Warum ich Freundlichkeit als wichtigen Tipp für Attraktivität empfehle

Die Frage, wie man als Mann gut flirtet, bleibt immer aktuell. Ich denke, dass es kein Kochrezept gibt, das man einfach ausführen kann. Oft sind es viel grundsätzlichere Dinge, die zuerst gelöst werden müssen.

Die Flirttipps von Erzählmirnix etwa zielten auf eine allgemeine Lebensführung ab. Und auch mein Rat, dass gute Gespräche führen eine wichtige soziale Eigenschaft ist, geht in die Richtung.

Als grundsätzliche Qualität hatte ich bereits Souveränität erkannt und die Frage gestellt, was deren Erreichen im Weg steht. Das läßt sich natürlich auch umgekehrt formulieren: Wodurch strahle ich Souveränität (oder meinetwegen auch Status) aus?

Ich habe festgestellt, dass es eine Sache gibt, die sehr große Wirkung zeigt, sofern man einigermaßen ordentlich angezogen ist: Freundlichkeit gegenüber Abhängigen und Bediensteten.

Erzählmirnix hat es kürzlich plakativ anhand einiger Kunden dargestellt. Cracked.com hatte eine Liste von „27 Kursen, von denen wir wünschten, dass man Leute in der Schule dazu zwingt, sie zu machen“ und auf Platz 1 (Grafik) landete ein Bild mit mehreren Personen und Gegenständen sowie der Frage: „Bei welchem der folgenden handelt es sich um Menschen und sollte auch so behandelt werden?“ Gezeigt wurden unter anderem eine Bedienung und ein Obdachloser.

Im Prinzip geht es um Leute, die entweder auf einen angewiesen sind und in der sozialen Hierarchie unter einem stehen, oder (vor allem) Menschen, die einen bedienen müssen und einem deswegen nicht aus dem Weg gehen können. Direkter Kundenkontakt, etwa Bedienung in Kneipe/Café/Disco, ist ein Knochenjob, zumal man auch dann freundlich auftreten muss, wenn sich das Gegenüber patzig verhält.

Umso mehr kann jeder einen Unterschied machen und Leute anständig behandeln. Gerade wenn mal etwas nicht klappt, reicht es aus, sich zu fragen, ob die Person, die vor einem steht, persönlich für das Ungemach verantwortlich ist oder nur als menschlicher Puffer dient, um den Ärger abzufangen.

In dem Sinne: Das fehlende oder automatisch heruntergerasselte „Guten Tag!“ gegen einen bewusste, extra freundliche Begrüßung austauschen. Ich war selbst erstaunt, wie viele strahlende Augen und angenehm überraschte Gesichter ich damit erzeugt habe.

Eine gewisse Eleganz ist natürlich altmodisch – also nichts von wegen „alte Rollen aufbrechen“, sondern im Gegenteil althergebrachtes galantes Verhalten wiederentdecken ist angesagt. Seine schleche Laune nicht an einem (in der Situation) Untergebenen auszuleben, hat aber viel mit Souveränität zu tun.

Vielleicht klingt das ein wenig nach Ritterlichkeit, die inzwischen verpönt ist. Echte Freundlichkeit ist jedoch freiwillig und wird aus einer Position der Stärke heraus gegeben. Das macht den Unterschied aus zu einem zwangsweise erfolgenden Andienern (das ja wiederum nichts anderes ist als eine niedrigere Position zu signalisieren).

Ich würde dieses Verhalten sogar in Maßen als männerrechtlich relevant bezeichnen. Wie oft höre ich, dass Männer in schlechten Jobs quasi keine Beachtung finden? Hier ist die Gelegenheit, alle ordentlich zu behandeln. Viele schaffen es nicht aus ihrer Stelle als kleines Licht heraus. Aber zumindest kann ich ihnen im direkten Umgang zeigen, dass ich in ihnen ein menschliches Wesen sehe und nicht nur ein anonymes, austauschbares kleines Rad im Getriebe.

Und als letztes: In Deutschland wird wenig gelächelt. Umso mehr sind viele Leute dann angetan, wenn sie es in diesem Zusammenhang mal wieder erleben.

Warum halte ich das für attraktiv, wenn das scheinbar so einfach zu machen ist? Es wirkt immer besser, nicht den eigenen Ärger an anderen auszulassen und man zeigt, dass man seine Position nicht dadurch demonstrieren muss, indem man andere herunterbügelt.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Heute passt ein Lied über Arbeit, die man tun muss, um über die Runden zu kommen.

Huey Lewis and the News: Workin‘ for a livin‘