 27 Prozent haben die Mütter den höheren Schulabschluss. In 49 Prozent der Familien haben beide Partner den gleichen Schulabschluss erreicht.

Also Gleichberechtigung – mit leichten prozentualen Vorteilen für die Frauen.

S. 4: In über drei Vierteln der Haushalte erzielen zwei Personen Einkommen – in etwa jedem fünften Haushalt erzielt nur eine Person Einkommen (einschließlich Elterngeld, Mieteinkommen etc.). In 82 Prozent der Familien ist der Mann der Hauptverdiener.

Also die klassische Aufteilung: Mann Hauptverdiener, Frau evtl. Teilzeit.

S. 5: Nach der Geburt des ersten Kindes und nach den teils kürzeren, teils längeren Elternzeiten, verändern sich die Erwerbskonstellationen der Elternpaare erheblich. In vielen Familien reduzieren die Mütter ihre Berufstätigkeit oder scheiden ganz aus dem Beruf aus, während die Väter Vollzeit berufstätig bleiben. Die vor der Geburt bestehende Dominanz der Vollzeit/Vollzeit-Konstellationen verliert sich und macht einer Vielzahl unterschiedlicher Modelle Platz. Vor allem bestimmen dann Konstellationen mit einer Vollzeitbeschäftigung des Vaters und einer Teilzeitbeschäftigung der Mutter das Bild, wobei aber der zeitliche Umfang dieser Teilzeitarbeit stark variiert.

Also auch hier: Normalität in Anbetracht der veränderten wirtschaftlichen Lage: Ein Gehalt reicht heutzutage meistens nicht mehr; vor dem ersten Kind arbeiten beide Partner voll. „Ein Kind verändert alles.“ und „Ein Kind erfordert Zeit.“

S. 6: Beachtlich: Vor der Geburt des ersten Kindes arbeiten Männer 43 Stunden, Frauen nur 37. Warum?

S. 8 ebenso, dazu: Vater nach dem letzten Kind wieder auf 43 statt 42 Stunden. Männer haben die Wahl zwischen Vollzeit und Vollzeit.

S. 9: 2005-2015: Der Anteil gar nicht oder kaum berufstätiger Frauen geht zurück, Wachstum bei Berufstätigen mit mehr als 15 Wochenstunden und Vollzeit.

S. 9: Durch diese Entwicklung wird das vorherrschende Muster aber noch nicht außer Kraft gesetzt. Nach wie vor wirkt das berufliche Zurückstecken der Mütter beim ersten Kind lange nach. Das lässt sich aus den Berufsverläufen von Frauen erkennen. Lediglich bis etwa zum 30. Lebensjahr ist die Mehrheit der Frauen Vollzeit berufstätig. Danach liegt der Anteil Vollzeit erwerbstätiger Frauen deutlich unter 50 Prozent. Die Weichenstellungen im Zusammenhang mit der Familiengründung betreffen Frauen nicht nur für eine kurze Phase, sondern erweisen sich für viele als berufs- und lebensprägend.

Wer hätte das gedacht? Ein Kind verändert das ganze Leben… nur der Vater darf vorher wie nachher ackern. Viel interessanter: Dass es inzwischen als normal gilt, das erste Kind nicht vor 30 zu bekommen.

S. 12: Das ist also das Ziel der Studie: die Idealvorstellungen von Eltern umsetzen. Was diese Idealvorstellungen sind, dazu kommen wir später noch.

S. 13 und 17: Lesenswerte Zitate.

S. 18: Die meisten Eltern hatten von vornherein feste Vorstellungen, wie eine solche Aufteilung aussehen könnte (58 Prozent).

S. 19: Dabei stimmten die grundsätzlichen Vorstellungen von Männern und Frauen meist überein. Die Aufgabenteilung verlief für 87 Prozent ohne Kontroversen

Die Leute wussten mehrheitlich vorher, was sie wollten, und fanden ohne größeren Streit gemeinsam eine Aufgabenteilung. Klingt doch gut und nach Menschen, die mit offenen Augen durchs Leben gehen.

S. 19: Grundsätzlich erklären sich 90 Prozent der Mütter und Väter mit der Aufgabenteilung zufrieden (55 Prozent) oder sogar sehr zufrieden (35 Prozent). Das bedeutet aber nicht, dass die getroffene Aufteilung auch bereits der Wunschaufteilung entspräche. Viele Eltern fänden eine andere Aufteilung ideal und hätten sich unter anderen
Rahmenbedingungen auch für eine andere Aufteilung entschieden (vgl. Kapitel 5 sowie Schaubild 23). Bei diesen Eltern signalisiert die geäußerte Zufriedenheit eher die Überzeugung, aus den vorhandenen Möglichkeiten das Beste gemacht zu haben.

Noch einmal die Betonung, dass Zufriedenheit nicht das Ideal bedeutet. Beachtlich, dass die meisten entsprechend der Rahmenbedingungen das beste gemach haben.

S. 26: Hauptgründe dafür, dass Väter trotz ihres Wunsches nach einer Elternzeit ihre Berufstätigkeit nicht unterbrachen, waren die Furcht vor Einkommensverlusten bei 60 Prozent dieser Väter, vor Nachteilen im Beruf (38 Prozent) und vor Problemen bei der Organisation im Betrieb (35 Prozent, Mehrfachangaben).
(…)
Ähnliche Befürchtungen halten viele Väter, die in Elternzeit gehen, davon ab, mehr als jene zwei Monate Elternzeit zu beanspruchen, die vom Elterngeld als „Partnermonate“ abgedeckt werden. Dabei hätten sich 54 Prozent der Väter, die nach ihrer
Elternzeit bereits wieder in ihren Beruf zurückgekehrt sind, eine längere Elternzeit gewünscht.

Mit anderen Worten: verantwortungsvolle, moderne Männer.

S. 27: Duch den erkennbaren Wandel der Muster könnte es Vätern in Zukunft leichter fallen, ihre Wünsche nach einer Elternzeit zu realisieren. Ein konkretes Beispiel dafür liefert ein befragter Vater, der sich erst beim zweiten Kind zu einer Elternzeit entschloss, weil in seinem Betrieb inzwischen „jeder“ angehende Vater von der Elternzeit
Gebrauch mache.

Na also!

S. 28 Die Aufteilung der Berufsarbeit wird durch Leitbilder und Idealvorstellungen zur Berufstätigkeit und zur Kinderbetreuung beeinflusst. Zugleich machen sich persönliche Voraussetzungen wie etwa die Berufserfahrungen und die Einkommensverteilung vor der Geburt bemerkbar. (…) Mütter, die bereits vor der Geburt der Kinder im Beruf viel Verantwortung hatten oder gut verdienten, kehren nach der Elternzeit eher auf Vollzeitstellen oder in eine längere Teilzeit zurück als andere.
(…)
Allerdings wirken sich solche Faktoren vor allem auf die Erwerbsbeteiligung der Mütter aus. Die Beschäftigung der meist Vollzeit berufstätigen Väter variiert nach der Geburt der Kinder ungleich weniger.

Mit anderen Worten: Wer ist freier?

Zitate S. 29 (Motive der Aufteilung) zusammengefasst: Mann verdient mehr, Frau wollte für das Kind da sein.

S. 29 Bei ihren Beschreibungen der Aufteilungsprozesse weisen die Mütter und Väter drei Einflüssen besondere Bedeutung zu: Den Wünschen der Mutter, Zeit mit dem Kind zu verbringen, die 70 Prozent als besonders bedeutsam für ihre Aufteilung betrachten, den Wünschen der Mutter, das Kind in den ersten Jahren selbst zu betreuen (66 Prozent), sowie der Einkommensverteilung vor Geburt des Kindes (60 Prozent).

S. 30 die beiden wichtigsten Aspekte (92 und 87 %): Wünsche der Mutter!

S. 31: Etwa die Hälfte der Eltern verfolgt das Leitbild einer spezialisierenden Aufgabenteilung, bei der sich der Vater vor allem um die Berufsarbeit und die Mutter vorwiegend um die Betreuung und Erziehung der Kinder kümmert.
(…)
Von daher handelt es sich hier meist um das Ideal einer „partiellen“ Spezialisierung, in der die Mutter nach längerer Elternzeit in kürzerer Teilzeit oder geringfügiger Beschäftigung wieder berufstätig ist.

S. 31/32: Das Leitbild hat sich seit 1982 stark gewandelt; damals war Berufstätigkeit der Mutter noch wenig beliebt. Frage: Hat die Entwicklung der Löhne etwa etwas damit zu tun?

S. 33: So legen 32 Prozent der Mütter und Väter besonderen Wert auf Elternzeiten von Vätern und 25 Prozent erklären: „Ich finde es für eine Familie am besten, wenn beide Eltern gleich viel arbeiten und sich die Kinderbetreuung gleichermaßen aufteilen“.

Also eine Minderheit.

S. 37: Besonders deutlich unterscheiden sich die Leitbilder in Westdeutschland und Ostdeutschland (vgl. Schaubild 16). International vergleichende Studien zeigen, dass in Ostdeutschland ähnliche Leitbilder vorherrschen wie beispielsweise in Frankreich oder in Schweden. In Westdeutschland war dagegen über Jahrzehnte ein ausgeprägtes Misstrauen gegenüber der Fremdbetreuung kleiner Kinder prägend sowie auch das Leitbild der spezialisierten Aufgabenteilung zwischen den Partnern.

(Als Quelle dient eine Ministeriumsveröffentlichung!)

Ach, die bösen Westdeutschen! Wollen einfach nicht, was andere wollen. Vergleichsfrage: Wie ist das Einkommen in Ostdeutschland im Vergleich zu Frankreich und Schweden?

S. 39 Zitate: Wer mehr verdient… und das ist der Mann.

S. 39: Dabei wird die scheinbare Offenheit, wer nun die Berufs- und wer die Familienarbeit übernimmt, in der Praxis allerdings dadurch konterkariert, dass berufstätige Männer vor der Geburt des ersten Kindes weitaus häufiger das größere Einkommen erzielen. 46 Prozent der Väter berichten, vor der Geburt des Kindes deutlich mehr verdient zu haben als ihre Partnerinnen.

Wie kommt das, wo doch Frauen im Schnitt sogar leicht bessere Abschlüsse haben? Liegt es daran, dass sie weniger Stunden pro Woche arbeiten?

S. 40 Zitat: Frau hat vorher mehr verdient, wollte aber fürs Kind da sein

S. 40: Hier setzen sich die Betreuungswünsche der Mütter häufig gegenüber dem ökonomischen Kalkül durch.

Die bösen Frauen! Wollen einfach nicht in rein ökonomischen Kategorien denken, sondern ihre Wünsche durchsetzen.

S. 40/41: Dort, wo beide Elternteile vor der Geburt nach eigener Angabe „gut“ verdienten, entscheiden sich sogar 39 Prozent der Paare für eine stärker berufsorientierte Erwerbskonstellation mit dem Vater in Vollzeit und der Mutter ebenfalls in
Vollzeit oder in längerer Teilzeit (Schaubild 21). Insgesamt umfasst der Anteil der Mütter, die in diesen Familien in Vollzeit oder längerer Teilzeit in den Beruf zurückkehren, 44 Prozent.

Die Zahl kann man unterschiedlich interpretieren, nur ist deutlich, dass in diesen Familien offenbar mehr als eine Möglichkeit realistisch ist.

S. 41/42: Erkennbar wirken sich zudem die Chancen zur Erzielung eines höheren Einkommens aus. In den Familien, in denen die Mutter ein Studium abgeschlossen hat, sind nach der Elternzeit beim ersten Kind 37 Prozent in der Konstellation Vollzeit/Vollzeit oder Vollzeit/längere Teilzeit berufstätig (vgl. Schaubild 21). In vergleichsweise vielen der Familien mit akademisch gebildeter Mutter sind die Mütter nach der Elternzeit beim ersten Kind auch in Vollzeit oder längerer Teilzeit berufstätig, ohne dass der Vater Vollzeit berufstätig wäre (13 Prozent); insgesamt entscheiden sich 50
Prozent dieser Mütter für eine Tätigkeit in Vollzeit oder längerer Teilzeit.

Auch andere „Ressourcen“ mit Bedeutung für einen Beruf wie etwa Berufserfahrung und berufliche Anknüpfungsmöglichkeiten wirken in Richtung einer stärkeren Erwerbsbeteiligung von Müttern nach der Elternzeit. Gerade Mütter, die als Fachkräfte oder verantwortliche Mitarbeiterinnen ein besseres Einkommen erzielen können als andere, knüpfen nach der Elternzeit zu weit überdurchschnittlichem Anteil an ihre frühere Tätigkeit wieder an.

Mit anderen Worten: Akademikerinnen haben die größte Chance, eine andere als die klassische Konstellation auszuleben. Wichtig ist dabei, dass sie ein gutes Einkommen erzielen.

S. 42/43 Ein Teil der Eltern erlebt die unterschiedliche Verteilung der Einkommen von Mann und Frau vor Geburt der Kinder aber auch als Hindernis für die Verwirklichung der eigentlich gewünschten Aufteilung. 33 Prozent der Mütter und Väter erklären: „Wenn bei uns die Gehälter anders verteilt gewesen wären, hätten wir uns vermutlich für eine andere Aufteilung von Berufstätigkeit und Kinderbetreuung entschieden“

Wo ist da das Hindernis? Es bedeuter doch nur: Wären die Verhältnisse anders, würden wir anders handeln. Beachtlich auch, dass dem nur ein Drittel zugestimmt hat – eine überwiegende Mehrheit hätte nichts anders gemacht!

„Gut“, dass nicht die Anschlussfrage gestellt wurde, was die Partner jeweils gelernt / studiert haben und zu welchen Bedingungen sie arbeiteten. Wer weiß, was dann für Unterschiede herausgekommen wären, die natürlich eine bestimmte Aufteilung der Aufgaben naheliegend machten. (Das unterschiedliche Gehalt und die unterschiedliche Anzahl der gearbeiteten Stunden pro Woche hatten wir ja schon.)

S. 44 Beträchtlichen Einfluss auf die Aufgabenteilung nehmen zudem die Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Man beachte: Es geht nicht um „Kind und Karriere“! Interessant bei den Zitaten, dass flexible Arbeitszeitregelungen angesprochen werden. Ich kann nur vermuten, dass diese sich immer mehr durchsetzen, weil sie der Lebensrealität immer mehr Paare entsprechen. Das wäre tatsächlich einmal ein an der Realität orientierter Untersuchungsgegenstand!

S. 50: Zitate: Ideal ist halb und halb, das geht aber aus finanziellen oder organisatorischen Gründen nicht. Wer hätte das gedacht, dass man sich z.B. koordinieren muss und deswegen nicht jeder bei der Arbeit erscheinen kann, wann er will?

S. 50: Wenn sie auf nichts Rücksicht nehmen müssten, würden insgesamt 47 Prozent der Eltern eine Konstellation wählen, in der beide Partner gleich oder annähernd gleich lange im Beruf arbeiten. Dabei würden sich die 8 Prozent der Eltern für eine Vollzeit/Vollzeit-Konstellation entscheiden bzw. 11 Prozent für eine Konstellation mit dem Vater in Vollzeit und der Mutter in längerer Teilzeit. Diese Konstellationen in denen zur Zeit 31 Prozent der Eltern beschäftigt sind, werden von 19 Prozent als ideal betrachtet. Attraktiver ist eine Konstellation, in der beide Elternteile in Teilzeit berufstätig sind. 28 Prozent der Mütter und Väter finden eine solche Konstellation für sich persönlich ideal.

Beachtlich: Mutter Vollzeit, Vater weniger als Vollzeit wird nicht aufgeführt. Nur 8 Prozent wollen beide Vollstoff arbeiten… und wer hätte das gedacht? Mit zwei halben Stellen kommt man in Zeiten, in denen ein volles Gehalt meist nicht mehr reicht, eventuell nicht über die Runden.

S. 51: Eltern mit höheren Familieneinkommen können sich eher als andere eine solche gleiche oder annähernd gleiche Aufteilung vorstellen (58 Prozent); bereits jetzt arbeiten rund 40 Prozent dieser Eltern in einer solchen Konstellation.

Mit anderen Worten: Eine Stelle, in der die Frau viel verdient, ist eine gute Voraussetzung für gleiche Aufgabenteilung.

S. 53 Zitate

Ich würde meine Frau gerne noch mehr entlasten, aber durch meinen Job gibt es da ja einige Einschränkungen. Gerade jetzt, wo wir wieder ein neues Baby haben, wäre ich gerne vor allem abends frei und früher zuhause, um die Kleinen immer gemeinsam ins Bett bringen zu können, aber wie heißt es manchmal so schön: Das Leben ist kein Wunschkonzert – also machen wir das Beste daraus für alle Beteiligten. (Vater, 42 Jahre, Mutter 24 Monate in Elternzeit, zugleich 20 Stunden Teilzeit berufstätig, West)

Mein Lieblingszitat aus der ganzen Studie!

S. 54: Für die Mütter entsteht aus der Erfahrung der meist dauerhaft ungleichen Verteilung häufig der Eindruck, keine guten Möglichkeiten für eine gleichgewichtige Aufteilung der Familienarbeit sowie für eine stärkere Erwerbsbeteiligung zu haben. Das trägt zum Gesamturteil vieler Mütter bei, dass eine wirkliche Gleichberechtigung der Frau noch lange nicht verwirklicht ist.

Sind Männer besser dran, weil sie nach wie vor aus finanziellen und organisatorischen Gründen kaum eine Alternative zur Vollzeitarbeit haben? Die Statistiken vorher zeigten, dass die Frauen deswegen öfter zu Hause bleiben, weil sie sich es wünschen. Da ist zumindest ein Wunsch verwirklicht.

Die Fragestellung ist allerdings auch Grütz:

S. 55: „Zum Thema Gleichberechtigung: Wie ist Ihr Eindruck: Ist die Gleichberechtigung der Frau weitgehend verwirklicht, oder muss da noch einiges getan werden, damit Mann und Frau bei uns gleichberechtigt sind?“

Das sind keine sich ausschließenden Alternativen. Ich finde, dass die Gleichberechtigung der Frau weitgehend verwirklich ist und gleichzeitig noch einiges getan werden muss, damit Mann und Frau bei uns gleichberechtigt sind.

S. 60: Voraussetzungen für eine gleiche oder annähernd gleiche Aufteilung sind also vor allem
• geeignete Betreuungsmöglichkeiten,
• gute betriebliche Möglichkeiten für Mütter und Väter, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren, was geeignete Arbeitszeitmodelle mit einschließt,
• familienpolitische Maßnahmen, die Hürden für eine weniger ungleiche Aufteilung verringern,
• die Bereitschaft beider Elternteile, sich bei der Familienarbeit wie auch bei den beruflichen Plänen gegenseitig zu unterstützen.

Keine überraschend neuen Erkenntnisse, aber es schadet auch nicht, das noch einmal empirisch zu belegen. Vor allem sieht man, dass es mehrere, voneinander recht getrennte Faktoren sind, die alle zusammenkommen müssen, damit es klappt.

Das Blog Familienschutz wies noch auf einen Artikel der Zeit hin, der sich ebenfalls mit der Studie beschäftigt: „Wenn Väter täten, was sie wollen„.

Da finden sich dann Formulierungen wie:

Väter wollen zwar für ihre Kinder da sein, doch sie sind nicht bereit, die Nachteile, die Frauen dafür in Kauf nehmen, zu akzeptieren.

Den Nachteil, dass ihrem Wunsch Vorrang eingeräumt wird, Zeit mit dem Kind zu verbringen (wie es in der Studie steht)? Den Nachteil, zumindest eine gewisse Wahl zu haben, wieviel sie arbeiten wollen? (Mehrmals wird in der Studie als wichtiger Faktor dafür das Einkommen der Frau genannt – sprich: Frauen, die arbeiten wollen, sollten zusehen, dass sie ordentlich verdienen.)

Wenn ein Vater die Hauptlast des Geldverdienens auf sich nimmt, damit die Frau mehr Zeit für die Kinder hat, ist das doch gut! Es zeugt auch von einer vernünftigen Aufgabenverteilung und einem realistischen Blick auf die Welt, so wie er bei den Familien aus der Studie durch die Bank deutlich wird.

Höher als in anderen Ländern ist in Deutschland im Übrigen auch der Anteil der Frauen, der kinderlos bleibt. Dies habe damit zu tun, dass Frauen in Deutschland noch immer nahegelegt werde, man müsse sich zwischen Karriere und Kindern entscheiden, vermutet Schwesig.

Leider steht in der Studie zu beiden Sachverhalten nichts, aber auch gar nichts drin. Letzteres ist also reine Spekulation, die man einfach bei dieser Gelegenheit wieder auspackt.

Ich könnte genauso mutmaßen: Wird in Deutschland noch immer stärker als anderswo auf Männer und Väter eingedroschen mit dem Klischee, sie seien verantwortungslos? Wenn sie nicht arbeiten, sind sie Taugenichtse, wenn sie arbeiten, nehmen sie den Frauen die Karrieremöglichkeiten weg bzw. handeln nicht gleichberechtigt… welche zögerliche Mann möchte mit diesen Negativbildern in Deutschland Vater werden?

Bleibt die Frage, was Politik tun kann, um Eltern zu ermöglichen, eine Aufteilung zu finden, mit der beide zufrieden sind.

Eine Aussage, die so nicht durch die Studie gedeckt wird. Die meisten sind ja der Überzeugung, dass sie den Umständen entsprechend das beste gemacht haben.

Auch das von ihr geplante Entgeltgleichheitsgesetz gehe in diese Richtung. Schließlich sei ungleiche Bezahlung einer der Hauptgründe dafür, dass eher Frauen als Männer ihre Erwerbstätigkeit für Kinder reduzieren.

Auch das steht nicht in der Studie. Stattdessen reduzieren Frauen dann vermehrt, wenn sie deutlich weniger verdienen als ihr Mann. Das tritt erstaunlich häufig auf, obwohl Frauen durchschnittlich leichter besser gebildet sind. Allerdings arbeiten sie auch deutlich weniger Wochenstunden vor der Geburt des ersten Kindes.

Ich freue mich jedoch auf jedes Gesetz, das dann die Gehälter offenlegt und mit dem sich dann zeigen läßt, dass wir tatsächlich bei gleichem Lohn für gleiche Arbeit angelangt sind. Der Mythos Gender Pay Gap könnte dann endlich als die radikalfeministische Dolchstoßlegende erkannt werden, die er eigentlich ist.

An manchen anderen Faktoren kann die Politik dagegen wenig ändern. Solange in Unternehmen Teilzeitkräfte keine Karrierechancen haben oder Frauen noch immer bevorzugt Berufe arbeiten, in denen man nun mal nicht besonders gut verdient, dürfte auch die partnerschaftliche Aufteilung der Familienarbeit schwierig bleiben.

Immerhin noch ein Fünkchen Wahrheit am Ende des Artikels: Die Politik kann nur begrenzt steuern; es ist auch generell fraglich, ob sie sich in die Lebensentwürfe von Menschen einmischen soll, die großen Teilen in Harmonie einen Weg finden. Wenn es sich finanziell lohnt, eben nicht alles 50/50 aufzuteilen, wäre es bescheuert, etwas anderes anzustreben, wenn man dafür keine starke Präferenz hat.

Frauen haben insofern eine große Steuerungsmöglichkeit, als sie selbst entscheiden können, was sie studieren bzw. zu was sie sich ausbilden lassen, wieviel sie dann arbeiten – und wen sie als Partner nehmen. Alle drei Faktoren bestimmen, ob es sich für die Familie lohnt, wenn sie wieder arbeiten geht (und der Mann dafür beruflich kürzer tritt), oder ob es ein harter Einschnitt wäre.

Aber auch Männer kommen in der Studie erstaunlich gut weg: Sie haben eine weitestgehend moderne Einstellung, legen auf Harmonie und Unterstützung der Frau wert.

Überhaupt zeichnet die Studie ein Bild von realistisch durchs Leben gehenden Menschen, die in Kooperation Entscheidungen treffen und damit leben, weil sie eine Familie gründen wollen. Nichts könnte weiter vom Geschlechterkrieg „Männer gegen Frauen“ entfernt sein, den uns einige radikale Aktivisten predigen. Ich muss Klaus Kelle also nach dem Lesen der Studie mit seiner Beurteilung zustimmen.

Einen Punkt möchte ich besonders hevorheben: Die Formulierung „Wenn sie auf nichts Rücksicht nehmen müssten“ (S. 50), mit der die „ideale“ Situation beschrieben wird. Hier ist die Allensbach-Studie erstaunlich dumm.

Wenn ich auf nichts Rücksicht nehmen müsste, würde ich erst gar nicht mehr arbeiten gehen! Das wäre für mich ideal.

Sich für etwas zu entscheiden bedeutet auch immer auf die anderen Möglichkeiten zu verzichten. Das Leben ist kein Schlaraffenland.

Oder wie es der Schwulemiker (alias Adrian) formulierte:

Es kann aber nicht jeder so leben wie er möchte, weil wir in einer Welt knapper Ressourcen leben und daher wirtschaften müssen. Weil wir in Gesellschaft leben und daher das eigene Interesse stets mit den Interessen aller anderen in Balance gebracht werden muss.

Das Leben ist kein Ponyhof!

Genau das haben die Befragten in der Studie verstanden – im Gegensatz zu den Leuten, die die Studienergebnisse formuliert haben. Oder wie der Vater in meinem Lieblingszitat auf S. 53 sagte: Das Leben ist kein Wunschkonzert – also machen wir das Beste daraus für alle Beteiligten.

Wenn das auch bei Manuela Schwesig ankommen würde und sie begreifen würde, dass die meisten Paare da weiter sind als sie selbst es ist, dann könnten wir uns über realitätsorientierte Familienpolitik unterhalten – ohne die stets implizierten Scheuklappen, dass die Frauen Opfer der Verhältnisse sind und die Männer rückschrittliche Egoisten.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Nach soviel Lesen etwas leichte Unterhaltung.

Sister Sledge: We Are Family

Warum ich auf Nicht-gut-genug-Aktivismus verzichten kann

Homosexuelle dürfen US-weit heiraten – da war ein großer Tag. In meinem Bekanntenkreis gab es viele, die sich gefreut haben.

Aber es finden sich natürlich auch immer Leute, denen das nicht genug ist. So wie schon bei der Einführung der Ehe für Homosexuelle in Irland, beispielsweise im Artikel Why I’m not celebrating Ireland’s legalization of gay marriage as a win for ‘equality’ (gefunden via Sargon of Akkad).

Dabei lese ich dann sinngemäß Sachen wie:

  • Jetzt, wo die Homosexuellen glücklich sind, werden die Belange der Transsexuellen vergessen.
  • Statt Ehe für gleichgeschlechtliche Paare sollte man die Ehe ganz abschaffen!
  • Solange nicht alle glücklich sind, ist das alles nichts!

Und damit sind wir angelangt beim klassischen Nicht-gut-genug-Aktivismus, der sich dadurch auszeichnet, dass man zwar nichts macht, aber sich dadurch als moralisch höherwertig erweist, dass man auch mit Teilerfolgen, die in die richtige Richtung gehen, bloß nicht zufrieden ist oder gar nur einen Tag feiert. Ein solcher Aktivismus ist unmenschlich, weil er nicht berücksichtigt, dass Menschen das Bedürfnis haben, sich ab und zu zu freuen. Er ist auch nicht attraktiv, weil er das Motto verbreitet, dass man sich niemals über etwas freuen sein darf, wenn nicht das absolute Ideal erreicht ist (was man naturgemäß nie schaffen kann). Toll ist so etwas nur für wenige Leute, die sich wie verstockte Religiöse als etwas Besseres beweisen wollen, in dem sie nie die Freuden des Alltags in ihr Leben lassen. Mit ihrem moralinsaurem Auftreten und ihrer permanenten Unzufriedenheit verfehlen sie jedoch den Kern einer erfolgreichen Gruppe von Aktivisten: Sie hat nicht nur ein gemeinsames Ziel, sondern zeichnet sich auch durch gute Beziehungen untereinander und positive Gefühle aus. Von so irdischen Dingen wie Salamitaktik oder der Politik der kleinen Schritte einmal ganz zu schweigen.

Der Nicht-gut-genug-Aktivismus ist ein sicheres Rezept, um auch morgen noch unglücklich zu sein. Einige wollen das anscheinend.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Zum Thema „Aktivismus“ fiel mir als erstes dieses Lied von den Ärzten ein.

Die Ärzte: Deine Schuld